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Full text of "Carl Schmid, Pistis Sophia, ein gnostisches Originalwerk 1925"

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Carl 





EIN GNOSTISCHES 
ORIGINALWERK 



SCßiiruixhs 'sehen SßudihanxUung 

* 



PISTIS SOPHIA 



Ein gnostisches Originalwerk des dritten Jahrhunderts 
aus dem Koptischen übersetzt 



In neuer Bearbeitung 
mit einleitenden Untersuchungen und Indices 

herausgegeben 
von 

D. Dr. CARL SCHMIDT 

Professor der Theologie an der Universität Berlin 




Leipzig 

J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung 
1925 

ÖL- lf 



Copyright 1925 
by J. C. Hinrichs'sche Buchhandlong, Leipzig 
Printed in Germany 



Herrn Hofrat Röhrer -München 



dem wirksamen Förderer und treuen Begleiter 
auf der Sinai-Expedition 

um deren reiche Früchte der Weltkrieg 
die Wissenschaft und das Vaterland 
gebracht hat 



F 



Vorrede. 

Bei dem ungemein regen Interesse, welches in der heutigen 
Zeit in weiten Kreisen für die orientalische Theosophie und 
Mystik herrscht, kann es nicht wunder nehmen, daß der erste 
Band der „koptisch-gnostischen Schriften" 1 im Buchhandel 
vergriffen ist. Ich erhielt deshalb vom Verlage den Auftrag, 
die Pistis Sophia, auf welche sich das Hauptinteresse der Leser 
konzentriert, in neuer Bearbeitung herauszugeben, und kam 
dieser Aufforderung um so freudiger nach, als ich zugleich 
mit der Neuherausgabe des koptischen Textes für die Serie 
der Coptica betraut war, die mit Unterstützung des Institutum 
Eask-Oerstedianum in Kopenhagen unter der Leitung von 
Professor H. 0. Lange veröffentlicht werden. Diese Ausgabe 
ist soeben erschienen unter dem Titel: Pistis Sophia. Neu 
herausgegeben mit Einleitung nebst griechischem und kop- 
tischem Wort- und Namenregister von D. Dr. Carl Schmidt 
(Coptica II), Hauniae, Gyldendalske Boghandel-Nordisk Forlag, 
1925. Die Bearbeitung des koptischen Textes mußte natürlich 
auch der Übersetzung zugute kommen: vor allem wurde mir 
durch ein Beisestipendium von Seiten der Notgemeinschaft der 
Deutschen Wissenschaft die Möglichkeit gegeben, das Ms. noch 
einmal an Ort und Stelle einzusehen und eine Eeihe von 
Problemen von neuem zu überprüfen. Ich fühle mich daher 
verpflichtet, Herrn Staatsminister Dr. Schmidt-Ott für die 
Unterstützung auch an dieser Stelle meinen besonderen Dank 
auszusprechen. 

Eine Vergleichung der jetzigen Ausgabe mit der früheren 
wird zeigen, daß die Übersetzung an zahlreichen Stellen eine 
Verbesserung erfahren hat, aber tiefgreifende Änderungen sind 

1 In der Sammlung Die Griechischen christlichen Schriftsteller der 
ersten drei Jahrhunderte, Leipzig 1905. 



VI 



Vorrede. 



nicht erfolgt. Freilich ist der textkritische Apparat weg- 
gelassen, da dieser nur die wenigen Kenner des Koptischen 
interessieren wird und diese in der Textausgabe das Material 
vorfinden. Leider mußten infolgedessen auch manche gelehrte 
Notizen ausgemerzt werden und alle koptischen Ziffern und 
Wörter bei der Beschreibung der Handschrift verschwinden, 
da der Verlag das größere Laienpublikum als Käufer in erster 
Linie berücksichtigt wissen wollte. Von diesem Gesichtspunkt 
aus habe ich eine eingehende Analyse des Inhalts behufs Ein- 
führung in die vorliegende gnostische Gedankenwelt hinzu- 
gefügt. Ebenso sind die Untersuchungen über Verfasserschaft 
und Zeit der Entstehung des Werkes bedeutend erweitert. 
Auch die Fragen und Probleme über Handschrift, Sprache und 
Komposition sind ausführlicher behandelt; ich habe letzteren 
Teil fast unverändert in die Übersetzungsausgabe über- 
nommen. Auf religionsgeschichtliche Untersuchungen habe 
ich mich nicht eingelassen, obwohl die Pistis Sophia zahl- 
reiches Material dazu bietet. 1 Trotzdem hoffe ich auch den 
Kirchen- und Keligionshistorikern manches Neue sagen zu 
können. So möge denn diese Übersetzungsausgabe in ihrem 
neuen Gewände neben den alten Freunden neue Liebhaber 
für die uns heute so seltsam anmutende gnostische Literatur 
gewinnen ! 

Berlin, im Januar 1925. 

Carl Schmidt. 



1 Ich verweise Interessenten auf Liebleina Abhandlung „Pistis Sophia" 
in den Kristiania Videnskobs-Selskabs Forhaudlingen 1909 und dazu Maspero, 
Kevue critiqne 19Ü9, p. 192. Ohne Wert sind die Ausführungen von Am6- 
lineau in seinem Essai sur le Gno3ticisme egyptien, ses developpements et 
son origine egyptienne [AnnaleB du Musee Guimet, t. XIV], Paris 1887. 



Bemerkungen zur vorliegenden Ausgabe. 



Da inzwischen meine Neuausgabe des koptischen Textes 
erschienen ist, sind die betreffenden Seiten am Rande mit 
schrägen Ziffern angegeben; die geraden Zahlen bedeuten die 
Seiten der Ausgabe von Schwartze-Petermann. 

Die alte Kapiteleinteilung habe ich beibehalten, ebenso 
die Zerlegung der Psalmen und Hymnen in Verse. Die 
griechischen Wörter sind in Klammern beigesetzt, um dem 
Leser die griechische Grundlage der koptischen Übersetzung 
vor die Augen zu führen. Freilich habe ich den griechischen 
Index nicht wieder aufgenommen, da der Gelehrte ihn in 
meiner Textausgabe benutzen kann. Aus dieser Rücksicht 
auf das interessierte gebildete Laienpublikum sind die text- 
kritischen Anmerkungen, wie ich in der Vorrede bereits be- 
merkt habe, fast ganz ausgemerzt. Die alt- und neutesta- 
mentlichen Parallelen sind dagegen angemerkt worden. Auch 
auf ein ausführliches Namen- und Sachregister glaubte ich 
nicht verzichten zu dürfen, um dem Erforscher des Gnostizis- 
mus und dem Religionshistoriker die Benutzung der Ausgabe 
als eines Nachschlagewerkes zu ermöglichen. 
Was die Zeichen betrifft, so bedeutet: 

< > — auf Konjektur beruhender Zusatz, 
[ ] = zu beseitigender Einschub, 
= Lücke, 

= zweifelhafte Übersetzung. 



Inhaltsverzeichnis. 



Seite 

Vorrede V 

Bemerkungen znr Torliegenden Ausgabe VII 

Einleitung . IX— XCI 

1. Geschichte der Edition IX 

2. Beschreibung der Handschrift XIII 

3. Sprache XIX 

4. Inhalt, Titel und Komposition XXIV 

5. Verfasser, Ort und Zeit LI 

Nachträge und Berichtigungen XCII 

Übersetzung des Textes . 1 — 286 

Register 287—308 

I. Stellenregister 

% Altes Testament 289 

2. Neues Testament 289 

3. Außerkanonische Schriften 291 

II. Namen- und Sachregister 291 



Einleitung. 



1. Geschichte der Edition. 

Das Ms. der Pistis Sophia ist in der gelehrten Welt unter 
dem Namen Codex Askewi an ns bekannt. Es trägt diesen 
Namen nach dem ersten Besitzer Dr. Askew, aus dessen 
Nachlaß der Kodex im Jahre 1785 von dem British Museum 
für den geringen Preis von £ 1O10 erworben wurde. Auf 
welchem Wege das Ms. in den Besitz von Dr. Askew ge- 
kommen ist, steht nicht fest. Nach der Mitteilung von Woide 
in einem Briefe an Michaelis vom Jahre 1773 1 soll es bei 
einem Buchhändler — d. h. höchstwahrscheinlich in London — 
gekauft sein. Daraus geht die eine Tatsache hervor, daß 
Dr. Askew es nicht in Ägypten selbst erworben hat. Die 
Notiz von Koestlin, Theol. Jahrbücher, herausgeg. von Baur 
und Zeller, 1854, S. 1, Anm. 1, über das Brittische theolog. 
Magazin vom Jahre 1770, Bd. 1, Stück 4, S. 223, ist jetzt 
geklärt, nachdem ich ein Exemplar dieser seltenen Zeitschrift 
auf der Staatsbibliothek aufgespürt habe. 3 Herr Woide, 

1 Vgl. Buhle, Literarischer Briefwechsel von Jon. David Michaelis 
(Leipzig). Vol. III (1796), p. 69. 

2 Die Abhandlung ist betitelt: „Nachricht von dem Biichervorrath 
dea Herrn Dr. Anton Askew in London, und von einigen griechischen 
Handschritten, die sich darin befinden." Daselbst lesen wir, daß Dr. Askew 
ein Arzt in London, Mitglied der königl. Londonschen Sozietät der Wissen- 
schaften nnd anderer gelehrten Gesellschaften war. Er soll über 300 Perga- 
meuthandschriften in lateinischer und griechischer Sprache in seiner kost- 

dre re R-^ ibli ° thek . Vereinigt haben ' die sich be3onders anf die Kirchenväter, 
Sara ! ^ Arzneiwissenschaft bezogen. Auch von einer riesigen 

Schrift ? älteäter «"d erster Ausgaben lateinischer und griechischer 
Dr Ast " K5rchenvater s P richt der Berichterstatter. Die Hds. soll 
dem B e 6W 8einen Reisen in Italien, Griechenland nnd besonders auf 
auf die Und anderen 0rteu erworben haben. Das ist die Notiz, 

oesthn anspielt, aber sie hat nichts zu tun mit unserem koptischen 



Pistis Sophia. 

nach der Angabe von Legge damals Minister at the German 
Cbapel at St. James Palace, bekannt als der Herausgeber des 
Cod. Alexandrmus, der sich in jenen Tagen mit koptischen 
Studien beschäftigte, hatte die erste Gelegenheit, bei dem 
ursprünglichen Besitzer das Ms. einsehen zu können und 
lenkte die Aufmerksamkeit der Bibelforscher auf das Werk 
in einer Abhandlung, abgedruckt in J. A. Cramers Bey- 
träge zur Beförderung theologischer und andrer wichtiger 
Kenntnisse (Kiel und Hamburg) 1778, in, S. 55 f. und 154 f. 
Er führte die Schrift unter dem Namen Pistis Sophia ein, 
der seitdem allgemein üblich geblieben ist. Ferner verwertete 
er die vorkommenden neutestamentlichen Zitate in seinem 
großen Werke: Appendix ad editionem Novi Testamenti Graeci 
e codice Ms. Alexandrino a Carolo Godofredo Woide descripti, 
in qua continentur fragmenta Novi Testamenti juxta inter- 
pretationem dialecti superioris Aegypti, quae Thebaidica vel 
Sahidica appellatur, e codicibus Oxoniensibus maxima ex parte 
desumpta, cum dissertatione de versione Bibliorum Aegyptiaca, 
quibus subjicitur codicis Vaticani collatio, Oxonii 1799. 

Woide hatte eine Abschrift von dem Ms. genommen, 
denn er berichtet in Cramers Beiträgen p. 84: „Die sehr 
alte Handschrift hat mir Herr Dr. Askew und seine Erben 1 
so lange gelehnet, daß ich sie völlig habe abschreiben und 
meine Abschrift mit dem Original vergleichen können", aber 
zu einer Publikation ist es nicht gekommen. Angeregt durch 
dessen Dissertatio, p. 148 sq., veröffentlichte im Jahre 1812 
der dänische Bischof Münter, sicherlich nach einer Ab- 
schrift von Woide, die in der Pistis Sophia erhaltenen fünf 
pseudo-salomoniscben Oden: Odae gnosticae Salomoni tributae 
thebaice et latine, praefatione et adnotationibus philologicis 
illustratae. Havniae 1812. Diese Oden sind, um dies hier 
schon vorwegzunehmen, durch die Entdeckung einer syrischen 
Kodex. Am Schluß folgt nämlich ein Verzeichnis der griechischen Hds. 
des Neuen Testamente nebst einem lateinischen Kodex der vier Evangelien. 
- Diese gelehrte Notiz stammt ohne Zweifel aus der Feder von Wolde, 
der ja gerade für neutestamentliche Handschriften ein großes Interesse hatte. 

1 Nach den liebenswürdigen Bemühungen von Herrn Mead ist 
Dr. Askew im J. 1772 zu Hampstead in der Nähe von London verstorben. 
Die erste Auktion seiner Bibliothek im J. 1775 brachte die Summe von 
£ 3993 und die zweite im J. 1785 die Summe von £ 1277. 



I 



Einleitung: JL Geschichte der Edition. 



XI 



Handschrift von Ren del Harris 1 als ein Teil der 42 alten 
Oden Salomos festgestellt worden; dadurch erledigt sich die 
frühere Literatur darüber. 2 Während seines Aufenthaltes in 
England in den Jahren 1838—1840 konnte Dulaurier eine 
Abschrift des Ms. nehmen; er stellte auch eine Publikation 
mit vollständigem Glossar in Aussicht, 3 aber der Druck ist nicht 
ausgeführt. Dulauriers Ms. wird jetzt in seinem litera- 
rischen Nachlaß auf der Bibliotheque Nationale aufbewahrt. 

Da wurde im Jahre 1848 der junge Prof. M. G. Schwartze 
im Auftrage der Königl. Preuß. Akademie der Wissenschaften 
zum Studium koptischer Handschriften nach England geschickt. 
Es war nur zu natürlich, daß er sich auf den Cod. Askewianus 
stürzte und eine Abschrift anfertigte. Nach seiner Rückkehr 
begann er sofort mit den Vorbereitungen der Edition, aber 
an der Publikation selbst ist er durch den frühzeitigen Tod 
verhindert worden. Diese war glücklicherweise so weit druck- 
fertig, daß sein intimer Freund und Kollege Prof. J. H. Peter- 
mann, der bekannte Orientalist, die Ausgabe besorgen konnte, 
die dann im Jahre 1851 unter dem Titel erschien : Pistis Sophia, 
opus gnosticum Valentino adiudicatum e codice manuscripto 
coptico Londinensi descripsit et Mine vertit M. G. Schwartze, 
edidit J. H. Petermann, Berolini, 1851. Petermann hat 
sich darauf beschränkt, das zurückgelassene Ms. sorgfältig 
durchzuarbeiten und offensichtliche Fehler auszumerzen, auch 
hat er für den Text einige Verbesserungen beigesteuert und 
besonders die Übersetzung revidiert. Auf diese Weise kann 
der Editio princeps trotz mancherlei Mängel — besonders 
störend ist die eigentümliche Trennung der Wörter — nur 
uneingeschränkte Anerkennung gespendet werden. Die Akribie 
der Abschrift und die Sorgfalt der Übersetzung bedeuten in 
Rücksicht auf den damaligen Stand der koptischen Wissen- 

1 The Odes and Psalms of Solomon, now first published from the 
Syriac Version. Cambridge 1909. Dazu Worrell, The Odes of Solomon and 
the Pistis Sophia in Jonrn. of Theolog. Stud. XIII (1912), S. 29 ff. 

2ßyleandJames, The Psalms of Solomon, Cambridge 1891, S. 155 ff. ; 
H a r n a c k , Über das gnostische Buch Pistis Sophia (T. n. ü., Bd. VII, 2, S. 35 ff.). 

3 Notice snr le manuscrit copte-thebain intitule: La Fidele Sagesse 
(tpistis sophia) et sur la publication projetee dn texte et de la traduction 
fraujaise de ce mannscript in dem Journal Asiatiqne, quatrieme serie, 
tom. IX, 1847, p. 534 f£. 



XII 



Pistis Sophia. 



schaft eine hervorragende Leistung; ja man könnte sogar der 
Meinung sein, eine erneute Publikation wäre überflüssig, wenn 
nicht der größte Teil der unverkauften Exemplare eingestampft 
wäre, so daß im antiquarischen Buchhandel nur selten ein 
Exemplar aufzutreiben ist. Schwartze hatte seine Über- 
setzung in lateinischer Form mit Beibehaltung der überaus 
zahlreichen griechischen Wörter veröffentlicht. Eine Über- 
setzung in moderner Sprache erschien zuerst aus der Feder 
von E. Amelineau: Ilian; Zocpm (Pistis Sophia) ouvrage 
gnostique de Valentin, traduit du Copte en Francais avec 
une introduction [Les classiques de l'Occnlte], Paris 1895. 1 
Auf der Grundlage der Amelineauschen Übersetzung ver- 
öffentlichte G. R. S. Mead, der jetzige Vorsitzende der eng- 
lischen Theosophischen Gesellschaft und Herausgeber der 
Zeitschrift „The Quest", sein Buch: Pistis Sophia: A gnostic 
gospel (with extracts from the books of the Saviour appen- 
ded), originally translated from Greek into Coptic and now 
for the flrst time Englished from Schwartzes Latin version 
on the only known Coptic MS. and checked by Amelineau's 
French version, London, 1896. 3 Sehr nützlich ist die Ein- 
leitung wegen ihrer vortrefflichen Orientierung über die 
erschienene Literatur und die verschiedenen Meinungen der 
Gelehrten. Inzwischen war ich selbst von der Kirchenväter- 
Kommission der Akademie der Wissenschaften mit der Über- 
setzung der koptisch- gnostischen Schriften betraut worden, 
und es erschien die Pistis Sophia zusammen mit den in dem 
Papyrus Brucianus enthaltenen gnostischen Schriften in den 
„Koptisch-Gnostischen Schriften", Bd. I, Leipzig 1905. Diese 
Übersetzung gab Herrn Mead die Veranlassung, sein früheres 
Werk in neuem Gewände erscheinen zu lassen unter dem 
Titel: Pistis Sophia. A gnostic miscellany: being for the 
most part extracts from the books of the Saviour, to which 
are added excerpts from a cognate literature. Englished 

1 Diese Übersetzung, insbesondere die einleitenden Untersuchungen 
genügen nicht allen berechtigten Anforderungen. Vgl. meine Anzeige in 
den Gott. Gel. Anz., 1898, Nr. 6, S. 436 ff. und Ander sson in der „Sphinx", 
Bd. VIII, S. 237 ff.; IX, S. 52 ff.; S. 233 ff.; X, S. ii ff.; XI, S. 156 ff. 

2 Vorher soll C. W. King, der Herausgeber des Werkes The Gnostics 
and their Remains (2. Ed. 1887), eine englische Übersetzung geplant haben, 
die aber nicht druckfertig im Nachlaß vorgefunden wurde. 



Einleitung: 2. Beschreibung der Handschrift. 



XIII 



(with an introduction and annotated bibliography). London 
1921. Eine neue englische Übersetzung hat soeben die Presse 
verlassen. Sie ist unter dem Titel erschienen : Pistis Sophia. 
Literall y translated from the Coptic by George Horner. 
With an introduction by F. Legge, F. S. A., London 1924, 
Society for promoting Christian knowledge. 1 So werden die 
interessierten Kreise, welche ihre Kenntnis der gnostischen 
Ideenwelt nicht aus dem Original selbst schöpfen können, an 
der Hand der Übersetzungen in den Stoff einzudringen Ge- 
legenheit finden. Freilich werden sie zugleich vor der Tat- 
sache stehen, daß Legges und meine Ansichten über Alter, 
Verfasser, Komposition usw. sich ganz diametral gegenüber- 
stehen, sicherlich ein beklagenswerter Zustand in den Augen 
des gebildeten Laienpublikums. 

2. Beschreibung der Handschrift. 2 

Der Codex Askewianus wird heute in einem modernen 
Einbände unter M. S. Add. 5114 im British Museum auf- 
bewahrt. Auf dem eingesetzten Vorsatzblatte lesen wir die 
handschriftliche Eintragung, die nach Meads Vermutung von 
Woide herrührt: Codex dialecti Superioris Aegyti, quam 
Sahidicam seu Thebaidicam vocant, cuius titulus exstat 
pagina 115: Pmeh snaou ntomos ntpiste Sophia — Tomos 
secundus fidelis Sapientiae — deest pagina 337—344. Das 
Ms. ist auf feinem Pergament geschrieben und umfaßte ur- 

1 Der Vorrede zufolge hatte Legge, der in seinem Werke Forerunners 
and Rivals of Christianity : Being Studies in religious history from 330 B. C. 
to 330 A. D. (Cambridge) 2 vols., 1916, sich mit der Pistis Sophia beschäftigt 
hatte, die von Horner besorgte wörtliche Übersetzung mit ausführlichen 
Sacherklärungen versehen. Diese sind nach dessen Tode nicht zum Ab- 
druck gebracht, sondern als selbständige Abhandlung ist nur die Intro- 
duction verblieben, für die also Legge allein die Verantwortung trägt. 
M. E. hätte es nichts geschadet, wenn auch diese den Lesern vorenthalten 
wäre, da sie den Wert der Publikation stark herabdrückt. 

2 Vergleiche die kurze Beschreibung von Woide in der Dissertatio 
de versione Bibliorrm aegyptiaca, p. 19 seines oben genannten Appendix, 
und vorher in seinen Beiträgen, S. 83. Ferner Cr um, Etryptian Exploration 

• ArChae0l0gical ßeport ' 1897 / 98 . P- 62 und Catalogue of the Coptic 
r t 'm* 116 Brit ' 9h Mnsenm - Lon don 1905. p. 173 unter Nr. 367; auch 
i opnc Mss. brought from the Fayftm : London 1893, p. 3, Note. - Bei der 
Betreibung der Hds. muß ich auf die Textausgabe Eücksicht nehmen. 



XIV 



Pistia Sophia. 



sprünglich 178 Blätter = 356 Seiten in Quart bei einer Höhe 
von 21 cm und Breite von 16,5 cm. Jede Seite enthält zwei 
Kolumnen von zirka 30 bis 34 Zeilen. Die Seiten sind von 
Anfang an mit koptischen Zahlzeichen numeriert worden, 
freilich mit dem Unterschiede, daß ein Teil der Blätter nur 
auf dem ßecto, ein anderer auf dem Recto und Verso 
numeriert ist. Außerdem ist das Ganze in 23 Quaternionen 
abgeteilt. Der erste Quaternio enthält aber nur 6 Blätter 
= 12 Seiten und der letzte nur 4 Blätter = 8 Seiten, 1 von 
denen das letzte Blatt unbeschrieben ist, resp. war. Das 
Ms. ist in einem außergewöhnlich tadellosen Zustande auf 
uns gekommen; nur 4 Blätter, d. h. die innere Lage eines 
Quaternio pag. 337 — 344, sind verloren gegangen. Nun konnte 
ich bei meiner ersten Untersuchung der Handschrift die über- 
raschende Tatsache feststellen, daß wir in dem Codex As- 
kewianus die Abschrift eines älteren Ms. vor uns haben, die 
von zwei ganz verschiedenen Händen hergestellt ist. Die erste 
Hand schreibt in der schönen aufrechten Unziale, hört aber 
mitten im Satze pag. a 22, 1. Kol., Z. 29 (= p. 23, Z. 16 ed. Schw. 
und p. 23, Z. 15 meiner Textausgabe) auf. Die zweite Hand 
beginnt mit der folgenden Zeile 30 und hat noch das letzte 
Wort mn „und" der vorhergehenden Zeile wiederholt; sie 
endet mit pag. 195 b . Diese zweite Hand ist ungelenkiger, die 
Buchstaben sind mehr geneigt. Auf pag. 196, d. h. auf dem 
Verso des betreffenden Blattes, setzt wieder die erste Hand 
ein und endet mit pag. 354. Deutlich unterscheiden sich ferner 
die beiden Abschreiber durch die von ihnen benützte Tinte; 
die des ersten ist von gelblich blasser Farbe, die des zweiten 
von mehr schwärzlicher Farbe. Als weiteres Merkmal kommt 
hinzu, daß die erste Hand nur die Eecto-Seiten — mit Aus- 
nahme von pag. 12 wegen des Quaternio — , die zweite Hand 
sowohl Becto- wie Verso-Seiten paginiert. Obwohl die erste 
Hand äußerlich sehr sauber geschrieben zu haben scheint, 
ist sie in der Abschrift der Vorlage viel sorgloser gewesen 
wie die zweite Hand. Charakteristisch sind größere Aus- 
lassungen, die bei der zweiten Hand ganz fehlen. Hier operiert 

1 Cr um hat übersehen, daß der 23. Quaternio unvollständig ist. 

2 Die Seiten des Ms. sind im Unterschiede von den Seiten der Text- 
ansgabe (= p.) mit pag. zitiert. 



Einleitung: 2. Beschreibung der Handschrift. XV 



der Betreffende wie die antiken Schreiber mit dem Obelus, 
indem er an der fehlerhaften Stelle über der Zeile das 
Zeichen setzt, am Rande dazu regelmäßig das Zeichen I 
oder t, je nachdem der Nachtrag auf dem unteren oder 
oberen Rande geschrieben ist. Dort kehren dieselben Zeichen 
wieder (s. P- 14, 15; 19, 23 im ersten Teile; das setzt im 
zweiten Teile sofort wieder ein: s. p. 216, 2; 218, 2; 242, 2; 
256, 4; 263, 8; 268, 6; 278, 1; 303, 23; 329, 14; 343, 11; 
346, 21; 348, 18; 359, 16). Kleinere Auslassungen sind durch 
den Obelus -r gleich am Rande beigefügt, s. p. 313, 15; 
355, 7; 380, 23. Da diese Zusätze alle denselben Duktus 
zeigen, auch die gleiche helle Tinte, müssen sie von der 
zweiten Hand nachträglich bei der Kollation mit der Vor- 
lage eingefügt sein, oder sonst käme als Korrektor der 
Schreiber von pag. lll b in Betracht. Von dieser Korrekturarbeit 
findet sich bei dem zweiten Schreiber keine Spur oder isoliert 
auf pag. 145" (= p. 157, 14), wo ebol am Rande mit Obelus -r- 
hinzugefügt ist, ferner pag. 90* am Rande nog mit dem 
Zeichen ~ darüber, ebenso pag. 85 b am Rande hitn mit dem 
Zeichen ~. Die Randverbesserungen stammen aber nicht 
aus der Feder des zweiten Schreibers, wie schon äußerlich 
die abweichend helle Farbe der Tinte zeigt; dazu kommt 
auch der Duktus der Schrift, der ganz an die Hand des 
ersten Schreibers erinnert. Man müßte also annehmen, daß 
auch der erste Schreiber diesen Teil seines Kollegen durch- 
kollationiert hat, , ohne dabei auf größere Auslassungen zu 
stoßen. Es wäre aber auch hier zu erwägen, ob der Schreiber 
von pag. lll b nicht dabei in Frage kommt. Der zweite Schreiber 
hat dagegen die Manier, seine Fehler durch Rasur, durch 
Zusätze einzelner Buchstaben an den Rändern oder durch 
Überschreiben, resp. Ausstreichen zu verbessern. Im übrigen 
suchen die beiden Schreiber die sofort bemerkten Versehen 
durch Auspunktieren und Durchstreichen auszumerzen. So 
haben die beiden Schreiber sich die mühevolle Arbeit redlich 
geteilt, da jeder fast die Hälfte abgeschrieben hat. Beide 
Schreiber — was besonders zu betonen ist — haben gleich- 
*u | Un . d an einem 0rt e gemeinsam gelebt; würden wir 
ihre bchriftzüge in zwei verschiedenen Handschriften vorfinden, 
wurde sicherlich jeder Paläograph beide auch ganz ver- 



XVI 



Pistis Sophia. 



schieden datieren. Nun tauchen noch zwei kleinere Stücke 
auf, die nicht direkt zum Texte des gnostischen Werkes ge- 
hören, nämlich auf pag. 111, 2. Kol. == p. 116, 1 ff. (S. 93, lOff.) 
ist ein kurzes Stück eingefügt, welches über den Namen des 
Unsterblichen handelt. Diese Kolumne war ursprünglich un- 
beschrieben. Cr um, Arch. Rep. p. 62 und Catalogue p. 173 
weist dieses Stück der ersten Hand zu, und in der Tat ist 
die Schrift ebenfalls die aufrechte Unziale, aber anderseits 
zeigt sie wieder in den Buchstaben einige Abweichungen, 
auch die Koronis am Schluß unterscheidet sich von der 
ersten Hand, ferner scheint die Tinte etwas heller. Deshalb 
glaube ich noch heute nach erneuter Prüfung dabei bleiben 
zu müssen, daß wir eine dritte Hand vor uns haben, die 
freilich nicht viel später anzusetzen ist. Und auf deren 
Konto könnten die oben angeführten Verbesserungen inner- 
halb der zweiten Hand gesetzt werden. Ein anderes Zusatz- 
stück, das nicht zum Corpus gehört, befindet sich auf dem 
Recto des letzten Blattes (= S. 286), das ursprünglich keinen 
Text trug, da der Abschluß des Buches bereits auf pag. 354" 
erfolgt war. Das ist offensichtlich ein späterer Zusatz, aber 
darin hat Cr um recht, daß die Hand unzweifelhaft die der 
zweiten ist. Ich werde noch einmal auf dieses Stück zurück- 
kommen. So bleibt nur noch die Überschrift auf pag. 115 übrig. 
Sie steht in kleiner Schrift oberhalb der ganzen Seite, wie es 
sonst nicht vorkommt, auch fehlt die sonst übliche Koronis. 
Die Ornamentierung ist abweichend von derjenigen am Schluß 
von pag. 114, 1. Kol. Und doch ähnelt die Schrift auffallend 
der der zweiten Hand, der Cr um die Überschrift zuweist; 
daher muß ich meine Ansicht dahin berichtigen, daß die 
Überschrift nicht von der Hand des Schreibers von pag. 114 b 
herrührt. Stammt aber die Überschrift von der zweiten Hand, 
so kann sie erst nachträglich nach Vollendung des ganzen 
Ms. bei Gelegenheit einer Superrevision hinzugefügt sein, als 
das Nichtvorhandensein einer Unterschrift zu dem ersten Ab- 
schnitt und einer Überschrift zum zweiten Abschnitt bemerkt 
und dabei zugleich übersehen wurde, daß die Unterschrift auf 
pag. 233 a von dem ersten Schreiber, freilich an sehr versteckter 
Stelle, gegeben war. Mit dieser Überschrift werden wir uns 
ebenfalls noch näher beschäftigen müssen. 



Einleitung: 2. Beschreibung der Handschrift, 



XVII 



pie Datierung der Handschrift unterliegt großen Schwan- 
kungen. Woide hatte in Cramers Beiträgen, S. 154 f. durch 
Ver gleichnng der Schrift mit der des Cod. Alexandrinus und 
Cod. Claromontanus den Nachweis zu führen gesucht, daß die 
Handschrift älter als jene beiden sei, mithin gegen Ende des 
4. Jahrhunderts entstanden sei. Im diametralen Gegensatz 
dazu hat Amelineau (1. c. p. IX sq.) die Handschrift ins 
9. oder 10. Jahrhundert datiert, und zwar aus drei Gründen: 

1. Pergamentkodices von solchem Umfange wären vor dem 
6. und 7. Jahrhundert nicht in Ägypten benützt worden; 

2. die Schrift zeige nicht die schöne ünziale der älteren 
Epoche; 3. die Korruption der griechischen Wörter verrate 
ziemliche Unkenntnis des Griechischen. — Aber seine Argu- 
mente sind ohne jeden Wert, auch ist er den versprochenen 
Beweis für eine These schuldig geblieben. William Wright 
gibt ein Faksimile der ersten Hand in seinem Werke, The 
palaeografical Society, Faksimiles of MSS. and Inscriptions, 
Oriental Series, London 1875—1883, pl. XLII; er datiert die 
Handschrift auf das 7. Jahrhundert. Ein Faksimile der zweiten 
Hand gibt Hyvernat in seinem Album de paleographie copte 
pour servil- ä l'introduction paleographique des actes des niar- 
tyrs de l'Egypte. Paris und Rom 1888, pl. II; er tritt für das 
6. Jahrhundert ein. Cr um hat sich auf' eine bestimmte Da- 
tierung nicht festgelegt, während ich früher für das 5. Jahr- 
hundert gestimmt hatte. Durch die Funde von drei koptischen 
Briefen aus der Zeit zirka 330-340, publiziert von Cr um 
m dem Werke von Bell, Jews and Christians in Egypt, 
London 1924, S. 91 ff. werden wir m. E. gezwungen, unsere 
paläographischen Datierungen zu revidieren; infolgedessen 
möchte ich jetzt mit Woide für die zweite Hälfte des 4. Jahr- 
hunderts eintreten. Man muß dabei auch in Erwägung ziehen, 
da ß das kostbare Ms. doch zu dem Zwecke abgeschrieben 
wurde, um der Verbreitung gnostischer Ideen zu dienen, also 
^ u einer Zeit, wo die gnostische Sekte, zu deren Literatur 
Q ^ Pistis Sophia gehörte, noch auf Mitglieder zählen konnte, 
dürf*" daS 101 ^Tten noch im 5. Jahrhundert annehmen 
halt ei1 '. wa ge ich nicht zu entscheiden. Für ganz verfehlt 
p xxx h ^ Ansicllt von Le SS e in seiner Introduction, 

Schmidt: Pi s t is Sophia. B 



XVIII 



Pistis Sophia. 



It was evidently, tberefore, for the Information of 
orthodox persons that our MS. was made, bat not for 
that of the orthodox public generally, whether clerical or 

lay All this suggests that it was made for official 

or judicial nse ; and the most reasonable guess is that it 
was the draft or copy of legal document made for the 
enlightenment of some conciliar, episcopal or even secular 
tribunal concerned in the suppression of heresy, such as 
the Inquisitors of the Faith set up by Theodosius. This 
would solve the problem which has so vexed the minds of 
commentators like Prof. Harnack and Dr. Schmidt as to 
the occurence of the colophon "Part of the Books of the 
Saviour" at the foot of the Second or Third Documents. 
It is natural enough that the second or subaltern scribe, 
continuing the work of which only the first part was once 
thought sufficient, should preface the continuation by the 
title "The Second Tome of Pistis Sophia"; bat that as he 
completed the copj'ing of each subsequent extract sticho- 
metrically arranged, should add the words: "Part of the 
Books of the Saviour" to indicate the collection of MSS., 
probably seized in a raid by the Imperial authorities on 
some heretic's library, from which they were all taken. 
Wie steht es dann mit dem Cod. Berolinensis oder noch besser 
mit dem Cod. Brucianus! Verdanken sie ihre Existenz gleichen 
Anlässen? Das wird wohl niemand ernstlich behaupten wollen. 1 
Wir wissen doch aus dem Panarion des Epiphanius, Bischofs 
von Salamis auf Cypern, daß er während seines Aufenthaltes 
in Ägypten (c. 330-340 n. Chr) mit gnostischen Sektierern 
zusammengetroffen ist, die im Geheimen ihr Leben fristeten 
und über eine reiche Literatur verfügten, die natürlich im 
Laufe der Zeit entstanden und sicherlich damals noch im 
Umlauf war. Diese Sekten vegetierten nicht nur in Unter- 
ägypten, besonders in Alexandrien, sondern auch in den' 
ävcozdzo) idQrj, d. h. in der Thebais. Was Wunder, wenn sie 
ihre Geheimschriften in der koptischen Muttersprache lasen. 
Die auf uns gekommenen Kodices, die vielleicht einzelnen 

1 Der Cod. Bruc. ist offensichtlich eine Sammlung eines Liebhabers 
gnostischer Schriften, die er in seiner Bibliothek vereinigt hatte oder die 
ihm mit ins Grab gegeben worden sind. 

t 



Einleitung: 3. Sprache. XIX 

p sitzern. mit ins Grab gegeben wurden, sind die Reste jener 
|wgjjialschriften. Im Bereich der griechischen Welt sind sie 
u,it°Stunipf und Stiel ausgerottet worden. 



3. Sprache. 

Die Sprache des Cod. Askewianus ist das klassische 
Sahidisch, resp. der oberägyptische Dialekt mit zum Teil 
noch altertümlichen Formen. Freilich ist Leipoldt der 
Ansicht, daß der Cod. Askewianus wie der Cod. Brucianus 
nicht das in der Thebais, sondern das im Gaue von Achmim 
gesprochene Sahidisch enthalte, 1 aber darin kann ich ihm 
nicht beistimmen. 2 

Viel umstritten ist die Frage, ob die Pistis Sophia die 
Übersetzung eines griechischen Originalwerkes bildet oder 
von Anfang an in koptischer Sprache abgefaßt ist. Woide 
trat zunächst für ein griechisches Original ein, da er in 
Valentin den Verfasser sah, aber er stellte zugleich die Be- 
hauptung auf, Valentin als geborener Ägypter wäre sowohl 
des Griechischen wie des Ägyptischen mächtig gewesen und 
habe behufs Verbreitung seiner Lehren das Werk in beiden 
Sprachen verfaßt. Diese Hypothese scheitert schon an der 
Tatsache, daß zur Zeit Valentins um 140 n. Chr. die koptische 
Schrift noch gar nicht eingeführt war. Neuerdings ist aber 
von englischen Gelehrten die These von einem koptischen 
Original wieder aufgenommen. So z. B. schreibt F. Granger 
im Journal of Theolog. Studies, 1904, p. 401 : I am surprised 
at the confldence with whieh Schmidt declares the Pistis 
Sophia and other Gnostic works to be translations from Greek 
Originals. Nach ihm the Egyptian Gnostic writings of the 
third Century exhibit the same qualities of style as the Coptic 
biographies and apocalypses of the fourth and following cen- 
tories. Hatte Rendel Harris bei seiner ersten Publikation 
dß r Oden Salomos p. 35 geschrieben: 

The Pistis Sophia, in which the Odes are imbedded 

D 1 Vgl. Theol. Literaturztg. 1905, Kol. 517 und ZDMG. 58 [1904], 
S " 9 22, Aum. 6. 

2 Vgl. meine Bemerkungen zum Dialekt der Pistis Sophia in der 
Z - f - Hgypt, Sprache, 42 [1905], S. 139 f. 

B* 



XX 



Piatis Sophia. 



dates from the third Century, and the author of the Pistis 
had, as we have shown, the Odes bound up with his 
Canonical Psalter; at the time intimated there was no Coptic 
[Thebaic] Bible from which the extracts could have been 
made; so we may be sure the Odes were taken from a 
Greek Bible, and with almost equal certainty, that the 
Pistis Sophia itself was a Greek book. 

— so hat er in seiner großen Publikation 1 seine Ansicht 
wie folgt geändert, wenn er schreibt: 

Unless . . the P. S. has substituted the Sahidic [Bible] 
Version for some other Version which lay before the author, 
of which he has avoided the trouble of making a fresh 
translation, there is a strong presumption that the P. S. 
is a genuine Coptic book, and not a rendering of some 
other work (Greek or Syriac) into Coptic. 
Legge, Introd. p. IX, möchte dem Urteil von Granger bei- 
treten, particularly with regard to the Fourth and Fifth 
Documents, aber er fügt hinzu: but the belance of expert 
opinion is distinctly against this view. Hätte er den Artikel 
von F. C. Burkitt im Journal of Theol. Studies, 1922 
(Vol. XXIII) p. 271 bei Gelegenheit einer Anzeige von 
Meads Buch gekannt, würde er sich mit größerer Sicher- 
heit für den original - koptischen Ursprung ausgesprochen 
haben. Burkitt ist nämlich der Meinung, that the question 
of the language in which our Pistis Sophia was composed 
is still open, und er versucht an einigen Punkten zu zeigen, 
that our book, as it Stands, has an Egyptian, non Greek 
origin. Als Beweis führt er folgendes an: 

1. Von den 37 Sünden, vor denen die Menschen p. 256 ff. 
(S. 186, 27 ff.) gewarnt werden, werden nur 10 ganz oder teil- 
weise durch griechische Wörter ausgedrückt, während die 
übrigen 27 in koptischer Sprache wiedergegeben werden. 

2. Die griechischen Namen der fünf Planeten p. 356, 12 f. ' 
(S. 264, 2 f.): Zeus, Hermes usw. scheinen ganz frei von irgend- 
welcher Verbindung mit dem Götzendienst. Aphrodite wird 
identifiziert mit der Bubastis (p.362, 21 = S. 268, 36) und Zeus 

1 R. Harris und A. Mingana: The Odes and Psalms of Solomon. 
2 Vol. 1912 nnd 1920. 



I 



Einleitung: 3. Sprache. 



XXI 



wir d ein „guter 11 genannt (p. 357, 4 = S. 264, 21). Dies hält B. 
für uiimöglich in einem griechischen Text vor dem Nicaenum. 

3. Der Name Pistis Sophia ist eine barbarous formation, 
ob sie geschrieben ist „die Pistis Sophia" oder „die Pistis, die 
Sophia" (p- 356, 25 = S. 264, 14), und daraufhin stellt B. die 
Frage : In there any real analog) 7 for it in any of the names 
of the Aeons excogitated by Greek-speaking thinkers? 

Burkitt scheint nicht in Erwägung zu ziehen, daß das 
gnostiscbe "Werk nach allgemeiner Ansicht auf dem Boden 
Ägyptens entstanden ist und daß sich darauf die mancherlei 
Eigentümlichkeiten zurückführen. Ist aber Ägypten das Ge- 
burtsland, so brauchen wir in dem Verfasser keinen Hellenen 
im eigentlichen Sinne, sondern eventuell nur einen sogenannten 
Levantiner mit griechischer Sprache zu sehen. 

Es sind doch ebenfalls aus diesen synkretistischen Kreisen 
die griechischen Zauberpapyri geflossen, die so manche Be- 
rührungspunkte, insonderheit mit dem vierten Buche der Pistis 
Sophia aufweisen. Und um nur auf den letzten Einwand von 
B. betreffend die barbarische Bildung des Namens Pistis 
Sophia einzugehen, so gibt uns darüber das noch unedierte 
Apokryphon Johannis im Cod. Berolinensis die gewünschte 
Auskunft. Denn dort lesen wir an einer Stelle: „Seine 
Männlichkeit, welche Soter, der Erzeuger aller Dinge, seine 
Weiblichkeit aber, welche Sophia navyeverEiga genannt wird, 
die einige ,die Pistis' heißen." Da haben wir des Rätsels 
Lösung, fm 2. Jahrhundert führte die Sophia bei einigen 
Gnostikern derselben Richtung auch den Namen „Pistis". 
»Die Pistis Sophia" 1 ist also eine Zusammenstellung zweier 
Namen, die ursprünglich ein und dieselbe Aeonenflgur be- 
zeichneten, was in der späteren Zeit aber kaum mehr ver- 
standen wurde. Freilich der Verfasser des 4. Buches zeigt 
noch ein Bewußtsein von dieser Tatsache, da er die beiden 
Namen trennt, wenn er „die Pistis, die Sophia" (S. 264, 17) 
schreibt, wiederum ein neues Zeugnis für das höhere Alter 
dieses Buches. 2 

. . * Damit ist auch die falsche Übersetzung von „la Fidele Sagesse" 

61 Dnl *nrier und Renan erledigt, 
j , " freilich auch in Buch I und II kommt neben Pistis Sophia ohne 
6 Unterscheidung sehr häufig Sophia vor (vgl. n. a. S. 32, 28; 33, 22: 



XXII 



Pistis Sophia. 



Aber m. E. führen allgemeine Beobachtungen überhaupt 
zu keiner Lösung der Frage, ob original -koptisch oder 
original - griechisch ; einzig und allein der vorliegende Text 
muß darauf untersucht werden, ob wirklich eine Übersetzung 
vorliegt oder nicht. Ich habe an der Hand der neuen Aus- 
gabe Material nach dieser Richtung gesammelt und bin in 
meiner Ansicht der Übersetzung eines griechischen Originals 
von neuem bestärkt worden, aber es würde die Diskussion 
über dieses Material an dieser Stelle zu weit führen; daher 
hoffe ich es in Kürze den Interessenten in einer besonderen 
Abhandlung vorlegen zu können. Nur kurz möchte ich 
schon hier zur Bestätigung meiner These auf folgendes 
aufmerksam machen. An zwei Stellen der Pistis Sophia 
(p. 253, 16 = S. 184, 25 und p. 352, 20 = S. 260, 32) sind uns 
Titel erhalten, die übereinstimmend lauten: „Teil (/legog) der 
Bücher {rev^og) des Erlösers (acoT^ß)". Da haben wir aus- 
schließlich in dem Titel griechische Ausdrücke vor uns, be- 
sonders der terminus technicus zevxog „Rolle" aus dem 
griechischen Buchwesen ist interessant, da für diesen Aus- 
druck der Kopte kein Äquivalent hatte. Und hätte über- 
haupt ein Kopte von Haus aus einen solchen Titel aus drei 
griechischen Worten gebildet? Sicherlich hätte er sich ein 
großes Armutszeugnis ausgestellt. Wo er in seiner Vorlage 
das Wort ßißiog wie S. 179, 24. 33; 258, 14 „die beiden Bücher 
Jeü" fand, hat er das koptische Wort zoome eingesetzt. Noch 
viel evidenter für ein griechisches Original spricht eine andere 
Tatsache, wenn Burkitt auf die griechischen Namen der fünf 
Planeten hinweist. Denn ausdrücklich betont der Verfasser 
S. 264, lf, daß diese in der ganzen Menschen welt mit 
den Namen Kronos, Ares, Hermes, Aphrodite und Zeus ge- 
nannt werden, während ihre unvergänglichen Namen der 
Reihe nach Orimüth, Munichunaphör, Tarpetanüph, Chösi, 
Chönbal lauten (S. 264, 33 f.). Von dem kleinen Sabaoth, dem 
Guten von der Mitte, wird wiederholt bemerkt, daß er auf " 
Erden Zeus genannt wird (S. 268, 34; 269, 28; 271, 17); 

77, 4; 83, 18; 97, 20; 107, 6; 108, 23. 26; 109, 5; 130, 10; 131, 10. 14; 
133, 19 etc.) — Pistis allein S. 121, 4. Der Name Sophia war der ursprüng- 
liche, da in fast allen gnostischen Systemen der Fall der Sophia eine be- 
deutende Bolle spielte. 



Einleitung: 3. Sprache. 



XXIII 



desgleichen soll die Bubastis auf Erden Aphrodite heißen 
(S. 268, 37; 270, 22). Ferner tragen auch die Gestirne des 
Zodiakalkreises lauter griechische Namen; von dem ersten 
Aeon der Sphaera heißt es, daß er auf Erden xgiog ge- 
nannt wird (S. 268, 2 f.). Was ist nun unter den Worten „auf 
Erden", resp. wörtlich „in der Welt (x6ofiog) u zu verstehen? 
M. E. doch nicht anderes, als daß der Verfasser diese Ge- 
stirne stets mit griechischen Namen benannte und sie ihm 
eben in dieser Form im alltäglichen Leben gebräuchlich waren. 
Ein geborener Kopte hätte sich niemals so ausdrücken können, 
d. h. die Welt mit dem Griechentum identifiziert. 

Erwähnen will ich noch, daß neben M ead 1. c. p. XXVI sq. 
sich Amelineau besonders stark für ein griechisches Original 
eingesetzt hat, wenn er I. c. p. X schreibt: 

C'est ma ferme conviction que nous nous trouvons en 
presence d'uu ouvrage traduit du grec en copte. Quiconque 
a quelque connaissance de la langue copte sait que cette 
langue ignore les longues phrases, que c'est une langue 
eminemment analytique et non point synthetique, que les 
phrases procedent toujours par petits membres tres clairs, 
presque independants les uns des autres. Evidemment, tous 
les anteurs ne sont pas egalement faciles, certains d'entre 
eux meme sont d'une grande difficulte d'intelligence ; mais 
ce qu'il y a de certain, c'est que jamais, au grand jamais, 
nous ne rencontrons en copte ces periodes ä incises compli- 
quees ä trois ou quatre membres diiferents, dont les elements 
sont unis les uns aux autres d'une maniere synthetique, si 
bien que l'intelligence de la phrase entiere ne peut fitre 
obtenue qu'avec le dernier mot. Eh bien, c'est ce que le 
lecteur rencontrera precisement en cet ouvrage. Les phrases 
sont tellement enchevetrees de propositions incidentes et 
compliquees, que souvent, tres sonvent, le traducteur copte 
a perdu le fil, comme on dit, qu'il a fait des propositions inci- 
dentes les propositions principales, et que l'on trouve trois 
ou quatre pages plus loin la continuation de la proposition 

Premiere D'ailleurs, s'il pouvait raisonnablement rester 

un doute dans un esprit quelconque, l'emploi de la termino- 
logie grecque fort touffue dans l'ouvrage serait une preuve 
convaincante que l'ouvrage a ete primitivement ecrit en grec. 



XXIV 



Pistis Sophia. 



4. Inhalt, Titel und Komposition. 

In einer allgemeinen Einleitung werden die nachfolgenden 
Unterredungen Jesu mit seinen Jüngern in das zwölfte Jahr 
nach der Auferstehung verlegt, denn bereits 11 Jahre sind ver- 
flossen, aber diese Unterredungen haben nur bis zur Kenntnis 
des 1. Mysteriums, das in diesem Falle nur das 1. Mysterium 
von unten gerechnet ist, resp. das 24. Mysterium von oben ge- 
rechnet, aus welchem Jesus bei seinem Abstieg zur Welt heraus- 
gekommen war. Deshalb hielten die Jünger dieses 1. Mysterium 
für das Haupt des Alls, ohne die Existenz noch höherer Örter 
im Lichtreiche zu ahnen. In c 2 erscheint als Ort der Unter- 
redung der Ölberg. Am 15. Tybi, am Vollmondstage, steigt bei 
Sonnenaufgang eine ungeheure Lichtkraft, die aus dem letzten 
resp. 24. Mysterium herauskam, auf Jesus herab, und er fährt 
in diesem Lichtglanze im Angesichte der Jünger unter großen 
Erschütterungen der Natur zur Höhe (c. 3), um am folgenden 
Tage um die neunte Stunde im dreifachen Lichtglanze wieder 
zurückzukehren (c.4). Nachdem er um der Jünger willen — denn 
sie hätten sonst seinen Anblick nicht ertragen können — den 
Lichtglanz abgelegt hatte, teilt er ihnen mit, daß er zu den 
Örtern gegangen sei, aus denen er gekommen wäre, und daß 
er vom Unaussprechlichen die Macht erhalten hätte, von jetzt 
ab die volle Wahrheit über die höchsten Eegionen ihnen zu 
offenbaren. Er habe nämlich sein Lichtkleid, das er bei 
seinem Abstieg zur Welt im letzten, d. h. 24. Mysterium 
zurückgelassen, auf Befehl des 1. Mysteriums zugesandt er- 
halten, da die Ordnung seines Dienstes in der Welt vollendet 
wäre (c. 6). Mit diesem Lichtkleide ausgerüstet, auf dem die 
Namen aller Aeonen aufgeschrieben stehen, ist Jesus — so 
berichtet er weiter — zum Firmament aufgestiegen (c. 11), 
von dort zur 1. Sphaera (c. 12), weiter zur Heimarmene- 
Sphaera (c. 13) und zu den 12 Aeonen (c. 14). Alle Einwohner 
dieser Gebiete sind von großer Furcht und Aufregung beim 
Erscheinen des großen Lichtes befallen und huldigen dem 
Lichte. Nur Adamas, der Herrscher der 12 Aeonen, mit seinen 
Archonten rebelliert; alle werden aber dafür bestraft, indem 
sie ihre planetarischen Einflüsse auf die Menschheit nicht 
mehr in alter Weise infolge Veränderung ihrer Laufbahn 



Einleitung: 4, Inhalt, Titel und Komposition. 



XXV 



ausüben können (c. 15—28). Von den 12 Aeonen begibt sich 
Jesus zum 13. Aeon, findet aber unterhalb von diesem einen 
Aeon mit Namen Pistis Sophia in Betrübnis und Trauer, 
einsam und verlassen von ihren früheren Genossen (c. 29). 
Dies führt nun dazu, das Schicksal dieser Pistis Sophia aus- 
führlich zu erörtern (c. 30 ff.). Die P. S. hatte ursprünglich 
ihren Wohnsitz im 13. Aeon und gehörte daselbst zu den 
24 Unsichtbaren. Von ihrem Sitze aus hatte sie das Licht 
des Lichtschatzes geschaut und war von heftigem Verlangen 
erfüllt, sich mit diesem zu vereinigen. Statt die Mysterien 
des 13. Aeons zu vollziehen, pries sie das Licht der Höhe 
und erregte deswegen den Haß ihrer Mitgenossen, besonders 
des Authades. Letzterer läßt sie durch einen Lichtstrahl mit 
Löwengesicht in das Chaos locken, so daß sie ihren Wohnsitz 
verläßt, und beginnt hier alle in ihr befindlichen Lichtkräfte 
zu rauben, damit sie nichf wieder in ihren früheren Wohnort 
zurückkehren kann. In dieser Not wendet sich die P. S. 
voller Reue zum Licht des Lichtes und aus dieser Veran- 
lassung erfolgen die einzelnen Hymnen, die den Psalmen 
Davids oder später den Oden Salomos nachgebildet sind, in 
denen ein tief religiöses Sündengefühl zum Ausdruck kommt. 
Bei der 9. Reue wird sie vom 1. Mysterium erhört und Jesus 
ihr zur Hülfe gesandt, um sie aus dem Chaos zu retten (c. 52). 
Darauf erfolgt die 10., 11. und 12. Beue und die 13. Reue 
(c. 57), so daß also die 13 Reuen den 13 Aeonen entsprechen. 
Jetzt ist die Zeit für ihre Herausführung aus dem Chaos ge- 
kommen, zunächst zu einem oberen Orte, wütend verfolgt von 
den Emanationen des Authades. Infolgedessen sendet das 
1- Mysterium dem Jesus eine große Lichtkraft aus der Höhe, 
nnd diese verbindet sich mit einer andern, die aus Jesus 
herauskommt; beide begegnen sich und werden ein großer 
Lichtabfluß. Dieser Vorgang wird mit Psalm 84, 10. 11 be- 
legt und von Maria Magdalena und Maria, der Mutter Jesu, 
m gnostischem Sinne verschiedentlich auf Jesus gedeutet 
(c. 60 62). Damit endet die erste Abhandlung. 

Die zweite Abhandlung trägt die Überschrift: „das zweite 
Buch (to>o c ) der Pistis Sophia". Ohne jeden Einschnitt geht 
ie Unterredung fort, indem Johannes die gnostische Aus- 
deutung des Psalmwortes 84, 10. 11 in neuer Variation vor- 



XXVI 



Pistia Sophia. 



trägt. Jetzt beginnt die eigentliche Rettungsaktion (c. 64). 
Jesus ruft Gabriel und Michael aus den Aeonen zur Unter- 
stützung herbei. Neue Lichtkräfte werden der P. S. ein- 
geflößt, die Materie beginnt mehr und mehr zu schwinden. 
Freilich sucht Authades dieses zu hintertreiben und sendet 
seiner Emanation ebenfalls eine Lichtkraft in das Chaos hinab, 
ebenso sendet auch Adamas, der Herrscher der 12 Aeonen, 
eine Kraft, aber jeglicher Widerstand ist vergeblich. Die Be- 
freiung aus den Banden des Chaos erfolgt, und so stimmt die 
P. S. neue Hymnen auf das Licht an (c. 68). Eine definitive 
Erlösung und Zurückfuhrung in den alten Wohnsitz ist jedoch 
noch nicht möglich; sie wird zu einem Orte unterhalb des 
13. Aeons gebracht, wo die Emanationen des Authades sie 
nicht mehr verfolgen können. Jesus verabschiedet sich von 
ihr und geht zum Lichte zurück, indem er die definitive Er- 
lösung auf eine spätere Zeit in Aussicht stellt. 

In c. 76 findet diese Episode ihren Abschluß. Das bisher 
über das Schicksal der P. S. Berichtete hat vor der Herab- 
kunft Jesu in die Welt stattgefunden. In c. 77 wird dieser 
Bericht mit der Gegenwart verknüpft. Während Jesus mit 
seinen Jüngern auf dem Ölberg sitzt, ist die Zeit vollendet, 
von der er bei seinem Abschied zu der P. S. gesprochen hatte. 
Eine neue Verfolgung von Seiten des Adamas und seiner Ar- 
chonten setzt ein; neue Hymnen zum Lichte sind die Folge. Jetzt 
erscheint Jesus und führt sie in den 13. Aeon ein, wo sie inmitten 
der 24 Unsichtbaren in einem Jubeldanklied ihre Errettung und 
die Wundertaten, die Jesus an ihr getan, zum Ausdruck bringt. 

Mit c. 83 tritt eine neue Wendung ein, indem die Gestalt 
der P. S. gänzlich verschwindet. Der Bericht nimmt die Form 
eines Dialoges an, der sich in der Hauptsache zwischen Jesus 
und Maria Magdalena abspielt. Es werden Fragen Jesus zur 
Beantwortung vorgelegt und Maria Magdalena leitet diesen 
Teil mit den Worten ein: „Mein Herr, zürne mir nicht, indem 
ich Dich frage, weil wir nach allem bestimmt und zuverlässig . 
fragen. Denn Du hast zu uns einst gesagt: ^Suchet, damit 
ihr findet, und klopfet an, damit euch aufgetan werde! Denn 
ein jeder, der sucht, wird finden, 1 und einem jeden, der an- 
1 Dieses Wort Matth. 7, 7 f., welches nach Tertull. de praescr. haer. 
c. 8 haeretici inculcant ad importandam scrupnlositatem, wird noch an zwei 



Einleitung: 4. Inhalt, Titel und Komposition. XXVII 



klopft, wird aufgetan werden <. Jetzt nun, mein Herr, wer ist, 
den ich finden werde, oder wer ist, bei dem wir anklopfen 
werden, oder wer vielmehr ist imstande, uns die Antwort auf 
die Worte zu sagen, nach denen wir Dich fragen werden, 
oder wer vielmehr kennt die Kraft, der Worte, nach denen 
wir fragen werden ? Weil Du im Verstände uns Verstand des 
Lichtes gegeben und uns Wahrnehmung uud einen sehr er- 
habenen Gedanken gegeben hast, deswegen existiert niemand 
in der Menschenwelt noch in der Höhe der Aeonen, der im- 
stande ist, uns die Antwort auf die Worte zu sagen, nach 
denen wir fragen, wenn nicht Du allein, der das All kennt 
und im All vollendet ist, weil wir nicht fragen in der Art, 
wie die Menschen der Welt fragen, sondern weil wir in der 
Erkenntnis der Höhe fragen, die Du uns gegeben hast, und 
wir ferner in dem Typus der vorzüglichen Befragung fragen, 
die Du uns gelehrt hast, damit wir in ihr fragen. — Jetzt 
nun, mein Herr, zürne mir nicht, sondern offenbare uns die 
Sache, nach der ich Dich fragen werde." — Die erste Frage 
bezieht sich auf die Beschaffenheit der 24 Unsichtbaren, zu 
denen ja die P. S. gehört. Von dort wendet sich das Gespräch 
zu den Mysterien des Lichtes, deren Inhaber je nach dem 
Grade der empfangenen Mysterien nach ihrem Tode ver- 
schiedene Plätze im Lichtreiche einnehmen werden, wie auch 
die verschiedenen Gestalten des Lichtschatzes und der nach- 
folgenden Örtlichkeiten in die Erbteile des Lichtes eingehen 
und im Reiche Jesu Könige sein werden. Freilich wird dieser 
Aufstieg erst nach Vollendung der Einsammlung der voll- 
kommenen Seelen stattfinden (c. 86), sodaß die Menschen als 
Inhaber der Mysterien vor denen vom Orte der Höhe das 
Liehtreieh ererben werden (c. 87). Jedenfalls können die 
Inhaber der Mysterien nicht in höhere Regionen schreiten, 
deren Mysterien sie nicht empfangen haben, sondern höchstens 
zu den Ordnungen, die unterhalb (c. 91). Bei dieser Ge- 
legenheit werden die einzelnen Mysterien aufgeführt. Als 
dj e höchsten gelten die Mysterien der 3 x<oQi]iJ.axa. des 
1- Mysteriums, die Mysterien des 1. Mysteriums und das 
Mysterium des Unaussprechlichen. Insbesondere das letztere 

anderen Stellen angeführt und bildete bei der Propaganda eine hervor- 
ragende Rolle. 



XXVIII 



Pistis Sophia. 



Mysterium als das absolute Mysterium birgt alle Erkennt- 
nisse, sei es auf ethischem, sei es auf kosmologischem Gebiete, 
in sich, daher wird dessen Inhaber König über alle Ord- 
nungen des Erbes sein (c. 91—93). Diese Mitteilungen über 
das Mysterium des Unaussprechlichen übersteigen jedoch das 
Fassungsvermögen der Jünger, infolgedessen sie zum Schmerze 
der Maria in ihrem Zuhören erlahmen (c. 94), aber Jesus be- 
ruhigt alle durch die Versicherung, daß jenes Mysterium leichter 
zu begreifen sei als alle Mysterien des Lichtreiches, sobald man 
dieser ganzen Welt und der in ihr befindlichen Materie entsagt 
(c. 95). Denn mit dem Empfang des Mysteriums des Unaus- 
sprechlichen ist ohne weiteres die gesamte Erkenntnis des Alls 
gegeben, wenn auch die vollständige Erkenntnis erst für eine 
spätere Zeit, d. h. bei der Darlegung des Alls in Aussicht ge- 
stellt wird. Aber schon jetzt gilt es, daß der Empfänger des 
Mysteriums des Unaussprechlichen, sobald seine Seele sich vom 
Körper der Materie trennt, ein großer Lichtabflnß werden wird 
und ungehindert alle Örter der niederen und der oberen Aeonen- 
welt durchwandert bis zur Vereinigung mit den Gliedern des 
Unaussprechlichen. Dann wird er Mitkönig sein und zur Rechten 
und zur Linken von Jesus in seinem Reiche sein (c. 95—96). 
In ähnlicher Weise wird das Schicksal der Seelen von den 
Empfängern des 1. Mysteriums, das wieder in zwölf Mysterien 
zerfällt (c. 97) und von den Empfängern der 5 Mysterien und 
der 3 Mysterien des Unaussprechlichen geschildert, welche sich 
in den 3 xaiQrmaxa des Unaussprechlichen befinden (c. 98). 
Alles dies sind die 3 Erbteile des Lichtreiches (c. 99). 

Wiederum fühlt sich der Apostel Andreas außerstande, 
zu begreifen, wie gerade die Menschen dieser Welt, die sich 
in dem Körper der Materie befinden, die obere Welt durch- 
wandern und das Lichtreich ererben können. Der Herr ist 
ob dieses andauernden Unverstandes der Jünger von Unwillen 
erfüllt und weist darauf hin, daß die Jünger sowohl wie alle 
Oberen Mächte bis hinauf zu den Emanationen des Lichtes ' 
aus ein und demselben Teige, d. h. aus derselben Mischung 
sind. Deshalb besteht die Hauptaufgabe darin, sich von dieser 
Mischung der Materie zu reinigen, und das ist nur möglich, 
wenn man die Mysterien des Lichtes erstrebt, die die Körper 
von der Materie reinigen und zu reinem Lichte machen. Vor- 



Einleitung: 4. Inhalt, Titel und Komposition. XXIX 



aussetzung dabei ist die Entsagung von der ganzen Welt und 
der ihr anhaftenden Materie. Aus diesen Ausführungen kommen 
die Jünger zur Gewißheit, daß sie das Lichtreich ererben 
werden, nnd bitten den Herrn, die Sünden der Unwissenheit 
dem Andreas zu vergeben (c. 100). Damit schließt die zweite 
Abhandlung. Die Unterschrift lautet: „Ein Teil von den 
Büchern des Erlösers." C. 101 beginnt mitten im Satze: 
„Und die, welche würdig sind der Mysterien, welche in dem 
Unaussprechlichen wohnen, welches sind die, welche nicht 
hervorgegangen sind ; diese existieren vor dem ersten Myste- 
rium und gemäß einer Vergleichung und Gleichnis des Wortes, 
damit ihr es begreift, so daß sie sind die Glieder des Unaus- 
sprechlichen." Diese Mysterien des Unaussprechlichen sind 
die höchsten und übertreffen die Mysterien der 3 jw^ara, 
denn der Inhaber des Mysteriums des Unaussprechlichen ist 
der Erste in Wahrheit und dem Unaussprechlichen gleich. 
Die Schlußworte lauten: „Denn die Gnosis der Erkenntnis 
des Unaussprechlichen, in ihr habe ich hente mit euch ge- 
redet." Über dieses c. 101 werde ich noch eingehend bei der 
Untersuchung über die Komposition handeln. 

Die dritte Abhandlung beginnt mit einem Katalog der 
Laster, welche furchtbare Strafen zufolge haben; demgegen- 
über wird ein Katalog der Tugenden aufgeführt, die zum 
Empfang der Mysterien und zum Eingehen in das Lichtreich 
berechtigen. Deshalb sollen die Mysterien des Lichtes von 
den Jüngern selbst den größten Sündern nicht vorenthalten 
werden ; es kommt nur auf Umkehr und Reue an. Denn Jesus 
hat die Mysterien wegen der Sündhaftigkeit der Menschen in die 
Welt gebracht, damit ihnen alle Sünden vergeben und sie in 
das Lichtreich aufgenommen werden (c. 102). Daran schließen 
sich Fragen über die verschiedenen Klassen von Menschen 
nnd das Schicksal ihrer Seelen nach dem Tode, sei es. daß 
sie Mysterien empfangen haben oder nicht, sei es, daß sie 
gesündigt haben oder nicht, insonderheit, wie die Jünger sich 
bei ihrer Propaganda zu den Menschen stellen sollen, wenn 
sie mit ihnen ohne jede Kenntnis ihres inneren Wesens in 
Berührung kommen oder wenn die gnostischen Brüder nach 
Empfang von Mysterien stets wieder von neuem in Sünden 
verfallen. Charakteristisch ist die außerordentliche Weit- 



XXX 



Pistis Sophia. 



herzigkeit den Sündern gegenüber, denen noch immer ein 
neues Mysterium und damit Vergebung ihrer Sünden winkt, 
sobald nur sich Zeichen der Reue zeigen (c. 103— 107). Selbst 
der Tod bildet keine Schranke der Sündenvergebung, denn ein 
Gerechter und Sündloser hat die Macht durch Anrufung des 
dritten Mysteriums des Unaussprechlichen einen verstorbenen 
Sünder aus den Strafen und Gerichten der Archonten zu be- 
freien (c. 108). Die Jünger sind ausgerüstet mit dem Mysterium 
der Totenauferweckung und der Krankenheilungen, aber es 
bleibt ihr persönlicher Besitz behufs Gewinnung von Gläubigen; 
eine Übertragung an andere Menschen ißt nicht erlaubt, da 
jenes Mysterium mit seinen Anrufungen den Archonten zu- 
eigen ist (c. 111). Dabei wird die Frage aufgeworfen, wer denn 
eigentlich den Menschen zum Sündigen zwingt, und diese wird 
dahin beantwortet, daß von Geburt an im Menschen drei Be- 
standteile vorhanden sind: die divafiiq, die nach dem Lichte 
verlangt, die yroxrf, welche aus Licht und Materie gemischt 
ist, daher nach dem Orte der Gerechtigkeit verlangt, und das 
avtlfiifiov nvev/M, das zu allen Missetaten und Sünden ver- 
leitet und nach dem Tode als Ankläger auftritt, um Strafen 
verhängen und die Seele wieder dem Kreislauf übergeben 
zu können. Dagegen werden diejenigen Seelen, welche dem 
ävü/uftov nvevfm keine Folge geleistet und die Mysterien des 
Lichtes empfangen haben, alle Bande der Archonten brechen 
und im Besitz der Apologien, Zeichen und Siegel ungehindert 
zu dem Orte des Lichtreiches gehen (c. 112). Besonderes Inter- 
esse erregt die Frage, in welchem Typus die Mysterien der 
Taufen die Sünden vergeben, eine Frage, die in ganz materiell- 
realistischer Weise dahin beantwortet wild, daß sie wie ein ge- 
waltiges weises Feuer wirken, das die Sünden verbrennt resp. 
verzehrt und dadurch den Körper reinigt resp. das ävxifiipov 
jivevfia, und die /ioiga von der övvafiiG und ywxrf trennt 
(c. 115 — 116). Im Gegensatz zu diesen reinigenden Mysterien 
der Taufen sind die Mysterien der '6x ( »QVt iaxa > ^ es 1- Mysteriums 
und des Unaussprechlichen Sünden vergebend, indem sie niqht 
nur alle Sünden von Anfang an vergeben, sondern auch alle 
späteren Sünden bis zu der Zeit, bis zu welcher jedes dieser 
Mysterien kräftig sein wird. Jene Sündenvergebung ist ein 
Geschenk von oben (c. 117), wird also nicht durch irgend- 



Einleitung: 4. Inhalt, Titel und Komposition. XXXI 



welchen besonderen Initiationsakt appliziert. Aber anch hier 
gilt als Bedingung, daß der Betreffende nach jeder Sünde 
aufrichtige Reue empfindet und bei seinem Tode nicht über- 
rascht wird; im letzteren Falle wird er den ewigen Strafen 
in der äußeren Finsternis anheimfallen, d. h. es gibt keine 
Kettung und Erbarmen mehr (c. 118-124). Die Zeit des Emp- 
fanges der Mysterien ist nämlich beschränkt, denn, sobald die 
Za-i der vollkommenen Seelen erreicht ist, werden die Tore 
des" Lichtreiches geschlossen, sodaß niemand hinein- und 
hinausgehen kann. Selbst diejenigen, welche nach Vollendung 
ihres Kreislaufes die Mysterien empfangen haben, werden 
vergeblich an die geschlossenen Tore klopfen, vielmehr eben- 
falls in die äußere Finsternis gestoßen werden (c. 125). 

Das leitet über zu der Frage betreffs der Beschaffenheit 
der äußeren Finsternis und ihrer Straförter. Die äußere 
Finsternis ist ein großer Drache und enthält zwölf Straf- 
kammern mit je einem Archon mit Tiergesicht als Oberhaupt 
(c. 126). Diese Straförter sind für die Todsünder bestimmt, 
als welche gelten die Lästerer, die Irrlehrer mit ihren An- 
hängern, die Päderasten, Atheisten, Mörder, Ehebrecher, Gift- 
mischer. Ihnen allen droht das Feuer der Amente, des Chaos, 
des Weges der Mitte, des Drachens. Aber es gibt letztlich 
doch noch ein Rettungsmittel. Wie bereits in c. 108 an- 
geführt, kann ein gerechter Mensch auch einen groben Sünder, 
der ohne Reue aus dem Körper geschieden und den Strafen 
des Drachens der äußeren Finsternis ausgesetzt ist, durch 
Vollzug des einzigen Mysteriums des Unaussprechlichen retten, 
so daß dieser während des neuen Kreislaufes in einen ge- 
rechten Körper versetzt wird, der die Mysterien des Lichtes 
finden und das Lichtreich ererben wird (c. 128). Desgleichen 
finden auch Erbarmen jene Menschen, die durch den Zwang 
der oxoi X £ia von neuem gesündigt haben und ohne Reue ge- 
storben sind; sie brauchen nur das Mysterium eines der 
!2 Namen des Drachens der äußeren Finsternis anzurufen, 
so werden sie sofort aus den Kammern entlassen (c. 1B0). 
Noch einmal taucht die brennende Frage auf, wer denn die 
Menschen zum Sündigen zwingt (s. vorher c. 111). Als solche 
werden hier die Archonten der Heimarmene bezeichnet, die 
die Eltern der Menschen sind, da die Seelen der Menschen 



XXXII 



Pistis Sophia. 



aus ihrem Schweiße, aus den Tränen ihrer Augen oder aus 
dem Hauche ihres Mundes hervorgehen. Dabei wird noch 
einmal die Erschaffung eines Menschen ausführlich beschrieben 
(c. 131— 132). Und "wie das Gebilde des Menschen durch die 
Archonten der Heimarmene erfolgt, so auch alles Gute und 
Böse, sei es Leben oder Tod. Aus diesem entsetzlichen Ver- 
hängnis hat Jesus die Menschheit durch Bringen der Schlüssel 
des Himmelreiches, d. h. der Mysterien befreit, die nicht nur 
für die Sünder, sondern auch für die Gerechten notwendig 
sind. „Um der Sünder willen", so spricht Jesus S. 256, 22 ff., 
„habe ich mich diesmal abgemüht und habe ihnen die My- 
sterien gebracht, damit ich sie von den Aeonen der Ar- 
chonten löse und sie in die Erbteile des Lichtes binde, nicht 
nur die Sünder, sondern auch die Gerechten, auf daß ich 
ihnen die Mysterien gebe, und sie in das Lichtreich auf- 
genommen werden. Deswegen nun habe ich es nicht ver- 
borgen, sondern es deutlich ausgerufen, und nicht habe ich 
die Sünder getrennt, sondern ich habe es ausgerufen und 
allen Menschen gesagt, Sündern und Gerechten, indem ich 
sprach : „Suchet, auf daß ihr findet, klopfet an, auf daß euch 
geöffnet werde, denn ein jeder, der in Wahrheit sucht, wird 
finden, und wer anklopft, dem wird geöffnet werden." — Dann 
freilich ist die Frage berechtigt, wie denn die Menschen bei 
ihrem „Suchen" erkennen können, ob sie Irrlehrer vor sich 
haben oder nicht. Als Bezept wird ihnen der apokryphe Spruch 
an die Hand gegeben: „Werdet wie die klugen Geldwechsler, 
das Gute nehmet, das Schlechte werfet weg!" Und wie man das 
Antlitz des Himmels und der Erde aus den Winden erkennen 
könne, so wisse man auch genau, wenn jetzt Männer die 
Gottheit verkündigen, ob ihre Worte übereinstimmen mit den 
Worten, die Jesus seinen Jüngern durch zwei bis drei Zeug- 
nisse gesagt habe. — Für die Mysterien, welche selbst die 
Sündlosen notwendig haben, wird auf die Bücher des Jeü 
„verwiesen, wie bereits es vorher S. 179, 24. 33 geschehen ist, 
zugleich wird die Tatsache festgestellt, daß es im Grunde 
keine sündlosen Menschen auf Erden gibt, da alle unter 
dem Zwange der Sünde stehen und des Geschenkes der 
Mysterien ermangeln (c. 134). Daraus ergibt sich von selbst 
die Folgerung, daß vor der Ankunft Jesu keine Seele in das 



Einleitung: 4. Inhalt, Titel und Komposition. XXXIII 



Lichtreich eingegangen ist, selbst nicht die Propheten und 
Gerechten des A. T.s, da sie Diener der Archonten und nur 
im Besitz der Mysterien der Aeonen waren. Deshalb waren 
ihre Seelen auch in den Aeonen verblieben, und Jesus hat 
den Propheten Elias in den Leib Johannes' des Täufers herab- 
geschickt, als er ihn bei seinem Abstieg dort antraf. Abraham, 
Isaak und Jakob haben die Vergebung ihrer Sünden erhalten 
und die Mysterien des Lichtes empfangen und werden an 
den Ort des Jabraoth und seiner Archonten versetzt, bis 
Jesus bei seinem Aufstieg zum Lichte auch ihre Seelen mit 
sich zum Lichte führen wird. Die übrigen Patriarchen und 
Gerechten von der Zeit des Adam an werden durch die 
Lichtjungfrau von neuem dem Kreislauf übergeben und in 
Leiber versetzt, die alle gerecht werden, alle Mysterien finden 
und somit das Lichtreich ererben (c. 135). Die Abhandlung 
schließt mit den Worten der Maria: „Mein Herr, siehe, wir 
haben offen, genau und deutlich erkannt, daß Du die Schlüssel 
der Mysterien des Lichtreiches gebracht hast, welche die 
Sünden den Seelen vergeben, sie reinigen und zum reinen 
Lichte machen und in das Licht führen." Es folgt die 
Unterschrift: „Ein Teil der Bücher des Erlösers." 

Die letzte, d. h. die vierte Abhandlung (S. 261 ff.) trägt einen 
selbständigen Charakter. Die Handlung ist unmittelbar in die 
Zeit nach der Auferstehung verlegt. Jesus befindet sich mit 
seinen Jüngern an dem Wasser des Ozeans 1 und richtet an 
seinen Vater, den Vater aller Vaterschaft, das unendliche 
Licht, ein Gebet, das mit eigentümlichen barbarischen Namen 
gespickt ist. Infolgedessen setzen die unteren Sphären sich 
in Bewegung und Jesus mit seinen Jüngern wird plötzlich 
in die Örter der Archonten . des Weges der Mitte entrückt. 
Dabei wird die Entstehung der Archontenwelt geschildert. 
Sabaoth Adamas ist der Beherrscher der sechs Aeonen, während 
sein Bruder Jabraoth die anderen sechs beherrscht. Sabaoth 
Adamas trieb mit seinen Archonten stetig das Mysterium des 
Geschlechtsverkehrs und zeugte Archonten, Erzengel, Engel, 

1 Der eigentümliche Ausdruck „Wasser des Ozeans" findet sich auch 
in einem gnostischen Gehet des Cod. Brucianus (vgl. Kopt.-Gnost. Schriften 
da t bedeutet daä »Meer" (»dlaooa). An unserer Stelle muß 

9dXa T ÄIeer an der ^ uste Palästinas verstanden werden; an die 

oaa rfji raidaias kann nicht gedacht sein. 

Schmidt: Plstl« s 0 p hia . * C 



XXXIV 



Pistis Sophia. 



Liturgen und Dekane. Daraufbin hat Jen sie in die Hei- 
marmene-Sphaera gebunden und zwar 360 Archonten und über 
sie fünf andere Archonten gesetzt, d. h. die fünf Planeten 
Kronos, Ares, Hermes, Aphrodite und Zeus (c. 136). Jabraoth 
mit seinen Archonten, die an die Mysterien des Lichtes ge- 
glaubt hatten, wurden in eine gereinigte Luft zwischen den 
Örtern derer von der Mitte und den Örtern des unsichtbaren 
Gottes versetzt (c. 137). Andere 360 Archonten des Adamas 
werden in die luftigen Örter unterhalb der Heimarmene-Sphaera 
gebunden und über sie ebenfalls fünf große Archonten als 
Herrscher gesetzt. Letztere tragen den Namen Paraplex, 
Ariüth, Hekate, Parhedrön Typhon und Jaclithanabas. Das 
sind die Beherrscher des Weges der Mitte, die durch ihre bösen 
Dämonen die Menschen zu den verschiedenen groben Sünden 
verleiten, um sie später mit ihren furchtbaren Peinigungen zu 
bestrafen (c. 139-140). Die Jünger sind von Entsetzen ob 
dieser Kunde ergriffen und bitten um Erbarmen für sich und 
das ganze Menschengeschlecht. Der Herr beruhigt sie, da er 
vor seiner Kreuzigung ihnen versprochen, die Schlüssel des 
Himmelreiches zu geben. Auf seinen Lobgesang hin in dem 
großen Namen verbergen sich die Örter des Weges der Mitte, 
und er mit seinen Jüngern verbleibt in einer Luft von sehr 
starkem Lichte. Die Jünger müssen zu ihm hintreten, er 
spricht den großen Namen über ihrem Haupte zu den vier 
Ecken der Welt und bläst in ihre Augen hinein. Jetzt er- 
blicken sie die vier Elemente: Feuer, Wasser, Wein und 
Blut, die Jesus zur Vergebung der Sünden einzig und allein 
mit in die Welt gebracht hat. Plötzlich verschwinden die 
Kräfte der Linken, und Jesus mit seinen Jüngern verbleibt 
auf dem Berge von Galiläa. Als nun die Jünger um Ver- 
gebung ihrer Missetaten bitten, um des Reiches seines Vaters 
würdig gemacht zu werden, verheißt er ihnen das Mysterium 
der Sündenvergebung und das Mysterium des Himmelreiches 
(c. 141). Der Ritus dieses Mysteriums wird in c. 142 ausführ- 
lich beschrieben. Ausdrücklich wird es als das Mysterium der 
Taufe bezeichnet, das alle Sünden und Missetaten bis zu dem 
Tage des Vollzuges austilgt. Die Jünger erinnern Jesus daran, 
daß er zu ihnen früher noch von einer Feuertaufe, von einer 
Taufe des heiligen Geistes und von einer geistigen Salbung ge- 



Einleitung: 4. Inhalt, Titel und Komposition. 



XXXV 



sprochen habe, die die Seelen zum Licbtschatz führen. Jesus 
bestätigt dies nnd versichert zugleich, daß es nichts Vorzüg- 
licheres gebe als diese. Noch höher aber stände das Mysterium 
der sieben Stimmen und ihrer 49 Kräfte und das Mysterium 
des Namens, in welchem alle Namen und alle Lichter und 
alle Kräfte sich befinden. Der Kenner dieses Namens könne 
nach seinem Tode von den oberen Gewalten nicht festgehalten 
werden, auch keine Strafen erleiden (c. 143). Ob nun die Riten 
der vorhergenannten zwei Taufen nebst der geistigen Salbung 
dargestellt waren, läßt sich leider wegen des Ausfalles von 
4 Blättern nicht feststellen. Nach der Lücke lesen wir die 
Beschreibung der Strafen eines Fluchers — unmittelbar vorauf- 
gegangen waren die Strafen eines Jähzornigen — , daran 
schließt sich der Reihe nach die Schilderung der Peinigungen 
eines Verleumders (c. 144), eines Mörders (c. 145), eines Räubers 
nnd Diebes, eines hochmütigen und frechen Menschen (c. 146), 
eines beständigen Lästerers (c. 147), eines Päderasten und 
Libertinisten (c. 147). Im Anschluß daran wird die Frage be- 
handelt, die bereits in Buch III, c. 103 1 angeregt war, welches 
das Schicksal eines Menschen ist, der beständig Gutes getan, 
aber die Mysterien nicht gefunden hat, und das Schicksal 
eines Menschen, der alle Sünden und Missetaten begangen, 
aber zuletzt noch die Mysterien gefunden hat. Auch von 
ihnen gilt, daß sie schließlich das ewige Lichtreich ererben 

1 Sehr instruktiv ist eine Vergleichnng der Antworten an beiden 
Stellen. Sie lauten im großen und ganzen Übereinstimmend, nur in Buch IV 
wird näher berichtet, bei welcher Konstellation der Planeten die Seele 
wieder in die Aeonen der Sphära gebracht wird und hier einerseits von 
Jaluham, dem Paralemptes des Sabaoth Adamas, den Becher der Vergessen- 
heit zum Trinken empfängt und andererseits von einem Paralemptes des 
kleinen Sabaoth, des Guten von der Mitte, einen Becher der Weisheit und 
Nüchternheit; infolgedessen verlangt die Seele nach ihrer Iukorporierung 
*nf Erden stetig nach den Mysterien des Lichtes. In Buch IV spielen die 
Qestimskonstellationen beim Herabstieg der Seelen eine große Bolle, wäh- 
rend in dem vorhergehenden Werke davon nichts zu merken ist; ebenfalls 
ist Jaluham eine unbekannte Größe, wohl aber wird der „Becher der Ver- 
gessenheit" Buch III S. 246, 1. 7; 247, 3. 7 angeführt. — Nachträglich 
möchte ich noch darauf hinweisen, daß S. 174, 5ff. dieselbe Frage nach 
lern Schicksal eines Gerechten von dem Gesichtspunkt behandelt wird, 
Wenn von auderer Seite für ihn das zweite Mysterium des ersten Mysteriums 
«ber seinem Haupt gesprochen wird. 

C* 



XXXVI 



Pistis Sophia. 



werden (c. 148). Diese letzten Unterredungen haben in der 
Amente stattgefunden. Die Abhandlung schließt mit den 
Worten: „Die Jünger schrien und weinten: Wehe, wehe den 
Sündern, auf denen die Sorglosigkeit und die Vergessenheit 
der Archonten ruht, bis sie aus dem Körper kommen und 
zu diesen Strafen geführt werden. Erbarme Dich unser, 
erbarme Dich unser, Sohn des Heiligen, und habe Mitleid 
mit uns, damit wir vor diesen Strafen und diesen Gerichten, 
die den Sündern bereitet sind, gerettet werden; denn auch 
wir haben gesündigt, unser Herr und unser Licht!" 

Soweit die Analyse des Inhaltes des ganzen Werkes, wie 
es im Codex Askewianus vereinigt ist. Ich schließe daran die 
Erörterungen über Titel und Komposition. 

Der Kodex zerfällt, rein äußerlich betrachtet, in vier 
größere Abschnitte. 1 Der erste Abschnitt endet mit pag. 114 
(= p. 125 d. Textausgabe = S. 93, 9); auf der 1. Kol. sind 
nur neun Zeilen beschrieben, ein Titel findet sich nicht, 
sondern nur einige Ornamente mit der Koronis am Rande. 
Ebensowenig findet sich ein Titel am Anfange des ganzen 
Werkes, da der Text ohne jede besondere Hervorhebung auf 
pag. 1 beginnt. Die 2. Kol. von pag. 114 (= p. 120 d. Ausgabe 
= S. 93. 10 ff.) war ursprünglich unbeschrieben, hat dann 
später einen Text von 29 Zeilen erhalten. Auf pag. 115 (= p. 127 
d. Ausg. = S. 94, 1) steht oberhalb der ganzen Seite der Titel: 
„Das zweite Buch (to>?) der Pistis Sophia". Wie ich schon 
ausgeführt, ist dieser Titel erst später von dem Schreiber der 
zweiten Hand hinzugefügt worden. Darnach sollte nach seiner 
Meinung das erste Buch den Titel: „Das erste Buch (rö/xog) 
der Pistis Sophia" tragen. Aber er kann diese Titel in seiner 
Vorlage kaum vorgefunden haben, denn sonst wäre es merk- 
würdig, warum der Schreiber nicht am Ende von pag. 114 
letzteren Titel niedergeschrieben, und warum er erst später 
den zweiten Titel über der Seite eingesetzt hat. Sicherlich 
haben wir eine Überschrift vor uns und diese ist in alten 
koptischen Hds. etwas Ungewöhnliches, denn wohl finden wir 
in älteren Hds. Überschriften, aber dann folgt auch derselbe 
Titel als Unterschrift. Hier aber folgt als Unterschrift auf 
1 Buch I = S. 1-93 (c. 1-62), Buch II = S. 94-186 (c. 63-101), 
Buch ni = S. 186-260 (c. 102-135), Buch IV = S. 261—285 (c. 136-148). 



Einleitung: 4. Inhalt, Titel und Komposition. XXXVII 



pag. 233" (= P- 253, 17 d. Ausg. = S. 185, 25) der Titel: „Ein 
Teil (i*6q°s) d er Bücher (revxog) des Erlösers (oamfe)", einge- 
schlossen von Ornamenten und zu Anfang mit der Koronis. 
Letzterer Titel ist gleichzeitig mit dem Texte niedergeschrieben 
und ist unterhalb der Kolumne ganz gedrängt angebracht, da 
nur wenig Raum zur Verfügung stand. Daraus geht mit 
Evidenz hervor, daß der Titel sich auf den vorhergehenden 
Abschnitt bezieht, nicht als Überschrift zum folgenden Buche 
gehörte, denn sonst wäre der eingezwängte Titel ganz un- 
verständlich. Auf der 2. Kol. von pag. 233 (= S. 184, 30 f.) be- 
ginnt ein neuer Text, aber mitten im Satze, und setzt sich 
noch auf dem nächsten Blatte fort, wo auf der 2. Kol. von 
pag. 234 (= S. 186, 10) der Text endet, der zugleich mit der 
Koronis und dem üblichen Ornament schließt. Zwei Zeilen 
sind unbeschrieben geblieben. Hier haben wir offensichtlich 
den Schluß eines Buches vor uns, da es heißt: „Denn die 
Gnosis der Erkenntnis des Unaussprechlichen, in ihr habe ich 
heute mit euch geredet." Ich hatte früher die Ansicht ver- 
treten, daß dies der Schluß eines verlorenen Buches wäre, 
aber ein eindringendes Studium des Inhalts hat mich über- 
zeugt, daß die Ausführungen auf diesen Seiten nur die Fort- 
setzung der durch die Frage des Andreas unterbrochenen 
Darlegungen über die Mysterien der drei Erbteile des Licht- 
reiches und die Mysterien des Unaussprechlichen sind. Dort 
heißt es S. 176, 18 ff.: „Und ein jeder, welcher das Mysterium, 
das in dem Räume des Alls des Unaussprechlichen, empfangen 
wird und auch alle Mysterien, die in den Gliedern (ßeXrj) 
des Unaussprechlichen vereinigt sind, über die ich noch nicht 
mit euch gesprochen habe und über ihre Ausbreitung und die 
Art ihrer Aufstellung und den Typus eines jeden, wie er ist, 
und weshalb er der Unausspreclüiche genannt ist oder wes- 
halb er ausgebreitet mit all seinen Gliedern (fdlrf) stand 
und wie viel Glieder inslrj) in ihm sich befinden und alle 
seine Einrichtungen, welche ich euch jetzt nicht sagen werde, 
sondern, wenn ich im Begriffe bin euch die Darlegung des 
Alls (zu sagen), werde ich euch alles einzeln sagen, nämlich 
seine Ausbreitungen und seine Beschreibung, wie er ist, und 
die Anhäufung (? das Ebenmaß?) aller seiner Glieder <jdhj), 
die zur Einrichtung des Einzigen, des wahren, unnahbaren 



XXXVIII 



Pistis Sopbia. 



Gottes gehören." Es folgen nun die Ausführungen über die 
drei %a>ß?^tara, d. h. über die drei Erbteile des Lichtreiches, 
die in unserem gnostischen Werke ganz einzig dastehen. 
Dem Andreas sind diese Ausführungen schwer begreiflich 
und durch seine Frage, wie denn die Menschen alle oberen 
Örter durchwandern und das Lichtreich ererben können, erregt 
er, wie wir gesehen haben, wegen seines Zweifels und Un- 
glaubens den Unwillen des Erlösers, der an den Empfang 
der die Materie des Körpers reinigenden Mysterien den Ein- 
gang der Menschen in das Lichtreich knüpft und dazu die 
axoxayf] von der ganzen Welt und der ganzen in ihr befind- 
lichen Materie fordert. Schon vorher S. 166, 28 ist die Rede 
von dem Mysterium des Einzigen, des Unaussprechlichen und 
von der Vereinigung mit seinen Gliedern. In dem Schlußstück 
pag. 233 b (= S. 184, 30 ff.) hat nun Jesus die durch jene Episode 
unterbrochene Mitteilung über das höchste Mysterium, d. h. 
das Mysterium des Unaussprechlichen wieder aufgenommen 
und redet vou den Gliedern (pelq) des Unaussprechlichen 
(p. 254, 3 = S. 185, 5), die „eine Menge Glieder Qtilrj), aber 
ein einziger Leib (o<ö//a) sind" (S. 185, 11); auch werden die 
Mysterien des ersten, zweiten und dritten %<!)Qrnia des Un- 
aussprechlichen (S. 185, 27 f.) wieder erwähnt. Somit gehören 
diese Stücke aufs engste zusammen und bilden den Abschluß 
der Erörterung über die Mysterien des Unaussprechlichen, 
welche in den Stücken vor der Lücke noch nicht erfolgt war. 
Somit konnte Jesus mit Recht am Schluß bemerken, daß er 
heute über die Guosis der Erkenntnis des Unaussprechlichen 
mit den Jüngern geredet hätte, und es bleibt m. E. nur die 
Erklärung übrig, daß der Abschreiber entweder aus Versehen 
ein oder zwei Seiten von seiner Vorlage überschlagen hat 
oder, was näher liegt, diese Lücke bereits vorfand. 1 Sicher- 
lich kann die Lücke einen nicht zu großen Umfang gehabt 
haben. Gehören nun die 1% Seiten zu dem vorhergehenden 
Buche, so kann die Unterschrift vom Abschreiber nur aus 
Verseheu an den Schluß der 1. Kol. von pag. 233 gesetzt sein 
statt an den Schluß von der 2. Kol. des nächsten Blattes, 
pag. 234. Er nahm dabei an, daß die Schlußworte der Andreas- 

1 Eine größere Lücke glaube ich auch S. 233, 17 konstatieren zu 
können, ebenso S. 121, 27. 



Einleitung: 4. Inhalt, Titel und Komposition. XXXIX 



episode S. 184, 21 f.: „Ich vergebe und werde vergeben; des- 
wegen nun hat mich das erste Mysterium geschickt, damit 
ich einem jeden die Sünden vergebe", zugleich die Schluß- 
worte des ganzen Buches wären, und wurde in dieser Ansicht 
m. E. noch mehr bestärkt, als er im folgenden die Lücke 
vorfand. Der Abschreiber hat auf pag. 234 noch zwei Zeilen 
hinter dem Ornament und der Koronis freigelassen; dieses 
Beststück wäre sonst ohne jeden Titel. 

Jetzt schließt sich auch der Text des dritten Buches 
unmittelbar an das zweite Buch an. Die Anfangsworte auf 
pag. 235 (= S. 186, 13 f.) lauten: „Es fuhr wiederum Jesus in 
der Rede fort und sprach zu seinen Jüngern : Wenn ich zum 
Lichte gegangen sein werde, so verkündet der ganzen Welt 
und saget ihnen: Nicht lasset nach zu suchen Tag und Nacht 
und nicht rastet, bis daß ihr die Mysterien des Licht- 
reiches findet, die euch reinigen und euch zum reinen Lichte 
machen und euch zum Lichtreiche führen werden. Saget 
ihnen: Entsaget der ganzen Welt und der ganzen in ihr be- 
findlichen Materie und all ihren Sorgen und all ihren Sünden, 
mit einem Worte all ihren Beziehungen, die in ihr, damit ihr 
der Mysterien des Lichtes würdig seid und vor allen Strafen, 
die in den Gerichten, gerettet werdet." Und nun vergleiche 
man damit auf S. 183, 9 f. die Worte: „Deswegen nun ver- 
kündet dem ganzen Menschengeschlechte : Entsaget der ganzen 
Welt und all ihren Beziehungen, damit ihr euch nicht andere 
Materie zu eurer übrigen in euch befindlichen Materie hinzu- 
sammelt, und saget ihnen: Nicht lasset nach. zu, suchen Tag 
und Nacht und nicht rastet, bis daß ihr dife reinigenden 
Mysterien findet, die euch reinigen und euch 2jd reinem Lichte 
machen werden, so daß' ihr nach oben gehen und das Licht 
meines Reiches ererben werdet." An beiden Stellen tritt uns 
ein eigentümliches griechisches Wort entgegen, das S. 183, 15 
anakte, S. 186, 18 anakta lautet. Der griechische Text lautete 
an beiden Stellen fti] avaxrijaea&e iavtovg; der Übersetzer 
behielt, weil er den prägnanten Ausdruck „sich erholen", 
„Ruhepause machen", „rasten" nicht verstand, den griechischen 
Ausdruck bei, wußte aber nicht genau, wie er von ävaxtfoeo&E 
den Infinitiv für den koptischen Text bilden sollte, schrieb das 
eine Mal anakte, das andere Mal richtig anakta von ävaxräo&cu. 



XL 



Pistis Sophii 



Das dritte Buch endet auf pag. 318" (= S. 260, 32); hier 
lesen wir wiederum die Unterschrift, eingefaßt mit Ornamenten 
und der Koronis am Bande: „Teil O^o?) der Bücher (revxog) 
des Erlösers (oconyg) 11 in kleinerer Schrift. Es sind auf der 
1. Kolumne noch vier Zeilen unbeschrieben geblieben, so daß 
an" der tatsächlichen Unterschrift kein Zweifel sein kann. 
Auch hier sind die drei charakteristischen griechischen Worte 
beibehalten. 

Das letzte, resp. vierte Buch beginnt ohne jede nähere 
Hervorhebung auf der 2. Kol. von pag. 318 8 (= S. 261, 1). Aber 
es bietet, wie wir bei der Analyse gesehen haben, einen ganz 
neuen Anfang, da die Handlung unmittelbar in die Zeit nach 
der Auferstehung des Herrn am dritten Tage verlegt ist, 
während nach den einleitenden Worten des ersten Buches die 
Unterredungen in das 12. Jahr fallen sollen. Der Ort der 
Handlung wechselt beständig: bald am Wasser des Okeanos 
(S. 261, 8), bald auf den Wegen der Mitte (S. 262, 38), bald 
in der Lichtluft (S. 272, 20), bald auf dem Berge von Galiläa 
(S. 273, 33), bald in der Amente (S. 285, 23). Auch der Inhalt 
ist ein abweichender, da die Unterredungen mit den Jüngern 
in der Hauptsache sich drehen um die furchtbaren Strafen 
der verschiedenen Sünder, die sie bei den Archonten des 
Weges der Mitte erleiden. Ferner springt der astrologische 
Charakter der Planetenwelt und des Zodiakalkreises in die 
Augen. Dieses Stück endet auf pag. 354 b (= S. 285), ab- 
schließend mit der Koronis und den üblichen Ornamenten, 
aber ohne jede Überschrift, obwohl noch 7 Zeilen frei sind. 

Demgemäß ist das Resultat folgendes: Buch I und IV 
sind ohne Unterschriften, Buch II hat eine Überschrift und 
eine Unterschrift, Buch III eine Unterschrift, die mit der 
Unterschrift von Buch II identisch ist. Diese beiden Unter- 
schriften sind ursprünglich, da sie von ihren Schreibern gleich- 
zeitig mit dem Texte niedergeschrieben sind, während die 
Überschrift von Buch H erst später hinzugefügt ist. Hierzu 
kommt, daß diese Überschrift für Buch II als Ganzes nicht 
das Richtige trifft; denn die Geschichte von der Pistis Sophia 
findet auf S. 135, 15 ihren Abschluß, nachdem Jesus sie von 
dem Orte, der unterhalb des dreizehnten Aeons — daselbst 
hatte er sie bei seinem Auffluge in die Höhe getroffen — in 



Einleitung: 4. Inhalt, Titel und Komposition. XLI 



ihren früheren Wohnort, den dreizehnten Aeon, geführt hatte. 
Es heißt vorher S. 131, 5 ff.: „Es geschah nun nach all diesem, 
da nahm ich die Pistis Sophia und führte sie hinein in den 
dreizehnten Aeon, indem ich gar sehr leuchtete, ohne daß 
Maß war dem Lichte, das an mir war. Ich trat ein in den 
Ort der 24 Unsichtbaren, indem ich gar sehr leuchtete, und 
sie gerieten in große Unruhe; sie blickten und sahen die 
Sophia, die bei mir war; sie erkannten sie. mich aber er- 
kannten sie nicht, wer ich wäre, sondern hielten mich für 
eine Art Emanation des Lichtlandes." Die Pistis Sophia ist 
von großer Freude ob ihrer Bettung erfüllt und will ihren 
Genossen die Wunder verkünden, die der Erlöser an ihr auf 
der Erde der Menschheit getan. Sie singt deshalb einen 
Hymnus auf das Licht, dessen Auflösung durch Philippus mit 
Psalm 106 gegeben wird. 

Mit S. 135, 16 ff. nimmt, wie gesagt, das Thema eine ganz 
andere Wendung. Die Person der Pistis Sophia, die bis dahin 
den Mittelpunkt des Themas gebildet hatte, verschwindet 
gänzlich, und es beginnen die Fragen an Jesus, die insbe- 
sondere von Maria Magdalena eingeleitet und im Buch II fast 
ausschließlich gestellt werden. Die erste Frage knüpft an 
die 24 Unsichtbaren an, die ja die Genossen der Pistis Sophia 
im dreizehnten Aeon bilden (S. 136, 17 f.). 

Ist es nun Zufall, daß Philippus als letzter in der Pistis 
Sophia- Erzählung auftritt? Philippus wird nämlich neben 
Thomas und Matthäus — sie sind die drei Zeugen — als 
derjenige genannt, der beauftragt ist, alle Beden und Taten 
Jesu aufzuschreiben (vgl. S. 51, 26 ff; S. 53, 2 f.). Das läßt 
vielleicht darauf schließen, daß der Verfasser aus einem dem 
Apostel Philippus zugeschriebenen Werke die Geschichte von 
der Pistis Sophia geschöpft und sie in neuer Bearbeitung 
seiner Schrift einverleibt hat. Auf den Schreiber der Über- 
schrift von Buch II hat diese Erzählung einen solchen Ein- 
druck gemacht, daß er unbedenklich das Ganze als to>oc der 
Pistis Sophia bezeichnete, d. h. von sich aus diese Überschrift 
°hne jede handschriftliche Unterlage bildete. 

^ Scheidet dieser Titel aus, so bleibt nur übrig der Titel 
™>XV rov ScozijQog, wie er von dem Schreiber der eisten 
nd an den heiden angeführten Stellen eingeführt ist. Er 



XLII 



Pistis Sophia. 



betrachtet ohne Zweifel die drei Bücher als Teile (pien) dieses 
Gesamttitels. Aber was hat man unter xztyr) tov ZcorijQog 
zu verstehen? Als Buchtitel kommt er sonst nicht vor, denn 
unter rev/og verstand man in dem antiken Buchwesen die 
„Rolle", nicht den „Kodex", 1 aber auch wenn wir unter zev X og 
das „Buch" verstehen, so ist die Bezeichnung eines Werkes 
als „Bücher des Soter" ganz farblos. Unbestimmt ist, ob es 
Bücher sind, die der Soter verfaßt hat, oder Bücher, die über 
den Soter handeln? Ich glaube, daß wohl eher das letztere 
gemeint ist, wenn man auch den Inhalt der Bücher auf die 
Offenbarungen des Soter zurückführte. Das könnte man aber 
fast für die gesamte gnostische Literatur in Anspruch nehmen. 
Nicht besser steht es mit dem andern Titel: „der zweite rd/ws 
der Pistis Sophia", denn auch x6/me ist der terminus technicus 
für „Rolle", 2 daraus später „Band, Buch", aber „Bücher der 
Pistis Sophia" kann man m. E. nur in dem Sinne fassen, daß 
sie über die Schicksale der Pistis Sophia handeln. 

Nun habe ich bei meiner letzten Prüfung des Kodex auf 
eine auffallende Beobachtung hin mein Augenmerk gerichtet, 
daß nämlich der Kodex 178 Blätter enthält, resp. 180 Blätter, 
wenn man die zwei Vorsatzblätter am Anfang hinzurechnet. 
Denn der erste Quaternio zählt nur 6 Blätter = 12 Seiten; 
der Abschreiber hat die Schntzblätter nicht mitgezählt, da 
er den Quaternio, resp. die Seitenzählung erst mit Blatt 3 
begann, auf dem der Text anfing. Diese zwei Schntzblätter 
sind heute nicht mehr erhalten. Wie wir gesehen haben, um- 
faßt Buch I die Seiten 1—114, das sind 57 Blätter. Rechnen 
wir die zwei Schutzblätter hinzu, so sind es 59 Blätter. Das 
Buch II geht von p. 115—234, wenn wir die Unterschrift 
dorthin versetzen. Das würde gerade 60 Blätter ausmachen. 
Buch III umfaßt p. 235—318», das sind 41 1 / 2 Blätter. Es 
kommen noch hinzu 14'/ a Blätter für die angehängte Ab- 
handlung, die aber ursprünglich, wegen Ausfalls von 4 Blättern, 
18 l /, Blätter umfaßte, und am Schluß ein leeres Schntzblatt. 

1 Siehe darüber Birt, Die Buchrolle in der Kunst, Leipzig 1907, 
S. 21. — Garthausen, Das Buchwesen im Altertum und im Byzantini- 
schen Mittelalter«. Leipzig 1911, S. 155. - Wilh. Schubart, Das Buch 
bei den Griechen und Börnern 3 , 1921, S. 176. 

2 Vgl. Birt, 1. c, S. 21. — Garthausen, 1. c, S. 141. 



Einleitung: 4. Inhalt, Titel und Komposition. XLIII 



ir haben also wieder 61 Blätter, das macht zusammen 
59 _|_ 60 + 61 = 180 Blätter. Dieser Tatbestand regt m. E. 
zum Nachdenken an. Die Lösung des Rätsels finde ich in 
er Erkenntnis, daß dem Cod. Askewianus drei Papyrusrollen, 
h. rEv%r) zugrunde liegen, deren Länge ca. 60 Blättern des 
ergamentkodex entsprach. Die erste Papyrusrolle scheint 
ein großes Schmutzblatt zu Anfang gehabt zu haben. Besteht 
un meine Ansicht zu Recht, so erklärt sich zunächst, daß 
'e Seiten in Analogie zum Papyrus in Kolumnen beschrieben 
: nd. Insbesondere aber wird die seltsame Tatsache aufge- 
ärt, daß die drei Bücher sich so wenig bestimmt voneinander 
bheben. Am Schlüsse von Buch I war die gnostische Inter- 
pretation von Psalm 84, 10. 11 gegeben, und zwar zuerst von 
aria Magdalena, darauf von Maria, der Mutter Jesu, dann 
ieder von Maria Magdalena und zuletzt von neuem von 
aria, der Mutter Jesu. Zu Anfang von Buch II setzt sich 
"eser Kommentar zu Psalm 84, 10. 11 fort, und zwar von 
eiten des Johannes. Ein Schriftsteller würde in dieser 
abrupten Weise die einzelnen Bücher seines Werkes kaum 
trennen. Anders gestaltet sich die Sache, wenn die Rolle 
den Abschreiber zwingt, abzubrechen. Ebenso steht es mit 
Buch III. Es heißt zu Anfang einfach: „Es fuhr Jesus 
wiederum in der Rede fort und sprach zu seinen Jüngern." 
Diese Einleitungsworte wiederholen sich zu Dutzenden in dem 
Texte, bilden durchaus keinen größeren Einschnitt. Freilich 
die letzte Rolle hätte einen geringeren Umfang beansprucht, 
da nur ca. 42 Blätter nötig gewesen wären. Aber der 
Schreiber des Papyrus hat eine nicht zu Buch I— III gehörige 
gnostische Abhandlung zur Ausfüllung der ganzen Rolle auf- 
genommen. Nur auf Grund dieser Manipulation läßt sich 
a. E. die Hinzufügung von Buch IV erklären. Man wollte 
die volle Rolle ausnutzen, wie im gnostischen Papyrus Beroli- 
nensis ein kleines Stück der echten Petrusakten auf den 
letzten leeren Blättern angehängt ist. Bilden also die drei 
Rollen, resp. die vier Bücher äußerlich ein Ganzes, so sind 
sie auch ihrem Inhalt nach nicht voneinander zu trennen. 
Denn, wenn man diese drei Abhandlungen überblickt, wird 
man bei der Lektüre den Eindruck gewinnen, daß das Ganze 
nach einem bestimmten Plane entworfen ist. Die Disposition 



XLIV 



Pistis Sophia. 



ist trotz der mancherlei verschiedenen Stoffe, die vorgeführt 
werden, klar und durchsichtig. Man muß sich geradezu 
wundern, daß der Verfasser den Faden der Darstellung nicht 
verloren hat. Dahinter kann also nur ein einzelner Verfasser 
stehen. Daß ältere Stoffe verarbeitet sind und dadurch einige 
Unebenheiten vorhanden, braucht man nicht abzuleugnen, aber 
es wird schwer halten, dies im einzelnen nachzuweisen. 

Nun hat Liechtenhan in seinen Untersuchungen zur 
koptisch-gnostischen Literatur (Z. f. wissenschaftl. Theol., 
Bd. 44 (N. F. 10), H. 2, S. 237, Anm. 1) die Behauptung auf- 
gestellt, daß in dem ersten großen Abschnitt der Pistis Sophia- 
Episode S. 1—135, 15 zwei verschiedene Erzählungen des- 
selben Vorgangs vereinigt seien. Denn es hatte, so führt er 
aus, S. 87, 13 ff. geheißen: „Es geschah, als die Pistis Sophia 
die dreizehnte Eeue gesagt hatte — in jener Stunde aber 
war das Gebot aller Drangsale vollendet, welche für die P. S. 

bestimmt waren , und es war die Zeit gekommen, 

sie aus dem Chaos zu retten und sie aus allen Finsternissen 
hinauszuführen. Denn ihre Keue war von ihr durch das erste 
Mysterium angenommen, und jenes Mysterium sandte mir eine 
große Lichtkraft aus der Höhe, damit ich der P. S. helfe und 
sie aus dem Chaos heraufführe." Demgegenüber sei das auf 
S. 96—130, 31 Erzählte von einer' nochmaligen Fesselung, 
Verfolgung und vorläufigen Versiegelung bis zu einem end- 
gültigen Entscheidnngskampfe ein Rückschritt; es wolle zudem 
vor Jesu Menschwerdung geschehen sein, und der letzte 
Kampf solle stattgefunden haben, während Jesus mit den 
Jüngern auf dem Ölberg saß (S. 125, 33 f.). Wenn man das 
Stück ausscheide, sei der Zusammenhang ganz glatt, daher 
sei der Satz auf S. 130, 32 f.: „Es geschah nun, als Jesus all 
die Begebenheiten, die der P. S. geschahen, da sie im Chaos 
war, seinen Jüngern zu sagen beendet hatte, und die Art, 
wie sie das Licht gepriesen, bis daß es sie rette und aus 
dem Chaos hinaufführe und sie in den zwölften Aeon hinein- 
führe, und die Art, wie es sie gerettet aus all ihren Bedräng- 
nissen, mit denen die Archonten des Chaos sie bedrängt hatten, 
weil sie zum Lichte zu gehen begehrte", eine vom Redaktor 
herrührende Verbindung beider Stücke. Als weiteres Argu- 
ment für seine These führt Liechtenhan an, daß in der 



Einleitung;: 4. Inhalt. Titel nnd Komposition. XLV 



Hauptschrift Christus die Archonten in einer vis luminis 
besiege, im Einschub durch die Kraft der Seele des Sabaoth 
dya&ög und durch die Hilfe der Erzengel Gabriel und Michael. 
Pas Auffälligste sei ferner, daß im Einschub Jesus durchweg 
primum /xvartjgiov genannt werde, während in der Haupt- 
schrift der Höchste so heiße, in dessen Auftrag Christus 
bandle. Im Einschub würden außerdem die Bücher der P. S. 
Satz für Satz erklärt, während sie sonst ohne Kommentar 
den entsprechenden Psalmen gegenübergestellt würden. 

Mir ist zunächst unklar, wie nach Ausscheidung des 
Stückes c. 64 — 80 der Zusammenhang glatt sein soll. Denn 
bereits in c. 60 ist von der großen Lichtkraft die Eede, 
welche von dem 1. Mysterium Jesus geschickt wird, die sich 
mit der Lichtkraft vereinigt, welche von Jesus ausgegangen 
ist, aber Liechtenhan irrt, wenn er diesen Vorgang bei dem 
Aufstieg Jesu stattfinden läßt, vielmehr ist die Situation 
doch die, daß Jesus seinen Jüngern die Geschehnisse mit 
der P. S. vorträgt, die in der Zeit vor seiner Menschwerdung 
stattgefunden haben. Die Begegnung Jesu mit der P. S. 
unterhalb des 13. Aeons gibt ja erst die Veranlassung, diese 
Geschichte von dem Fall und der Errettung der P. S. in die 
Darstellung aufzunehmen, die so dominierend ist, daß der 
Bericht über den weiteren Aufstieg Jesu mit seinem Licht- 
kleide bis zum 24. Mysterium ganz unter den Tisch fällt. 
Der erste Akt schließt eben mit der Hineinführung der 
P. S. in den Ort unterhalb des 13. Aeons, und ausdrücklich 
heißt es S. 125, 30: „Ich aber versetzte sie an den Ort, der 
unterhalb des dreizehnten Aeons, ging zum Lichte und wich 
von ihr." Demnach ist Jesus nicht von der P. S. gewichen, 
als er mit den Lichtkleidern zu den Jüngern auf den Ölberg 
zurückkehrte, sondern in der Zeit seiner präexistenten Tätig- 
keit. Damals hat er die Erzengel Gabriel und Michael aus 
den Aeonen herabgerufen, damit sie die P. S. aus dem" Chaos 
führen; denn Jesus selbst bleibt oberhalb des Chaos (S. 87, 38). 
Daher war aber der Lichtabfluß nötig (S. 87, 35), denn zuvor 
mußte der materielle Körper der P. S. mit neuen Lichtkräften 
angefüllt werden. Diese Erwähnung der Lichtkraft gibt dann 
Veranlassung zu der Deutung von Ps. 84, 10. 11, die bereits 
S. 88, 4 fF. einsetzt und sich auch noch in Buch DI c. 63 fort- 



XL VI 



Pistis Sophia. 



setzt. Hier ist es Johannes, der den Vater Jesu das „erste 
Mysterium, das hineinblickt" (S. 94, 21) nennt und 
Jesus selbst das „erste Mysterium, das herausblickt" 
(S. 94. 26). und in Anlehnung an ihn lest Jesus diese Be- 
zeichnungen seinem Vater bei (vgl. S. 96. 10; 101. 2; 102, 32; 
103, 37) und ebenso sich selbst (vgl. S. 103, 20; 104, 21), und 
■weiterhin wird hier ganz allgemein nicht von Jesus, sondern 
vom eisten Mysteriuni geredet, Liechtenhan hat diesen Unter- 
schied nicht beachtet, ebenso wenig, daß diese Unterscheidung 
nicht erst in c. 64. sondern bereits in c 63 einsetzt. Freilich 
setzt der Name „Jesus" unvermittelt S. 130, 32 wieder ein, 
nachdem noch kurz vorher Z. 29 vom „Mysterium, das heraus- 
blickt," die Bede war, und dieser Name „Jesus" verbleibt 
dann wieder bis zum Schluß des Ganzen. Aber auch die satz- 
weise Kommeiitieiung der Lieder beginnt bereits S 88, 14 ff. 
und findet sich auch über den angeblichen Einschub hinaus 1 
S. 134, 33 ff. Demgemäß hätte Lieihtenhan den Einschub 
schon früher ansetzen müssen, d. h. etwa schon mit S. 88, lff., 
aber es würden neue Schwierigkeiten auftauchen. Ich glaube 
die vorliegende Aporie durch die Annahme am besten zu lösen, 
daß dem Verfasser der Stoff von der Erniedrigung und Er- 
höhung der Sophia und ihren 13 Reuegeboten vorlag. Die 
13 Hymnen entsprechen den 13 Aeonen und nach dem 
13. Hymnus wurde die P.S. erhört und wieder in ihren alten 
Wohnsitz zurückgeführt. Da nun unser Verfasser den Aufstieg 
Jesu am 15. Tybi neu erfunden und mit diesem die Begegnung 
in Verbindung gebracht hatte, mußte er dementsprechend den 
Stoff verlängern und eine provisorische Bettung bis zur Ein- 
fühlung in den Ort unterhalb des 13 Aeons statuieren. In 
c. 77 verknüpft er diesen Teil mit dem zweiten Akt, der die 
definitive Aufnahme in den 13. Aeon bringt. Aber dabei hat 
der Verfasser ganz vergessen, noch einmal an seinen Aufstieg 
vom Ölberg zu erinnern, sondern Jesus sitzt mit seinen 
Jüngern auf dem Öl berge (S. 126, 2. 9. 15; 127, 14). Zu einer 
dramatischen Szene kommt es weiter nicht; nur Adamas rüstet 
sich zum letzten Kampfe, um duich seine Emanationen die 
P. S. von neuem zu verfolgen und das Licht von ihr zu 

1 Hier wird die Kommentierung bald abgebrochen, da wir leBen: 
„Und der übrige Psalm" (8. 135, 4). 



Einleitung: 4. Inhalt, Titel nnd Komposition. XL VII 

nehmen (S. 126, 16 ff.). Es heißt nun einfach S. 131, 5 ff.: 
Es geschah nun nach all diesem, da nahm ich die Pistis 
ßophia und führte sie hinein in den dreizehnten Aeon, indem 
ich gar sehr leuchtete, ohne daß Maß war dem Lichte, das 
«n mir war. Ich trat ein in den Ort der 24 Unsichtbaren, 
indem ich gar sehr leuchtete, und sie gerieten in große Un- 
ruhe; sie blickten und sahen die Sophia, die bei mir war; 
sie erkannten sie, mich aber erkannten sie nicht, wer ich 
wäre, sondern hielten mich für eine Art Emanation des 
Lichtlandes." Freilich erinnern die Ausdrücke „ich leuchtete 
gar sehr, ohne daß Maß war dem Lichte, das an mir war" 
und „sie gerieten in große Aufregung" an die gleichen Szenen 
bei dem Aufstieg Jesu mit seinem Lichtkleide, wie sie uns 
bei den einzelnen Aeonen c. 11—29 entgegentreten, aber ein 
direkter Hinweis auf diese Tatsache findet sich nicht. Ohne 
Zweifel fällt auch dieser zweite Akt wegen seines geringen 
Umfanges und seines dürftigen Inhaltes ganz hinten ab. So 
brauchen wir m. E. nicht auf einen Redaktor rekurrieren, 
sondern wir werden die verschiedenen Eigentümlichkeiten des 
Abschnittes c. 60—82 auf den Verfasser selbst zurückführen, 1 
der seinen neuen Stoff mit dem alten verbinden mußte. Jeden- 
falls hat Liechtenhan, wenn ich seinen Thesen auch nicht 
zustimmen kann, das Verdienst, auf eine auffallende Tatsache 
die Aufmerksamkeit gelenkt zu haben. 

• Doch möchte ich selbst auf eine andere Erscheinung 
hinweisen. In c. 108 wird die Frage angeschnitten, wie ein 
Gnostiker, der mit allen Mysterien des Lichtes angefüllt ist, und 
der einen Bruder oder Verwandten oder sonst Jemand hat, 
von dem er weiß, daß er ein Sünder und in diesem Zustande 
aus der Welt geschieden ist, so daß er in den Strafen und 
Gerichten der Unterwelt sich befindet, wie dieser handeln 
soll, um jenen Sünder aus diesen gewaltigen Gerichten zu 
versetzen. — Jesus antwortet, daß er über diese Frage schon 
ein andermal gesprochen habe, aber es von neuem sagen 

1 Für den einheitlichen Verfasser spricht m. E. auch der Unistand, 
laß unmittelbar vor c. 60, nämlich in c. 58 (= S. 84, 19 ff.) nnd c. 59 
(= S. 86, 31 ff.) Oden Salomos zitiert werden, in dem Stücke c. 60-80 diese 
an drei Stellen. Sollte wirklich ein Redaktor dieses bemerkt und seinerseits 
auch die Oden Salomos zu den Psalmen Davids gestellt haben? 



xlvih 



Pistis Sophia. 



werde. 1 — Das würde darauf hindeuten, daß irgendwo sonst 
in einem gnostischen Werke diese Frage erörtert war. Nun 
wird aber in c. 128 dieselbe Frage von Maria gestellt und 
von Jesus noch viel ausführlicher beantwortet, und zwar im 
Großen und Ganzen übereinstimmend, ohne daß hier bemerkt 
wird, daß diese Frage bereits früher verhandelt sei. 

In dem folgenden c. 109 stellt Maria die Frage, ob denn 
der Meusch sich durch die Mysterien vor dem von den Ar- 
chonten der Heimarmene bestimmten Schicksal retten kann. 
Auch hier sagt Jesus, daß er darüber ein andermal gesprochen 
habe, aber es von neuem beantworten wolle. Dieselbe Frage 
hören wir nun in c. 133 in einer etwas verallgemeinerten 
Form: „Wird denn alleu Menschen, die auf der Welt, alles, 
was ihnen durch die Heimarmene bestimmt ist, sei es Gutes, 
sei es Böses, sei es Sünde, sei es Tod, sei es Leben, mit einem 
Worte, wird alles, was ihnen durch die Archonten bestimmt 
ist, ihnen zustoßen müssen?" 

Und in c. 110 wird nach den Mysterien der Kranken- 
heilungen gefragt, die man für die gnostische Propaganda 
zur Erweckung des Glaubens nötig hat. Wiederum behauptet 
Jesus, daß er darüber ein andermal Auskunft gegeben habe, 
aber es wiederholen wolle. Besonders soll man vor Irrlehren 
bei der Verkündigung warnen (c. 111). Nun wird in c. 134 
die Frage gestellt, woran man die Irrlehren erkennen könne. 

Noch eigenartiger steht es mit der Aussage in c. 111 
(S. 206. 2 f.): „Jetzt nun höre, Maria, inbetreff des Wortes, nach 
welchem du mich gefragt hast: Wer zwingt den Menschen, 
bis daß er sündigt?" Denn diese Frage hatte ja Maria gar 
nicht gestellt. Wohl aber lesen wir sie in c. 131 (S. 245, 15 f.): 
„Mein Herr, noch frage ich Dich und nicht verbirg mir. Jetzt 
nun, mein Herr, wer zwingt denn den Menschen, bis daß er 
sündigt?" In diesem Zusammenhange wird die Entstehung einer 
neuen Seele (S. 246, 11 ff.) und weiter die Erschaffung eines Kindes 
detailliert beschrieben (S. 252, 28 ff). Aber genau so werden die 
verschiedenen Elemente im neugeborenen Kinde und das Treiben 
des ävrifu/iov Tivevfia und der h<hqo. S. 206, 6 ff. geschildert. 

1 Hat vielleicht Jesus an seine Ausführungen S. 175, 7 ff. gedacht? 
Denn dort muß auch das dritte Mysterium des Unaussprechlichen in Aktion 
treten wie S. 201, 33. 



Einleitung : 4. Inhalt, Titel und Komposition. 



XLIX 



Überblicken wir die Sachlage, so stehen die c. 108—111 
in Parallele zu den c. 128—134; beide Teile gehören zu 
Buch III. Wir würden keinen Anstoß daran nehmen, wenn 
die Stoffe von c. 108—111 noch einmal in etwas modifizierter 
Form hinter c. 128—134 behandelt würden, da ja Jesus davon 
redet, er habe diese Fragen schon ein andermal behandelt, 
aber hier ist gerade das Umgekehrte der Fall, und ich sehe 
auch keine Möglichkeit, die Stücke in dem überlieferten Texte 
umzustellen. Eine sichere befriedigende Antwort wage ich 
nicht zu geben, wie diese Dublette entstanden sein kann. Es 
handelt sich in beiden Fällen um zusammengehörige Stücke, 
die also auch in der Vorlage zusammenhängend den Stoff 
geboten haben müssen. Am nächsten läge wohl die Annahme, 
daß der Verfasser in Buch III verschiedene Quellen benutzt 
hat, aus denen er geschöpft hat, aber wie ist der Ausdruck 
„ein andermal" zu erklären, und wie kann eine Frage von 
Jesus beantwortet werden, wenn diese garnicht vorher ge- 
stellt ist? Ich stelle dieses Problem gern zur Diskussion. 

Leider führt uns auch nicht weiter eine zutreffende Be- 
obachtung von Bahlfs (Die Berliner HS. des sahid. Psalters, 
Berlin 1901, S. 7), daß die Zitate der Psalmen in der P. S. 
auf S. 38—61 und S. 82—134 sich an die gebräuchliche 
Psalmübersetzung anschließen, die auf S. 64—81 stehenden 
total von ihr abweichen und eine ganz selbständige Über- 
setzung der betreffenden Psalmen aus dem Griechischen sind. 
Es kommen aber nur 4 Psalmen in Frage. Bezeichnend ist, 
daß gerade diejenigen Psalmen, welche in dem von Liechtenhan 
beanstandeten Teile zitiert werden, sich der sahidischen Psalm- 
übersetzung anschließen, während man gerade das Umgekehrte 
erwartet hätte, wenn ein Redaktor seine Hand im Spiele ge- 
habt hätte. Vielleicht ist die Differenz darauf zurückzuführen, 
daß der Übersetzer nicht an der Hand der Bibelübersetzung, 
sondern von dem griechischen Originaltext der P. S. direkt 
übersetzt hat. 1 

Ein Wort erübrigt uns noch betreffe des letzten Blattes. 

1 Anders urteilt Burkitt 1. c. 275 : Even in this section the renderings 
of the Psalms are at leaut strongly infiuenced by the choice of words in 
the Sahidic Version: the differences do not seem to me to be greater than 
hose which might be produced by quoting from meinory. 

Schmidt: Pistis Sophia. • D 



L 



Pistia Sophia. 



Es mußte als Schutzblatt unbeschrieben bleiben. Jetzt finden 
■wir aber die 1. Kol. mit einem Text von 23 Zeilen bedeckt. 1 
Darunter folgt, von doppelter Ornamentierung eingeschlossen 
und mit Koronis am Bande, ein Text, der aber derartig aus- 
radiert ist, daß trotz aller chemischen Reagenzien kein Buch- 
stabe mehr zu lesen ist. Cr um vermutet, daß der Text zwei 
Zeilen von ca. zwölf Buchstaben gebildet habe, und sieht darin 
nicht so sehr einen Titel als die Namen des Besitzers oder 
der Schreiber des Kodex. Letzteres ist aber ganz unmöglich, 
denn wenn Cr um auf Nr. 12 seines Kataloges des Brit. 
Museums verweist, so hat er übersehen, daß die Namen der 
angeblichen Inhaber erst nach dem Titel erfolgen. Die 
ganze Art erinnert doch sehr an die sonstige Titulatierung. 
Wir haben, wie auch deutlich der Inhalt der wenigen Zeilen 
zeigt, den Schluß eines apokryphen Evangeliums vor uns. 
Nun ist es ausgeschlossen, daß der Schreiber diese 23 Zeilen 
mit einer eigenen Unterschrift versehen hätte ; auch hätte er 
nicht abrupt im Texte begonnen. Er muß einen umfang- 
reicheren Text abgeschrieben haben. Jetzt erinnern wir uns 
der Tatsache, daß noch am Anfang des Kodex zwei Blätter 
= vier Seiten als Schutzblätter unbeschrieben geblieben waren. 
Ohne Zweifel hat der Abschreiber diese ausgefüllt und den 
Best auf der 1. Kol. des letzten Schutzblattes. Dieser Text 
muß einem späteren Leser, resp. Besitzer des Kodex anstößig 
gewesen sein. Wie er mit Absicht den Titel ausradiert hat, 
so hat er vermutlich die beiden Vorsatzblätter verschwinden 
lassen, um kein weiteres Ärgernis zu erleiden. Der Schreiber 
dieses Textes war, wenn Cr ums Meinung zu Eecht besteht, 
der Schreiber der zweiten Hand, der also nach Fertigstellung 
des Kodex noch längere Zeit Besitzer desselben gewesen sein 
muß. 9 

1 Auf Kol. 2 sind die Zahlzeichen ß 9 «£ oa ig t» na untereinander 
geschrieben und später durchgestrichen. Etwas links abseits darunter steht 
von anderer Hand <£, aber nicht durchstrichen. 

2 Bemerken will ich hier, daß noch später ein Leser einige Korrek- 
turen vorgenommen hat, die sowohl an dem Schriftduktus wie an der 
schwarzen Tinte kenntlich sind (vgl. pag. 259, 21; 273, 21; 280, 17; 283, 6; 
287, 24; 312, 22). Die Handschrift muß manche interessiert« Leser ge- 
funden haben. 



Einleitung: 5. Verfasser, Ort und Zeit. 



LI 



5. Verfasser, Ort und Zeit. 

Über die Heimat der Pistis Sophia besteht kein Dissensus 
unter den Gelehrten. Der ägyptische Ursprung der in Cod. 
Askewianus vereinigten gnostischen Werke ist nämlich all- 
gemein anerkannt, nicht deswegen, weil die koptische Sprache 
Leser in Ägypten voraussetzt, sondern als besonderes Kenn- 
zeichen gilt die Benutzung des ägyptischen Kalenders in 
Buch I, da der Aufstieg Jesu auf den 15. Tybi, den Voll- 
mondstag, verlegt wird (S. 3, 25; 4, 20. 33). Besonders Buch IV 
ist stark von spezifisch ägyptischen Ideen durchsetzt. 

1. Die Bubastis (= Bast), welche mit der Aphrodite identi- 
fiziert wird (S. 268, 4. 36; 269, 31; 270, 21). 

2. Die Vorstellung von dem Sonnen- und Mondschiff 
(S. 262, 23 ff.). 

3. Der Archon Typhon auf dem Wege der Mitte (S. 270, 6). 

4. Die Ariuth, die Äthiopin, ein weiblicher Archon auf 
dem Wege der Mitte, der ganz schwarz ist (S. 268, 20). 

5. Die Vorstellungen von den Fahrten der Seele nach 
dem Tode und ihre Strafen in den verschiedenen Eegionen. 

6. Die angeblich unvergänglichen Namen der fünf großen 
Planeten: Orimüth, Munichunaphör , Tarpetanüph, Chösi, 
Chönbal (S. 264, 33 f.). 

7. Die barbarischen Namen wie z. B. ßaiv^iococo-/ (S. 264, 
11; 283, 22), die an die griechisch-ägyptischen Zauberpapyri 
erinnern. 

8. Die Bekämpfung einer gnostischen Sekte, die obszönen 
Riten beim Abendmahl fröhnte (S. 282, 33 ff). Diese liberti- 
nistischen Gnostiker traf Epiphanius in Ägypten an und gab 
über sie in h. 26 Nachricht. 

Was das Alter des gnostischen Werkes anbetrifft, so 
scheint mir die Datierung von Harnack 1 auf das 3. Jahrh., 
uäher in dessen zweite Hälfte noch immer der Wahrheit am 
nächsten zu kommen. Unter den von ihm gemachten Beob- 
achtungen möchte ich folgende unterstreichen : 

1. Der Verfasser hat in einer Zeit geschrieben, wo die 
Christen noch gesetzlich verfolgt wurden. Ausdrücklich 
ist von ßdaavoi, ßaaavto/.ioi und ißgioeis, die auf Grund von 

1 Über das gnostische Brich Pistis Sophia, Tü VII, 2, S. 95 ff. 

D* 



jjj Pistis Sophia. 

Gesetzen erfolgen, die Rede (S. 202, 24 f.), ebenso von Leiden 
in den duoyfutl S. 8. 9; 241, 38, und es wird bemerkt, daß 
noch zahlreich sind die, welche sie um des Namens Christi 
willen verfolgen und peinigen (S. 202, 32 f.). 

2. Charakteristisch ist die Stellung zu den christlichen 
Urkunden A. und N. T.s. Hatte der Gnostizismus der älteren 
Epoche das A. T. als Urkunde des bösen Judengottes, resp. 
des Demiurgen rundweg verworfen, so zeigen sich in der 
P. S. nur Nachwehen dieses Kampfes. Denn zwar sollen nach 
S. 259, 27 f. die Propheten Diener der Archonten der Aeonen 
gewesen sein, indem diese mit ihnen gesprochen haben; — 
infolgedessen konnten ihre Seelen noch nicht in das Licht- 
reich eingehen — , aber auf der andern Seite heißt es, daß 
die in dem Propheten Jesaias befindliche Kraft Jesu über ihn 
prophezeit (S. 19, 26. 33; 20, 4) hat; insbesondere gilt David 
als der Inhaber der Lichtkraft Jesu, ebenso Salomo. 1 So hat 
dieser Gnostizismus die alttest. Urkunden als Weissagungs- 
buch auf Christus in Übereinstimmung mit dem gemeinchrist- 
lichen Glauben anerkannt. Desgleichen beruht der evangelische 
Stoff wesentlich auf den vier kirchlichen Evangelien ; an dem 
Texte selbst ist keine Veränderung vorgenommen, nur die 
Worte sind gnostisch interpretiert worden. Der Spruch des 
Paulus Roem. 13, 7 wird in argem Anachronismus als ein 
Wort des Herrn durch dessen Mund bezeichnet (S. 214, 30 f.). 

3. Spielten in der altchristlichen Missionspraxis die 
Dämonenaustreibungen und Heilungswunder an Lahmen, 
Blinden, Tauben und Stummen in Nachfolge Jesu eine große 
Polle, so will die gnostische Propaganda nicht ganz auf sie 
verzichten, aber das Mysterium der Totenauferweckung und 
Krankenheilung darf nur in Ausnahmefällen von den Missio- 
naren ausgeübt werden; vor allem darf es nicht an andere 
übertragen werden, denn die damit verbundenen Anrufungen 
gehören der Archontenwelt an, 3 sind also heidnischen Ur- 
sprungs. 

1 Die Odeii Salonios sind auf eine Linie mit den Psalmen Davids ge- 
stellt. Sie sind dem Verfasser ans dem Gebrauche der christlichen Gemeinden 
bekannt. Deshalb war es m. E. eine Verirrung der Literarkritik, die von 
R Harris entdeckten Oden als gnostische Fabrikate erweisen zu wollen. 

2 Den Getauften ist daher die Anrufung des Namens der Archonten 
und ihrer Engel verboten (Kopt.-gnost. Schriften I, S. 305, 30). 



Einleitung: 5. Verfasser, Ort und Zeit. 



LIII 



4. Das gesamte Christentum ist vollständig in einen 
Mysterienkult umgewandelt. Die Büß- und Vergebungsfragen 
beherrschen das ganze Buch, und die Sakramente der Sünden- 
vergebung und Entsühnung spielen eine große Rolle. Neben 
die Mysterien der Taufen, die die Menschen beim Initiationsakt 
von der Materie, d. h. von der Sünde reinigen und von der 
Herrschaft der Archonten befreien, treten die Mysterien der 
höheren Grade, welche den rückfälligen getauften Sündern 
bis zur äußersten Grenze die Sünden nicht anrechnen, sobald 
sich wieder Spuren von Reue zeigen, ja die selbst den Misse- 
tätern im Fegefeuer zugute kommen können. Mit einer 
Kasuistik sondergleichen werden alle nur erdenklichen Mög- 
lichkeiten besprochen, eine Kasuistik, die für das 2. Jahrb. . 
ganz unerhört ist. Bei aller Latitude in der Bußpraxis ist 
man doch nicht in das libertinistische Fahrwasser geraten, 
sondern ein hoher Grad von sittlichem Ernst macht sich in 
dem Laster- und Tugendkatalog bemerkbar. Und mit diesen 
Fragen der Sündenvergebung ist die Frage nach den ver- 
schiedenen Stufen der Seligkeit aufs engste verbunden. Die 
größte Sorge ist die, mit Hilfe der Mysterien den höchsten 
Platz im Lichtreiche zu erlangen. Die früheren einfachen 
Mysterien genügten nicht mehr, und so hat mau in späterer 
Zeit neue Mysterien erfunden. Das ist m. E. ein deutliches 
Zeichen der Dekadenze. 

Aber wer trotz alledem die P. S. dem 2. Jahrh. zuweisen 
will, den möchte ich darauf hinweisen, daß das Buch I— III 
auf eine ältere Phase des Systems, bzw. auf eine ältere 
Literatur der Sekte hinweist und damit indirekt die Ent- 
stehung in einer späteren Zeit zu erkennen gibt. Schon die 
einleitenden Bemerkungen über Unterredungen Jesu mit den 
Jüngern in den 11 Jahren nach der Auferstehung tragen 
keinen rein fingierten Charakter, sondern verraten deutlich, 
daß aus der früheren Zeit schriftliche Urkunden über Offen- 
barungen Jesu vorhanden gewesen sind. Da hören wir ferner 
unmittelbar vor der Erzählung des Mythus von der P. S. 
aus dem Munde der Maria die Worte: „Mein Herr, ich habe 
Dich einst sagen hören: Die Pistis Sophia ist selbst von 
den 24 Emanationen" (S. 31, 6 f.). Eine derartige Aussage 
Jesu finden wir in den vorhergehenden Ausführungen nicht; 



Ljy Pistis Sophia. 

überhaupt weist der Ausdruck „einst" auf ältere schriftliche 
Quellen hin; denn alle alt- und neutestamentlichen Zitate 
werden stets mit „einst" eingeführt. Daraus geht mit Evi- 
denz hervor, daß der Mythus von der Sophia dem Verfasser 
in einer schriftlichen Überlieferung vorlag. - Ferner fügt 
Jesus bei der Erwähnung des Jaldabaoth S. 33, 20 hinzu: 
„von dem ich zu euch oftmals geredet habe". Nun wird 
an dieser Stelle Jaldabaoth zum ersten Male erwähnt, deshalb 
muß das „oftmals" sich auf frühere Schilderungen beziehen, 
die außerhalb der P. S. liegen. Jaldabaoth war ja bei einer 
bestimmten Gruppe von Gnostikern eine ganz bekannte Figur, 
da er gewöhnlich als Sohn der Sophia-Pranikos oder der 
Barbelo erscheint und zugleich als Inhaber des siebten 
Himmels, deshalb auch der Weltschöpfer. In der P. S. da- 
gegen ist er dieser hohen Stellung verlustig gegangen ; er ist 
jetzt in das Chaos dislociert und waltet als Archon mit Löwen- 
gesicht daselbst mit seinen Feuer-, Pech- und Schwefelmeeren 
seines furchtbaren Strafamtes. 1 Wiederum ein Zeichen späterer 

Zeit! 

Bei anderer Gelegenheit bemerkt Jesus, daß er gewisse 
Fragen ein andermal beantwortet hätte, aber jetzt von 
neuem darüber sprechen wolle (S. 201, 24; 203, 1; 204, 12).* 
Auch sonst verweist Jesus auf Aussagen von einem andern 
Male (S. 136, 35; 137, 2. 11; 138, 3; 148, 36; 149, 4; 176, 17), 
ohne zu bemerken, daß er noch einmal darauf zurückkommen 
wolle. Er setzt also diese Ausführungen als irgendwo anders 

gegeben voraus. 

Und nun die Hauptsache! Auf S. 179, 23. 33 f. und 
S. 258, 14 f. 33 wird auf zwei (große) Bücher Jeu, resp. Bücher 
des Jeü verwiesen. Es heißt an erster Stelle: „Dies sind die 
drei Erbteile des Lichtreiches. Die Mysterien dieser drei 
Erbteile des Lichtes sind sehr zahlreich; ihr werdet sie 
in den beiden großen Büchern des Jeü finden, 
aber ich werde euch geben und euch sagen die großen 
Mysterien jedes Erbteiles, diese, welche höher als jeder Ort 
sind, d. h. die Häupter gemäß jedem Orte und gemäß jeder 
Ordnung, welche das ganze Menschengeschlecht in die höheren 

1 Denkt dabei der Verfasser an die Schilderungen in Buch IV? 

2 Über diesen Punkt s. o. S. XL VII f. 



Einleitung: 5. Verfasser, Ort und Zeit. 



LV 



Örter gemäß dem Räume des Erbes führen werden. Die 
übrigen niederen Mysterien nun habt ihr nicht 
nötig, sondern ihr werdet sie in den beiden 
Büchern des Jeu finden, die Henoch geschrieben 
hat, während ich mit ihm aus dem Baume der Er- 
kenntnis und aus dem Baume des Lebens in dem 
Paradiese des Adam sprach. Jetzt nun, wenn ich euch 
die ganze Ausbreitung auseinandergesetzt haben werde, werde 
ich euch geben und euch sagen die großen Mysterien der drei 
Erbteile meines Reiches, d. h. die Häupter der Mysterien etc." 
Die zweite Stelle lautet: „Jetzt nun wegen der Sünder habe 
ich mich abgemüht und bin in die Welt gekommen, damit 
ich sie errette, denn selbst für die Gerechten, die niemals 
etwas Böses getan und die überhaupt nicht gesündigt haben, 
ist es notwendig, daß sie die Mysterien finden, die 
in den Büchern des Jeu, die ich Henoch im Para- 
diese habe schreiben lassen, indem ich mit ihm 
aus dem Baume der Erkenntnis und aus dem 
Baume des Lebens redete, und ich ließ ihn sie 
auf den Felsen Ararad niederlegen und stellte 
den Archon Kalapatauroth, der über das Sieben- 
gestirn, auf dessen Haupt der Fuß des Jeu, und 
der alle Aeonen und Heimarmenen umgibt, jenen 
Archon stellte ich auf als Wächter über die 
Bücher des Jeu wegen der Sintflut, und damit 
keiner von den Archonten auf sie neidisch sei 
und sie vernichte— diese, welche ich euch geben 
werde, wenn ich euch die Darlegung des Alls ge- 
sagt haben werde." 

Ich hatte in meinen Untersuchungen zu den von mir aus dem 
Codex Brucianus herausgegebenen gnostischen Schriften (TU 
VIII, 1. 2, S. 480 ff.) die These aufgestellt, daß die in der 
p - S. genannten zwei Bücher Jeü identisch seien mit dem 
ersten großen Werke, aus zwei Büchern bestehend (Kopt.- 
gnost. Schriften, Bd. I, S. 257—329). In der Theol. Litt-Ztg. 
1894, Nr. 7, Kol. 184 f. hat Preuschen diese Identifikation 
verworfen und ebenso Liechtenhan 1. c. S. 245ff., nachdem 
ich vorher meine These eingehend beleuchtet hatte (Z. f. 
"Wissensch. Theol. 1894, S. 555 ff.). Ich sehe mich daher ge- 



LYj Pistis Sophia. 

nötigt, noch einmal die Untersuchung aufzunehmen, und werde 
dabei die Einwendungen von Liechtenhan berücksichtigen. 

Ich gehe wiederum von der ersten Stelle aus. Unmittelbar 
vorher hatte Jesus davon gesprochen, daß ein jeder an dem 
Orte verbleibt, bis zu dem er Mysterien empfangen hat, daher 
die, welche die höheren Mysterien empfangen, in den höheren 
Örtern bleiben werden, und die, welche die niederen Mysterien 
empfangen, in den niederen Örtern verbleiben. Bei diesen 
niederen und höheren Örtern handelt es sich um die drei 
Erbteile des Lichtes, die wieder in eine Reihe von Ortlich- 
keiten zerfallen; dementsprechend hat jeder Erbteil wieder 
eine Reihe von Mysterien, und je nach dem Grade dieser 
Mysterien wird der Inhaber die dazu passenden Örtlichkeiten 
in Besitz nehmen und König im 1000jährigen Reiche, resp. 
bei der avvziXeta dieses Aeons an dem betreifenden Orte im 
Lichtreiche sein. Die drei Erbteile entsprechen den Örtern 
der drei höchsten Mysterien : den Mysterien der 3 xmn^ a W 
des 1. Mysteriums und des Unaussprechlichen. Nun heißt es: 
„ihr werdet sie in den beiden großen Büchern des Jen finden", 
und unmittelbar darauf: „aber ich werde euch geben und 
euch die großen Mysterien jedes Erbteils sagen". Diese beiden 
Sätze widersprechen sich doch ohne weiteres und noch viel 
mehr, wenn es nachher heißt: „die übrigen niederen Mysterien 
habt ihr nicht nötig, sondern ihr werdet sie in den beiden 
Büchern des Jen finden". Noch verdächtiger wird der Satz, 
wenn bei der ersten Erwähnung nur allgemein von den beiden 
großen Büchern des Jeü die Rede ist, bei der zweiten ihre 
Entstehung näher beschrieben wird; man hätte doch sicherlich 
das Umgekehrte erwartet. Daher muß m. E. der erste Satz 
als interpoliert getilgt werden. 2 Liechtenhan will den Sinn 
der Stelle dahin interpretieren, daß die geringen Mysterien 
unnötig sind, weil man die großen in den Büchern Jeu finden 

1 Schon hier will ich darauf aufmerksam machen, daß die 3 xm^aia 
auch in Jeü II S. 317, 38 aufgeführt werden, aher hier ist noch nichts be- 
kannt von ihrer überragenden Bedeutung im Universum; sie stehen ganz 
einfach zwischen den 5 x «e»yf'«i und den 5 Helfern des Lichtschatzes des 
Systems. In der P. S. wird zwischen den 5 x «e«rr"" wd den 5 Helfern 
das „große Licht" aufgeführt; s. 8. 1, 22; 2, 28; 13, 2 f.; vgl. auch 8. 160, 17 f. 

2 Vielleicht war am Bande eine Bemerkung gemacht und ist diese 
an eine falsche Stelle geraten. 



Einleitung: 5. Verfasser, Ort und Zeit. 



LVII 



wird. Freilich hat er selbst das Gefühl, daß diese Erklärung 
künstlich ist. Und in der Tat wäre in diesem Falle ja die 
Erwähnung der niederen Mysterien ganz unnötig gewesen, 
wenn sie doch keine Bedeutung mehr besitzen, und brauchte 
Jesus nicht besonders betonen, daß er nach der Darlegung 
des Alls die großen Mysterien der drei Erbteile seines Eeiches 
geben und sagen werde, und dazu die Formen, Typen, Zahl- 
zeichen, Siegel, Antworten, Verteidigungen und Geheimzeichen, 
die jeder Inhaber kennen muß. Die einzig richtige Erklärung 
ist m. E. die, daß das „nicht nötig haben" sich auf das 
„finden" bezieht: „Ihr habt es nicht nötig, sie zu suchen, 
ebensowenig habe ich es nötig, sie euch speziell zu über- 
mitteln, denn diese niederen Mysterien sind bereits schriftlich 
aufgezeichnet und deshalb allen zugänglich." Die beiden 
Bücher des Jeü sind nämlich durch Henoch niedergeschrieben 
und zwar ihm in die Feder diktiert von Jesus, indem er im 
Paradiese mit ihm aus dem Baume der Erkenntnis und des 
Lebens redete. Nicht deutlich ist, was wir unter den niederen 
Mysterien zu verstehen haben. Sicherlich können sie nicht 
identisch sein mit jenen niederen Mysterien der drei Erbteile, 
denn diese niederen Mysterien werden mit den höheren 
Mysterien als die großen Mysterien der drei Erbteile zu- 
sammengefaßt. Sie scheinen auch nicht irgendwelche Be- 
rechtigungen des Inhabers für bestimmte Rangstufen in der 
oberen Welt in sich zu schließen. 

Nähere Auskunft erhalten wir erst durch die zweite Stelle 
auf S. 258. Hier ist ausschließlich die Rede von der Tatsache, 
daß das ganze Menschengeschlecht unter der Knechtschaft der 
Archonten und damit unter der Herrschaft der Sünde steht. 
»Deswegen nun habe ich" — so heißt es S. 256, 2 ff. — „ge- 
bracht die Schlüssel der Mysterien des Himmelreiches, sonst 
würde kein Fleisch auf der Welt gerettet werden, denn ohne 
Mysterien wird niemand in das Lichtreich eingehen, sei ea 
ein Gerechter, sei es ein Sünder. 1 Deswegen nun 
also habe ich die Schlüssel der Mysterien in die Welt ge- 

1 Vgl. S. 192, 23 ff.: „Selbst wenn ein gerechter Mensch überhaupt 
keine Sünden begangen hat, so kann er unmöglich in das Lichtreich ge- 
bracht werden, weil das Zeichen des Reiches der Mysterien nicht mit ihm 
18t, mit einem Worte es ist unmöglich, Seelen zu dem Licht zu bringen 
ohne die Mysterien des Lichtreiches." 




LVIII 



Piatis Sophii 



bracht, damit ich löse die Sünder, die an mich glauben und 
auf mich hören werden, auf daß ich sie löse aus den Banden 
und den Siegeln der Aeonen der Archonten und sie binde 
an die Siegel und die Kleider und die Ordnungen des Licht- 
reiches ... Um der Sünder willen nun habe ich mich dies- 
mal abgemüht und habe ihnen die Mysterien gebracht, damit 
ich sie von den Aeonen der Archonten löse und sie in die 
Erbteile des Lichtes binde, nicht nur die Sünder, sondern 
auch die Gerechten... Deswegen nun habe ich es nicht 
verborgen, sondern es deutlich ausgerufen, und nicht habe 
ich die Sünder getrennt, sondern ich habe es ausgerufen und 
allen Menschen gesagt, Sündern und Gerechten, indem 
ich sprach: .Suchet, auf daß ihr findet, klopfet an, auf daß 
euch geöffnet werde, denn ein jeder, der in Wahrheit sucht, 
wird finden, und wer anklopft, dem wird geöffnet werden.' 
Denn ich habe allen Menschen gesagt: ,Sie sollen suchen 
die Mysterien des Lichtreiches, welche sie reinigen und sie 
rein machen und sie in das Licht führen werden'." Aber 
wenn alles auf das Suchen und Finden ankommt, so entsteht 
die bange Frage, woran ich denn erkennen kann, ob ich bei 
meinem Suchen die .richtige Lehre gefunden habe, oder ob 
nicht der Missionar eine Irrlehre vorträgt. Die Verweisung 
auf das bekannte Agraphon, >nach Art der Geldwechsler das 
Gute zu nehmen, das Schlechte zu verwerfen*, oder auf die 
Naturbeobachtung der Winde wird die Sorge nicht bannen. 
Diejenigen freilich, welche bereits mit der gnostischen Lehre 
bekannt sind, können entscheiden, ob die vorgetragenen An- 
sichten mit der Lehre Jesu übereinstimmen und den Missionar 
aufnehmen. Die Hauptsache ist, sich bei der Propaganda an 
die Sünder zu wenden, da der Herr um der Sünder willen in 
die Welt gekommen ist. In diesem Zusammenhang kommt 
Jesus auf die Mysterien zu sprechen, die in den Büchern des 
Jeft zu finden sind. Auch hier wird ihre Niederschrift auf 
Henoch zurückgeführt und als Offenbarungsmittler Jesus selbst 
bezeichnet. Des näheren wird auch die Geschichte der Über- 
lieferung behandelt, daß sie nämlich auf den Ararat nieder- 
gelegt und einem Archon zur Bewachung übergeben seien, 
um der Vernichtung einerseits durch die Sintflut, anderseits 
durch die Archonten zu entgehen. Wo nach der Sintflut die 



Einleitung: 6. Verfasser, Ort und Zeit. 



LIX 



Bücher aufbewahrt geblieben sind, erfahren wir nicht; es 
beißt nur, daß Jesus sie nach der Darlegung des Alls 1 den 
Jüngern geben würde. Demzufolge sollen erst die Bücher 
am Ende der gesamten Offenbarung übergeben sein. Aber 
>rie reimt sich dies mit der anderen Forderung, daß die in 
den Büchern Jeü geoffenbarten Mysterien von Sündern und 
Gerechten gefunden werden müssen, also das notwendige 
Requisit für jeden Menschen bilden, der in die gnostische 
Sekte aufgenommen werden will, resp. mit deren Verkündigung 
die Gnostiker ihre Adepten in der Welt zu gewinnen suchen! 

Können wir nun von hier aus wenigstens den Charakter 
der Mysterien feststellen? Zunächst ist von niederen Mysterien 
hier keine Rede, sondern es wird im allgemeinen von Mysterien 
gesprochen. Wir ersehen nur aus den vorhergehenden Er- 
örterungen, daß es sich um Mysterien des Lichtreiches handelt, 
welche alle Menschen, d. h. die Sünder sowohl wie die Ge- 
rechten reinigen, sie rein machen und in das Licht führen. 
Schon der Ausdruck „reinigen" (xadaglCeiv) deutet nach dem 
Sprachgebrauch der Kathartik auf einen Kultusakt, durch 
dessen Applikation Sünden vom Körper abgewaschen werden. 
Darunter verstand man in damaliger Zeit den Taufritus. 
Uud in der Tat erinnert ja Jesus unmittelbar darauf an das 
Beispiel Johannes' des Täufers, S. 257, 3 ff.: „Deswegen nun 
hat Johannes der Täufer über mich prophezeit, indem er 
sprach: ,Ich zwar habe euch getauft mit Wasser zur Buße zur 
Vergebung eurer Sünden; der nach mir kommt, ist stärker 
als ich; dessen Wurfschaufel in seiner Hand ist, und er 
wird seine Tenne reinigen, die Spreu zwar wird er ver- 
brennen mit unverlöschlichem Feuer, seinen Weizen aber 
wird er in seine Scheuer sammeln.' Die in Johannes befind- 

1 Auf diese letzte Notiz legt Liechtenhan großes Gewicht, daß nämlich 
die Übergabe der Bücher am Schluß der ganzen Offenbarung erfolgen solle. 
Nach meiner Zählung kommt dieser Ausdruck „nach Darlegung des Alls" 
loch an 21 Stellen vor. Man hat dabei oft den Eindruck, als wenn sich 
der Verfasser dabei gar nichts denkt, sondern ganz mechanisch den Aus- 
druck anwendet. Wenn wirklich alles das, was Jesus für dieseu Zeitpunkt 
aufspart, vorgetragen werden sollte, müßten seine Ausführungen noch viele 
Bände umfassen, um die volle Erkenntnis zu bringen. — Anch bitte ich zu 
beachten, daß gemäß der 1. Stelle Jesns die großen Mysterien der 3 Erb- 
teile des Reiches nach der Darlegung des Alls übergeben will, gemäß der 
2. Stelle die beiden Bücher Jeü. 



Pistds Sophia. 

liehe Kraft hat über mich prophezeiet, indem sie wußte, daß 
fch die Mysterien in die Welt bringen und die Sunden der 
Sünder, die an mich glauben und auf mich hören werden 
reinigen und sie zum reinen Lichte machen und in das 
Licht führen würde.« Hier wird also Jesus mit ^^» My- 
sterien in deutliche Parallele zu der Taufe des j Joh«™> 
«stellt und als der Sündenreiniger bezeichnet. Diese Suhne- 
C ^ L Taufen spielten in der gotischen Kultge-inde 
eine große Rolle. Denn Maria stellt die Frage S. 217, 5ff.. 
Mein Herr, in welchem Typus vergeben denn die Taufen 
die Sünden? Ich hörte Dich sagen: .Die *™* 0 \*»™f° l 
folgen der Seele, indem sie ihr Zeugen sind für alle Sunden, 
die'sie begeht, damit sie sie in den G-ichten übertuhre^ 
Jetzt nun, mein Herr, wischen die Mysterien der 1 aufen 
die Sünden aus, die in den Händen der e Ql voXoc leixovqyo, 
sind, daß sie nämlich ihrer vergessen ? Jetzt nun, mein Herr, 
sage uns den Typus, wie sie Sünden vergeben aber wir 
wünschen es bestimmt zu wissen.» In der Antwort S. 218, 1 ö. 
wird zunächst beschrieben, wie die Liturgen Zeugen für die 
sündigenden Seelen sind und wie besonders das avn^ov 
nvev/ta dieses Amt verwaltet und durch Siegel die Za hl der 
' Sünden für die späteren Bestrafungen feststellen laßt. Dann 
heißt es: „Jetzt nun, wer die Mysterien der Taufen 
empfangen wird, so wird das Mysterium jener zu einem 
großen, sehr gewaltigen, weisen Feuer, 1 und es verbrennt 
die Sünden und geht in die Seele im Verborgenen ein und 
verzehrt alle Sünden, die das M/u/iop nvev/m an sie be- 
festigt hat. Und wenn es alle Sünden zu reinigen be- 
endet hat, die das ävr. nv. an sie befestigt hat, so geht es 
in den Körper im Verborgenen ein und verfolgt alle Ver- 
folger im Verborgenen und trennt sie nach der Seite des 
Teiles des Körpers. Denn es verfolgt das &vx. nv. und die 
uoloa und trennt sie von der Kraft und der Seele und legt 
sie auf die Seite des Körpers, so daß es das ävr. nv und die 
uoloa und den Körper zu einem Teile trennt, die Seele da- 
gegen und die Kraft zu einem andern Teile trennt. Das 
1 Über dieses nv e ff«** sapiens ignis ygl. Minne. Fei. 35,3; 
Tertnll. apol. 48, 14f.; Clem. Alex. Paedag. III, 8, 44 n. b.; Ongen. de 
orat. 29, 16; hom. in Ezech. I, 3. 



Einleitung: 5. Verfasser, Ort und Zeit. 



LXI 



Mysterium der Taufe dagegen bleibt in der Mitte von 
beiden, indem es sie beständig von einander trennt, auf 
daß es sie rein macht und Bie reinigt, damit sie 
nicht von der Materie befleckt werden." An der Hand von 
Lnk. 12, 44. 49 ff. gibt Maria die gnostische Interpretation 
(S. 219, 11 ff): »Da 8 Wort nämlich, das Du gesagt hast: ,Ich 
bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen, und was 
wünsche ich, daß es brenne! 1 ist dieses, mein Herr: Du hast 
die Mysterien der Taufen in die Welt gebracht, und 
was gefällt es Dir, daß sie alle Süuden der Seele verzehren 
and sie reinigen! Und danach wiederum hast Du deutlich 
unterschieden, indem Du sagtest: ,Ich habe eine Taufe, in 
ihr zu taufen, und wie werde ich es ertragen, bis daß sie 
vollendet!', d. h. Du wirst nicht in der Welt bleiben, bis daß 
die Taufen vollendet werden und die vollkommenen Seelen 
reinigen. Und ferner das Wort, daß Du zu uns einst gesagt 
hast: ,Denket ihr, ich sei gekommen, Frieden auf die Erde 
zu werfen? Nein, sondern Spaltung bin ich gekommen zu 
werfen, denn von jetzt ab werden fünf in einem Hause sein, 
drei werden gegen zwei und zwei gegen drei gespalten sein', 
d. h. Du hast das Mysterium der Taufen in die Welt 
gebracht, indem es eine Spaltung in den Körpern der Welt 
bewirkt hat, weil es das ävt. m>. und den Körper und die 
polQa zu einem Teile getrennt, die Seele dagegen und die 
Kraft zu einem andern Teile getrennt hat, d. h. ,Drei werden 
gegen zwei und zwei gegen drei gespalten sein'." 

Hier wird also die Sündenreinigung ausschließlich den 
Mysterien der Taufen zugeschrieben, und der Verfasser ist 
sich ihres Unterschiedes von den Mysterien der drei Erbteile 
noch klar bewußt. Denn er läßt Maria die weitere Frage 
stellen (S. 220, 23): „Jetzt dagegen das Mysterium dieser drei 
Räume und das Mysterium dieses ersten Mysteriums und die 
Mysterien des Unaussprechlichen, in welchem Typus vergeben 
sie? Vergeben sie in dem Typus der Taufen oder nicht?" 
Und die Antwort lautet bestimmt: „Nein, sondern alle Mysterien 
der drei Räume vergeben der Seele (in> allen Örtern der Ar- 
chonten alle Sünden, die die Seele von Anfang an begangen 
hat; sie vergeben sie ihr, und ferner vergeben sie die Sünden, 
die sie danach begehen wird bis zu der Zeit, bis zu welcher 



jedes Mysterium kräftig sein wird, - die Zeit, bis zu welcher 
jedes der Mysterien kräftig sein wird, werde ich euch bei der 
Darlegung des Alls sagen. Und ferner das Mysterium des 
ersten Mysteriums und die Mysterien des Unaussprechlichen 
vergeben der Seele in allen Örtern der Archonten alle Sunden 
und alle Missetaten, die die Seele begangen hat, und <nicht nur, 
sie vergeben ihr- sie alle, sondern sie rechnen xhr keine , Sunde , von 
dieser Stunde bis in alle Ewigkeit an wegen ^ Geschenkes 
,enes großen Mysteriums und seines ungeheuer großen Glanzes. 

Wenn nicht alles trügt, so haben wir in den angeführten 
Mysterien der drei Räume, des ersten Mysteriums und des Un- 
aussprechlichen die höheren Mysterien vor uns, denn ,das sind 
ia die großen Mysterien der drei Erbteile, die S. 179, 21 fl. 
den niederen Mysterien in den Büchern des Jen gegenüber- 
gestellt S 180, 2 als die Häupter der Mysterien bezeichnet 
wurden. Während die Mysterien der Taufen in bestimmten 
Kulthandlungen eine Bolle spielen, in denen durch gewisse 
Elemente die Körper der Menschen von ihren Sunden befielt 
werden, daher ihrer Wirkung nach reinigend sind, tragen die 
anderen Mysterien einen ganz persönlichen Charakter, da 
hinter ihnen bestimmte Personen der oberen Lichtwelt stehen, 
vor allem das erste Mysterium und der Unaussprechliche. 
Ihre Mysterien sind nicht reinigender, sondern vergebender 
Natur, indem sie die Sünden nicht anrechnen, und zwar die- 
jenigen Sünden, welche nach Empfang der Taufen begangen 
werden. So erfolgt die Sündenvergebung kraft eines persön- 
lichen Geschenkes aus Erbarmen mit dem reuigen Sunder 
weil barmherzig jene Mysterien sind und vergebend zu jeder 
Zeit" (S. 222, 21; 223, 27; 225, 30). Diese Mysterien haben 
Wert für den Inhaber selbst, d. h. für den Gnostiker, 
denn er muß in einem Gebet sich an das betreuende My- 
sterium wenden, um Vergebung seiner Sünden zu erhal ton 
(S 222, 14; 223 24). Aber zugleich haben diese Mysterien 
noch e ne viel höhere Bedeutung, daß sie nämlich dem In- 
naber eTnen bestimmten Platz im Lichtreich sichern In 
unserem Werke nehmen gerade diese Erörterungen über die 
verschiedenen Eangstufen je nach dem Besitze eines Myste- 
riums einen großen Raum ein. Das ganze Interesse des 
Verfassers weilt unbedingt bei diesen höheren Mysterien, die 



Einleitung: 5. Verfasser, Ort und Zeit. 



LX1II 



er, sollte er sie nicht erst neu eingeführt haben, doch sehr 
propagandiert. Im früheren Stadium des gnostischen Systems 
ging das Verlangen der Adepten allgemein auf xXrjQovo/iia 
des Lichtreiches aus, d. h. man wollte Mysterien besitzen, mit 
deren Hilfe die Seele nach dem Tode alle Aeonen der niederen 
und oberen Welt durchwandern konnte, um zum Lichtschatze 
zu gelangen. Jetzt hat die ausschweifende Phantasie das 
Lichtreich in neue Etagen zerlegt, um die Plätzeverteilung 
unter den Inhabern der verschiedenen neu aufgetauchten 
Mysterien vornehmen zu können, vor allem wenn bei der 
avvtiXeia zofaov rov aiwvog auch die Gestalten der Lichtwelt 
neue Ordnungen einnehmen. Wie man hier von höheren und 
niederen Örtern in dem Lichte des Reiches Jesu spricht, so 
auch von höheren und niederen Mysterien. Der Apostel 
Andreas ist noch ein Vertreter der alten Zeit, wenn jene 
Darlegungen sein Verständnis übersteigen, und es ist nicht 
uninteressant zu sehen, wie Jesus in seiner Antwort den 
Sprachgebrauch der älteren Zeit anwendet. Die Jünger 
werden nämlich als diejenigen gepriesen, welche gewett- 
eifert und gekämpft haben, indem sie der ganzen Welt und 
der in ihr befindlichen Materie entsagt und nicht nach- 
gelassen haben zu suchen, bis daß sie alle Mysterien 
des Lichtreicb.es fänden, die sie gereinigt und 
zum reinen Lichte gemacht haben. Und so fährt 
Jesus in der Rede wörtlich fort (S. 182, 5 ff.): „Deswegen 
nun habe ich einst zu euch gesagt: ,Suchet, auf daß ihr 
findet'. Ich habe nun zu euch gesagt: Ihr sollt nach den 
Mysterien des Lichtes suchen, welche den Körper der Materie 
reinigen und ihn zu reinem, sehr gereinigtem Lichte machen. 
Wahrlich ich sage euch: Wegen des Menschengeschlechtes, 
weil es materiell ist, habe ich mich abgemüht und alle 
Mysterien des Lichtes ihnen (sc. den Menschen) gebracht, 
damit ich sie reinige, denn sie sind die Hefe der ganzen 
Materie, sonst würde keine Seele von dem gesamten Menschen- 
geschlecht gerettet werden, und nicht würden sie das Licht- 
reich ererben können, wenn ich nicht ihnen die reinigenden 
Mysterien gebracht hätte. Denn die Emanationen des 
Uchtes bedürfen der Mysterien nicht, denn sie sind gereinigt, 
sondern das Menschengeschlecht ist es, das ihrer bedarf, weil 



LXIV piBtis Sophia. 

sie alle materielle Hefen sind". Und deswegen soll die Ver- 
kündigung an das ganze Menschengeschlecht lauten (S. 182, 31 f.): 
„Nicht lasset nach zu suchen Tag und Nacht, bis daß ihr die 
reinigenden Mysterien findet" oder S. 183, 14£: „Nicht 
lasset nach zu suchen Tag und Nacht, und nicht rastet, bis daß 
ihr die reinigenden Mysterien findet, die euch reinigen 
und euch zu reinem Lichte machen werden, so daß ihr nach 
oben gehen und das Licht meines Reiches ererben werdet. 

Die Parallelen zwischen S. 182 f. und S. 256 f. springen 
derartig sofort in die Augen, daß ich nicht weiter darauf 
eingehen will; nur was dort von der Reinigung der Materie 
im Körper des Menschen gesagt wird, wird hier als Lösung 
aus den Banden und Siegeln der Aeonen der Archonten be- 
zeichnet; beides ist Bezeichnung eines und desselben Vor- 
ganges, nur von verschiedenem Standpunkte aus. 

Es steht also fest, daß unter den reinigenden Mysterien 
die Taufriten zu verstehen sind, welche für den Eintritt in 
die gnostische Kultgemeinschaft notwendig sind. Die höheren 
Mysterien werden den vollkommenen Mitgliedern ohne weiteres 
zuteü, ohne daß dazu besondere Kultusakte vorgenommen werden. 

Wir sind nun auch imstande aus unserem Werke die 
Zahl dieser Taufen festzustellen. Es wird immer von den 
Taufen im Plural gesprochen, demnach gab es mehrere ihrer 
Art. Ihre Zahl belief sich auf drei. Dies erfahren wir aus der 
Perikope c. 122, nach der eine Frau dreimal getauft war, und 
auch beim dritten Male hatte sie nicht das den Mysterien des 
Lichtes Würdige getan. Der Herr will den Petrus versuchen, ob 
er barmherzig und vergebend wäre. Petrus besteht die Probe und 
bittet, der Frau die höheren Mysterien zu geben, damit sie, wenn 
tauglich, das Lichtreich ererbt. Diese drei Taufen müßten wir m 
den Büchern des Jeu wiederfinden, sollte Jesus m. E. unter den 
niederen Mysterien die Mysterien der Taufen begriffen haben. 

Doch bevor ich zu den Schriften des Codex Brucianus 
übergehe, wollen wir das Buch IV der P. S. näher be- 
trachten. Jesus verspricht den Jüngern die Schlüssel des 
Himmelreiches 1 zu geben und nach einer geheimnisvollen 
Zeremonie erblicken sie Feuer, Wasser, Wem und Blut. Diese 
1 Vgl. dazu S. 266, 2. 7; 260, 27 „Schlüssel der Mysterien des Licht- 
reiches". 



Einleitung: 5. Verfasser, Ort und Zeit. 



LXV 



vier Elemente will Jesus bei seiner Herabkunft in die Welt 
gebracht haben, und zwar die drei ersten Elemente zur 
Peinigung aller Sünden der Welt. Analog S. 219, 15 wird 
hier S. 273, 13 auf Luk. 12, 49 hingewiesen. Die Jünger 
bitten um Vergebung ihrer Sünden und Missetaten, um dem 
Reiche seines Vaters würdig zu werden. Er will ihnen das 
Mysterium des Himmelreiches geben, damit sie selbst sie an 
den Menschen vollziehen können, und zwar an solchen, in 
denen kein Falsch ist und die in allen guten Worten auf 
sie hören (S. 275, 37 f.). Es folgt die eingehende Beschreibung 
des Ritus (S. 274, 13 ff.), der S. 276, 7 f. bezeichnet wird als 
„das wahre Mysterium der Taufe für die, deren Sünden 
vergeben und deren Missetaten bedecket werden", und weiter 
als „die Taufe des ersten Opfers, die den Weg zu dem wahren 
Orte und dem Orte des Lichtes weist." Wenn hier von der 
Taufe der ersten TiQoaqjogd die Rede ist, so muß es noch 
andere nQoarponm geben. Und in der Tat sprechen die Jünger 
S. 276, 14 ff.: „Rabbi, offenbare nns das Mysterium des Lichtes 
Deines Vaters, da wir Dich sagen hörten: Es gibt noch eine 
Feuertaufe, und es gibt noch eine Taufe des heiligen 
Geistes des Lichtes, und es gibt eine geistige Salbung, 
welche die Seelen zu dem Lichtschatz führen. Sage uns nun 
ihr Mysterium, auf daß wir selbst das Reich Deines Vaters 
ererben". Da haben wir die voraus erschlossenen drei Taufen 
vor uns in Gestalt der Taufe der ersten ngoacpogä, der Feuer- 
taufe und Taufe des heiligen Geistes. 1 Die geistliche Salbung 
ist. wie schon der Name besagt, ein Akt der Salbung nach 
Empfang der Taufe, darum wild der Ritus auch nicht näher 
beschrieben. Jesus erklärt nun: „Es gibt kein Mysterium, 
das vorzüglicher ist als diese Mysterien, nach welchen ihr 
fragt, indem es eure Seele zu dem Licht der Lichter, zu den 
Ortern der Wahrheit und der Güte, zum Orte des Heiligen 
aller Heiligen führen wird, zu dem Orte, in dem es weder 
F »au noch Mann gibt, noch gibt es Gestalten an jenem Orte, 
sondern ein beständiges, unbeschreibbares Licht." In dem 
Buche IV sowohl wie im Buch I— III suchen wir vergeblich 
"ach einer Erwähnung jener drei Taufen. Daraus ist zu 

1 Wegen dieser Taufe erwähnt Jesus S. 273, 4 den heiligen Geist in 
Gestalt einer Taube. 

Schmidt: Pistis Sophia. E 



LXVI Pistis Sophia. 

schließen, daß der Verfasser eine andere Schrift kannte, in 
der diese drei Tanfen ausführlich behandelt waren. 

Nach dieser langen Digression wollen wir uns zu dem 
zweiten Buche des im Cod. Brucianns entha f™J^ 
Werkes wenden. 1 Dort finden wir zu unserer Ubeirascbung 
I gesuch en Mysterien, wenn es heißt: „Aber vor alledem 
wm'ich euch die drei Taufen geben: : die W-^*^ 
die Feuertaufe und die Taufe des heiligen Geistes. Und .u* 
wde euch das Mysterium geben, die Bosheit der Archonten 
7neuch zu beseitigen, und darnach werde ich euch das 
Mysterium der geistigen Salbung geben« S .305, 17f. Nun 
w f rd S. 308. Uff. das Rituale der drei Taufen mit dem 
I^nze detail der Gebete und der notwendigen Requisiten 
vorgetragen, dazu kommt S. 313, lff das Mysterium der Be- 
leUigung der Bosheit der Archonten.* Jetzt erkennen wir 
du2 dlsen Vergleich mit dem in Buch IV a^uhrten 
Rituale daß es sich dort um die Wassertaufe gehande t hat 
wlet'rt der Akt in Form einer , W d geschüder wird 
(S. 274, 15. 23; 275, 24. 28), so auch hier neb en *v»a ^ 
S 308 15 u. ö. 309, 20) als 7tqooq>o e a (Jeu II S. Ö08, &( , 
309 32). Und wenn auch im Einzelnen Abweichungen vor- 
handen sind, wie die Gegenüberstellung der beiden Stucke 
in TU VIII S 497 ff. mit voller Deutlichkeit zeigt, so kann 
um so weniger an der Identität gezweifelt werden als die 
an beiden Stellen an den Vater ^Vjtojd-ft, J» 
unendliche Licht gerichtet sind (vgl. Buch IV S 874, 27. 6b, 
2?5 6 mit Jeu II. S. 309, 1) und diese Gebete mit den eigen- 
^fchen barbarischen Namen gespickt sind wie wir sie in 
den Büchern I-III der Pistis Sophia nicht finden. Auch 
erfahren wir aus Jeü II S. 309, 81 die Namen der Senden 
vergeber und Reiniger der Missetaten (vgl. Buch IV 8. 874, 38 , 

1 Koptisch-gnostische Schritten Bd I S. 303^ ^ ^ 

2 Dieses Mysterium entspricht hei «er cnrntui.. 

der abrenuntiatio von toA^jHjWt ^ 

3 Man darf daraus m h h heßen. ^ ^ g n ^ 

bekannt war, denn wir ü «f« £ f derer von der Hölie ist , d . b. die 

Hier erfahren wir daß es d. Sdu «> Beter ^ iu 

Sprache der Himm ischen. Daher ver Gno8tizismns mit den 

dieser Sprache. Das ist die Krücke, "f 1 " 1 
griechisch-ägyptischen Zauberpapyri verbindet. 



Einleitung: 5. Verfasser, Ort und Zeit. LXVII 



275, 7 f.), als welche die fünfzehn Helfer und die sieben Licht- 
jungfrauen gelten. 1 Der Zweck des Sakraments soll sein die 
Vergebung der Sünden und Austilgung aller Missetaten, die 
die Seele wissentlich und unwissentlich bis zum Tage des 
Empfanges des Mysteriums in Hurerei und Ehebruch be- 
gangen, um würdig zu dem Reich des Vaters gerechnet zu 
werden (vgl. Buch IV S. 275, 18 f. mit Jeü II S. 309, 10 f.). 3 Und 
wenn am Schluß ein Wunderzeichen in dem Opfer als Er- 
kennungszeichen der Erhörung des Gebetes erbeten wird 
(Buch IV S. 275, 28), so erfahren wir aus S. 309, 20, daß 
eine Verwandlung von Wein zu Wasser stattgefunden hat. 
Ohne Zweifel hat der Verfasser des Buches IV aus der Ab- 
handlung des Cod. Brucianus seine Kenntnis des Rituals ge- 
schöpft, dabei aber dieses frei behandelt, vor allem in ge- 
wissem Sinne gekürzt. Die beiden anderen Taufen dienen 
dem gleichen Zweck und haben auch die gleiche Wirkung 
wie die Wassertaufe. Deshalb werden sie den Adepten der 
Sekte nicht auf einmal appliziert sein, sondern, wie die 

1 Die 15 Helfer der 7 Lichtjungfrauen sind auch P. S. S. 144, 4 be- 
kannt. Überhaupt steht die Lichtjungfrau sowohl wie die 7 Lichtjung- 
frauen zu den Taufen in engster Beziehung; sie sind gewissermaßen die 
Vorsteherinnen und werden in den Taufgebeten besonders augerufen (vgl. 
Jeü II, S. 310, 41 ff.). Von hier aus verstehen wir erBt die Taufen, welche 
diese an den Seelen ausüben (P. S. S. 212, 28; 239, 2. 38; 243, 36). Sie 
müssen mit den irdischen Taufen identisch sein, denn es taucht bei diesem 
Akte das xe ta , ua nvsvfiauxov auf (P. S. S. 212, 30. 33; 239, 39; 243, 37). 
Andererseits prüfen sie auch die Seelen, ob sie jene Taufen mit ihren 
Siegeln und Zeichen bereits früher empfangen haben (S. 212, 28). Somit 
sind jene Taufen der Lichtjungfrau nur eine Dublette der drei Taufen, 
die der Gnostiker bereits auf Erden empfing, um sich als Adept bei 
der „Richterin" legitimieren zu können. Wir können also von neuem 
konstatieren, daß dem Verfasser der Bücher I — III die drei Taufen 
nicht unbekannt gewesen sind, vielmehr ihre Kenntnis allgemein voraus- 
gesetzt wird, so daß es einer genaueren Erörterung gar nicht mehr be- 
durfte. 

2 Noch näher berühren sich die Worte im Gebet der Feuertaufe 
(Jeü II S. 310, 15 f ) : „Mögest Du ihre Sünden vergeben und ihre Missetaten 
reinigen lassen, die sie wissentlich nnd unwissentlich begangen haben, die 
sie von <ihrer> Kindheit bis zum heutigen Tage begangen, und ihre Ver- 
leumdungen, ihre Flüche, ihre falschen Eide, ihre Unzucht, ihre Ehebrüche, 
ihre Begierden, ihre Habgier und das, was sie seit ihrer Kindheit bis zum 
heutigen Tage begangen haben." 

E* 



LXVIII 



Pistis Sophia. 



Petrus-Perikope zeigt, je nach dem Rückfall in Sünden. Die 
Dreiheit führt sich zurück auf das Kerygma Johannes' des 
Täufers Matth. 3, 11. 12 oder Luk. 3, 16. 17. 

Aher diese drei Taufen bilden noch nicht den Abschluß 
der Mystagogie. Der Verfasser von Buch IV kennt noch ein 
Mysterium der Sündenvergebung (S. 274, 7), ferner ein My- 
sterium der sieben Stimmen und ihrer 49 Kräfte (S. 276, 32), 
und als höchstes das Mysterium des Namens, der vorzüglicher 
ist als alle Namen, der Name, in dem alle Namen und alle 
Lichter und alle Kräfte sich befinden, dessen Kenntnis den 
freien Durchgang durch alle unteren Sphären in das Licht- 
reich hinein eröffnet (S. 276, 34 ff.). Und ferner heißt es 
S. 265, 25ff.: „Ich werde euch das Mysterium der zwölf 
Aeonen der Archonten und ihre Siegel und ihre Zahlen und 
die Art ihrer Anrufung, um zu ihren Örtern zu gelangen, 
geben. Und ich werde euch ferner das Mysterium des 
dreizehnten Aeons geben und die Art der Anrufung, um 
zu ihren Örtern zu gelangen, und ich werde euch ihre Zahlen 
und ihre Siegel geben. Und werde euch das Mysterium 
der Taufe derer von der Mitte geben und die Art 
ihrer Anrufung, um zu ihren Örtern zu gelangen, und ihre 
Zahlen und ihre Siegel werde ich euch verkündigen. Und 
ich werde euch die Taufe derer von der Rechten, 
unseres Ortes, geben und seine Zahlen und seine Siegel und 
die Art der Anrufung, um dorthin zu gelangen. Und ich 
werde euch das große Mysterium des Lichtschatzes 
geben und die Art der Anrufung, um dorthin zu gelangen. 
Ich werde euch alle Mysterien und alle Erkenntnisse geben, 
damit ihr »Kinder der Fülle, vollendet in allen Erkenntnissen 
und allen Mysterien <, genannt werdet." 

Wir werden uns nun nicht weiter wundern, wenn wir in 
vollständiger Parallele dazu Jeü II S. 305, 7 ff. Folgendes 
lesen: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich werde euch 
das Mysterium der zwölf göttlichen Aeonen geben 
und ihrer nagaXijßTtroQsg und die Art ihrer Anrufung, um in 
ihre Orter zu gelangen. Und ich werde euch geben das 
Mysterium des unsichtbaren Gottes 1 und der naQa- 

1 Das ist das Mysterium des 13. Aeon, da der unsichtbare Gott da- 
selbst weilt. 



Einleitung: 5. Verfasser, Ort und Zeit. 



LXIX 



h'i.imtoQeg jenes Ortes und die Art ihrer Anrufung, um in ihre 
Örter zu gelangen. Und darnach werde ich euch lehren das 
Mysterium derer von der Mitte und der Tiagahrj/mzai 
und die Art ihrer Anrufung, um in ihre Örter zu gelangen. 
Und ich werde euch geben das Mysterium derer von 
der Rechten und ihrer naQalfjixnxai und die Art ihrer An- 
rufung, um in ihre Örter zu gelangen." Wiederum kann nicht 
zweifelhaft sein, wo das Original und wo die Kopie, denn in 
unserer Abhandlung werden diese Mysterien ausführlich ge- 
schildert (S. 322, 2 ff.), wenn auch der Schluß uns nicht mehr 
erhalten ist. In Buch IV hat der Verfasser sich nur mit der 
Ankündigung begnügt, denn in der Lücke von 8 Seiten kann 
unmöglich ihre Darstellung stattgefunden haben. Diese soeben 
aufgeführten Mysterien dienen nicht wie die Mysterien der 
Taufen der Sündenvergebung, sondern ermöglichen der Seele 
durch die Kenntnis der Siegel, Zahlen, Namen, Apologien und An- 
rufungen die Reise durch die niedere und obere Aeonenwelt. 

Für die Reise durch die höhere Lichtwelt bis zum Licht- 
schatze ist dagegen der Besitz des Mysteriums der Sünden- 
vergebung notwendig. „Dieses ist das große Mysterium, das 
sich in den Schätzen des Innern der Innern befindet, und es 
ist das gesamte Heil der Seele. . . . Deshalb nun muß jeder 
Mensch, der an den Sohn des Lichtes glaubt, das Mysterium 
der Sündenvergebung empfangen, damit er ganz vollkommen 
und in allen Mysterien vollendet sei, denu es ist das My- 
sterium der Sündenvergebung. . . . Deswegen nun sage ich 
euch: Wenn ihr das Mysterium der Sündenvergebung emp- 
fangt, so werden alle Sünden, die ihr bewußt und unbewußt 
begangen, die ihr seit eurer Kindheit bis zum heutigen Tage 
und bis zur Auflösung des Bandes des Fleisches der Hei- 
marmene begangen habt, sämtlich ausgetilgt werden, weil ihr das 
Mysterium der Sündenvergebung empfangen habt" (Jen II 8. 314, 
27 ff.). Dann fliehen alle Aeonen, sobald die Seele nach ihrem 
Ausgang aus dem Körper dieses Mysterium mit seinen Apo- 
logien, Siegeln, Zahlen und Deutungen hersagt; die Wege der 
Aeonen werden gereinigt, und somit gelangt die Seele unge- 
hindert zu den Toren des Lichtschatzes und werden ihr die 
Tore von den Wächtern geöffnet. Die Reise einer mit dem 
Mysterium der Sündenvergebung ausgerüsteten Seele durch 



LXX 



Pistis Sophia. 



die Lichtaeonen von den drei Amen bis zum Schatze des 
wahren Gottes wird Jeü II von S. 315, 37-321. 5 beschrieben. 
Freilich die angekündigte Beschreibung des Mysteriums der 
Sündenvergebung (vgl. auch S. 321, 12 f.) ist infolge des Ver- 
lustes des Schlusses nicht mehr auf uns gekommen. 

Auch dem Verfasser von Buch IV ist das Mysterium der 
Sündenvergebung nicht unbekannt, da er es S. 274, 7 er- 
wähnt; er vindiziert diesem Mysterium die Binde- und Löse- 
gewalt im Himmel und auf Erden. Dagegen ist in dem 
Kataloge der Mysterien das Mysterium der Sündenvergebung 
unter dem großen Mysterium des Lichtschatzes begriffen 
(S. 266, 4), das ja auch oben an der angeführten Stelle in 
Jeü II „das große Mysterium, das sich in den Schätzen des 
Innern der Innern befindet" genannt wird. Und wenn es 
Jeü II 8. 307, 39 f. heißt: „Und ich werde euch alle Mysterien 
geben, damit ich euch in allen Mysterien des Lichtreiches 
vollende, und ihr >Kinder der Fülle, vollendet in allen My- 
sterien^ genannt werdet", so hat der Verfasser von Buch IV 
seine Vorlage einfach etwas abgewandelt, um nicht direkt 
ein Plagiat zu begehen, da wir S. 266, 6 f. lesen: „Ich werde 
euch alle Mysterien und alle Erkenntnisse geben, damit ihr 
>Kinder der Fülle, vollendet in allen Erkenntnissen und allen 
Mysterien <. genannt werdet. Selig seid ihr vor allen Menschen, 
die auf Erden, denn die Kinder des Lichtes 1 sind zu eurer 
Zeit gekommen." 

Nun hatte Jesus in Buch IV S. 276, 32 f. von Mysterien 
gesprochen, die vorzüglicher sind als die Taufmysterien, und 
als solche das Mysterium der sieben Stimmen und ihrer 
49 Kräfte und das Mysterium des (großen) Namens 2 genannt. 
In Jeü II waren die Jünger, als Jesus ihnen die Mysterien 
der Taufen in Aussicht gestellt hatte, schreiend und weinend 
ihm zu Füßen gefallen mit den Worten: „0 Herr, weshalb 
hast Du nicht zu uns gesagt: Ich werde euch die Mysterien 
des Lichtschatzes geben" (S. 306, 1). Als Mysterien des 
Lichtschatzes führt Jesus die Mysterien der 9 Wächter, des 

1 Den Ausdruck „Kinder de3 Lichtes" finden wir auch Jeü II S. 304, 
38. 39: 321, 14. 20. 

2 Der „große Name" ist der Naine des Vaters des Lichtachatzes 
S. 262, 9. 12; 272, 18. 24; 274, 25. 



Einleitung: 5. Verfasser, Ort und Zeit. 



LXXI 



Kindes des Kindes, der drei Amen, der fünf Bäume, der sieben 
Stimmen und der 49 Kräfte und des großen Namens aller 
Namen, d. h. des großen Lichtes, das den Lichtschatz umgibt, 
auf. Wiederum ertappen wir den Verfasser von Buch IV 
dabei, wie er aus diesem Katalog die beiden letzten, d. h. 
höchsten Mysterien aufgenommen hat. 

Aber auch in Kleinigkeiten anderer Art. hat dieser Kom- 
pilator seinen Vorgänger ungeniert ausgeplündert, h Zu 
Anfang von Buch IV bitten die Jünger den Herrn sich ihrer 
zu erbarmen, da sie Vater und Mutter und die ganze Welt 
verlassen und ihm gefolgt sind (S. 261, 4 f., vgl. S. 265, 23 f.). 
In Jeü II S. 305, 3 ff. lesen wir: „Jetzt nun, da ihr eure 
Väter und eure Mütter und eure Brüder und die ganze Welt 
verlassen habt und mir gefolgt seid und alle Befehle, die ich 
euch aufgetragen, vollführt, jetzt nun hört mich" und S. 306, 3ff.: 
„Das Herz Jesu war aber betrübt über seine Jünger, weil 
sie ihre Eltern und ihre Brüder und ihre Frauen und ihre 
Kinder und alle Güter dieser Welt verlassen hatten und ihm 
zwölf Jahre 1 gefolgt waren und alle Gebote, die er ihnen 
befohlen, befolgt hatten". 

1 Nicht geklärt ist, was unter diesen 12 Jahren zu verstehen ist, ob 
es sich um das gesamte Erdenleben Jesu handelt oder um den 12 jährigen 
Verkehr des Auferstandenen mit den Jüngern. In dem Eingange S. 303, lf. 
wird ohne jede Zeitangabe von einer Versammlung der Jünger und Jünge- 
rinnen gesprochen. Ebensowenig kann man mit Sicherheit feststellen, ob 
das erste Buch auf Gespräche Jesu nach der Auferstehung zurückgeführt 
wird. Jesus wird hier der Lebendige genannt, der aus dem Lichtaeon in 
der Fülle des Pleroma herausgekommen ist und nun als Lehrer auftritt, 
der die Lehre bringt, in der die gesamte Erkenntnis wohnt. Von seiner 
Kreuzigung ist nirgends die Hede, oder man müßte in den Worten der 
Einleitung: „Selig ist der, welcher die Welt gekreuzigt hat und nicht die 
Welt hat ihu kreuzigen lassen" eine Anspielung daran erblicken. Auch 
weisen die Jünger darauf hin, daß sie Jesu gefolgt Bind mit ganzem Herzen 
und Vater und Mutter verlassen haben (S. 258, 5), aber eine nähere Zeit- 
angabe vermissen wir auch hier. So scheint die Zeit der Unterredung in 
der Schwebe gehalten zu sein. Ich habe den Eindruck, als habe der Ver- 
fasser der Bücher I— III die Stelle in Jeü II falsch aufgefaßt und daraus 
12 Jahre nach der Auferstehung erdichtet. Wenn der Verfasser von 
Buch IV die Unterredungen unmittelbar in die Zeit nach der Auferstehung 
verlegt, so kann ich aus diesem Dissensus keine Schlußfolgerungen für die 
Datierung der Bücher sehen, wie es Liechtenhan tut, denn in dieser Be- 
ziehung hatte der Kompilator freie Hand, aber auch jeder andere Verfasser. 



LXXII 



Pistis Sophia. 



2. Die Übergabe der Mysterien darf nur an gläubige 
Menschen erteilt werden, sonst ist Geheimleüre geboten, daher 
„verberget dieses Mysterium und gebet es nicht allen Menschen, 
außer demjenigen, der alle Dinge tun wird, die ich euch in 
meinen Geboten gesagt habe" (Buch IV, S. 276, 3 f.). Und 
in gleicher Weise heißt es in Jeu II: „Diese Mysterien, die ich 
euch geben werde, bewahret und gebet sie keinem Menschen, sie 
seien denn ihrer würdig" etc. (S. 304, 6 f. 32 f.; 305, 11). Würdig 
ist aber derjenige, der Jesu Gebote vollführt hat (S. 305, 5. 
34; 306, 6). 

3. In Jeü n S. 304, 17 f. las der Verfasser von Buch IV 
von einer scheußlichen gnostischen Sekte, deren Mitglieder 
das Menstrualblut der Weiber und den Samen der Männer 
beim Abendmahl verzehren und frech behaupten, sie wären 
im Besitze der wahren Erkenntuis und beteten zum wahren 
Gotte. Diese Kunde hat er S. 282, 33 f. verwertet 

4. In JeüII S. 308, 6f. befiehlt Jesus, bevor er das Mysterium 
der Taufen vollzieht, den Jüngern, nach Galiläa hinaufzugehen 
und zwei Krüge Weins aus den Händen einer Person, sei es 
Mann oder Frau, die keinen Geschlechtsverkehr mehr ausüben, 
zu nehmen. Darnach würde Judäa als Schauplatz der Unter- 
redungen gelten, da man von hier aus nur von einem „hinauf- 
gehen" reden kann; freilich müßten dann in zauberhafter 
Schnelligkeit alle Jünger den Befehl ausgeführt haben. Nach 
Buch IV S. 273, 33 ist der Schauplatz der Mysterienmitteilung 
der Berg von Galiläa. 

5. In Jeü II S. 320, 10 kommt im Gebet eianz&a eumr&a 
vor und folgt die Erklärung: „Vater aller Vaterschaft, denn 
das All ist aus dem Alpha herausgekommen und wird zu 
dem Omega zurückkehren, wenn die Vollendung aller Voll- 
endung statthaben wird." Ein ähnliches Gebet an den 
Vater aller Vaterschaft beginnt in Buch IV S. 262, 3 mit 
dem Anruf ia<p&a- Cacp&a; vorhergeht die Deutung des Namens 
iaco: „Jota, das All ist herausgegangen — Alpha, es wird 
sich wieder zurückwenden — Omega, es wird die Vollendung 
aller Vollendungen stattfinden!" 

6. In Jeü II werden alle Gebete bei den Taufen gegen 
die 4 Ecken der Welt gesprochen (S. 308, 34; 310, 11; 312, 37; 



Einleitung: 5. Verfasser, Ort und Zeit. LXXIII 



313, 33). Die gleiche Gebetsstellung kennt auch Buch IV 
S. 261, 22; 272, 24. 

Man könnte noch eine Reihe Parallelen im Sprachgebrauch 
anführen, aber das Vorgetragene wird zum Beweise vollauf 
gentigen, daß der Verfasser von Buch IV das Buch Jeü II 
für den Teil seiner Schrift, der sich mit dem Mysterien- 
wesen der gnostischen Sekte beschäftigt, als Vorlage benutzt 
hat. 1 Von parallelen Redaktionen, wie Liechtenhan annimmt 
(1. c. 8. 244), kann m. E. nicht die Rede sein. Die Ab- 
handlung, welche er vor sich hatte, umfaßte die gesamte 
Mystagogie, wie sie in älterer Zeit ausgebildet war und auch 
noch in späterer Zeit die Grundlage bildete. Mit Recht sagt 
Liechtenhan, daß Sekten sich in erster Linie um denselben 
Kultus, erst in zweiter Linie um dieselbe Lehre scharen. 
Irgendwelche Mysterien außer den in der Grundschrift vor- 
geführten finden wir nirgends. 

Hat aber Jeü II die Grundschrift für die gesamte Mysterien- 
lehre gebildet, so muß auch der Verfasser von Buch I— III die 
Schrift gekannt haben, wenn er zu den Häuptern derselben 
gnostischen Sekte gehörte. Sehen wir zunächst von der Mysterien- 
lehre ab, so ist die "Übereinstimmung in der Kosmogonie eine 
höchst frappante. Im Lichtschatz z. B. treffen wir nicht nur auf 
dieselben Namen, sondern auch auf dieselbe Reihenfolge; die 
9 Wächter, die 3 Amen, das Kind des Kindes, Soterzwillinge, die 
7 Amen, die 5 Bäume, die 7 Stimmen, die a-/6Qr\xoi, äniQavroi, 
äodfavroi etc., aber die mit tcqo- und vneg- gebildeten Namen wie 
itQovneQaxworiToi, ngovneQajteQavzot, vnsQaoälevxoi etc. fehlen. 
Diese Personen sind sicherlich dem Verfasser nicht unbe- 
kannt gewesen, aber er hat das Personal in etwas reduziert, 
da er auf der anderen Seite auch neue hinzugefügt hat. 
Nun, in dieser Beziehung haben ja die einzelnen Häupter 
sich große Freiheiten erlaubt, und man darf auf derartige 
Differenzen kein zu großes Gewicht legen. Aber nicht irre- 
levant sind die Differenzen in bezug auf die Spitze des 

1 Auch in dem Teile, der sich mit den fnrchtbaren Strafen der Ar- 
chonten des Weges der Mitte beschäftigt, scheint fremdes Material benutzt 
«n sein. So u. B. kommen die Namen dieser Archonten ebenfalls in einem 
Fragment des Cod. Bruc. vor (S. 333, 35 ff.), und zwar werden genannt 
Paraplex, Tjphon und Jachthanabas. 



LXXIV Pistis Sophia- 

ganzen Universums. Denn nach Jeü I und II ist das höchste 
Wesen der „unnahbare Gott«, das „alleinige Sein", von dem 
der Lichtschatz emaniert ist; in diesem herrscht der „wahre 
Gott«. Daneben existiert noch ein zweiter Lichtschatz, m 
welchem Jeü, das „große Licht«, „der Vater des Licht- 
schatzes«, der „große Mensch", der „König des ^Schatzes 
herrscht, von dem wieder 60 Lichtschätze emaniert sind die 
alle den Namen des Jeu tragen. In Buch I-I1I der F. ö. 
steht der Unaussprechliche resp. Unbeschreibliche an der 
Spitze des Universums; 1 aus ihm ist von Anfang an das 
erste Mysterium hervorgegangen, das der gesamte Ausgang 
aller Emanationen und aller Mysterien ist, deshalb der „Herr 
des Alls" Dementsprechend auch die höheren Mysterien. Das 
höchste Mysterium ist das einzige Mysterium des Unaussprech- 
lichen, das wieder in drei Mysterien zerfällt. Daneben gibt 
es noch fünf Mysterien des Unaussprechlichen. Das erste 
Mysterium umfaßt 12 Mysterien und daran schließen sich die 
Mysterien der 3 % ^ara. Diese drei Gruppen werden 
zusammengefaßt, wie bereits erwähnt, unter dem Namen der 
drei Erbteile. Hier herrscht nämlich die Vorstellung, daß 
die Inhaber dieser Mysterien je nach dem Grade einen 
höheren oder niederen Platz in den Erbteilen des Lichtes 
erhalten (S. 178, 5 ff.), demgemäß der Inhaber des höchsten 
Mysteriums, d. h. des Mysteriums des Einzigen, Unaussprech- 
lichen, sich mit den Gliedern des Unaussprechlichen vereinigen 
wird (S 166, 29). Die Darlegung dieser Mysterien und zugleich 
ihre Wirkungen in der Sündenvergebung nehmen einen breiten 
Baum in den beiden letzten Büchern des Werkes ein. Diese ganze 
Gruppe von Mysterien ist dem großen Mysterienbuche ganz 
fremd, infolgedessen ist sie auch dem Verfasser von Buch IV 
unbekannt geblieben. Deswegen aber waren die alten Mysterien 
noch nicht vollständig abrogiert; vor allem die Mysterien der 
Taufen, welche nach wie vor die Sühneriten für die gewonnenen 
Mitglieder bildeten, konnten in der Mystagogie der späteren 
Zeit auf keine Weise ersetzt werden.« Deshalb tauchen sie 

1 Nur an einer einzigen Stelle, nämlich S. 176 33, ist die Rede von 
den Niedern des Unaussprechlichen, die zu der Oikonomie des Einz.gen, 
des wahren, unnahbaren Gottes gehören". Das erinnert noch dunkel 
an eine frühere Phase des Systems. . 

2 Die Behauptung von Liechtenh., die Sekte, welche Buch II-DU 



Einleitung: 5. Verfasser, Ort und Zeit. 



LXXV 



auch, wie ich vorhin ausgeführt habe, wieder auf, aber eine 
Sonderbeschreibung glaubte der Verfasser sich schenken zu 
können, da er auf eine schriftliche Darstellung verweisen 
konnte. Er bezeichnet diese Quelle mit dem Titel: „die beiden 
(großen) Bücher des Jeu" oder einfach „die Bücher des Jeü". 

Damit stehen wir vor der Entscheidung, ob das im Cod. 
Bruc. enthaltene Werk tatsächlich mit den beiden Büchern 
des Jeü zu identifizieren ist. Folgende Anforderungen sind 
zu erfüllen: 1. das Werk muß zwei Bücher umfassen, 2. es 
muß den Titel „Jeü" rechtfertigen, 3. es muß die reinigenden 
Mysterien, speziell die Taufriten enthalten. Der erste Punkt 
ist schnell erledigt, da ja unser Werk ebenfalls zwei Ab- 
handlungen enthält. Das ist schon ein gutes Präjudiz für 
die Identität. Man könnte vielleicht daran Anstoß nehmen, 
daß die Mysterien nur in dem zweiten Buche enthalten sind. 
Aber wir haben kein Recht, das Zitat so auszulegen, als 
hätte die Darstellung der Mysterien alle zwei Bücher an- 
gefüllt. An der zweiten entscheidenden Stelle S. 258 wird 
ja nur allgemein von den Büchern des Jeü gesprochen. — Auch 
der dritte Punkt macht keine Schwierigkeiten. Wir dürfen 
uns nicht verwirren lassen durch die Unterscheidung von 
niederen und höheren Mysterien, denn diese war an der 
ersten Stelle S. 179 nur durch den Zusammenhang veranlaßt, 
wo von höheren und niederen Plätzen je nach dem Range 
der Mysterien die Rede war. An der zweiten Stelle handelt 
es sich ganz allgemein um Mysterien, die für die Sünder 
sowohl wie für die Gerechten heilsnotwendig sind. Der Be- 
griff „niedere" und „höhere" Mysterien spielt dabei absolut 
keine Rolle. In den einleitenden Worten zu dem Mysterien- 
buche spricht Jesus von den großen Mysterien des Licht- 
schatzes, die er verkünden will, die niemand an dem unsicht- 
baren Gotte kennt, auf Grund deren Kenntnis die Seelen in 
den Lichtschatz geführt werden, nachdem alle Sünden, die sie 
wissentlich und die sie unwissentlich begangen, ausgelöscht sind 
(Jeü JJ S. 303, 6 ff.). Bei diesen großen Mysterien des Licht- 
schatzes handelt es sich um die Präparierung der gnostischen 

brauchte, hätte gewiß die Blicher Jeü aus dem Gebraiich ausgeschaltet, 
wenn niedere Weihen darin als die höchsten wären bezeichnet worden, 
richtet sich von selbst. 



LXXVI 



Pistis Sophia. 



Seele für ihre letzte Reise durch die gesamte Aeonen- und 
obere Lichtwelt bis zum höchsten Ort; deshalb heißt es auch 
S. 303, 20 f.: „Und die Seele springt beständig von Ort zu 
Ort, bis sie zu dem Lichtschatze gelangt. Und sie wandern 
hinein in das Innere der Wächter des Lichtschatzes; und 
sie wandern hinein in das Innere der drei Amen, und sie 
wandern hinein in das Innere der Zwillinge . . . und sie be- 
finden sich in dem Orte, der innerhalb von ihnen ist, d. h. in 
dem Orte der Unfaßbaren des Lichtschatzes." Denn die Gnosis 
übte ja gerade durch ihre Propaganda einen so großen Ein- 
druck auf die Volksmasse aus, als sie ihren Adepten gegen- 
über sich als Versicherungsanstalt für die Himmelsreise der 
Seelen anbot. 1 Dazu hatte aber jeder Einzelne die Kenntnis 
der Siegel, Zahlen, Namen, Apologien etc. der einzelnen Aeonen 
nötig. Deshalb werden diese Requisite der Mystagogie in 
unserer Abhandlung ganz ausführlich den Lesern unter- 
breitet, während in Buch II — III der P. S. ganz allgemein 
von diesen Dingen gesprochen wird. 2 Deswegen waren aber 
diese Mysterien nicht obsolet geworden, nur brauchte der Ver- 
fasser kein Interesse für diese Seite der Mysterienlehre zu 
zeigen, weil diese in früherer Zeit bereits festgelegt war. 

Damit wende ich mich zu dem zweiten Punkte. Hier 
setzt vor allem die Kritik ein. Denn Liechtenhan macht im 
Anschluß an Preuschen geltend, daß die Bücher Jeü ein 
Diktat des präexistenten Jesus an Henoch enthalten hätten, 
das erste Buch des Cod. Bruc. erzähle aber Offenbarungen 
des auferstandenen Jesus an seine Jünger, ja eine Reise Jesu 
und der Jünger durch die Himmel. So ergebe sich, daß Jesus 
dem Henoch die Erzählung eines Vorganges diktiert habe, der 
erst viel später stattfand. Henoch sei daselbst mit keinem 
Worte erwähnt; daß Jesus den Jüngern den Inhalt eines 
Buches mitteile, sei mit keiner Silbe angedeutet. Wenn 
Jesus ausführlich die komplizierten Veranstaltungen zur Be- 

1 Vgl. die Ausführungen von Anz, Zur Frage nach dem Ursprung 
des Gnostizismas, S. 9 ff., besonders S. 26 f. 

2 In Buch II— III werden vielfach die Siegel, Zahlen, Apologien, 
Namen, Zeichen der einzelnen Mysterien erwähnt, aber ihr Aussehen wird 
nicht näher angegeben, nur S. 174, 36 heißt es von „einem Siegel, welches 
dieses ist". Hier mülite die betreffende Form des Siegels angegeben sein, 
von denen Jeu I und II ganz angefüllt sind. 



Einleitung: 5. Verfasser, Ort und Zeit. LXXVII 

Währung der Bücher Jeü während der Sintflut erzähle, könne 
das nur den Sinn haben, daß Henochs eigenhändiges Manu- 
skript vor den Fluten gerettet worden sei und den Jüngern 
ausgehändigt werden solle; davon finde sich in dem Werke 
keine Spur. Wenn es nur heißen solle, der Inhalt der Bücher 
Jeü sei schon dem Henoch bekannt gewesen, wozu dann die 
Bettung während der Flut? — Selbst wenn ich die Autorschaft 
des Henoch heute akzeptierte, würde dies meine These noch 
keineswegs erschüttern. Denn zwischen der Einleitung und 
den Ausführungen über die Kosmogonie ist ja eine große 
Lücke. Konnte nicht im Verlaufe der Unterredung Jesus 
seine Jünger auf die Tatsache hinweisen, er habe bereits 
in der Urzeit der Menschheit die gnostische Weisheit dem 
Henoch in die Feder diktiert und dafür Sorge getragen, daß 
dieses Diktat in zwei Büchern vor der Vernichtung durch 
die Sintflut gerettet wäre! 1 Denn auf jeden Fall war diese 
Legende eine Fiktion eines gnostischen Autors, der sein eigenes 
Geistesprodukt mit dem Nimbus der Uroffenbarung umkleiden 
wollte. In Wirklichkeit mußte ja Jesus wieder als Offenbarer 
an die Jünger auftreten, da die Bücher Jeü auch seit der 
Sintflut der Menschenwelt verborgen geblieben waren, so daß 
selbst die Patriarchen und Propheten des A. T.s keine Ahnung 
von diesem Mysterienbuche hatten. So wollte dieser Gnostiker 
sein Elaborat unter den Schutz der Uroffenbarung stellen. 
Die Person des Henoch spielt dabei nur eine Nebenrolle, wie 
z. B. der Apostel Philippus in der P. S. Denn wenn es nicht 
ausdrücklich gesagt wäre, würde niemand auf den Gedanken 
kommen, eine Niederschrift der Taten und Beden Jesu aus 
seiner Hand zu besitzen. — Vor allem aber gibt Liechtenhan 
keine Antwort auf die Frage, wie ein Werk, das Henochs 
eigenhändiges Manuskript sein soll, nicht seinen Namen, 
sondern den des Jeü trägt. Dann muß doch die Person des 
Jeü in dem Werke eine hervorragende Bolle gespielt haben. 
Denn „Bücher des Jeü" kann nichts anderes bedeuten als 
1 Ich kann aber auch heute noch nicht glauben, daß diese Legende 
irgendwo in dem betreffenden Werke gestanden hat. Denn es soll ja auch 
dort gestanden haben, daß der Archon Kalapatauroth, der über das Sieben- 
gestirn, auf dessen Haupt der Fuß des Jeü steht, als Wächter fungiert 
habe. Hier erscheint Jeü bereits wie in Buch 1 — IV in der niederen 
Sphäre als der Ordner der Archoutenwelt (s. u. S. LXXX). 



LXXVIII 



Pistis Sophia. 



Bücher, die von Jeü handeln (s. o. S. XLII xevxn rov ScoxfjQog). 
Und nun vertiefe man sich in das erste Buch ! Von S. 260, 21 
bis S. 295, 8 wird in ermüdender Breite die Gestalt des Jeu 
und seiner 60 Schätze beschrieben. Die Jünger selbst haben 
die Örtlichkeiten in Begleitung Jesu schauen können nnd 
bitten jetzt um die Mitteilung des großen Namens, 1 vor 
dem die Örter aller Schätze sich zurückziehen und den 
Anrufenden bis zu dem Orte des wahren Gottes gelangen 
lassen (S. 295, 9 ff.). Das Ganze schließt mit einem großen 
Hymnus auf den Vater, den Unnahbaren selbst. Es folgt die 
Unterschrift: „Das Buch vom großen xaxä [ivoxriQiov l6yo$ u . Ich 
hatte nun in meinen Untersuchungen über den Titel (TU VIII 
S. 26 f.) den Nachweis zu führen gesucht, daß der vollständige 
Titel also lauten müßte: „Das Buch vom großen xaxä pvaxrjQiov 
Aöyog des Jeü". Denn in dem Schlußhymnus hören wir von 
Örtern dieser großen xaxä /xvoxrjQiov Uyoi, in denen man dem 
Unnahbaren genaht ist, und in denen er sich selber emaniert 
hat. Diese löyot sind die Emanationen, welche „Jeü" genannt 
werden. Neben diesen Jeü's steht der große xarä /ivoxtfgiov 
Myoq des Jen, des Vaters aller Jeü's, der wieder mit dem 
Unnahbaren identifiziert wird. In diesem großen xaxä pvoxrj- 
qiov Uyoc, des Jeü, des Größten aller Väter, ist man dem Unnah- 
baren nahe gekommen, während der Unnahbare selbst sich 
in sein Abbild und seine Idee zurückgezogen hat. So kann 
unter dem großen xaxä fivoxtjoiov loyos nur der Name des Jeü, 
des (irößten aller Väter, d. h. der 60 Jeü- Vaterschaften, ver- 
standen werden. Wollen wir „Jeü" im Titel nicht ergänzen, 
so müssen wir ihn nach dem Inhalt des Werkes mit innerer 
Notwendigkeit hinzudenken. Und wenn nun der Verfasser 
der P. S. schlechtweg von den Büchern des Jeü spricht und 
nicht den ganzen Titel nennt, so liegt die Ursache nicht darin, 
daß unser Buch nicht gemeint ist, sondern darin, daß niemand 
den Titel in der längeren Form überhaupt verstanden hätte, 
wenn er nicht die Schlußsätze des Hymnus vor sich gehabt; 
denn ich fürchte, daß auch Liechtenh. mit dem Titel „Buch 
von dem großen xaxä nvaxrjQiov Xöyos des Jeü" nichts hätte 
anfangen können, wenn er ihn in dieser Form in der P. S. vor- 
gesetzt erhalten hätte; andererseits konnte in der abgekürzten 
1 Das ist derselbe „große Name" wie in Jeü II und Buch IV. 



Einleitung: 5. Verfasser, Ort und Zeit. 



LXXIX 



Form wenigstens so viel verstanden werden, daß die Person 
des Jeü in diesem Werke speziell behandelt war. Wer würde 
z B- heute den vollen Titel didaxfi tcvqIov diä rä>v dwbexa 
fctooxölon' angeben und nicht einfach von der Didache sprechen! 
Ebenso wußte jedes eingeweihte Mitglied, was unter den 
Büchern des Jeü" zu verstehen sei; eines weiteren Kom- 
mentars bedurfte es nicht. Und war denn die Literatur dieser 
Gnostiker so umfangreich, daß ihre Mystagogie in so vielen 
verschiedenen Schriften umlief? 

Und nun zum letzten Einwurf, daß, wenn der Name des 
Jeü im Titel des ersten Buches angenommen werden muß, 
dies noch nicht für das zweite Buch zu gelten hat, auf das 
es in der Hauptsache ankommt. Hier ist ja der Titel ver- 
loren; auch glaube ich nicht, daß dieses Buch in seinem Titel 
den Namen des Jeü getragen hat, da seine Figur hier gar 
keine weitere Bedeutung hat, als daß er der „große Mensch", 
der „König des ganzen Lichtschatzes", der „Vater des Licht- 
schatzes" in Übereinstimmung mit der Stellung in der Kosmo- 
logie des ersten Buches genannt wird. Aber da diese beiden 
Bücher iu der Überlieferung miteinander verbunden waren 
und wahrscheinlich auch aus der Feder eines und desselben 
Verfassers stammten, bezeichnete man beide im abgekürzten 
Verfahren mit dem Titel „der Bücher des Jeü". Solche ge- 
meinsame Zitierung trotz verschiedener Titel ist doch keines- 
wegs so ungewöhnlicher Natur, als daß man deshalb selbst 
eine nicht ganz sicher fundierte Hypothese über Bord werfen 
würde! 1 Von irgendwelchem Zweifel kann aber m. E. an- 
gesichts der gewonnenen Resultate nicht mehr die Rede sein. 
In der Zeit des Verfassers von Buch II— III der P. S., ja 
^ des Verfassers von Buch IV hätte wohl kaum jemand ein 
Buch nach Jeü betitelt. Denn in diesen Werken nimmt Jeü 
uicht mehr den höchsten Rang nach dem Unnahbaren ein, 
sondern er befindet sich im Topos der Rechten außerhalb des 
Lichtschatzes, und zwar als der oberste Herrscher dieser 
Region neben fünf anderen großen Fürsten. In Buch IV 

1 Ich möchte z. B. auf die Tatsache hinweisen, daß der 2. Clemens- 
brief durch die handschriftliche Verbindung mit dem 1. Clemensbriefe resp. 
durch den gemeinsamen Gebrauch im Vorlesegottesdienst seinen echten Titel 
verloren hat und Ton jetzt ab als 2. Clemensbrief tradiert wurde. 



LXXX 



Piatis Sophia. 



bat er folgende Funktionen: 1. Fürsorge aller Archonten, 
Götter und Kräfte, die aus der Materie des Lichtes des 
Schatzes entstanden sind (S. 266, 38). 2. Er gehört mit 
Zorokothora Melchisedek zu den beiden großen Lichtern, die 
von Zeit zu Zeit in die Archontenwelt hinabgehen und das 
dort gewonnene, gereinigte Licht einsammeln und in den 
Lichtschatz führen (S. 267, 5 ff.). 3. Jeü hat schon früher die 
aufsässige Archontenwelt unter Sabaoth Adamas in die Sphära 
der Heimarmene gebunden und hat im Zusammenhange damit 
die Planetenwelt geordnet (S. 263, 8 ff.). In gleicher Weise 
hat er auch die Archontenwelt des Weges der Mitte ge- 
schaffen (S. 266, 13 ff.). 4. Jeü wird von Jesus der Vater 
seines Vaters genannt (S. 263, 12. 23; 266, 13. 38). 

Noch mehr erfahren wir über Jeü in den Büchern I— III. 
Hier führt er folgende Ehrentitel: 1. Gesandter des 1. Gebotes 
(S. 235, 14; 243, 16), 2. der erste Mensch 1 (S. 208, 36; 235, 
13; 243, 14. 16. 17), 3. Aufseher des Lichtes (S. 18, 9; 24, 
24. 28; 143, 3. 14; 235, 13), 4. Engel des Lichtes (S. 67, 8. 
11; 69, 20). 5. Nach den Ausführungen auf S. 143, 3 ff. ist 
Jeü aus dem reinen Lichte des ersten Baumes hervorgegangen, 
und hat der letzte Helfer auf Befehl des ersten Mysteriums 
ihn mit den fünf andern Herrschern 3 an den Ort derer von 
der Rechten gebracht behufs Verwaltung der Einsammlung 
des Lichtes aus den Aeonen der Archonten. Wegen dieser 
wichtigen Funktion wird er mit den andern beim Aufstieg 
des Alls Mitkönig sein in dem ersten Erlöser der ersten 
Stimme des Lichtschatzes (vgl. S. 142, 28 f.). 

6. Aus Jeü ist Sabaoth, der Große und Gute, hervor- 
gegangen; letzteren nennt Jesus seinen „Vater" (S. 143, 12 f.; 
212, 36 f.), 3 daraus leitet sich in Buch IV der Name des Jeü 
als „Vater meines Vaters" ab. 

7. Jeü hat auf Befehl des 1. Gebotes uud des 1. My- 

1 Das erinnert noch an seine frühere höhere Stellung, da er in Jeü II 
S. 318, 35 der „große Mensch" genannt wird. 

2 Ihre Namen sind: Wächter des grolien Lichtes, die beiden großen 
rrporjyov/ieroi, Melchisedek Zorokothora nnd Sabaoth, der Große und Gute. 

3 Hier handelt es sich nicht um den präexistenten Vater, sondern 
um den Vater beim Herabstieg, indem Jesus aus Sabaoth eine Lichtiraft 
genommen und in seinen materiellen Kürper gestoßen hat (S. 10, 5: 20, 7; 
91, 20. 29. 35; 92, 19; 93, 1; 94, 24; 95, 10. 20). 



Einleitung: 5. Verfasser, Ort und Zeit. 



LXXXI 



Stenums die Stellung der Archonten der Sphära und Hei- 
marmene festgesetzt (S. 18, 9; 22, 6; 24, 24. 27). 

Einen größeren Gegensatz zwischen der Stellung des Jeu 
in den beiden Werken des Cod. Bruc. und derjenigen in den 
Büchern I— IV kann es wohl kaum geben. Da in der P. S. 
Buch IV und I — III eine frappante Übereinstimmung zeigen, 
müssen sie eine gemeinsame Vorlage benutzt haben. In einem 
Fragment eines gnostischen Gebetes, das sich in dem Sammel- 
bande des Cod. Bruc. befindet, besitzen wir ein Gebet an das 
1. Mysterium, wo Jen auf dessen Befehl die 13 Aeonen mit 
ihren Archonten, Dekanen, Liturgen einsetzt. 1 Offensichtlich 
stammt dieses Gebet aus späterer Zeit, da es an das 1. My- 
sterium gerichtet ist. Wir können daraus entnehmen, daß 
in einem größeren gnostischen Werke der späteren Zeit die 
Stellung des Jeü im Universum eine Veränderung erfahren 
hatte, indem er seine frühere beherrschende Position eingebüßt 
hatte. Diese Degradierung können wir auch bei andern 
Personen feststellen, so z. B. bei Jaldabaoth, dem großen 
Sabaoth, dem großen Jaö. 

Damit glaube ich in etwas den Urwald gelichtet und 
das Dunkel gelüftet zu haben, das über die koptisch-gnostische 
Literatur noch immer herrscht ; vor allem hoffe ich, das gegen- 
seitige Verhältnis der in Frage kommenden Werke genauer 
aufgehellt und zugleich die Datierungen auf eine sichere 
Grundlage gestellt zu haben. Als Besultat steht m. E. fest: 
1. Die beiden Bücher im Cod. Bruc. sind die vom Verfasser 
des Buch II— III zitierten beiden Bücher des Jeü. 2. In- 
folgedessen müssen diese Bücher ein höheres Alter repräsen- 
tieren, zumal sie das Mysterienbuch der Sekte enthalten. 
3. Buch IV der P. S. hat das Mysterienbuch als Quelle be- 
nutzt, zeigt zugleich gegenüber den Büchern I — III eine ältere 
Phase der Entwicklung, stimmt aber, abgesehen von den 
obersten Sphären, in der Kosmologie, besonders bei der Stellung 
des Jeü mit diesen überein. Deshalb muß Buch IV chronologisch 
zwischen die Bücher Jeü und Buch I— III gestellt werden. 2 

1 Hier hüren wir auch von Jabraoth und seinen Archonten, die an 
das Lichtreich geglaubt haben und deswegen in einen reinen Luftort ver- 
setzt sind (vgl. dazu S. 95, 17; 259, 39 und Buch IV S. 263, 15f. 23f. 

2 Ich halte es für höchst wahrscheinlich, daß Buch IV dem Verfasser 
■Von Buch I— III bekannt gewesen ist, 

8 oli m i d t: Piätis Sophia. F 



LXXXII Piatis Sophia. 

Wenn wir Buch I— III auf die zweite Hälfte des 3. Jahrb.» 
datieren, 2 wird wohl Buch IV bereits der ersten Hälfte des 
3. Jahrb. angehören, und dies gilt in noch höherem Grade 
von den Büchern Jeu, die ich ganz an den Anfang des 
3. Jahrb. heranrücken möchte. Die ausgebildete Topographie 
der oberen Welt läßt es m. E. nicht an, noch an das Ende 
des 2. Jahrh. hinabzugehen. 3 

Sehr bequem hat es sich Legge gemacht. Er geht von 
folgender ganz unbegründeten Voraussetzung aus: I have 
110 hesitation in deciding that in this, the scribes followed 
the usual practice in legal matters and that the earliest , docu- 
ment is that which comes first in the MS. (Introd. p. XXXII). 
Er weist dann noch besonders auf die Tatsache hin, daß in 
Buch I kein Zitat von dem Johannes-Ev. vorkomme, wahrend 
Ptolemaeus und Heracleon, die um 170-200 n. Chr. die 
Häupter der Valentinianischen Schule waren, das Ev. genau 
kannten. - In der Tat hat der Verfasser das synoptische 
Material in höherem Maße verwendet, denn er gehörte nicht 
der spiritualistisch gestimmten gnostischen Schule der Alexan- 
driner an. aber deswegen war ihm das Joh.-Ev. keine unbe- 
kannte Größe, wie eine Reihe Anspielungen zeigen, die Harnack 
zu diesem Buch I vermerkt hat.* Und selbst wenn das 
Evangelium nicht direkt benutzt wäre, so steht wenigstens 
die Person des Apostels in hohem Ansehen. Denn Jesus be- 
grüßt ihn mit den Worten in Buch I S. 49, 21: „Vortrefflich, 
Johannes, Du Jungfräulicher, der im Lichtreiche herrschen 
wird'" Diese Hochschätzung unterscheidet sich in nichts 
von derjenigen, die wir in den andern Büchern antreffen in- 
dem S 169, 2 f. (= Buch II) er ebenfalls der Jungfräuliche 
genannt wird und sein Thron zusammen mit dem der Maria 
Magdalena der nächste dem Throne Jesu m seinem Reiche 

1 De Faye, Gnostdques et Gnosticisme. Etüde crUique d e8 documents 
du Gnosticisme chretieu aux II 6 et III» siecles, Paria 1913, S. 254 tntt 
ebenfalls für diese späte Datierung ein. . 

2 Einzelne hier vorgetragene Anschanungen erinnern sehr an man.- 
chäische Vorstellungen. Sicherlich hat der Manichiusmus die Reste der 
Gnostiker in sich aufgenommen. . 

3 Ganz entgegengesetzt ist das Urteil von L.echtenh. der das erste 
Buch Jeu noch eine Stufe tiefer steUt als die P. S„ da es noch verworrener 
und noch mehr in heidnische Superetition verstrickt sei. 

4 Vgl. 1. c. S. 27. 



Einleitung: 5. Verfasser, Ort nnd Zeit LXXXIII 



sein wird, da diese beiden alle andern Jünger überragen. 1 
Die Figur des Johannes Ttag&evos weist auf eine spätere Zeit, 
da sie erst durch die tcq&$eiq 'Icodwov in die Tradition der 
Kirche eingeführt ist. Damit ist das von Legge ins Treffen 
geführte Argument für das hohe Alter von Buch I ohne 
■weiteres widerlegt. Und nicht besser steht es mit der Be- 
hauptung von der „successive degradation" der andern Bücher. 
Von Buch III heißt es Introd. p. XXXV: the third docnment 
resnmes the descent of the slope of degradation with in- 
creased speed und p. XXXVI: with the fourth document, we 
seem to have reached the bottom of the slope. Legge kennt 
noch ein fünftes Dokument und mit diesem a still lower level 
is reached (Introd. p. XXXVII). 2 Angesichts dieser unkritischen 
Haltung wird man sich nicht mehr über seine Datierungen 
p. XL VIII wundern: 

To sum up, then, 1 believe that all the Documents in 
our text belong to the School of Valentinns. As to date, 
the First and the greatest part of the Second are probably 
taken from documents written by Valentinus himself, and 
therefore before A. D. 160, while the last part of the Second, 

1 Vgl. auch „geliebter Bruder" S. 95, 37; 150, 5. 

2 Legge-Horner haben Buch IV noch in zwei Abhandlungen zerlegt, 
und zwar soll das Ende der einen und der Anfang der zweiten auf den 
8 Blättern in der Lücke S. 277 gestanden haben. Legge begründet seine 
These mit dem Hinweise, daß die Höhe der Strafen von Seiten der Ar- 
chonten der Mitte in beiden Teilen ganz verschieden angegeben sei, so 
z. B. die Strafe eines Flnchers S. 267, 37 sich auf 133 Jahre und 9 Monate 
belaufe, dagegen S. 277, 28 f. in jedem Stadium 6 Monate und 8 Tage; aber 
er hat dabei übersehen, daß an der zweiten Stelle jeder der Archonten des 
Weges der Mitte und jeder der 49 Dämonen die gleiche Strafe verhängt, 
so daß eine stattliche Anzahl Strafjahre herauskommt. Aber eine Tatsache, 
die Legge ganz übersehen hat, spricht für die Zusammengehörigkeit der 
beiden durch die Lücke getrennten Stücke. Petrus beschwert sich bekanntlich 
über das stetige Fragen der Frauen (S. 280, 9). Nun hat aber Maria nach der 
Lücke erst eine Frage gestellt (S. 278, 17), ebenso Salome (S. 279, 18). Selbst 
wenn Maria in der Lücke die beiden Fragen nach den Strafen eines Jäh- 
zornigen und eines Fluchers gestellt hätte, würde dies die Beschwerde des 
Petrus keineswegs rechtfertigen. Aber anders gestaltet sich die Sachlage, 
wenn in dem sogenannten ersten Stücke S. 266, 31 Maria mit der Prätension 
aufgetreten ist: „Nicht werde ich ablassen, Dich zu fragen. Zürne mir 
nicht, wenn ich nach allen Dingen frage." Deshalb war noch niemand von 

en Jüngern bis dato zu Worte gekommen. 

F* 



LXXX1V 



Pistis Sophia. 



and the whole of the Third, Fonrth, and Fifth, are by the 
degenerate successors of his school and are arranged in date 
order. These last may be of any date between A. D. 245 and 
388, when we last hear of the Valentinians as an organised 
sect, and some parts of them may not improbably be later still. 
Das fährt mich zu dem letzten Teil meiner Untersuchung, 
zu der Frage nach der Verfasserschaft der im Cod. Askewianus 
enthaltenen Schriften. 

Legge hat die alte These von dem valentiniamschen 
Ursprung, sei es des Valentin selbst, sei es seiner Anhänger, 
wieder aufs Tapet gebracht. Woide war als erster für 
Valentin eingetreten und seiner Meinung haben sich Gelehrte 
wie Jablonski, La Croze, Dulaurier, Schwartze, 
Renan, Revillout, Amelineau, Usener angeschlossen. 
Man verweist dabei häufig auf Tertullian, adv. Val. c. 2: 
Porro facies dei expectetur in simplicitate quaerendi ut docet 
Sophia, non quidem Valentini, sed Salomonis. Man erschließt 
aus dieser Stelle ein Werk des Valentin, betitelt Zoepia, aber 
diese Annahme ist höchst zweifelhaft (vgl. Zahn, G. K. II, 121, 
Anm. 2). Was sonst noch von verschiedenen Seiten für den 
Valentinianischen Ursprung ins Treffen geführt wird, ist ohne 
jede feste Substantiierung. Wenn unsere Pistis Sophia oder 
Teile davon wirklich dem Valentin oder dessen Schule zuzu- 
schreiben seien, müßte man sich schier wundern, wie die Ver- 
treter der Großkirche eine so große Gefahr von seiten dieser 
Kreise für den Bestand des Christentums zu befürchten 
glaubten, denn die verworrenen Phantasien in dem System 
lassen auf keinen von philosophischen und theosophischen 
Ideen erfüllten Geist schließen. Von den tiefgründigen 
Spekulationen der Valentinianer, die uns aus den Exzerpten 
der Kirchenväter entgegentreten, findet sich keine Spur. 

Von ganz andern Voraussetzungen aus hat Koestlin das 
System der P. S. einer besonderen Untersuchung gewürdigt 1 
und ist zu dem Resultat gekommen, daß der Verfasser in 
ophitischen Kreisen zu suchen sei. Seinen' Spuren sind gefolgt 
Baur,Lipsius, Jacobi, Harnack, 2 Mead, Liechten- 
han, Bousset, de Faye u. A. In meinen Untersuchungen 
1 Theol. Jahrb., herausg. von Baur trad Zeller, Bd. 13 (1854), S. 1—104 
und 137-196. 2 1. c, S. 103 ff. 



Einleitung: 5. Verfasser, Ort und Zeit. 



LXXXV 



über die gnostischen Schriften im Cod. Bruc. 1 habe ich diese 
Untersuchungen an der Hand der neuen Quellen weiter- 
geführt. Ich war dabei von zwei charakteristischen mytho- 
logischen Aeonenfiguren ausgegangen, nämlich von der Barbelo 
und dem Jaldabaoth. 

Die Barbelo (Barbelos) hat ihren Wohnsitz wahrscheinlich 
im 13. Aeon, da sie die große Kraft des unsichtbaren Gottes 
genannt wird (S. 273, 9) und aus ihr die 24 Unsichtbaren 
emaniert sind (S. 34, 32), darum die Pistis Sophia ihre 
Tochter genannt wird (S. 264, 14). Nach Jeü II befindet sie 
sich mit dem unsichtbaren Gott und dem Ungezeugten im 
12. Aeon und beherrscht die großen Archonten der Aeonen" 
(S. 225, 39; 226, 5). 

Eine gewisse Bagß^hh, Baeßt]Xm& erwähnen die Ketzer- 
bestreiter bei folgenden Sekten: 

1. bei den Ophiten. Epiph. h. 37, 3, 

2. bei den Nikolaiten. Epiph. h. 25, 2, 

3. bei den sog. rvcoouxoL Epiph. h. 26, 1. 10, 

4. bei den Siraonianern. Epiph. h. 21, 2, 

5. bei den Barbelo- Gnostikern. Iren. adv. haer. I, 29, 1. 4; 
30, 3. 

Zuweilen führt die Barbelo den Namen Sophia-Prunikos ; sie 
gilt allgemein als die Mutter des Weltschöpfers Jaldabaoth 
oder des Judengottes Sabaoth. 

Jaldabaoth ist nach Buch I-IV der Archon im Chaos 
mit Löwengesicht, in dessen Feuer-, Pech- und Schwefel- 
meeren die Sünder furchtbar bestraft werden (S. 33, 20; 
188, 10; 278, 30; 279, 32; 280, 25; 281, 19; 282, 11. 25). 
Nach Jeü II (S. 322, 32) befindet er sich im dritten Aeon 
der Archontenwelt. Die Ketzerbestreiter erwähnen ihn bei 
folgenden Sekten: 

1. bei den Ophiten. Epiph. h. 37, 3; Theod. h. fab. 1, 14; 
Pseudo-Tert. c. 47; Philastr. c. 1, 

2. bei den Nikolaiten. Epiph. h. 25, 2. 3; Philastr. c. 33, 

1 TU VIII (1892), S. 559 ff. 

2 Das kann nicht ursprünglich sein, denn nach Jeü II S. 226, 23 f. 
befinden sich im 13. Aeon der große Unsichtbare, der große jungfräuliche 
Geist und die 24 Emanationen des unsichtbaren Gottes. Es sieht wie eine 
Dublette zu dem 12. Aeon ans und ist die Barbelo mit dem jungfräulichen 
Geist zu identifizieren. 



LXXXVI 



Pistis Sophia. 



3. bei den sog. rvcoonxoi. Epiph. h. 26, 10 ff., 

4. bei den Severianern. Epiph. h. 45, 1, 

5. bei den Barbelo-Gnostikern. Iren. I, 30, lff., 

6. bei den Ophianoi (Opbiten). Celsus bei Orig. c. Cels.Vl, 31. 
Bei diesen Sekten gilt Jaldabaoth, wie gesagt, als Sohn 

der Barbelo resp. der Sophia-Prnnikos ; er hat seinen Wohn- 
sitz im 7. Himmel und ist zugleich der Weltschöpfer. Wie 
man sieht, ist er im Laufe der Zeit von dieser Höhe als 
Weltschöpfer zum Archon des Chaos herabdegradiert worden. 
Barbelo und Jaldabaoth müssen bereits bei Gründung der 
Sekte eine besondere Bolle im Gott-Welt-Prozeß gespielt 
haben, da sie schon Irenaeus und der Heide Celsus um 
180 n. Chr. erwähnen. Irenaeus hat für diese Gnostiker nur 
die allgemeine Bezeichnung multitudo Gnosticorum Barbelo. 
Das war eine mannigfaltig gespaltene Gruppe unter den 
gnostischen Sekten, die der älteste Ketzerbestreiter Justin in 
seinem avvxay^a in folgender Reihenfolge aufgeführt hatte: 
1 Nicolaiten, 2. Ophiten, 3. Kainiten, 4. Sethianer. Epiphanius 
hat sie in seiner Darstellung h. 25. 26. 37. 38. 39. 40. 45 um 
zahlreiche Namen vermehrt. Diese Sekten sind aber nicht auf 
dem Boden Ägyptens, sondern Syriens entstanden, haben viel- 
mehr sich von hier nach Ägypten verpflanzt und daselbst ein 
langes Leben bis über die Zeit des Epiphanius gefristet. Es 
waren in erster Linie Kultgenossenschaften, die abseits von 
den Schulen der Valentinianer und Basilidianer sich entwickelt 
hatten. Und eben weil sie von Syrien eingewandert waren, 
haben sie auch mannigfach aramäisch oder hebräisch klingende 
Namen für ihre Aeonenfiguren mitgebracht, von denen wir 
keine Spur in den Systemen der großen Schulhäupter finden. 
Auch war es natürlich, daß diese barbarischen Namen auf 
griechisch-ägyptischem Boden unverstanden blieben und bald 
alteriert wurden, 1 weshalb wir schwerlich ihre ursprüngliche 
Bedeutung ergründen können. Im Laufe der geschichtlichen 
Entwicklung haben diese Sekten sich eine ungemein umfang- 
1 Von diesem Standpunkte kann ich der Meinung von Burkitt 1. c. 
S. 279 nicht beipflichten: the nomenclature does not suggest any real 
acquaintance with Semitic languages or Semitic alphabets, but only a 
superstitious veneration for Hebrew names found in the Greek versions 
of the Old Testament, eked out by scraps of illdigested bits of Hebrew 
snpplied (not doubt) by Jews. 



Einleitung: 5. Verfasser, Ort und Zeit. LXXXVII 

reiche Offenbarungsliteratur zugelegt, die Hainack 1. c. S. 107 
zusammengestellt hat. Dabei stoßen wir auf ein Evangelium 
des Philippus (Epiph. h. 263) und auf die „großen" und 
„kleinen Fragen der Maria" (Epiph. h. 268). Nun erinnern 
wir uns, daß Philippus in der P. S. für Buch I— III als 
der beauftragte Schreiber der Reden und Taten Jesu gilt. 
Aber mit diesem Evangelium können wir unser Werk nicht 
in Verbindung bringen, da jenes libertinistischen Anschauungen 
Vorschub leistete. Nur das eine können wir daraus entnehmen, 
daß der Name des Apostels Philippus bei diesen Gnostikern 
für ihre Offenbarungsliteratur benutzt worden ist, und daß 
unser Verfasser höchstwahrscheinlich den Mythus der Sophia 
in einem dem Philippus zugeschriebenen Werke gelesen hat. 

Ganz einzigartig ist die Stellung der Maria, d. h. der 
Maria Magdalena in allen 4 Büchern der P. S. Sie ist es, 
die als erste Bednerin auftritt und, nachdem sie eine Stunde 
lang in die Luft gestarrt, 1 den Herrn bittet, offen reden zu 
dürfen. Der Herr begrüßt sie mit folgenden Worten : „Maria, 
Du Selige, welche icli in allen Mysterien derer von der Höhe 
vollenden werde, rede offen, Du, deren Verstand mehr als alle 
Deine Brüder auf das Himmelreich gerichtet ist" (S. 18, 30f.), 
und gleich darauf heißt es : „Vortrefflich Maria ! Du bist selig 
vor allen Weibern, die auf Erden, weil Du Fülle aller Füllen 
und Vollendung aller Vollendungen sein wirst" (S. 20, 15 f.). 2 
Unablässig drängt sie sich vor, so daß endlich dem Petrus 
die Geduld reißt, und er in die Worte ausbricht: „Mein 
Herr, wir werden dieses Weib nicht ertragen können, da sie 
uns die Gelegenheit nimmt und sie niemand von uns hat 
reden lassen, sondern vielmals redet" (S. 42, 10 f.). Maria 
Magdalena ist es auch, welche nach der Beendigung der 
P. S.-Episode den Beigen der Fragen an Jesus S. 135, 17 ff. 
eröffnet und dabei die übrigen Jünger (39 von 46 Fragen) ganz 
in den Hintergrund drängt. Hier zittert noch der Angriff des 
Petrus nach, denn Maria möchte, weil ihr Verstand allezeit 
verständig, stets vortreten, aber sie fürchtet sich, wie sie 
sich ausdrückt, vor Petrus, weil er ihr drohe und das weib- 
liche Geschlecht hasse (S. 119, 14 f.). Auch in Buch IV ist 

1 Das ist die Vorbereitung auf die Vision. 

2 Vgl. auch die Zusammenstellung TU VIII, S. 452 f. 



Lxxxvni 



Pistis Sophia. 



dieselbe Situation, denn S. 266, 31 f. verkündet Maria: „Nicht 
werde ich ablassen, Dich zu fragen. Zürne mir nicht, wenn 
ich nach allen Dingen frage." Wiederum tritt ihr Petrus 
entgegen: „Mein Herr, mögen die Frauen zu fragen auf- 
hören, damit auch wir fragen", und Jesus muß ihren Rede- 
strom dämpfen: „Gestattet euren männlichen Brüdern, daß auch 
sie fragen." Eine derartige feindselige Haltung des Petrus zu 
Maria Magdalena in beiden verschiedenen Stücken kann m. E. 
nur auf eine gemeinsame Quelle zurückgehen, sollte der Ver- 
fasser von Buch I— III nicht direkt von Buch IV abhängig sein. 

Zu unserer Überraschung finden wir in dem noch un- 
publizierten koptisch-gnostischen Papyrus Berolinensis der 
ägyptischen Papyrusabteilung an erster Stelle eine Abhand- 
lung, die als Unterschrift den Titel trägt: svayyehov xaru 
Maglafi. Dieses Evangelium hat äußerlich ebenfalls die Form 
von Unterredungen des Soter 1 mit den Jüngern. Der Herr 
befiehlt, das Evangelium vom Reiche zu predigen und geht 
von ihnen. Darüber sind die Jünger betrübt, denn wie 
könnten sie das Evangelium vom Reiche des Menschensohnes 
predigen, wenn man des Herrn selbst nicht geschont hätte. 
Da tröstet Maria die Trauernden mit dem Hinweis, daß des 
Herrn Gnade mit ihnen sein würde und sie beschirmen, viel- 
mehr sollten sie seine Herrlichkeit preisen. Infolgedessen 
wendet sie den Verstand der Jünger zum Guten hin und sie 
beginnen betreffs der Worte des Erlösers zu diskutieren. Da 
spricht Petrus folgendes zu Maria: „Schwester, wir wissen, 
daß der Herr dich liebte mehr als die übrigen Frauen. Sage 
uns die Worte des Erlösers, deren du dich erinnerst, diese, 
die du kennst, nicht wir, noch haben wir sie gehört." Maria 
erklärt sich bereit, das Verborgene ihnen zu verkündigen, 
und trägt den Inhalt eines Traumgesichtes vor, dessen sie 
vom Erlöser teilhaft geworden war. Nach Beendigung dieses 
Vortrages spricht Andreas zu den Brüderu: „Saget, was sagt 
ihr inbetreff dessen, was sie gesagt hat? Ich nämlich glaube 
nicht, daß der Erlöser dieses gesagt hat, vielleicht sind diese 
Lehren andere Gedanken." Da nimmt Petrus das Wort: 
„Hat er (sc. der Erlöser) geredet mit einem lästernden Weibe 
zu uns? Offenbar nicht. Sollen wir selbst umkehren und 

1 Leider ist der Anfang; verloren, aber es scheint die Situation die 
zn sein, daß der Himmlische den Jüngern sich offenbart. 



Einleitung: 5. Verfasser, Ort und Zeit. LXXXIX 

auf sie hören? Hat er dich vor uns auserwählt?" Maria 
spricht weinend zu Petrus: „Denkst du, daß ich von selbst 
es ausersonnen habe in meinem Verstände oder daß ich den 
Erlöser belüge?" Jetzt springt Levi für sie ein und weist 
Petrus mit den Worten in die Schranken: „Petrus, von jeher 
bist du ein Heftiger. Jetzt sehe ich dich wetteifernd gegen 
das Weib wie die Widersacher. Wenn der Erlöser aber sie 
würdig gemacht hat, wer bist selbst, um sie ganz und gar 
zu verwerfen? Weil der Erlöser sie genau kennt, deswegen 
hat er sie geliebt mehr als uns alle. Vielmehr mögen wir 
uns schämen und anziehen den vollkommenen Menschen und 
uns zubereiten, wie er uns befohlen hat, und predigen das 
Evangelium, indem wir nicht anfertigen andere Gebote noch 
andere Gesetze neben dem, was der Erlöser gesagt hat." 

Diese Episode ist von grundlegender Bedeutung für die 
geschichtliche Entwicklung der Sekte. Denn das „Evangelium 
der Maria" gehört unzweifelhaft zu den ältesten Dokumenten 
des Gnostizismus und ist höchstwahrscheinlich ebenso wie das 
gleich zu nennende 3 ' AnöxQvcpov 'Icadvvov noch vor Irenäus 
entstanden. Hier haben wir m. E. die Keimzelle vor uns, 
aus der die spätere Hochschätzung der Maria Magdalena sich 
entwickelt oder forttradiert hat. Maria gilt als das besondere 
Offenbarungsorgan des Erlösers, und man begreift von hier 
ihre überschwengliche Lobpreisung aus dem Munde Jesu in 
der P. S. Man begreift ferner, wie ein gnostischer Autor 
sein Werk mit „großen" resp. „kleinen Fragen der Maria" 
betiteln konnte, denn er stand unter dem Zwange einer alten 
Tradition und glaubte sein Elaborat nicht besser seinen 
gnostischen Brüdern empfehlen zu können, als daß er es 
unter dem Namen der Maria verbreitete. Selbst dem Celsus 
ist diese Hochschätzung der Maria in der gnostischen Literatur 
nicht verborgen geblieben, wenn er Orig. c. Cels. V, 62 be- 
richtet, daß ä/lovg and Magidnn^ ihre Herkunft ableiten. 
Auf der andern Seite wird uns klar, wie von Anfang an 
eine heftige Opposition gegen die Weiblichkeit als besondere 
Trägerin des gnostischen nvev/xa eingesetzt hat, als deren Wort- 
führer Petrus hingestellt wird. Von hier aus hat sich diese Oppo- 
sition bis in die Zeit der P. S. noch literarisch fortgepflanzt. 

Und noch ein anderes Offenbarungsorgan neben der Maria 
Magdalena hatten wir in der P. S. kennen gelernt, das war 

Schmidt: Pistia Sophia. 6 



Pistis Sophia. 

der Apostel Johannes. 1 Nun finden wir in demselben Cod. 
Berolinensis ein Werk unter dem Titel 'Anöxgvpov 'Icodvvov, 
das ausschließlich Offenbarungen des himmlischen Jesus an 
Johannes enthält. Dieses Werk ist mit jenein Werke identisch, 
das Irenaus in Adv. haer. I, 29 in seinem ersten Teile ex- 
zerpiert hat. 2 Er weist diese Schrift der multitudo Gnosti- 
comm Barbelo zu und gibt in c. 30 einen weiteren Auszug 
aus einer Originalschrift, die einer verwandten gnostischen 
Sekte angehört. In diesem Apokryphon des Johannes wird 
die Kosmologie und Anthropologie ausführlich behandelt, und 
lernen wir auch die Barbelo und ihren Sohn Jaldabaoth 
kennen. Das Apokryphon ist der Gruppe der sog. rvcoonxol 
zuzurechnen, speziell dem Kreise der Sethianer, 3 da Seth über 
das zweite Licht gesetzt ist und der Same des Seth, d. h. 
die Seelen der Heiligen, die ihre Vollendung erkannt haben, 
sich im dritten Aeon befindet. Zu dieser Sekte der Sethianer 
hatte ich bereits das sog. „unbekannte altgnostische Werk" 
gestellt. 4 Mit den Sethianern war Epiphanius nach h. 39, 1 
in Ägypten persönlich zusammengetroffen. Diese Sethianer 
sind aber nicht zu verwechseln mit jenen lasciven Gnostikem 
in h. 26, mit denen Epiphanius ebenfalls in Ägypten in per- 
sönliche Berührung gekommen war. Wir haben ja oben ge- 
sehen, mit welcher Entrüstung die Gnostiker der P. S. diese 
Lascivität ihrer verirrten Brüder verdammt haben und von 
ihnen weit abgerückt sind," da sie von einem hohen sittlichen 
1 In Bach III ist er nehen Maria Magd, fast ausschließlich der Wort- 

führ6 2 Sitzungsb. d. Königl. Preuß. Akad. d. Wissensch. 1896, S. 839 ff. 
und Irenaus und seine Quelle in Adv. haer. I, 29 (Philotesia, PaulKleinert 
zum LXX. Geburtstage dargebracht, S. 317 ff.). 

3 Theodoret h. f. 1, 14 führt das Exzerpt aus Irenaus mit den Worten 

ein ■ Ol 8h Ei}9tai'ot ove 'Ofiuvoiis % 'Ofiias ripes 6vopdt,ovo,v. 

' 4 Kopt-gnost. Schriften I, 8. 335 ff.; vgl. TU VIII, 645 ff. 
5 Ans diesem Grunde kann unsere P. S. nicht mit jenen Meyd).ac 
'Eountom ü/«?i«e in Verbindung gebracht werden, die nach den Mitteilungen 
des Epiphanius libertinistischen Ideen huldigten. - Nun hat man aber die 
P. S. mit den ebenfalls von Epiph. h. 26, 8 genannten „kleinen Fragen der 
Maria« in Verbindung gebracht. Schon Renan, Marc Aurel p. 120, Anm. 6 
hat auf diese hingewiesen, und unabhängig von ihm hat Harnack, Tü VII, l 
S. 107 f. diese These vertreten (vgl. auch Geschichte der altchristl. Lit. 1, 172 
und Chronologie II, 191). Wahrend Liechtenhan 1. c. 240 f. verschiedene Ein- 
wände erhob, ist de Paye 1. c. S. 266, Anm. 2 lebhaft für Harnack eingetreten. 
Auch ich neigte mich früher dieser Ansicht zu (Tü VIII, 597), glaubte me 



Einleitung: 5. Verfasser, Ort und Zeit. 



XCI 



Ideal getragen wurden, das mit der christlichen Ethik un- 
bedingt auf eine Linie gestellt werden kann. Denn wenn sie 
ihren Adepten bei der Taufe die Verpflichtung auferlegten, 
.nicht falsch zu schwören noch überhaupt zu schwören, nicht 
zu huren, nicht zu ehebrechen, nicht zu stehlen, nicht irgend 
etwas zu begehren, nicht Silber noch Gold zu lieben, nicht 
den Namen der Archonten noch den Namen ihrer Engel um 
irgendeine Sache anzurufen, nicht zu rauben, nicht zu fluchen, 
nicht fälschlich zu verleumden noch zu beschuldigen, sondern 
ihr Ja sei Ja und ihr Nein Nein, mit einem Wort, sie sollen 
die guten Gebote vollführen" (Jeü II, S. 305, 26 ff.), so legt 
dies ein beredtes Zeugnis für ihre christliche Haltung ab. 

So schließt sich ein einziger Ring um die gesamte koptisch- 
gnostische Literatur, soweit sie uns in den drei Codices, dem 
Cod. Askewianus, Brucianus und Berolinensis, überliefert ist. 
Sämtliche Schriften von der ältesten bis zur jüngsten Epoche 
stehen miteinander in engster Verbindung; sie entstammen 
alle der weitverbreiteten Gruppe der rvcoorixol. 1 Auf einen 
Spezialnamen wie Sethianer braucht man sich nicht zu ver- 
steifen, da die Grenzen zwischen den einzelnen Gliedern sehr 
fließende waren, und, wie man aus den Mitteilungen des Epi- 
phanius ersieht, in diesen Sekten ein wechselseitiger Aus- 
tausch nicht nur der Ideen, sondern auch der einzelnen 
Schriften stattgefunden hat. Die Valentin-Hypothese freilich 
— und das, hoffe ich, wird als das sichere Resultat meiner 
Untersuchungen über die koptisch-gnostische Literatur all- 
gemein anerkannt werden — ist damit endgültig erledigt. 

aber nicht weiter vertreten zu dürfen, da 1. dieBe Identifikation nur für 
Bach I— III gelten könnte und 2. auch dieses wieder nur für Buch II, S. 135, 
16 ff. und Buch III, da die P. S.-Episode m. E. keinen Bestandteil der „kleinen 
Fragen der Maria" gebildet haben kann und 3. die in dem Codex vorkommen- 
den Titel nicht ganz beiseite geschoben werden dürfen. Deswegen brauchen 
die „kleinen Fragen" keinen obscöneu Inhalt gehabt zu haben, da Epiphanius 
dies nicht ausdrücklich von ihnen bezeugt. Die Analogie liegt m. E. in 
der übereinstimmenden Hochschtttzung der Maria Magdalena und in der 
von den gnostischen Autoren der P. S. beliebten Literaturform der „Fragen". 
Es wäre aber nicht ausgeschlossen, daß von dem Autor von Buch I— III 
Material aus jenem Buche entnommen wäre. 

1 Diese Gnostiker haben ihre heilige Literatur bis in die letzte Zeit 
ihrer Existenz tradiert und sie einer Übersetzung auB dem Griechischen 
ms Koptische gewürdigt, als die gnostische Bewegung auch in der ein- 
heimischen Bevölkerung Ägyptens festen Fuß gefallt hatte. 

G* 



Nachträge und Berichtigungen. 



S. 1, 2 müßte grammatisch richtig sich an den vorhergehenden Satz an- 
schließen: „und (nachdem) er 11 Jahre verbracht hatte". Ich habe 
den Nachsatz schon hier beginnen lassen. 

S. 12, 8 Bt. „und du bist ein und derselbe, du bist das erste Mysterium" 
L „und der eine und derselbe ist er, das erste Mysterium". 

S. 13, 1 1. „welcher" st. „welches". 

S. 17, 24 st. „ohne Grnnd" besser „vergeblich". 

S. 18, 32 st. „Herz" 1. „Verstand", ebenso S. 20, 12; 254, 10. 

S. 24, 37 st. „er pflegt daselbst fortzutragen" 1. „er pflegt wegzunehmen 
(zu vernichten)". 

S. 31, 7 1. „ist selbst von den 24 Eman." st. „ist selbst eine von den 
24 Eman.". 

S. 33, 4 zu „imstande bin" setze am Eande die Zahl 46. 
S. 48, Anm. 8 1. „Psal. 101, 1-14" st. „Psal. 101, 1-21". 
S. 61, Anm. 1 1. „Psal. 24, 16-22". 
8. 107, 5 streiche „Pistis". 

S. 125, 35. 36 1. „es saß . . . indem es", auf das 1. Mysterium bezogen. 
S. 160, 35 1. „weshalb es in sich aufstellte" st. „weshalb es in sich nach- 
ahmte (?)". 

S. 169, 18 1. „diese werde ich euch sagen" st. „die ich euch . . . sagen 
werde". 

S. 183, 15 1. „nicht rastet" st. „nicht stellet euch wieder her (?)", ebenso 
8. 186, 17. 

S. 197, 20 1. „um von euren Mysterien zu wissen". 

8. 219 Anm. 16 streiche. 

S. 234, 32 1. „Zarmaröch" st. „Xarmaröch". 

S. 254, 3 am Rande fälschlich 444 st. 344. 

S. 256, 2 1. „die Schlüssel" st. „den Schlüssel". Der Korrektor hat den 

Artikel ans Versehen nicht verändert. 
S. 258, 2 1. „und" st. „nnd" — Z. 25 1. „vernichte" st. „verderbe". 
S. 264, 14 1. „aus der Pistis, der Sophia" st. „aus der Pistis Sophia" ; streiche 

daher Anm. 14. 
S. 265, 17 1. „damit sie uns nicht . . . richten". 
S. 268, 20 1. „Aethiopin" st. „Aethioperin", ebenso S. 269, 6. 
S. 272 Anm. 15 u. 25 st. 16 u. 27. 

S. 277, 25 1. „Lücke von 8 Seiten" st. „Lücke von 8 Blättern". 

S. 280, 11 1. „Gestattet euren männlichen Brüdern, daß auch sie fragen 

S. LH, Z. 4 v. u. 1. „auf andere" st. „an andere". 



Pistis Sophia. 



CAP. 1. Es geschah aber (<W), nachdem Jesus von den 
Toten auferstanden war, da hatte er verbracht 11 Jahre, in- 
dem er sich mit seinen Jüngern (fia»tftai) unterredete und 
sie nur bis zu den Örtern («fcn») des ersten Gebotes be- 5 
lehrte und bis zu den Örtern (rÖTtoi) des ersten Mysteriums 
(nvorfgiov), das innerhalb des Vorhanges (xccvaneraafia), der 
innerhalb des ersten Gebotes, welches ist das 24ste Myste- 
rium (nvazijgiov) von außen und unten, — diese (sc. 24 Myst.), 
welche sich im zweiten Baume (xti>QW a ) des ersten Myste-io 
riums {nvoTrßiov) befinden, das vor allen Mysterien (/nar^ca), 
des Vaters in Taubengestalt. Und Jesus sagte zu seinen 
Jüngern {(iadrfta(y. »Ich bin herausgegangen aus jenem ersten 
Mysterium (pvorfaiov), welches ist das letzte Mysterium 
Iftvorfaiov), d. h. das 24ste«, — und nicht haben die Jünger 15 
(tia&rjrai) gewußt und begriffen (voslv), daß etwas innerhalb 
jenes Mysteriums {nvarr^wv) existiere, sondern sie dachten 
von jenem Mysterium ^ivax^qiov), daß es das Haupt (xe<pakrj) 
des Alls sei und das Haupt alles Seienden, | und sie dachten, 2 
daß es die Vollendung aller Vollendungen sei, weil Jesus zu 20 
ihnen in betreff jenes Mysteriums (uvot^qiov) gesagt hatte, 
daß es das erste Gebot umgebe und die fünf Einschnitte 
(XdQayfiai) und das große Licht | und die fünf Helfer (naqa- 2 
Murai) und den ganzen Lichtschatz (-&r l acevQÖg). Und ferner 
hatte Jesus seinen Jüngern (fia&qzai) nicht die gesamte Aus- 25 
breitung aller Örter (zönoi) des großen Unsichtbaren (äö^atog) 
gesagt und der drei Dreimalgewaltigen (rQcöwdfteis) und der 

12 Vgl. Matth. 3, 16 u. Parall. 
Schmidt: Pistis Sophia. 1 




2 



Pistia Sophia. 



24 Unsichtbaren (dogaroi) und alle ihre Örter (töaoi) und ihre 
Aeonen (alaveg) und alle ihre Ordnungen (zdl-eig), wie sie aus- 
gebreitet sind, — diese, welche die Emanationen {TtqoßoXai) 
des großen Unsichtbaren [&6qaxog) sind, — und ihre Un- 
5 gezeugten (dyhvrjrot) und ihre Selbstgezeugten (airoyevelg) und 
ihre Gezeugten {yevvrjtol) und ihre Sterne ((paorfjQeg) und ihre 
Ungepaarten (xojQigav^vyoi) und ihre Archonten (ag^ovreg) und 
ihre Gewalten (efrvolai) und ihre Herren und ihre Erzengel 
(&QXäyyekoL) und ihre Engel (Syyeloi) und ihre Dekane (ösxavoi) 

10 und ihre Liturgen (UvtovqyoL) und alle Wohnungen (oh.oi) 
ihrer Sphären (otpalgai) und alle Ordnungen (rd^eig) eines 
jeden von ihnen. Und nicht hatte Jesus seinen Jüngern 
(fia&rjral) die gesamte Ausbreitung der Emanationen (tcqo- 
ßolai) des Schatzes (ihjoavQÖg) gesagt, noch (oidi) ihre Ord- 

15 nun gen (rdl-eig), wie sie ausgebreitet sind, und nicht (ovöi) 
hatte er ihnen gesagt ihre Erlöser (aarfjQEg) gemäß (k«t«) der 
Ordnung (idl-ig) eines jeden, wie sie sind, und nicht (ovöi) 

3 hatte er | ihnen gesagt, welcher Wächter ((pvlaf) an einem jeden 
<Tore> des Lichtschatzes ( r &r\aavQ6g) ist, und nicht (oMe) hatte 

20 er ihnen gesagt den Ort (xönog) des Zwillingserlösers (-owvtfo), 
3 welcher | ist das Kind des Kindes, und nicht hatte er ihnen 
den Ort (xönog) der drei Amen (&(irp>) gesagt, in welche Örter 
(rÖTtot) sie ausgebreitet sind, und nicht hatte er ihnen gesagt, 
in welche Örter (xönoi) die fünf Bäume ausgebreitet sind, nnd 

25 nicht (oiöe) betreffs der sieben anderen Amen (&nfy>), d. h. der 
sieben Stimmen (cpwval), welches ihr Ort (xÖTtog) ist, wie (r.axd-) 
sie ausgebreitet sind. Und nicht hatte Jesus seinen Jüngern 
(jiad-rjxal) gesagt, von welchem Typns (tvitog) die fünf Helfer 
(■ttaqaoxdxcu) sind, oder (fj) in welche Orter (röitoi) sie gebracht 

30 sind; und nicht (ovöi) hatte er ihnen gesagt, in welcher Weise 
das große Licht sich ausgebreitet hat, oder (f t ) in welche 
Örter (xönoi) es gebracht ist, und nicht {ovöi) hatte er ihnen 
die fünf Einschnitte (%aqay^taL) gesagt und nicht {ovöi) in 
betreff des ersten Gebotes, in welche Örter (xörcoi) sie gebracht 

35 sind, sondern (dlld) er hatte nur im allgemeinen (äjcX&e) mit 
ihnen geredet, indem er sie lehrte, daß sie existieren, aber 
(äXXd) ihre Ausbreitung und die Ordnung (zdi-ig) ihrer Örter 
(rönot), wie (xaxd-) sie existieren, hatte er ihnen nicht gesagt. 
Deswegen haben sie auch nicht gewußt, daß andere Örter 



Cup. 1. 2. 



3 



(tötcoi) innerhalb jenes Mysteriums (fivar^Qtov) existieren. Und 
nicht hatte er seinen Jüngern {nadrpal) gesagt: »Ich bin ans 
den und den Örtern (töjcoi) herausgegangen, bis ich in jenes 
Mysterium (fivaii]Qiov) hineinging und bis ich aus ihm hervor- 
ging (ftQoeX&EZv)t, sondern (&XXd) | er hatte ihnen gesagt, indem 4 
er sie lehrte: »Ich bin aus jenem Mysterium {fivaxfjQiov) her- 
ausgegangen«. Deswegen nun dachten sie von jenem My- 
sterium (fiuorriQiov), daß es die Vollendung | aller Vollendungen* 
sei, und daß es das Haupt (xegpaAiJ) des Alls und daß es die 
gesamte Fülle (7tl^Qco/xa) sei, da (ejtsiö^) Jesus seinen Jüngern 10 
(fiafhjrai) gesagt hatte: »Jenes Mysterium (jivmrjQiov) umgibt 
das All. Das habe ich euch alles gesagt von dem Tage an, wo 
ich euch begegnet (&7tawäv) bin, bis (etag) zum heutigen Tage« — 
deswegen nun dachten die Jünger (ßadyraC), daß nichts inner- 
halb jenes Mysteriums (fivaz^Qiov) existiere. 15 

CAP. 2. Es geschah nun, als die Jünger (fiadijiai) bei- 
einander auf dem Ölberge saßen, indem sie diese Worte 
sprachen und hoch (wörtL: in großer Freude) erfreut waren 
und sehr jubelten und zueinander sprachen : »Wir sind glück- 
selig (iiaxäQioi) vor {rcaqd) allen Menschen, die auf Erden, 20 
weil der Erlöser (oanrjg) uns dieses offenbart hat, und wir 
die Fülle OrAjfew/ta) und die gesamte Vollendung empfangen 
haben«, — dieses sprachen sie zueinander, während Jesus ein 
wenig entfernt von ihnen saß. 

Es geschah aber {54) am löten des Mondes im Monat 25 
Tybi, welches ist der Tag, an welchem der Mond voll wird, 
an jenem Tage nun, als die Sonne auf ihrer Bahn (ßdaig) 
herausgekommen war, kam hinter ihr eine große Lichtkraft 
(■dvvancs) heraus, gar sehr leuchtend, ohne daß war ein Maß 
für das ihr anhaftende Licht Denn (ydg) sie ist gekommen 30 
aus dem Lichte der | Lichter, und sie ist gekommen aus dem 5 
letzten Mysterium {y.votrßiov), welches ist das 24ste | Mysterium 5 
divovfßiov) von innen bis außen, — diese, welche sich in den 
Ordnungen (vdl-eis) des zweiten Raumes (xcb^ia) des ersten 
Mysteriums (nvoTrjgiov) befinden. Sie aber (de), jene Licht- 35 
kraft kam herab auf Jesus und umgab ihn ganz, während er 
entfernt von seinen Jüngern (padr/ial) saß, und er hatte ge- 
leuchtet gar sehr, ohne daß ein Maß war für das Licht, 
welches an ihm war. Und nicht hatten die Jünger (ita&rjrai) 

i* 



4 



Pistis Sophia. 



Jesus gesehen infolge des großen Lichtes, in welchem er sich 
befand, oder (fj) welches an ihm war, denn (yäo) ihre Angen 
waren verdunkelt infolge des großen Lichtes, in dem er sich 
befand, sondern (&Xkd) sie sahen nur das Licht, das viele 

5 Lichtstrahlen (-äxtlveg) aussandte. Und nicht waren die Licht- 
strahlen (-axtlveg) einander gleich, und das Licht war von 
verschiedener Art, und es war von verschiedener Form (rmcog) 
von unten bis oben, indem der eine (sc. Strahl) unendlich viele 
Male vorzüglicher war als der andere in einem großen uner- 

lOmeßlichen Lichtglanze; es reichte von unten der Erde bis 
hinauf zum Himmel. — Und als die Jünger (pa97jtai) jenes 
Licht saheu, gerieten sie in große Furcht und große Aufregung. 

6 | CAP. 3. Es geschah nun, als jene Lichtkraft auf Jesus 
herabgekommen war, umgab sie ihn allmählich ganz ; da (röte) | 

6 fuhr Jesus auf oder (Jj) flog in die Höhe, indem er gar sehr 
leuchtend geworden war in einem unermeßlichen Lichte. Und 
die Jünger (fiaSrfcai) blickten ihm nach, ohne daß jemand von 
ihnen sprach, bis daß er zum Himmel gelangt war, sondern 
(&khk) sie alle verhielten sich in großem Schweigen (ewyij). 

20 Dieses nun ist geschehen am löten des Mondes, an dem Tage, 
an welchem er im Monat Tybi voll wird. 

Es geschah nun, als Jesus nach oben gelangt war, nach 
(Verlauf von) drei Stunden, da gerieten alle Kräfte der Himmel 
in Aufregung und alle bewegten sich widereinander, sie und 

25 alle ihre Aeonen (atüveg) und alle ihre Örter (yönoi) und alle 
ihre Ordnungen (vdl-eig), und die ganze Erde bewegte sich (bebte) 
und alle, die auf ihr wohnen. Und es gerieten alle Menschen, 
die in der Welt (xöofiog), in Aufregung und auch die Jünger 
(tiafajtai), und sie alle dachten: Vielleicht wird die Welt 

30 (xöopog) zusammengerollt werden. Und nicht hatten alle in 
den Himmeln befindlichen Kräfte von ihrer Aufregung abge- 
lassen, sie und die ganze Welt (xöopog), und sie bewegten 
sich alle gegeneinander von der dritten Stunde des 15 ten des 
Mondes (im Monat) Tybi bis zur neunten Stunde des folgenden 

36 Tages. Und alle Engel (äyyeloi) und ihre Erzengel (uQ%<xy- 
yeXoi) und alle Kräfte der Höhe priesen (v/xvevetv) sämtlich 

7 den Innern der | Inneren, so daß (wart) die ganze Welt (xöopog) 
ihre Stimme hörte, ohne daß sie abgelassen haben bis zur 
neunten Stunde des folgenden Tages. 



Cap. 2-5. . 5 

CAP. i. Die Jünger (ua^zai) saßen aber (df) beieinander, 
seiend m Furcht, und sie waren gar sehr aufgeregt geworden \;7 
sie fürchteten sich aber (de) wegen des großen Erdbebens^ 
welches stattfand, und weinten miteinander, indem sie sprachen- 
,Was wird denn (%*) geschehen ? Vielleicht wird der Erlöser 5 
(oiorfe) alle Örter (xöitoi) zerstören«. 

Während sie nun dieses sagten und gegeneinander 
weinten, da taten sich die Himmel um die neunte Stande 
des folgenden Tages auf, und sie sahen Jesus herabkommen, 
gar sehr leuchtend, ohne daß ein Maß war für sein Licht, in 10 
welchem er sich befand. Denn (yä Q ) er leuchtete mehr als 
zu der Stunde, da er zu den Himmeln hinaufgegangen war, 
so daß (&<ne) die Bewohner der Welt (xöofios) das Licht,' 
welches an ihm war, nicht beschreiben konnten, und es sandte 
Lichtstrahlen (-äxziveg) sehr viele aus, ohne daß ein Maß war 15 
für seine Strahlen (äxTives). Und sein Licht war nicht unter- 
einander gleich, sondern (&XX6) es war von verschiedener Art 
und von verschiedener Form (%vno S ), indem einige (sc. Strahlen) 
unendlich viele Male vorzüglicher als andere waren; und das 
ganze Licht war beieinander, es war von dreierlei Art, und 20 
die eine (sc. Art) war unendlich viele Male vorzüglicher als 
die andere; die zweite, welche in der Mitte, war vorzüglicher 
als die erste, welche unterhalb, und die dritte, welche ober- 
halb von ihnen allen, war vorzüglicher als die beiden, welche 
unterhalb; und der erste Strahl, befindlich unterhalb von ihnen 25 
allen, war ähnlich dem Lichte, welches auf Jesus gekommen 
war, bevor er hinaufgegangen war | zu den Himmeln, und 8 
war gleich allein mit ihm in seinem Lichte. Und die drei 
Lichtweisen waren von verschiedener Lichtart und sie waren |« 
von verschiedener Form (rwrog), indem einige unendlich viele 30 
Male vorzüglicher als andere waren. 

CAP. 5. Es geschah aber (de), als die Jünger (fia&rpal) 
^eses gesehen hatten, fürchteten sie sich sehr und gerieten 
'n Aufregung. Jesus nun, der Barmherzige und Mildherzige, 
als er seine Jünger (^a^zal) sah, daß sie in großer Aufregung 35 
sich befanden (wörtl.: aufgeregt waren), sprach er mit ihnen 
Wdem er sagte: »Habt Mut; ich bin es, fürchtet euch nicht.« 

37 Vgl. Matth. 14, 27; Mark. 6, 50. 



6 



Pistis Sophia. 



CAP. 6. Es geschah nun, als die Jünger (ixadrpat) dieses 
Wort gehört hatten, sprachen sie: »0 Herr, wenn Du es bist, 
so ziehe Deinen Lichtglanz an Dich, auf daß wir (aufrecht) 
stehen können, denn unsere Augen sind verdunkelt und wir 
ß sind aufgeregt, und auch die ganze Welt (xöonog) ist aufge- 
regt infolge des großen Lichtes, welches an Dir ist.« 

Da (tote) zog Jesus den Glanz seines Lichtes an sich 
und als dieses geschehen war, faßten alle Jünger ((ladyta!) 
Mut, traten vor Jesus, fielen alle zugleich nieder, beteten ihn 
10 an, sich sehr (wörtl.: in großer Freude) freuend, und sprachen 
zu ihm: »Eabbi, wohin bist Du gegangen, oder (ij) was war 
Dein Dienst (öiaxovia), den Du gegangen bist, oder (rf) warum 
vielmehr waren alle diese Erregungen und alle diese Erd- 
beben, welche stattgefunden haben?« 
16 Da (töte) sprach zu ihnen Jesus, der Barmherzige: »Freuet 
euch und jubelt von dieser Stunde ab, denn ich bin zu den 
Örtern (tonoi), aus welchen ich gekommen war, gegangen. 
9 Von heute nun ab werde ich mit euch offen (naQQijola) | vom 
9 Anfang (äpxrj) I der Wahrheit (alrfieia) bis zu ihrer Vollendung 
20 reden, und ich werde mit euch von Angesicht zu Angesicht 
ohne Gleichnis (nagaßol-q) reden; nicht werde ich euch von 
dieser Stunde an etwas von dem der Höhe und dem des Ortes 
(rönog) der Wahrheit (aXföeia) verbergen. Denn (yäo) mir 
ist durch den Unaussprechlichen und dnrch das erste Mysterium 
2b(ßvazrjQiov) von allen Mysterien (fxvoT-qQia) die Macht (Novolet) 
gegeben, mit euch vom Anfang («4<?Z»?) b is zur Vollendung 
(rtUßuna) und von innen bis außen und von außen bis innen 
zu reden. Höret nun, auf daß ich euch alle Dinge sage: 
Es geschah, da ich ein wenig von euch entfernt auf dem 
30Ölberg saß, dachte ich an die Ordnung (iä§ig) des Dienstes 
(öiaxovia), weswegen ich geschickt war, daß sie vollendet war, 
und daß mir noch nicht gesandt hatte mein Kleid (evövfia) 
das letzte Mysterium (/tvm^Qtov), d. h. das 24ste Mysterium 
(tivtnfßiov) von innen bis außen, — diese (sc. 24 Myst.), welche 
36 sich im zweiten Räume (x<I>QW a ) des ersten Mysteriums 
(livmrjQiov) in der Ordnung (vdj-is) jenes Eaumes (xibQrjpa) be- 
ut. Vgl. Matth. 5, 12. — 18 ff. Vgl. Joh. 16, 25. — 25 Vgl. Matth. 28, 18. 
30 Im Ms. „an die Ordnungen". 



Cap. 6. 7. 



7 



fliiden. Es geschah nun, als ich erkannt hatte, daß die Ord- 
nung (tägig) des Dienstes (ötaxovia), weswegen ich gekommen 
war, vollendet war, und daß jenes Mysterium (/xvaT^giov) mir 
noch nicht mein Kleid (evövfia) gesandt hatte, welches ich in 
ihm zurückgelassen hatte, bis seine Zeit vollendet war, — 5 
dieses nun dachte ich, indem ich auf dem Ölberg ein wenig 
von euch entfernt saß. 

CAP. 7. Es geschah, als die Sonne im Osten aufging, 
darauf nun durch das erste Mysterium (nvati'iQiov), welches 
von Anfang existierte | , um dessentwillen das All entstanden 10 
ist, | aus dem ich selbst jetzt gekommen bin, nicht zu der Zeit 10 
vor meiner Kreuzigung (mavQovv), sondern (älM) jetzt, — es 
geschah durch den Befehl (xdhvoig) jenes Mysteriums (fivmrj- 
ijiov), da sandte es mir mein Lichtkleid (-evävfia), welches es 
mir von Anfang an gegeben hatte, und welches ich im letzten 15 
Mysterium (hvott'iqiov) zurückgelassen hatte, d. i. im 24sten 
Mysterium (nvozrjqiov) von innen bis außen, — diese (sc. 24 
Myst.), welche sich in den Ordnungen (idi-eig) des zweiten 
Raumes {j,diQr^ia) des ersten Mysteriums (fivatr^iov) befinden. 
Jenes Lichtkleid (-evövfia) nun habe ich im letzten Mysterium 20 
(pvotriQiov) zurückgelassen, bis daß die Zeit vollendet wäre, 
es anzuziehen, und daß ich anfinge (ä(»x£ff#at), mit dem 
Menschengeschlecht (-yeVog) zu reden und es ihnen allen vom 
Anfang (ägxrj) der Wahrheit (älr^eia) bis (£wg) zu ihrer 
Vollendung zu offenbaren und mit ihnen zu reden von dem 25 
Innern der Inneren bis (ewg) zum Äußern der Äußeren und 
vom Äußern der Äußeren bis (Ewg) zum Innern der Inneren. 
Freuet euch nun und jubelt und freuet euch noch viel mehr, 
denn euch ist es gegeben, daß ich mit euch zuerst vom An- 
fang {&Q%ri) der Wahrheit {äkrjd-ua) bis («wg) zu ihrer Vollendung 30 
rede; deswegen habe ich euch ja von Anfang an durch | dasll 
erste Mysterium (/.ivazriQiov) ausgewählt. Freuet euch nun und 
jubelt, denn als ich mich aufgemacht hatte zur Welt (xoquog), 1 11 
führte ich von Anfang an zwölf Kräfte mit mir, wie (xcrca-) 
ich es euch von Anfang an gesagt habe, welche ich von den 35 
zwölf Erlösern (oonijQes) des Lichtschatzes (-thqoavQÖg) gemäß 
(x«Tct) dem Befehle (xilevais) des ersten Mysteriums (fttxroj- 



28 Vgl. Matth. 5, 12. — 



32 Vgl. Matth. 5, 12. 



g Pistis Sophia. 

9 u>v) genommen habe. Diese nun stieß ich in den Mutterleib 
eurer Mutter, während ich in die Welt (xo'a/tog) kam, d. n. 
diese, welche heute in eurem Körper (c^ta) sind. Denn (/«<?) 
es wurden euch diese Kräfte yor (**«<?<*) der ganzen Welt 
5(xo' ff , t o S ) gegeben, weü ihr die seid, welche die ganze Welt 
(xo> og ) retten werden, und damit ihr imstande seid die 
Drohung (fcmfcj) der Archonten (%om S ) der Welt (xdff^s 
und die Leiden der Welt (*d<r,<o S ) und ihre Gefahren (xtofcw.) 
und alle ihre Verfolgungen (d«»^/), welche die Archonten 
lo(äpyov« s ) der Höhe über euch bringen werden, zu ertragen 
Denn (yd Q ) ich habe euch oftmals gesagt, daß ich die m euch 
befindliehe Kraft aus den zwölf Erlösern («wftes), welche sich 
in dem Lichtsatz {-d-rfiavQÖg) befinden, gebracht habe. Des- 
wegen habe ich euch ja von Anfang an gesagt, daß ihr nicht 
15 von der Welt (xda/wg) seid, auch ich bin nicht von ihr Denn 
(ydo) alle Menschen, die auf der Welt (xdo-jiog), haben Seelen 
<xbv % aL) aus der Kraft der Archonten (Ä«oms) der Aeonen 
(atoves) empfangen, die Kraft aber (de), die in euch sich be- 
findet, ist von mir; eure Seele (#vm) aber (de) gehört der 
20 Höhe an. Ich habe zwölf Kräfte von den zwölf Erlösern 
l2(oumi<>e S ) des Lichtschatzes (-^aavQÖg) gebracht, | indem ich 
12 sie aus dem Teile meiner Kraft genommen habe, die | 

ich zuerst empfangen habe. Und als ich mich zur Welt 
(xöaftog) aufgemacht hatte, kam ich in die Mitte der Archonten 
25(%ov«s) der Sphaera (acpalga) und hatte die Gestalt des 
Gabriel, des Engels (äyyekoe) der Aeonen (al&veg); und nicht 
haben mich die Archonten (%»-«s) der Aeouen ( ai0,V£s) er " 
kannt, sondern (ÄUrf) sie dachten, daß ich der Engel (äyyeAog) 
Gabriel wäre. Es geschah nun, als ich in die Mitte der 
30 Archonten (ä&Lovtes) der Aeonen (aiaveg) gekommen war 
blickte ich herab auf die Welt (xöa/iog) der Menschheit aul 
Befehl (xÄewrts) des ersten Mysteriums (jam^qui»). Ich fand 
Elisabeth, die Mutter Johannes 1 des Täufers 0a*«o*i?s), bevor 
sie ihn empfangen hatte, und ich säte eine Kraft in sie, 
35 welche ich von dem kleinen JaÖ, dem Guten {&ya&og\ dem m 
der Mitte (ftioov), genommen hatte, damit er imstande sei, 



14f. Vgl. Joh. 15, 19 17 U. 16- - 27 1 Kor " 2, 8. - 33 Vgl. 
Lnk. 1. 



Cap. 7. 8. 



9 



vor mir her zu predigen, und er meinen Weg bereite und mit 
Wasser der Sündenvergebung taufe (ßajttl&tv). Jene Kraft 
nun ist es, die sich in dem Körper (o&fut) des Johannes be- 
findet. Und ferner an Stelle der Seele (tyvxtf) der Archonten 
(ÜQXovtes), welche er bestimmt ist zu empfangen, fand ich die 5 
Seele (ipv X ifi des Propheten (ttQognjtrig) Elias in den Aeonen 
{afoveg) der Sphaera (aqxxlQa), und ich nahm ihn hinein und 
nahm seine Seele (ipv X rj) und brachte sie zu der Lichtjungfrau 
(-TraQ&evog), und sie übergab sie ihren Paralemptores {itctQa- 
tf/mrogeg), sie brachten sie zu der Sphaera {acpalqa) derio 
Archonten C%wr«g) und stießen sie in den Mutterleib der 
Elisabeth. Die Kraft aber des kleinen Jaö, des von der 
Mitte {(äaov), und die Seele (ipvxfi des | Propheten (^o^g) 13 
Eüas, sie sind gebunden in dem Körper (a&pa) Johannes' des 
Täufers {ßamunfä. Deshalb nun habt ihr einstmals ge-15 
zweifelt, | als ich zu euch sagte: Johannes sagte: Ich bin 13 
nicht der Christus«, und ihr sagtet mir: >Es steht geschrieben 
in der Schrift (ygacp^): Wenn der Christus im Begriff ist zu 
kommen, so wird Elias vor ihm kommen und seinen Weg 
bereiten.« Ich aber (<W) sagte zu euch, als ihr mir dieses 20 
sagtet: -Es ist Elias zwar (ßiv) gekommen und hat alles be- 
reitet, wie (xatd-) geschrieben stehet, und sie haben ihm getan, 
wie ihnen beliebte.« Und als ich erkannte, daß ihr nicht 
begriffen (voelv) hattet, daß ich zu euch in betreff der Seele 
(ipvxrj) des Elias, die in Johannes dem Täufer (ßattzunrjs) ge- 25 
bunden ist, geredet hatte, antwortete ich euch in der Eede 
Offen (TtaQQTjala) von Angesicht zu Angesicht : >Wenn es euch 
gefällt, Johannes den Täufer (ßarcTumje) anzunehmen: er ist 
Elias, von dem ich gesagt habe, daß er kommen wird.«« 

CAP. 8. Es fuhr Jesus wiederum in der Eede fort und 30 
sprach: »Es geschah nun darnach, da blickte ich auf Befehl 
(xttevotg) des ersten Mysteriums (nvanj^iov) auf die Welt 
(xöofiog) der Menschheit hinab und fand Maria, welche >meine 
Mutter« gemäß (xatd) dem materiellen (vhj) Körper (awfid) 
genannt wird; ich sprach mit ihr in (tund) der Gestalt (*faog)3 6 

lt. Vgl. Matth. 11, 10; Mark. 1, 2; Lnk. 7, 27. - 2 Vgl. Matth 
* «. - 16f. Vgl. Joh. 1, 20. — 17 f. Vgl. Matth. 17, 10. — 21 f. Vel 
Matth. 17, 11. 12. - 27 f. Vgl. Matth. 11, 14. - 33 f. Vgl. Luk. 2. ' 

1 Im Ms. »vor uns her«. 



Piatis Sophia. 

des Gabriel, und als sie sich in die Höhe nach mir gewandt 
hatte, stieß ich in sie hinein die erste Kraft, welche ich von 
der Barbelo genommen hatte, d. h. den Körper (oß^a), welchen 
ich in der Höhe getragen (cpogeiv) habe. Und an Stelle der 
«Seele (i/wjci?) stieß ich in sie hinein die Kraft, | welche ich 
14 1 von dem großen Sabaoth, dem Guten (äyaihög), der sich in dem 
Orte (TÖnog) der Rechten befindet, genommen habe, und die 
zwölf Kräfte der zwölf Erlöser ((mmfees) des Lichtschatzes 
(-^aavQÖs), welche ich von den zwölf Dienern (öidxovoc), die 
10 in der Mitte {(lioov), genommen, stieß ich in die Sphaera 
(oycüQa) der Archonten (äQxovrsg). Und die Dekane (öexavot) 
der Archonten {aQ%ov%sg) und ihre Liturgen (hiTOvQyoi) dachten, 
daß es Seelen {tfm%at) der Archonten (iiQxovreg) wären; und 
es brachten sie die Liturgen (XeirovQyoC), banden sie in dem 
15 Körper (awjua) eurer Mutter; und als eure Zeit vollendet war, 
wurdet ihr geboren in der Welt {y.6opog), ohne daß Seelen 
(ipvxai) der Archonten (%<w£s) in euch sind. Und ihr habt 
empfangen euren Teil (pdQog) aus der Kraft, welche der letzte 
Helfer (TcaQaazÜTrjg) in die Mischung (-MQaaiiög) geblasen hat, 
20 diese (se. Kraft), welche mit allen Unsichtbaren (ifyvrot) und 
allen Archonten (aQxovreg) und allen Aeonen (aiaveg) vermischt 
ist, mit einem Worte {äjta^anXüg), die mit der Welt (xöofiog) 
des Verderbens, welches ist die Mischung (y.EQaafiög), ver- 
mischt ist. Diese (sc. Kraft), welche ich von Anfang an aus 
25 mir geführt, habe ich in das erste Gebot gestoßen, und das 
erste Gebot stieß einen Teü (fiegog) von ihr in das große 
Licht, und das große Licht stieß einen Teil (^Qog) von dem, 
was es empfangen hatte, in die fünf Helfer (imQaoiäraC), und 
der letzte Helfer {itaqaa%drr,g) nahm einen Teil (uegog) von 
30 dem, was er empfangen hatte, und stieß ihn in die Mischung 
l5{xeQao f i6g), und er (sc. der Teil) entstand in | allen, welche in 
15 der Mischung (yceQaa/iög) sich befinden, | wie ( W-) ich es euch 
soeben gesagt habe.« 

Dieses nun sagte Jesus zu seinen Jüngern (fia^aC) auf 
35 dem Ölberge. Es fuhr nun Jesus wiederum in der Rede mit 
seinen Jüngern (pa&rjrai) fort: »Freuet euch und jubelt und 
füget Freude zu eurer Freude, denn es sind die Zeiten vollendet, 
daß ich mein Kleid (eyövpa) anziehe, welches mir von Anfang 

36 Vgl. Matth. 5, 12. 



Cap. 8—10. 



11 



an bereitet war, welches ich im letzten Mysterium (livoiyQiov) 
bis zur Zeit seiner Vollendung zurückgelassen hatte. Die 
Zeit aber (ö£) seiner Vollendung ist die Zeit, wo durch das 
erste Mysterium (ßvoTtjQiov) befohlen (xslevsa&ai) werden wird 
daß ich mit euch vom Anfang der Wahrheit (älri&eia) 5 

bis zu ihrer Vollendung und vom Innern der Inneren <bis 
zum Äußern der Äußeren) rede, weil die Welt (xrfa/wg) durch 
euch gerettet werden wird. Freuet euch nun und jubelt, 
denn ihr seid selig (ncmdgioi) vor (ttagd) allen Menschen, die 
auf Erden, weil ihr es seid, die die ganze Welt (xdofiog) retten io 
werden. € 

CAP. 9. Es geschah nun, als Jesus diese Worte seinen 
Jüngern (na&rjial) zu sagen beendet hatte, fuhr er wiederum 
in der Eede fort und sprach zu ihnen: »Siehe nun, ich habe 
mein Kleid (evöufia) getragen ((po^eiv), und es ist mir alle 15 
Gewalt (egovoia) durch das erste Mysterium (pvarriQiov) ge- 
geben. Noch (eVt) eine kleine Weile, und ich werde | euch das M 
Mysterium {pvorrßiov) des Alls und die Fülle (TthjQCüfta) des 
Alls sagen; und ich werde euch nichts von dieser Stunde an 
verbergen, sondern {&Xld) in Vollendung werde ich euch 20 
vollenden in aller Fülle {nl^w^ia) und | in aller Vollendung 16 
und in allen Mysterien (fxvorfßia), welche die Vollendung aller 
Vollendungen sind und die Fülle {rtXv^^ia) aller Füllen 
(TtXitfihfictTa) und die Erkenntnis (yvwaig) aller Erkenntnisse 
(yvd)0£i<;), diese, welche sich in meinem Kleide (Mv^ia) be-25 
finden. Ich werde euch alle Mysterien (fivoTTjQia) von dem 
Äußern der Äußeren bis zum Innern der Inneren sagen, jedoch 
höret, auf daß iöh euch alle Dinge sage, die mir ge- 
schehen sind. 

CAP. 10. Es geschah nun, als die Sonne im Osten auf- 30 
gegangen war, da kam eine große Lichtkraft (-dvva/us) herab, 
in der mein Kleid (hSvfia) war, welches ich im 24sten Myste- 
rium (nvoTriQiov) zurückgelassen hatte, wie [xard-) ich es euch 
jetzt soeben gesagt habe. Und ich fand ein Mysterium 
(fivozijQiov) in meinem Kleide (evivfux), geschrieben in der 35 
Schriftart derer von der Höhe: Ca/.ia^a naw£ Corpora naio£ai, 
dessen Auf lösung ist diese: »0 Mysterium (fivtrcr^iov), welches 

8 Vgl. Matth. 5, 12. — 16 VgL Matth. 28, 18. 



12 



Pistis Sophia. 



draußen in der Welt (xdquog) ist, um dessentwillen das All 
entstanden ist, — dies ist der gesamte Ausgang und der ge- 
samte Aufgang, — welches alle Emanationen und alles darin 
Befindliche emaniert hat, und um dessentwillen alle Mysterien 
5 (iivaxriQia) und alle ihre Örter (törtoi) entstanden sind, komme 
herauf zu uns, denn wir sind deine Gliedergenossen (fielt]'), 
17 wir aber (de) alle mit dir selbst, | wir sind ein und dieselben, 
und du bist ein und derselbe, du bist das erste Mysterium 

17 (nvorrjQiov), | welches von Anfang an im Unaussprechlichen 
10 existierte, bevor es herausging (7tQoeX&elv), und der Name 

jenes sind wir alle. Jetzt nun wir alle zusammen erwarten 
dich bei der letzten Grenze (ÖQtov), d. h. bei dem letzten 
Mysterium (hvottiqiov) von innen, — es selbst ist ein Teil 
(ueqog) von uns. Jetzt nun haben wir dir dein Kleid (svövfia) 

15 geschickt, welches dir von Anfang an gehört hat, welches du 
in der letzten Grenze (ogog), welches ist das letzte Mysterium 
(livoxriQiov) von innen, zurückgelassen hattest, bis daß seine 
Zeit dem Befehle (xtkevoig) des ersten Mysteriums (/ivozrjQiov) 
gemäß (xatct) vollendet. Siehe seine Zeit ist vollendet; ziehe 

20 es an, komme zu uns, denn wir alle erwarten dich, damit wir 
dir das erste Mysterium (/ivat^giov) und seinen ganzen Glanz 
auf Befehl (xeXevaig) von ihm selbst anziehen, indem das erste 
Mysterium (/ivar^Qiov) es uns, bestehend aus zwei Kleidern 
(hövfiaxa), gegeben hat, damit wir es dir anziehen, abgesehen 

2b(%(»QLg) von diesem, welches wir dir gesandt haben, denn du. 
bist ihrer würdig, da ja (erteiöt]) du eher denn wir bist und 
vor uns existierst. Deshalb hat nun das erste Mysterium 
(fworfgiov) dir durch uns das Mysterium (fivari]Qiov) seines 
ganzen Glanzes gesandt, bestehend aus zwei Kleidern (höv- 

1S fiara). In dem ersten nämlich (,uev) | ist der ganze Glanz aller 
Namen aller Mysterien (^vaxi]Qia) and aller Emanationen 

18 (jtQoßolai) der Ordnungen (rät-eig) | der Räume (^wQ^iara) des 
Unaussprechlichen; und in dem zweiten Kleide (höv^a) ist 
der ganze Glanz des Namens aller Mysterien (^vat^Qia) und 

35 aller Emanationen (nqoßolal), welche sich in den Ordnungen 
(rdljeig) der beiden Bäume (x(OQ^,uata) des ersten Mysteriums 
(HvatrjQtov) befinden; und in diesem Kleide (evdv^ia), welches 
wir dir jetzt gesandt haben, ist der Glanz des Namens des 

26 Vgl. Kol. 1, 17. 



Cap. 10. 



13 



Mysteriums (iivar^wv) des Verkündigers (/irjvvTrjg), welches 
ist das erste Gebot, und des Mysteriums (ftvmr^tov) der fünf 
Einschnitte ( X a e ayna£) und des Mysteriums (nvmfaiov) des 
großen Gesandten (ngsaßet-i^g) des Unaussprechlichen, welcher 
ist das große Licht, und des Mysteriums (ftvarfgiov) der fünf 5 
Anführer (TtQorjyovfievoc), welches sind die fünf Helfer {rcaqa- 
atäiai). Und ferner befindet sich in jenem Kleide {evdvfia) 
der Glanz des Namens des Mysteriums (fivar^iov) aller Ord- 
nungen (Tdtjeig) der Emanationen (nQoßoXat) des Lichtschatzes 
{-dTpavqös) und ihrer Erlöser (aonfjgeg) und <des Mysteriums) io 
der Ordnungen (rdl-ug) der Ordnungen (ndl-eig), welches sind 
die sieben Amen (ärfv) und welches sind die sieben Stimmen 
(tpwval) und die fünf Bäume und die drei Amen (&ntfv) und 
der Zwillingserlöser (-oon^), d. h. das Kind des Kindes, und 
des Mysteriums (nvmrfqtov) der neun Wächter (tpvXaxeg) der 15 
drei Tore (jtrSXac) des Lichtschatzes (-d-yoavQÖg). Und es ist 
ferner in ihm der ganze Glanz des Namens <aller derer), die 
in der Eechten sich befinden, und aller derer, die | in der m 
Mitte (fidaov) sich befinden; und es ist ferner in ihm der ganze 
Glanz des Namens des großen Unsichtbaren {aÖQatog), | welches 19 
ist der große Urvater (TtQOTtdrcoQ), und das Mysterium (pvoiij- 
qiov) der drei Dreimalgewaltigen (TQiövvdfieig) und das Myste- 
rium (nvoTfßiov) ihres ganzen Ortes (VoVrog) und das Mysterium 
(/ivairjQiov) aller ihrer Unsichtbaren (äogaiot) und aller derer, 
welche im dreizehnten Aeon (auhv) sich befinden, und der 25 
Name der zwölf Aeonen (ala,veg) und aller ihrer Archonten 
(äQxovzeg) und aller ihrer Erzengel (dQxdyyeloi) und aller 
ihrer Engel (ayysloi) und aller derer, die in den zwölf Aeonen 
(aköveg) sich befinden, und das ganze Mysterium (nvorrjQiov) 
des Namens aller derer, welche in der Heimarmene (eiftaQfiivt]) 30 
und allen Himmeln sich befinden, und das ganze Mysterium 
(pvotfeiov) des Namens aller derer, welche in der Sphaera 
(ocpaiQa) sich befinden, und ihrer Firmamente (aTegecbfiara) 
und aller derer, welche in ihnen sind, und aller ihrer Örter 
(tönoi). Siehe nun, wir haben dir jenes Kleid (Svfofta) ge-35 
sandt, welches niemand von dem ersten Gebote abwärts er- 
kannt hat, da der Glanz seines Lichtes in ihm verborgen war, 
und die Sphären {oyaiQai) und alle Örter (xöitoi) von dem 
ersten Gebote abwärts (haben es nicht erkannt). Ziehe nun 



Pistis Sophia. 

eilends dieses Kleid (evövfia) an und komme zn uns, denn wir 
erwarten dich, um dir deine beiden Kleider {hdvnata), welche 
für dich von Anfang an bei dem ersten Mysterium [pomfßiov) 
existieren, auf Befehl (*&*>otg) des ersten Mysteriums (pwmj- 
20Qiov) anzuziehen, bis daß die | durch den Unaussprechlichen 
festgesetzte Zeit voUendet ist. Siehe, nun ist die Zeit vollendet. | 
20 Komme nun eilends zu uns, auf daß wir sie dir anziehen, 
bis daß du vollendest den gesamten Dienst (öiav.ovta) der 
Vollendung des ersten Mysteriums (nvar^gwv), der (sc. Dienst) 

10 durch den Unaussprechlichen festgesetzt ist. Komme nun 
eilends zu uns, auf daß wir sie dir gemäß (xarä) dem Befehl 
(ytäXevmg) des ersten Mysteriums (/imrofetov) anziehen. Denn 
{y&0) noch (ert) eine kleine Weile, eine sehr kleine {eX&xiorog), 
so wirst du zu uns kommen und die Welt (xdopog) verlassen. 

15 Komme nun eilends, auf daß du deinen ganzen Glanz, d. i. den 
Glanz des ersten Mysteriums (nvmrjQiov), empfängst* 

CAP. 11. Es geschah nun, als ich das Mysterium (nvoxr#iov) 
aller dieser Worte an dem Kleide (svöv/.ia) sah, welches mir 
gesandt war, zog ich es sofort an, und ich leuchtete gar sehr 

20 und flog in die Höhe und kam vor das Tor (jrvXrj) des Fir- 
mamentes (ozcQiwfia), gar sehr leuchtend, ohne daß ein Maß 
war für das Licht, welches an mir war. Und es gerieten in 
Aufregung gegeneinander die Tore (jtvXai) des Firmamentes 
(orsQiwfia) und öffneten sich alle zugleich. Und es gerieten 

25 alle Archonten (%oweg) und alle Gewalten (e%ovotai) und 
alle darin befindlichen Engel (ayyeXoi) allesamt in Aufregung 
wegen des großen Lichtes, welches an mir war; und sie 
schauten das leuchtende Lichtkleid {-evövfia), welches ich aii- 

21 hatte, und sie sahen | das Mysterium (ftvarr^iov), welches ihre 
21 Namen enthielt, | und sie fürchteten sich gar sehr. Und es 

lösten sich alle ihre Bande, mit denen sie gebunden waren, 
und ein jeder verließ seine Ordnung (rä^ig), und sie fielen 
alle vor mir nieder, beteten an und sprachen : >Wie hat, uns 
der Herr des Alls durchwandert, ohne daß wir es wußten?« 
35 Und sie priesen (vpveöeiv) alle zugleich den Innern der In- 
neren; mich aber (di) sahen sie nicht, sondern (&XXd) sie 
sahen nur das Licht. Und sie waren in großer Furcht und 

13ff. Vgl. Joh. 16, 16. 28. - 15 VgL Joh. 17, 5. - 36 f. Vgl. 
Act. 22, 9. 



Cap. 10—13. 



15 



waren sehr aufgeregt und priesen (vftveveiv) den Innern der 
Inneren. 

CAP. 12. Ich aber («Je) ließ jenen Ort hinter mir und 
ging hinauf zu der ersten Sphaera {arpalga), gar sehr leuchtend, 
49 mal mehr als wie ich im Firmament (ozsgiwfia) geleuchtet 5 
hatte. Es geschah nun, als ich zu dem Tore (mSly) der 
ersten Sphaera {acpalqa) gelangt war, da gerieten in Auf- 
regung ihre Tore (nvXai) und öffneten sich zugleich von selbst. 
Ich trat in die Häuser (ofaoc) der Sphaera (aq>aiQa), gar sehr 
leuchtend, ohne daß ein Maß war für das Licht, welches an io 
mir war, und es gerieten alle Archonten (ÜQiovTf.g) gegenein- 
ander in Aufregung und alle, welche sich in jener Sphaera 
(acpalQo) befinden, und sie sahen das große Licht, welches an 
mir war, und sie schauten mein Kleid (evdvfia) und sahen 
darauf das Mysterium (nvm^giov) ihres Namens. Und sie ge- 15 
rieten in noch größere Aufregung und waren in großer Furcht, 
indem sie sprachen: »Wie (nag) hat der Herr des Alls uns 
durchwandert, ohne daß wir es wußten ?< | Und es lösten sich 22 
alle ihre Bande und ihre Örter (rörcoi) und | ihre Ordnungen 22 
(■tdl-eig), und ein jeder verließ seine Ordnung (rd&g), und sie 20 
fielen alle zugleich nieder, beteten an vor mir oder vor % 
meinem Kleide (evdvfia) und priesen (ifivsveiv) alle zugleich 
den Innern der Inneren, indem sie sich in großer Furcht und 
großer Aufregung befanden. 

CAP. 13. Und ich ließ jenen Ort hinter mir und kam zu 26 
dem Tore (m%) der zweiten Sphaera (pcpalqa), welches ist 
die Heimarmene (slfiagfihi]). Es gerieten aber («Je) alle ihre 
Tore (jtvlai) in Aufregung und öffneten sich von selbst, und 
ich trat ein in die Häuser (ohoi) der Heimarmene (tl^aquevri), 
gar sehr leuchtend, ohne daß ein Maß war für das Licht, 30 
welches an mir war; denn {ydg) ich war leuchtend in der 
Heimarmene (eiftaQuevr;) 49 mal mehr als in der Sphaera 
(oycüQct). Und alle Archonten (ägxovTeg) und alle, die sich in 
der Heimarmene (etpaquevr]) befinden, gerieten in Aufregung 
und fielen aufeinander und waren in sehr großer Furcht, da 35 
sie das große Licht, welches an mir war, sahen, und sie 
schauten mein Lichtkleid (-evöv/.ia) und sie sahen das Myste- 
rium (ßvoTrjQiov) ihres Namens auf meinem Kleide (evdv/ia) 
und gerieten in noch größere Aufregung, und sie waren in 



te 



Piatis Sophia. 



großer Furcht, indem sie sagten: »Wie hat der Herr des 
Alls uns durchwandert, ohne daß wir es wußten ?< Und es 
lösten sich alle Bande ihrer Örter (röitoi) und ihrer Ordnungen 
(wfifets) und ihrer Häuser (olxoi); sie kamen alle zugleich, 
5 fielen nieder, beteten vor mir an und priesen (vnveveiv) alle 

23 zugleich | den Innern der Inneren, indem sie in großer Furcht 
23 1 und in großer Aufregung sich befanden. 

CAP. 14. ÜDd ich ließ jenen Ort hinter mir und kam 
hinauf zu den großen Aeonen (aiavsg) der Archonten (%ov«s) 
10 und kam vor ihre Vorhänge (■x.azaneväoficcTa) und ihre Tore 
(rttlai), gar sehr leuchtend, ohne daß ein Maß war für das 
Licht, welches an mir war. Es geschah nun, als ich zu den 
zwölf Aeonen (ai&ves) gelangt war, gerieten ihre Vorhänge 
^.axaic&xdouata) und ihre Tore (rcvlai) widereinander in 
15 Aufregung. Es zogen sich die Vorhänge (xataTtszäofuna) von 
selbst beiseite, und ihre Tore {itvlai) öffneten sich gegenein- 
ander, und ich trat in ihre Aeonen {aicuveg) hinein, gar sehr 
leuchtend, ohne daß ein Maß war für das Licht, welches an 
mir war, 49 mal mehr als das Licht, mit welchem ich ge- 
20 leuchtet habe in den Häusern (ohoi) der Heimarmene (eipaQ- 
fiiwi). Und alle Engel {Üyyäoi) der Aeonen (atoveg) und ihre 
Erzengel {&Qxäyyeloi) und iüre Archonten {ägxovTsg) und ihre 
Götter und ihre Herren und ihre Gewalten (et-ovoiai) und ihre 
Tyrannen (■tvoavvot) und ihre Kräfte und ihre Lichtfunken 
2h{a7ttvdr l Qtq) und ihre Sterne {(pwoxfjgeg) und ihre Ungepaarten 
{xaiQigov&yoi) und ihre Unsichtbaren (&6qotoi) und ihre Ur- 
väter {jrgoTt<hogeg) und ihre Dreimalgewaltigen {%Qiövva/ioi) 
sahen mich gar sehr leuchtend, ohne daß ein Maß war für 
das Licht, welches an mir war, und sie gerieten in Aufregung 
30 widereinander, und eine große Furcht befiel sie, da sie das große 
Licht sahen, welches an mir war. Und <in; ihrer großen Auf- 
24regung und ihrer großen Furcht gelangten sie bis zum | Orte 

24 {tokos) des großen | unsichtbaren (äögarog) Urvaters {itgo- 
ttttnoQ) und der drei großen Dreimalgewaltigen (rQiMvapot). 

35 Infolge aber {öl) der großen Furcht ihrer Aufregung lief der 
große Urvater {icooTtfowg) beständig in seinem Orte {lönog) 
hierhin und dorthin, er und die drei Dreimalgewaltigen 
övvanoi), und nicht konnten sie wegen der großen Furcht, in 
der sie sich befanden, alle ihre Örter (vönoi) verschließen. 



Cap. 13—15. 



17 



Und sie bewegten alle ihre Aeonen (aiüveg) zugleich und alle 
ihre Sphaeren (atpalQai) and alle ihre Ordnungen (xooprjoeig), 
indem sie sich fürchteten und sehr aufgeregt waren wegen 
des großen Lichtes, welches an mir war, nicht von der früheren 
Beschaffenheit, wie es an mir war, da ich auf der Erde der 5 
Menschheit mich befand, als das Lichtkleid (-hdvua) über 
mich gekommen war, — denn (ydQ) nicht wäre die Welt 
(xöopos) imstande, das Licht zu ertragen, wie es in seiner 
Wahrheit (älföeia) ist, sonst würde die Welt (xöoftog) und alles, 
was darauf ist, zugleich vernichtet werden, — sondern (&U<f) 10 
das Licht, welches an mir in den zwölf Aeonen (ai&veg) war, 
•war 8700 Myriaden mal größer als dasjenige, welches in der 
Welt (y.6of.wg) bei euch an mir gewesen war. 

CAP. 15. Es geschah nun, als alle, die sich in den zwölf 
Aeonen (alüveg) befinden, das große Licht, welches an miriö 
war, sahen, gerieten sie alle in Aufregung widereinander und 
liefen in den Aeonen (al&veg) hierhin und dorthin; und alle 
Aeonen (cä&veg) und alle Himmel und ihre gesamte Ordnung 
(xöoprjoiQ) bewegten sich widereinander | wegen der großen 25 
Furcht, die ihnen geworden war, da sie das Mysterium ((iwrtfy, 20 
qiov), welches statthatte, nicht kannten. | Und Adamas, der 25 
große Tyrann (zvQawog), und alle in allen Aeonen (alwveg) 
befindlichen Tyrannen (zvqcivvoi) begannen Krieg zu führen 
(nokefiüv) ohne Grund wider das Licht, und nicht wußten sie, 
gegen wen sie Krieg führten (jtokefieiv), weil sie nichts außer 25 
dem sehr überragenden Liehte sahen. 

Es geschah nun, als sie gegen das Licht Krieg führten 
(nokefteiv), wurden sie allesamt beieinander entkräftigt und 
stürzten in den Aeonen (alüveg) herunter und waren wie die 
Erdbewohner tot und ohne Lebenshauch. Und ich nahm allen 30 
ein Drittel von ihrer Kraft, damit sie nicht in ihren bösen 
Taten (Tt^d^eig) tätig (eve^yeiv) seien, und damit, wenn die 
Menschen, die in der Welt (xdofiog), sie in ihren Mysterien 
(nvoTrjQta) anrufen (ImxaUlodai) — diese, welche die Engel 
(fyyeXoi), die Übertretung begangen (nagaßatveiv) haben, hinab- 85 
gebracht haben, d. h. ihre Zaubereien (^layelai), — damit sie 
n un, wenn sie sie in ihren bösen Taten (itQä&ig) anrufen 



Ut. Vgl. Jud. 6. 

Schmidt: Pisti8 Sophia. 



2 



18 



Pistis Sophia. 



(ertiwxXeZod-ai) , sie nicht vollenden können. Und die Hei- 
marmene (ei/ictQuivr]) und die Sphaera (acpalQa), über welche sie 
herrschen, habe ich gewendet und bewirkt, daß sie sechs 
Monate nach links gewendet verbringen und ihre Einflüsse 
b(ot7tordea^aTa) vollenden, und daß sie sechs Monate nach 
rechts blicken und ihre Einflüsse (iTtotelsafiata) vollenden. 
Auf Befehl (xelevoig) aber (ö£) des ersten Gebotes und auf 

26 Befehl {xtUvotq) des ersten Mysteriums (uvotrjQiov) hatte sie | 
Jeu, der Aufseher (mLo-mtios) des Lichtes, eingesetzt, indem 

10 sie zu jeder Zeit nach links blicken und ihre Einflüsse 
26{&7toTEUaixata) | und ihre Taten («pagets) vollenden. 

CAP. 16. Es geschah nun, als ich zu ihrem Orte (tonog) 
gekommen war, widersetzten (ätaxtelv) sie sich und führten 
Krieg (jioXefielv) gegen das Licht, und ich nahm ein Drittel 

16 ihrer Kraft, damit sie nicht imstande wären, ihre bösen Taten 
(jtQdl-eis) zu vollenden. Und die Heimarmene (elftaQueyrj) und 
die Sphaera (ofalga), über welche sie herrschen, habe ich ge- 
wendet und sie eingesetzt, indem sie sechs Monate nach links 
blicken und ihre Einflüsse (AnoteXianata) vollenden, und ich 

20 habe sie eingesetzt, indem sie andere sechs Monate nach rechts 
gewendet sind und. ihre Einflüsse (UnoteUaixata) vollenden.« 

CAP. 17. Als er nun dieses zu seinen Jüngern (iiaörpaL) 
gesagt hatte, sprach er zu ihnen: »Wer Ohren hat zu hören, 
der höre.« 

25 Es geschah nun, als Maria diese Worte den Erlöser 
(fftuTijf») hatte sagen hören, starrte sie eine Stunde lang in die 
Luft (aife) und sprach: »Mein Herr, befiehl (xsXevtiv) mir, 
daß ich offen (rta$Qi}ota) rede.« 

Es antwortete Jesus, der Barmherzige, und sprach zu 

30 Maria: »Maria, Du Selige, (naxagia), welche ich in allen 
Mysterien (ftvat^Qia) derer von der Höhe vollenden werde, rede 
offen (TtaQQrjOla), Du, deren flerz mehr als alle Deine Brüder 
auf das Himmelreich gerichtet ist.« 

CAP. 18. Da (töte) sprach Maria zum Erlöser (aoit^g)- 

27 »Mein Herr, das Wort, welches Du zu uns gesagt hast: >Wer | 
Ohren hat zu hören, der höre< , sagst Du, damit wir das Wort, 

23 Vgl. Mark. 4, 9 u. Parall. — 35 Vgl. Mark. 4, 9 u. Parall. 



Cap. 15-18. 19 

welches Du gesagt hast, begreifen (voetv). Höre nun, mein 
Herr, | auf daß ich offen {nopain) rede. Das Wort, welches 27 
Du gesagt hast: >Ich habe ein Drittel aus der Kraft der 
Archonten ((%oj>ieg) aller Aeonen (alwveg) genommen, und ich 
habe ihre Heimarmene (eifta^vtj) und ihre Sphaera (a<patqa), 6 
über welche sie herrschen, gewendet, damit, wenn das Menschen- 
geschlecht (-yivog) in ihren Mysterien (/tvorfgia) sie anruft 
(imxcdeio&ai), diese (sc. Mysterien), welche die Engel (äyyeXoi), 
welche Übertretung begangen (rcagaßabeiv) haben, sie gelehrt 
haben zu ihrer Vollendung ihrer bösen und schandbaren 10 
(ävopoi) Taten in dem Mysterium (nvovrjQiov) ihrer Zauberei 
(fiayeia), — damit sie nun von dieser Stunde an nicht im- 
stande seien, ihre schandbaren (ävoftoi) Taten zu vollenden, 
weil Du ihre Kraft von ihnen genommen hast, und ihre 
Nativitätssteller (wörtl.: Stundensteller) und ihre Befrager 16 
und die, welche den Menschen, die auf der Welt (xöoftog), alle 
Dinge, die geschehen werden, ankündigen, damit sie von dieser 
Stunde an nicht begreifen (voelv), ihnen irgend etwas anzu- 
kündigen, was geschehen wird, weil Du ihre Sphaeren (o<pal- 
Qcti) gewendet und sie hast sechs Monate zubringen lassen,» 
indem sie nach links gewendet sind und ihre Einflüsse (ano- 
teXAifiena) vollenden, und andere sechs Monate, indem sie nach 
rechts blicken und ihre Einflüsse (anoxeliaixata) vollenden 
— wegen dieses Wortes nun, mein Herr, hat die in dem 
Propheten (^oy^g) Jesaias befindliche Kraft also gesprochen 25 
und in einem geistigen (xvevficnixög) Gleichnis (nagaßolri) 
einst verkündet, indem er in betreff der „Vision (Squoig) über 
Ägypten" redete: »Wo sind nun, o Ägypten, wo sind deine 
Befrager und deine Nativitätssteller und die, welche rufen | 
aus der Erde, und die, welche rufen aus ihrem Bauche. Mögen 28 
sje dir nun von | jetzt ab ankündigen die Dinge, welche der 28 
üerr Sabaoth tun wird.* Es hat nun, 'bevor Du gekommen 
<»st, die in dem Propheten (7tQo<prjri]g) Jesaias befindliche 
araft über Dich prophezeit (nQoyrjzeveiv), daß Du die Kraft 
er Archonten (&Qxovteg) der Aeonen (alwveg) nehmen und ihre 35 
Phaera (atpalqa) und ihre Heimarmene (eiftaQfiivrj) wenden 
Wlr st, damit sie von jetzt ab nichts wissen. Deswegen hat 
816 auch gesagt: »Nicht werdet ihr mehr wissen, was der 

28ff. Vgl. j e8 . 19, 3. 12. — 38 Vgl. Jes. 19, 12. 

2* 



2Q Pistia Sophia. 

Herr Sabaoth tun wird,« d. h. niemand von den Ärchonten 
(«Morns) wird wissen, was Du von jetzt ab tun wirst, sie 
sc Ärchonten) sind ^Ägypten« , weil sie sind die Materie 
(Sirj). Es hat nun die in Jesaias befindliche Kraft einst über 
5Dich prophezeit (*< W «nk«<), indem sie sagte: »Nicht werdet 
ihr von jetzt ab mehr wissen, was der Herr Sabaoth tun wird.« 
Wegen der Lichtkraft, welche Du von Sabaoth dem Guten 
(&y a »6g), der sich im Orte (rÖTtoe) der Rechten befindet, ge- 
nommen hast, und die sich heute in Deinem materie len 
lO(ÄUxds) Körper (aö.ua) befindet, deswegen nun hast Du, mein 
Herr Jesus, zu uns gesagt: >Wer Ohren hat zu hören, der 
höre<, - damit Du weißt, wessen Herz nach dem Himmel- 
reich stürmisch verlangt.« 

CAP 19. Es geschah nun, als Maria diese Worte zu 
lösagen beendet hatte, sprach er: .Vortrefflich («5ye) .Maria. 

Du bist selig GuaxajH«) vor (na Q d) allen Weibern die auf 
29 Erden, | weü Du Fülle («Alferde) aller Füllen (mkriQ^uaa) 

und Vollendung aller Vollendungen sein wirst.« 
29 | Als aber (<M) Maria den Erlöser (ownfe) diese Worte 
20 hatte sagen hören, jubelte sie sehr, und sie trat vor Jesus, 
fiel vor ihm nieder, betete seine Füße an und sprach zu ihm: 
»Mein Herr, höre auf mich, auf daß ich Dich in bezag aul 
dieses Wort befrage, bevor Du mit uns über die Orter («wo») 
gesprochen, zu welchen Du gegangen bist.« 
25 Es antwortete Jesus und sprach zu Maria: »Rede ofien 
(na^aia) und fürchte Dich nicht; alle Dinge, nach welchen 
Du fragst, werde ich Dir offenbaren.« 

CAP. 20. Sie sprach: »Mein Herr, werden alle Menschen, 
die das Mysterium (pvmfciov) der Zauberei (payela) aller Ar- 
30 chonten (%oms) Aeonen ( aiGn "s) kennen . Md die 

Zauberei (ßccyela) der Ärchonten (%om S ) der Heimarmene 
(eluaofisvr!) und derer von der Sphaera (a<pai e a), wie (xcwcf- 
die Engel (Syyeloi), die Übertretung begangen (xagaßabsiv) 
haben, es sie gelehrt haben, und wenn sie sie in ihren My- 
SBSterien (W<u«) anrufen (fcnxaA«*»«), d. h. in ihren bösen 
Zaubereien (^ayelac), um die guten Taten zu verhindern, 
werden sie sie von jetzt ab vollenden oder nicht?« 

3 Vgl. Jes. 19, 12. - 5f. Vgl. Jes. 19, 12. - 11 Vgl. Mark. 4, 9 



u. Paroli. 



Cap. 18—21. 



21 



Es antwortete Jesus und sprach zu Maria: »Sie werden 
sie nicht vollenden, wie sie sie von Anfang an vollendeten, 
weil ich ein Drittel von ihrer Kraft genommen habe, sondern 
(&XXd) sie werden eine Anleihe machen bei denen, welche die 
Mysterien (/.ivor/feia) der Zauberei (ftayela) des dreizehnten 5 
Aeons (aidiv) kennen, und wenn sie die Mysterien {iivott[qux) 
der Zauberei (ftayeict) derer, die sich im dreizehnten Aeon 
(alüv) befinden, anrufen (litMaXeia&äi), | werden sie sie gut 30 
(wxl&s) und sicher vollenden, weil ich keine Kraft aus | jenem 30 
Orte (roVrog) gemäß (xarrf) dem Befehl (x&evoig) des ersten 10 
Mysteriums (/ivozrßiov) genommen habe.« 

CAP. 21. Es geschah aber (öe), als Jesus diese Worte 
zu sagen beendet hatte, fuhr wiederum Maria fort und sprach : 
»Mein Herr, werden denn die Nativitätssteller und die Be- 
frager nicht den Menschen verkündigen von jetzt ab, was 15 
ihnen geschehen wird?« 

Es antwortete aber (<W) Jesus und sprach zu Maria: 
»Wenn die Nativitätssteller die Heimarmene (et//«^^) und 
die Sphaera (acpalQa) nach links gewendet finden gemäß (xatä) 
ihrer ersten Ausbreitung, so treffen ihre Worte ein {&itavTäv), 20 
und sie werden das, was geschehen muß. sagen. Wenn sie 
aber (ö£) die Heimarmene (eifiaQfievrj) oder (ij) die Sphaera 
(aqiaiQci) nach rechts gewendet begegnen (<ifor<wfij>), pflegen 
sie nichts Wahres zu sagen, weil ich ihre Einflüsse (Sutorei-ea- 
ftaia) und ihre Vierecke und ihre Dreiecke und ihre Achtfigur 25 
gewendet habe, da ja (sjtsiörj) ihre Einflüsse (&7to%EXsai.iaTa) 
von Anfang an beständig nach links gewendet waren und ihre 
Vierecke und ihre Dreiecke und ihre Achtfigur. Jetzt aber 
(&?) habe ich sie sechs Monate zubringen lassen nach links 
gewendet und sechs Monate nach rechts gewendet. Wer nun 30 
ihre Berechnung finden wird von der Zeit an, wo ich sie 
gewendet habe, indem ich sie eingesetzt habe, daß sie sechs 
Monate verbringen, anf ihre linken Teile {f-i^rj) blickend und 
sechs Monate auf ihre rechten Bahnen blickend, — wer nun 
in dieser Weise sie beobachten wird, | der wird genau ihre 31 
Einflüsse (äitoTeleonata) wissen und alle Dinge, die sie tun 
werden, verkündigen. Ebenso (ö/to/ws) auch die Befrager, 
wenn sie den Namen der Archonten (Sqxovzss) anrufen (Itm- 
xctleloitai) und sie | begegnen (&nav%äv) sie nach links blickend, 31 



22 Pistis Sophia. 

so werden sie alle Dinge, am derentwillen sie ihre Dekane 
(öexavot) befragen werden, ihnen genau sagen. Dagegen, wenn 
ihre Befrager ihre Namen anrufen (ertix«).eio9ai), indem sie 
nach rechts blicken, so werden sie nicht auf sie hören, weil sie 
5 blicken in anderer Gestalt im Vergleich zu (na^d) ihrer frü- 
heren Stellung, in welcher sie Jeu festgesetzt hat, da ja (&*«*}) 
ihre Namen verschieden sind, indem sie nach links gewendet sind, 
und verschieden ihre Namen, indem sie nach rechts gewendet 
sind. Und wenn sie sie anrufen (e7ttxaleto9ai), indem sie nach 
10 rechts gewendet sind, so werden sie ihnen nicht die Wahr- 
heit sagen, sondern (ÜXd) in Verwirrung werden sie sie ver- 
wirren und in Drohung (&7tedrj) sie bedrohen (ireeiXa»). Die- 
jenigen nun, die nicht ihre Bahn, indem sie nach rechts ge- 
wendet sind, kennen und ihre Dreiecke und ihre Vierecke 
15 und alle ihre Figuren, werden nichts Wahres finden, sondern 
(&Ud) werden in großer Verwirrung verwirrt sein und sich 
in großer Täuschung (rcMvrj) befinden und in großem Irrtum 
sich irren, weil ich die Werke, welche sie einst taten in 
ihren Vierecken, indem sie nach links gewendet waren, und 
20 in ihren Dreiecken und in ihrer Achtfigur, in denen sie nach 
links gewendet beständig handelten, jetzt gewendet habe 
und sie sechs Monate habe verbringen lassen, indem sie alle 
ihre Stellungen (px^iaTa) nach rechts gewendet machen, da- 
mit sie in Verwirrung in ihrem ganzen Umfange verwirrt 
32 werden. | Und ferner habe ich sie sechs Monate verbringen 
lassen, indem sie nach links gewendet sind und die Werke 
ihrer Einflüsse (ärtoteXeOfiata) und alle ihre Stellungen (o%t?- 
a^ar«) vollbringen, damit | die in den Aeonen (al&veg) und ihren 
Sphaeren (acpaiQai) und ihren Himmeln und allen ihren Ortern 
80(«fenu) befindlichen Archonten (fiexorog) in Verwirrung ver- 
wirrt und in Täuschung («Arfwj) getäuscht {itlavüo»m) werden, 
auf daß sie ihre eigenen Bahnen nicht begreifen {voeiv).< 

CAP. 22. Es geschah nun, als Jesus diese Worte zu 
sagen beendet hatte, während Philippus saß und alle Worte, 
35 welche Jesus sagte, schrieb, darnach geschah es nun, Philippus 
trat vor, fiel nieder und betete an die Füße Jesu, indem er 
sprach: »Mein Herr und Erlöser (oamfo), gib mir die Er- 
laubnis (igowrfa), vor Dir zu reden und Dich in bezug auf 
dieses Wort zu befragen, bevor Du mit uns über die Orter 



Cap. 21-24. 



23 



(toTtoi) gesprochen, zu denen Du wegen Deines Dienstes 
(öiaxovla) gegangen bist.« 

Es antwortete der barmherzige Erlöser (ownjg) und 
sprach zu Philippus: »Die Erlaubnis (el-ovoia) ist Dir ver- 
liehen, das Wort, welches Du willst, vorzutragen.« 5 

Es antwortete aber (64) Philippus und sprach zu Jesus: 
»Mein Herr, um welches Mysteriums (}iva%riQiov) willen hast 
Du die Fessel der Archonten {&q%ovtss) und ihrer Aeonen 
(aiüveg) und ihrer Heimarmene (elnaQ/tivtj) und ihrer Sphaera 
((HpaiQct) und aller ihrer Örter \t6noi) gewendet und sie inio 
Verwirrung auf ihrer Bahn verwirrt und in ihrem Laufe 
(ÖQo^og) getäuscht (jtXaväo&ai) sein lassen? Hast Du nun 
dieses ihnen um der Errettung der Welt (xöofiog) willen ange- 
tan oder nicht?« 

CAP. 23. Es antwortete aber (de) Jesus und sprach zu 15 
Philippus und allen Jüngern (ftadTjzaC) zusammen: »Ich habe 
[ ihre Bahn behufs Errettung aller Seelen (ipv%aL) gewendet. 33 
Wahrlich, wahrlich (äfirp, &nrpi), ich sage euch: Wenn ich 
nicht ihre Bahn gewendet hätte, so würde eine | Menge Seelen 33 
(}pv%aL) vernichtet worden sein, und sie würden lange Zeit 20 
(XQÖvog) zugebracht haben, wenn nicht die Archonten 
(ÜQxovTeg) der Aeonen (alßveg) und die Archonten (%«nss) 
der Heimarmene (el/.iaQfievi]) und der Sphaera (orpafya) und 
alle ihre Örter {xöitoi) und alle ihre Himmel und alle ihre 
Aeonen (ahuveg) vernichtet wären, und es würden die Seelen 26 
(ipvxal) lange Zeit außerhalb hier zugebracht haben, und es 
würde sich verzögert haben, voll zu werden die Zahl (agid-fiög) 
der vollkommenen (rdleioi) Seelen (ipvxal), welche zum Erbe 
(xlt]Qovofj.ia) der Höhe durch die Mysterien (fivorqQta) gerech- 
net werden und im Lichtschatze (-&rjoav^6g) sein werden. 30 
Deswegen nun habe ich ihre Bahn gewendet,' damit sie ver- 
wirrt werden und in Auflegung geraten und herausgeben 
die Kraft, welche sich in der Materie (vlrj) ihrer Welt (xöo/Aog) 
befindet und welche sie zu Seelen (tpvxai) machen, damit 
eilends gereinigt und hinaufgehoben werden die, welche ge-35 
rettet werden, sie und die ganze Kraft, und damit eilends 
die, welche nicht gerettet werden, vernichtet werden.« 

CAP. 24. Es geschah nun, als Jesus diese Worte seinen 
Jüngern (fut&rpa£) zu sagen beendet hatte, da trat Maria, 



24 



Pistis Sophia. 



die Schöne in ihrer Rede nnd die Selige (naxaqkt), vor, 
fiel Jesu zu Füßen und sprach: »Mein Herr, ertrage (äveys- 
$4to&ai) mich, daß ich vor Dir spreche, nnd | zürne mir nicht, 
daß ich Dir vielmals Beschwerde zufüge, indem ich Dich be- 
5 frage.« 

Es antwortete der Erlöser (awr-qg) mitleidsvoll und sprach 
zu Maria: »Sage das Wort, welches Du willst, und ich werde 
es Dir offen (ftafärjola) enthüllen.« 

Es antwortete aber (d£) Maria und sprach zu Jesus: 
10 »Mein Herr, in welcher Weise werden die Seelen {\pv%ai) 
außerhalb hier sich verzögert haben, oder (f?) in welcher 
Gestalt werden sie eilends gereinigt werden?« ' 

34 CAP. 25. | Es antwortete aber (Se) Jesus und sprach zu 
Maria: »Vortrefflich (evye), Maria! Du frägst gut (xaXüg) in 

15 der vortrefflichen Frage und gehst allen Dingen sicher nnd 
genau (-äxQißtfg) nach. Jetzt nun werde ich euch von jetzt 
ab nichts verbergen, sondern euch (&l).ä) alle Dinge sicher und 
offen (TtaSfaoia) offenbaren. Höre nun, Maria, und vernehmet, 
alle ihr Jünger {{.lad-rpai): Bevor ich allen Archonten 

20 (ÜQxovzeg) der Aeonen (alSivsg) und allen Archonten (&Qyovzsg) 
der Heimarmene (ei/iaQuevr]) und der Sphaera (ocpuiga) ge- 
predigt habe, waren sie alle in ihren Banden und ihren 
Sphaeren (ocpaigca) und in ihren Siegeln (oyqayldeg) gebunden, 
wie (xatä-) sie von Anfang an Jen, der Aufseher {emaxo7tog} 

25 des Lichtes, gebunden hatte, und ein jeder von ihnen 
verharrte in seiner Ordnung {räi-ig), und ein jeder wandelte 
gemäß (xard) seinem Laufe (ÖQo/.tog), wie (xaxd-) sie Jeu, der 
Aufseher (ircLaxoTtog) des Lichtes, eingesetzt hatte. Und wenn 
die Zeit der Zahl {&Qi$j.i6g) des Melchisedek, des großen 

30 Paralemptor (nagakrjutTioQ) des Lichtes, kam, so pflegt er 
mitten in die Aeonen (alüvsg) und alle Archonten (aQxovieg), 

35 1 die in der Sphaera (ocpalQa) und in der Heimarmene 
(etftaQftivrj) gebunden sind, zu kommen, und er trägt das Ge- 
reinigte des Lichtes von allen Archonten {Hq^oweg) der Aeonen 

35 (atoveg) und von allen Archonten {aQ%ov%eg) der Heimarmene 
(eifictQfievt]) und von denen der Sphaera (ocpalQa) — denn 
{yäq) er pflegt daselbst fortzutragen, was sie in Aufregung 
bringt, — und er setzt den Sputer (oitovda<nrjg\ der über 
ihnen, in Bewegung und läßt sie ihre Kreise (xvxkoi) eilends 



Cap. 24—26. 



2.3 



drehen, und er (sc. der Sputer) trägt fort ihre Kraft, die in 
ihnen, und den Hauch ihres Mundes und die Tränen (wörtl.: 
die Gewässer) ihrer Augen und den Schweiß ihrer | Körper .35 
(oibftata). Und Melchisedek, der Paralemptor {Ttagal^iirtrcoQ) 
des Lichtes, reinigt jene Kräfte und trägt ihr Licht zum 5 
Lichtschatz (-97]aavQ6g), und ihre Materie (vkrj) von ihnen 
allen zusammen sammeln ein die Liturgen (leitovQyot) aller 
Archonten (&Qxovteg) (der Aeonen (al&veg)}, und die Liturgen 
(lenovQyoi) aller Archonten {äq^ovreg) der Heimarmene (elfiaQ- 
fiivTj) und die Liturgen (leiTovQyol) der Sphaera (acpalQo), die 10 
unterhalb der Aeonen (aiüveg), nehmen sie und machen sie zu 
Menschen- und Vieh- und Reptilien- und Tier- (>^p<ß) und 
Vogel-Seelen {ipv%al) und schicken sie hinab in diese Welt 
(xöa/.iog) der Menschheit. Und ferner die Paralemptores (rtaga- 
IrjfWTogeg) der Sonne und die Paralemptores (TtaQakrn.t7iT0(>eg)ib 
des Mondes, wenn sie nach oben schauen und die Stellungen 
(oy^uara) der Bahnen der Aeonen (aiüveg) und die Stellungen 
((jj^MßTa) der Heimarmene (elfia^/ievrf) und die von der Sphaera 
(oepalQct) sehen, so nehmen sie die Lichtkraft von ihnen, und 
die | Paralemptores (fcaQah]/.imoQEg) der Sonne bereiten es 36 
und legen es nieder, bis sie es den Paralemptores (naqalri^Ti- 
roQtg) des Melchisedek, des Lichtreinigers, übergeben; und 
ihre materielle (vhxög) Hefe bringen sie zur Sphaera (ocpaiQa), 
die unterhalb der Aeonen (aiüveg), und machen sie (sc. Hefe) 
zu Menschenseelen (-xpvxal), und ferner machen sie sie zu2& 
Reptilien- und Vieh- und Tier- (#»?{>«'«) und Vogel-<Seelen 
(ipvx<x£)) gemäß (v.a%d) dem Kreislauf (xvxXog) der Archonten 
(%omj) jener Sphaera (opal^a) und gemäß (xarct) allen 
Stellungen (ax^iaia) ihrer Umdrehung und stoßen sie in 
diese Welt (xöopog) der Menschheit, und sie werden Seelen 30 
{ipvxat) an jenem Orte (xöitog), wie (ytaxd-) ich es euch soeben 
gesagt habe. 

CAP. 26. Dieses nun vollendeten sie beständig, bevor ihre 
Kraft | in ihnen verringert war und sie abnahmen und schwach 36 
i&roveiv) oder (ij) kraftlos wurden. Es geschah nun, als sie 35 
kraftlos wurden, da begann (itQxeo9-ai) ihre Kraft in ihnen auf- 
zuhören, so daß sie in ihrer Kraft schwach wurden und ihr 
Uicht, das sich in ihrem Orte (rörcog) befindet, aufhörte und 
lar Reich vernichtet und das All eilends hinaufgehoben wurde. 



26 Piatia Sophia. 

Es geschah nun, als sie dieses in der Zeit erkannt 
hatten, und wenn die Zahl (&Qi#ft6g) der Ziffer (rprjcpog) des 
Melchisedek, des Paralemptor (^agaX^mrcoQ) <des Lichtes) 
stattfand, dann pflegte er wiederum herauszukommen und 

5 hineinzugehen in die Mitte der Archonten (agxo^eg) aller 
Aeonen (aiwveg) und in die Mitte aller Archonten (%oms) 
der Heimarmene (slnawivrj) und derer der Sphaera (arpalQo), 
und er setzt sie in Aufregung und läßt sie ihre Kreise (xuxiot) 
eilends verlassen, und sofort geraten sie in Bedrängnis {»Ußeiv) 

10 und werfen die Kraft aus sich heraus aus dem Hauche ihres 
37 Mundes und | den Tränen ihrer Augen und dem Schweiß 
ihrer Körper (ocbfiaza). Und es reinigt sie Melchisedek, der 
Paralemptor (TtaQaX^crttwg) des Lichtes, wie (xard-) er es 
Deständig tut, und trägt ihr Licht zum Lichtschatze {-d-tiaavqög). 

15 Und nach der Materie (%) ihrer Hefe (Bodensatzes) wenden 
sich alle Archonten (%ovt«s) der Aeonen (aiüveg) und die 
Archonten (aQXovtsg) der Heimarmene (eiftaQfiivr]) und die der 
Sphaera (otpaiqa), sie verschlingen sie (sc. Hefe) und nicht 
lassen sie zu, daß sie gehen und in der Welt (xdapog) Seelen 

2o(4>vx<*Z) werden. Sie verschlingen nun ihre Materie (#A»j), 
37 damit sie nicht kraftlos und schwach (arovelv) werden | und 
ihre Kraft in ihnen aufhöre und ihr Reich vernichtet werde, 
sondern sie verschlingen sie, damit sie nicht vernichtet 

werden, sondern (&IM) damit sie sich verzögern und lange 

25 Zeit verweilen bis zur Vollendung der Zahl (&Qi&fi6g) der 
vollkommenen (rtteioi) Seelen (ifwxat), welche im Lichtschatze 
(-d-^aavQÖg) sein werden. 

CAP. 27. Es geschah nun, da die Archonten (&Qxovteg) 
der Aeonen (aiaveg) und die von der Heimarmene (ßlfia^inj) 

30 und die von der Sphaera (oyalQu) beständig diese Art (vbrcog) 
vollbrachten, indem sie sich umdrehten, die Hefe ihrer Ma- 
terie (Sktj) verschlangen und sie nicht Seelen {tfivxal) in der 
Welt (xöofiog) der Menschheit werden ließen, damit sie sich 
verzögerten, Herrscher zu sein, und die Kräfte, welche in 

35 ihnen Kräfte sind, d. h. die Seelen {ipvwQ, lauge Zeit außer- 
halb hier zubrächten, — diese nun verharrten, indem sie es 
in zwei Kreisen (xvxloi) beständig taten. 

Es geschah nun, als ich hinaufgehen wollte zu dem 

38 Dienste (öiaxovla), um dessentwillen ich berufen war | durch 



Cap. 26. 27. 27 



den Befehl (x&evoig) des ersten Mysteriums (fivorjjQiov), da 
kam ich hinauf in die Mitte der Tyrannen (rvqavvoi) der 
Archonten (Sgxovreg) der zwölf Aeonen (aiwveg), indem mein 
Lichtkleid (-evöv/ia) an mir war, gar sehr leuchtend, ohne daß 
ein Maß dem Lichte war, welches an mir war. 5 

Es geschah nun, als jene Tyrannen (tvqawoi) das große 
Licht, das an mir war, sahen, da begannen (äQxeod-ai) der 
große Adamas, der Tyrann (rvQawog), und alle Tyrannen 
(tvQavvot) der zwölf Aeonen (aiwveg) sämtlich gegen das Licht 
meines Gewandes (evdvfia) zu kämpfen (nole^elv), da sie esio 
bei sich festhalten (xaxexeiv) wollten, um noch in ihrer Herr- 
schaft zu verzögern. Dieses nun taten sie, | ohne daß sie 3« 
wußten, gegen wen sie kämpften (noke/xsly). Als sie nun sich 
widersetzten (äiaxtelv) und gegen das Licht kämpften (noXe- 
pt&v), da (röre) wendete ich gemäß (xmd) dem Befehle (xüev-lb 
aig) des ersten Mysteriums (fivorfaiov) die Bahnen und die 
Läufe (d^öfioi) ihrer Aeonen (aiwveg) und die Bahnen ihrer 
Heimarmene (elpagtievr]) und ihrer Sphaera (oyalQa) und ließ 
sie sechs Monate auf die Dreiecke links blicken und auf die 
Vierecke und auf die, welche in ihrem Aspekt (wörtL: im 20 
Angesicht von ihnen) sind, und auf ihre Achtfigur (-oxwa), 
gerade wie (xard-) sie früher gewesen waren. Ihre Umdrehung 
aber (öi) oder (ij) ihren Blick wendete ich in eine andere 
Ordnung (vdl-tg) und ließ sie' andere sechs Monate blicken auf 
die Werke ihrer Einflüsse (htoxeteonaia) in den Vierecken 25 
rechts und in ihren Dreiecken und in denen, welche in ihrem 
Aspekt sind, und in ihrer Achtfigur (-axf^a), und ich ließ in 
großer Verwirrung verwirrt und in Täuschung (jrldvrj) ge- 
täuscht (nXavaa&ai) werden | die Archonten (ÜQxovTeg) der 39 
Aeonen (aiwveg) und alle Archonten (äQxovreg) der Heimarmene 30 
VynQtisvri) und die von der Sphaera (otpaiqa), und ich setzte 
sie sehr in Aufregung, und nicht waren sie mehr imstande 
von jetzt ab, sich nach der Hefe ihrer Materie (%) zu wenden, 
»m sie zu verschlingen, auf daß ihre Örter (rönoi) beständig 
sich verzögerten, und sie lange Zeit als Herrscher verbrächten, 35 
sondern (iUd), als ich ein Drittel ihrer Kräfte genommen hatte, 
Wendete ich ihre Sphaeren (otpaigai), auf daß sie eine Zeit nach 
jjnks blickend und eine andere Zeit nach rechts blickend ver- 
dächten. Ich habe ihre ganze Bahn und ihren ganzen Lauf 



28 Pistis Sophia. 

(ÖQÖpog) gewendet, und ich habe die Bahn ihres Laufes (öQÖftos) 

39 beschleunigen lassen, damit sie eilends | gereinigt, und eilends 
hinaufgehoben wurden, und ich habe ihre Kreise (mvxXoi) ver- 
ringert und ihre Bahn ungestümer (wörtl. : leichter) gemacht, 

5 und sie wurde sehr beschleunigt. Und sie wurden auf ihrer 
Bahn verwirrt und nicht waren sie von jetzt ab imstande, die 
Materie (vXrj) der Hefe des Gereinigten ihres Lichtes zu ver- 
schlingen, und ferner habe ich ihre Zeiten und ihre Perioden 
{XQovoi) verringert, damit eilends die Zahl (ägi^wg) der voll- 
lOkommenen (tiXetoi) Seelen {ipv%al), welche Mysterien Qam^Qia) 
empfangen und im Lichtschatze (-dyoavQÖg) sein werden, voll- 
endet würde. Wenn ich nun nicht ihre Läufe (ÖQÖfioi) ge- 
wendet, und wenn ich nicht ihre Perioden {xqövol) verringert 
hätte, würden sie keine Seele (ipvxrj) gelassen haben, zur Welt 

40 (xdffjtos) zu kommen, wegen der Materie (SXtj) ihrer Hefe, | 
welche sie verschlingen, und sie würden viele Seelen (ipv%ai) 
vernichtet haben. Deswegen nun habe ich einst zu euch ge- 
sagt: >Ich habe die Zeiten um meiner Auserwählten willen 
verringert, sonst hätte keine Seele (i/^x»?) gerettet werden 

20können.< Ich habe aber {8s) die Zeiten und die Perioden 
(XQÖvoi) verringert um der Zahl (ägt^tög) der vollkommenen 
(tüeiot) Seelen {rpv%ai) willen, die Mysterien (fivotrjQia) emp- 
fangen werden, welches sind die Auserwählten ; und hätte ich 
ihre Perioden (xqövoi) nicht verringert, so würde keine mate- 

2örielle (vXixög) Seele (rpvxn) gerettet, sondern (äXXä) sie würden 
im Feuer verzehrt (ccvaXlaxeo&ai) worden sein, das (sc. Feuer) 
sich im Fleische (adg^) der Archonten (Sgxorteg) befindet. — 
Dieses ist nun das Wort, nach welchem Du mich genau (-äxgi- 
ßjg) fragst.« 

30 Es geschah nun, als Jesus diese Worte seinen Jüngern 
(na&rjrai) zu sagen beendet hatte, da fielen alle zugleich nieder, 

40 1 beteten ihn an und sprachen zu ihm: »Wir sind selig fr*axa- 
qwi) vor (rtctQd) allen Menschen, da Du uns diese großen 
Großtaten offenbart hast.« 

36 CAP. 28. Es fuhr Jesus wiederum in der Rede fort und 
sprach zu seinen Jüngern ^tad-r^ai): Höret in betreff der 
Dinge, die mir bei den Archonten {&Q%ortsg) der zwölf Aeonen 
(alwveg) und allen ihren Archonten (ägxoiieg) und ihren Herren 
und ihren Gewalten {k^ovalai) und ihren Engeln (ayyeXoi) und 



Cap. 27. 28. 



2\) 



ihren Erzengeln (StQxäyyeloi) geschehen sind. Als sie nun das 
Lichtkleid (-evövfta) gesehen hatten, das an mir war, sie und 
ihre Ungepaaiten (xcoQigav^vyoi), da sah ein jeder von ihnen das 
Mysterium (/.ivai^wv) seines Namens, befindlich auf meinem | 
Lichtkleide (-evdvfta), das an mir war. Sie fielen alle zu- 41 
sauinien nieder, beteten an das Lichtkleid (-i'vövfta), das an 
mir, und riefen alle zugleich aus, indem sie sprachen: >Wie 
{näg) hat uns der Herr des Alls durchwandert, ohne daß wir 
es wußten ?< Und sie priesen (v^tveveiv) alle zugleich den 
Innern der Inneren. Und alle ihre Dreimalgewaltigen {tql-\q 
övva(ioi), und ihre großen Urväter [jtQondioqeg) und ihre Un- 
gezeugten (äyh'vrjwt) und ihre Selbstgezeugten ■ (avToyevelg), 
ihre Gezeugten (yewijtoi) und ihre Götter und ihre Licht- 
funken (o;uvdf t Qtg) und ihre Sterne (ycjffrijpeg), mit einem Wort 
{aitag'aitlwg), alle ihre Großen sahen die Tyrannen {xüqavvoi) 15 
ihres Ortes (tottos), daß ihre Kraft in ihnen vermindert war. 
Und sie wurden schwach (wörtl.: in Schwäche) und gerieten 
selbst in große unermeßliche Furcht. Und sie schauten an 
(fcwQElv) | das Mysterium {itvavrjQiov) ihres Namens auf meinem 41 
Kleide (hövfta), und sie hatten begonnen zu kommen und das 20 
Mysterium (,uvari]Qiov) ihres Namens, das auf meinem Kleide 
(höv^ia), anzubeten, und nicht waren sie dazu imstande wegen 
des großen Lichtes, das mit mir war, sondern (&l).d) sie 
beteten an, ein wenig von mir entfernt; sie haben aber (ö£) 
das Licht meines Kleides (höv^ia) angebetet und riefen alle 25 
zugleich aus, indem sie den Innern der Inneren priesen 
miveöeiv). 

Es geschah nun, als dieses den unter den Archonten 
(aqiovtEq) befindlichen Tyrannen (rvqavvoi) geschehen war, 
wurden sie alle entkräftet und fielen in ihren Aeonen (al&veg) 30 
zu Boden und wurden wie die toten Erdbewohner (xoo/.ioq-), 
in denen kein Atem, wie | sie es gewesen (wörtl.: getan) in 42 
der Stunde, wo ich ihre Kraft von ihnen genommen habe. 

Es geschah nun darnach, als ich aus jenen Aeonen (aiüveg) 
herausgekommen war, wurde ein jeder von allen den in den 35 
zwölf Aeonen (at&veg) Befindlichen sämtlich in ihre Ordnungen 
gebunden, und sie vollendeten ihre Werke, wie (xard-) 
J ch sie eingesetzt habe, daß sie sechs Monate nach links ge- 
wendet verbringen und ihre Werke vollbringen in ihren Vier- 



30 Piatis Sophia. 

ecken und ihren Dreiecken und in denen, die in ihrem Aspekt, 
und daß sie ferner andere sechs Monate verbringen, nach 
rechts blickend und auf ihre Dreiecke und ihre Vierecke und 
die, welche in ihrem Aspekt. — Also werden nun die in der 

öHeimarraene (elfiae/iinj) und der Sphaera (ocpaloa) Befindlichen 
wandeln (sc. auf ihrer Bahn). 

CAP. 29. Es geschah nun darnach, da kam ich nach oben 
zu den Vorhängen i;/.ara7ii%da}iaTa) des dreizehnten Aeons 
(attöv), — es geschah nun, als ich bei ihren Vorhängen (zara- 

10 Ttsidafiata) angekommen war, da zogen sie sich von selbst 
43 beiseite | und öffneten sich mir. Ich ging hinein in den drei- 
zehnten Aeon (aicbv) und fand die Pistis Sophia unterhalb des 
dreizehnten Aeons (alwv) ganz allein, ohne daß jemand von 
ihnen bei ihr. Sie saß aber (<Je) an jenem Orte betrübt 

lb(Xv7telod-ai) und trauernd, daß man sie nicht in den dreizehnten 
Aeon (aiibv), ihren höheren Ort (tÖTtoe), aufgenommen hatte; 
und sie war ferner betrübt {lvnelo9ai) wegen der Qualen, 
welche ihr der Authades zugefügt hatte, der einer von den 
Dreimalgewaltigen (zoiövvanoi) ist. Diese aber (öi), wenn ich 

20 mit euch wegen ihrer Ausbreitung sprechen werde, so werde 

43 ich euch das Mysterium sagen, wie (ttös) dieses | ihr ge- 
schehen ist. 

Es geschah nun, als die Pistis Sophia mich sah, gar sehr 
leuchtend, ohne daß ein Maß dem Lichte war, welches an mir 

26 war, da geriet sie in große Aufregung und blickte auf das 
Licht meines Kleides (Ev^ta). Sie sah das Mysterium (nva-n]- 
qiov) ihres Namens auf meinem Kleide {evövfia) und den ganzen 
Glanz seines Mysteriums (ftvar^giov), denn sie befand sich 
früher im Orte {16x05) der Höhe, im dreizehnten Aeon (aubv), 

30— sondern {&U&) sie pflegte das höhere Licht zu preisen 
(vnveveiv), das sie in dem Vorhang (xctTaithaoiia) des Licht- 
schatzes (-»rjaavQÖg) gesehen hatte. Es geschah nun, als sie 
verharrte, das höhere Licht zu preisen (ipveveiv), blickten alle 
Archonten (Üoxovtes), die bei den zwei großen Dreimal- 

35 gewaltigen (TQiövvanoi) sind, und ihr Unsichtbarer {Mquios), 

43ter mit ihr gepaart ist, | und die andern 22 unsichtbaren 
{&6qa%oi) Emanationen (itQoßokal), — da ja (meiö-q) die Pistis 
Sophia und ihr Gepaarter {ovt,vyoQ), sie und die andern 22 
Emanationen {nqoßolai) 24 Emanationen (nqoßolaL) ausmachen, 



Cap. 28—30. 



31 



die der große unsichtbare (idgarog) Urvater (jtQ07tcnioQ), er 
und die beiden großen Dreimalgewaltigen (rQidvva^iöt) emaniert 
(rtQoßdlleiv) haben.« 

CAP. 30. Es geschah nun, als Jesus dieses zu seinen 
Jüngern (/.lad-rjrai) gesagt hatte, trat Maria vor und sprach: 5 
»Mein Herr, ich habe Dich einst sagen hören: >Die Pistis 
Sophia ist selbst eine von den 24 Emanationen (nQoßokaty, 
und wie {nwg) befindet sie sich nicht an ihrem (sc. der 24 
Emanationen) Orte (wTtog)'! — | sondern (äUü) Du hast ge-44 
sagt: >lch habe sie unterhalb des dreizehnten Aeons (ald>v)w 
gefunden^« 

Es antwortete Jesus und sprach zu seinen Jüngern 
(nadr(ial): »Es geschah, da die Pistis Sophia sich im drei- 
zehnten Aeon (aiä)v), im Orte (rörtog) aller ihrer Brüder, der 
Unsichtbaren (Aöqutoi), d. h. der 24 Emanationen {rcQoßokal) 15 
des großen Unsichtbaren (idgarog), befand, — es geschah nun 
durch das Gebot des ersten Mysteriums (ftvar^giov), da blickte 
die Pistis Sophia in die Höhe. Sie sah das Licht des Vor- 
hanges (xaraTthaa/xa) des Lichtschatzes (-^aavQÖg) und be- 
gehrte (eTti&v/xeiv), zu jenem Orte {xönog) zu gelangen, und 20 
nicht war sie imstande, zu jenem Orte (rörtog) zu gelangen. 
Sie hörte aber (öi) auf, das Mysterium (nvaxriQiov) des drei- 
zehnten Aeons (aidiv) zu vollbringen, sondern (&Xkd) sie pries 
(tyvevuv) das Licht der Höhe, welches sie im Lichte des Vor- 
hanges (xarowrjfraoiua) des Lichtschatzes (-dijoav^ög) gesehen 25 
hatte. 

Es geschah, nun, da sie den Ort (rötcog) der Höhe pries 
(tyviveiv), haßten sie alle in den | zwölf Aeonen (at&veg) befind- 44 
liehen Archonten (Äpxovreg), welche unterhalb, weil sie von 
ihren Mysterien (fivorfQia) abgelassen hatte, und weil sie ge-30 
wünscht hatte, zur Höhe zu gehen und über ihnen allen zu 
sein. Deswegen nun zürnten sie ihr und haßten sie; und der 
große dreimalgewaltige (rgiövvaftog) Authades, d. i. der dritte 
Dreimalgewaltige (rgiövra^og), der sich im dreizehnten Aeon 
(aidjv) befindet, dieser, welcher ungehorsam gewesen war, da 35 
er das ganze Gereinigte seiner in ihm befindlichen Kraft nicht 
emaniert (rcgoßdXXeiv) noch (ovdi) das Gereinigte seines Lichtes 
gegeben hatte zu der Zeit, wo die Archonten (ägxovreg) ihr 
Gereinigtes gegeben, indem er Herrscher über den ganzen 



32 



Pistis Sophia. 



45 dreizehnten Aeon (atdn>) | und die, welche unterhalb von ihm 
sich befinden, sein wollte. Es geschah nun, als die Archonten 
(äQxoneg) der zwölf Aeonen (ai&veg) der Pistis Sophia, welche 
oberhalb von ihnen, zürnten und sie sehr haßten, da schloß 

5 sich auch der große dreimalgewaltige (%Qiöüva/.iog) Authades, 
von dem ich euch jetzt soeben erzählt habe, den Archonten 
{aqxovteg) der zwölf Aeonen (cäüveg) an, und auch er zürnte 
der Pistis Sophia und haßte sie sehr, weil sie zu dem Lichte, 
welches höher als er ist, zu gehen gedacht hatte. Und er 

10 emanierte (izQoßdl/.uv) aus sich eine große Kraft mit Löwen- 
gesicht, und aus seiner in ihm befindlichen Materie (SXij) 
emanierte {rtQoßdUstv) er eine Menge anderer materieller 
(v).r/.oi), sehr gewaltiger Emanationen (itQoßoXai) und sandte 
sie zu den Örtern (rönoi) unterhalb, zu den Teilen (fifyrj) des 

15 Chaos (yäog), damit sie dort der Pistis Sophia nachstellten 

45 und ihre Kraft aus Dir nähmen, weil sie nach der Höhe, 
welche über ihnen allen, zu gehen gedacht und sie ferner 
aufgehört hatte, ihr Mysterium divarr^iov) zu vollbringen, 
sondern (&Ud) sie fortwährend trauerte und nach dem Lichte, 

20 welches sie gesehen, verlangte. Und es haßten sie die 
Archonten (Sg^ovreg), welche verbleiben (wörtl.: nötig haben) 
oder (fj) welche verharren, das Mysterium (fivorrjQiov) zu voll- 
bringen, und es haßten sie auch alle Wächter ((pvlaxeg), die 
an den Toren (ftvXcti) der Aeonen (aiaveg). 

25 Es geschah nun darnach durch das Gebot des ersten 
Gebotes, daß der große dreimalgewaltige (zQiduvaftog) Authades, 

46 der einer von den drei | Dreimalgewaltigen (iQiövvafioc) ist, 
die Sophia im dreizehnten Aeon (ald>v) verfolgte (öi<l>xw), auf 
daß sie auf die Teile 0^) unterhalb blicke, damit sie seine 

30 Lichtkraft (■dvvafug), die mit dem Löwengesicht, an jenem 
Orte sehe und nach ihr begehre {kni&vuelv) und zu jenem 
Orte (zörtog) komme, so daß man ihr Licht von ihr nehme. 

CAP. 31. Es geschah nun darnach, da blickte sie nach 
unten und sah seine Lichtkraft in den Teilen (;<^jj) unter- 

35 halb, und sie hatte nicht gewußt, daß es die (sc. Lichtkraft) 
von dem dreimalgewaltigen (vQiövvafiog) Authades sei, sondern 
(äkld) sie dachte, daß sie aus dem Lichte stamme, welches 
sie von Anfang an in der Höhe gesehen, das aus dem Vor- 
hang {xaranezaafia) des Lichtschatzes (-^aavQÖg) stammt. 



Cap. 30—32. 



33 



Und sie dachte bei sich: Ich will zu jenem Orte (rönog) gehen 
ohne (xwqIs) meinen Gepaarten (ov&yog) und das Licht nehmen 
und daraus mir Lichtaeonen (-alüveg) schaffen, damit ich im- 
stande bin, zu dem Licht der Lichter, das in der Höhe der 
Höhen, zu gehen. Indem sie nun dieses dachte, ging sie aus 5 
ihrem Orte (zöttog), dem dreizehnten Aeon (aldtv), und ging 
hinab zu dem zwölften Aeon (aithv). Es verfolgten (öuöxeiv) 
sie die Archonten (aQxovreg) der Aeonen (alaveg) und zürnten 
ihr, weil sie an Herrlichkeit gedacht hatte (oder: weil sie 
Herrlichkeit zu finden gedacht hatte). Sie ging aber (de) auch 10 
aus dem zwölften Aeon (alwv) und ging zu den Örtern (xönoi) 
des Chaos (xäog) und näherte sich der Lichtkraft mit dem 
Löwengesicht, um sie zu verschlingen. Es umgaben sie aber 
(de) | alle materiellen (vhxol) Emanationen (itqoßolaC) des 47 
Authades, und die große Lichtkraft mit dem Löwengesicht 15 
verschlang die Lichtkräfte (-öwdfieig) in der Sophia und 
reinigte ihr Licht und verschlang es, und ihre Materie (vlrj) 
wurde zum Chaos (xdog) gestoßen, sie wurde zu einem Archon 
(&q%ü)v) mit Löwengesicht im Chaos (xdog), dessen eine Hälfte 
Feuer und dessen andere Hälfte Finsternis ist, d. i. Jaldabaoth, 20 
von dem ich zu euch oftmals geredet habe. Als nun dieses 
geschehen war, wurde die Sophia gar sehr schwach, und es 
begann ferner jene Lichtkraft mit dem Löwengesicht alle 
Lichtkräfte aus der Sophia zu nehmen, und alle materiellen 
(vhxol) Kräfte des Authades umgaben die Sophia zugleich 25 
und bedrängten sie. 

CAP. 32. Es schrie gar sehr auf die Pistis Sophia und 
schrie zum Lichte der Lichter, das sie von Anfang an ge- 
sehen, | an das sie geglaubt (mazeveiv) hatte, und sie sagte 47 
diese Reue (fterdvoia), indem sie also sprach: 30 

1. 0 Licht der Lichter, an welches ich von Anfang an 
geglaubt (mareveiv) habe, höre nun jetzt, o Licht, auf meine 
ßeue (fterdvoia). Rette mich, o Licht, denn böse Oedanken 
sind in mir eingegangen. 

2. Ich blickte, o Licht, auf die unteren Teile (fie^l) und 35 
sah dort ein Licht, indem ich dachte: Ich will zu jenem Orte 
(tÖTtog) gehen, | daß ich jenes Licht nehme. Und ich ging 48 
und befand mich in der Finsternis, die in dem Chaos (xdog) 
unterhalb, und nicht war ich imstande, mich zu erheben und 

Schmidt: Platis Sophia. 3 



34 Pistis Sophia. 

zu meinem Orte (zÖTtog) zu gehen, denn ich wurde von allen 
Emanationen {TtQoßoXai) des Authades bedrängt, und die Kraft 
mit dem Löwengesicht nahm mein in mir befindliches Licht. 

3. Und ich schrie um Hilfe (ßoföua), und nicht ist meine 
5 Stimme aus der Finsternis gedrungen, und ich blickte in die 

Höhe, damit mir das Licht, an welches ich geglaubt hatte, zu 
Hilfe käme (ßmftslv). 

4. Und als ich in die Höhe blickte, sah ich alle Ar- 
chonten (%ov«s) der Aeonen (al&vsg), wie sie zahlreich und 

10 auf mich herabblickten und sich über mich freuten, obwohl 
ich ihnen nichts Böses zugefügt hatte, sondern (dMd) sie 
haßten mich ohne Grund. Und als die Emanationen {nqo- 
ßolal) des Authades die Archonten {&q%ovxes) der Aeonen 
(alwves) sich über mich freuen sahen, wußten sie, daß die Ar- 

löchonten (aq%ovxEg) der Aeonen (atwveg) mir nicht zu Hilfe 
kommen (ßorj&elv) würden, und es faßten Mut jene Emana- 
tionen (TtQoßoXal), welche mich ungerecht (gewaltsam) be- 
drängten, und das Licht, das ich von ihnen nicht genommen 
habe, haben sie von mir genommen. 

48 | 5. Jetzt nun, o wahres {&lrj9eia) Licht, Du weißt, daß 
ich dieses in meiner Unschuld getan habe, indem ich dachte, 
daß das Licht mit dem Löwengesicht Dir gehöre, und die 
Sünde, welche ich begangen habe, ist offenbar vor Dir. 

6. Nicht laß mich nun ermangeln, o Herr, denn ich habe 
25 an Dein Licht von Anfang an geglaubt; o Herr, o Licht der 

Kräfte, nicht laß mich nun meines Lichtes ermangeln. 

7. Denn um Deiner Veranlassung (&cpoQ/.i^) und Deines 
Lichtes willen bin ich in diese Bedrängnis geraten, und hat 
mich Schande bedeckt. 

49 8. Und um | Deines Lichtes willen (wörtl.: wegen des 
Vorwandes (Schuld) Deines Lichtes) bin ich meinen Brüdern, 
den Unsichtbaren (äö^azoi), und den großen Emanationen 
(nqoßolaL) der Barbelo fremd geworden. 

9. Dies ist mir geschehen, o {&) Licht, weil ich nach 
35 Deinem Wohnsitz geeifert habe, und es ist der Zorn des 
Authades über mich gekommen, — dieser, welcher nicht aut 
Deinen Befehl (xtkevoig) gehört hatte, aus der Emanation 
{TtqoßoXrj) seiner Kraft zu emanieren (nqoß&llsiv), — weil ich 



Cap. 32. 



35 



in seinem Aeon (aidiv) mich befand, ohne sein Mysterium 
(fivanjgtov). zu vollbringen. 

10. Und alle Archonten (äwoweg) der Aeonen (aiaveg) 
verspotteten mich. 

11. Und ich befand mich an jenem Orte (rörtog), trauernd 5 
und verlangend nach dem Lichte, das ich in der Höhe ge- 
sehen hatte. 

12. Und es forschten nach mir die Wächter (tpMaxsg) der 
Tore (rtvlai) der Aeonen (aiäveg), und alle, welche in ihrem 
Mysterium (pvorriQiov) verbleiben, verspotteten (oxw^retv) mich. io 

13. | Ich aber (de) blickte in die Höhe hinauf zu Dir, 049 
Licht, und glaubte an Dich. Jetzt nun, o Licht der Lichter, 
bin ich bedrängt in der Finsternis des Chaos (y.doi). Wenn 
Du nun kommen willst, um mich zu retten, — groß ist Deine 
Barmherzigkeit — , so erhöre mich in Wahrheit und rette mich. 15 

14. Rette mich aus der Materie (vlrj) dieser Finsternis, 
damit ich nicht in ihr untergetaucht werde, auf daß ich vor 
den Emanationen (itqoßolai) des göttlichen Authades, die mich 
bedrängen, und aus ihren Bosheiten gerettet werde. 

15. Laß nicht diese Finsternis mich untertauchen, und 20 
laß nicht diese Kraft mit dem Löwengesicht meine ganze Kraft 
völlig verschlingen, und | laß nicht dieses Chaos (x<Zog) meine 50 
Kraft bedecken. 

16. Erhöre mich, 0 Licht, denn köstlich ist Deine Gnade, 
und blicke auf mich herab gemäß (xarrf) der großen Barm- 25 
herzigkeit deines Lichtes. 

17. Wende nicht Dein Angesicht von mir, denn ich bin 
sehr gequält. 

18. Eilends erhöre mich und rette meine Kraft. 

19. Rette mich um der Archonten (ÜQxovzeg) willen, die 30 
mich hassen, denn Du kennst meine Bedrängnis und meine 
Qual und die Qual meiner Kraft, welche sie von mir ge- 
nommen haben. Vor Dir sind die, welche mich in all dies 
Böse gepflanzt haben; behandle (xQ^a&ai) sie nach (xaxd) 
Deinem Gefallen. 35 

20. Meine Kraft blickte heraus aus der Mitte des Chaos 
(x<*oi) und der Mitte der Finsternisse ; ich wartete auf meinen 
Gepaarten (oti&yog), daß er käme und für mich kämpfte, und 

3* 



36 Pistis Sophia. 

50 nicht ist er gekommen, | und ich hatte erwartet, daß er käme 
und mir Kraft verliehe, und nicht habe ich ihn gefunden. 

21. Und als ich nach dem Lichte forschte, gaben sie mir 
Finsternis, und als ich nach meiner Kraft forschte, gaben sie 

5 mir Materie (vhj). 

22. Jetzt nun, o Licht der Lichter, möge die Finsternis 
und die Materie {vlrj), welche die Emanationen (Ttqoßolal) des 
Authades über mich gebracht haben, ihnen zum Fallstrick 
werden, und mögen sie sich darin verstricken, und Du ihnen 

10 heimzahlen, und sie Ärgernis empfangen (oxavöaXi&oitai) und 
nicht zum Orte {xönog) ihres Authades kommen. 

23. Mögen sie in der Finsternis bleiben und nicht das 
Licht erblicken; mögen sie schauen das Chaos (xdog) alle 
Zeit, und nicht laß sie in die Höhe schauen. 

15 24. Bringe über sie ihre Eache, und Dein Gericht möge 
sie erfassen. 

51 25. Nicht laß sie gehen | zu ihrem Orte (rÖTtog) von jetzt 
ab bei ihrem göttlichen Authades, und nicht laß seine Emana- 
tionen (jtQoßokai) zu ihren Örtern (rönoi) von jetzt ab gehen, 

20 denn gottlos (äasßi^s) und frech (aiSddrß) ist ihr Gott, und er 
dachte, daß er dieses Böse durch sich selbst getan, ohne zu 
wissen, daß, wenn ich nicht gemäß (xara) Deinem Gebote 
erniedrigt wäre, er keine Macht über mich gehabt haben würde. 
26. Sondern (&Ud), als Du mich durch Dein Gebot er- 
2öniedrigt hattest, haben sie mich um so mehr verfolgt (öubxsiv), 
und ihre Emanationen (ngoßolai) haben Leid zu meiner Er- 
niedrigung hinzugefügt. 
51 27. | Und sie haben Lichtkraft von mir genommen und 
von neuem begonnen und mich sehr bedrängt, um alles in 
30 mir befindliche Licht zu nehmen. Wegen dessen, in das sie 
mich gepflanzt haben, laß sie nicht zu dem dreizehnten Aeon 
(al(!>v), dem Orte (rönog) der Gerechtigkeit (öixaioavvi]), hin- 
aufgehen. 

28. Und nicht laß sie gerechnet werden zu dem Erbe 

35(x*Tteos) derer > welcüe sicn und 401 Licut reini S en > und nicut 
laß sie zu denen gerechnet werden, welche eilends Eeue 

empfinden (neravoelv) werden, damit sie eilends in dem Lichte 

Mysterien (fivatriQicc) empfangen. 



Cap. 32. 33. 



37 



29. Denn sie haben raein Licht von mir genommen, und 
meine Kraft hat in mir aufzuhören begonnen (äqxea&ai), und 
ich habe meines Lichtes ermangelt. 

30. Jetzt nun, o Licht, das in Dir und das mit mir ist, 
ich preise (v/tvaSsiv) Deinen Namen, o Licht, in Glorie. 5 

31. Und mein Lobpreis (vfivog) möge, o Licht, Dir ge- 
fallen wie ein hervorragendes Mysterium (jivarrßiov), das in 
die Tore (rtvlai) des Lichtes einführt, welches diejenigen, 
welche Reue empfinden (fieiavosiv) werden, sagen und dessen 
Licht sie reinigen werden. 10 

32. Jetzt nun mögen | alle Materien (vXcu) sich freuen; 52 
suchet alle das Licht, auf daß die Kraft eurer Seele (tpvxfy, 
die in euch ist, lebe. 

33. Denn das Licht hat die Materien (VXai) erhört und 
wird keine Materie (iSXrj) lassen, ohne sie gereinigt zu haben. 15 

34. Mögen die Seelen {xpvxai) und die Materien (vXai) den 
Herrn aller Aeonen (atöveg) preisen, und die (nomin.) Materien 
(vXai) und alles, was in ihnen befindlich. 

35. | Denn Gott wird ihre Seele (t/wjp?) aus allen Materien 52 
(vXai) retten, und es wird eine Stadt (nöXig) in dem Lichte 20 
zubereitet werden, und alle Seelen (xpv%al), die gerettet werden, 
werden in jener Stadt (nökis) wohnen und sie ererben (xXtjqo- 
vofielv). 

36. Und die Seele {$v%fy derer, welche Mysterien fave- 
z^Qia) empfangen werden, wird an jenem Orte (tönos) weilen, 25 
und die, welche Mysterien (ftvm^gia) in seinem Namen em- 
pfangen haben, werden in ihr weilen.« 

GAJP. 33. Es geschah nun, da Jesus diese Worte zu seinen 
Jüngern (fia&rpal) sagte, sprach er zu ihnen: »Dies ist der 
Lobpreis (pfivog), den die Pistis Sophia bei ihrer ersten Reue 30 
(iierüvoia) gesagt hat, indem sie wegen ihrer Sünde Reue 
empfand (^lexavoelv) und alles, was ihr geschehen war, sagte. 
Jetzt nun, >wer Ohren hat zu hören, der höre«.« 

Es trat wiederum Maria vor und sprach: »Mein Herr, 
mein Lichtbewohner hat Ohren, und ich höre mit meiner 35 
Lichtkraft, und es hat mich ernüchtert (vri<peiv) Dein Geist 
(nvsvna), der mit mir ist. Höre nun, auf daß ich spreche 

33 Vgl. Mark. 4, 9 u. Parall. 



38 Piatis Sophia. 

in betreff der Reue (neiävoia), welche die Pistis Sophia gesagt 
53 hat, indem sie sagte | ihre Sünde und alles, was ihr geschehen 
war. Deine Lichtkraft hat einst darüber prophezeit {nqo- 
(prfieveiv) durch den Propheten (jcpoyjpjs) David im 68sten 

5 Psalm (rpaXiiög): 

1. Rette mich, o Gott, denn Gewässer sind eingegangen 

bis an meine Seele 

53 2. | Ich versank oder (if) tauchte unter in den Schlamm 
des Abyssus, und nicht war Kraft Ich bin in die Tiefen des 

10 Meeres (ddXaoaa) gestiegen, ein Sturmwind hat mich unter- 
getaucht. 

3. Ich habe geduldet, indem ich schrie; meine Kehle ist 
verflogen, meine Augen sind geschwunden, indem ich auf Gott 
harrte. 

15 4. Derer, die mich ohne Ursach hassen, sind mehr als 
Haare meines Hauptes; es sind mächtig meine Feinde, die 
mich gewalttätig verfolgen (daöxs»). Was ich nicht geraubt 
habe, haben sie von mir gefordert. 

5. Gott, Du hast meine Torheit erkannt, und meine Sünden 
20 sind Dir nicht verborgen. 

6. Laß nicht um meinetwillen zuschanden werden, die 
auf Dich harren {btto^iiveiv), o Herr, Herr der Kräfte; laß nicht 
beschämt werden um meinetwillen, die Dich suchen, o Herr, 
Gott Israels, Gott der Kräfte! 

25 ?. Denn um Deinetwillen habe ich Schmach ertragen, die 
Schande hat mein Gesicht bedeckt. 

8. Ich bin meinen Brüdern fremd geworden, fremd den 
Söhnen meiner Mutter. 

9. Denn der Eifer um Dein Haus hat mich verzehrt, die 
30 Schmähungen derer, die Dich schmähen, sind auf mich gefallen. 

10. Ich beugte durch Fasten (wjtwete) meine Seele (rpv%iq), 
es ward mir zur Schmach. 

11. Ich zog an ein härenes Gewand, ich ward ihnen zum 
Gespött {itaqaßolri). 

54 12. | Es schwatzten über mich, die in den Toren (iciltu) 
sitzen, und es spielten auf der Saite (xfidXXsiv) über mich, die 
Wein trinken. 

4 ff. Paal. 68, 1—12. 



Cap. 33. 



13. Ich aber (öe) betete mit meiner Seele (V"J£>?) zu Dil-, 

• o Herr; die Zeit deines Wohlgefallens ist Gott; in der 54 
Fülle Deiner Gnade höre anf meine Rettung in Wahrheit. 

14. Rette mich aus diesem Schlamme, daß ich in ihm 
nicht versinke ; möge ich gerettet werden vor denen, die mich 5 
hassen, und aus der Wassertiefe. 

15. Laß nicht eine Wasserflut mich untertauchen, nicht 
laß die Tiefe mich verschlingen, nicht laß einen Brunnen 
seinen Mund über mir schließen. 

16. Erhöre mich, o Herr, denn köstlich (xQtjotög) ist Deine 10 
Gnade; nach (ztretf) der Fülle Deiner Barmherzigkeit blicke 
auf mich herab. 

17. Nicht wende Dein Antlitz weg von Deinem Knechte, 
denn ich bin bedrückt (&Mßeiv). 

18. Eilends erhöre mich, gib Acht auf meine Seele (ipvxrj) 15 
und erlöse sie. 

19. Um meiner Feinde willen errette mich, denn (ydq) 
Du kennst meine Schmach und meine Schande und meine 
Beschimpfung; alle meine Bedrücker (&)Jßeiv) sind vor Dir. 

20. Mein Herz erwartete Schmach und Elend {zalamwQia) ; 20 
ich wartete auf den, der mit mir trauern {kvneia&ai) sollte, 
nicht erlangte ich ihn, und auf den, der mich trösten sollte, 
nicht fand ich ihn. 

21. Sie gaben mir Galle zu meiner Speise, sie tränkten 
mich in meinem Durste mit Essig. 25 

22. Möge ihr Tisch {rqdas^a) vor ihnen zur Schlinge 
werden und zum Fallstrick und zur Vergeltung und zum 
Ärgernis (oxdvöakov). 

23. | Mögest Du ihren Rücken beugen zu jeder Zeit. 55 

24. Gieße Deinen Grimm {oq)^) über sie aus, und die 30 
Glut (wörtl.: der Zorn) Deines Grimmes (ogyii) möge sie er- 
fassen. 

25. Möge ihr Lager wüste werden, und kein Bewohner 
in ihren Wohnstätten sein. 

26. Denn den Du geschlagen (ftaräoaeiv) hast, verfolgten 35 
(äultxeiv) sie und fügten hinzu zu dem Schmerz ihrer Wunde. 

lff. Psal. 68, 13-26. 



40 Pistis Sophia. 

27. Sie fügten Verschuldung (&vof*ia) zu ihren Verschul- 

55 düngen {&voixlai\ und nicht laß sie in | Deiner Gerechtigkeit 
(dixaioovvrj) eingehen. 

28. Mögen sie ausgelöscht werden aus dem Buche der 
& Lebendigen, und laß sie nicht aufgeschrieben werden mit den 

Gerechten (Sixaioi). 

29. Ich bin ein Elender und auch betrübt; das Heil 
Deines Antlitzes, o Gott, hat mich zu sich genommen. 

30. Ich will den Namen Gottes im Liede preisen 
10 und ihn erheben im Lobgesang. 

31. Das wird Gott mehr gefallen als ein junger Stier, 
der Hörner und Klauen wirft. 

32. Die Elenden mögen sehen und sich freuen (Evq>Qai- 
veo9ai); verlangt nach Gott, auf daß eure Seelen (i/*X«*) 

15 leben. 

33. Denn der Herr hat die Elenden erhört und nicht hat 
er die Gefangenen verachtet. 

34. Himmel und Erde mögen den Herrn preisen, das 
Meer (d-älaaaa) und alles, was darinnen. 

56 35. | Denn Gott wird Zion retten, und die Städte (nöXeig) 
Judäas werden aufgebaut, und sie werden daselbst wohnen 
und sie (Zion) ererben (xkrjQovo^iüv). 

36. Der Same (<77«%«a) seiner Knechte wird es in Besitz 
nehmen, und die, welche seinen Namen lieben, werden darin 
25 wohnen.« 

CAP. 34. Es geschah nun, als Maria diese Worte zu 
Jesus inmitten der Jünger {^ia»j]taL) zu sagen beendet hatte, 
sprach sie zu ihm: >Mein Herr, dies ist die Auflösung des 
Mysteriums (nvariigiov) der Reue {psx&voia) der Pistis Sophia.« 

56 | Es geschah nun, als Jesus Maria diese Worte hatte 
sagen hören, sprach er zu ihr: Vortrefflich (sfye), Maria! Du 
Selige (naxagia), die Fülle (ttAtj^w,««) oder (»/') die allselige 
(navuaxdQios) Fülle (nrAifcotpa), diese, welche in allen Ge- 
schlechtern (yevsat) selig gepriesen (ßaxag£etv) werden wird.« 

35 CAP. 35. Es fuhr Jesus wiederum in der Rede fort und 
sprach: >Es fuhr die Pistis Sophia wiederum fort und lob- 
pries {vfivsveiv) noch in einer zweiten Reue (ftezävoia), indem 
sie also sprach: 

lff. Psal. 68, 27-36. — 33 Vgl. Lnk. 1, 48. 



Cap. 33-35. 



41 



1. 0 Licht der Lichter, an Dich habe ich geglaubt 
(ttanevEiv), laß mich nicht in der Finsternis bis zur Vollen- 
dung meiner Zeit. 

2. Hilf (ßorj&eZv) mir und errette mich durch Deine 
Mysterien (pvoztfQia); neige Dein Ohr zu mir und errette mich. 5 

3. Möge die Kraft Deines Lichtes mich erretten und mich 
zu den oberen Aeonen (alüveg) tragen, denn Du wirst mich 
erretten und mich zu der flöhe Deiner Aeonen (alüveg) 
führen. 

4. | Errette mich, o Licht, aus der Hand dieser Kraft mit 57 
dem Löwengesicht und aus den Händen der Emanationen 
(rtQoßolai) des göttlichen Authades. 

5. Denn du bist es, o Licht, an dessen Licht ich ge- 
glaubt (rtiareveiv) und auf dessen Licht ich von Anfang an 
vertraut habe. 15 

6. Und ich habe an es geglaubt (rttOTeveiv) von damals, 
wo es mich emaniert {n^oßdlleiv) hat, und Du selbst hast 
mich emanieren (rtQoßälluv) lassen, und ich habe an Dein 
Licht von Anfang an geglaubt (maxemiv). 

7. Und als ich an Dich glaubte (rcioTeveiv), verspotteten 20 
mich die Archonten (aqxovxec) der Aeonen (aläveg), indem sie 
sagten: >Sie hat in ihrem Mysterium (/.warr^iov) aufgehört*. 
Du bist mein Erretter und Du bist mein Erlöser (oumjQ) und 
Du bist | mein Mysterium (/JvorrjQiov), o Licht. 57 

8. Mein Mund ward voll Rühmens, damit ich sage zu 25 
jeder Zeit das Mysterium (pva-irßiov) Deiner Herrlichkeit. 

9. Jetzt nun, o Licht, nicht laß mich im Chaos ixdog) 
während der Vollendung meiner ganzen Zeit; nicht verlaß 
mich, o Licht. 

10. Denn es haben meine ganze Lichtkraft von mir ge-30 
nommen und haben mich umgeben alle Emanationen (nqoßoXal) 
des Authades. Sie wünschten mein ganzes Licht vollständig 
von mir zu nehmen und bewachten meine Kraft. 

11. Indem sie zueinander zugleich sagten: >Das Licht 
hat sie verlassen, laßt uns sie ergreifen und das ganze in 35 
J hr befindliche Licht nehmen<. 

12. | Deswegen nun, o Licht, laß nicht ab von mir; wende öS 
Dich, o Licht, und errette mich aus den Händen der Er- 
barmungslosen. 



42 



Pistis Sophia. 



13. Mögen hinfallen nnd kraftlos werden die, welche 
meine Kraft zu nehmen wünschen. Mögen in Finsternis ein- 
gehüllt werden nnd in Kraftlosigkeit geraten die, welche 
meine Lichtkraft von mir zu nehmen wünschen. 
5 Dies nun ist die zweite Reue (^dvoca), welche die Pisüs 
Sophia gesagt hat, indem sie das Licht pries (^">\ 

CAP 36. Es geschah nun, als Jesus diese Worte seinen 
Jüngern zu sagen beendet hatte sprach er : »Be- 

greift (yoeZy) ihr, in welcher Weise ich mit euch rede?« 
10 Es stürzte Petrus vor und sprach zu Jesus: 'Mein Herr, 
wir werden dieses Weib nicht ertragen (&ve % Bo»ac) können, 
da sie uns die Gelegenheit nimmt und sie niemand von uns 
hat reden lassen, sondern (ÄUrf) vielmals redet.« 

Es antwortete Jesus und sprach zu seinen Jungern 
KUa^al): *Es möge der, in welchem die Kraft seines Geistes 
L a) aufwallen wird, damit er das, was ich sage^ begreift 
58 U4, vortreten und sprechen. Doch (*M nun Du Petrus 
ich sehe Deine Kraft in Dir, daß sie die Auflosung : de 
Mysteriums (mvot^ov) der Rene (^dvoca), welche die Pisti 
20 Sophia gesagt hat, begreift (voslv). Jetzt nun sage Du 
Petrus, den Gedanken (v6 W a) ihrer Eeue (^«»oi«) inmitten 

Deiner Brüder.« T „„.. 

Es antwortete aber (ty Petrus und sprach zu Jesus. 
,0 Herr, höre, auf daß ich den Gedanken (v6 W a) ihrer Reue 

25(um*m«) sage. Es hat über sie Deine Kraft einst durch 
den Propheten (^ifas) David prophezeit in- 
dem sie ihre Reue ^dvoca) im 70sten Psalm (^o S ) sagte; 

59 i. | 0 Gott, mein Gott, ich habe auf Dich vertraut, laß 
mich nimmermehr zuschanden werden! , x , 

30 2 Errette mich in Deiner Gerechtigkeit (öiKawov^) und 
befreie mich; neige zu mir Dein Ohr und errette mich! 

3 Sei mir ein starker Gott und ein fester Ort, mich zu 
erretten; denn Du bist meine Stärke und mein Zufluchtsort 

4 Mein Gott, errette mich aus der Hand des Sundeis 
35 und aus der Hand des Gottlosen {naqdvo^) und des Frevlers 

(Äff£< 5 S) Denn ^ ^ ^ ^ meine Augdauer {ino ^- < 
Herr, Du bist meine Hoffnung (ihtlg) von meiner Jugend 
28 ff. Paal. 70, 1—5. 



Cap. 35—37. 



43 



6. Auf Dich habe ich mich verlassen vom Mutterleibe 
8n; Du hast mich aus dem Leibe meiner Mutter geführt; 
jnein Gedenken ist immerdar in Dir. 

7. Ich bin wie die Verrückten für viele geworden; | Du 59 
bist mein Helfer (ßorft-ög) und meine Stärke, Du bist mein 5 
Erlöser (ocorrja), o Herr. 

8. Mein Mund ward voll Rühmens, damit ich preise den 
ganzen Tag den Ruhm Deiner Herrlichkeit. 

9. Verwirf mich nicht zur Zeit des Alters; wenn meine 
Seele (xfiv%rj) schwindet, verlaß mich nicht! 10 

10. Denn meine Feinde haben Übles wider mich geredet, 
und die auf meine Seele {ipvtfi) lauern, haben wider meine 
Seele (ipvxrf) beratschlagt, 

11. Indem sie zugleich sprachen: >Gott hat ihn verlassen; 
verfolgt und ergreift ihn, denn da ist kein Retter !< 15 

12. Gott, gib Acht auf meine Hilfe (ßo^d-eia) ! 

13. Mögen zuschanden und vernichtet werden die, welche 
meine Seele (t/zi^) verleumden (öiaßdllsiv). | Mögen in Schande 60 
und Schmach eingehüllt werden die, welche Böses wider mich 
trachten. 20 

Dies nun ist die Auflösung der zweiten Reue (ßsidvoia), 
welche die Pistis Sophia gesagt hat.« 

CAP. 37. Es antwortete der Erlöser (awzrjQ) und sprach 
zu Petrus: »Schön (xaAög), Petrus! Dies ist die Auflösung 
ihrer Reue (/.lEzdvoca). Selig (/.laxdQioi) seid ihr vor (naqd) 25 
allen Menschen, die auf Erden, weil ich euch diese Mysterien 
(ßvozr'jQia) offenbart habe. Wahrlich, wahrlich (djttijV, &^v), 
ich sage euch: | Ich werde euch in aller Fülle (Trfofew/ia) von 60 
den Mysterien {^varrfiia) des Innern bis (kog) zu den Mysterien 
(nvorriQia) des Äußern vollenden, und ich werde euch mit dem 30 
Geiste {jtvevf.ia) anfüllen, damit ihr >Pneumatische {nvev^ia- 
rtxoi), vollendet in aller Fülle (rtX^Qwuay, genannt werdet. 
Und wahrlich, wahrlich (i^v, dfir/v), ich sage euch: Ich werde 
euch alle Mysterien (fivatrjQia) von allen Örtern (tötcoi) meines 
Vaters geben und von allen Örtern (töjcoi) des ersten Myste- 35 
riums (ßvotrjQiov), damit der, welchen ihr auf Erden aufnehmen 
Werdet, in das Licht der Höhe aufgenommen werde, und der, 

lff. Psal. 70, 6—13. — 33 ff. Vgl. Matth. 16, 19; 18, 18. — 36 f. Vgl. 
Matth. 26, 29; 7, 21 etc. 



44 Pistis Sophia. 

welchen ihr auf Erden verstoßen werdet, aus dem Reiche 
meines Vaters, der im Himmel, verstoßen werde. Doch («tyv) 
höret nun und horchet auf alle Reuen {juxtoouu), welche die 
Pistis Sophia gesagt hat. 
6 Sie fuhr wiederum fort und sagte die dritte Reue fo««. 

voia), indem sie sprach: 

1. 0 Licht der Kräfte, gib Acht und errette mich. 

2. Mögen ermangeln und in der Finsternis sein, die mein 
Licht von mir zu nehmen wünschen. Mögen sie sich zum 

«Chaos (x*og) wenden | und zuschanden werden, die meine Kraft 
zu nehmen wünschen. 

3. Mögen sich zur Finsternis eilends wenden, die mich 
bedrängen und sagen: Wir sind Herr über sie geworden. 

4. Mögen vielmehr sich freuen und frohlocken alle, die 
15 nach dem Lichte trachten, und mögen sie immerdar sagen, , 

die Dein Mysterium (^wat^iov) wünschen: >Möge sich erheben 
das Mysterium (fivmrjQtov)< . 

5. Mich nun jetzt, o Licht, errette, denn ich ermangelte 
61 meines Lichtes, | das sie genommen haben, und ich bedarf 
80(-xeefa) meiner Kraft, die sie von mir genommen haben. Du 

nun, o Licht, Du bist mein Erlöser (wmfe), und Du bist mem 
Retter; o Licht, eilends rette mich aus diesem Chaos (x<fos).« 

Cap. 38. Es geschah aber (d£), als Jesus diese Worte 
seinen Jüngern (/m^T«) zu sagen beendet hatte, indem er 

25 sagte: >Dies ist die dritte Reue (fierdvoux), welche die Pistis 

' Sophia gesagt hat<, da sprach er zu ihnen: »Möge der, m 
dem der zum Erkennen geeignete (atoftj«j«fc) Geist {Ttvev^a) 
sich erhoben hat, vortreten und den Gedanken («ty/w) der 
Reue (nerdvoia) sagen, welche die Pistis Sophia gesagt hat.« 

30 Es geschah nun, bevor Jesus zu sprechen beendet hatte, 
trat Martha vor, fiel vor seinen Füßen nieder, küßte sie, schrie 
auf und weinte mit lauter Stimme und in Demut, indem sie 
sprach: »Mein Herr, erbarme Dich meiner und habe Mitleid 
mit mir und laß mich die Auflösung der Reue (f^axcu«) 

36 sagen, welche die Pistis Sophia gesagt hat.« 

62 | Und Jesus reichte Martha die Hand und sprach zu ihr: 
»Selig (funtdftog) ist jeder Mensch, der sich demütigt, denn 

37 f. Vgl. Matth. 5, 3. 7. 



Cap. 37-39. 



4f> 



man wird sich seiner erbarmen. Jetzt nun, Martha, Du bist 
selig {na-/.äQLog). Doch (nh/p) verkünde nun die Auflösung 
des Gedankens (vorjfia) der Reue (^letdvoia) der Pistis Sophia.« 

Es antwortete aber (de) Martha und sprach zu Jesus in- 
mitten der Jünger (fiadrjtai): »In betreff der Reue (neidvoia), 5 
welche, o {&) | mein Herr Jesus, die Pistis Sophia gesagt hat, 62 
darüber hat Deine in David befindliche Lichtkraft einst pro- 
phezeit (rtQoyrjxeveiv) im 69sten Psalm (ipa).f.iög) , indem er 
sagte: 

1. 0 Herr Gott, gib Acht auf meine Hilfe (ßorj&eia). 10 

2. Mögen zuschanden werden und beschämt werden, die 
Dach meiner Seele (ipvyri) trachten. 

3. Mögen sich wenden sofort und zuschanden werden, die 
mir sagen: Vortrefflich, vortrefflich (evye, eiye)\ 

4. Mögen jubeln und frohlocken über Dich alle, die nach 15 
Dir trachten, und mögen immerdar sagen: >Möge Gott sich 
erheben <, die Dein Heil lieben. 

5. Ich aber (de) bin ein Elender, ich bin ein Armer; o Herr, 
hilf (ßotjd-ecv) mir! Du bist mein Helfer (ßorftög) und mein 
Schutz; o Herr, säume nicht! 20 

Dies ist nun die Auflösung der dritten Reue (/.leidvoia), 
welche die Pistis Sophia gesagt hat, indem sie die Höhe pries 
(vfiveveiv).* 

CAP. 39. Es geschah nun, als Jesus Martha diese Worte 
hatte sagen hören, sprach er: »Vortrefflich (eöye), Martha, und 25 
schön (xcrAög)!« 

Jesus fuhr wiederum in der Rede fort und sprach zu 
seinen Jüngern (/la&riTccl) -. | »Es fuhr wiederum die Pistis Sophia 63 
in der vierten Reue (ftezdvoia) fort, indem sie sprach, bevor 
sie bedrängt (öUßeiv) wurde zum zweiten Male, damit auch 30 
ihr gesamtes Licht, das in ihr, nähmen die Kraft mit dem 
Löwengesicht und | alle materiellen (ihxoi) Emanationen 63 
(nqoßolal), die mit ihr, welche Authades zum Chaos (%dog) 
gesandt hatte. Sie sagte nun diese Reue (/xetdvoia) also: 

1. 0 Licht, auf welches ich vertraut habe, höre auf meine 35 
Reue (fierävoia), und möge meine Stimme zu Deinem Wohn- 
sitze gelangen. 

10 ff. Psal. 69, 1-5. 



46 Pistis Sophia. 

2. Nicht wende Dein Lichtbild (-ehd>v) von mir weg, 
sondern (&ttd) habe Acht auf mich, wenn sie mich bedrängen; 
eilends rette mich in der Zeit, wo ich zu Dir schreien werde. 

3. Denn meine Zeit ist wie ein Hauch geschwunden, und 
5 ich bin Materie (Sto?) geworden. 

4. Sie haben mein Licht von mir genommen, und meine 
Kraft ist verdorrt. Ich habe mein Mysterium (f*wwfo«w) ver- 
gessen, das ich früher zu vollziehen pflegte. 

5. Von der Stimme der Furcht und der Kraft des Authades 
10 ist meine Kraft in mir geschwunden. 

6. Ich bin geworden wie ein besonderer (tdtog) Dämon 
(Öaliicov), der wohnt in Materie (%), ohne daß Licht in ihm 
ist, und ich bin geworden wie ein änlptttov jcvev^ia, das sich 
befindet in einem materiellen (ihxög) Leibe (o&fia), ohne daß 

15 Lichtkraft in ihm ist. , 

7. Und ich bin geworden wie ein Dekan (dexovog), der 

sich allein in der Luft (<%) befindet. 
64 8. | Es haben mich sehr bedrängt (»Xlßuv) die Emanationen 
(vtQoßolai) des Authades; und es hatte mein Gepaarter (oü&yoQ) 
20 bei sich gesprochen: 

9. »Anstatt mit Licht, das in ihr, haben sie sie mit Chaos 
( x äos) angefüllte Ich habe den Schweiß meiner eigenen 
Materie (fttq) verschlungen und die Angst der Tränen von der 
Materie {Shj) meiner Augen, damit nicht das andere nehmen 
26 die, welche mich bedrängen. 

64 10. Dies alles ist mir, o Licht, geschehen durch | Dein 
Gebot und Deinen Befehl, und Dein Gebot ist es, daß ich 
mich in diesem befinde. 

11. Dein Gebot hat mich hinabgeführt, und ich bin hin- 
30 abgegangen wie eine Kraft des Chaos fodos), und meine Kratt 

ist in mir erstarrt. 

12. Du aber (dt), o Herr, bist ewiges Licht und suchst 
heim, die immerdar bedrängt sind. 

13 Jetzt nun, o Licht, erhebe Dich und suche meine 
3B Kraft und die in mir befindliche Seele (</>^. Dem Gebot 
ist vollendet, welches Du für mich in meinen Drangsalen 
(MtyeLs) bestimmt hast. Meine Zeit ist da (wörtl.: ist ge- 
schehen), daß Du meine Kraft und meine Seele (xttvxn) suchest, 



Cap. 39. 40. 



47 



nn d das ist die Zeit, welche Du bestimmt hast, mich zu 
suchen. 

14. Denn Deine Erlöser haben die in meiner Seele {ipvyjj) 
befindliche Kraft gesucht, weil vollendet ist die Zahl (&Qi&p6s), 
und damit auch ihre Materie (vty) gerettet werde. 5 

15. Und dann (röte) werden in jener Zeit alle Archonten 
(Üqxoyies) der materiellen (vhxo£) Aeonen (al&veg) sich vor 
Deinem Lichte furchten, | und alle Emanationen (rtQoßoXai) des 65 
dreizehnten materiellen (vfomg) Aeons (alwv) werden sich vor 
dem Mysterium (pvorrjQiov) Deines Lichtes fürchten, damit die 10 
andern das Gereinigte ihres Lichtes anziehen. 

16. Denn der Herr wird die Kraft eurer Seele (V^ij) 
suchen; er hat sein Mysterium (pvozrjQtov) offenbart, 

17. Damit er auf die Eeue {nerdvoia) derer, die in den 
Örtern (tötcol) unterhalb sich befinden, schaue, und nicht hat 15 
er ihre Eeue (fiszävoia) übersehen. 

18. Dies ist nun jenes Mysterium QivavjQiov), welches ge- 
worden ist Vorbild (rwrog) in betreff des Geschlechtes (yevog), 
welches geboren werden wird, und das Geschlecht (yevog), 
welches geboren werden wird, wird die Höhe preisen (vpveveiv). 20 

19. Denn das Licht hat aus der Höhe seines Lichtes 
herausgeschaut; es wird herabschauen auf | die gesamte 65 
Materie (vkrj), 

20. Zu hören auf das Seufzen der Gefesselten, zu lösen 
die Kraft der Seelen (xfivyal), deren Kraft gebunden ist, 25 

21. Damit es lege seinen Namen in die Seele (V^X 1 ?) und 
sein Mysterium (nvoirjoiov) in die Kraft.« 

CAP. 40. Es geschah aber (öi), während Jesus diese 
Worte zu seinen Jüngern (fiaihjrai) sagte, indem er zu ihnen 
sprach: »Dies ist die vierte Reue (/lerdvoca), welche die Pistis 30 
Sophia gesagt hat; jetzt nun. wer begreift (voelv), möge be- 
greifen (voeiv);< — es geschah nun, als Jesus diese Worte 
gesagt hatte, trat Johannes vor, betete an die Brust Jesu 
n nd sprach: »Mein Herr, befiehl (xekeösiv) auch mir und ge- 
statte (avyxuQElv) mir, die Auflösung der vierten Eeue (tierä-3& 
v ota) zu sagen, | welche die Pistis Sophia gesagt hat.t ßß 

31 Vgl. Matth. 19, 12; 24, 16. 



48 Pistis Sophia. 

Jesus sprach zu Johannes : »Ich befehle (xe/.Eveiv) Dir und 
gestatte (avy%aqav) Dir, die Auflösung der Reue (fiezAnoia) 
zu sagen, welche die Pistis Sophia gesagt hat.« 

Es antwortete Johannes und sprach: »Mein Herr und Er- 
5 löser (dwiijf), in betreff dieser Reue (fierdvoia), welche die 
Pistis Sophia gesagt hat, hat einst Deine in David befindliche 
Lichtkraft im 101 sten Psalm (ipa).(wg) prophezeit (jiQoytpsveiv) : 

L Herr, höre auf mein Flehen, und möge meine Stimme 
zu Dir gelangen. 
10 2. Nicht wende Dein Antlitz von mir weg, neige Dein 
Ohr zu mir an dem Tage, wo ich bedrängt (&Mßeiv) werde; 
eilends höre auf mich an dem Tage, wo ich zu Dir schreien 
werde. 

66 3. Denn | meine Tage sind geschwunden wie Rauch 
15 (xccTtvög), und meine Gebeine sind gebrannt wie Stein. 

4. Ich bin versengt wie Gras (wqtoq), und mein Herz ist 
verdorrt; denn ich habe vergessen, mein Brot zu essen. 

5. Von der Stimme meines Stöhnens klebte mein Gebein 

an meinem Fleisch (<"*?§)• 
20 6. Ich bin geworden wie ein Pelikan in der Wüste, ich 
bin geworden wie ein Kauz im Hause. 

7. Ich habe wachend die Nacht zugebracht, ich bin ge- 
worden wie ein Spatz allein auf dem Dache. 

8. Den ganzen Tag baben mich meine Feinde gelästert, 
25 und die mich ehren, haben bei mir geschworen. 

67 9. | Denn ich habe Asche anstatt meines Brotes gegessen, 
ich habe gemischt (xeQavvvvai) meinen Trank mit Tränen. 

10. "Vor Deinem Zorn (ÖQyif) und Deinem Grimm, denn 
Du hast mich emporgehoben und hast mich zu Boden geworfen. 
30 11. Meine Tage haben sich geneigt wie ein Schatten, und 
ich bin verdorrt wie Gras (xÖQiog). 

12. Du aber (6£), o Herr, bleibst bis in Ewigkeit und 
Dein Gedenken bis zu Geschlecht des Geschlechtes. 

13. Erhebe Dich und erbarme Dich Zions, denn die Zeit 
35 ist da (wörtl.: ist geschehen), sich ihrer zu erbarmen, denn 

der Zeitpunkt (xaiQÖg) ist gekommen. 

14. Deine Knechte haben ihre (sc. Zions) Steine begehit, 
und sie werden sich ihres Landes erbarmen. 

8 ff. Psal. 101, 1—21. 



Cap. 40. 41. 



49 



15. Und die Heiden (e#wj) werden sich vor dem Namen 
des Herrn fürchten, und die Könige der Erde werden sich 
vor Deiner Herrlichkeit fürchten. 

16. Denn der Herr wird Zion aufbauen und sich in seiner 
Herrlichkeit offenbaren. 5 

17. Er hat geschaut auf das Gebet der Niedrigen und 
ihre Bitte nicht verschmäht. 

18. Aufgeschrieben werde dieses für ein anderes Geschlecht, 
und das Volk (laög), das geschaffen werden wird, wird den 
Herrn preisen, 10 

19. Weil er auf seine heilige Höhe herabgeschaut hat; 
der Herr hat vom Himmel auf die Erde herabgeschaut, 

20. Um das Seufzen | der Gefesselten zu hören, zu lösen 67 
die Söhne derer, welche getötet sind, 

21. Zu verkündigen den Namen des Herrn in Zion und 15 
seinen Preis in Jerusalem. 

| Dies ist, mein Herr, die Auflösung des Mysteriums Cmuottj- 68 
qiov) der ßeue (fieTdvoia), welche die Pistis Sophia gesagt hat.« 

CAP. 41. Es geschah nun, als Johannes diese Worte zu 
Jesus inmitten seiner Jünger {^ad^tal) zu sagen beendet hatte, 20 
sprach er zu ihm: »Vortrefflich (dys), Johannes, Du Jungfräu- 
licher (7ra(>^«'oe),der in dem Lichtreiche herrschen (<%et>-) wird!* 

Es fuhr aber (de) Jesus wiederum in der fiede fort und 
sprach zu seinen Jüngern (fta&t]tal): »Es geschah wiederum 
also: Die Emanationen (ngoßoXai) des Authades bedrängten 25 
wiederum die Pistis Sophia in dem Chaos (%doi) und wünschten 
ihr ganzes Licht wegzunehmen, und noch nicht war ihr Gebot, 
sie aus dem Chaos (jäog) heraufzuführen, vollendet, und noch 
nicht war zu mir der Befehl (x&evmg) durch das erste Myste- 
rium (ixvaxriQiov) gelangt, sie aus dem Chaos (ydog) zu retten. 30 
Es geschah nun, als alle materiellen (vfoxol) Emanationen 
(nQoßo/.ai) des Authades sie bedrängten, schrie sie auf und 
sagte die fünfte Eeue (fte^dvota), indem sie sprach: 

1. 0 Licht meines Heiles, ich preise (iftv&Seiv) Dich im 
Orte (tönog) der Höhe und wiederum im Chaos (xrfog). 35 

2. Ich werde Dich preisen (fytvetieiv) in meinem Lobpreis 
WHvos)- ich habe Dich in der Höhe gepriesen (ipvevetv), und 
^ er (sc. Lobpreis), mit welchem ich Dich gepriesen (vfiveveiv) 

Iff. Psal. 101, 15—21. 
Sohmldt: Pistis Sophia. 4 



50 Pistis Sophia. 

habe, da ich im Chaos (xdog) war, möge vor Dir gelangen, 
nnd gib Acht, o Licht, auf meine Eeue (jistdvoia). 

68 3. Denn meine Kraft ist angefüllt mit | Finsternis, und 
mein Licht ist hinabgegangen zum Chaos (xdog). 

69 4. | Ich selbst bin geworden wie die Archonten (itgxovteg) 
des Chaos (xdog), die zu den Finsternissen unterhalb gegangen 
sind; ich bin geworden wie ein materieller (vlr/.6g) Körper 
(o&ua), der nicht hat in der Höhe jemand, der ihn retten wird. 

5. Ich bin auch geworden wie Materien (vlai), aus denen 
10 ihre Kraft genommen ist, da sie in den Chaos (xdog) hinab- 
geworfen sind, die Du nicht gerettet hast, und sie sind durch 
Dein Gebot zugrunde gerichtet. 

6. Jetzt nnn haben sie mich in die Finsternis unterhalb 
gestellt, in Finsternisse und Materien (v).ai), die tot sind und 

15 in denen keine Kraft. 

7. Du hast Dein Gebot über mich gebracht und alle Dinge, 
die Du bestimmt hast, 

8. Und Dein Geist (rtveBfia) ist gewichen und hat mich 
verlassen. Und ferner durch Dein Gebot haben die Ema- 

20nationen (aqoßolal) meines Aeons (aldtv) mir nicht geholfen 
(ßorj&eiv) und haben mich gehaßt und sich von mir getrennt, 
und noch nicht bin ich völlig vernichtet. 

9. Und meiu Licht hat sich in mir vermindert, und ich 
habe hinauf zum Lichte geschrien mit dem ganzen in mir 

25 befindlichen Lichte und habe meine Hände zu Dir ausge- 
breitet. 

10. Jetzt nun, o Licht, wirst Du etwa Gut?) Dein Gebot 
im Chaos (xdog) vollenden, und werden etwa (w) die Retter, 
die Deinem Gebote gemäß (xazrf) kommen werden, sich in 

30 der Finsternis erheben und kommen und Dir Jünger sein 
(ftaxhjzeveiv) ? 

11. Werden sie etwa H) das Mysterium (ßvorrjoiov) Deines 
Namens im Chaos (xdog) sagen? 

70 12. | Oder ($/) werden sie vielmehr Deinen Namen in einer 
35 Materie (vXrj) des Chaos (xdog) sagen, in welchem (sc. Chaos) 

Du nicht reinigen wirst? 

13. Ich aber (öe) habe gepriesen (viiveveiv) Dich, o Licht, 
69 und meine Reue (fierdvoia) wird Dich | in der Höhe erreichen. 

14. Möge Dein Licht über mich kommen, 



Cap. 41. 42. 



51 



15. Denn sie haben mein Licht von mir genommen, und 
ich befinde mich in Leiden wegen des Lichtes seit der Zeit, 
w o ich emaniert (rtgoßdlleiv) bin. Und als ich in die Höhe 
zum Lichte geblickt hatte und geblickt hatte nach unten auf 
die im Chaos (%dog) befindliche Lichtkraft, da bin ich aufge- 6 
standen und hinabgegangen. 

16. Dein Gebot kam über mich, und die Schrecken, die 
Du bestimmt hast für mich, haben mich in Verwirrung ge- 
bracht, 

17. Und sie haben mich umgeben, zahlreich wie Wasser, io 
sie haben mich zugleich meine ganze Zeit erfaßt. 

18. Und durch Dein Gebot hast Du nicht meine Emanations- 
Genossen (icQoßo/.ai-) mir helfen (ßo^eiv) lassen, und nicht 
hast Du meinen Gepaarten (otävyog) mich aus meinen Drang- 
salen (ütiijieig) erretten lassen. 15 

Dies nun ist die fünfte Reue (fierdvoia), welche die Pistis 
Sophia gesagt hat im Chaos (xdog), als alle materiellen (uhxol) 
Emanationen {rtQoßolal) des Authades fortgefahren und sie 
bedrängt {d-Ußuv) hatten.« 

CAP. 42. Als nun Jesus dieses zu seinen Jüngern (na9)]tai)20 
gesagt hatte, sprach er zu ihnen: »Wer Ohren hat zu hören, 
| der höre; und wessen Geist (jtvev/.ia) in ihm aufwallt, trete 71 
vor und sage die Auflösung des Gedankens (v%/a) der fünften 
Reue {(lErdvoia) der Pistis Sophia.« 

Und als Jesus diese Worte zu sagen beendet hatte, 25 
stürzte Philippus vor, stellte sich hin und legte das Buch, 
das in seiner Hand, nieder, — denn (yd Q ) er ist der Schreiber 
aller Reden, die Jesus sprach, und alles dessen, was er tat, 
~- es trat nun | Philippus vor und sprach zu ihm: »Mein 70 
Herr, bin ich es denn (fir'jzi) allein, dem Du aufgetragen hast, 30 
für die Welt (wJquog) Sorge zu tragen und alle Reden, die 

sagen und tun werden, niederzuschreiben? Und nicht 
hast Du mich vortreten lassen, die Auflösung der Mysterien 
(ttvoTTjQia) der Reue (ßerdvoia) der Pistis Sophia zu sagen. 
ß enn ( r dg) mein Geist (nveu^ia) wallte oftmals in mir auf und 35 
w ar aufgelöst und trieb (ivayxa&iv). mich heftig an, Vorzü- 
gen und die Auflösung der Reue (/.leidvoia) der Pistis Sophia 

21 Vgl. Mark. 4, 9 n. Parall. 

i* 



52 Pistis Sophia. 

zu sagen, und nicht konnte ich vortreten, weil ich der 
Schreiber aller Reden bin.« 

Es geschah nun, als Jesus Philippus gehört hatte, sprach 
er zu ihm: »Höre, Philippus, Du Seliger (fiaxttyog), damit ich 
5 mit Dir rede: Du und Thomas und Matthäus sind es, welchen 
durch das erste Mysterium (tivtmfoiov) aufgetragen ist, alle 
Eeden zu schreiben, die ich sagen und tun werde, und alle 
Dinge, die ihr sehen werdet. Was Dich aber (di) betrifft, so 
ist bis jetzt noch nicht die Zahl (iQ^ög) der Reden, welche 
10 Du schreiben sollst, vollendet; wenn sie nun vollendet, sollst 
Du vortreten und verkünden, was Dir gefällt. Jetzt nun 
72 sollt ihr drei | alle Reden niederschreiben, die ich sagen und 
tun werde und (alle Dinge), die ihr sehen werdet, auf daß 
ihr bezeuget alle Dinge des Himmelreiches.« 
15 CAP. 43. Als nun Jesus dies gesagt hatte, sprach er zu 
seinen Jüngern {na^tal): »Wer Ohren hat zu hören, der höre.« 
71 | Es stürzte wiederum Maria vor, trat in die Mitte, stellte 
sich bei Philippus hin und sprach zu Jesus: »Mein Herr, 
mein Lichtbewohner hat Ohren, und ich bin bereit mit meiner 
20 Kraft zu hören, und ich habe das Wort begriffen (voelv), 
welches Du gesagt hast. Jetzt nun, mein Herr, höre, auf 
daß ich offen (Tta^ala) rede. Du hast zu uns gesagt: >Wer 
Ohren hat zu hören, der höre.* In betreff des Wortes, das 
Du zu Philippus gesagt hast: >Du und Thomas und Matthäus 
25 sind es, welchen dreien euch durch das erste Mysterium 
(ftvatr^tov) aufgetragen ist, alle Reden des Lichtreiches zu 
schreiben und dafür zu zeugen«, höre nun, damit ich ver- 
kündige die Auflösung dieses Wortes, — dieses ist, das Deine 
Lichtkraft einst durch Moses prophezeit {nQOff^revsiv) hat: 
30 »Durch zwei und drei Zeugen soll jede Sache festgestellt 
werden<; die drei Zeugen sind Philippus und Thomas und 
Matthäus.« 

Es geschah nun, als Jesus dieses Wort gehört hatte, 
sprach er: »Vortrefflich (evye), Maria! Dies ist die Auflösung 
7» des Wortes. Jetzt | nun tritt, Du Philippus, vor und ver- 

16 Vgl. Mark. 4, 9 u. Parall. - 22 f. Vgl. Mark. 4, 9 u. Parall. - 
30 Deut 19, 15; vgl. Matth. 18, 16. 

13 Im Ms. „alle Dinge" ausgelassen und fälschlich „was ich sehen 
werde nnd auf daß ich bezeuge". 



Cap. 42. 43. 



63 



kündige die Auflösung der fünften Reue (/xeidvoia) der Pistis 
Sophia, und darnach setze Dich nieder und schreibe alle 
Beden, die ich sagen werde, bis daß die Zahl {&gi&n6g) Deines 
Anteils (ffyog), den Du von den Worten des Lichtreiches 
schreiben sollst, vollendet ist ; — darnach wirst Du vortreten 5 
und sagen, was Dein Geist (TtvsDfia) begreifen (voeiv) wird. 
Doch (jtlrjv) jetzt nun | verkündige die Auflösung der fünften 72 
Beue (jiEt&voia) der Pistis Sophia. 

Es antwortete aber (de) Philippus und sprach zu Jesus: 
»Mein Herr, höre, auf daß ich die Auflösung ihrer Reueio 
(fierdvoia) sage. Denn (yäq) in betreff ihrer hat einst Deine 
Kraft durch David prophezeit (7iQO(prjieveiv), indem sie im 
87sten Psalm (ipalfiög) sagte: 

2. Herr, Gott meines Heils, bei Tag und bei Nacht habe 
ich geschrien zu Dir. 16 

3. Möge mein Flehen vor Dir kommen, neige Dein Ohr 
meiner Bitte, o Herr. 

4. Denn meine Seele (V«>x»f) i st angefüllt mit Bösem, mein 
Leben hat sich der Unterwelt genähert. 

5. Ich bin denen zugezählt, die in die Grube binabgefahren 20 
sind; ich bin geworden wie ein Mensch, der keinen Helfer 
(ßorßög) hat. 

6. Die Freien (elsöd-sQoi) unter den Toten sind wie Er- 
schlagene, die hingeworfen und in Gräbern (idcpoi) schlafen, 
deren Du nicht mehr gedacht hast, und sie sind durch Deine 25 
Hände vernichtet. 

7. Man hat mich in eine Grube unterhalb gestellt, in 
Finsternisse und Schatten des Todes. 

8. | Dein Grimm hat sich über mir befestigt und alle Deine 74 
Sorgen sind über mich gekommen. Sela (öidipal/Aa). 30 

9. Du hast meine Bekannten von mir entfernt, sie haben 
mich zum Abscheu für sieb gesetzt; ich wurde hingegeben, 
und nicht bin ich gegangen. 

10. Mein Auge ist schwach geworden infolge meines Elends; 
!ch habe hinaufgeschrien zu Dir, o Herr, den ganzen Tag und 35 
ausgebreitet meine Hände zu Dir. 

14 Ps. 87, 2—10. 

32 Im Ms. fälschlich „ich wurde gesetzt". 



54 



Pistis Sophia. 



11. Wirst Da etwa (/<??') Deine Wunder an den Toten tan, 
werden etwa (/«J) die Ärzte aufstehen und Dir bekennen 
(ofioXoyslv)? 

73 12. Wird man etwa (ttf) Deinen Namen in den | Gräbern 
b(tdqioi) verkündigen, 

13. Und Deine Gerechtigkeit (dixcuoovvtj) in einem Lande, 
das Du vergessen hast? 

14. Ich aber (öe) habe hin aufgeschrien zu Dir, o Herr, 
und mein Gebet wird Dich in der Frühe erreichen. 

10 15- Nicht wende Dein Antlitz von mir weg. 

16. Denn ich bin ein Elender, ich bin in Leiden von 
meiner Jugend auf; als ich mich abei (<5^) erhoben hatte, habe 
ich mich gedemütigt und bin aufgestanden. 

17. Deine Zornesgluten ipQyat) sind über mich gekommen 
15 und Deine Schrecken haben mich in Verwirrung gebracht. 

18. Sie haben mich wie Wasser umgeben, sie haben mich 
den ganzen Tag erfaßt. 

19. Meine Genossen hast Du von mir entfernt und meine 
Bekannten von meinem Elend {xalamwQia). 

20 Dies nun ist die Auflösung des Mysteriums ((ivorfßiov) der 
fünften Reue (jietdvoia), welche die Pistis Sophia gesagt hat, 
als sie im Chaos {%doq) bedrängt (&Xißeiv) wurde.« 

75 CAP. 44. | Es geschah nun, als Jesus Philippus diese 
Worte hatte sagen hören, sprach er: »Vortrefflich (tiye), 

25 Philippus, Du Geliebter! Jetzt nun komm, setze Dich und 
schreibe Deinen Anteil (nfyog) von allen Reden, die ich sagen 
und tun werde, und von allen Dingen, die Du sehen wirst.« 
— Und sofort setzte sich Philippus nieder und schrieb. 

Es geschah darnach, da fuhr Jesus wiederum in der Rede 

Büfort und sprach zu seinen Jüngern (fia&rizal): »Da (tot«) schrie 
die Pistis Sophia hinauf zum Lichte. Es (sc. Licht) vergab 
ihre Sünde, daß sie ihren Ort (rörcog) verlassen hatte und zur 
Finsternis hinabgegangen war. Sie sagte die sechste Reue 
(fierdvoia), indem sie also sprach: 

74 1. Ich habe gepriesen (vfiveveiv) | Dich, o Licht, in der 
Finsternis unterhalb. 

2. Höre auf meine Reue (ftezdvoia), und möge Dein Licht 
Acht geben anf die Stimme meines Flehens! 
lff. Psal. 87, 11-19. 



Cap. 43-45. 



55 



3. 0 Licht, wenn Da meiner Sünde gedenkst, werde ich 
nicht vor Dir bestehen können, und Du wirst mich verlassen. 

4. Denn Du bist, o Licht, mein Ketter, um des Lichtes 
Deines Namens willen habe ich an Dich geglaubt (mortveiv), 

o Licht. 5 

6. Und meine Kraft hat an Dein Mysterium (fwar^giov) 
geglaubt (morevEiv) ; und ferner hat meine Kraft auf das Licht 
vertraut, befindlich in der Höhe (wörtl.: in denen von d. H.), 
und sie hat auf es vertraut, befindlich im Chaos (xdog) unterhalb. 

6. Mögen alle Kräfte, die in mir, auf das Licht vertrauen, 10 
da ich in der Finsternis unterhalb mich befinde, und wieder- 
um mögen sie auf es vertrauen, wenn sie zu dem Orte (rönog) 
der Höhe kommen. 

7. | Denn es (sc. Licht) erbarmt sich unser und erlöst uns, 76 
und ein großes rettendes Mysterium (nvotfjQiov) ist in ihm. 15 

8. Und es wird alle Kräfte aus dem Chaos (y,äog) retten 
um meiner Übertretung {jtaQÜßaoig) willen, denn ich habe 
meinen Ort (tokos) verlassen und bin zum Chaos (xdog) hinab- 
gegangen. 

Jetzt nun, dessen Verstand (vovg) erhaben ist, möge be-20 
greifen (voüv).* 

CAP. 45. Es geschah nun, als Jesus diese Worte seinen 
Jüngern (fiad-r^ai) zu sagen beendet hatte, sprach er zu ihnen: 
»Begreift (voelv) ihr, in welcher Weise ich mit euch rede?f 

Es trat Andreas vor und sprach: »Mein Herr, in betreff 25 
der Auflösung der sechsten Reue (/.tetdvoia) der Pistis Sophia 
hat Deine Lichtkraft einst durch David im 129sten Psalm 
(ipal/iög) prophezeit (nQotprjTeijeiv), indem sie sprach: 

| 1. Aus den Tiefen habe ich hin aufgeschrien zu Dir, o Herr. 75 

2. Höre auf meine Stimme! Mögen Deine Ohren Acht30 
geben auf die Stimme meines Flehens! 

3. 0 Herr, wenn Du auf meine Verschuldungen (avo/.äai) 
Acht gibst, wer wird bestehen können? 

4. Denn die Vergebung ist bei Dir; um Deines Namens 
Hillen habe ich geharrt (vno^ievsiv) auf Dich, o Herr. 35 

5. Meine Seele (ipvxtf) hat auf Dein Wort geharrt (vjto- 

29 ff. Psal. 129, 1—5. 



56 



Pistis Sophia. 



6. Meine Seele (j/wjciJ) hat gehofft (ttitlteiv) auf den Herrn 
von Morgen bis zum Abend; möge Israel hoffen (ilTclt,eiv) auf 
den Herrn von Morgen bis zum Abend. 
77 7. | Denn bei dem Herrn steht die Gnade und bei ihm ist 
5 große Erlösung. 

8. Und er wird Israel ans allen seinen Verschuldungen 
(&vo{Uai) erlösen.« 

Es sprach Jesus zu ihm: »Vortrefflich (evye), Andreas, 
Du Seliger (fiax<ÜQiog)\ Dies ist die Auflösung ihrer Reue 
10 (petdvota). Wahrlich, wahrlich («fy<i?V, äftrfv), ich sage euch: 
Ich werde euch in allen Mysterien (ftvarr^ia) des Lichtes 
vollenden und in allen Erkenntnissen (yvwoeig) vom Innern 
der Inneren bis zum Äußern der Äußeren, vom Unaussprech- 
lichen bis zur Finsternis der Finsternisse, und vom Licht der 
15 Lichter bis zum Bodensatz (?) der Materie von allen Göttern 
bis zu den Dämonen (öaifiövia), von allen Herren bis zu den 
Dekanen (öexavoi), von allen Gewalten (el-ovolai) bis zu den 
Liturgen (XeiTovQyoi), von der Schöpfung der Menschen bis zu 
den Tieren (^rjQla), dem Vieh und den Reptilien, auf daß ihr 
76 »Vollkommene (tikuoi), vollendet in | aller Fülle (7tlr,Q(ofia)< , 
genannt werdet. Wahrlich, wahrlich (afxijv, &p/p>\ ich sage 
euch : An dem Orte (idnog), wo ich im Reiche meines Vaters 
sein werde, werdet auch ihr mit mir sein. Und wenn die voll- 
kommene (rttetog) Zahl (ScQi&fiög) vollendet ist, damit die 
25 Mischung (-neoa^wg) aufgelöst werde, werde ich befehlen 
(xekeveiv), daß man alle tyrannischen (tvq(xvvoi) Götter, die das 
Gereinigte ihres Lichtes nicht gegeben haben, bringe, und 
werde befehlen (xeXeveiv) dem weisen Feuer, über welches die 
Vollkommenen (teXsiot) übersetzen, an jenen Tyrannen (tvoavvoi) 
30 zu fressen, bis daß sie das letzte Gereinigte ihres Lichtes 
geben.« 

78 \ Es geschah nun, als Jesus diese Worte seinen Jüngern 
(ftaihfcal) zu sagen beendet hatte, sprach er zu ihnen: »Be- 
greift (voe.lv) ihr, in welcher Weise ich mit euch spreche?* 

lff. Paal. 129, 6-8. — 22 Vgl. Matth. 26, 29; Luk. 22, 30. 

15 Die Bedeutung des betreffenden koptischen Wortes ist unbekannt ; 
vielleicht ist es das koptische Wort für vli\ = Materie ; nach Sethes Ver- 
mutung „Bodensatz". 



Cap. 45. 46. 



57 



Maria sprach: »Ja, Herr, ich habe begriffen (voüv) das 
Wort, welches Du sagst. In betreff des Wortes nun, das Du 
gesagt hast: >Bei der Auflösung der ganzen Mischung (xe- 
gaoftög) würdest Du auf einer Lichtkraft sitzen und Deine 
Jünger (nadrpai), d. h. wir, würden zur Rechten von Dir sitzen, 5 
und Du würdest die tyrannischen {xvqavvoi) Götter, welche 
das Gereinigte ihres Lichtes nicht gegeben haben, richten, 
und das weise Feuer würde an ihnen fressen, bis sie das 
letzte in ihnen befindliche Licht geben <, — in betreff dieses 
Wortes nun hat Deine Lichtkraft einst durch David prophe- io 
zeit (TTQocprjzevetv), indem sie im 81 sten Psalm (ipakftög) sagte : 

Gott wird in der Versammlung (ovvayioytf) der | Götter 77 
sitzen und über die Götter Gericht halten.« 

Jesus sprach zu ihr: »Vortrefflich (eöys), Maria!« 

CAP. 46. Es fuhr Jesus wiederum in der Rede fort und 15 
sprach zu seinen Jüngern (/.la&rjtai): »Es geschah, als die 
Pistis Sophia die sechste Reue (netävoia) wegen der Vergebung 
ihrer Übertretung (ttaQdßaaig) zu sagen beendet hatte, wandte 
sie sich wiederum zur Höhe, um zu sehen, ob ihre Sünden 
ihr vergeben wären, und um zu sehen, ob man sie aus 20 
dem Chaos (xäog) hinaufführen würde, und noch nicht war 
sie erhört durch den Befehl (xekevoig) des ersten Mysteriums 
(nvoTrßiov), daß ihre Sünde vergeben und sie aus dem Chaos 
{%äog) hinaufgeführt würde. | Als sie sich nun zur Höhe ge- 7» 
wandt hatte, um zu sehen, ob ihre Reue (/iSTavota) von ihr 25 
angenommen wäre, da sah sie alle Archonten {liQxovrsg) der 
zwölf Aeonen (aiüveg) sie verspotten und über sie sich freuen, 
weil ihre Reue (utrüvoia) von ihr nicht angenommen war. 
Als sie nun sie sah, daß sie sie verspotteten, ward sie sehr 
traurig (Xvitüo9at) und erhob ihre Stimme zur Höhe, indem 30 
sie in der siebenten Reue (^srdvoia) sprach: 

1. 0 Licht, zu Dir habe ich meine Kraft erhoben, mein Licht. 

2. An Dich habe ich geglaubt (mateveiv); nicht laß mich 
verachtet werden, und nicht laß die Archonten (&q%ovt;es) der 
zwölf Aeonen (aiüveg), die mich hassen, sich über mich freuen. 35 

3. Denn (ydg) alle, die an Dich glauben (ituneiuv), werden 
Dicht zuschan den werden; es mögen bleiben in Finsternis die, 
Welche meine Kraft genommen haben, und nicht sollen sie 

5 Vgl. Luk. 22, 30. — 12 Psal. 81, 1. 



58 



Pistis Sophia. 



Nutzen von ihr haben, sondern (&l).d) sie (sc. Kraft) soll von 
ihnen genommen werden. 

78 | 4. 0 Licht, zeige mir Deine Wege, und ich werde auf 
ihnen gerettet werden, und zeige mir Deine Bahnen, damit 

6 ich aus dem Chaos (%<*og) gerettet werde. 

5. Und leite mich in Deinem Lichte, und möge ich wissen, 
o (S>) Licht, daß Du mein Retter bist; auf Dich werde ich 
vertrauen meine ganze Zeit. 

6. Gib Acht, daß Du mich rettest, o Licht, denn Deine 
10 Barmherzigkeit ist (währet) ewig. 

7. Was meine Übertretung {Ttaqüßaais) anbetrifft, die ich 
von Anfang an in meiner Unwissenheit begangen habe, nicht 
rechne sie mir an, o Licht, sondern (äUdj rette mich vielmehr 
durch Dein großes Sünden vergebendes Mysterium (/.ivav^iov) 

15 um Deiuer Güte (-ä'/a^ög) willen, o Licht. 

so 8. | Denn gütig (äya&ög) und aufrichtig ist das Licht. Des- 
wegen wird es (sc. das Licht) mir gestatten (wörtl.: meinen 
Weg mir geben), aus meiner Übertretung (nctqäßaat^) gerettet 
zu werden, 

20 9. Und meine Kräfte, die vermindert sind durch die Furcht 
vor den materiellen (vIivlol) Emanationen (nqoßolai) des 
Anthades, wird es nach seinem Gebot leiten, und meine Kräfte, 
die durch die Unbarmherzigen vermindert sind, wird es seine 
Erkenntnis lehren. 

2ö 10. Denn alle Erkenntnisse des Lichtes sind Rettungen 
und sind Mysterien (fivarrfiia) für alle, die nach den Ortern 
(tÖ7zoi) seines Erbes (xlriQovoiäa) und nach seinen Mysterien 
((ivoTrjQia) verlangen. 

11. Um des Mysteriums (^vaxr'iQiov) Deines Namens willen, 
30o Licht, vergib meine Übertretung (itaq&ßaoig), denn groß 

ist sie. 

12. Einem jedem, der vertraut auf das Licht, wird es das 
Mysterium (^vanjQiov) geben, welches ihm gefällt. 

13. Und seine Seele (ipvxfy wird an den Örtern (xÖTtoi) 
35 des Lichtes sein (weilen), und seine Kraft wird ererben 

79 (vlrßovoi.uiv) den | Lichtschatz (-fhrjoavQog). 

14. Das Licht gibt Kraft denen, die an es glauben 
(moteveiv), und der Name seines Mysteriums (fivat^Qiov) ge- 
hört denen, die auf es vertrauen, und es wird ihnen zeigen 



Cap. 46. 



59 



den Ort (törcog) des Erbes (■Klr^ovofiia), der im Lichtschatz 
^.d-ijacagög) ist. 

15. Ich aber (ds) habe an das Licht immerdar geglaubt 
ütioteveiv), denn es wird meine Füße aus den Banden der 
Finsternis retten. 5 

16. Gib Acht auf mich, o Licht, und rette mich, denn 
(yctq) meinen Namen haben sie im Chaos (%äos) von mir ge- 
nommen. 

17. | Vor (jtctQä) allen Emanationen (nQoßoXaf) sind sehrsi 
zahlreich meine Drangsale {»Uifieig) und meine Bedrängnis 10 
gewesen; rette mich aus meiner Übertretung {naqäßaaig) und 
dieser Finsternis, 

18. Und sieh auf das Leiden meiner Bedrängnis und vergib 
meine Übertretung (rragaßaais). 

19. Gib Acht auf die Archonten (ItQxovveg) der zwölf 15 
Aeonen (aiwvsg), welche mich aus Eifersucht gehaßt haben. 

20. Wache über meiner Kraft und rette mich und laß 
mich nicht in dieser Finsternis bleiben, denn ich habe geglaubt 
(niaitvuv) an Dich. 

21. Und sie haben mich gar sehr töricht gemacht, daß 20 
ich an Dich geglaubt (mazevetv) habe, o Licht. 

22. Jetzt nun, o Licht, rette meine Kräfte vor den 
Emanationen (jtqoßoial) des Authades, von denen ich be- 
drängt bin. 

Jetzt nun, wer nüchtern (vr^cpsiv) ist, sei nüchtern (vrjcpeiv).* 25 
Als nun Jesus dieses zu seinen Jüngern (fia&rpai) gesagt 
hatte, trat Thomas vor und sprach: »Mein Herr, ich bin 
nüchtern (vr^eiv), ich bin reichlich nüchtern (vrjcpEiv), und mein 
Geist {uvtvfia) ist frisch in mir, und ich jubele gar sehr, daß 
Du uns diese Worte offenbart hast. Doch {nlr^y) nun ertrage 30 
{üvcy>£oO-cu) ich bis jetzt meine Brüder, daß ich sie nicht er- 
zürne, vielmehr (äkkd) ich ertrage {&vty y tai>ai) einen jeden von 
ihnen, der vor Dich hintritt und | die Auflösung der Reue 80 
{fieiävoia) der Pistis Sophia sagt. Jetzt nun, mein Herr, in 
betreff der Auflösung der siebenten Beue (t-iextivoia) der Pistis 35 
Sophia hat Deine Lichtkraft durch den Propheten (jrgogpijrqg) 
David prophezeit (hqo^tsveiv), indem sie also sprach im 
24sten Psalm (tpak/tög): 



60 Pistis Sophin. 

n 1. | 0 Herr, zu Dir habe ich meine Seele tywtfb erhoben, 
mein Gott. 

2. Auf Dich habe ich mich verlassen, laß mich nicht zu- 
schanden werden, noch (oiöi) laß meine Feinde über mich 

5 spotten. 

3. Denn (xol y&Q) alle, die auf Dich harren (vvto^vuv), 
werden nicht zuschanden werden ; mögen zuschanden werden, 
die ohne Ursache freveln {&vo/.ielv). 

4. 0 Herr, zeige mir Deine Wege und lehre mich Deine 
10 Bahnen ! 

5. Leite mich auf dem Wege Deiner Wahrheit und lehre 
mich ; denn Du bist mein Gott, mein Erlöser (ffomfe), auf Dich 
werde ich harren (wto/zera»') den ganzen Tag. 

6. Gedenke Deiner Barmherzigkeiten, o Herr, und Deiner 
15 Gnadenerweisungen, denn von Ewigkeit her sind sie. 

7. Der Sünden meiner Jugend und derer meiner Unwissen- 
heit gedenke nicht; gedenke meiner vielmehr gemäß (xot«) 
der Fülle Deiner Gnade um Deiner Güte (-^ijotos) willen, 
o Herr. 

20 8. Gütig (xQrjinög) und aufrichtig ist der Herr; darum wird 

er die Sünder auf dem Wege belehren. 
81 9. Er wird leiten die Sanftmütigen | im Gericht und wird 

lehren die Sanftmütigen seine Wege. 

10. Alle Wege des Herrn sind Gnade und Wahrheit für 
25 die, welche nach seiner Gerechtigkeit (dixatoovvrj) und seinen 

Zeugnissen verlangen. 

11. Um Deines Namens willen, o Herr, vergib mir meine 
Sünde, <denn> sie ist sehr groß! 

12. Wer ist der Mensch, der sich vor dem Herrn fürchtet? 
so Er wird ihm Gesetze (vöfioi) bestimmen auf dem Wege, den 

er erwählt hat. 

13. Seine Seele (ifwjpf) wird im Glücke (fya&d) weilen, 
und sein Same (tr?r%<a) wird das Land ererben (K^govonelv). 

88 14. | Der Herr ist die Stärke derer, welche ihn fürchten, 
35 und der Name des Herrn gehört denen, die ihn fürchten, um 
seinen Bund {diadf^rj) ihnen kund zu tun. 

15. Meine Augen sind immerdar auf den Herrn gerichtet, 
denn er wird meine Füße aus der Schlinge ziehen, 
lff. Psal. 24, 1—15. 



Cap. 46. 47. 



61 



16. Blicke auf mich herab und sei mir gnädig, denn ich 
bin einsam (wörtl. : eingeboren), ich bin ein Elender. 

17. Die Drangsale (d-Xiipeig) meines Herzens haben sich 
vermehrt, führe mich heraus aus meinen Nöten (&vä~/xai). 

18. Sieh auf meine Niedrigkeit und mein Leid und vergib 5 
alle meine Sünden. 

19. Sieh auf meine Feinde, wie sie sich vermehrt und 
mit ungerechtem Hasse mich gehaßt haben. 

20. Bewahre meine Seele (ipvx^) und errette mich; laß 
mich nicht | zuschanden werden, denn ich habe auf Dich 82 
gehofft (&knl£siv). 

21. Die Arglosen und Aufrichtigen haben sich mir ange- 
schlossen, denn ich habe geharrt (vrcofieveiv) auf Dich, o Herr. 

22. 0 Gott, erlöse Israel aus all seinen Drangsalen ftkiipeis).* 
Als Jesus aber (di) die Worte des Thomas gehört hatte, 1 5 

sprach er zu ihm: »Vortrefflich (eifye), Thomas, und schön 
(xaXwg) ! Dies ist die Auflösung der siebenten Reue (jxetdvoia) 
der Pistis Sophia. Wahrlich, wahrlich (äfi^v, i^v), ich sage 
euch: Alle Geschlechter (yeveai) der Welt (xöofiog) werden 
euch auf Erden selig preisen (^axagiCsiv), weil ich euch dieses 20 
offenbart habe, | und ihr von meinem Geiste (nveHfia) empfangen 
habt und ihr verständig (voeqoi) und pneumatisch {Ttvevpatixol) 
geworden seid, indem ihr begreift (roelv) das, was ich sage. 
Und darnach werde ich euch mit dem ganzen Lichte und der 
ganzen Kraft des Geistes (nvaC^a) erfüllen, damit ihr von 2.} 
jetzt ab begreift (yoetv) alles, was euch gesagt wird und was 
ihr sehen werdet. Noch (eVt) eine kleine Weile, so werde ich 
mit euch über alles das von der Höhe sprechen, von außen 
bis innen und von innen bis außen.« 

CAP. 47. Es fuhr wiederum Jesus in der Rede fort und 30 
sprach zu seinen Jüngern (pafhital); »Es geschah nun, als die 
Pistis Sophia die siebente Reue (fteiävoia) im Chaos (x«°s) 
gesagt hatte, da war noch nicht der Befehl (xüevatg) durch 
d&s erste Mysterium (fivar^Qiov) zu mir gelangt, | sie zu retten 83 
Q öd aus dem Chaos {%&og) hinaufzuführen, sondern (äXXd) durch 35 
toich selber ans Barmherzigkeit ohne Befehl (xeXevoig) habe 
'ch sie zu einem etwas geräumigeren Orte (töttog) im Chaos 
(xdog) geführt. Und als die materiellen (vXuoi) Emanationen 

Iff. Paal. 16-22. 



62 



Pistis Sophia. 



(TTQoßolai) des Authades bemerkt hatten, daß sie zu einem 
etwas geräumigeren Orte (zÖTtog) im Chaos (ydog) geführt war, 
hörten sie ein wenig auf, sie zu bedrängen, da sie dachten, 
daß sie überhaupt aus dem Chaos {%dog) hinaufgeführt würde. 
5 Als dieses nun geschehen war, erkannte die Pistis Sophia 
nicht, daß ich ihr Helfer (ßoq&eZv) wäre, noch (ovöe) erkannte 
sie mich überhaupt, sondern {dlld) sie verharrte dabei, das 
Licht des Schatzes (■d-r j oavQÖg) zu preisen (v/.ivtueiv), welches 

85 sie | einst gesehen und an welches sie geglaubt (maievEiv) hatte, 

10 und sie dachte, daß es (sc. das Licht) auch ihr Helfer 
(ßoijd-etv) und dasjenige wäre, welches sie gepriesen (i\uveveiv), 
indem sie dachte, daß es das wahre (<W.r;#£ta) Licht wäre. 
Aber (äU.d) da ja (erceidtf) sie au das Licht, das zu dem 
wahren (dlföeia) Schatze (^aavgög) gehört, geglaubt (moveveiv) 

15 hat, deswegen wird sie aus dem Chaos ix<*og) hinaufgeführt 
und ihre Reue (fierdvota) von ihr angenommen werden; aber 
(älldj noch nicht war das Gebot des ersten Mysteriums 
(jLivaTt'iQiov) vollendet, ihre Reue {i-ierdvoia) von ihr anzunehmen. 
Doch (itkrjv) höret nun, auf daß ich euch alle Dinge sage, die 

20 der Pistis Sophia geschehen sind: 

Es geschah, als ich sie zu einem etwas geräumigeren 
Orte (tötcos) im Chaos (x"»s) geführt hatte, da hörten die 
Emanationen (nqoßolaL) des Authades ganz auf, sie zu be- 
drängen, indem sie dachten, daß sie überhaupt aus dem Chaos 

84(xaog) hinaufgeführt würde. Es geschah nun, als | die Emana- 
tionen (rtQoßoXal) des Authades bemerkt hatten, daß die Pistis 
Sophia nicht aus dem Chaos {ydng) hinaufgeführt wäre, wandten 
sie sich zugleich wieder um, indem sie sie heftig bedrängten. 
Deswegen nun sagte sie die achte Reue (fierdvota), weil sie 

30 nicht aufgehört, sie zu bedrängeu, und sich wiederum gewandt 
und sie auf das äußerste bedrängt hatten. Sie sagte diese 
Reue (fierdvoia), indem sie also sprach: 

1. Auf Dich, o Licht, habe ich gehofft ! Nicht laß mich im 
Chaos (x<*og) ; erlöse mich und rette mich nach Deiner Erkenntnis. 

35 2. Gib Acht auf mich und rette mich, werde mir ein Retter, 
o (ei») Licht, und rette mich und führe mich zu Deinem Lichte. 

3. Denn Du bist mein Erlöser (aoirrjo) und wirst mich zu 
Dir führen, und um des Mysteriums (uvoirjQtov) Deines Namens 
willen leite mich und gib mir Dein Mysterium (fivaxrjQiov). 



Cap. 47. 48. 



63 



4. | Und Du wirst mich vor dieser Kraft mit dem Löwen-»« 
gesicht retten, die sie mir zum Fallstrick gelegt haben, denn 
f)u bist mein Erlöser (acwjj'p). 

5. Und in Deine Hände will ich das Gereinigte meines 
Dichtes legen; Du hast mich gerettet, o Licht, nach Deiner 5 
Erkenntnis. 

6. Du hast gezürnt denen, die mich bewachen und mich 
nicht gänzlich werden erfassen können; ich aber (äs) habe 
geglaubt an das Licht. 

7. Ich will mich freuen und preisen, (vfxveveiv), daß Du 10 
Dich meiner erbarmt und auf die Bedrängnis, in der ich mich 
befinde, Acht gegeben und mich gerettet hast. Und Du wirst 
auch meine Kraft aus dem Chaos (xdog) befreien. 

8. Und nicht hast Du mich in der Hand der Kraft mit 
dem Löwengesicht gelassen, sondern (&\ld) hast mich zu einem 16 
Orte (tönog), der nicht bedrängt ist. geführt.« 

CAP. 4-8. Als nun Jesus dies zu seinen Jüngern (ftadrjral) 
gesagt hatte, antwortete er wiederum und sprach zu ihnen: 
>Es geschah nun, als die Kraft mit dem Löwengesicht bemerkt 
hatte, daß die Pistis Sophia überhaupt nicht aus dem Chaos 20 
(xdog) hinaufgeführt wäre, | kam sie wiederum mit allen 85 
andern materiellen (vhxoi) Emanationen (nooßolal) des 
Authades, und sie bedrängten wiederum die Pistis Sophia. 
Es geschah nun, als sie sie bedrängten, da schrie sie in der- 
selben lleue (/.UTdvoia) auf, indem sie sprach: 25 

9. Erbarme Dich meiner, 0 Licht, denn sie haben mich 
wiederum bedrängt. Verwirrt ist wegen Deines Gebotes das 
in mir befindliche Licht und meine Kraft und mein Verstand 

mag). 

10. Meine Kraft hat begonnen (uQxeo&ai) zu schwinden, 30 
während ich mich in diesen Bedrängnissen befinde, und die 
Zahl meiner Zeit, während ich mich im Chaos (xdog) befinde. 

I Mein Licht ist vermindert, denn sie haben meine Kraft von 87 
°iir genommen, und alle in mir befindlichen Kräfte sind er- 
schüttert (aaleveiv). 35 

11. Ich bin kraftlos vor (itaod) allen Archonten (äQxovreg) 
der Aeonen (alüveg) geworden, die mich hassen, und vor 
(naqd) den 24 Emanationen (itooßo).al), an derem Orte ixöitog) 
J ch mich befand, und es fürchtete sich mir zu helfen (ßoi]d-eiv) 



g 4 Pistis Sophia. 

mein Bruder, mein Gepaarter (ottvyog), um deswillen, worein 
sie mich gepflanzt haben. 

12. Und alle Archonten (<%<*«S> der Höhe haben mich 
für Materie (SXrj) geachtet, in der kein Licht ist Ich bin wie 
r.eine materielle (vlu6 s ) Kraft geworden, die aus den Archonten 

(äe Tt g d f "en Aeonen«*^) Befindlichen sagten: 
,Sie ist Chaos geworden«, und darnach haben mich die 

unbarmherzigen Kräfte zugleich umringt und gesagt, mein 
Kranzes in mir befindliches Licht zu nehmen. 
° 14. Ich aber (öi) habe auf Dich, o Licht, vertraut und 
gesagt: Du bist mein Erlöser (owrrfe). 

15 Und in Deinen Händen befindet sich mein Geschick 
(wörtl : Gebot), das Du mir bestimmt hast; errette mich aus 

15 den Händen der Emanationen {nooßolaC) des Authades, die 
mich bedrängen und mich verfolgen. 

16 Sende Dein Licht über mich, denn ich bin nichts vor 
8SDir, | und rette mich nach Deiner Barmherzigkeit. 

17 Laß mich nicht verachtet werden, denn Dich, o Licht, 

*ohabe ich gepriesen »™ Chaos ^ bedeC, f e ^ 

' Emanationen {^oßolai) des Authades, und mögen sie hinab- 
geführt werden zur Finsternis. 
W 18 | Möge sich verschließen der Mund derer, die mich 
" hinterlistig zu verschlingen wünschen, die da sagen: >Laßt 
...uns das ganze in ihr befindliche Licht wegnehmen«, obwohl 
ich ihnen nichts Böses getan habe.* 

CAP 49. Als aber (<5«) Jesus dieses gesagt hatte, tiat 
Matthäus vor und sprach: »Mein Herr, Dein Geist 
hat mich bewegt, und Dein Licht ernüchtert (»#«»0 mich die 
30 achte Reue (^oca) der Pistis Sophia zu verkünden. De 
Mo) darüber hat einst Deine Kraft durch David im SOsten 
Psalm (QaMö) prophezeit (^og^et^v), indem sie sprach 

1 Auf Dich, o Herr, habe ich gehofft! Laß mich nimmei- 
mehr zuschanden werden, rette mich nach Deiner Gerechtig- 
keit (öixaioovvr}). , WotAp 

2 Neige Dein Ohr zu mir, eilends befreie mich! Werde 
mir zu einem schützenden Gott und zu einem Zufluchtshaus, 
um mich zu retten. 

33 ff. Psal. 30, 1-2. 



Cap. 48. 49. 



65 



3. Denn Du bist meine Stütze und mein Zufluchtsort, um 
Peines Namens willen wirst Du mich leiten und mich ernähren. 

4. Und Du wirst mich aus dieser Schlinge führen, die sie 
vor mir verborgen haben, denn Du bist mein Schutz. 

5. In Deine Hände will ich meinen Geist (nvev^ia) über- 5 
geben, | Du hast mich erlöst, o Herr, Du wahrer Gott. 87 

6. Du hast gehaßt die, welche sich umsonst an das Eitle 
halten ; ich aber (de) habe vertraut. 

7. Und ich werde jubeln über den Herrn und mich freuen 
(ev(pQaiveadai.) über Deine Gnade, denn Du hast auf meine 10 
Niedrigkeit geblickt und meine Seele (ipvxq) aus meinen Nöten 
(ivdyxai) gerettet. 

8. | Und nicht hast Du mich in die Hände des Feindes s» 
verschlossen, Du hast meine Füße auf einen breiten Kaum 
gestellt. 15 

9. Sei mir gnädig, o Herr, denn ich bin bedrückt (&Ußeiv); 
mein Auge ist im Zorne verwirrt und meine Seele (ifivxrj) und 
mein Leib. 

10. Denn meine Jahre sind in Gram dahingeschwunden, 
und mein Leben ist dahingeschwunden in Seufzen ; meine Kraft 20 
ist schwach geworden in Elend und meine Gebeine sind 
verwirrt. 

11. Ich bin zum Gespött geworden all meinen Feinden 
und meinen Nachbarn; | ich bin geworden ein Schrecken für88 
meine Bekannten, und die mich erblicken, sind weg von mir 25 
geflohen. 

12. Vergessen bin ich wie ein Leichnam in ihrem Herzen, 
und ich bin wie ein zugrunde gegangenes Gefäß (oxevog) ge- 
worden. 

13. Denn ich habe gehört die Verachtung von Seiten 30 
vieler, die mich rings umgeben. Indem sie sich zugleich wider 
mich versammelten, beratschlagten sie, meine Seele (ipv%rj) 
v °n mir zu nehmen. 

14. Ich aber (de) habe vertraut auf Dich, o Herr; ich 
sprach: Du bist mein Gott! 35 

lö. In Deinen Händen befinden sich meine Loose (xXfjgot); 
f ette mich aus der Hand meiner Feinde und befreie mich von 
»öeinen Verfolgern. 
Iff. Psal. 30, 3—15. 
Schmidt: PistU Sophia. 5 



gg Pistis Sophia. 

16. Offenbare Dein Antlitz über Deinem Knecht und be- 
freie mich nach Deiner Gnade, o Herr. 

17. Laß mich nicht zuschanden werden, denn ich habe 
hinaufgeschrien zn Dir. Mögen die Gottlose, , (da^) zu- 

s schänden werden und sich zur Unterwelt wenden. 

18 M T.en die hinterlistigen Lippen verstummen, die 
wider den Gerechten Frevelhaftes (ä^ua) vorbringen 

10 bewerte geh ö rt hatte, 

^sprach er: | »Schön Matthäus! Jetzt nun wahrlich 

SS) ich sage | euch: Wenn die vollkommene («fcufi Zahl 
Ä ^volfeniet und das All hinaufgehoben ist, werde ich 
m Lichtschatze ^aa V o6 e ) sitzen, und ihr ^ 
zwölf Lichtkräften sitzen, bis daß wir alle P^^ff"^^ - 
15 der zwölf Erlöser an den Ort (ro«o S ) der Eihteüe 

Ur lQ ovouiac) eines jeden von ihnen wieder eingesetzt 

^STr Ä) dieses gesagt hatte, sprach er: »Begreift 

J^LWl Ä sprach: ,0 Herr, in betreff dieses ' 
hast Du zu uns einst in einem Gleichnis (nafaßoUl) gesagt: 
Ihr habt ausgeharrt (fa*** mit mir in den Anfechtungen 
(lluot). Ich werde euch ein Reich vermachen, wie 
eTmir mein Vater vermacht hat, daß ihr essen und tanken 
25 möget aTi meinem Tisch in meinem Reiche «nd ihr 

werdet sitzen auf zwölf Thronen (<*>6voc) und richten 
die zwölf Stämme (tpvhxl) Israels.« « 

Er sprach zu ihr: »Vortrefflich Maria!« 
Es fuhr Jesus wiederum fort und sprach zu seinen .Jungein 
■ioh^mal): »Es geschah nun wiederum darnach, als d* Emana 
tionen (i^W) des Authades die P.stis Sophia im Chaos 
(^bedrängten, sagte sie die neunte Reue Q«*** indem 

816 To%) Licht, schlage nieder (W^v) die welche meine 
35Kraft von mir genommen haben, und nimm die Kraft von 

denen welche die meinige von mir genommen haben 
90 2. Denn ich bin Deine Kraft und Dein Licht, | kom 

und rette mich. 

Iff. Psal. 30, 16-18. - 22ff. Vgl- Luk. 22, 28-80. 



Cap. 49. 50. 



67 



3. | Möge große Finsternis meine Bedränger bedecken;.'« 
sprich zu meiner Kraft: Ich bin's, der dich retten wird. 

4. Mögen ihrer Kraft ermangeln alle, die nJein Licht 
gänzlich von mir zu nehmen wünschen; mögen sich wenden 
z um Chaos (ydog) und kraftlos werden die, welche mein Licht 5 
gänzlicli von mir zu nehmen wünschen. 

5. Möge ihre Kraft wie Staub werden, und möge Dein 
Engel (äyyslog) Jeu sie niederschlagen (itaxäoanuv). 

6. Und wenn sie zur Höhe kommen wollen, möge Finsternis 
sie erfassen und sie hinfallen und zum Chaos {t&og) sichio 
wenden, und möge Dein Engel {äyyelog) Jeu sie verfolgen 
und sie zu der Finsternis unterhalb hinabschicken. 

7. Denn sie haben, ohne daß ich ihnen Böses getan, mir 
eine Kraft mit Löwengesicht als Falle gelegt, von der man 
ihr Licht nehmen wird, und sie haben die in mir befindliche 15 
Kraft bedrängt, welche sie nicht werden nehmen können. 

8. Jetzt nun. o Licht, nimm das Gereinigte von der Kraft 
mit dem Löwengesicht, ohne daß sie es weiß, und — der Ge- 
danke, den der Authades gefaßt (wörtl.: gedacht) hat, mein 
Licht zu nehmen, — nimm sein eigenes, und möge das Licht 20 
von der Kraft mit dem Löwengesicht genommen werden, die 
mir nachstellt. 

9. Meine Kraft aber wird frohlocken im Lichte und sich 
freuen, daß es sie retten wird. 

10. Und alle Teile {niQrj) meiner Kraft werden sprechen : 25 
>Es gibt keinen Better außer Dir*, denn Du wirst mich retten 
aus der Hand der Kraft mit dem Löwengesicht, die | meine as 
Kraft von mir genommen hat, und Da rettest mich aus den 
Händen derer, die meine Kraft und mein Licht von mir ge- 
nommen haben. 30 

11. Denn sie sind wider mich aufgetreten, indem sie wider 
toich lügen und sagen: | >Ich kenne das Mysterium (/<Mm?-91 
Q to v) des Lichtes, das in der Höhe«, an das ich geglaubt 
[nioieveiv) habe, und sie haben mich gezwungen (ävayxd&iv): 
'Sage uns das Mysterium (fivarfQiov) des Lichtes, das in der 35 
•Höhe<, — dieses, das ich nicht kenne. 

12. Und sie haben mir vergolten all dieses Böse, weil 
' c h an das Licht der Höhe geglaubt (moreveiv) habe, und sie 
üa ben meine Kraft lichtlos gemacht. 

5* 



gg Piatis Sophia. 

13. Ich aber als sie mich zwangen (foayxd&v), saß 
in der Finsternis, während meine Seele W«/jpJ) in Trauer ge- 
beugt war. . i _,. , 

14. Und, o Licht, um dessentwillen ich Dich preise 
5 (WH, rette mich! Ich weiß, daß Du mich retten wirst, 

weil ich Deinen Willen vollbrachte, seit ich mich in meinem 
Aeon (afafe) befand; ich vollbrachte Deinen Willen wie die 
Unsichtbaren (&6 6 aroc), die an meinem Orte (tfaos) sich be- 
finden nnd wie mein Gepaarter (a^vyog\ und ich tianerte, 
10 indem' ich unverwandt schaute und nach Deinem Lichte ver- 

laDg 15 Jetzt nun haben mich alle Emanationen (ngoßolal) 
des Authades umgeben und sich über mich gefreut und mich 
sehr bedrängt, ohne daß ich <sie> kenne; und sie sind ge- 
15 flohen und haben von mir abgelassen und nicht haben sie , 
sich meiner erbarmt. 

16 Sie haben sich wiederum gewendet und mich ver- 
bucht InBigdte»), und sie baben mich bedrängt | in der großen 

Bedrängnis und geknirscht ihre Zähne wider mich, indem sie 
20 mein Licht gänzlich von mir zu nehmen wünschten. 

17 0 Licht, bis wie lange nun erträgst (ävfyeo&ai) Du 
sie daß sie mich bedrängen? Rette meine Kraft vor ihren 
bösen Gedanken und rette mich aus der Hand der Kraft mit 
dem Löwengesicht, denn ich allein unter den Unsichtbaren 

%>(&6o(noi) befinde mich an diesem Orte (wfaros). ■ 
a 9 18. Ich will Dich preisen (tuveveiv), o Licht, I inmitten 
"aller, die sich wider mich versammelt, und will hinauf zu 
Dir schreien inmitten aller, die mich bedrängen. 

19 Jetzt nun, o Licht, laß sich nicht freuen über micü, 
30 die mich hassen und meine Kraft von mir zu nehmen wünschen, 

die mich hassen und ihre Augen gegen mich bewegen, ohne 
daß ieh ihnen etwas getan habe. 

20 Denn zwar {piv) schmeichelten sie mir mit süßen 
Worten, indem sie mich nach den Mysterien (putmfota) des 

35 Lichtes befragten, die ich nicht kenne, und hinterlistig wider 
mich sprachen und mir zürnten, weil ich an das Licht, da* 
in der Höhe, geglaubt (punsiew) habe. 

21. Sie rissen ihr Maul auf wider mich und sprachen- 
Wohlan, wir wollen ihr Licht nehmen! 



Cap. 50. 51. 



69 



22. Jetzt nun, o Licht, Du hast erkannt ihre Hinterlist, 
ertrage (ivexea&at) sie nicht und nicht laß Deine Hilfe (ßorj- 
9ua) fern von mir sein! 

23. Eilends, o Licht, richte und räche mich (wörtl.: tue 
mein Gericht und meine Rache). 5 

24. | Und halte Gericht über mich nach Deiner Güte»< 
(.aya&ög); jetzt nun, o Licht der Lichter, laß sie nicht mein 
Licht von mir nehmen. 

25. Und laß sie nicht bei sich sprechen; >Unsere Kraft 
hat sich von ihrem Lichte gesättigt*, und laß sie nicht 10 
sprechen: >Wir haben ihre Kraft verschlungen.; 

26. Sondern (&Mä) vielmehr möge Finsternis über sie 
kommen, und die, welche mein Licht von mir zu nehmen 
wünschen, mögen kraftlos werden, und bekleidet mögen 
werden mit Chaos (ydog) und Finsternis, die da sprechen: 15 
»Wir wollen ihr Licht und ihre Kraft nehmen<. 

27. Jetzt nun rette mich, auf daß ich mich freue, denn 
ich wünsche den dreizehnten Aeon (aitiv), den Ort (nÖTiog) 
der Gerechtigkeit (ötxaioavvr]), und | ich will allezeit sprechen: 93 
Es möge mehr leuchten das Licht Deines Engels (äyyslog) Jeü. 20 

28. Und meine Zunge wird Dich in Deiner Erkenntnis 
meine ganze Zeit im dreizehnten Aeon (alibv) preisen (vp- 
vsieiv).t 

CAP. 51. Es geschah, als Jesus diese Worte seinen 
Jüngern (ftad-ijtal) zu sagen beendet hatte, sprach er zu 25 
ihnen: »Wer unter euch nüchtern (v^tpsiv) ist, möge ihre 
(plur.) Auflösung verkündigen.« 

Es trat Jakobus vor, küßte die Brust Jesu und sprach: 
»Mein Herr, Dein Geist (jcveUfta) hat mich ernüchtert (vf t q>£iv), 
und ich bin frisch, ihre Auflösung zu verkündigen. In betreffäo 
dessen hat Deine Kraft einst durch David im 34sten Psalm 
{xpal/tös) prophezeit (rtQocprpevuv), indem er also in betreff der 
neunten Reue (/.isidvoia) der Pistis Sophia sprach: 

1. Richte, o Herr, die mir Gewalt antun, kämpfe mit 
denen, die mit mir kämpfen. 35 

2. j Ergreife Waffe (ßnlov) und Schild (&vgeög) und erhebe ns 
"h, mir zu helfen (ßorj&elv). 

34 ff. Psal. 34, 1—2. 



70 



Pistis Sophia. 



3. Ziehe aus ein Schwert und verhülle es vor meinen 
Bedrängern {Mußeiv); sprich zu meiner Seele ö^ejpj): Ich bin 
deine Kettung! 

4. Mögen zuschanden und beschämt werden, die nach 
5 meiner Seele (t/w%»2) trachten; mögen zurückweichen und zu- 

schanden werden, die Böses wider mich sinnen. 

94 5. Mögen sie wie Spreu | vor dem Winde werden, und 
der Engel (äyyeXog) des Herrn verfolge sie. 

6. Möge ihr Weg Finsternis werden und schlüpfrig sein, 
10 und der Engel (äyyekos) des Herrn bedränge (ölißeiv) sie. 

7. Denn ohne Ursach haben sie wider mich eine Schlinge 
verborgen zu ihrem eigenen Verderben, und vergeblich haben 
sie meine Seele ($vyji) geschmäht. 

8. Möge ihnen kommen die Schlinge, die sie nicht kennen, 
15 und das Netz, das sie wider mich verborgen haben, sie 

fangen, und sie werden fallen in diese Schlinge. 

9. Meine Seele aber (ßQ wird UDer den Herrn 
frohlocken und sich freuen über ihre Bettung. 

10. All meine Gebeine werden sprechen: 0 Herr, wer 
20 kann Dir gleichen? der Du den Elenden befreiest aus der 

95 Hand | dessen, der stärker ist als er, und rettest einen Elen- 
den und Armen aus den Händen derer, die ihn berauben. 

11. Es sind ungerechte Zeugen aufgetreten und haben 
mich befragt nach dem, was ich nicht weiß. 

96 12. | Sie haben mir Böses für Gutes vergolten und Kinder- 
losigkeit meiner Seele (tpvxtf). 

13. Ich aber (<5«) bekleidete mich, als sie mich belästigten 
(IvoxUZv), mit einem Sacke und erniedrigte durch Fasten 
(vrjaieia) meine Seele («M'f), und mein Gebet wird sicu zU 

30 meinem Busen wenden. 

14. Ich war Dir gefällig wie meinem Nachbar und wie 
meinem Bruder, und habe mich erniedrigt wie ein Trauender 
und wie ein Trauriger. 

15. Sie haben sich über mich gefreut {evcpQaiveo&at) und 
35 sind zuschanden geworden; Geißeln 0«fowy«s) haben sich 

wider mich versammelt, und nicht wußte ich es; sie wurden 
getrennt und nicht waren sie betrübt. 

lff. Paal. 34, 3-15. 



Cap. 51. 



71 



16. Sie haben mich versucht (neiQtx&iv) und mich ver- 
spottet in Verspottung, sie haben | ihre Zähne wider mich 96 
geknirscht. 

17. 0 Herr, wann willst Du auf mich blicken? Richte 
auf meine Seele (ipvx^) aus ihren bösen Werken nnd rette 5 
meine Eingeborene (Einsame) aus den Händen der Löwen. 

18. Ich will Dir bekennen, o Herr, in großer Versamm- 
lung (ixxÄijff/a) und will Dich preisen unter zahllosem Volke 
(Xaög). 

19. Nicht laß sich freuen über mich, die mich gewaltsam io 
befeinden, die mich ohne Ursach hassen und mit ihren Augen 
zunicken. 

20. Denn sie reden zwar (niv) mit mir in friedlichen 
(eigi]viy.oi) Worten, doch sinnen sie Zorn (öoyrj) in Listen. 

21. | Sie rissen ihr Maul weit auf wider mich und sprachen: 97 
»Vortrefflich (tdye), unsere Augen haben ihn angeschaut (wörtl.: 
unsern Blick gefüllt mit ihm)«. 

22. Du hast's gesehen, o Herr, schweige nicht! 0 Herr, 
ziehe Dich nicht von mir zurück! 

23. Stehe auf, o Herr, | und gib Acht auf mein Gericht, 97 
gib Acht auf meine Rache, mein Gott und mein Herr! 

24. Richte (y.qLvuv) mich, o Herr, nach (y.atd) Deiner Ge- 
rechtigkeit (öiv.aioovvrj), nicht laß sie sich über mich freuen, 
mein Gott. 

25. Und nicht (oväe) laß sie sprechen: > Vortrefflich 86 
unsere Seele (ipv%ri)\<. Laß sie nicht sprechen: >Wir haben 
ihn verschlungen.; 

26. Es mögen zuschanden und beschämt werden zugleich, 
die sich über mein Unglück freuen; es mögen mit Schande 
und Scham bekleidet werden, die wider mich großsprecben. 30 

27. Es mögen jubeln und sich freuen, die meine Gerech- 
tigkeit (dixcuaovvr]) wünschen, und es mögen sprechen: »Groß 
«ei der Herr und erhebe sich«, die da den Frieden (siQtfvrj) 
seines Knechtes wollen. 

28. Meine Zunge wird über Deine Gerechtigkeit (ötxcuo- 35 
jubeln und über Deine Ehre den ganzen Tag.« 

lff. Psal. 34, 16-28. 



72 



Pistis Sophia. 



98 CAP. 52. | Als nun Jakobus dieses gesagt hatte, sprach 
Jesus: »Vortrefflich («5ye) schön (xal&g), Jakobus! Dies ist 
die Auflösung der neunten Reue (^istcivoia) der Pistis Sophia. 
Wahrlich, wahrlich (äfxrjv, &ih]v), ich sage euch: Ihr werdet 

5 Erste sein in das Himmelreich hinein vor allen Unsichtbaren 
(aÖQctToi) und allen Göttern und allen Archonten (ägxovzeg), 
die im dreizehnten Aeon (al<!>v) und im zwölften Aeon (a'uhv) 
sich befinden, aber (tW) nicht ihr allein, sondern (&IM) ein 
.9« jeder, | der meine Mysterien (tivoiifeia) vollbringen wird.« 

10 Als er aber (öi) dieses gesagt hatte, sprach er zu ihnen: 
> Begreift (voslv) ihr, in welcher Weise ich mit euch rede?« 

Es stürzte sich wiederum Maria vor und sprach: »Ja, 
o Herr! Dies ist, was Du zu uns einst gesagt hast: »Die 
Letzten werden Erste und die Ersten werden Letzte sein.« 

15 Die Ersten nun, die vor uns geschaffen worden, sind die Un- 
sichtbaren {&6qaxot\ da ja {knudr}) sie vor der Menschheit 
entstanden sind, sie und die Götter und die Archonten 
(ÜQyovceq). Und die Menschen, welche Mysterien (fivozr/Qia) 
empfangen werden, werden Erste sein in das Himmelreich 

20 hinein.« 

Es sprach Jesus zu ihr; »Vortrefflich (eöye) Maria!« 

Jesus fuhr wiederum fort und sprach zu seinen Jüngern 
(/ia&rjzai) : »Es geschah nun, als die Pistis Sophia die neunte 
Reue (/.lerdvoia) verkündet hatte, bedrängte sie wiederum 
25 die Kraft mit dem Löwengesicht, indem sie alle Kräfte 
von ihr zu nehmen wünschte. Sie schrie wiederum hinauf 
zum Lichte, indem sie sprach: 

99 | >0 Licht, an das ich von Anfang an geglaubt (nunevEiv) 
habe, um dessentwillen ich diese großen Leiden erduldet habe, 

30 hilf (ßorfteiv) mir!< 

Und in jener Stunde wurde ihre Reue (/xerdvoia) von ihr 
angenommen. Es erhörte sie das erste Mysterium (fivoryQiov), 
und ich wurde entsendet auf seinen Befehl (xüevaig). Ich kam, 
ihr zu helfen {ßorjd-elv), und führte sie aus dem Chaos (x<x°s) 

35 hinauf, weil sie Reue empfunden (peTavoeiv) hatte und ferner 
weil sie an das Licht geglaubt (tutneveiv) und diese großen 
Leiden und diese großen Gefahren (xlvöwoi) erduldet hatte. 
Sie war durch den göttlichen Authades getäuscht, und sie 
18 f. Matth. 20, 16; 19, 30. Mark. 10, 31. Luk. 13, 30. 



Cap. 52. 



73 



war durch nichts anderes getäuscht, außer (el pfa) durch eine 
jjichtkraft (-övvafug) wegen der Ähnlichkeit des Lichtes, | ans» 
das sie geglaubt (tcioteveiv) hatte. Deswegen nun wurde ich 
auf" Befehl (xtlevoig) des ersten Mysteriums (nvatr^iov) ent- 
sendet, um ihr heimlich zu helfen (ßorj&eiv). Ich war aber 5 
ߣ) überhaupt noch nicht zum Orte (vönog) der Aeonen 
(aiwvEg) gegangen, sondern (äkld) ich war mitten ans ihnen 
' allen herausgegangen, ohne daß irgend eine Kraft es wußte, 
weder (oi'«) die (plur.) des Innern des Inneren, noch (ovze) 
die des Äußern des Äußeren, ausgenommen (et firjri) nur das 10 
erste Mysterium (pvorfeiov). 

Es geschah nun, als ich zum Chaos (y.dog) gekommen war, 
um ihr zu helfen (ßot]»elv). sah sie mich, daß ich verständig 
(voegög) war und sehr leuchtete und in Barmherzigkeit gegen 
sie war. Denn (ydq) ich war nicht frech (avd-döi^g) wie die 15 
Kraft mit dem Löwengesicht, die aus der Sophia die Licht- 
kraft genommen und die sie auch bedrängt hatte, um alles 
in ihr befindliche Licht zu nehmen. Es sah nun die Sophia 
mich, daß ich leuchtete zehntausendmal mehr als die Kraft 
(övvafug) mit dem Löwengesicht, | und daß ich in großer 100 
Barmherzigkeit gegen sie war, und sie erkannte, daß ich aus 
der Höhe der Höhen stamme, an deren Licht sie von Anfang 
an geglaubt (rcarteveiv) hatte. Es faßte nun Mut die Pistis 
Sophia und sagte die zehnte Reue (ftezdvoia), indem sie sprach : 

1. Ich schrie hinauf zu Dir, o Licht der Lichter, in meiner 25 
Bedrängnis, und Du erhörtest mich. 

2. 0 Licht, rette meine Kraft vor ungerechten und gott- 
losen (ävofioi) Lippen und vor hinterlistigen Fallstricken. 

3. | Das Licht, das von mir in listiger Nachstellung ge- wo 
kommen wird, wird Dir nicht gebracht werden. 30 

4. Denn (ydq) die Fallstricke des Authades und die 
Schlingen des Unbarmherzigen sind ausgebreitet. 

5. Wehe mir, daß meine Wohnung entfernt war, und ich 

w den Wohnungen des Chaos (ydog) mich befand. 

6- Meine Kraft befand sich an Orten (töjioi), die nicht 35 
^ein sind. 

7. Und ich schmeichelte jenen Unbarmherzigen, und wenn 
Cn ihnen schmeichelte, stritten sie ohne Grund gegen mich.c 



74 Pistis Sophia. 

CAP. 53. Als nun Jesns dieses zu seinen Jüngern 
Q**j*t> gesagt hatte, sprach er zu 

der, den sein Geist (.veOua) bewegt, WjgV»*, ^ £f t 
lösung der zehnten Reue 0«**0 der ™^ h ^ 8 Jg£ 
5 Es antwortete Petrus und sprach: >0 He i, i 
dessen hat Deine Lichtkraft einst durch David ophe^eit 
(^^«v), indem sie im 119sten Psalm (j^^Ä" 
1 Ich schrie hinauf zu Dir, o Herr, in meiner Bediangms, 

.o/^VÄ^ Seele fcM) vor ungerechten 

LiP T Wat Itmtm^ ^ n was Dir hinzugefügt werden 

^ t Die pSStST sind geschärft samt den Kohlen 

U(W T?^ -in Wohnort fern war, und ich in 
den Hütten Kedars wohnte. 
JO l 6. | Meine Seele (*qrf) bat an vielen Orten zu Gaste ge 

wohnt (war Fremdling). Frieden 
, 0 7. Ich war friedlich mit denen die den Jrieden 

%W hassen; wenn ich mit ihnen sprach, bekämpften sie 

buu, o Herr, die Aufing der zehnten 
Reue (i««koi«) der Pistis Sophia, die sie gesagt hat da sie 
,,die mLiellen {Um!) Emanationen («vßoW des Authades 
*^KT>to nnd seine Kraft mit dem Löwengesicht, [und- 
als sie sie gar sehr bedrängten (»Ußetv)].* 

Es "pra'ch Jesus zu ihm: »Vortrefflich (e^e) Petrus, und 
schön Dies ist die Anf lösung der zehnten Reue 

ao(uadmia) der Pistis Sophia.« . , nn( , 

CAP 54. Es fuhr Jesus wiederum in der Rede fort und 

sprach zu seinen Jüngern 

&aft mit dem Löwengesicht mich sah, wie ich mich der 
£S Sophia näherte, gar sehr leuchtend, ergrimm e sie noch 
»■ehr «nd emanierte Mtfllfr* aus 
sehr gewaltiger Emanationen {itQoßolal). Ah ; nur i dieses ge 
schehen war sprach die Pistis Sophia die elfte Reue fr** 
vota), indem sie sagte: 
8 ff. Psal. 119, 1—7- 



Cap. 53. 54. 



75 



1. Warum hat sich die mächtige Kraft im Bösen erhoben ? 

2. Ihr Sinnen nimmt das Licht von mir allezeit, und wie 
scharfes Eisen haben sie Kraft | von mir genommen. 102 

3. Ich liebte zum Chaos (%äog) hinabzugehen mehr als an 
dem Orte des dreizehnten Aeons (aiwv), dem Orte (vörcog) der 5 
Gerechtigkeit (öixaioavvrj), zu bleiben. 

4. Und sie wünschten mich hinterlistig zu führen, um 
mein ganzes Licht zu verschlingen. 

5. Deswegen nun wird das Licht ihr ganzes Licht nehmen 
und | auch ihre ganze Materie (SXrj) wird vernichtet werden, 102 
und es (sc. Licht) wird ihr Licht nehmen und sie nicht im 
dreizehnten Aeon (aiwv), ihrem Wohnorte, weilen lassen, und 

es wird nicht ihren Namen im Orte (jönog) derer, die leben 
werden, lassen. 

6. Und es werden die 24 Emanationen (nqoßoXai) sehen, 15 
was dir, 0 (w) Kraft mit dem Löwengesicht, geschehen ist, 
und sich fürchten und nicht ungehorsam sein, sondern (&\).&) 
das Gereinigte ihres Lichtes geben. 

7. Und sie werden dich sehen und sich über dich freuen 
und sagen: >Siehe eine Emanation (itQoßo'kri), die nicht das 20 
Gereinigte ihres Lichtes gegeben hat, damit sie gerettet 
würde, sondern (aila) sich rühmte der Menge des Lichtes 
ihrer Kraft, weil sie nicht aus der in ihr befindlichen Kraft 
emaniert (jrgoßdkXeiv), und sie hat gesagt: Ich will das Licht 
von der Pistis Sophia nehmen, das man von ihr nehmen wird. 25 

Jetzt nun möge derjenige vortreten, in dem seine Kraft 
sich erhoben hat, und die Auflösung der elften Keue (fiszävoia) 
der Pistis Sophia verkündigen.« 

Da (tot«) trat Salome vor und sprach: »Mein Herr, in 
betreff dieses hat einst Deine Lichtkraft durch David prophezeit 30 
(jcQocpijrevetv), indem sie im 51 sten Psalm (tpaX/iög) sprach : 

1. Warum rühmt sich der Mächtige (öwaiög) in | seiner 103 
Bosheit (zaz/a)? 

2. Deine Zunge hat geübt (jueiwS») Ungerechtigkeit den 
ganzen Tag, wie ein scharfes Scheermesser hast du Hinterlist 35 
getrieben. 

32 ff. Psal. 51, 1—2. 



76 Pistis Sophia. 

10 .t 3. | Du liebtest Bosheit (xaxte) mehr als Gates (äya»6v)- t 
da liebtest Ungerechtigkeit mehr als Gerechtigkeit (ötwio- 
avvri) zu reden. 

4. Du liebtest alle Worte der Untertauchung und eine 

5 hinterlistige Zunge. 

5. Deswegen wird Gott dich gänzlich vernichten, er wird 
dich ausreißen und dich aus deinem Wohnorte herausziehen 
und deine Wurzel herausreißen und sie weg von den Lebendigen 
werfen. Sela (öidtpalpä). 

10 6. Die Gerechten (öUawi) werden es sehen und sich 
fürchten, und sie werden über ihn spotten und sagen: 

7. > Siehe ein Mensch, der nicht Gott zu seinem Helfer 
(ßori&'ög) gesetzt hat, sondern (d'/M) auf seinen großen Reich- 
tum vertraut hat und auf sein Eitles mächtig war*. 
104 8. Ich aber (öe) bin wie ein | fruchtbringender (wQitög-) 
Ölbaum im Hause Gottes; ich habe auf die Gnade Gottes bis 
in alle Ewigkeit vertraut. 

9. Und ich werde Dir bekennen, denn Du hast mit mir 
gehandelt, und ich werde auf Deinen Namen ausharren (&ro- 
VOH&eiv), denn er ist gütig {xw<nog) vor Deinen Heiligen. 

Dies ist nun jetzt, mein Herr, die Auflösung der elften 
Reue (nerävom) der Pistis Sophia. Indem Deine Lichtkraft 
mich bewegt hat, habe ich sie (sc. die Auflösung) Deinem 
Wunsche gemäß (xard) gesagt.« 
25 Es geschah nun, als Jesus diese Worte gehört hatte, die 
" Salome sagte, sprach er: »Vortrefflich (etye), Salome! Wahr- 

lO^Hch, wahrlich (dftifa d^v), ich sa ? e euch: Ich werde euch ' 10 
allen Mysterien (pwmfeta) des Lichtreicbes vollenden.« 

CAP. 55. Es fuhr aber (öi) Jesus wiederum in der Rede 
30 fort und sprach zu seinen Jüngern (jtaaipal): »Es geschah 
nun darnach, da trat ich hinzu in das Chaos (tätig), gar sehr 
leuchtend, um das Licht jener Kraft mit dem Löwengesicht 
zu nehmen. Indem ich sehr leuchtete, fürchtete sie sich und 
schrie hinauf zu ihrem Authades-Gott, damit er ihr helfe 
&(ßmj9eiv). Und sofort blickte der Authades-Gott aus dem drei- 
zehnten Aeon (altbv) und blickte auf das Chaos (xdog) herab, 
105 indem er sehr zornig war | und seiner Kraft mit dem Löwen- 
gesicht zu helfen (ßmftelv) wünschte. Und sofort umringte 
Iff. Psal. 51. 3—9. 



Cap. 54. 55. 



77 



die Kraft mit dem Löwengesicht, sie und alle ihre Emanationen 
irtQoßolaL), die Pistis Sophia, indem sie das ganze in der 
Sophia befindliche Licht zu nehmen wünschten. Es geschah 
nun, als sie die Sophia bedrängten, schrie sie hinauf zur Höhe, 
indem sie hinauf zu mir schrie, daß ich ihr helfe (ßorflelv). 5 
Es geschah nun, als sie zur Höhe blickte, sah sie den Authades 
sehr zornig, und sie fürchtete sich und sprach die zwölfte 
Reue (fierdvoia) wegen des Authades und seiner Emanationen 
(jtQoßolaf). Sie schrie aber (ö£) hinauf zu mir, indem sie also 
sprach: 10 

1. 0 Licht, vergiß meines Lobpreises (v/tvog) nicht! 

2. Denn es haben Authades und seine Kraft mit dem 
Löwengesicht ihre Mäuler wider mich geöffnet und haben 
wider mich hinterlistig gehandelt. 

3. | Und sie haben mich umringt, indem sie meine Kraft JOS 
wegzunehmen wünschten, und mich gehaßt, weil ich Dich ge- 
priesen (vfxveÜELv) habe. 

4. Anstatt mich zu lieben, verleumdeten (diaßdlXeiv) sie 
mich, ich aber (öe) pries (vfiveveiv). 

5. Sie faßten den'Plan, meine Kraft zu nehmen, weil ich 20 , 
Dich, 0 Licht, gepriesen (vpveveiv) habe, und sie haßten mich, 
weil ich Dich geliebt habe. 

6. Möge die Finsternis über den Authades kommen, und 
möge der Archon (&Qywv) der äußersten Finsternis zu seiner 
Rechten weilen. 25 

7. Und wenn Du ihn richtest, nimm seine Kraft von ihm, 
und das Werk, das er ersonnen hat, mein Licht von mir zu 
nehmen, mögest Du das seinige von ihm nehmen. 

8. Und mögen alle seine Kräfte seiner in ihm befindlichen 
Lichter schwinden und möge | ein anderer von den drei Drei- 106 
malgewaltigen (r(>idvva/.ioi) seine Herrlichkeit empfangen. 

9. Mögen lichtlos werden alle Kräfte seiner Emanationen 
{nQoßo'/.ai), und seine Materie (vhj) möge existieren, ohne daß 
Licht in ihr ist. 

10. Mögen seine Emanationen {nQoßoXal) im Chaos (%aog) 35 
Reiben und nicht zu ihrem Orte (rönog) gehen dürfen. Möge 
lnr in ihnen befindliches Licht schwinden, und nicht laß sie 
zum dreizehnten Aeon (alwv), ihrem Orte (tonog), gehen. 



-7g Pistis Sophia. 

11. Möge der Paralemptes {jtaQal^itxris), der Reiniger 
der Lichter, alle Lichter, die sich im Authades befinden, 
reinigen und sie von ihnen nehmen. 

12. Mögen die Archonten (&gxoneg) der unteren Finsternis 
5 über seine Emanationen (rtQoßolai) herrschen, und laß niemand 

106 ihn | zu sich in seinen Ort («faros) aufnehmen, und laß niemand 
auf die Kraft seiner Emanationen {n^oßolai) im Chaos (xdog) 
hören. 

13. Man möge nehmen das in seinen Emanationen (tcqo- 
10 BolaC) befindliche Licht und auslöschen (Pauswischen?) ihren 

Namen aus dem dreizehnten Aeon {tth&v), ja vielmehr seinen 
Namen aus jenem Orte (mf»og) nehmen für immer. 

14. Und über die Kraft mit dem Löwengesicht möge man 
bringen die Sünde dessen, der sie emaniert (rrQoßdUetv) hat, 

15 vor dem Lichte und nicht auswischen die Verschuldung 
(ävopia) der Materie welche ihn (sc. Authades) hervor- 
gebracht hat. . _ 

15. Und ihre Sünde allzumal möge vor dem Lichte ewiglich 
sein, und man möge sie nicht herausschauen lassen und ihren 

20 Namen aus allen Örtern (roVtot) nehmen-, 

16. Weil sie meiner nicht geschont haben und bedrängt 
107 den, dessen Licht und | dessen Kraft sie genommen haben, 

und auch nach dem, worin sie mich gepflanzt, wünschten sie 
mein ganzes Licht von mir zu nehmen. 
25 17. Sie liebten es, zum Chaos (%dog) hinabzugehen, so 
" mögen sie in ihm weilen, und nicht sollen sie hinaufgeführt 
werden von jetzt ab! Sie wünschten nicht den Ort (rdnros) 
der Gerechtigkeit (duaioaövrj) zum Wohnort, und nicht sollen 
sie von jetzt ab in ihn aufgenommen werden ! 
30 18. Er zog die Finsternis an wie ein Gewand (fröuua), 
und sie (sc. Finsternis) ging in ihn (wörtl.: in seinen Leib) 
hinein wie Wasser, und sie ging hinein in all seine Kräfte 
wie Öl. 

19. Möge er sich in das Chaos (x«og) einhüllen wie m 
35 ein Gewand und sich mit der Finsternis umgürten wie mit 
einem ledernen Gürtel allezeit. 
107 20. | Dies geschehe denen, welche dieses über mich um des 
Lichtes willen gebracht und gesagt haben: >Laßt uns ihre 
ganze Kraft nehmen!« 



Cap. 65. 56. 7g 

21. Da aber (öd), 0 Licht, erbarme Dich meiner um des 
Mysteriums (ßvan]oiov) Deines Namens willen, und rette mich 
in der Güte (-xQ^axog) Deiner Gnade, 

22. Weil sie mein Licht und meine Kraft genommen 
haben, und meine Kraft ist inwendig von mir erschüttert 5 
(oalevsiv), und nicht habe ich in ihrer Mitte aufrecht stehen 
können. 

23. Ich bin wie Materie (vltj) geworden, die gefallen ist; 
ich bin geworfen hierhin und dorthin wie ein Dämon, der in' 
der Luft (<%). 1Q 

24. Meine Kraft ist zugrunde gegangen, weil ich kein 
Mysterium (jivnzijoiov) besitze, und meine Materie (%) ist 
dahingeschwunden (? verlöscht ?) wegen meines Lichtes, weil 
sie es genommen haben. 

25. Und mich verspotteten (oxibmeiv) sie, sie schauten 16 
auf mich, indem sie mir zuwinkten. 

26. Hilf (ßorj-freiv) mir nach (xard) Deiner Barmherzigkeit! 
Jetzt nun, wessen Geist (Ttvevpa) frisch ist, | der möge 108 

vortreten und die Auflösung der zwölften Reue (ftevcivoia) der 
Pistis Sophia sagen.« 2Ö 

CAP. 5(5. Es trat aber (de) Andreas vor und sprach- 
»Mein Herr und Erlöser (aa^p), Deine Lichtkraft hat einst 
durch David in betreff dieser Reue (nerdvoia), die die Pistis 
Sophia gesagt hat, prophezeit (icgoyriiEveiv) und im 108 en 
Psalm (ipcdftdg) gesprochen: 25 

1. Gott, schweige nicht auf meinen Lobpreis. 

2. Denn der Mund des Sünders und die Hinterlist haben 
ihre Mäuler wider mich geöffnet und mit hinterlistiger Zunge los 

hinter mir geredet, 

3. Und mit Worten des Hasses haben sie mich umgeben 30 
«nd mich ohne Grund bekämpft. 

4. Anstatt mich zu lieben, haben sie mich verleumdet 
(oiaßdlUiv), ich aber (öe) betete. 

5. Sie stellten auf gegen mich Böses statt Gutes und Haß 
statt meiner Liebe (äyättrj). 35 

6. Setze (y.a&iozävai) einen Sünder über ihn, und der 
Teufel (duißoXoe) stehe zu seiner Rechten. 

26ff. Psal. 108, 1-6. 



80 



Pistis Sophia. 



7. Wenn er gerichtet wird, möge er verurteilt hervor- 
gehen), und sein Gebet werde zur Sünde. 

8. Seine Tage mögen vermindert werden, und möge ein 
anderer empfangen sein Amt (-tTclawuog). 

5 9. Seine Kinder mögen zu Waisen (ögcpavoi) und sein Weib 
zur Witwe werden. 

10. Seine Kinder mögen weggeführt und vertrieben werden 
und betteln, mögen sie hinausgestoßen werden aus ihren 
Häusern. 

10 11. Der Wucherer (öaveior^s) möge ausforschen alle seine 
109 Habe, | und Fremde mögen alle seine Anstrengungen rauben. 

12. Nicht sei ihm ein Beisteher noch (oi>öt) einer, der sich 
seiner Waisen (ögcpavoi) erbarmt. 

13. Mögen ausgerottet werden seine Kinder und sein 
15 Name ausgelöscht in einem Geschlechte (yeved). 

109 14. | Der Sünde seiner Väter werde vor dem Herrn ge- 
dacht, und nicht laß auslöschen die Verschuldung (dvo^iia) 
seiner Mutter. 

15. Allezeit seien sie dem Herrn gegenwärtig, und sein 
20 Gedächtnis werde von der Erde vertilgt, 

16. Dafür daß er nicht gedacht hat Erbarmen zu üben 
und einen armen und elenden Menschen verfolgt und einen 
Bekümmerten verfolgt (ßubxetv) hat, um ihn zu töten. 

17. Er liebte den Fluch, — und er soll ihm kommen! 
25 Nicht wünschte er den Segen, — er soll ferne von ihm bleiben ! 

18. Er zog den Fluch an wie ein Gewand, und er (sc. 
Fluch) drang ein in sein Inneres wie Wasser, und er war 
wie Öl in seinen Knochen. 

19. Er möge ihm wie das Kleid werden, in das er sich 
30 einhüllen wird, und wie ein Gürtel (£üvij), mit dem er sich 

allezeit umgürten wird. 

20. Dies ist das Werk derer, die (mich) verleumden 
(öiaßdXkeiv) bei dem Herrn und die Ungerechtes (naqdvofia) 
wider meine Seele (V^Z 1 /) reden. 

35 21. Du aber (de), o Herr, Herr, sei mir gnädig (wörtl.: 
tue Gnade mit mir), um Deines Namens willen errette mich ! 

22. Denn ich bin ein Armer, und ich bin ein Elender, 
mein Herz ist aufgeregt in meinem Innern, 
lff. Psal. 108, 7-22. 



Cap. 56. 57. 

23. Ich bin in der Mitte weggenommen wie ein Schatten, 110 
der sich geneigt hat, ich bin wie Heuschrecken ausgeschüttelt. 

24. | Meine Kniee sind schwach geworden infolge des 110 
Fastens (vrjozeia) und mein Fleisch (adq^) hat sich infolge 
des Öles verändert. - 

25. Ich aber (<W) bin ihnen zum Gespött geworden - sie 
sahen mich und schüttelten ihre Köpfe. 

26. Hilf (ßoi]»Eiv) mir, o Herr Gott, und errette mich nach 
(xcad) Deiner Gnade. 

27. Mögen sie inne werden, daß dies Deine Hand ist, und 10 
daß Du, o Herr, sie geschaffen hast. 

Dies ist nun die Auflösung der zwölften Reue (fterdvoia), 
die die Pistis Sophia, befindlich im Chaos (%do$), gesagt hat«. 

CAP. 57. Es fuhr aber (de) Jesus wiederum in der Rede 
fort und sprach zu seinen Jüngern (fiad-rjzat) ■. »Es geschah 15 
wiederum darnach, da schrie die Pistis Sophia hinauf zu mir, 
ndem sie sagte: >0 Licht der Lichter, ich habe Übertretung 
begangen (nagaßatveiv) in den zwölf Aeonen (alüvsg), und ich bin 
Ton ihnen herabgegangen, deswegen habe ich die zwölf Reuen 
(ftezdvoiat) entsprechend (xard) einem jeden Aeon (aitbv) gesagt. 20 
Jetzt nun, o Licht der Lichter, vergib mir meine Übertretung 
(icagdßaoig), denn sehr groß ist sie, weil ich die Örter (tönoi) 
der Höhe verlassen habe und ich gegangen bin und in den 
Örtern (%6not) des Chaos (xdog) Wohnung genommene 

Als nun die Pistis Sophia dieses gesagt hatte, fuhr sie 25 
iederum in der dreizehnten Reue (fierdvoia) fort, indem sie 
räch: 

1. Erhöre mich, indem ich Dich preise (tyveveiv), o Licht 
-er Lichter. Erhöre mich, indem ich die Reue (uezdvoux) des 
dreizehnten Aeons (a'ubv) spreche, des Ortes (zönog), aus dem30 
"'ch herabgegangen bin, damit die dreizehnte Reue (jiezdvoia) 
des dreizehnten Aeons (aidiv) vollendet werde, — diese (sc. 
Aeonen) | habe ich überschritten (naqaßaiveiv) | und bin aus**! 
ihnen herabgegangen. 

2. Jetzt nun, o Licht der Lichter, erhöre mich, indem ich 35 
Dich preise (ifiveveiv) im dreizehnten Aeon (aiwv), meinem Orte 
lönog), aus dem ich herausgegangen bin. 

lff. Fsal. 108, 23-27. 

Schmidt: Pistis Sophia. 6 



82 



Pistis Sophia. 



3. Errette mich, o Licht, in Deinem großen Mysterium 
(livar^Qiov) und vergib meine Übertretung (itaqdßaatg) in Deiner 
Verzeihung. 

4. Und gib mir die Taufe (ßda-cipua) und vergib meine 
5 Sünden und reinige mich von meiner Übertretung {Ttaqdßaais). 

5. Und meine Übertretung (jtaqdßaais) ist die Kraft mit 
dem Löwengesicht, welche Dir allezeit nicht verborgen sein 
wird, denn ich bin ihretwegen hinabgegangen. 

6. Und ich allein unter den Unsichtbaren (&6qa%oi), an 
10 deren Ort (tönoq) ich mich befand, habe Übertretung begangen 

(TtaQctßahuv) und bin zum Chaos (%doq) hinabgegangen. Vor 
Dir habe ich Übertretung begangen (nagaßaivEtv), damit Dein 
Gebot vollendet werde. 

Dieses nun sagte die Pistis Sophia. Jetzt nun möge der- 
löjenige, den sein Geist (nvevua) bewegt, daß er ihre Worte 
begreift (voelv), vortreten und ihren Gedanken (vtfy.wa) ver- 
kündigen.« 

Es trat Martha vor und sprach : »Mein Herr, mein Geist 
(7tvevfia) bewegt mich, die Auflösung dessen, was die Pistis 
20 Sophia gesprochen hat, zu verkündigen. In betreff dessen hat 
einst Deine Kraft durch David im oOsten Psalm (i//«A,uog) 
prophezeit (nqotprjtevuv), indem sie also sprach: 
112 1. Sei mir gnädig, o Gott, nach (•/«««) Deiner | großen 
Gnade, nach (-/.aid) der Fülle Deiner Barmherzigkeiten lösche 
25 aus meine Sünde! 

2. Wasche mich gründlich von meiner Verschuldung 
(dvofila). 

112 3. | Und meine Sünde sei mir allezeit gegenwärtig, 

4. Damit Du gerechtfertigt werdest in Deinen Worten 
30 und Du obsiegest, wenu Du mich richtest. 

Dies ist nun die Auflösung der Worte, die die Pistis 
Sophia gesagt hat.« 

Jesus sprach zu ihr: »Vortrefflich (evye) schön (xalüg), 
Martha, Du Selige (^ßxapt'a)!« 
35 CAP. 58. Es fuhr aber (34) Jesus wiederum in der Rede 
fort und sprach zu seinen Jüngern (fia^rai) ; »Es geschah 
nun, als die Pistis Sophia diese Worte gesagt hatte, da war 

23 IT. Psal. 50, 1—4. 



Cap. 67. 58. gg 



die Zeit vollendet, daß sie aus dem Chaos ( x äo e) herausgeführt 
würde; und durch mich selbst ohne (xwJa d ^ !f m 
riumO^ 

pe hinab .um Chaos {x äo e ), damit sie die Pistis Sopht ans 
den tiefen Ortern (tdrm) des Chaos ( herausSe und 5 
zu dem oberen Orte (™Vro e ) des Chaos ( X L) führe hS Ta 
der Befehl (x^) von dem ersten ^n^^ } 
käme, daß sie gänzlich aus dem Chaos ( x do e ) herL^effl 
wurde. Und meine Lichtkraft führte die Pistis Soph a heran 
zu den oberen Ortern des Chaos ( x äo e ). Es geschah io 

hatten daß die P.stis Sophia zu den oberen Örtern Mnot\ 

:L p r s s^ , s,e wieäer ™ " ie --»^ 

wünschen' °, iC t P reise » <»"'«"«'), o Licht, tan, ich 

Ti ' dl n „ L t 0 °"" e °' 0 . ICh Wi " Dioh " reis ™ 
» uioni, aenn Du bist mein Erretter 

der Hölf LTdu bt Ch ^ rette mich - 

Tri , ? eS ' das lch ^priesen habe 

bettet VnZ« ^ dUrCb 5 ich * eschickt ™* ^ 

£ • " ü " ° bereD ° rtern ^ des C ^os 

Dunl 5 :, ü , nd mi ! ge g, '° ße Finsternis bedecken und finsteres 
feht n l° m r n - ÜDdDicbt laß sie mich ^hen in d m35 
Et Kraft > die Du mir * esandt hast, um mich zu 

6' r Si6 p iCht Wiedenim GeWalt Über mich ^kommen 

*u nei, J ? 1/1 RatSChluß ' den sie * efaßt liab e°. ™ine &aft 
«ehmen, laß ,hnen nicht gelingen, und wie s - e ^r 



Pistis Sophia. 

mich geredet, zu nehmen von mir mein Licht, nimm vielmehr 
das ihrige anstatt meines. 

7. Und sie hahen gesagt, mein ganzes Licht zu nehmen, 
und nicht hatten sie vermocht, es zu nehmen, denn Deine 
ö Lichtkraft war mit mir. 
114 8. | Weil sie beratschlagt haben ohne Dein Gebot, o Licht, 
deswegen haben sie nicht vermocht, mein Licht zu nehmen. 

114 9. Weil ich | an das Licht geglaubt {mmeAeiv) habe, werde 
ich mich nicht fürchten, und das Licht ist mein Erretter, und 

10 nicht werde ich mich fürchten. 

Jetzt nun möge der, dessen Kraft erhaben ist, die Auf- 
lösung der Worte, die die Pistis Sophia gesagt hat, sagen.« 

Es geschah aber (ö£), als Jesus diese Worte seinen Jüngern 
(fia&rirai) zu sagen beendet hatte, da trat Salome vor und 
15 sprach: »Mein Herr, meine Kraft zwingt (<b«yxat«tv) mich, 
die Auflösung der Worte, die die Pistis Sophia gesagt hat, 
zu sagen. Deine Kraft hat einst durch Salomo prophezeit 
(TtQotpr^eveiv}, indem sie sagte: 

1. Ich will Dir danken, o Herr, denn Du bist mein Gott. 
20 2. Nicht verlaß mich, o Herr, denn Du bist meine Hoffnung 
(IAth's). 

3. Du hast mir Dein Recht umsonst gegeben, und ich bin 
durch Dich gerettet. 

4. Mögen hinfallen, die mich verfolgen, und nicht laß sie 
25 mich sehen. 

5. Möge eine Rauchwolke ihre Augen bedecken und ein 
Luftnebel (<%-) sie verdunkeln, und nicht laß sie den Tag 
sehen, damit sie mich nicht ergreifen. 

6. Möge ihr Ratschluß machtlos werden, und was sie 
30 beraten, möge über sie kommen. 

115 7. | Sie haben einen Ratschluß ersonnen, und nicht ist er 
ihnen gelungen. 

19 ff. Ode Salomo's, 1—7. Diese Ode steht als Nr. 5 bei J. Eeudel 
Harris, The Odes and Psalms of Salomons, now first published from the 
Syriac version. Cambridge 1909. Vgl. Flemming-Harnack, Ein jüdisch- 
christliches Psalmbuch aus dem ersten Jahrhundert. TU Bd. 35, Heft 4, 
S. 30. 




Cap. 58. 59. 



86 



8. Und sie sind besiegt, obwohl sie mächtig sind, und 
was sie böswillig (xaxög) bereitet haben, ist auf sie herab- 



9. Meine Hoffnung (elnls) ist in dem Herrn, und nicht 
werde ich mich fürchten, denn Du bist mein Gott, mein Er- 6 
löser (aunr^).* 

Es geschah nun, als Salome diese Worte zu sagen be- 
endet hatte, sprach Jesus zu ihr: »Vortrefflich (sCye) | Salome, 115 
und schön (jtaAtög)! Dies ist die Auflösung der Worte, die 
die Pistis Sophia gesagt hat.« 10 

CAP. 59. Es fuhr aber (öt) Jesus wiederum in der Rede 
fort und sprach zu seinen Jüngern (/.la&rjzai): »Es geschah 
nun, als die Pistis Sophia diese Worte im Chaos (xctog) zu 
sagen beendet hatte, ließ ich die Lichtkraft, die ich ihr ge- 
schickt hatte, um sie zu retten, zu einem Lichtkranz um ihr 15 
Haupt werden, damit die Emanationen (ngoßolai) des Authades 
sich ihrer von jetzt ab nicht bemächtigen könnten. Und als 
sie um ihr Haupt zum Lichtkranz geworden war, wurden alle 
in ihr befindlichen bösen Materien (Hai) bewegt und alle in 
ihr gereinigt; sie wurden vernichtet und bliebeu im Chaos 20 
(%«og), indem die Emanationen (Ttqoßolal) des Authades sie 
erblickten und sich freuten; und das Gereinigte des reinen 
(eihAQLvrjs) Lichtes, das in der Pistis Sophia, gab Kraft dem 
Lichte meiner Lichtkraft, die ein | Kranz um ihr Haupt ge- im 
worden war. Es geschah nun ferner, als sie das reine 25 
hüiy.Qivrjs) Licht, das in der Sophia, umgab, da ist ihr reines 
(sihxQivi;$) Licht nicht aus dem Kranze der Kraft der Licht- 
flamme gewichen, damit die Emanationen (aQoßoXat) des 
Authades es nicht raubten. 

Als nun dieses ihr geschehen war, begann die reine 30 
pihxQivrjg) Lichtkraft, die in der Sophia, zu preisen (tyveiw); 
sie pries (vftvevuv) aber (<5<?) meine Lichtkraft, die ein Kranz 
im ihr Haupt war. Sie pries (ipveveiv) aber (ös), indem sie 
sprach: 

1. Das Licht ist geworden ein Kranz um mein Haupt, 35 
u ud nicht werde ich von ihm weichen (wörtl.: nicht werde ich 
außerhalb von ihm sein), damit die Emanationen fagoßolul) 
«es Authades es mir nicht rauben. 

lff. Ode Salomo's, 8—9. 





gß Pistis Sophia. 

116 2. Und wenn alle Materien (Ilm) sich bewegen, | ich aber 
(de) werde mich nicht bewegen; 

3. Und wenn alle raeine Materien (&«*) zugrunde gehen 
und im Chaos ( X dog) bleiben, - diese (sc. Materien), welche 

5 die Emanationen (itQoßohxl) des Authades sehen — ich aber 
(öi) werde nicht zugrunde gehen. 

4. Denn das Licht ist mit mir, und ich selbst bin mit 

dem Lichte. . 

Diese Worte aber (dt) sagte die Pistis Sophia. Jetzt nun, 
10 wer den Gedanken (v6 W a) dieser Worte begreift (voelv), der 
möge vortreten und ihre Auflösung verkündigen.« 

Es trat aber (9£) Maria, die Mutter Jesu, vor und sprach: 
»Mein Sohn gemäß (xara) der Welt (xtopos), mein Gott und 
mein Erlöser (ewwfe) gemäß (mm£) der Höhe, befiehl (*dekiv) 
15 mir, die Auflösung der Worte, die die Pistis Sophia gesagt 
hat, zu verkündigen. 

Es antwortete aber (de) Jesus und sprach: »Du selbst, 
Maria, bist es, die Gestalt (jioeyij), die in der Barbelo, gemäß 
iJ7(xowf) der Materie (Slti) empfangen hat, | und Du hast Ahnlich- 
20keit empfangen, die in der Lichtjungfrau (itaQMvog), gemäß 
(xßTd) dem Lichte, Du und auch Maria, die Selige (ßtaxa^ia), 
und um Deinetwillen ist die Finsternis entstanden und ferner 
ist aus Dir der materielle (vltj) Körper (trßpa), in dem ich mich 
befinde, gekommen, den ich gereinigt und geläutert habe, — 
25jetzt nun befehle (*eleieiv) ich Dir, die Auflösung der Worte, 
die die Sophia gesagt hat. zu verkündigen.« 

Es antwortete aber (de) Maria, die Mutter Jesu, und 
sprach: »Mein Herr, Deine Lichtkraft hat einst in betreff dieser 
Worte durch Salomo in der 19ten (4»<5»j) prophezeit (tiqo- 
aoqnjievsiv) und gesagt: 

1. Der Herr ist auf meiuem Haupte wie ein Kranz, und 
nicht werde ich von ihm weichen. 
117 2. Geflochten ist mir der | wahre (iMfteux) Kranz, und er 
hat Deine Zweige (xlüdoi) in mir aufsprossen lassen. 
3ö 3 Denn er gleichet nicht einem vertrockneten Kranze, 
der nicht aufsproßt, sondern (UM) Da bist lebendig auf 
meinem Haupte und Du hast gesproßt auf mir. 

31 ff. Ode Salonio's 19, 1-3. Im Syrischen nicht erhalten; diese Ode 
bildete den Anfang der Oden Salomo'a. 



Cap. 59. 60. 



87 



4. Deine Früchte (xagitof) sind voll und vollkommen (reif), 
angefüllt mit Deinem Heile.« 

Es geschah nun, als Jesus seine Mutter Maria diese Worte 
hatte sagen hören, sprach er zu ihr: > Vortrefflich (eöye) schön 
(%als>s)\ Wahrlich, wahrlich (&fir,v, &np) ich sage Dir: Man 5 
wird Dich selig preisen (fiaxagi^eiv) von einem Ende der Erde 
bis zum andern, denn das Pfand (TtctQa&rpri) des ersten Myste- 
riums (fivoTrjQiov) ist bei Dir eingekehrt, | und durch jenes Iis 
Pfand (naQad-fpri) werden alle die von der Erde und alle die 
von der Höhe errettet werden, und jenes Pfand (naQa&rpKif) io 
ist der Anfang und das Ende (wörtl.: Vollendung). 

CAP. 60. Es fuhr aber (de) Jesus wiederum in der Eede 
fort und sprach zu seinen Jüngern (/tad-r^al): »Es geschah, 
als die Pistis Sophia die dreizehnte Reue (nerdvom) gesagt 
hatte, — in jener Stunde aber (de} war das Gebot aller 15 
Drangsale {»Utfteig) vollendet, welche für die Pistis Sophia 
bestimmt waren, wegen der Vollendung des ersten Mysteriums 
(pvaTTiQiov), das von Anfang an existiert, und es war die Zeit 
gekommen, sie aus dem Chaos (jc<*og) zu retten und sie aus 
allen Finsternissen hinauszuführen. Denn (yäo) ihre Reue 20 
{fiEtavoia) war von ihr durch das erste Mysterium (ftvazr^wv) 
angenommen ; und jenes Mysterium (ßvatfgiov) sandte mir eine 
große Lichtkraft aus der Höhe, damit ich der Pistis Sophia 
helfe {ßorj&üv) und | sie aus dem Chaos {%dos) heraufführe. 118 
Ich blickte aber (de) zu den Aeonen (aiüveg) in die Höhe und 25 
sah die Lichtkraft, welche mir das erste Mysterium (^varr^wv) 
gesandt hatte, damit ich die Sophia aus dem Chaos (xcfog) 
rette. Es geschah nun, als ich sie aus den Aeonen (aiüveg) 
herauskommen und in mich hineineilen gesehen hatte, — ich 
aber (de) war oberhalb des Chaos [%äog), — da kam eine 30 
andere Lichtkraft aus mir heraus, damit auch sie der Pistis 
Sophia helfe (ßor,9eiv). Uud die Lichtkraft, die aus der Höhe 
durch das erste Mysterium (fucnr^iov) gekommen war, kam 
herab auf die Lichtkraft, | die aus mir gekommen war, und sie m> 
begegneten (itmxvv&v) einander und wurden ein großer Licht- 35 
abfluß (-ä7v6$§oia).€ 



lt. Ode Salomo's 19, 4.-6 Vgl. Luk. 1, 48. — 11 Vgl 
J °h- 21, 6; 22, 13. 



8g 



Pistis Sophia. 



Als nun Jesus dieses zu seinen Jüngern (nadrjzaf) gesagt 
hatte, sprach er: »Begreift (voelv) ihr, in welcher Weise ich 
mit euch rede?« 

Es stürzte sich wiederum Maria vor und sprach; »Mein 
5 Herr, ich begreife (voelv), was Du sagst. In betreff der Auf- 
lösung dieses Wortes hat Deine Lichtkraft einst durch David 
im 84sten Psalm (ipakfiög) prophezeit ^cqoqtrpeveiv) , indem 
sie sagte: 

10. Die Gnade und die Wahrheit begegneten einander, 
10 und die Gerechtigkeit (öixcuoovvtj) und der Friede (eigijvij) 

küßten einander. 

11. Die Wahrheit sproßte aus der Erde hervor, und die 
Gerechtigkeit (öixaioavvrj) blickte vom Himmel herab. 

Die »Gnade« nun ist die Lichtkraft, die durch das erste 
15 Mysterium (fivmr/Qiov) herausgekommen ist, denn das erste 
Mysterium (ßvorrjQiov) hat die Pistis Sophia erhört und sich 
119 ihrer | in allen ihren Drangsalen (»Uipeig) erbarmt. Die 
»Wahrheit« dagegen ist die Kraft, die aus Dir herausgekommen 
ist, denn Du hast die Wahrheit vollendet, damit Du sie (sc. Pist. 
20Soph.) aus dem Chaos (x&og) rettest. Und ferner die »Gerechtig- 
keit« (öixaioaüvr<) ist die Kraft, die durch das erste Mysterium 
(pvoxriQiov) herausgekommen ist, die die Pistis Sophia lenken 
wird; und ferner der > Friede« (äq^nj) ist die Kraft, die aus 
Dir herausgekommen ist, damit sie in die Emanationen (nqo- 
mßolal) des Authades hineingehe und von ihnen die Lichter 
120 nehme, | die sie von der Pistis Sophia genommen haben, d.h. 
damit Du sie in die Sophia sammelst und sie friedlich (eiq^vtj) 
mit ihrer Kraft machst. Die »Wahrheit« dagegen ist die 
Kraft, die aus Dir, da Du in den unteren Örtern (%6-rtoi) des 
30 Chaos (%aog) warst, herausgekommen ist. Deswegen hat Deine 
Kraft durch David gesagt: >Die Wahrheit sproßte aus der 
Erde hervor«, weil Du in den unteren Örtern (xöitoi) des 
Chaos (x<*os) warst. Die »Gerechtigkeit« (ötxaioovvrj) dagegen 
hat vom Himmel herabgeblickt, sie aber («W) ist die Kraft, 
35 die aus der Höhe durch das erste Mysterium (fivortfqiov) heraus- 
gekommen und in die Sophia hineingegangen ist.« 



9 ff. Psal. 84, 10. U. — 31 Psal. 84, 11. 



Cap. CO. 61. 



89 



CAP. 61. Es geschah nun, als Jesus diese Worte gehört 
hatte, sprach er: »Vortrefflich (dys), Maria, Du Selige (uaxaQia), 
die das ganze Lichtreich ererben (nXr^ovo^ielv) wird!« 

Darauf trat auch Maria, die Mutter Jesu, vor und sprach: 
.Mein Herr und mein Erlöser (trwnfe), befiehl (xeXe&tv) auch 5 
mir, daß ich dieses Wort wiederhole.« 

Jesus sprach: »Wessen Geist (nvev^a) verständig (voegög) 
sein wird, den werde ich nicht hindern (xiokveiv). sondern 
(&).la) ich treibe (7tQ0TQtite.iv) ihn noch mehr an, den Gedanken 
(v6riua), der ihn bewegt hat, zu sagen. | Jetzt nun, Maria, 120 
meine Mutter gemäß (xazä) der Materie (%h\), in der ich ein- 
gekehrt bin, befehle (xe/.eveiv) ich Dir, daß auch Du den Ge- 
danken (vöt]iia) der Rede sagest.« 

Es antwortete aber (öe) Maria und sprach: »Mein Herr, 
was das Wort anbetrifft, das Deine Kraft durch David 15 
prophezeit (nQocprjTeveiv) hat: | >Die Gnade und die Wahrheit 121 
begegneten einander, die Gerechtigkeit (ötxaioaövi]) und der 
Friede (eiQrjvrj) küßten einander. Die Wahrheit sproßte aus 
der Erde hervor und die Gerechtigkeit (dacaioavnj) blickte 
vom Himmel herab<, so hat einst Deine Kraft dieses Wort 20 
über Dich prophezeit (ftQoqyr^eveiv). Da Du klein warst, bevor 
der Geist (mei-fta) über Dich gekommen war, kam, während 
Du Dich mit Joseph in einem Weinberg befandest, der Geist 
(nveüfia) aus der Höhe und kam zu mir in nieiu Haus, Dir 
gleichend, und nicht hatte ich ihn erkannt, und ich dachte, 25 
daß Du es wärest. Und es sprach zu mir der Geist (Ttvevfia): 
>Wo ist Jesus mein Bruder, damit ich ihm begegne (ärtavTäv)?< 
Und als er mir dieses gesagt hatte, war ich in Verlegenheit 
(änoQiiv) und dachte, es wäre ein Gespenst (cpävxaafia), um 
mich zu versuchen (TteiQä&iv). Ich nahm ihn aber (ci<f) und 30 
band ihn an den Fuß des Bettes, das in meinem Hause, bis 
daß ich zu euch, zu Dir und Joseph, auf das Feld hinausginge 
und euch im Weinberge fände, indem Joseph den Weinberg 
bepfählte. Es geschah nun, als Da mich das Wort zu Joseph 
sprechen hörtest, begriffest (voetv) Du das Wort, freutest Dich 35 
u nd sprachst: >Wo ist er, auf daß ich ihn sehe, denn ich er- 
warte ihn an diesem Orte (toVtos).* Es geschah aber (de), als 
Joseph Dich diese Worte hatte sagen hören, wurde er bestürzt, 

1« Psal. 84, 10. 11. — 23 Vgl. Matth. 3, 16 u. Parall. 



90 Pistis Sophia. 

121 und wir gingen | zugleich hinauf, traten in das Haus ein und 
fanden den Geist [tmtffia) an das Bett gebunden. Und wir 
schauten Dich und ihn an und fanden Dich ihm gleichend; 

122 und es wurde der an das Bett Gebundene befreit, | er umarmte 
5 Dich und küßte Dich, und Du selbst küßtest ihn und ihr 

wurdet eins. 

Dies nun ist das Wort und seine Auflösung: »Die Gnade« 
(ist) der Geist (ftvsvfia), der aus der Höhe durch das erste 
Mysterium (/zvot^qiov) herausgekommen ist, denn es (sc. das 
Werste Mysterium), hat sich des Menschengeschlechtes (-yevos) 
erbarmt und seinen Geist (ftvevpa) gesandt, damit er die 
Sünden der ganzen Welt (xöff«ot:) vergebe, und sie (sc. Menschen) 
Mysterien (fivatr,Qia) empfangen und das Lichtreich ererben 
(xkilQovoijelv). Die > Wahrheit dagegen ist die Kraft, die bei 
15 mir eingekehrt ist; als sie aus der Barbelo herausgekommen 
war. ist sie Dir materieller {vUv.6g) Körper (ffwjca) geworden 
und hat über den wahren (iU^eia) Ort (röriog) gepredigt 
(xrjQvooetv). Die > Gerechtigkeit« (öixatoovvri) ist Dein Geist 
(nvevi-ia), der die Mysterien (ftvcmjQia) aus der Höhe geführt 
20 hat, um sie dem Menschengeschlecht {-yivog) zu geben. Der 
»Friede« («toi?*»?) dagegen ist die Kraft, die in Deinen 
materiellen (vhxäs) Körper (ffwua) gemäß (xara) der Welt 
(xdffjtos) eingekehrt ist, der das Menschengeschlecht (-ydvog) 
getauft (ßariTl&iv) hat, bis er sie (sc. die Menschen) der Sünde 
25 entfremdete und mit Deinem Geiste (raveü/m) friedlich (ätfvrj) 
machte, und sie mit den Emanationen (nqoßolal) des Lichtes 
friedlich (e<>;>»?) wurden, d. h. >die Gerechtigkeit (öixaLoavvri) 
und der Friede (e^'v»?) küßten einander«. Und wie (x<wa-) 
es heißt: »Die Wahrheit sproßte aus der Erde hervor < — die 
30 »Wahrheit« aber (öe) ist Dein materieller {vhv.ög) Körper 
122 (fftS.ua), i der aus mir aufsproßte gemäß (xar<i) der Menschen- 
welt, der über den wahren {ähfieia) Ort gepredigt (x W i!ffff«)-) 
hat. Und ferner wie (xara-) es heißt: »Die Gerechtigkeit 
(öixatoovvri) (blickte) vom Himmel (herab)< — die »Gerechtig- 
3ökeit« [öixaioavvr]) ist die Kraft, die aus der Höhe herab- 
123 geblickt hat, | diese, welche dem Menschengeschlechte {-yivog) 

27 Psal. 84, 10. — 29 Psal. 84, 11. - 33 PBal. 84, 11. 

34 Ms. „sproßte ans dem Himmel hervor" 




Cap. 61. 62. 



91 



die Mysterien (ßvav^qia) des Lichtes geben wird, so daß sie 
gerecht (dbmtoi) und gut (äya&ol) werden und das Lichtreich 
ererben (xXrjQovoftüv). « 

Es geschah nun, als Jesus diese Worte gehört hatte, 
welche seine Mutter Maria sagte, sprach er: »Vortrefflich 5 
(svye) schön (xoAßg), Marialt 

CAP. 62. Es trat auch Maria vor und sprach: »Mein 
Herr, ertrage {äviysa»at) mich und zürne mir nicht. Denn 
seit der Stunde, wo Deine Mutter mit Dir wegen der Auf- 
lösung dieser Worte gesprochen, beunruhigte mich meine Kraft, 10 
vorzutreten und ebenfalls die Auflösung dieser Worte zu sagen.c 

Jesus sprach zu ihr: »Ich befehle (xeleveiv) Dir, ihre Auf- 
lösung zu sagen.« 

Es sprach Maria: »Mein Herr, >die Gnade und die 
Wahrheit begegneten einander» — die >Gnade< nun ist der 15 
Geist (jtvsv^a), der über Dich gekommen ist, als Du von Jo- 
hannes die Taufe (ßärcziotia) empfangen hast. Die >Gnade< 
nun ist der Geist (nveBpa) der Gottheit, der über Dich ge- 
kommen ist; er hat sich des Menschengeschlechtes {-yevog) 
erbarmt, ist heruntergekommen und ist der Kraft des Sabaoth,20 
des Guten (tiya&ög), begegnet (äftanSv), die in Dir ist, diese, 
welche über die wahren (äk^tia) Örter {tönoi) gepredigt 
(xrßvooetv) hat. Es heißt aber (öe) ferner: > Die Gerechtigkeit 
(öixaioovvTj) und der Friede (eiQrjvtj) küßten einander» — die 
>Gerechtigkeit< (öixawavvrj) nun <ist> der Geist {nveSfia) des 25 
Lichtes, der über Dich gekommen ist und die Mysterien (/«u- 
airjQia) der Höhe gebracht hat, | um sie dem Menschen- 123 
geschlecht, (-yevog) zu geben. Der >Friede< (dq-qv/f) dagegen 
ist die Kraft des Sabaoth, des Guten (äyad-ög), die in Dir ist, — 
dieser, welcher getauft (ßaml^eiv) und dem Menschengeschlecht 30 
(•yivog) vergeben hat. | — und sie (sc. die Kraft) hat sie (sc. 124 
Menschen) mit den Kindern des Lichtes friedlich («'gjjvij) ge- 
macht. Und ferner, wie (xatä-) Deine Kraft durch David 
gesagt hat: >Die Wahrheit sproßte aus der Erde hervor«, 
ä. i. die Kraft des Sabaoth, des Guten (&ya$6g), [es heißt: 35 

14 Psal. 84, 10. — 17 Vgl. Matth. 3, 13 u. Parall. — 23 Psal. 84, 10. — 
34 Psal. 84, 11. 

35 Die Worte: „es heißt: >Sie sproßte aus der Erde hervor < u stören 





g2 Pistis Sophia. 

»Sie sproßte aus der Erde hervor <], welche aus Deiner Mutter 
Maria,, der Erdbewohnerin, hervorsproßte. »Die Gerechtigkeit 
(örmtoavvri), die vom Himmel herabblickte., ist dagegen der 
in der Höhe befindliche Geist {Ttvüud), der alle Mysterien 
Huvotw«) aus der Höhe gebracht und sie dem Menschen- 
geschlechte (-yho S ) gegeben hat; sie wurden gerecht 
(ÖUacot) und gut {&ya9ol) und haben das Lichtreich ererbt 

Es geschah aber (AQ, als Jesus diese Worte Maria hatte 
losagen hören, sprach er: .Vortrefflich (evye), Maria, Da Erbin 
(xAr.govöuog) des Lichtes!« 

Es trat wiederum Maria, die Mutter Jesu, vor, fiel vor 
seinen Füßen nieder, küßte sie und sprach: »Mein Herr und 
mein Sohn und mein Erlöser (owtfe), zürne mir nicht, sondern 
Vo(&lU) verzeihe mir, daß ich die Auflösung dieser Worte noch 
eirtnal sage. »Die Gnade und die Wahrheit begegneten ein- 
ander* Ich bin Maria, Deine Mutter, und Elisabeth, die 
124 Mutter des Johannes, welcher ich begegnet bin. | Die »Gnade« 
nun ist die in mir befindliche Kraft des Sabaoth, die aus 
20 meinem Munde herausgekommen ist, welches Du bist; Du hast 
Dich des ganzen Menschengeschlechtes (-ydvog) erbarmt. Die 
.Wahrheit* dagegen ist die in der Elisabeth befindliche 
Kraft, welches ist Johannes, der gekommen ist und über den 
Weg der Wahrheit gepredigt (xv^oostv) hat, welches Dn 
1*5 bist, - der vor Dir her gepredigt ^gvooeiv) hat. | Und ferner 
>die Gnade und die Wahrheit begegneten einander«, das bist 
Du mein Herr, der Du dem Johannes begegnet bist an dem 
Tage wo Du die Taufe (ßditnaua) empfangen solltest. in 
aber'(A') wiederum und Johannes sind die »Gerechtigkeit 
^(ötmioavvr,) und der Friede (dtfvr,), die einander küßten*. 
»Die Wahrheit sproßte aus der Erde hervor und die w 
rechtigkeit (<5muoo^) blickte vom Himmel herab* d- n. 
während der Zeit, wo Du Dir selber gedient (dtaxovetv) U*, 
hast Du die Gestalt («Wog) des Gabriel angenommen und MJ 
3Ö auf mich vom Himmel herabgeblickt und mit m»r gesprochen. 
Und als Du mit mir gesprochen hattest, sproßtest Du in n» 

2 Psal. 84, 11. - 16 Psal. 84, 10. - 18 Vgl. Luk. 1, , 39 ff- J 
25 Vgl. Matth. 3 13 u. ParalL - 26 Psal. 84, 10. - 28 Vgl Matth. 3, « 
n. ParaU. - 29 Psal. 84, 10. - 31 Psal. 84, 11. - 34 Vgl. Lni. 1- 



Gap. 62. 93 



8 uf, d. h - die 'Wahrheit«, d. h. die Kraft des Sabaotii, des 
Gute" (äya&ög), die sich in Deinem materiellen (vkixög) Körper 
(aüiua) befindet, d. i. >die Wahrheit, die ans der Erde auf- 
sproßte«.« 

Es geschah nun. als Jesus diese Worte seine Mutter 5 
jfaria hatte sagen hören, sprach er: > Vortrefflich (tiye) und 
schön (xal&g)l Dies ist die Auflösuug aller Worte, über 
welche meine Lichtkraft einst durch den Propheten (TtQocp^zrjg) 
David prophezeit (TioocprjtevEiv) hat.« 

3 Psal. 84, 11. 



| [Dies aber (de) sind die Namen, die ich von dem Unend-xsje 
liehen (ani^aviog) an geben werde. Schreibe sie mit einem 
Zeichen, damit | die Söhne Gottes von hier an (wörtl.: von 125 
diesem Orte an) offenbar werden. Dies ist der Name des 
Unsterblichen (aüüvarog) : acta, www, und dies ist der Name 
der Stimme, nm derentwillen der vollkommene (rileiog) Mensch 15 
sich bewegt hat: 111. Dies aber (de') sind die Erklärungen 
(l(>ix-rjveiai) der Namen dieser Mysterien (^ivar^Qia): der erste 
(sc. Name), der aaa ist, seine Erklärung (igfirjvsia) ist <pq>q>; 
der zweite, der [lup oder (fj) der www ist, seine Erklärung 
mfiTjVEla) ist aaa; der dritte, der xpipip ist, seine Erklärung 20 
(eQfttfVEla) ist 000; der vierte, der gxpcp ist, seine Erklärung 
CzQfirjvela) ist vw; der fünfte, der ööö ist, seine Erklärung 
(EQ(irjvsla) ist acta. Der auf dem Throne (&QÖvog) ist aaa; 
dies ist die Erklärung (eQfiTjveia) des zweiten: aaaa, aaaa, 
«aaa; dies ist die Erklärung (sQfttjveia) des ganzen Namens.] 25 

10 ff. Dieses ganze von einer spateren Hand hinzugefügte Stück 
gehört nicht zum ursprünglichen Werke. 




f 7 Das zweite Buch (röfiog) der Pistis Sophia. 

CAP. 63. Es trat auch Johannes vor und sprach: »0 Herr, 
befiehl (xsleveiv) auch mir, die Auflösung der Worte zu sagen, 
die Deine Lichtkraft einst durch David prophezeit (ngotpr]- 
bteveiv) hat.« 

Es antwortete aber (<5<?) Jesus und sprach zn Johannes: 
»Dir selbst, Johannes, befehle (xeXeveiv) ich, die Auflösung der 
Worte zu sagen, die meine Licht kraft durch David prophezeit 
(tTQogirjTEveiv) hat: 
10 10. Die Gnade und die Wahrheit begegneten einander, 
und die Gerechtigkeit (öixaioovvrj) und der Friede (elQ^vrf) 
küßten einander. 

11. Die Wahrheit sproßte aus der Erde hervor, und die 
Gerechtigkeit (dixaioovvrj) blickte vom Himmel herab.« 
15 Es antwortete aber (8£) Johannes und sprach: >Dies ist 
das Wort, das Du zu uns einst gesagt hast: >Ich bin aus der 
Höhe gekommen und in Sabaoth, den Guten (äyadös), hinein- 
gegangen und habe die in ihm befindliche Lichtkraft umarmt«. 
Jetzt nun >die Gnade und die Wahrheit, die einander be- 
20gegneten<, Du bist die >Gnade<, der Du gesandt bist aus den 
Örtern (roVtot) der Höhe durch Deinen Vater, das erste My- 
sterium (/ftwijpv), das hineinblickt, indem er Dich gesandt 
127 hat, | damit Du Dich der ganzen Welt (xöanog) erbarmtest. 
128 Die »Wahrheit« dagegen ist die Kraft | des Sabaoth, des Guten 
25 (äyad-ög), die sich mit Dir verbunden bat und die Du nach 
links gestoßen hast, Du, das erste Mysterium {nvorfaiov), das 

lOff. Peal. 84, 10. 11. — 19 PbsI. 84, 10. 

1 Der Titel ist nachträglich auf deu oberen Rand geschrieben. 




ha 

i 
o 



Cap. 68. 95 

Lüäblickt. Und es nalim sie (sc. Kraft) der kleine Sabaoth, 
- Gute (&ya9ös), und stieß sie in die Materie (ittjj) der Bar- 
Jq. und er predigte (xrigtoonv) über den wahren (älrj&ua) 
e * t ' (TÖrtos) an allen Örtern (rÖTtoi) derer von der Linken, 
ene Materie (Mi}) nun der Barbelo ist es, die Dir heute 5 
örper (oG>fia) ist. >Und die Gerechtigkeit (dixatoovvrj) und 
er Friede (Eioijvri), die einander küßten< — die »Gerechtig- 
eit« (öixaioovvrj) bist Du, der Du alle Mysterien (pvoTr^ia) 
'urch Deinen Vater, das erste Mysterium (nvaTrjQiov) , das 
ineinblickt, gebracht hast, und Du hast die Kraft des Sabaoth, 10 
es Guten (aya&ög), getauft (ßanxiC,eiv), und Du bist zu dem 
te (lönng) der Archouten (äQxovieg) gegangen und hast ihnen 
"e Mysterien (uvoTr'.Qia) der Höhe gegeben, und sie wurden 
:recht (öUaioc) und gut (ayad-oL). . Der >Friede< (ei$rjvrj) da- 
egen ist die Kruft des Sabaoth, d. i. Deine Seele (ipf/rf), die 15 
die Materie (vir]) der Barbelo hineingegangen ist, und alle 
chonten (ägyaneg) der sechs Aeonen (aiüveg) des Jabraoth 
aben Frieden (e«^?Jvjj) mit dem Mysterium (ftvam^Qiov) des 
ichtes gemacht. Und »die Wahrheit, die aus der Erde her- 
orsproßte<, sie ist die Kraft des Sabaoth, des Guten (üyad-ög), 20 
: e aus dm Orte (roVrog) der Rechten, der außerhalb des 
ichtscbatzes (-ürfiaigög) liegt, gekommen. Und sie ist zum 
Orte (%6-rcog) derer von der Linken gegangen, | sie ist in die 128 
Materie (v/.rj) der Barbelo hineingegangen und hat ihnen ge- 
predigt (y.r}Qiaauv) die Mysterien ((xvotriQia) des wahren (aA<J#«a)25 
Ortes (zöicog). >Die Gerechtigkeit (öixaioaüvt}) dagegen, die 
vom Himmel herabblickte.<, | bist Du, das erste Mysterium 129 
UnmfjQtov), das herausblickt, indem Du aus den Räumen (%w- 
p^uaia) der Höhe mit den Mysterien (nvarr^ta) des Licht- 
•'eiches gekommen bist; und Du bist auf das Lichtkleid 30 
{■ti'övna) herabgekommen, das Du von der Hand der Barbelo 
empfangen hast, welches ist Jesus, unser Erlöser (awT^) f 
jndem Du auf ihn (sc. Jesus) wie eine Taube herabge- 
k °mmen bist.« 

Es geschah nun, als Johannes diese Worte verkündet hatte, 36 
a sprach zu ihm das erste Mysterium (ftvatt]Qiov), das heraus- 
lc kt: »Vortrefflich (dye), Johannes, Da geliebter Bruder !< 

Si.fv 6 Pstü - 84 - 10 - ~ 19 Psal - 84 ' 11 • - 26 Psal - w « u - ~ 38 Vgl 
tth - 3, 16 n. Parall. 



96 Pistis Sophia. 

CAP. 64. Es fahr wiederum das erste Mysterium (fiu- 
otrßiov) fort, indem es sprach: »Es geschah nun, die Kraft, 
die aus der Höhe gekommen war, d. h. ich, indem mich mein 
Vater gesandt hat, die Pistis Sophia aus dem Chaos (y.äog) zu 
ö retten, - ich nun und auch die Kraft, die aus mir gekommen 
war, und die Seele (t/'fX'i). die ich von Sabaoth, dem Guten 
{&ya&6g), empfangen hatte, sie kamen aneinander und wurden 
ein einziger Lichtabfluß (-ärcoQQota), der gar sehr leuchtete. 
Ich rief Gabriel und Michael aus den Aeonen (aiüveg) herab 
10 auf Befehl (x&ewng) meines Vaters, des ersten Mysteriums 
(luocriQiov), das hineinblickt, ich gab ihnen den Lichtabfluß 
m(-ätt6fäoia) und ließ sie zum Chaos (xäog) hinabgehen, um | der 
Pistis Sophia zu helfen (ßorj»eiv) und die Lichtkräfte, die die 
Emanationen (jtQoßolal) des Authades von ihr genommen 
15 hatten, von ihnen zu nehmen und sie der Pistis Sophia zu 
/abgeben. Und sofort haben sie | den Lichtabfluß {-iitÖQqoia) 
hinab zum Chaos (zäog) gebracht, er leuchtete gar sehr im 
ganzen Chaos (x«os) und verbreitete sich an all ihren Ortern 
(iötiol). Und als die Emanationen (jtQoßoXai) des Authades 
idas große Licht jenes Abflusses {ano^oia) gesehen hatten, 
fürchteten sie sich gegenseitig. Und jener Abfluß [&a6$$out) 
zog aus ihnen alle Lichtkräfte heraus, die sie von der Pistis 
Sophia genommen hatten, und nicht konnten die Emanationen 
{nqoßolal) des Authades es wagen (ro^iöv), jenen Lichtabfluß 
{.&jtÖQQoia) im finsteren Chaos (x«og) zu erfassen, noch (oööe) 
konnten sie ihn erfassen mit der Kunst (rix^l) des Authades, 
der über die Emanationen {nqoßolcxi) mächtig ist Und Gabriel 
und Michael führten den Lichtabfluß {-&n6§t>oict) über den 
Körper (aüua) der Materie der Pistis Sophia und stießen 
30 all ihre Lichter, die man von ihr genommen, in sie hinein. 
Und der Körper (aCb^ia) ihrer Materie (t ; A<?) wurde ganz er- 
leuchtet, und auch all ihre in ihr befindlichen Kräfte, deren 
Licht man genommen hatte, wurden erleuchtet und hörten 
auf, des Lichtes zu ermangeln, denn sie empfingen ihr Licht, 
■aö das von ihnen genommen war, weil ihnen das Licht durch 
mich gegeben war. Und Michael und Gabriel, die gedient 
m{duatmen>) und den Lichtabfluß (-äitö^oia) | zum Chaos (zäos) 
gebracht haben, werden ihnen die Mysterien (/iwwifeta) des 
Lichtes geben; sie sind es, denen der Lichtabfluß {-&n6qqoia) 



Cap. 64. 65. 



<J7 



anvertraut war, | den ich ihnen gegeben und zum Chaos (x«og) 131 
gebracht habe. Und Michael <und> Gabriel haben genommen 
für sich kein Licht von den Lichtern der Pistis Sophia, die 
8 je von den Emanationen {nqoßoXai) des Authades genommen 
hatten. 5 

Es geschah nun, als der Lichtabfluß {-anöfäotu) in die 
Pistis Sophia gestoßen hatte all ihre Lichtkräfte, die er von 
den Emanationen {itQoßolai) des Anthades genommen, da wurde 
sie ganz Licht, und auch die Lichtkräfte, die in der Pistis 
Sophia befindlich, welche die Emanationen (TtQoßolal) desio 
Authades nicht genommen hatten, wurden wiederum fröhlich 
und füllten sich an mit Licht, und die Lichter, die in die 
pistis Sophia gestoßen waren, belebten den Körper (a&fia) 
ihrer Materie (vhj), in der kein Licht vorhanden und die im 
Begriff war zugrunde zu gehen, oder (rj) die zugrunde geht, 15 
und sie richteten all ihre Kräfte auf, die im Begriff waren 
sich aufzulösen. Und sie nahmen sich eine Lichtkraft und 
wurden wiederum, wie sie früher gewesen waren, und sie 
nahmen wiederum in der Lichtwahrnehmung (-a'io&rjotg) zu. 
Und alle Lichtkräfte der Sophia erkannten sich gegenseitig 20 
durch meinen Lichtabfluß (-änÖQQoia) und wurden durch das 
Licht jenes Abflusses (-itnöfäoia) gerettet. Und mein Licht- 
abfluß (-ctTcoQQoia), als er die Lichter von den Emanationen 
(ngoßolai) des Authades genommen hatte, die sie von der 
Pistis Sophia genommen hatten, stieß sie hinein in die | Pistis 131 
Sophia und wandte sich und ging aus dem Chaos (%äog) 
hinaus, t 

Als nun das erste | Mysterium (fivazr^tov) zu den Jüngern 132 
(na&rpai) dieses sagte, daß es der Pistis Sophia im Chaos 
(x<xog) geschehen sei, antwortete es und sprach zu ihnen: 30 
»Begreift (votlv) ihr, in welcher Weise ich mit euch rede?« 

CAP. 65. Es trat Petrus vor und sprach: »Mein Herr, 
Was die Auflösung der Worte anbetrifft, die Du gesagt hast, 
so hat darüber Deine Lichtkraft einst durch Salomo in seinen 
Oden (työai) prophezeit {TtQoqtrpeüeiv): 3g 

1. Es kam heraus ein Abfluß {&it6$Qoia) und wurde ein 
großer, breiter Strom. 

30 ff. Ode Salomo's, 1. Diese Ode steht in der syr. Sammlung unter 
Nr - 6, es sind die Verse 7—17; Tgl. Flemming-Härnack S. 32 f. 

Schmidt: Platis Sophia. 7 



98 



Pistis Sophia. 



2. Er (sc. Abfluß) riß (zog) alles an sich und wandte sich 
gegen den Tempel. 

3. Nicht konnten ihn fassen Dämme und Bauten (wörtL: 
gebaute Örter), noch (ovöe) konnten ihn fassen die Künste 

b{%t%vai) derer, die die Wasser (?) fassen. 

4. Er wurde über das ganze Land geführt und erfaßte alles. 

5. Es tranken, die sich auf dem trockenen Sande befinden; 
ihr Durst wurde gelöst (gestillt) und gelöscht, als ihnen der 
Trank aus der Hand des Höchsten gegeben war. 

10 6. Selig (fiayjxQtot) sind die Diener (didv.ovoi) jenes Trankes, 
denen das Wasser des Herrn anvertraut ist. 

7. Sie haben bewässert (erfrischt) vertrocknete Lippen; 
Herzensfreude haben empfangen die Entkräfteten. Sie haben 
Seelen (ipvxai) erfaßt, indem sie den Hauch hineinstießen, 

16 damit sie nicht stürben. 

8. Sie haben Glieder (,««%), die gefallen waren, aufge- 
richtet; sie haben ihrer Offenheit (naQ^aia) Kraft gegeben 
und haben Licht ihren Augen gegeben. 

133 9. | Denn sie alle haben sich in dem Herrn erkannt und 
20 sind durch Wasser ewigen Lebens gerettet. 

Höre nun, mein Herr, auf daß ich das Wort offen (jtagöijaia) 
132 verkünde. Wie (xarä-) Deine | Kraft durch Salomo prophezeit 
(7tQo<prjTeveiv) hat: >Ein Abfluß (&7iÖQ^oia) kam heraus und 
wurde ein großer, breiter Strom«, das ist: Der Lichtabfluß 

25 (-äTtÖQQoicc) hat sich ausgebreitet im Chaos (%äog) an allen 
Ortern {-conot) der Emanationen (rtgoßolai) des Authades. 
Und ferner das Wort, das Deine Kraft durch Salomo gesagt 
hat: »Er riß alles an sich und führte es über den Tempel«, 
das ist: Er riß alle Lichtkräfte aus den Emanationen (rtgo- 

30 ßoXai) des Authades, die sie von der Pistis Sophia genommen 
hatten, und stieß sie von neuem in die Pistis Sophia hinein- 
Und ferner das Wort, das Deine Kraft gesagt hat: »Nicht 
konnten ihn fassen Dämme und Bauten«, das ist: Nicht konnten 
die Emanationen {itQoßolaL) des Authades den Lichtabfluß 

lff. Ode Salomo's, 2—9. 



3 Ms. -man konnte ihn nicht fassen in Dämmen und in Bauten«- 



Cap. 65. gg 



(.ärcodooia) in den Mauern der Finsternis des Chaos (%dog) 
fassen. Und ferner das Wort, das sie (sc. die Kraft) gesagt 
hat: >Er wurde über das ganze Land geführt und füllte alles 
(wörtl.: alle Dinge)«, das ist: Als Gabriel und Michael ihn 
(sc. den Lichtabfluß) über den Körper (aCofia) der Pistis Sophia 5 
geführt hatten, stießen sie in sie alle Lichter hinein, die die 
Emanationen (ngoßoXal) des Äuthades von ihr genommen 
hatten, und der Körper (a&fia) ihrer Materie (jilrj) leuchtete. 
Und das Wort, | das sie gesagt hat: >Es tranken, die sich &uf 134 
dem trockenen Sande befinden«, das ist: Es wurden erleuchtet 10 
alle in der Pistis Sophia Befindlichen, deren Licht früher 
genommen war. Und das Wort, das sie gesagt hat: >Ihr 
Durst wurde gelöst (gestillt) | und gelöscht«, das ist: Ihre 133 
Kräfte hörten auf, des Lichtes zu ermangeln, weil ihnen ihr 
Licht gegeben war, das von ihnen genommen war. Und ferner, 15 
wie (xazd-) Deine Kraft gesagt hat: >Es wurde ihnen der 
Trank durch den Höchsten gegeben«, das ist: Es wurde ihnen 
das Licht durch den Lichtabfluß (-dnöq^oia) gegeben, der aus 
mir, dem ersten Mysterium (fiv(ni]Qiov), gekommen war. Und 
wie (xazd-) Deine Kraft gesagt hat: > Selig (jxaxdQioi) sind die 20 
Diener (diäxovot) jenes Trankes«, dies ist das Wort, welches 
Du gesagt hast: Michael und Gabriel, die gedient (diaxovelv) 
haben, haben den Lichtabfluß (-Smö^ota) zum Chaos (xdog) 
gebracht und ihn wiederum hinausgeführt. Sie werden ihnen 
die Mysterien (uvar^ia) des Lichtes der Höhe geben, denen 25 
der Lichtabfluß (-facöfäoia) anvertraut ist. Und ferner wie 
ixaxd-) Deine Kraft gesagt hat: >Sie haben vertrocknete 
Lippen bewässert«, das ist: Gabriel und Michael haben nicht 
für sich von den Lichtern der Pistis Sophia genommen, die 
sie von den Emanationen (Tcgoßolal) des Authades geraubt 30 
haben, sondern (äXkd) sie haben sie in die Pistis Sophia hinein- 
gestoßen. Und ferner das Wort, das sie gesagt hat: j > Herzens- 135 
freude haben empfangen die Entkräfteten«, das ist: Auch 
al 'e die Kräfte der Pistis Sophia, die die Emanationen (tcqo- 
ßokai) des Authades nicht genommen haben, sind sehr fröh-35 
Hch geworden und haben sich angefüllt mit Licht von ihrem 
L'chtgeuossen, denn sie haben es in sie hineingestoßen. Und 
das Wort das | Deine Kraft gesagt hat: >Sie haben Seelen 131 
(Vize«') belebt, indem sie den Hauch hineinstießen, damit sie 

7* 



100 



Piatis Sophia. 



nicht stürben«, das ist: Als sie die Lichter in die Pistis 
Sophia hineingestoßen hatten, belebten sie den Körper (aeS/m) 
ihrer Materie (vltj), von dem man früher seine Lichter ge- 
nommen hatte, und der im Begriif war, zugrunde zu gehen. 
5 Und ferner das Wort, das Deine Kraft gesagt hat: >Sie haben 
Glieder ()<«%), die gefallen waren, aufgerichtet, oder (jj) damit 
sie nicht fallen«, das ist: Als sie in sie (sc. die Pistis Sophia) 
ihre Lichter hineingestoßen hatten, haben sie all ihre Kräfte 
aufgerichtet, die im Begriffe waren, aufgelöst zu werden. 
10 Und ferner, wie (xaid-) Deine Lichtkraft gesagt hat: »Sie 
haben ihrer Offenheit (rca<ifaoia) Kraft gegeben«, das ist: Sie 
haben wiederum ihr Licht empfangen und sind geworden, 
wie sie früher gewesen waren. Und ferner das Wort, das 
sie gesagt hat: >Sie haben Licht ihren Augen gegeben«, das 
15 ist: Sie haben Wahrnehmung (a'io&rjois) in dem Lichte emp- 
fangen und den Lichtabfluß (-foiöfjQOia) erkannt, daß er zu 
der Höhe gehört. Und ferner das Wort, das sie gesagt hat: 
>Sie alle haben sich erkannt in dem Herrn«, das ist: Alle 
Kräfte der Pistis Sophia haben einander erkannt durch den 
20 Lichtabfluß {-unÖQQoia). Und ferner das Wort, das sie gesagt 
l3ti hat: | »Sie sind gerettet durch Wasser ewigen Lebens«, das 
ist: Sie sind durch den ganzen Lichtabfluß (-auö^qoia) ge- 
rettet. Und das Wort, das sie gesagt hat: >Der Lichtabfluß 
{-&7tÖQQoia) riß alles an sich und sammelte es über den Tempel«, 
25 das ist: Als der Lichtabfluß (-aTtö^oia) alle Lichter der Pistis 
J35 Sophia genommen | und sie von den Emanationen (rtgoßolai) 
des Authades geraubt hatte, stieß er sie in die Pistis Sophia 
hinein, und er wandte sich und ging aus dem Chaos (jßog) 
heraus und kam über Dich, der Du der Tempel bist. 
30 Dies ist die Auflösung aller Worte, die Deine Lichtkraft 
durch die Ode (4><Jij) Salomo's gesagt hat.< 

Es geschah nun, als das erste Mysterium {/.ivottiqiov) diese 
Worte Petrus hatte sagen hören, sprach er zu ihm: > Vor- 
trefflich (efye), Du seliger {fiaxagios) Petrus! Dies ist die 
35 Auflösung der Worte, die gesagt sind (besser: die Da ge- 
sagt hast).« 

CAP. 66. Es fuhr aber (öe) wiederum das erste Myste- 
rium (jivatfßtov) in der Eede fort und sprach: »Es geschah 
nun, bevor ich die Pistis Sophia aus dem Chaos (xdog) hinaus- 



Cap. 65. 66. 101 

geführt hatte, weil es mir noch nicht durch meinen Vater, 
<las erste Mysterium (/.ivm^giov), das hineinblickt, beföhlen 
(ztlsveiv) war, damals {töte) nun, nachdem die Emanationen 
(jcgoßolai) des Authades erkannt hatten, daß mein Lichtabfiuß 
{.inÖQQOia) die Lichtkräfte, die sie von der Pistis Sophia ge- 5 
nonimen, von ihnen genommen und | [der Lichtabfluß (-&itö$Qoia) t37 
sie hineingestoßen] sie in die Pistis Sophia hineingestoßen 
jjatte, und als sie ferner die Pistis Sophia gesehen hatten, 
daß sie leuchtete, wie sie von Anfang an gewesen war, da 
zürnten sie der Pistis Sophia und schrieen wiederum hinauf 10 
zu ihrem Authades, daß er komme und ihnen helfe (ßorfteiv), 
auf daß sie die in der Pistis Sophia befindlichen Kräfte von 
neuem nähmen. Und der Authades sandte aus der Höhe aus 
dem dreizehnten Aeon (atibv) und sandte eine andere große 
Lichtkraft. Sie kam herab zum Chaos (%äog) | wie ein fliegender 136 
Pfeil, damit er (sc. Authades) seinen Emanationen (ttQoßoXaf) 
helfe (ßor/d-slv), daß sie der Pistis Sophia von neuem die 
Lichter nähmen. Und als jene Lichtkraft herabgekommen 
war, faßten die Emanationen {itqoßolaL) des Authades, die 
sich im Chaos (%äog) befanden und die Pistis Sophia bedrängten 20 
(■»Ußeiv), gar sehr Mut und verfolgten wiederum die Pistis 
Sophia unter großem Schrecken und großer Beunruhigung. 
Und es bedrängten {Mißeiv) sie einige von den Emanationen 
(nQoßoXai) des Authades ; eine (sc. Emanation) von ihnen ver- 
wandelte sich in eine Gestalt (fioQ(prj) einer großen Schlange, 25 
eine andere wiederum verwandelte sich in eine Gestalt (fioqcpri) 
eines Basilisken, der sieben Köpfe hat, eine andere wiederum 
verwandelte sich in eine Gestalt (ftoQcprj) eines Drachen 
{ÖQüy.wv), und auch die erste Kraft (dvvamg) des Authades, 
die mit dem Löwengesicht, und auch alle seine | sehr zahl-JfcfS 
reichen Emanationen (rtQoßolaf), und sie kamen zusammen und 
bedrängten die Pistis Sophia und führten sie wiederum zu den 
unteren Örtern (io'7rot) des Chaos (%dog) und beunruhigten sie 
wiederum sehr. Es geschah nun, als sie sie beunruhigt hatten, 
floh sie vor ihnen und kam zu den oberen Örtern {xöitoi) des 35 
Chaos (xaos); und es verfolgten sie die Emanationen (nQoßolal) 
des Authades und beunruhigten sie sehr. Es geschah nun 
darnach, da blickte aus den zwölf Aeonen (cüüivsg) Adamas, 
6 Die eingeklammerten Worte stören den Zusammenhang. 



102 



Pistis Sophia. 



der Tyrann (zvQawoe), heraus, welcher auch der Pistis Sophia 
137 zürnte, weil sie zu gehen wünschte zum | Lichte der Lichter, 
das oberhalb von ihnen allen war; deswegen zürnte er ihr. 
Es geschah nun, als Adamas, der Tyrann (tvQawog), aus den 
5 zwölf Aeonen (aiavee) herausgeblickt, sah er die Emanationen 
(ngoßolai) des Authades die Pistis Sophia bedrängen, bis daß 
sie von ihr alle Lichter nähmen. Es geschah aber (de), als 
die Kraft (dvva/iis) des Adamas zum Chaos (%do$) hin zu allen 
Emanationen (ngoßolai) des Authades herabgekommen war, 
10 — es geschah nun, als jener Dämon (daipoviov) zum Chaos 
(xäog) herabgekommen war, warf er die Pistis Sophia zu 
Boden, und die Kraft mit dem Löwengesicht und das Schlangen- 
gesicht und das Basiliskengesicht nnd das Drachengesicht 
(ögäxcov-), und auch alle sehr zahlreichen Emanationen (jvqo- 
\hßo).al) des Authades umgaben alle zugleich die Pistis Sophia, 
indem sie ihre in ihr befindlichen Kräfte von neuem zu nehmen 
wünschten, und sie bedrängten die Pistis Sophia sehr und 
bedrohten (ansdslv) sie. Es geschah nun, als sie sie be- 
drängten und sehr beunruhigten, schrie sie wiederum hinauf 
13» zum Lichte und | pries (v^ivevEcv), indem sie sprach: 

1. 0 Licht, Du bist's, das mir geholfen (ßorj&eZv) hat, möge 
Dein Licht über mich kommen, 

2. Denn Du bist mein Beschirmer, und ich werde kommen 
hin zn Dir, o Licht, indem ich glaube (rtioreveiv) an Dich, 

25 0 Licht. 

3. Denn Du bist mein Retter vor den Emanationen 
(aooßolal) des Authades und des Adamas, des Tyrannen 
(rvQavvoq), und Du wirst mich retten vor all seinen gewaltigen 
Drohungen (anedai). 

30 Als aber (3i) dies die Pistis Sophia gesagt hatte, da 
138 (t<M sandte ich auf Befehl (xikevoig) | meines Vaters, des 
ersten Mysteriums (pvorijQiov), das hineinblickt, wiederum 
Gabriel und Michael und den großen Lichtabfluß (-inöfäoia), 
damit sie der Pistis Sophia hülfen (ßorj&eiv), und ich befahl 
35 dem Gabriel und Michael, die Pistis Sophia auf ihren Händen 
zu tragen, damit ihre Füße nicht die Finsternis unterhalb 
berühren, und ich befahl ihnen ferner, sie in den Örtern 
(rÖTtot) des Chaos (%äog) zu geleiten, aus denen sie geführt 
werden sollte. Es geschah nun, als die Engel (äyyskoi) zum 



Cap. 6(1. 



103 



Chaos (xäog) hinabgegangen waren, sie und der Lichtabfluß 
(-&rt6$Q0ta) l und ferner <als> alle Emanationen (nqoßoXaL) des 
Authades und die Emanation (ngoßolrj) des Adamas den Licht- 
abfluß (-äTtÖQQOia) gesehen hatten, wie er gar sehr leuchtete, 
ohne daß Maß dem Lichte war, das an ihm war, da fürchteten 5 
sie sich und ließen ab von der Pistis Sophia, und der große 
Lichtabfluß (-&jt6QQOia) umgab die Pistis Sophia auf all ihren 
Seiten, zu ihrer Linken und zu ihrer Rechten | und auf alli^o 
ihren Seiten, und er wurde ein Lichtkranz um ihr Haupt. 
Es geschah nun, als der Lichtabfluß (-&7i6Qqoia) die Pistis 10 
Sophia umgeben hatte, faßte sie gar sehr Mut, und er (sc. Licht- 
abfluß) ließ nicht ab. sie auf all ihren Seiten zu umgeben, 
und sie fürchtete sich nicht vor den Emanationen (rtQoßoXai) 
des Authades, die sich im Chaos (xdog) befinden, noch (otöi) 
fürchtete sie sich ferner auch vor der neuen Kraft des Authades, 15 
die er zum Chaos (x^og) hinabgestoßen hatte | wie einen 139 
fliegenden Pfeil, noch (ovös) erzitterte sie ferner vor der 
Dämonskraft (dai/.i6nov-) des Adamas, die aus den Aeonen 
(aiaiveg) gekommen war. Und ferner auf Befehl (xüsvais) von 
mir, dem ersten Mysterium (nvorfQiov), das herausblickt, 20 
leuchtete gar sehr der Lichtabfluß (-&ft6QQ0ia), der die Pistis 
Sophia auf all ihren Seiten umgab, und die Pistis Sophia 
weilte inmitten des Lichtes, indem ein großes Licht zu ihrer 
Linken und zu ihrer Rechten und auf all ihren Seiten war, 
und indem es ein Kranz um ihr Haupt war. Und alle 25 
Emanationen (ngoßolai) des Authades (konnten) ihr Gesicht 
nicht wiederum verändern, noch (oiöe) konnten sie ertragen 
den Ansturm (ößjuij) des großen Lichtes des Abflusses (&tv6q- 
§oia), der ein Kranz um ihr Haupt war. Und alle Emanationen 
(nqoßolai) des Authades, — viele von ihnen fielen zu ihrer 30 
Rechten, weil sie gar sehr leuchtete, und viele andere fielen 
zu ihrer Linken, und nicht hatten sie sich überhaupt der 
Pistis Sophia | infolge des großen Lichtes nähern können, viel- 141 
mehr (itlrjv) fielen sie alle aufeinander oder (fj) sie kamen 
alle aneinander, und nicht konnten sie der Pistis Sophia 35 
etwas Böses zufügen, weil sie auf das Licht vertraute. Und 
auf Befehl (xilsvatg) meines Vaters, des ersten Mysteriums 
(ßva^Qiov), das hineinblickt, ging ich selbst zum Chaos (xaog) 
hinab, gar sehr leuchtend, | und näherte mich der Kraft mit 140 



104 



Pistis Sophia. 



dem Löwengesicht, die sehr leuchtete, und nahm ihr ganzes 
in ihr befindliches Licht und hielt (;xa%£%eiv) alle Emanationen 
{icqoßoXai) des Authades fest, damit sie nicht von jetzt ab 
zu ihrem Ort (rönos), d. h. zum dreizehnten Aeon (aiwv), gingen. 
5 Und ich nahm die Kraft von allen Emanationen (it^oßoXal) 
des Authades, und sie fielen alle im Chaos {-/.dos) kraftlos 
nieder, und ich führte die Pistis Sophia heraus, indem sie zur 
Rechten des Gabriel und des Michael war. Und der große 
Lichtabfluß (-imöfäota) ging wiederum in sie hinein, und die 

10 Pistis Sophia betrachtete mit ihren Augen ihre Feinde, daß 
ich ihre (pl.) Lichtkraft von ihnen genommen hätte. Und ich 
führte die Pistis Sophia ans dem Chaos (%&os) heraus, indem 
sie auf die Emanation {nqoßoX-q) des Authades mit dem 
Schlangengesicht trat, und sie trat ferner auf die Emanation 

15 (TtQoßoXrj) mit dem Basiliskengesicht, der sieben Köpfe hat. 
und trat auf die Kraft mit dem Löwen- und Drachen gesicht 
142 (ägdxav-). Ich ließ | die Pistis Sophia fortwährend stehen aut 
der Emanation {7tQoßoXrj) des Authades, die mit dem Basilisken- 
gesicht, der sieben Köpfe hat ; sie (sc. die Emanation mit dem 

20 Basiliskengesicht) aber (<5e) war mächtiger als sie alle in 
ihren Bosheiten. Und ich, das erste Mysterium (fivaTijgtov), 
stand über (bei) ihr und nahm alle in ihr befindlichen Kräfte 
und vernichtete ihre ganze Materie (vXij), damit kein Same 
(o7t£Q/j.a) von ihr von jetzt ab sich erhebe.« 
141 | CAP. 67. Als aber (<5e) das erste Mysterium (/j.vtn^giov) 
dieses zu seinen Jüngern ([ia&rpa£) sagte, antwortete es und 
sprach: »Begreift (voelv) ihr, in welcher Weise ich mit euch 
rede?« 

Es trat Jakobus vor und sprach: »Mein Herr, was die 
30 Auflösung nun der Worte anbetrifft, die Du gesagt hast, so 
hat darüber einst Deine Lichtkraft durch David im 90sten 
Psalm (ifjaXfiög) prophezeit (rcgocpr/teveiv): 

1. Wer da wohnt unter dem Schirme (ßorj&Eia) des Höchsten, 
wird unter dem Schatten Gottes des Himmels weilen. 
35 2. Er wird zum Herrn sagen: Du bist mein Beistand und 
meine Zuflucht, mein Gott, auf den ich vertraue. 

3. Denn er wird mich erretten aus der Schlinge der Jäger 
und vor gewaltigem Wort. 

83 ff. Psal. 90, 1—3. 



Cap. 66. 67. 



105 



4. Er wird Dich beschatten mit. seiner Brust, und unter 
seinen Flügeln wirst Du vertrauen; seine Wahrheit wird Dich 
^ie ein Schild (tiitkov) umgeben. 

5. Nicht wirst Du Dich furchten vor nächtlichem Schrecken 
nn d vor einem Pfeil, der am Tage fliegt, 5 

6. | Vor einer Sache, die im Finstern schleicht, vor einem 143 
Fall (Unglück) (und/ einem Dämon (öatfiöviov) am Mittag. 

7. Tausend werden fallen zu | deiner Linken und Zehn- 142 
tausend zu deiner Rechten, nicht aber (dt) werden sie dir 
nahen. 10 

8. Vielmehr (Tch\v) mit deinen Augen wirst du sie be- 
trachten, du wirst sehen die Vergeltung der Sünder. 

9. Denn Du, o Herr, bist meine Hoffnung (einig), den 
Höchsten hast du dir als Zuflucht gesetzt. 

10. Nicht wird Unheil an dich herankommen, nicht wird 15 
Plage (fidoTi%) deinem Wohnorte nahen. 

11. Denn er wird seinen Engeln (äyyeloi) um deinetwillen 
befehlen, daß sie dich auf all deinen Wegen behüten, 

12. Und auf ihren Händen dich tragen, damit du ja nicht 
(uijTtoTs) mit deinem Fuß an einen Stein stoßest. 20 

13. Über Schlange und Basilisk wirst du schreiten und 
auf Löwe und Drache (dgäxiov) treten. 

14. Weil er auf mich vertraut hat, werde ich ihn erretten; 
ich werde ihn beschatten, weil er meinen Namen erkannt hat. 

15. Er wird schreien hinauf zu mir, und ich werde ihn 25 
erhören; ich bin bei ihm in seiner Bedrängnis (&Xlif/ig) und 
ich werde ihn erretten und ihn ehren, 

16. Und mit vielen Tagen ihn mehren und ihm mein Heil 
zeigen. 

Dies ist, mein Herr, die Auflösung der Worte, die Du 30 
gesagt hast. Höre nun, daß ich es offen (jtaqQriaia) sage. 
Das Wort nun, | das Deine Kraft durch David gesagt hat: 144= 
'Wer da wohnt unter dem Schirme (ßorj-9-eia) des Höchsten, 
yivd unter dem Schatten Gottes des Himmels weilen <, das 
ls t: Als die Sophia auf das Licht vertraut hatte, weilte sie 35 
unter dem Lichte des Lichtabflusses (-SiTTöggoia), der durch Dich 

lff. Psal. 90, 4-16. — 33 Psal. 90, 1. 

L 



IQQ Piatis Sophia. 

ans der Höhe gekommen war. Und das Wort, das Deine 
Kraft durch David gesagt hat: »Ich werde zum Herrn sagen: 
Du bist mein Beistand und meine Zuflucht, mein Gott, auf 
den ich vertraue« , es ist das Wort, in dem die Pistis Sophia 
143 gepriesen {i^vevstv) hat: | >Du bist mein Beistand, und ich 
werde kommen zu Dir*. Und ferner das Wort, das Deine 
Kraft gesagt hat: >Mein Gott, der ich auf Dich vertraue, Du 
wirst mich ans der Schlinge der Jäger erretten und vor ge- 
waltigem Wort« — es ist, was die Pistis Sophia gesagt hat : 
10 >0 Licht, ich glaube [mortvetv) an Dich, denn Du wirst mich 
erretten vor den Emanationen {nQoßoUl) des Autbades und 
denen des Adamas, des Tyrannen (n$Qavi>os), und Du wirst 
mich auch erretten vor all ihren gewaltigen Drohungen 
(&7tuluiy. Und ferner das Wort, das Deine Kraft durch 
15 David gesagt hat: >Er wird dich mit seiner Brust beschatten, 
und unter seinen Flügeln wirst du vertrauen« das ist: Die 
Pistis Sophia hat sich in dem Lichte des Lichtabflusses 
(.&7i6^oia) befunden, der von Dir gekommen ist, und ist be- 
ständig zu dem Lichte fest vertrauend gewesen, das zu ihrer 
•20 Linken und das zu ihrer Rechten, welches sind die Fiügel 
I4üäes Lichtabflusses (-äfiöfäoia). Und das Wort, | das Deine 
Lichtkraft durch David prophezeit {nqoq>rjT&jeiv) hat: >Die 
Wahrheit wird dich wie ein Schild (oVdov) nmgeben«, es ist 
das Licht des Lichtabflusses {-änö^oia), das die Pistis Sophia 
•25 auf all ihren Seiten wie ein Schild (Sjdov) nmgeben hat. Und 
das Wort, das Deine Kraft gesagt hat: >Nicht wird er sich 
fürchten vor nächtlichem Schrecken«, das ist: Nicht hat sich 
die Pistis Sophia gefürchtet vor den Schrecken und den Be- 
unruhigungen, in die sie im Chaos {%do S ), welches ist die Nacht, 
30 gepflanzt war. Und das Wort, das Deine Kraft gesagt hat: | 
J44 >Nicht wird er sich fürchten vor einem Pfeil, der am Tage 
fliegt«, das ist: Nicht hat sich die Pistis Sophia vor der Kraft 
gefürchtet, die der Authades zuletzt aus der Höhe gesandt 
hat, und die zum Chaos fadog), seiend wie ein fliegender Pfeil, 
35 gekommen ist. Deine Lichtkraft nun hat gesagt: »Nicht wirst 
dn dich fürchten vor einem Pfeil, der am Tage fliegt«, weil 
jene Kraft aus dem dreizehnten Aeon {aUv) gekommen ist, 
2 Psal. 90, 2. - 7 Psal. 90, 2. 3. - 15 Psal. 90, 4. - 22 Psal. 90, 4. 
— 26 Psal. 90, 5. — 31 Psal. 90, 5. — 35 Psal. 90, 5. 



Cap. 67. 



107 



indem er es ist, welcher Herr über den zwölften Aeon (aldiv) ist, 
und er es ist, der allen Aeonen (aiaveg) leuchtet, deswegen 
nun hat er gesagt: 'Tag-. Und ferner das Wort, das Deine 
Kraft gesagt hat: >Nicht wird er sich fürchten vor einer 
Sache, die im Finstern schleicht«, das ist: Nicht hat die Pistis 5 
Sophia sich gefürchtet vor der Emanation (7tgoßolij) mit dem 
Löwengesicht, die der Pistis Sophia im Chaos (xäog), welches 
ist die Finsternis, Furcht verursachte. Und das Wort, das 
Deine Kraft | gesagt hat: >Nicht wird er sich fürchten vor 746 
einem Fall (Unglück) und einem Dämon (öai/.iöviov) am Mittag«, 10 
das ist: Nicht hat sich die Pistis Sophia gefürchtet vor der 
dämonischen (öaifiövwv) Emanation (nqoßol-q) des Tyrannen 
(tvQavvoe) Adamas, die die Pistis Sophia zu Boden geworfen 
hat in einem großen Fall (Unglück), die aus Adamas aus dem 
zwölften Aeon gekommen ist; deswegen nun hat Deine Kraft 15 
gesagt: > Nicht wird er sich fürchten vor | einem dämonischen 145 
(äaluoviov) Fall (Unglück) am Mittag«, — >Mittag<, weil sie 
aus den zwölf Aeonen (aiwvtg), welches ist der Mittag, ge- 
kommen ist, und ferner <> Nacht«, weil) sie gekommen ist aus 
dem Chaos (xrfog), welches ist die Nacht, und sie ist gekommen 20 
aus dem zwölften Aeon (alwv), der mitten zwischen beiden 
sich befindet; deswegen hat Deine Lichtkraft gesagt: »Mittag«, 
weil die zwölf Aeonen (aiüveg) mitten zwischen dem drei- 
zehnten Aeon (aitbv) und dem Chaos (%dog) liegen. Und ferner 
das Wort, das Deine Lichtkraft durch David gesagt hat: 25 
»Tausend werden fallen zu seiner Linken uud Zehntausend 
zu seiner Rechten, und nicht werden sie ihm nahen«, das ist: 
Als die Emanationen (/rgoßolai) des Authades, die sehr zahl- 
reich sind, nicht imstande waren, das große Licht des Licht- 
abflusses (-äTtÖQqoia) zu ertragen, fielen viele von ihnen zur 30 
-Linken der Pistis Sophia und viele fielen zu | ihrer Rechten 147 
und nicht waren sie imstande, ihr zu nahen, um sie zu . . . 
Und das Wort, das Deine Lichtkraft durch David gesagt hat: 

4 Psal. 90, 6.-9 Psal. 90, 6. — 16 PsaL 90, 6. — 20 Psal. 90, 7. 

16 Auch hier steht w ie S. 105, 7 „vor einem dämon. Fall" st. „vor einem 
^' a 'l u. einem Dämon". — 32 Im Text steht das Verbum nlata = n'Kaisw, 
vielleicht verderbt aus nel.d&iv »nahe kommen«. Schw. verbessert rxXdaaeiv, 
Atnclineau ßlämtt». 



jQg PistiB Sophia. 

.Vielmehr faMy) mit deinen Augen wirst du sie betrachten 
und wirst die Vergeltung der Sünder sehen, denn Du, oHerr, 
bist meine Hoffnung (ttrefe)*, das ist das Wort: Die Pistis 
Sophia hat mit ihren Augen ihre Feinde betrachtet d. h. die 
146 Emanationen faoßolal) des Authades, die alle | aufeinander 
gefallen sind; nicht nur (oi fiovov) hat sie sie hierin mit ihren 
Augen betrachtet, sondern (&)M) auch Da selbst, mein Herr, 
das erste Mysterium {uvo*r lQ tov\ hast die Lichtkraft, die m 
der Kraft mit dem Löwengesicht befindlich ist, genommen 
lOund hast ferner die Kraft aller Emanationen (* C ojfoA«j) des 
Authades genommen und ferner hast Du sie in jenem Chaos 
lydos) festgehalten (xanfeav), (damit sie nicht) zu ihrem Orte 
(rörtog) von jetzt ab gingen. Deswegen nun hat die Pistis 
Sophia mit ihren Augen ihre Feinde betrachtet, d. h. die 
lö Emanationen {nQoßolai) des Authades in allem, was David 
über die Pistis Sophia prophezeit ^cqo^teveiv) hat, indem er 
sagte- > Vielmehr (aty) wirst du sie mit deinen Augen be- 
trachten und Wirst die Vergeltung der Sünder sehen«, nicht 
nur (oi uövov) hat sie sie mit ihren Augen betrachtet, wie 
aosie aufeinander im Chaos foifos) fielen, sondern («AAcS) sie hat 
auch ihre Vergeltung gesehen, mit der ihnen vergolten worden 
war Wie (ww<£-) die Emanationen (fCQoßokat) des Authades 
gedacht haben, das Licht der Sophia von ihr zu nehmen, hast 
Du ihnen vergolten und ihnen heimgezahlt und hast die in 
148 ihnen befindliche Lichtkraft genommen | anstatt der Lichter 
der Sophia, die an das Licht der Höhe geglaubt (««««!«»•) 
hat Und wie (xmä-) Deine Lichtkraft durch David gesagt 
hat: »Du hast den Höchsten dir als Zuflucht gesetzt, nicht 
wird Unheil an dich herankommen können und nicht wird Plage 
30(pÄmg) deinem Wohnorte nahen«, das ist: Als die Pistis 
Sophia an das Licht geglaubt (nttneiuv) hatte und bedrangt 
worden war, pries (ifiveveiv) sie es; nicht vermochten die 
Emanationen (rt Q oßoXai) des Authades ihr irgend ein Unheil 
147 zuzufügen, | noch (oidi) vermochten sie sie zu . . ., noch Ver- 
as mochten sie überhaupt an sie heranzukommen. Und das Wort, 
das Deine Lichtkraft durch David gesagt hat: »Er wird seineu 
1 Psal. 90, 8. 9. - 17 PibL 90, 8.-28 Psal. 90, 9. 10. - 30 f. PsaL 90, 
11. 12. 

34 Hier steht wieder das Wort nA«™. 



Cap. 67. 68. 



109 



Engeln (ayyeloi) um deinetwillen befehlen, daß sie dich auf 
all deinen Wegen behüten und dich auf ihren Händen tragen, 
damit du ja nicht {n^nots) mit deinem Fuße an einen Stein 
stoßest«, es ist wiederum das Wort: Du hast Gabriel und 
Michael befohlen, daß sie die Sophia in allen Ortern (xönoi) 5 
des Chaos (x«og) geleiten, bis sie sie heraufführen und sie auf 
ihren Händen emporheben, damit ihre Füße nicht die Finsternis 
unterhalb berühren und die dagegen von der unteren Finsternis 
sie (sc. P. Soph.) nicht erfassen. Und das Wort, das Deine 
Lichtkraft durch David gesagt hat : > Du wirst auf Schlange 10 
und Basilisk treten und auf Löwe und Drache (öqüy.wv) treten; 
weil er auf mich vertraut hat, werde ich ihn erretten und 
w'erde ihn beschatten, weil er meinen Namen erkannt hat<, 
das ist das Wort: Als die Pistis Sophia im Begriff war, aus 
dem Chaos (x«"s) hinaufzukommen, trat sie auf die Erna- 15 
nationen (ngoßolaC) des Authades, sie trat auf | die (sc. Ema-Jafö 
nationen) mit Schlangengesicht und auf die mit Basilisken- 
gesicht, die sieben Köpfe haben, und sie trat auf die Kraft 
mit Löwengesicht und jene (sc. Kraft) mit Drachengesicht 
(ÖQÖxiov-). Weil sie an das Licht geglaubt (Ttioztveiv) hat, ist 20 
sie vor diesen allen gerettet worden. 

Dies ist, mein Herr, die Auflösung der Worte, die Du 
gesagt hast.« 

CAP. 68. Es geschab nun, als das erste Mysterium 
(nvozrjQiov) diese Worte gehört hatte, sprach es: > Vortreff lieh 25 
(evye), | Jakobus, Du Geliebter!« 148 

Es fuhr aber (öe) das erste Mysterium (/.ivonigiov) wiederum 
in der Rede fort und sprach zu den Jüngern {(ia&r)Tai): >Es 
geschah, als ich die Pistis Sophia aus dem Chaos (xäog) ge- 
führt hatte, schrie sie wiederum auf und sprach: 30 

1. Ich bin aus dem Chaos (x«"e) gerettet und erlöst aus 
den Banden der Finsternis. Ich bin zu Dir, o Licht, gekommen. 

2. Denn Du wurdest Licht auf all meinen Seiten, indem 
Du mich rettetest und mir halfest. 

3. Und die Emanationen {nQoßolai) des Authades, die 35 
gegen mich kämpften, hast Du verhindert (xwkveiv) durch Dein 
Licht, und nicht vermochten sie mir zu nahen, denn Dein 



10 f. Psal. 90. 13. 14. 



110 



Pistia Sophia. 



Licht war mit mir und rettete mich durch Deinen Lichtabfluß 
(•aTtöfäoca). 

4. Weil nämlich {yäg) die Emanationen {itqoßolai) des 
Authades mich bedrängt, meine Kraft von mir genommen und 

5 mich in das Chaos (x«"s) hinausgestoßen haben, ohne daß 
Licht in mir war, so bin ich wie schwerlastende Materie {vXtj) 
vor ihnen geworden. 

5. Und darnach ist mir eine Abflußkraft (&it6q(>oia-) durch 
Dich gekommen, die mich rettete; sie leuchtete zn meiner 

130 Linken und zu meiner Rechten und umgab mich auf | all meinen 
Seiten, damit kein Teil (fteQog) von mir lichtlos wäre. 

6. Und Du hast mich bedeckt mit dem Lichte Deines 
Abflusses {aTCÖQQoia) und gereinigt aus mir all meine schlechten 
Materien {Hai), und ich wurde überhoben all meinen Materien 

lbföXai) wegen Deines Lichtes. 

7. Und Dein Lichtabfluß {-äjcÖQQOta) ist es, der mich er- 
höht und von mir die Emanationen (/cgoßoXai) des Authades 
genommen hat, die mich bedrängten {d-Xißeiv). 

149 8. Und ich | bin geworden fest vertrauend in Deinem 
20 Lichte und (seiend) gereinigtes Licht Deines Abflusses 

{ujtQQQOia). 

9. Und es haben sich entfernt von mir die Emanationen 
{nqoßolai) des Authades, die mich bedrängten, und ich leuchtete 
in Deiner großen Kraft, denn du rettest allezeit. 

25 Dies ist die Reue (fierdvoia), die die Pistis Sophia gesagt 
hat, als sie aus dem Chaos {zdog) hinaufgekommen und als 
sie aus den Banden des Chaos (x«og) erlöst war. Jetzt nun, 
>wer Ohren hat, zu hören, der höre<.« 

CAP. 69. Es geschah nun, als das erste Mysterium 

30 Qiv tnrjQiov) diese Worte den Jüngern {,uad-^rai) zu sagen be- 
endet hatte, trat Thomas vor und sprach: »Mein Herr, mein 
Lichtbewohner hat Ohren und mein Verstand {vovg) hat die 
Worte, die Du gesagt hast, begriffen (voeiv). Jetzt nun befiehl 
(xsleveiv) mir, die Auflösung der Worte deutlich {gtavegüs) 

35 vorzutragen.« 

151 Es antwortete aber {de) das erste Mysterium {nvax^Qtov) \ 
und sprach zu Thomas: »Ich befehle (xekeveiv) Dir, die Auf- 

28 Vgl. Mark. 4. 9 u. Parall. 



Cup. 68. 69. 



111 



jßsung des Hymnus (vfivog), den die Pistis Sophia hinauf zu 
0,jr angestimmt (öfiveveir) hat, vorzutragen.« 

Es antwortete aber (34) Thomas und sprach: »Mein Herr, 
w as den Hymnus (vftvog) anbetrifft, den die Pistis Sophia 
gesagt hat, weil sie aus dem Chaos (xdog) gerettet war, so 5 
hat darüber Deine Lichtkraft einst durch Salomo, den Sohn 
Davids, in seinen Oden (#<Jat) prophezeit (Tcqocpr^EVEiv): 

1. Ich bin gerettet | aus den Banden und bin geflohen zu 150 
Dir, o Herr. 

2. Denn Du bist zu meiner Rechten gewesen, indem Duio 
mich rettetest [uud indem Du mich rettetest] und mir halfest. 

3. Du hast meine Gegner verhindert (xtalveiv), und nicht 
sind sie offenbar geworden, denn Dein Antlitz war mit mir, 
mich rettend in Deiner Gnade (y,dgig). 

4. Ich wurde verachtet im Angesichte vieler und hinaus- 15 
gestoßen; ich bin geworden wie Blei vor ihrem Angesicht. 

ö. Durch Dich ist mir geworden eine Kraft, die mir half, 
denn Du hast mir Leuchter gestellt zu meiner Rechten und 
zu meiner Linken, damit keine Seite von mir lichtlos wäre. 

6. Du hast mich beschattet (oxEjtd£eiv) mit dem Schatten 20 
Deiner Gnade, und ich wurde überhoben den aus Fellen ge- 
machten Kleidern. 

7. Deine Rechte ist es, die mich erhöht hat, und Du hast 
die Krankheit von mir weggenommen; 

8. | Ich bin geworden gekräftigt in Deiner Wahrheit uaiiss 
gereinigt in Deiner Gerechtigkeit (dixaioovvtj). 

9. Es haben sich entfernt von mir meine Gegner, und ich 
bin gerechtfertigt in Deiner Güte (-xq^atög), denn Deine Ruhe 
■Währet bis in alle Ewigkeit. 

Dies nun ist, o (3t) mein Herr, die Auflösung der Reue 30 
(/■letavoia) die die Pistis Sophia gesagt hat, als sie aus dem 
Chaos (xdog) gerettet worden war. Höre nun, damit ich sie 
(sc. Auflösung) offen (jtagQrjoia) sage: 

Das Wort nun, das Deine Lichtkraft durch Salomo gesagt 
hat: »Ich bin gerettet aus den Banden und bin geflohen zu 35 

8 ff. Ode Salomo'B, 1 — 9. Die Ode steht in der syr. Sammlung unter 
Kr. 25; vgl. Flemming-Harnack 8. 58. 

11 Die eingeklammerten Wörter dnrch Dittographie entstanden. 



w— 1 

112 pistl8 Sophia. 

Dir, o Herr«, es ist das Wort, das die Pistis Sophia gesagt 
hat: >Ich bin erlöst aus den Banden der Finsternis und bin 
hin zu Dir gekommen, o Lieht«. Und das Wort, das Deine 
Kraft gesagt hat: »Du bist zu meiner Rechten gewesen, 
151 indem Du mich rettetest | und mir halfest«, es ist wiederum 
das Wort, das die Pistis Sophia gesagt hat: >Du bist Licht 
gewesen auf all meinen Seiten, (indem du mich rettetest) und 
mir halfest«. Und das Wort, das Deine Lichtkraft gesagt 
hat: >Du hast meine Gegner verhindert (xwlvsiv), und nicht 
lOsind sie offenbar geworden«, es ist das Wort, das die Pistis 
Sophia gesagt hat: »Und die Emanationen (jtgoßokai) des 
Authades, die gegen mich kämpften, hast Du durch Dein 
Licht verhindert (xmlvuv), und nicht vermochten sie mir zu 
nahen«. Und das Wort, das Deine Kraft gesagt hat: >Dein 
15 Antlitz war mit mir, mich rettend in Deiner Gnade fade ig)«, 
153 es | ist das Wort, das die Pistis Sophia gesagt hat: >Dein 
Licht war mit mir, mich rettend in Deinem Lichtabfluß 
(-än6<>§oia)t . Und das Wort, das Deine Kraft gesagt hat: 
>Ich wurde verachtet im Angesichte vieler und hinausge- 
20 stoßen«, es ist das Wort, das die Pistis Sophia gesagt hat; 
>Es haben mich die Emanationen {nqoßolai) des Authades 
bedrängt und meine Kraft von mir genommen, und ich bin 
verachtet worden vor ilinen und hinausgestoßen in das Chaos 
fadog), ohne daß Licht in mir war«. Und das Wort, das 
25 Deine Kraft gesagt hat: »Ich bin geworden wie Blei vor 
ihrem Angesicht«, es ist das Wort, das die Pistis Sophia 
gesagt hat: »Als sie meine Lichter von mir genommen hatten, 
bin ich geworden wie schwer! asten de Materie (fc'Aij) vor 
ihnen«. Und ferner das Wort, das Deine Kraft gesagt hat: 
J52 »Und es ist mir eine | Kraft durch Dich geworden, die mir 
half« , es ist wiederum das Wort, das die Pistis Sophia gesagt 
hat: »Und darnach ist mir eine Lichtkraft durch Dich ge- 
kommen, die mich rettete«. Und das Wort, das Deine Kraft 
gesagt hat: »Du hast Leuchter zu meiner Rechten und zu 
35 meiner Linken gestellt, damit keine Seite von mir lichtlos 
wäre«, es ist das Wort, das die Pistis Sophia gesagt hat: 
»Deine Kraft leuchtete zu meiner Rechten und zu meiner 
Linken und umgab mich auf all meinen Seiten, damit keine 
Seite von mir lichtlos wäre«. Und das Wort, das Deine 



Cap. 69. 70. 113 

Kraft gesagt hat: ,>Du hast mich beschattet (axemi&iv) mit 
dem Schatten Deiner Gnade«, es ist wiederum das Wort, | &&%154 
die Pistis Sophia gesagt hat: >ünd Du hast mich bedeckt 
mit dem Lichte Deines Abflusses (&7tö<>Qoia)< . Und das Wort 
das Deine Kraft gesagt hat: »Ich wurde überhoben den aus 5 
Fellen gemachten Kleidern«, es ist wiederum das Wort, das 
die Pistis Sophia gesagt hat: »Und Du hast gereinigt mich 
von all meinen schlechten Materien (Hat), und ich erhob mich 
über sie in Deinem Lichte« . Und das Wort, das Deine Kraft 
durch Salomo gesagt hat: >Deine Hechte ist es, die mich 10 
erhöht und die Krankheit von mir weggenommen hat« , es ist 
das Wort, das die Pistis Sophia gesagt hat: >Und Dein 
Lichtabfluß (-änotfoia) ist es, der mich in Deinem Lichte 
erhöht und von mir weg die Emanationen {rzQoßolai) des 
Authades, die mich bedrängten (»llßeiv), genommen hat«. |iö 
Und das Wort, das Deine Kraft gesagt hat: >Ich bin ge-153 
worden gekräftigt in Deiner Wahrheit und gereinigt in Deiner 
Gerechtigkeit (ötxaioovvi))*, es ist das Wort, das die Pistis 
Sophia gesagt hat: sich bin geworden gekräftigt in Deinem 
Lichte und seiend gereinigtes Licht in Deinem Abflüsse 20 
(&ir6$Qoia)< . Und das Wort, das Deine Kraft gesagt hat: 
»Es haben sich entfernt von mir meine Gegner«, es ist das 
Wort, das die Pistis Sophia gesagt hat: >Es haben sich von 
mir entfernt die Emanationen (rc^oßolat) des Authades, die 
mich bedrängten«. Und das Wort, das Deine Lichtkraft 25 
durch Salomo gesagt hat: >Und ich bin gerechtfertigt in 
Deiner Güte (-xworög), denn Deine Ruhe währet bis in alle 
Ewigkeit«, es ist das Wort, das die Pistis Sophia gesagt hat: 
i 'Ich bin gerettet in Deiner Güte (-xworög), denn Du rettest 135 
«inen jeden«. 30 

Dies nun, 0 (Si) mein Herr, ist die ganze Auflösung der 
«eue (nerävoia), die die Pistis Sophia gesagt hat, als sie aus 
em Ch aos (xdo$) gerettet und aus den Banden der Finsternis 
ei- löst war«. 

CAP. 70. Es geschah nun, als das erste Mysterium 35 
worfatov) den Thomas diese Worte hatte sagen hören, sprach 
* 8 zu ihm: »Vortrefflich (dys) schön (xalag), Thomas, Du 
e liger (paxäQiog)l Dies <ist> die Auflösung des Hymnus 
' f* v "g), den die Pistis Sophia gesagt hat«. 

\ Schmidt: Pistis Sophia. 8 



-Q4 Vistis Sophia. 

Es fahr aber (AQ das erste Mysteriam frvotfou*) wiederum 
fort und sprach zu den Jüngern (^aZ): »Es fuhr aber (ty 
die Pistis Sophia wiederum fort und pries (V«*»0 "»«h, 
indem sie sprach: . „ . . _ , , „, ] 

154 1. Ich preise (^) Dich; | durch Dem Gebot (Beschluß) 
hast Du mich herausgeführt aus dem höheren Aeon (am v)> 
der oberhalb, und hast mich zu den Ortern («w«»), die unter- 

halb, hinabgeführt. 

2 Und wiederum durch Dein Gebot hast Du mich aus 
10 den Örtern (roVro*), die unterhalb, gerettet und durch Dich 

hast Du die in meinen Lichtkräften befindliche Materie (&ij) 
weggenommen, und ich habe sie gesehen. 

3 Und Du bist es, der zerstreut (besser: Du hast zer- 
streut) von mir weg die Emanationen {rtgoßolal) des Authades 

15 die mich bedrängten und mir feindlich waren, und Du hast 
mir die Macht (%ovoia) verliehen, mich aus den Banden der 
Emanationen (rtQoßoXat) des Adamas zu lösen. 

4 I und Du hast den Basilisken niedergeschlagen {am&o- 
mv \ den mit den sieben Köpfen, und ihn hinausgestoßen mit 

20meinen Händen und mich über seine Materie «0 gestellt 
Du hast ihn vernichtet, damit nicht sein Same (««H sich 
erhebe von jetzt ab. 

5 Und Du warst mit mir, indem Du mir in all diesem 
Kraft gabst, und Dein Licht umgab mich an allen Ortern 

26(«f>«»), und durch Dich hast Du alle Emanationen {^oßoUi) 
des Authades kraftlos gemacht. 

6 Denn Du hast die Kraft ihres Lichtes von ihnen ge- 
nommen und meinen Weg gerade gerichtet, um mich aus dem 
Chaos {tdos) zu führen. 

30 7 Und Du hast mich fortgeschaflt (gewendet) aus den 
materiellen 0W) Finsternissen und all meine Kräfte, deren 
Licht genommen war, von ihnen genommen 

8 Du hast in sie (sc. Kräfte) gereinigtes Licht gestoßen 
155 und all meinen Gliedern (^), | in denen kem Dicht, has 
35Du gereinigtes Licht aus dem Lichte der Hohe gegeben. 

9. Und Du hast ihnen (sc. Gliedern) den Weg geraa 
gerichtet, und das Licht Deines Antlitzes ist mir unzerstör 
bares Leben geworden. 



Cap. 70. 71. „. 

115 



10. Da hast mich hinaufgeführt oberhalb des Chaos (räoc) 
des Ortes *6„o S ) des Chaos ( x äo S ) und d^VernTchS 
damit alle in ihm befindlichen Materien (fcj, ™ rmchtüne > 
Orte sind, aufgelöst und all meine Ä inV^ 
Lichte erneuert würden, und Dein Licht in ihlen alfenTeT 5 

11. Du hast das Licht Deines Abflusses (ä^6 0la) in 2 
medergelegt, ich bin gereinigtes Licht geworden ' * 

| Dies wiederum ist der zweite r™^,, /« \ ^ 

IM Sophia gesagt hat. £?U?SZ sZVj" *t m 

befiehl (xeXevscv) mir daß ich siP ZffL r ?< f ; Jetzt nun 

v ; mir, aaß ich sie offen (na^rjaia) sa g e .« 15 

»- Be4 ° äliChra « - 

4. Der die Schlange mit den sieben Köpfen mit meinen 
""ei gestellt, dam« ,ch ihren Samen (mt^) ansläsehe 
f«« nm^ÄfSe""^ ""^ " «»- 



8* 



116 pi3tis Soph- 

ias 6. | Deine Rechte hat das Gift des Verleumders vernichtet, 
Deine Hand hat den Weg für Deine Getreuen (itunol) gebahnt. 

7. Du hast sie aus den Gräbern (tdyoi) befreit und sie 
mitten aus den Leichnamen fortgeschafft. 
5 8. Du hast tote Gebeine genommen und sie mit einem 
Körper (aw/xa) bekleidet und den Unbeweglichen hast Du 
Lebenskraft (-kviQyeia) gegeben. 

9. Unzerstörbarkeit ist geworden Dein Weg und Dem 

Antlitz. 

10 10. Du hast Deinen Aeon {auhv) über das Verderben 
geführt, damit sie alle aufgelöst und erneuert würden, und 
Dein Licht ihnen allen Fundament sei. 

11. Du hast Deinen Reichtum auf sie gebaut, und sie 
sind ein heiliger Wohnort geworden. 
15 Dies nun, mein Herr, ist die Auflösung des Hymnus 
(fyo-os), den die Pistis Sophia gesagt hat. Höre nun, damit 
ich sie offen sage. Das Wort, das Deine Kraft durch Salomo 
gesagt hat: >Der mich hinabgeführt hat aus den höheren 
Örtern, die oberhalb, und hat mich auch heraufgeführt aus den 
157Örtern, die in der Tiefe unterhalb c, es ist das Wort, das | 
die Pistis Sophia gesagt hat: »Ich preise (vfiveösiv) Dich; 
durch Dein Gebot (Beschluß) hast Du mich aus diesem höheren 
Aeon (aiibv), der oberhalb, herausgeführt und mich zu den 
Örtern (*<fen>0 unterhalb geführt. Und wiederum durch Dein 
25 Gebot hast Du mich gerettet und aus den Örtern (r<feroi), die 
unterhalb, hinaufgeführt.« Und das Wort, das Deine Kraft 
durch Salomo gesagt hat: »Der die in der Mitte Befindlichen 
im weggenommen | und hat mich über sie belehrt« , es ist das Wort, 
das die Pistis Sophia gesagt hat: >Und wiederum durch Dich 
30 hast Du die inmitten meiner Kraft befindliche Materie ($W 
reinigen lassen, und ich habe sie gesehen.« Und ferner das 
Wort, das Deine Kraft durch Salomo gesagt hat: >Der meine 
Feinde und meine Widersacher (dm&xot) zerstreut hat«, es 
ist das Wort, das die Pistis Sophia gesagt hat: »Und Du hast 
35 zerstreut von mir weg alle Emanationen {itqoßolaC) des Au- 
thades, die mich bedrängten und die mir feindlich waren<- 
Und das Wort, das Deine Kraft gesagt hat: »Der mir seine 
Weisheit (aotpLa) über Bande verliehen hat, um sie zu lösen«, 
1 Ode Salomo's, 6—11. 



Cap. 71. 



117 



es ist das Wort, das die Pistis Sophia gesagt hat: >Und er 
j, a t mir seine Weisheit (aocpla) verliehen, mich aus den Banden 
jener Emanationen (nqoßolai) zu lösen«. Und das Wort, das 
peine Kraft gesagt hat: >Der die Schlange mit den sieben 
Köpfen mit meinen-Händen niedergeschlagen {naxäaaeiv) hat und 5 
mich über ihre Wurzel gestellt, damit ich ihren Samen (aniQ^ia) 
auslösche«, es ist das Wort, das die Pistis Sophia gesagt hat: 
»Und Du hast niedergeschlagen (Ttaiäooeiv) die Schlange, die 
mit den | sieben Köpfen, durch meine Hände und mich über 158 
ihre (sc. Schlange) Materie (ßkrj) gestellt. Du hast sie (sc.io 
Schlange) vernichtet, damit nicht ihr Same {oitiqua) sich er- 
hebe von jetzt ab«. Und das Wort, das Deine Kraft gesagt 
hat: >Und Du warst mit mir, indem Du mir halfest«, es ist 
das Wort, das die Pistis Sophia gesagt hat: »Und Du warst 
mit mir, indem Du mir in all diesem Kraft gabst«. Und das 16 
Wort, das Deine Kraft gesagt hat: >Und Dein Name umgab 
mich an allen Orten«, | es ist das Wort, das die Pistis Sophia 160 
gesagt hat: >Und Dein Licht umgab mich an all ihren Örtern 
(z6itoi)<. Und das Wort, das Deine Kraft gesagt hat: >Und 
Deine Rechte hat das Gift des Verleumders vernichtet«, es 20 
ist das Wort, das die Pistis Sophia gesagt hat: >Und durch 
Dich wurden die Emanationen {nqoßolai) des Authades 
kraftlos, denn Du hast das Licht ihrer Kraft von ihnen ge- 
nommen«. Und das Wort, das Deine Kraft gesagt hat: >Deine 
Hand hat Deinen Getreuen {mmol) den Weg gebahnt«, es ist 25 
das Wort, das die Pistis Sophia gesagt hat: >Du hast gerade 
gerichtet meinen Weg, um mich aus dem Chaos (%t»og) zu 
führen, weil ich an Dich geglaubt (niorevsiv) habe« . Und das 
Wort, das Deine Kraft gesagt hat: >Du hast sie aus den 
Qräbern (rdcpoi) befreit und sie mitten aus den Leichnamen 30 
fortgeschafft (gewendet)«, es ist das Wort, das die Pistis 
Sophia gesagt hat: >Und Du hast mich aus dem Chaos (%6os) 
befreit und mich aus den materiellen (vUnol) Finsternissen 
fortgeschafft (gewendet), d. h. | aus den finsteren Emanationen 159 
i^oßoi.a£), die im Chaos (jtßoe), von denen Du ihr Licht ge-36 
Bommen hast«. Und das Wort, das Deine Kraft gesagt hat: 
'Du hast tote Gebeine genommen und sie mit einem Körper 

2 Im Hymnus steht: «Du hast mir die Macht verliehen«. — 8 Im 
Sjmnus »Basilisk« st. »Schlange«. 




118 



Pistis Sophii 



(a&fia) bekleidet und, den Unbeweglichen hast Du Lebenskraft 
(-hiQyeia) gegeben«, es ist das Wort, das die Pistis Sophia 
gesagt hat: >Und Du hast all meine Kräfte genommen, in 
denen kein Licht war, und in sie hinein gereinigtes Licht 
5 gegeben und all meinen Gliedern (/<«%), in denen sich kein 
Licht bewegte, hast Du Lebenslicht aus Deiner Höhe gegeben< . 
161 Und das Wort, das Deine Kraft gesagt hat: | »Unzerstörbarkeit 
ist Dein "Weg geworden und Dein Antlitz«, es ist das Wort, 
das die Pistis Sophia gesagt hat: >Und Du hast Deinen Weg 
10 mir gerade gerichtet, und das Licht Deines Antlitzes ist mir 
unzerstörbares Leben geworden«. Und das Wort, das Deine 
Kraft gesagt hat: >Du hast Deinen Aeon (aubv) über das Ver- 
derben geführt, damit alle aufgelöst und erneuert würden<, 
es ist das Wort, das die Pistis Sophia gesagt hat: ;>Du hast 
15 mich, Deine Kraft, über das Chaos (xaog) hinaufgeführt und 
über das Verderben, damit alle an jenem Orte (röftog) befind- 
lichen Materien (vkai) aufgelöst und all meine Kräfte im 
Lichte erneuert würden«. Und das Wort, das Deine Kraft 
gesagt hat: >Und Dein Licht wird ihnen allen Fundament«, 
20 es ist das Wort, das die Pistis Sophia gesagt hat: >Und Dein 
160 Licht ist in ihnen allen geworden«. | Und das Wort, das Deine 
Lichtkraft durch Salomo gesagt hat: ;Du hast Deinen Keichtum 
über ihn gesetzt, und er ist heiliger Wohnort geworden«, es 
ist das Wort, das die Pistis Sophia gesagt hat: >Du hast das 
25 Licht Deines Abflusses (an6<Sf>oia) über mir befestigt, und ich 
bin gereinigtes Licht geworden«. 

Dies nun, mein Herr, ist die Auflösung des Hymnus 
(Vpvog), den die Pistis Sophia gesagt hat.« 

CAP. 72. Es geschah nun, als das erste Mysterium (jiv 
30 0Tr,Qiov) diese Worte Matthäus hatte sagen hören, sprach es: 
»Vortrefflich (svye), Matthäus, und schön (xaXwg), Du Geliebter ! 
Dies ist die Auflösung des .Hymnus (ßfivog), den die Pistis 
Sophia gesagt hat.« 

Es fuhr aber (öi) das erste Mysterium QivmrjQiov) wiederum 
35 fort und sprach: »Es fuhr aber (öi) die Sophia wiederum in 
diesem Hymnus (fytvog) fort und sprach: 
162 h | Ich werde sagen: >Du bist das höhere Licht«, denn Du 
hast mich gerettet und mich zu Dir geführt, und nicht hast 
9 Im HymnnB steht: .Und Du hast den Weg ihnen gerade gerichtet' . 



Cap. 71. 72. 



119 



pu die Emanationen (nooßolai) des Authades, die mir feindlich 
sind, mein Licht nehmen lassen. 

2. 0 Licht der Lichter, ich pries (ifivevsiv) hinauf zu Dir, 
pu hast mich gerettet. 

3. 0 Licht, Du hast meine Kraft aus dem Chaos (xäog) 5 
hinaufgeführt, hast mich gerettet vor denen, welche zur 
Finsternis hinabgestiegen sind. 

Diese Worte hat wiederum die Pistis Sophia gesagt. Jetzt 
nun, wessen Verstand (voCg) verständig (voeoös) geworden ist, 
indem er die Worte, die die Pistis Sophia gesagt hat, begriffen 10 
footZv) hat, der möge vortreten und ihre Auflösung verkünden.« 

Es geschah nun, als das erste Mysterium (/.ivartjoiov) diese 
Worte den Jüngern (/.lathjcal) zu sagen beendet hatte, trat 
Maria vor und sprach: »Mein Herr, mein | Verstand (voüg) ist 161 
allezeit verständig (vosqös), um jedesmal vorzutreten und die 16 
Auflösung der Worte, die sie gesagt hat, zu verkünden, aber 
(älM) ich fürchte mich vor Petrus, weil er mir droht (äneilelv) 
und unser Geschlecht (yevog) haßt.« 

Als sie aber (öe) dieses gesagt hatte, sprach das erste 
Mysterium (/.watr^iov) zu ihr : »Ein jeder, der mit dem Licht- 20 
geiste (-ftveOfia) erfüllt sein wird, um vorzutreten und die 
Auflösung von dem, was ich sage, zu verkünden, — niemand 
wird ihn hindern (xojIvsiv) können. Jetzt nun, Du o (3>) Maria, 
verkünde die Auflösung der Worte, die die Pistis Sophia 
gesagt hat.« 25 

Es antwortete nun Maria und sprach | zum ersten My- 163 
sterium (/.ivoTrjgto*) inmitten der Jünger (fj.a&rp;al): »Mein 
Herr, was die Auflösung der Worte anbetrifft, die die Pistis 
Sophia gesagt, so hat Deine Lichtkraft sie einst durch David 
prophezeit (jtQOfprjrevecv): 30 

1. Ich werde Dich erheben, o Herr, denn Du hast mich 
aufgenommen, und nicht hast Du meine Feinde über mich 
erfreut (evqtQaiveo&ai), 

2. 0 Herr, mein Gott, ich schrie hinauf zu Dir, und Du 
hast mich geheilt. 35 

3. 0 Herr, Du hast meine Seele (y>v%i]) aus der Unter- 
welt hinaufgefühlt, hast mich gerettet vor denen, die in die 
Qrube hinabgestiegen sind.« 

31 Paal. 29, 1—3. 

L 



120 



Pistis Sophii 



CAP. 73. Als dies aber (öe) Maria gesagt hatte, sprach 
zu ihr das erste Mysterium (fivmr^Qcov): > Vortrefflich (etSye) 
schön (xatäg), Maria, du Selige (f.iaimqla)U 
162 Es (sc. das erste Mysterium) fuhr aber (öi) wiederum | in 
öder Rede fort und sprach zu den Jüngern (iia»r\raC): »Es fuhr 
wiederum die Pistis Sophia in diesem Hymnus (vpvog) fort 
und sprach: 

1. Das Licht ist mein Erretter geworden. 

2. Und es hat meine Finsternis mir in Licht verwandelt, 
10 und es hat zerrissen das Chaos (xdog), das mich umgab, und 

mich mit Licht umgürtet« 

Es geschah nun, als das erste Mysterium duixmfetov) diese 
Worte zu sagen beendigt hatte, da trat Martha vor und 
sprach: »Mein Herr, Deine Kraft hat einst durch David in 
15 betreff dieser Worte prophezeit (nqocpi]Teveiv): 

10. Der Herr ist mir Helfer (ßorj96g) geworden. 

11. Er hat meine Klage mir in Freude verwandelt, er 
hat mein Trauergewand zerrissen und mich mit Freude um- 
gürtet.« 

164 | Es geschah aber (öe), als das erste Mysterium (ftvair^iov) 
diese Worte Martha hatte sagen hören, sprach es: »Vor- 
trefflich (eöye) und schön (xaXwg), Martha!« 

Es fuhr aber (öe) das erste Mysterium (fivairjQiov) wiederum 
fort und sprach zu den Jüngern (padyraC): »Eb fuhr wiederum 
26 die Pistis Sophia in dem Hymnus (v/ivog) fort und sprach: 

1. Meine Kraft, preise (y/tveveiv) das Licht und vergiß 
nicht alle Kräfte des Lichtes, die es dir gegeben hat. 

2. Und alle Kräfte, die in mir, preiset (vpveveiv) den Namen 
seines heiligen Mysteriums (pvarijQiov). 

30 3. Der all deine Übertretung (itaQäßaoig) vergibt, der 
dich aus all deinen Bedrängnissen rettet, mit denen dich die 
Emanationen (nqoßolai) des Authades bedrängt (d-Ußeiv) haben. 
163 4. Der dein Licht vor | den Emanationen (itQoßolai) des 
Authades, die zum Verderben gehören, gerettet hat, der dich 
36 mit Licht bekränzt hat (wörtl.: der gegeben hat einen Licht- 
kranz auf dein Haupt) in seiner Barmherzigkeit, bis er dich 
errette. 

löir. Pia]. 29, 10. n. 



Cap. 73. 74. 



121 



5. Der dich mit gereinigtem Licht angefüllt hat; und dein 
Anfang (fyxy) wird sicn erneuern wie ein Unsichtbarer 
[iÖQanog) der Höne - 

Mit diesen Worten pries (iftveveiv) die Pistis <Sophia>, 
weil sie gerettet war und aller Dinge gedachte, die ich ihr 5 
getan hatte.« 

CAP. 74. Es geschah nun, als das erste Mysterium 
(fivOTtjQiov) diese Worte den Jüngern {nadrjtaC) zu verkünden 
beendet hatte, sprach es zu ihnen : »Wer die Auflösung dieser 
Worte begriffen (voeiv) hat, der möge vortreten und sie offen 10 
(ftctQQrjoia) sagen.« 

Es trat wiederum | Maria vor und sprach: »Mein Herr, i6ö 
was diese Worte anbetrifft, mit denen die Pistis Sophia ge- 
priesen (v^ivevsiv) hat, so hat Deine Lichtkraft sie durch David 
prophezeit (rtQO<pr[t;evuv): 15 

1. Meine Seele (xpvxij), preise den Herrn ; alles, was in mir 
ist, preise seinen heiligen Namen. 

2. Meine Seele (ipvxrf), preise den Herrn und vergiß nicht 
all seine Vergeltungen. 

3. Der dir all deine Freveltaten (ävofAiai) vergibt, der 20 
all deine Krankheiten heilt. 

4. Der Dein Leben aus dem Verderben erlöst, der dich 
bekränzt (wörtL : der gibt einen Kranz von Gnade und Barm- 
herzigkeit auf dein Haupt) mit Gnade und Barmherzigkeit. 

5. Der dein Verlangen mit Gütern (iyad-d) gesättigt; 26 
deine Jugend wird sich erneuern wie die eines Adler (äeiög), — 
das ist: die Sophia wird wie die Unsichtbaren (&ÖQ<noi), die 
in der Höhe, werden; er hat nun gesagt: >wie ein Adler 
(&to's)<, weil der Wohnsitz der Adler (äerol) in der Höhe ist 
nnd die | Unsichtbaren (äopnoi) auch in der Höhe sind, das 164 
ls t: die Sophia wird leuchten wie die Unsichtbaren {Uqutoi), 

sie von ihrem Anfang an war.« 

Es geschah nun, als das erste Mysterium (ftvorygiov) diese 
Worte Maria hatte sagen hören, sprach es: »Vortrefflich (etiye), 
0 (&) Maria, Du Selige (/uotaqia)U 35 

16 ff. Psal. 102, 1—5. 

d 21 Im Ms- muß durch Versehen eine größere Lücke entstanden sein, 
<üe Ausdeutung des Hymnus der P. S. mit dem Psalm bis auf den letzten 
' er s ausgefallen ist. 



122 Pistis Sophia. 

Ida Es geschah nun darnach, | da fahr das erste Mysterium 
{pvmrßu») wiederum in der Kede fort und sprach zu den 
Jüngern (naS^Tal): sich nahm die Pistis Sophia und führte 
sie hinauf zu einem Orte (töteos), der unterhalb des drei- 
5 zehnten Aeons (aubv) ist, und ich gab ihr ein neues Mysterium 
(nvorfytov) des Lichtes, welches nicht dasjenige ihres Aeons 
(aubv), des Ortes (tokos) der Unsichtbaren (&6qozoi), ist. Und 
ferner gab ich ihr einen Hymnus (ß/ivog) des Lichtes, damit 
die Archonten (aQxoweg) der Aeonen (altbveg) gegen sie von 

lOjetzt ab nichts vermöchten, und ich versetzte sie an jenen 
Ort (TÖTtog), bis ich ihr folgte und sie zu ihrem höheren Orte 
(tÖTtos) brächte. 

Es geschah nun, als ich sie an jenen Ort (zöftog) versetzt 
hatte, sprach sie wiederum diesen Hymnus (fyvog), indem sie 

15 also sprach: 

1. Im Glauben (nlvtig) habe ich an das Licht geglaubt 
(nuneusiv), und e3 hat meiner gedacht und meinen Hymnus 
(vpvog) erhört. 

2. Es hat meine Kraft aus dem Chaos (%6og) und der 
20 unteren Finsternis der ganzen Materie (vfoj) hinaufgeführt, 

und es hat mich hinaufgeführt; es hat mich in einen höheren 
und sicheren Aeon (aid>v) versetzt, es hat mich versetzt auf 
den Weg, der zu meinem Orte (zÖTtog) führt. 

3. Und es hat mir ein neues Mysterium (pvorfQiov) ge- 
26 geben, das nicht dasjenige meines Aeons (altbv) ist, und mir 

einen Hymnus (6>vog) des Lichtes gegeben. Jetzt nun, o Licht, 
werden alle Archonten (äQxovreg) sehen, was Du an mir getan 
165 hast, und sich | fürchten und an das Licht glauben (Ttiareveiv). 

Diesen Hymnus (vpvog) nun sprach die Pistis Sophia, sich 
167freuend, daß sie aus dem Chaos {%iog) hinaufgeführt und | zu 
den Örtern (törtoi), die unterhalb des dreizehnten Aeons (aldiv). 
geführt war. Jetzt nun, wen sein Verstand (vovg) bewegt, 
daß er begreift (voelv) die Auflösung des Gedankens (r%ta) 
des Hymnus (vfivog), den die Pistis Sophia gesagt hat, der 
35 möge vortreten und sie sagen.« 

Es trat Andreas vor und sprach: »Mein Herr, dies ist, 
worüber einst Deine Lichtkraft durch David prophezeit {aqo- 
<pi}Ts6etv) hat: 



r 



Cap. 74. 75. jgg 

i In Geduld (Äro^) habe ich auf den Herrn geharrt 
(bTtoidveiv); er hat achtgegeben auf mich und gehört auf 
mein Flehen. 

2. Er hat meine Seele (ipv X ,f) aus der Grube der Drangsal 
(laXamaeia) und aus dem kotigen Schlamm hinaufgeführt er 5 
hat meine Füße auf einen Felsen (7tfr Qa ) gestellt und gerade 
gerichtet meine Schritte. 

3. Er hat in meinen Mund ein neues Lied gelegt, einen 
Lobgesang für unsern Gott. Viele werden schauen und sich 
fürchten und auf den Herrn hoffen (ÜtzI&v).« 10 

Es geschah nun, als Andreas den Gedanken (v<W) der 
Pistis Sophia verkündet hatte, sprach zu ihm das erste My- 
sterium (fwa^cov): Vortrefflich (dye), Andreas, du Seliger 

CAP. 75. Es (sc. das erste Mysterium) fuhr aber (&)16 
wiederum in der Rede fort und sprach zu den Jüngern i«! 
AjwO: »Dies sind alle Begebenheiten, die der Pistis Sophia 
geschehen sind. - | Es geschah nun, als ich sie zu dem Orte 166 
(*o*o S ), der unterhalb des dreizehnten Aeons (aid>v), geführt 
hatte und im Begriff war, zu dem Lichte zu gehen und yon20 

| ZU -n? f SpiaCh Sie ZU mk: *° Licht der Lichter, 
lyrann (rv QaV vo S ) Adamas wird wissen, daß Du von mir ge- 
wichen bist, und wird wissen, daß nicht mein Erretter vor- 

kommen er und all seine Archonten (%om S ), die mich hassen 
und auch der Authades wird seiner Emanation (xQoßoM mit 
Jem Lowengesicht Kraft verleihen, und sie alle kommen und 
^ed rangeü mich zugleich und nehmen mein ganzes Licht von 

nun' ? T t ,ch , kraftlos und wiederum lichtlos werde. Jetzt 30 
un o Licht und mein Licht, nimm die Kraft ihres Lichtes 

zu bedrällgen 1 " 11 ^ imStaDde SiDd ' miCh V ° n jetzt ab 

hatf» ES geSChah UUn ' als ich diese Worte die Ksto Sophia 
>Er h 8 ?* 6 - eD ' da antwortete i<* iH indem ich sagte -35 

ß*L t w, nMh DiCht mdn Vater ' der mich emaniert (noo- 
hat, befohlen (xekeve»), ihr Licht von ihnen zu nehmen, 

1 ff. Psal. 39, 1—3. 



124 



Pistis Sophi». 



aber (MM) ich werde die Örter (rövtoi) des Authades und 
aller seiner Archonten (&q%ov%es) versiegeln (ocpQayi&tv), die 
Dich hassen, weil Du an das Licht geglaubt (nuneäuv) hast. 
Und ich werde ferner die Örter («J*ot) des Adamas und seiner 
5 Archonten (Sportes) versiegeln (ofoayi&iv), damit niemand 
von ihnen imstande sei, mit Dir Krieg zu führen (itoXe/ieiv), 
bis daß ihre Zeit vollendet ist und der Zeitpunkt (xatgds) 
kommt, daß mir mein Vater befiehlt (xeieöuv), ihr Licht von 

ihnen zu nehmen.« 
10 CAP. 76. Darnach aber (<J<0 sprach ich wiederum zu ihr: 
167 >Höre, auf daß ich | mit Dir über ihre Zeit spreche, wann 
dieses geschehen wird, d. h. das, was ich Dir gesagt habe. 
I6f>\ Es wird geschehen, wann <die> drei Zeiten vollendet sind.<. 
Es antwortete die Pistis Sophia und sprach zu mir: 
15)0 Licht, woher soll ich erkennen, wann die drei Zeiten 
stattfinden? damit ich mich ergötze und freue, daß die Zeit 
herbeigekommen ist, daß Du mich zu meinem Orte (röttos) 
führst, und ferner werde ich mich darüber freuen, daß die 
Zeit gekommen ist, wo Du die Lichtkräfte von all denen 
20 nehmen wirst, die mich hassen, weil ich an Dein Licht ge- 
glaubt (TtioTEveiv) habe. < 

Ich aber (Si) antwortete und sprach zu ihr: »Wenn Du 
siehst das Tor (jtvXrf) des Schatzes (»rioavoog) des großen 
Lichtes, das nach dem dreizehnten Aeon (a'ubv) geöffnet ist, 
25 d. h. das linke, — wann jenes Tor (ttvXrj) geöffnet ist, so sind 
die drei Zeiten vollendete 

Es antwortete wiederum die Pistis Sophia und sprach: 
>0 Licht, woher soll ich erkennen, da ich an diesem Orte 
(xÖTtoq) bin, daß jenes Tor (treöXij) geöffnet ist?< 
30 Ich aber (tfe) antwortete und sprach zu ihr: »Wenn jenes 
Tor (TtvXij) geöffnet ist, werden erkennen die in allen Aeonen 
(alavee) Befindlichen infolge des großen Lichtes, das in all 
ihren Örtern (ronoi) statthaben wird. Doch (ttXfy) siehe nun 
habe ich es eingerichtet, daß sie (sc. die Archonten) nichts 
35 Böses gegen Dich wagen (toX^iSv) werden, bis daß die Zeiten 
vollendet sind. Du aber (de) wirst die Macht (e^ovaia) haben, 
168 zu ihren zwölf Aeonen (ai&veg) hinabzugehen, | wann es Dir 
gefällt, und ferner umzukehren und zu Deinem Orte (rönoe) 
zu gehen, der unterhalb des dreizehnten Aeons (alibv) ist, in 



Cap. 75-77. 125 



dem Du Dich jetzt befindest. | Aber (ällä) nicht wirst Du die 170 
Macht (i^ovaia) haben, hineinzugehen in das Tor (itvhf) der 
Höhe, das sich im dreizehnten Aeon {ahliv) befindet, damit Du 
in Deinen Ort (töttos) hineingehst, aus dem Du heraus- 
gekommen bist. Doch (rcXyv) wenn nun die drei Zeiten voll- 5 
endet sind, wird Dich wiederum Authades und all seine Ar- 
chonten (aQxovreg) bedrängen, um Dein Licht von Dir zu 
nehmen, indem er Dir zürnt und denkt, daß Du seine Kraft 
im Chaos {%dos) festgehalten (-xazixuv) hast, und indem er 
denkt, daß Du ihr (sc. der Kraft) Licht von ihr genommen 10 
hast. Er wird nun über Dich erbittert sein, um Dein Licht 
von Dir zu nehmen, auf daß er es zum Chaos (%<fog) hinab- 
sende und es in jene seine Emanation (TtQoßolrj) hineingelange, 
damit sie imstande sei, aus dem Chaos (%«fos) hinaufzugehen 
und zu seinem (sc. des Autbades) Orte (zÖTtog) zu kommen. 15 
Dies aber (Je) wird Adamas beginnen. Ich aber (Je") werde 
all Deine (sc. der Pistis Sophia) Kräfte von ihm nehmen und 
sie Dir geben, und ich werde kommen und sie nehmen. Jetzt 
nun, wenn sie Dich in jener Zeit bedrängen, so preise (yfi- 
veveiv) das Licht, und nicht werde ich zögern, Dir zu helfend 
(ßot]»elv). Und ich werde eilends zu Dir zu den Örtern 
(töitoi), die unterhalb von Dir, kommen, und ich werde zu 
ihren Ortern (wwtoi) herabkommen, um ihr Licht von ihnen 
zu nehmen, und ich werde zu diesem Orte (roTrog) kommen, 
in den ich Dich versetzt habe, der unterhalb des dreizehnten 25 
| Aeons (aixltv) ist, bis daß ich Dich zu Deinem Orte («faros) 169 
bringe, aus dem Du gekommen bist.« 

| Es geschah nun, als die Pistis Sophia mich diese Worte 171 
zu ihr sagen hörte, war sie sehr (wörtl.: in großer Freude) 
erfreut. Ich aber (äi) versetzte sie an den Ort (iwrog), der 30 
unterhalb des dreizehnten Aeons (a'ubv), ging zum Lichte und 
Wich von ihr.« 

CAP. 77. All diese Begebenheiten aber (J<f) sagte das 
erste Mysterium (nvotrjQiov) zu den Jüngern (ßa&rjTaC), daß 
sie der Pistis Sophia geschehen seien, und er saß auf dem 36 
Ölberge, indem er alle diese Begebenheiten inmitten der 
Jünger (nadriral) sagte. Es (sc. das erste Mysterium) fuhr 
aber (de) wiederum fort und sprach zu ihnen: >Es geschah 
aber (Je") wiederum nach all diesem, während ich mich in der 



126 



Pistis Sophia. 



Menschenwelt (-xdo^og) befand und an dem Wege saß, d. h. 
an diesem Orte (rfaog), welches ist der Ölberg, bevor mir 
mein Gewand (höv/ta) gesandt war, das ich niedergelegt hatte 
im 24sten Mysterium (hvottiqiov) von innen — es ist das erste 
5 aber (<&) von außen — welches ist der große Unfaßbare 
(äxwQrpog), in dem ich aufgewallt bin (glänzte?), und bevor 
ich zu der Höhe gegangen war, um auch meine beiden Ge- 
wänder (höv^taxa) zu empfangen, — während ich bei euch an 
diesem Orte, welches ist der Ölberg, saß, da war die Zeit 
10 vollendet, von der ich zu der Pistis Sophia gesprochen hatte: 
>Es wird Dich Adamas und alle seine Archonten (%ovr«g) 
bedrängen.< 

Es geschah nun, als jene Zeit eingetreten war, — ich 
170 aber (64) befand mich in der Menschenwelt (-xoojtog), j indem 

15 ich bei euch an diesem Orte (röjtog), d. h. auf dem Ölberge 
sa ß t _ da blickte Adamas aus den zwölf Aeonen (aiüveg) und 
blickte auf die Örter (tötcoi) des Chaos (%äog) herab und sah 
seine dämonische (öaiuöviov) Kraft, die im Chaos (xrfog), ohne 
172 daß in ihr überhaupt Licht war, | weil ich ihr Licht von ihr 

20 genommen hatte, und er sah sie, daß sie finster und nicht 
imstande war, zu seinem Orte (rdnog), d. h. zu den zwölf 
Aeonen (aiwvsg), zu gehen. Da gedachte Adamas wiederum 
der Pistis Sophia und zürnte ihr gar sehr, indem er dachte, 
daß sie es wäre, die seine Kraft im Chaos (%dog) festgehalten 

25(xcrce%«r) hätte, und indem er dachte, daß sie es wäre, die 
ihr Licht von ihr (sc. der Kraft des Adamas) genommen hätte. 
Und er war sehr erbittert und fügte Zorn auf Zorn und 
emanierte (itQoßdXleiv) aus sich eine finstere Emanation (tcqo- 
ßolrj) und eine andere chaotische (%aog) und böse (novriQÖc) 

30 (sc Emanation), die gewaltig, um mit ihnen (sc. den beiden 
Emanationen) die Pistis Sophia zu beunruhigen. Und er schuf 
einen finsteren Ort (zönos) in seinem Orte (rönog), um in ihm 
die Sophia zu bedrängen, und er nahm viele von seinen Ar- 
chonten (%ovreg). Sie verfolgten die Sophia, damit sie zum 

35 finsteren Chaos (xdog), das er geschaffen, sie (sc. Pist. Soph.) 
führten und damit die beiden finsteren Emanationen (ngoßolai), 
die Adamas emaniert (itgoßdUeiv) hatte, an jenem Orte (löttog) 
sie bedrängten und sie beunruhigten, bis daß sie ihr ganzes 
Licht von ihr nähmen, und Adamas das Licht von der Pistis 



Cap. 77. 



127 



Sophia nähme und es den beiden finsteren gewaltigen Ema- 
nationen (itQoßoXai) gäbe, und sie es zum großen Chaos (x<*oq), 
das unterhalb und finster ist, führten | und es in seine finstere 171 
Kraft, die Chaos (%doq) ist, stießen, ob sie vielleicht im- 
stande wäre, zu seinem Orte (tokos) zu kommen, weil sie sehr 5 
finster geworden war, da ich ihre Lichtkraft von ihr ge- 
nommen hatte. 

Es geschah nun, als sie die Pistis Sophia verfolgten, 
schrie sie wiederum auf und pries (v/xveveiv) das Licht, da ja 
(InsiStf) | ich zu ihr gesagt hatte: >Wenn Du bedrängt wirst 173 
und mich preisest (vfiveveiv), werde ich eilends kommen und 
Dir helfen (ßorj-9eZv).< 

Es geschah nun, als sie bedrängt wurde, — ich aber (&?) 
saß bei euch an diesem Orte (tokos), d. h. auf dem Ölberge, — 
da pries (u^ivevuv) sie das Licht, indem sie sprach: 15 

1. 0 Licht der Lichter, ich habe an Dich geglaubt (m- 
ffievsiv). Rette mich vor all diesen Archonten (Sporns), die 
mich verfolgen, und hilf (ßo^&elv) mir, 

2. Damit sie ja nicht ((irjrtoTE) wie die Kraft mit dem 
Löwengesicht mein Licht von mir nehmen. Denn Dein Licht 20 
ist nicht mit mir und Dein Lichtabfluß (-Smö^oia), um mich 
zu retten; denn es zürnte mir Adamas, indem er zu mir sagte: 
>Du hast meine Kraft im Chaos (%6os) festgehalten (xazsxetv).< 

3. Jetzt nun, o Licht der Lichter, wenn ich dieses getan 
und sie festgehalten (xaTfyeiv) habe, wenn ich irgend etwas 25 
Unrechtes jener Kraft getan habe, 

4. Oder (ij) wenn ich sie bedrängt habe, wie sie mich 
bedrängt hat, so mögen all diese Archonten (aq^ovres), die 
mich verfolgen, mein Licht von mir nehmen, und mich leer 
lassen. 30 

5. Und der Feind Adamas möge meine Kraft verfolgen 
md sie erfassen, und er möge mein Licht von mir nehmen 
und es in seine finstere Kraft, die im Chaos (%äog) ist, hinein- 
stoßen und meine Kraft | im Chaos (/aog) behalten. 172 

6. Jetzt nun, o Licht, erfasse mich in Deinem Zorne und 35 
erhebe Deine Kraft über meine Feinde, die sich wider mich 
zuletzt erhoben. 

7. Eilends belebe mich, wie {v.a%&-) Du gesagt hast: Ich 
Werde Dir helfen (ßorjd-eZv).* 



128 



Pistis Sophia. 



174 CAP. 78. | Es geschah nun, als das erste Mysterium 
(jKwmfetov) diese Worte den Jüngern (fiadrftal) zu sagen be- 
endet hatte, sprach es: >Wer diese Worte, die ich gesagt 
habe, begriffen (voelv) hat, der möge vortreten und ihre Auf- 
ölösung verkünden.« 

Es trat Jakobus vor und sprach: »Mein Herr, was diesen 
Hymnus (vpvog) anbetrifft, in dem die Pistis Sophia gepriesen 
(vfiveveiv) hat, so hat Deine Lichtkraft es einst durch David 
im siebenten Psalm (if>aXt.t6g) prophezeit (rcgo^teveiv) : 
10 1. 0 Herr, mein Gott, auf Dich habe ich gehofft. Befreie 
mich von meinen Verfolgern und rette mich, 

2. Damit er ja nicht (/tr/jrore) wie ein Löwe meine Seele 
(xfn>x^) hinwegraube, ohne daß jemand erlöst und rettet. 

3. 0 Herr, mein Gott, wenn ich dieses getan habe, wenn 
16 Unrecht an meinen Händen ist, 

4. Wenn ich vergolten habe denen, die mir Böses ver- 
gelten, so möge ich leer durch meine Feinde hinfallen. 

5. Und der Feind möge meine Seele (ipvxn) verfolgen und 
sie erfassen und mein Leben zu Boden treten und meinen 

20 Ruhm in den Staub (%ovg) legen. Sela (StdipaXpa). 

6. Stehe auf, o Herr, in Deinem Zorne (ÖQyrj), erhebe Dich 
an dem Ende meiner Feinde. 

176 7. Stehe auf nach dem Befehle, den Du befohlen hast. |« 
173 | Es geschah nun, als das erste Mysterium (^.vot^qiov) 
25 diese Worte den Jakobus hatte sagen hören, sprach es: »Vor- 
trefflich (eiye), Jakobus, Du Geliebter U 

CAP. 79. Es fuhr aber (36) das erste Mysterium (fiv- 
tmfetov) wiederum fort und sprach zu den Jüngern (iiaduftai) : 
»Es geschah nun, als die Pistis Sophia die Worte dieses 
30 Hymnus (vftvos) zu sagen beendet hatte, wandte sie sich 
zurück, um zu sehen, ob Adamas sich zurückgewandt hätte 
und seine Archonten (ä^ovtes), auf daß sie zu ihrem Aeon 
(aldiv) gingen. Und sie sah sie, wie sie sie verfolgten; da 
wandte sie sich zu ihnen und sprach zu ihnen: 
35 1. Warum verfolgt ihr mich und saget: Nicht hätte ich 
Hilfe (ßorj&eia), daß es (sc. das Licht) mich vor euch rette? 

2. Jetzt nun, ein (gerechter) Richter ist das Licht und 
ein starker, aber (älld) es ist langmütig bis zur Zeit, von 
10 ff. Psal. 7, 1—7. 



Cap. 78. 79. 129 

der es mir gesagt hat: >Ich werde kommen und Dir helfen 
(pot]»elv)< , nnd nicht wird es seinen Zorn über euch alle- 
zeit führen. Und dies ist die Zeit, von der es mir gesagt hat. 

3. Jetzt nun, wenn ihr euch nicht zurückwendet und auf- 
höret, mich zu verfolgen, so wird das Licht seine Kraft bereit 5 
machen, und es wird sich in all seinen Kräften bereit machen. 

4. Und in seiner Kraft hat es sich bereit gemacht, daß 
es eure Lichter, die in euch, nehme und ihr finster werdet, 
und seine Kräfte hat es geschaffen, daß es eure Kraft von 
euch nehme, und ihr zugrunde gehet. io 

Als aber (de) die Pistis Sophia dieses gesagt hatte, blickte 
sie auf den Ort (rörtog) des Adamas und sah den finsteren und ! ue 
chaotischen ( x do S ) Ort {vönog), | den er geschaffen, und sie 174 
sah ferner die beiden finsteren sehr gewaltigen Emanationen 
(itqoßolal), die Adamas emaniert {nqoßdXUiv) hatte, damit sie 15 
die Pistis Sophia ergriffen und hinabstießen zum Chaos (x<iog), 
das er geschaffen, und sie an jenem Orte (rönog) bedrängten 
und beunruhigten, bis daß sie ihr Licht von ihr nähmen. Es 
geschah nun, als die Pistis Sophia jene beiden finsteren Ema- 
nationen (rtQoßoXal) und den finsteren Ort (töaog), die (Plural) 20 
Adamas geschaffen, gesehen hatte, da fürchtete sie sich und 
schrie hinauf zum Lichte, indem sie sprach: 

1. 0 Licht, siehe Adamas, der Gewalttätige, ist zornig; er 
hat eine finstere Emanation {ngoßolri) geschaffen, 

2. Und ferner hat er eine andere chaotische (xäog) (sc. 26 
Emanation) emaniert (jcqoßällEiv) und eine andere finstere 
und chaotische ( x dog) (sc. Emanation) geschaffen und hat es 
bereitet. 

3. Jetzt nun, o (&) Licht, das Chaos (xäog), das er ge- 
schaffen, um mich in es hineinzustoßen und meine Lichtkraft 30 
von mir zu nehmen, — nimm das seinige (sc. Licht) von ihm, 

4. Und der Gedanke, den er erdacht hat, um mein Licht 
zu nehmen, — man soll das seinige von ihm nehmen, und das 
Unrecht, das er gesagt hat, um meine Lichter von mir zu 
"ehmen, — nimm all die seinigen (sc. Lichter). 36 

Dies sind die Worte, die die Pistis Sophia in ihrem 
ftymnus (<V<>s) gesagt hat. Jetzt nun, wer in seinem Geiste 
weD/ia) nüchtern (vfypeai) ist, der möge vortreten und die 

Schmidt: Pistis Sophia. 9 



^30 ?istis Sophia. 

Auflösung der Worte, <die> die Pistis Sophia in ihrem Hymnus 
(Spvog) <gesagt hat), verkünden.« 

CAP. 80. Es trat wiederum Martha vor und sprach: 
}'|»Mein Herr, | ich bin nüchtern Wpeiv) \in meinem Geiste 
BfffMüAi«) und begreife (voelv) die Worte, die Du sagst. Jetzt 
nun befiehl (xe%«M mir, ihre Auflösung offen (7ta m ala) zu 

verkünden.« . , - , 

Es antwortete aber (öe) das erste Mysterium ^vax^iov) 

und sprach zu Martha: »Ich befehle ipaksiuv) Dir, Martha, die 
10 Auflösung der Worte, die die Sophia in ihrem Hymnus (V»S> 

gesagt hat, zu verkünden.« 

Es antwortete aber (öe) Martha und sprach: »Mein Herr, 

dies sind die Worte, die Deine Lichtkraft einst durch David 

im siebenten Psalm (iH>s) prophezeit {tvqo^wuv) hat: 
15 12 Gott ist ein gerechter Richter (x^s) und stark und 

langmütig, der nicht seinen Zorn täglich herbeiführt, 

13. Wenn ihr nicht umkehrt, wird er sein Schwert scharfen ; 
seinen Bogen hat er gespannt und ihn bereit gemacht, 

14. Und auf ihm hat er Todesgeschosse (-oxwty) bereit 
20 gemacht; seine Pfeile hat er geschaffen für die, welche ver- 
brannt werden. 

15. Siehe, das Unrecht hat gekreißt, hat das Leid emp- 
fangen und Ungerechtigkeit (ävofiia) geboren. 

16. Es hat eine Grube gegraben und sie ausgehöhlt, es 
25 wird hineinfallen in das Loch, das es geschaffen. 

17 Sein Leid wird auf sein Haupt sich wenden, und sein 
Unrecht wird auf seinen Scheitel (wörtl.: auf die Mitte seines 
Kopfes) herabkommen.« 

Als Martha dies gesagt hatte, sprach das erste Mysterium 
MinvorfQtov), das herausbildet, zu ihr: »Vortrefflich (eöye) schon 
(xalag), Martha, Du Selige ( ft cr/a ? ta)!« 
17» CAP 81. | Es geschah nun, als Jesus all die Begeben- 
heiten, die der Pistis Sophia geschehen, da sie im Chaos 
war, seinen Jüngern (ßa^O ™ sagen beendet hatte, un 
176 die Art, | wie sie das Licht gepriesen (vjxvevecv), bis da» 
sie rette und aus dem Chaos (%do S ) hinaufführe und sie in de 
zwölften Aeon (aid,v) hineinführe, und die Art, wie es 



löff. Psal. 7, 12-17. 



Cap. 79-81. 



131 



gerettet ans all ihren Bedrängnissen, mit denen die Archonten 
(SexovTes) des Chaos (x«os) sie bedrängt hatten, weil sie zum 
Lichte zu gehen begehrte (kTti&v^iv), da fuhr wiederum Jesus 
in der Rede fort und sprach zu seinen Jüngern (nadrital): 
»Es geschah nun nach all diesem, da nahm ich die Pistis 5 
Sophia und führte sie hinein in den dreizehnten Aeon (aiüv), 
indem ich gar sehr leuchtete, ohne daß Maß war dem Lichte, 
das an mir war. Ich trat ein in den Ort (to'ttos) der 24 Un- 
sichtbaren (äogazot), indem ich gar sehr leuchtete, und sie 
gerieten in große Unruhe; sie blickten und sahen die Sophia, 10 
die bei mir war; sie erkannten sie, mich aber (öf) erkannten 
sie nicht, wer ich wäre, sondern (&)M) hielten mich für eine 
Art Emanation (TtQoßoh}) des Lichtlandes. 

Es geschah nun, als die Sophia ihre Genossen, die Un- 
sichtbaren (&6qui:oi), sah, freute sie sich in großer Freude undiö 
jubelte sehr und wünschte ihnen zu verkündigen die Wunder, 
die ich an ihr getan unten auf der Erde der Menschheit, bis 1 179 
(ewg) ich sie errettete. Sie trat in die Mitte der | Unsicht-177 
baren (äö^atot) und pries (vpveveiv) mich in ihrer Mitte, indem 
sie sprach: 20 

1. Danken will ich Dir, 0 Licht, denn Du bist ein Er- 
löser (ffwrife) und Du bist ein Befreier allezeit. 

2. Sagen will ich diesen Hymnus (v/ivos) zum Lichte, denn 
es hat mich gerettet und mich aus der Hand der Archonten 
(Sqxovtss), meiner Feinde, gerettet. 26 

3. Und Du hast mich aus allen Örtern (tÖTtoi) gerettet 
und hast mich gerettet aus der Höhe und der Tiefe des Chaos 
(x<Hog) und aus den Aeonen (alüvsg) der Archonten (&qxovtss) 
der Sphaera (a(palqa). 

4. Und als ich aus der Höhe gekommen war, irrte ich 30 
umher in Örtern (tönoi), in denen kein Licht; nicht konnte 
ich zum dreizehnten Aeon {aulm), meinem Wohnort, zurück- 
kehren. 

5. Denn nicht war Licht in mir noch (ovze) Kraft. Meine 
Kraft war gänzlich verzehrt, 35 

6. Und das Licht rettete mich ans all meinen Bedräng- 
nissen (-d-Xiipeig). Ich pries (v^veveiv) hinauf zum Lichte; es 
erhörte mich, als ich bedrängt (&Mßeiv) wurde. 

9* 



132 



Pistis Sophia. 



7. Es geleitete mich in der Schöpfung der Aeonen (al&veg) t 
um mich zum dreizehnten Aeon (atdiv), meinem Wohnorte, 
hinaufzuführen. 

8. Danken will ich Dir, o Licht, daß Du mich gerettet 
5 hast, und für Deine Wundertaten an dem Menschengeschlecht 

(■y&og). 

9. Als ich meiner Kraft ermangelte, hast Du mir Kraft 
gegeben, und als ich meines Lichtes ermangelte, hast Du mich 
mit gereinigtem Lichte erfüllt. 

10 10. Ich befand mich in der Finsternis und im Schatten 
180 des Chaos (x«"S), I gebunden mit den gewaltigen Banden des 
Chaos (x<fos), ohne daß Licht in mir war. 

11. Denn ich habe das Gebot des Lichtes erbittert und 
Übertretung begangen (tta^aßaiveiv), und ich habe das Gebot 
15 des Lichtes erzürnt, weil ich aus meinem Orte (zönog) ge- 
gangen war. 

178 12. Und als ich | hinabgegangen war, ermangelte ich 
meiner Kraft und wurde lichtlos, und niemand hatte mir ge- 
holfen (ßoTj&eiv). 

20 13. Und in meiner Bedrängnis (9Ußeiv) pries (vpvevetv) 
ich hinauf zum Lichte, und es rettete mich aus all meinen 
Bedrängnissen {d-Utyeig). 

14. Und es hat ferner zerrissen alle meine Bande und 
mich heraufgeführt aus der Finsternis und der Bedrängnis 

25 des Chaos (zaog). 

15. Danken will ich Dir, o Licht, daß Du mich gerettet 
hast und daß Deine Wundertaten an dem Menschengeschlecht 
(-ysvog) geschehen. 

16. Und Du hast zerbrochen die oberen Tore (itvlai) der 
30 Finsternis und die gewaltigen Kiegel {no%lol) des Chaos {%üog). 

17. Und Du hast mich weichen (abwenden) lassen aus 
dem Ort {xönog), an dem ich Übertretung begangen {naqa- 
ßatveiv), und es wurde ferner meine Kraft genommen, weil 
ich Übertretung begangen (rca^aßalveiv) habe. 

35 18. Und ich ließ ab von den Mysterien (fivatriQia) und 
ging hinab zu den Toren (nvlai) des Chaos (%dog). 

19. Und als ich bedrängt (Mißeiv) wurde, pries (fyiveveiv) 
ich hinauf zum Licht ; es rettete mich aus all meinen Be- 
drängnissen (&Uifjeig). 



Cap. 81. 82. 



133 



20. Du sandtest Deinen Abfluß (änögQoia) ; er gab mir 
£raft und rettete mich aus all meinen Bedrängnissen. 

21. Danken will ich Dir, o Licht, daß Du mich gerettet 
hast, und für Deine Wuntertaten an dem Menschengeschlechte 
(.ye'vog). 5 

| Dies nun ist der Hymnus (vpvog), den die Pistis Sophia 181 
gesagt hat inmitten der 24 Unsichtbaren (&6qotoi), indem sie 
wünschte, daß sie alle Wundertaten, die ich an ihr getan, 
wüßten, und indem sie wünschte, daß sie wüßten, daß ich 
zur Menschen weit (-xöafiog) gegangen bin und ihnen (sc.io 
Menschen) die Mysterien (fivazr^ia) der Höhe gegeben habe. — 
Jetzt nun, wer erhaben in seinem Gedanken (v<fo?/ua) ist, möge 
vortreten und die Auflösung des Hymnus (fytvog) sagen, den 
die Sophia gesagt hat.« 

CAP. 82. Es geschah nun, als Jesus | diese Worte zu 179 
sagen beendet hatte, da trat Philippus vor und sprach: »Jesus, 
mein Herr, erhaben ist mein Gedanke {v6r\jxa), nnd ich habe 
die Auflösung des Hymnus (v^ivog) begriffen (vosiv), den die 
Sophia gesagt; es hat darüber einst der Prophet {it^ocp-qcrjg) 
David prophezeit (TZQocpTfievEtv), indem er im 106 ten Psalm 20 
{ipalfxög) sagte: 

1. Danket dem Herrn, denn er ist gütig {iQ^atög), denn 
ewiglich ist seine Gnade. 

2. Dies mögen sagen die vom Herrn Erlösten, er hat sie 
erlöst aus der Hand ihrer Feinde. 25 

3. Er hat sie eingesammelt aus ihren Ländern (x<&?<m) 
vom Osten und vom Westen und vom Norden und vom Meere 
(&&Xaaoa) her. 

4. | Sie irrten umher {itXavüv) in der Wüste, in wasserloser 182 
Gegend ; nicht fanden sie den Weg zu der Stadt {n6Xig) ihres 30 
Wohnortes, 

5. Hungernd und dürstend, ihre Seele (y/v verschmachtete 
in ihnen. 

6. Er rettete sie aus ihren Nöten (&vdyxai), sie schrien 
hinauf zum Herrn, er erhörte sie in ihrer Bedrängnis. 35 

7. Er geleitete sie auf einen geraden Weg, damit sie zu 
dem Orte (rönos) ihres Wohnortes hinaufgingen. 

22 ff. Psal. 106, 1—7. 



134 



Pistis Sophia. 



8. Sie mögen dem Herrn für seine Gnadenerweisungen 
danken und für seine Wundertaten an den Menschenkindern. 

9. Denn er hat eine hungernde Seele (V»nx>?') gesättigt, 
eine hungernde Seele (ipvxrj) angefüllt mit Gütern {iyad-6), 

5 10. Die in Finsternis und Todesschatten saßen, die ge- 
fesselt in Elend und Eisen, 

180 11. Denn | sie hatten das Wort Gottes erbittert und den 
Beschluß des Höchsten erzürnt. 

12. Ihr Herz wurde gebeugt in ihren Leiden, sie wurden 
loschwach, und niemand half (ßorfteiv) ihnen. 

13. Sie schrien hinauf zum Herrn in ihrer Bedrängnis, 
er rettete sie aus ihren Nöten (&vüyy.ai), 

14. Und er führte sie aus der Finsternis und dem Todes- 
schatten und zerriß ihre Bande. 

15 15. Mögen sie danken dem Herrn für seine Gnaden- 
erweisungen und seine Wundertaten an den Menschenkindern. 

16. Denn er hat eherne Tore (jtvlat) zerschmettert und 
eiserne Riegel (po%h)l) zerbrochen. 
183 17. | Er hat sie zu sich genommen von dem Wege ihres 
20 Frevels (ävofiia), denn (yctp) um ihrer Freveltaten (&vo(xlai) 
willen waren sie erniedrigt. 

18. Ihr Herz verabscheute jegliche Speise, und sie waren 
nahe den Toren (nvXai) des Todes. 

19. Sie schrien hinauf zum Herrn in ihrer Bedrängnis, 
25 und er rettete sie aus ihren Nöten (avdyxai). 

20. Er sandte sein Wort und heilte sie und befreite sie 
von ihren Leiden. 

21. Mögen sie danken dem Herrn für seine Gnaden- 
erweisungen und seine Wundertaten an den Menschenkindern. 

30 Dies nun (oiv) ist, mein Herr, die Auflösung des Hymnus 
(t/^voc;), den die Sophia gesagt hat. Höre nun (oiv), mein 
Herr, damit ich sie deutlich (cpavegüg) sage. Das Wort 
nämlich (pev), das David gesagt hat: >Danket dem Herrn, 
denn er ist gütig (x^orög), denn ewiglich ist seine Gnade«, 

35 es ist das Wort, das die Sophia gesagt hat: > Danken will 
ich Dir, o Licht, denn Du bist ein Erlöser (aanrjQ) und Du 
bist ein Befreier allezeit < . Und das Wort, das David gesagt 

181 hat: | »Dies mögen sagen die vom Herrn Erlösten, er hat sie 

lff. Paal. 106, 8-21. — 33 Psal. 106, 1. — 38 Psal. 106, 2. 



Cap. 82. 83. 



135 



erlöst aus der Hand ihrer Feindet, es ist das Wort, dag die 
gophia gesagt hat: »Sagen will ich diesen Hymnus (Sfivog) 
zum Lichte, denn es hat mich gerettet und mich aus der Hand 
der Archonten (txQ%ovTeg), meiner Feinde, gerettet«. — Und der 
übrige Psalm (xfial^iög). 5 

Dies nun (oh) ist, mein Herr, die Auflösung des Hymnus 
(tfiyog), den die Sophia inmitten der 24 Unsichtbaren (&6qutoi) 
gesagt hat, indem sie wünschte, daß sie wüßten | alle Wunder- 184 
taten, die Du an ihr getan, und indem sie wünschte, daß sie 
wüßten, daß Du Deine Mysterien (ixvaxriQia) dem Menschen- 10 
geschlechte (-yhog) gegeben hast.« 

Es geschah nun, als Jesus den Philippus diese Worte 
hatte sagen hören, da sprach er: »Vortrefflich (dye), Du 
seliger (fiaxdoiog) Philippus! Dies ist die Auflösung des 
Hymnus (v^ivog), den die Sophia gesagt hat.« 15 

CAP. 83. Es geschah nun wiederum nach all diesem, da 
trat Maria vor, betete an die Füße Jesu und sprach: »Mein 
Herr, zürne mir nicht, indem ich Dich frage, weil wir nach 
allem bestimmt und zuverlässig (aoydlua) fragen. Denn 
(yde) Du hast zu uns einst gesagt: »Suchet, damit ihr findet, 20 
und klopfet an, damit euch aufgetan werde! Denn (ydQ) ein 
jeder, der sucht, wird finden, und einem jeden, der anklopft, 
wird aufgetan werden«. Jetzt nun, mein Herr, wer ist, den 
ich finden werde, oder (ij) wer ist, bei dem wir anklopfen 
werden, oder wer vielmehr ist imstande, uns die Antwort 25 
(äitöcpaaig) auf die Worte zu sagen, nach denen wir Dich 
fragen werden, oder (if) | wer vielmehr kennt die Kraft der 182 
Worte, nach denen wir fragen werden? Weil Du im Ver- 
stände (vovg) uns Verstand (vovg) des Lichtes gegeben und 
uns Wahrnehmung (a'ia^acg) und einen sehr erhabenen Ge-30 
danken gegeben hast, deswegen nun (oh) existiert niemand 
iß der Menschenwelt (--/.öo/xog) noch (ovöif) in der Höhe der 
Aeonen (aiavsg), der imstande ist, uns die Antwort (dnöcpaoig) 
a uf die Worte zu sagen, nach denen wir | fragen, wenn nicht 185 
\ e * H7]ti) Du allein, der das All kennt und im All vollendet 35 
^t, weil wir nicht fragen in der Art, wie die Menschen der 
Welt (xöa^wg) fragen, sondern (alkd) weil wir in der Erkenntnis 
^er Höhe fragen, die Du uns gegeben hast, und wir ferner 
20 Matth. 7, 7. 8. Luk. 11, 9. 10. 



136 Pistis Sophia. 

in dem Typus (zvaog) der vorzüglichen Befragung fragen, di e 
Du uns gelehrt hast, damit wir in ihr fragen. — Jetzt nun, 
mein Herr, zürne mir nicht, sondern (UM) offenbare mir die 
Sache, nach der ich Dich fragen werde.« 
5 Es geschah, als Jesus diese Worte die Maria Magdalena 
hatte sagen hören, da antwortete aber (tM) Jesus und sprach 
zu ihr: »Frage, wonach Du zu fragen wünschest, so will ich 
es Dir bestimmt und zuverlässig (äaqxiXsia) offenbaren. 
Wahrlich, wahrlich {ififa &mv), ich sage euch : Freuet euch 
10 in großer Freude und jubelt gar sehr; wenn ihr nach allem 
bestimmt fragt, werde ich gar sehr jubeln, weü ihr nach 
allem bestimmt fragt und in der Art fragt, wie es sich zu 
fragen geziemt. Jetzt nun, frage nach dem, wonach Dn 
183 fragst, | und ich werde es Dir mit Freuden offenbaren.« 
15 Es geschah nun, als Maria diese Worte den Erlöser 
(owrife) hatte sagen hören, freute sie sich in großer Freude' 
und jubelte gar sehr und sprach zu Jesus: »Mein Herr und 
mein Erlöser (owttiq), von welcher Art sind denn die 24 Un- 
sichtbaren (Mqihoi) und von welchem Typus (tinog), oder (ij) 
20 vielmehr von welcher Beschaffenheit sind sie, oder (?) von 
welcher Beschaffenheit ist denn ihr Licht?« 
186 CAP. 84. | Es antwortete aber (de) Jesus und sprach zu 
Maria: »Was ist in dieser Welt (xoa/wg), das ihnen gleicht, 
oder (?) vielmehr welcher Ort (töitog) ist in dieser Welt 
25 (xfofiog), der ihnen vergleichbar ist? Jetzt nun, womit soll 
ich sie vergleichen, oder (?) vielmehr was soll ich in betreff 
ihrer sagen? Denn (yog) nichts existiert in dieser Welt 
(«topos), mit dem ich sie werde vergleichen können, and keine 
Art (elöog) existiert in ihr, die ihnen wird gleichen (opoidteiv) 
30 können. Jetzt nun, nichts existiert in dieser Welt (xctopos), 
das von der Beschaffenheit des Himmels ist. Wahrlich (i^) 
ich sage euch: Ein jeder der Unsichtbaren {&6(>a%oi) ist 
• neunmal größer als der Himmel und die darüber liegende 
Sphaera (a<pai e a) und die zwölf Aeonen {alüveg) insgesamt» 
35 wie (xanf-) ich es euch bereits ein ander Mal gesagt habe. 
Und kein Licht existiert in dieser Welt (xtfopog), das vor- 
züglicher ist als das Licht der Sonne. Wahrlich, wahrlicü 
&m v ) ich sage euch: Die 24 Unsichtbaren (Ä<fea*w 
leuchten zehntausendmal mehr als das Licht der Sonne, das 



Cap. 83. 84. 



137 



in dieser Welt (xöopog), wie (xorä-) ich es euch bereits | ein 184 
ander Mal gesagt habe. Denn das Licht der Sonne in seiner 
wahren (&kföeia) Gestalt (noqcpri) befindet sich nicht an 
diesem Orte (tottos), denn (ydp) ihr Licht geht durch viele 
Vorhänge (xaTaTterdafiara) und Örter (röitoi) hindurch, sondern 5 
(b'üd) das Licht der Sonne in seiner wahren (ähföeia) Ge- 
stalt {^oQfprD, das sich am Orte (zÖTiog) der Lichtjungfrau 
(-jtaQ&ivoq) befindet, leuchtet zehntausendmal mehr als die 
24 Unsichtbaren (dcdgazot) und der große unsichtbare (äogatog) 
Urvater (rcgoTtdraQ) und auch der große dreimalgewaltige 10 
(tQiövvanu;) Gott, wie (xaid-) ich es | euch bereits ein ander 187 
Mal gesagt habe. Jetzt nun, Maria, es gibt keine Art (eUog) 
in dieser Welt (xöauog), noch (ovöd) Licht, noch (oiöi) Gestalt 
[noqcpri), die vergleichbar den 24 Unsichtbaren (äÖQatoi), da- 
mit ich sie mit ihnen vergleiche, aber (äXXd) noch (eri) eine 16 
kleine Weile, so werde ich Dich und Deine Brüder und 
Jüngergenossen (nad-rjxal-) zu allen Örtern (%6itoi) der Höhe 
führen und werde euch führen zu den drei Eäumen (y.o^- 
nata) des ersten Mysteriums (fivorrjQiov), mit Ausnahme nur 
der Orter (tönot) des Raumes (x^p^ua) des Unaussprechlichen, 20 
und ihr werdet alle ihre Gestalten (fiogcpai) in Wahrheit 
(älrjd-eia) ohne Gleichnis sehen. Und wenn ich euch zu der 
Höhe führe und ihr den Glanz derer von der Höhe sehen 
werdet, so werdet ihr in sehr großer Verwunderung sein. 
Und wenn ich euch zum Orte (zöjtog) der Archonten (äQxovreg) 26 
der Heimarmene (ei/xaQ/.ievrj) führe, so werdet ihr den Glanz, 
in dem sie sich befinden, sehen, und infolge ihres überragend 
großen Glanzes werdet ihr diese Welt (xooßog) vor euch wie 
(6g) Finsternis der Finsternisse achten, und | ihr werdet auf 185 
die ganze Welt {xöauog) der Menschheit blicken, wie sie die 30 
Beschaffenheit eines Staubkornes vor euch haben wird infolge 
der großen Entfernung, die er bedeutend von ihr entfernt 
ist, und infolge der großen Beschaffenheit, die er bedeutend 
größer ist als sie. Und wenn ich euch zu den zwölf Aeonen 
(atöveg) führe, so werdet ihr den Glanz, in dem sie sich be-35 
finden, sehen, und infolge des großen Glanzes wird der Ort 
(TÖTiog) der Archonten {&qy,ovxeg) der Heimarmene (ei/to^m?) 
vor euch wie die Finsternis der Finsternisse gelten und wird 
die Beschaffenheit eines Staubkornes vor | euch haben infolge 188 



138 



Pistia Sophia. 



der großen Entfernung, die er bedeutend von ihm entfernt 
ist, und infolge der großen Beschaffenheit, die er bedeutend 
größer ist als jener, wie (x«Td-) ich es euch ein ander Mal 
bereits gesagt habe. Und wenn ich euch ferner zum drei- 
5 zehnten Aeon (aicov) führe, so werdet ihr den Glanz, in dem 
sie sich befinden, sehen; die zwölf Aeonen (aiwveg) werden 
vor euch wie die Finsternis der Finsternisse gelten, und ihr 
werdet auf die zwölf Aeonen (aiaveg) blicken, wie er (sc. der 
Ort der zwölf Aeonen) vor euch die Ähnlichkeit eines Staub- 

lOkornes haben wird infolge der großen Entfernung, die er be- 
deutend von ihm entfernt ist, und infolge der großen Be- 
schaffenheit, die er bedeutend größer als jener ist. Und 
wenn ich euch zum Orte derer von der Mitte (/ttoog) führe, 
so werdet ihr den Glanz sehen, in dem sie sich befinden ; die 

15 dreizehn (? der dreizehnte) Aeonen (alüvEg) werden vor euch 
wie die Finsternis der Finsternisse gelten. Und ferner 
186 werdet ihr auf die zwölf Aeonen (ai&veg) blicken | und auf 
die ganze Heimarmene (elfiaQ^vif) und die ganze Ordnung 
(xöofiijoig) und alle Sphaeren {acpalqu) und all ihre Ordnungen 

20(T<*§£ts), in welchen sie sich sich befinden; sie werden die Be- 
schaffenheit eines Staubkornes vor euch haben infolge der 
großen Entfernung, die er von ihm entfernt ist, und infolge 
der großen Beschaffenheit, die er bedeutend größer als jener 
ist. Und wenn ich euch zum Orte (xönog) derer von der 

25 Rechten führe, so werdet ihr den Glanz sehen, in dem sie 
sich befinden; der Ort (xönog) derer von der Mitte (/.Uaog) 
wird vor euch wie die in der Menschen weit (-xöofiog) vor- 
handene Nacht gelten. Und wenn ihr auf die Mitte (pioog) 
blickt, wird er (sc. der Ort der Mitte) die Beschaffenheit eines 
ISO j Staubkornes vor euch haben infolge der großen Entfernung 
die der Ort (löjtog) derer von der Rechten bedeutend von 
ihm entfernt ist. Und wenn ich euch zu dem Lichtlande, 
d. h. zum Lichtschatz (-^aavQÖg) führe und ihr den Glanz, 
in dem sie sich befinden, sehet, so wird der Ort (zönog) derer 

35 von der Rechten vor euch gelten wie das Licht am Mittag 
in der Menschenwelt (-xöopos), wann die Sonne nicht draußen 
ist (d. i. wann sie scheint), und wenn ihr auf den Ort (töuog) 
derer von der Rechten blickt, wird er die Beschaffenheit eines 
Staubkornes vor euch haben infolge der großen Entfernung. 



Cap. 84. 85. 



139 



die der Lichtschatz (-SrjaocvQÖg) bedeutend von ihm entfernt 
ist. Und wenn ich euch zum Orte (rönog) derer führe, die 
die Erbteile {yl^ovo^iai) empfangen und die Mysterien 
(fivanqQia) des Lichtes empfangen haben, und ihr den Glanz 
des Lichtes sehet, in dem sie sich befinden, so wird das 5 
Lichtland vor euch gelten wie das Licht der Sonne, das in 
der Menschenwelt (xöo/iog), und | wenn ihr auf das Licht- 187 
land blickt, so wird es vor euch wie ein Staubkorn gelten 
infolge der großen Entfernung, die das Lichtland von ihm 
entfernt ist, und infolge der Größe, die er bedeutend größer 10 
als jenes ist«. 

CAP. 85. Es geschah nun, als Jesus diese Worte seinen 
Jüngern (nadr(vai) zu sagen beendet hatte, da stürzte sich 
Maria Magdalena vor und sprach: »Mein Herr, zürne mir 
nicht, wenn ich Dich frage, weil wir Dich nach allem be-15 
stimmt fragen.« 

Es antwortete aber (6s) Jesus und sprach zu Maria: 
»Frage, | wonach Du zu fragen wünschest, so will ich es Dir 190 
offen (ita^ala) ohne Gleichnis (naoaßoX-q) offenbaren, und 
alles, wonach Du fragst, will ich Dir bestimmt und zuver-20 
lässig (äocpdlEia) sagen. Und ich will euch in allen Kräften 
und aller Fülle (Ttkrjoiß/iccTci) vollenden, vom Innern der Inneren 
bis (ecog) zum Äußern der Äußeren, vom Unaussprechlichen 
bis (ewg) zur Finsternis der Finsternisse, damit ihr die >Füllen 
i'ti.rjQüfictta), vollendet in allen Erkenntnissen < , genannt werdet. 25 
Jetzt nun, Maria, frage, wonach du fragst, so will ich es Dir 
mit großer Freude und großem Jubel offenbaren.« 

Es geschah nun, als Maria den Erlöser (otonjg) diese 
Worte hatte sagen hören, freute sie sich in sehr großer 
Freude und jubelte und sprach: »Mein Herr, werden denn 30 
die Menschen der Welt (xdo^og), die die Mysterien ([ivotfota) 
des Lichtes empfangen haben, | vorzüglicher als die Emana-188 
Uonen (nqoßolaL) des Schatzes (d-TjoavQÖg) in Deinem Reiche 
sein? Denn ich habe Dich sagen hören: Wenn ich euch 
zum Orte (törtog) derer führe, die die Mysterien (nvat^oia) 35 
des Lichtes empfangen, so wird der Ort (vorzog) <der Emana- 
tionen (ngoßolai)), das Lichtland, vor euch wie ein Staubkorn 
Selten infolge der großen Entfernung, in der er von ihm 



140 



Pistis Sophii 



entfernt ist, und des großen Lichtes (? Glanzes), in dem er 
sich befindet — d. i. das Lichtland ist der Schatz (9rjaavQ6s\ 
der Ort (tötcoq) der Emanationen (nqoßolaL) — werden denn 
l&ialso (otxovv), mein | Herr, die Menschen, die die Mysterien 
5 fjxvtnriQia) empfangen, vorzüglicher sein als das Lichtland und 
vorzüglicher als sie (sc. die Emanationen des Schatzes) in 
dem Lichtreiche sein?« 

CAP. 86. Es antwortete aber (öi) Jesus und sprach zu 
Maria: > Schön (scaAtög) fürwahr (ßewoi ye) fragst Du nach 

10 allem bestimmt und zuverlässig (iacpäleia), aber (älld) höre, 
Maria, auf daß ich mit Dir über das Ende (awreleia) des 
Aeons (auiiv) und den Aufstieg des Alls spreche. Nicht 
wird es so statthaben, sondern (&kX&) ich habe euch 
gesagt: >Wenn ich euch zu dem Orte (rörvog) der Erbteile 

15 (xXrjQovofdai) derer führe, die das Mysterium (fivorfQiov) des 
189 Lichtes empfangen werden, | so wird der Lichtschatz (-xhjoav- 
gög), der Ort {tonog) der Emanationen (rcgoßolal), vor euch 
gelten wie ein Staubkorn und nur wie das Licht der Sonne 
am Tage. Ich habe nun (oSv) gesagt: »Dieses wird statthaben 

20 in der Zeit des Endes (owreXeia) (und) des Aufstiegs des 
Alls.< Die zwölf Erlöser (ffwTifces) des Schatzes (IhjoavQÖc) 
und die zwölf Ordnungen (rä&is) eines jeden von ihnen, 
welches sind die Emanationen {■rtQoßolat) der sieben Stimmen 
(qiwval) und der fünf Bäume, sie werden mit mir am Orte 

•25 (töitos) der Erbteile (xkrjQovotilai) des Lichtes sein, indem sie 
Könige sind mit mir in meinem Reiche, und ein jeder von 
ihnen ist König über seine Emanationen (nQoßoXaC), und ferner 
ein jeder von ihnen ist König gemäß (xcrca) seinem Glänze, 
der Große gemäß (xara) seiner Größe, der Kleine gemäß (xorä) 

30 seiner Kleinheit. Und der Erlöser (owt^q) der Emanationen 
{rcQoßoXaC) der ersten Stimme («pwv»]) wird an dem Orte (ToVot,) 
192 1 der Seelen (ifw^ai) derer sein, die das erste Mysterium (jtvmrjQiov) 
des ersten Mysteriums (/.ivot^qiov) in meinem Reiche empfangen 
haben, und der Erlöser (awr-^q) der Emanationen (nQoßoXai) 

35 der zweiten Stimme (ywnj) wird an dem Orte izöitog) der 
Seelen ($v%al) derer sein, die das zweite Mysterium (izvonfetov) 
des ersten Mysteriums ^uvar^giov) empfangen haben. Ebenso 
(otioiwg) auch wird der Erlöser (atorr^) der Emanationen 
11 Vgl. Matth. 13, 39. 



Cap. 85. 86. 



141 



(ftgoßolai) der dritten Stimme (gpwvi}) an dem Orte (xönog) der 
Seelen (ipvxai) derer sein, die das dritte Mysterium (nvorrjQiov) 
des ersten Mysteriums (Livozrjqiov) in j dem Erbteil (x^ovo/w'a) 190 
des Lichtes empfangen haben. Und der Erlöser (oiatrjo) der 
Emanationen (jtqoßoXaL) der vierten Stimme (cpwvrj) des Licht- 5 
Schatzes (-d^aavqög) wird an dem Orte (xänog) der Seelen 
(ipvxcä) derer sein, die das vierte Mysterium (nvmrjQtov) des 
ersten Mysteriums (ftvarr^wv) in den Erbteilen (vdr^ovo^iai) 
des Lichtes empfangen haben. Und der fünfte Erlöser (aon^q) 
der fünften Stimme ((pwvrj) des Lichtschatzes (-dyaavQÖg) wird 10 
an dem Orte (zÖTtog) der Seelen (ipvxai) derer sein, die das 
fünfte Mysterium (fivarr^iov) des ersten Mysteriums (nvaxrfiiov) 
in den Erbteilen (x.Xi]Qovo(dai) des Lichtes empfangen haben. 
Und der sechste Erlöser (awr^) der Emanationen (TtqoßohxL) 
der sechsten Stimme (yonrf) des Lichtschatzes (-drjaavQÖg) wird 15 
an dem Orte (rörcog) der Seelen (ipvxat) derer sein, die das 
sechste Mysterium ((.ivot^qiov) des ersten Mysteriums (fivozrjQiov) 
empfangen haben. Und der siebente Erlöser der 
Emanationen (ngoßolal) der siebenten Stimme ((pwnj) des 
Lichtschatzes (-dr,aavQ6g) wird an dem Orte (zönog) der Seelen 20 
(ipvxai) derer sein, die das siebente Mysterium (tivomfeiov) des 
ersten Mysteriums (fivoTrjQiov) im Lichtschatze (-d-rjaavQÖg) 
empfangen haben. Und der | achte Erlöser (ocüz^q), d. h. der 193 
Erlöser (aomfe) der Emanationen (TtqoßoXai) des ersten Baumes 
des Lichtschatzes (-drjoavQÖg) wird an dem Orte (xörtog) der 25 
Seelen (ipvxai) derer sein, die das | achte Mysterium (.uwmfetov) 191 
des ersten Mysteriums (jxvotriQiov) in den Erbteilen (xXrßovo/Aiai) 
des Lichtes empfangen haben. Und der nennte Erlöser (ooirrß), 
d. h. der Erlöser (ffwiifc) der Emanationen (jtQoßoi.ai) des 
zweiten Baumes des Lichtschatzes (-dr t aavq6g), wird an dem 30 
Orte (zdnog) der Seelen (ipvxai) derer sein, die das neunte 
Mysterium (^ivarqQiov) des ersten Mysteriums (pvozißiov) in 
den Erbteilen (yltiQovo^iiai) des Lichtes empfangen haben. 
Und der zehnte Erlöser (oan-qo), d. h. der Erlöser (awz-qQ) der 
Emanationen (nqoßoXai) des dritten Baumes des Lichtschatzes 35 
{■^aavQÖg) , wird an dem Orte (zönog) der Seelen (ipvxai) 
derer sein, die das zehnte Mysterium (^voz^iov) des ersten 
Mysteriums (jtvozrjQiov) in den Erbteilen (ylr]Qovopiai) des 
Lichtes empfangen haben. Ebenso (b^oliog) auch der elfte 



142 



Pistis Sophia. 



Erlöser (awtjfe), d. h. der Erlöser (amrjg) des vierten Baumes 
des Lichtschatzes (-&rpavQÖg), wird an dem Orte (tönog) der 
Seelen {ipv%al) derer sein, die das elfte Mysterium (juwro^ov) 
des ersten Mysteriums (/.wotrjQiov) in den Erbteilen (xXr}Qovo^iai) 
ödes Lichtes empfangen haben. Und der zwölfte Erlöser 
(ocüztjp), d. h. der Erlöser {owTrß) der Emanationen {jtqoßoXai) 
des fünften Baumes des Lichtschatzes (-^aavQÖg), wird an 
dem Orte (xÖTtog) der Seelen (tpvxai) derer sein, die das zwölfte 
Mysterium (jivorfiQiov) des ersten Mysteriums (iivorrjQiov) in 
10 den Erbteilen (xXijQovofdai) des Lichtes empfangen haben. 

192 Und die sieben | Amen (äjujjv) und die fünf Bäume | und die 
11,4 drei Amen (äfitfv) werden zu meiner Hechten sein, indem sie 

Könige in den Erbteilen (xlr^ovo/iiai) des Lichtes sind, und 
der Zwillingserlöser (-aamfc), d. h. das Kind des Kindes, und 

15 die neun Wächter (<pvkaxeg), sie selbst werden zu meiner Linken 
bleiben, indem sie Könige in den Erbteilen (xXrjQovoniai) des 
Lichtes sind, und ein jeder der Erlöser (aimf^eg) wird über 
die Ordnungen (r«|«g) seiner Emanationen (jtQoßoXal) in den 
Erbteilen (xX^govo^iiac) des Lichtes herrschen, wie sie es auch 

20 im Lichtschatze (-d-rjoavQÖg) taten. Und die neun Wächter 
(yvXaxeg) des Lichtschatzes (-d-rjaavQÖg) werden vorzüglicher 
sein als die Erlöser (aiurijQEg) in den Erbteilen (xXrjQovopiai) 
des Lichtes, und die Erlöserzwillinge (oimfjQsg-) werden vor- 
züglicher sein als die neun Wächter ((pvXaxeg) in dem Reiche. 

25 Und die drei Amen {&trfv) werden vorzüglicher sein als die 
Erlöserzwillinge (pumjQeg-) in dem Reiche, und die fünf Bäume 
werden vorzüglicher sein als die drei Amen (&fify) in den 
Erbteilen (xXvqovofäat) des Lichtes. Und Jeü und der Wächter 
{(pvi.a$) des Vorhanges (xaraiteTaa/m) des großen Lichtes und 

30 die Paralemptores (naQaXyiutzoQeg) des Lichtes und die beiden 
großen Anführer (jigot^ov/iEvoi) und der große Sabaoth, der 
Gute (äyad-ög), werden Könige sein im ersten Erlöser (oonyQ) 
der ersten Stimme (qn>>vTj) des Lichtschatzes (-drjaavQÖg), welcher 

193 (sc. erste Erlöser) an | dem Orte (xönog) derer sein wird, die 
35 das erste Mysterium (/ivot^qiov) des ersten Mysteriums (nvar^Qioy) 

empfangen haben, weil nämlich {y&a) Jeü und der Wächter 
{(pvXai) des Ortes (rönog) derer von der Rechten und Melchi- 
j»5 sedek, der große Paralemptor (TtaQaXrjtiTtzwQ) des | Lichtes, und 
die beiden großen Anführer (itQorjyovfievoi) hervorgegangen 



Cap. 86. 



143 



(ftQoiQx^ai) sind ans dem gereinigten und ganz reinen 
(Mtxeivijg) Lichte des ersten Baumes bis (Uwg) zum fünften 
(sc. Baum). Jeü nämlich faiv), er ist der Aufseher {büoxoTtog) 
des Lichtes, der zuerst aus dem reinen (eiXixQtvijg) Lichte des 
ersten Baumes hervorgegangen (rcQoeQXEo&ac) ist; der Wächter 5 
(cpvXaS,) dagegen des Vorhanges (xazaTteraafta) derer von der 
Rechten ist aus dem zweiten Baume hervorgegangen 
(itQoiQ%eo»ai), und die beiden Anführer (jtQor iy o^isvoi) dagegen 
sind aus dem reinen (eüixQivrjg) und ganz gereinigten Lichte 
des dritten und vierten Baumes des Lichtschatzes (-IhjoavQÖg) io 
hervorgegangen {nqoiQxea&aC); Melchisedek dagegen ist aus 
dem fünften Baume hervorgegangen {n^oeQ^ad-m); Sabaoth 
dagegen, der Große und Gute (äyaöög), den ich meinen Vater 
genannt habe, ist aus Jeü, dem Aufseher {inLaxonog) des 
Lichtes, hervorgegangen {itQoiQiwSai). Diese sechs nun hat 15 
der letzte Helfer {nuqaax^g) auf Befehl (xüevoig) des ersten 
Mysteriums (fivanjQiov) an dem Orte {i6nog) derer von der 
Eechten sich befinden lassen behufs Verwaltung (rtQog ohovoniav) 
der Einsammlung des oberen Lichtes aus den Aeonen (aiüveg) 
der Archonten (ÜQXovreg) und aus den Welten (xdqito*) und 20 
allen in ihnen befindlichen Gattungen (yhrj), VO n denen ich 
das Geschäft eines jeden, worüber er gesetzt ist, bei der Dar- 
legung des Alls euch sagen werde. Wegen der Bedeutung 
nun (oüy) des Geschäftes, worüber sie gesetzt sind, | werden 194 
sie Mitkönige in dem ersten Mysterium (/xvanjQiov) der ersten 26 
Stimme (cpcovtf) des Lichtschatzes {-d-^aavqög) sein, welcher | an 106 
dem Orte (rÖTtog) der Seelen (ipv X ai) derer sein wird, die das 
erste Mysterium bivoTrßiov) des ersten Mysteriums (nvozrjQiov) 
empfangen haben. Und die Lichtjungfrau (-naqd-ivog) und der 
große Anführer {frov^vog) der Mitte iueaog), den die Archonten 30 
(&QXovTeg) der Aeonen (aiüveg) den großen JaO zu nennen 
Pflegen gemäß (xatd) dem Namen eines großen Archonten 
der in ihrem Orte {%6nog) sich befindet, — er und 
die Lichtjungfrau {-nag&ivog) und seine zwölf Diener (öidxovoi), 
von denen ihr Gestalt (fiogq>^) empfangen und von denen ihr 35 
die Kraft empfangen habt, sie alle werden Könige sein mit 
dem ersten Erlöser {ami)Q) der ersten Stimme {(pwvi'i) an dem 

25 Im Ms. „im ersten Mysterium der ersten Stimme", besser „in dem 
ersten Erlöser (oto-nfc) der ersten Stimme", vgl. n. Z. 37. 



144 Pistis Sophia. 

Orte (rörtog) der Seelen (ipv X aC) derer, die das erste Mysterium 
(nvorfQiov) des ersten Mysteriums (nvar^Qiov) in den Erbteilen 
(xkiQomutat) des Lichtes empfangen werden. Und die fünf- 
zehn Helfer (jtaQcumkm) der siebenLichtjungfrauen(-Ttoe^ot), 
5 die sich in der Mitte (/liaog) befinden, sie werden sich an den 
Örtern (rörtot) der zwölf Erlöser (acorijQeg) ausbreiten, und die 
übrigen Engel (Syysloi) der Mitte (pioog), ein jeder wird ge- 
mäß (x<wrf) seinem Glänze mit mir in den Erbteilen (xA^ovo^c«) 
des Lichtes herrschen, und ich werde über sie alle m den 
10 Erbteilen (-aX^ovohIoi) des Lichtes herrschen. 

Dies alles nun, was ich euch gesagt habe, wird nicht in 
dieser Zeit geschehen, sondern (&XX£) es wird geschehen bei 
dem Ende (ovvriXeux) des Aeons (aicbv), d. h. bei der Auf- 
lösung des Alls und bei dem gesamten Aufstieg der Zahl 
1950*eWwijc»s) der vollkommnen (rüsiot) Seelen (xpv X al) der | Erb- 
teile '(xXwovotdcu) des Lichtes. Vor dem Ende (avvrüeia) nun 
(oh) wird dieses, was ich euch gesagt habe, nicht geschehen, 
197 sondern (&XXd) ein jeder wird an | seinem Orte (röttos) sein, 
in den er von Anfang an gesetzt ist, bis die Zahl (&q&m<hs) 
20 der Einsammlung der vollkommnen (riXeioi) Seelen (W 1 ) 
vollendet ist. Die sieben Stimmen (tpwvai) und die fünf Bäume 
und die drei Amen (d^ijv) und der Zwillingserlöser (-««ife) 
und die neun Wächter (cpvXmeg) und die zwölf Erlöser (aawfaes) 
und die vom Orte (rörtog) der Rechten und die vom Orte 
2b(rörtog) der Mitte (fisaog), ein jeder wird an dem Orte (rörtog) 
bleiben, in den sie gesetzt sind, bis daß insgesamt hinauf- 
steigt die Zahl (äoi»fir t o^) der vollkommenen (rüstoi) Seelen 
(yv X al) der Erbteile (yl^ovo^iai) des Lichtes. Und auch 
alle Archonten (%ov«s), die Reue empfunden (,ieravoet,v) 
30 haben, auch sie werden an dem Orte (rörtog) bleiben, in den 
sie gesetzt sind, bis daß insgesamt hinaufsteigt die Zahl 
(&Ql9mote) der Seelen {ipv X at) der Erbteile (hXijqovo^i) des 
Lichtes. Sie (sc. Seelen) werden alle kommen, eine jede zu 
der Zeit, wo sie Mysterien Oiwmfe«) empfangen wird, und 
35 werden alle Archonten (%on4 die Eeue empfunden (fteravoeiv) 
haben, durchschreiten und zum Orte (rörtog) derer von der 
Mitte (pUaog) kommen. Und die von der Mitte (jUaoq) werden 
sie taufen (ßartri&iv) und ihnen die geistige (rtv^aM) 
Salbe geben und sie mit den Siegeln (oyoaylöeg) ihrer Mysterien 



Cap. 86. U5 



I (jtvotvQta) besiegeln (ocpQayltetv). Und sie werden die von 
allen Ortern (tötioc) der Mitte (prfoog) durchschreiten nnd sie 
werden den Ort (*6*eo S ) der Rechten durchschreiten ' und das 
Innere des Ortes <%6m>s) der neun Wächter (tpükawg) and das 
Innere des Ortes (rfaog) des Zwillingserlösers (-aornjo) und das 5 
Innere des Ortes {rönog) der drei | Amen (äfiijv) und der zwölf 196 
Erlöser (amf^eg) und das Innere der fünf Bäume und der 
sieben Stimmen (ywal); ein jeder gibt ihnen seine Siegel 
(atpgayiäee) von seinen Mysterien fymnfaufy und sie | schreiten i 98 
in das Innere von ihnen allen und gehen zum Orte fnfaro S )io' 
der Erbteile (xkr^ovo/tieu) des Lichtes, und ein jeder bleibt 
an dem Orte (ro'?to e ), bis zu dem er in den Erbteilen (xXrjQovoptai) 
des Lichtes Mysterien (uvozfata) empfangen hat, mit einem 
Worte (cWaWws), alle Seelen (ifwxaQ der Menschheit, die 
die Mysterien (pvimfout) des Lichtes empfangen werden 15 
werden vorangehen allen Archonten (äQ X ovreg), die Reue 
empfunden {unavnüv) haben, und sie werden vorangehen allen 
denen vom Orte (zörtog) der Mitte {fiioog) und denen vom 
ganzen Orte (töjtog) der Rechten, und sie werden vorangehen 
denen vom ganzen Orte (törtog) des Lichtschatzes (-^wwpdg), ao 
mit einem Worte (&aa§anXßQ), sie werden vorangehen allen 
denen vom Orte (rfaog) (des Schatzes), nnd sie werden voran- 
gehen allen denen vom Orte (rönog) des ersten Gebotes und 
m das Innere von ihnen allen schreiten und zu dem Erbe 
\*hlQovonla) des Lichtes bis zum Orte (rörcog) ihres Mysteriums 2» 
pvavr jQ Lov) gehen, und ein jeder bleibt an dem Orte {tönog), 
bis zu dem er Mysterien (fivmfata) empfangen hat, und die 
vom Orte, (tfaog) der Mitte (peoog) und von der Rechten und 
die von dem ganzen Orte (töjtog) des Schatzes (^aavQÖg), ein 
jeder bleibt an dem ganzen Orte {rörtog) der Ordnung («*£«;), SO 
f. den er von Anfang an gesetzt ist, bis daß (%) das All 
^aufsteigt; und ein jeder von ihnen vollendet seine Ver- 
waltung (ohovoula), in die er gesetzt ist, behufs der Ein- 
ammlung der Seelen {ipv%ai), die Mysterien 
topfangen haben, in betreff dieser Verwaltung (olxovopla), da- 35 
tt sie besiegeln (oc re ayi£eiv) | alle Seelen (ipv/ai], die Mysterien 197 
Wo-trjQia) empfangen und die ihr Inneres durchwandern 
"erden zu dem Erbe (yl^QovoiUa) des Lichtes. 

Jetzt nun, Maria, dieses ist das Wort, nach dem Du mich 

f Schmidt: Pistia Sophia. 10 



146 



Pistds Sophia. 



bestimmt und zuverlässig (äocpäleia) fragst. Übrigens (Xom6tf 
nun jetzt, >wer Ohren hat zu hören, der höre.< « 

199 CAP. 87. | Es geschah nun, als Jesus diese "Worte zu 
sagen beendet hatte, da stürzte sich Maria Magdalena vor 

5 und sprach: »Mein Herr, mein Lichtbewohner hat Ohren, und 
ich verstehe (TtagaXaußdveiv) jedes Wort, das Du sagst. Jetzt 
nun, mein Herr, wegen des Wortes, das Du gesagt hast: 
>Alle Seelen {ipvyat) des Menschengeschlechtes (-yivog), die 
die Mysterien (fivatr^ia) des Lichtes empfangen werden, 

10 werden in das Erbe (xlrjQovofiia) des Lichtes vorangehen vor 
allen Archonten (aoxovzeg), die Eeue empfinden (nntavoeiv) 
werden, und vor denen vom ganzen Orte (xörcog) der Rechten 
und vor dem ganzen Orte (tdrcog) des Lichtschatzes (-&rjoavQ6g)< 
— wegen dieses Wortes nun (oh), mein Herr, hast Du einst 

15 zu uns gesagt: >Die Ersten werden Letzte und die Letzten 
werden Erste sein«, d. h. die Letzten sind das ganze Menschen- 
geschlecht (-ybog), das eher in das Lichtreich eingehen wird 
als alle die vom Orte (TÖitog) der Höhe, welches die Ersten sind. 
Deswegen nun {oh), mein Herr, hast Du zu uns gesagt: >Wer 

20 Ohren hat zu hören, der höre< , d. h. Du wünschtest zu wissen, 
198 ob wir | alle Worte, die Du sagst, erfassen (xazcekafißäveiv). 
Dies nun (oh) ist das Wort, mein Herr.« 

Es geschah nun, als sie diese Worte zu sagen beendet 

200 hatte, | da wunderte sich der Erlöser (awrjfe) sehr über die 
25 Antworten (&rto(pdaeig) der Worte, die sie sagte, weil sie ganz 

reiner (eihxQivr^g) Geist (TtveDfia) geworden war. Es ant- 
wortete wiederum Jesus und sprach zu ihr: »Vortrefflich 
(dye), Du pneumatische (rtvevuanx^) und reine (elhy.Qiv^g) 
Maria! Dies ist die Auflösung des Wortes«. 

30 CAP. 88. Es geschah nun wiederum nach all diese» 
Worten, da fuhr Jesus in der Rede fort und sprach zu seinen 
Jüngern (tia&rjiai): »Höret, damit ich mit euch rede wegen 
des Glanzes derer von der Höhe, wie sie sind, gemäß (xo«*l 
der Art, wie ich mit euch bis heute redete. Jetzt nun (om 

35 wenn ich euch zum Orte (töitog) des letzten Helfers (na^' 
otctjjs) führe, der den Lichtschatz (■örioavQÖg) umgibt, « n 

2 Vgl. Mark. 4, 9 u. Parall. - 15 Matth. 20, 16; 19, 30. Mark. 
31. Luk. 13, 30. Vgl. o. S. 72 Z. ISf. - 19 Vgl. Mark. 4, 9 u. P»» ' 




Cap. 86—88. 



147 



wenn ich euch zu dem Orte («forog) jenes letzten Helfers 
^agamätrff) führe und ihr den Glanz seht, in dem er sich 
befindet, so wird der Ort (röreog) des Erbes (xk VQ oyoplci) des 
Lichtes vor euch nur in der Größe einer Stadt (ttöhg) der 
Welt (-udafiog) gelten infolge der Größe, in der sich der letzte 5 
Helfer (Ttagaarätris) befindet, und des großen Lichtes, in dem 
er sich befindet. Und darnach werde ich mit euch auch über 
den Glanz des Helfers [mtQcmthrjs), der oberhalb des kleinen 
Helfers (Ttaeaordtrje), reden, aber nicht (ovöf) werde ich mit 
euch über die Örter (röuoi) derer reden können, die oberhalb 10 
aller Helfer {naoamdrai) sind; | denn (ydg) es existiert kein 199 
Typus [Tinos) in dieser Welt (xöouog), sie zu beschreiben, 
denn (ydq) es existiert in dieser Welt (xöafiog) keine Ähn- 
lichkeit, die ihnen ähnlich, damit ich sie damit vergleiche, 
noch (oW) Größe (Beschaffenheit), noch (oiöe) Licht, | das »02 
ihnen ähnlich ist, damit ich sie beschreibe, nicht nur (od 
pfoov) in dieser Welt (x6o f wg), sondern (&XM) sie haben auch 
keine Ähnlichkeit mit denen von der Höhe der Gerechtigkeit 
(ÖL-uuoovvij) von ihrem Orte (%6aog) abwärts. Deswegen nun 
in der Tat existiert keine Art, sie zu besehreiben in dieser 20 
Welt (y.öafiog) infolge des großen Glanzes derer von der Höhe 
und der großen, unermeßlichen Größe; deswegen nun (olv) 
existiert keine Art, ihn (sc. den Glanz) zu beschreiben in 
dieser Welt (wo/tog).« 

» Es geschah nun, als Jesus diese Worte seinen Jungem 25 
(paö-rjTaC) zu sagen beendet hatte, da trat Maria Magdalena 
vor und sprach zu Jesus: »Mein Herr, zürne mir nicht, wenn 
ich Dich frage, daß ich Dich oftmals belästigt (froxfalv) habe. 
Jetzt nun, mein Herr, zürne mir nicht, wenn ich nach allem 
bestimmt und zuverlässig (doydUia) frage, denn meine Brüder 30 
Predigen (xr^vaaecv) es unter dem Menschengeschlecht (-yhog), 
und sie (sc. die Menschen) hören und empfinden Reue (peca- 
v °elv) und werden vor den gewaltigen Gerichten (xQloeig) der 
bösen {tcovr^ol) Archonten (liQxovteg) gerettet und gehen zur 
Höhe und ererben (nXr]eovo^eiv) das Lichtreich, denn wir sind, 35 
toein Herr, nicht nur (ov piövov) mitleidig gegen uns selbst, 
sondern (dlld) mitleidig gegen das ganze Menschengeschlecht 
kyivog) damit sie (sc. die Menschen) vor allen gewaltigen 
Gerichten (xQlaeig) gerettet werden. Jetzt nun (oiv), mein 



10* 




148 



Pistis Sophia. 



Herr, deswegen fragen wir nach allem bestimmt, daß meine 
Brüder es predigen (xrjQvooeiv) dem ganzen Menschengeschlecht 
200(-y«'vog) | , auf daß sie den gewaltigen Archonten (a^omt,-) 
der Finsternis entgehen und aus den Händen der gewaltigen 
öParalemptai (naqaX^uvnai) der äußersten Finsternis gerettet 
werden.« 

202 | Es geschah, als Jesus diese Worte die Maria hatte sagen 
hören, antwortete der Erlöser (ocoti'q), indem er in großem 
Erbarmen gegen sie war, und sprach zu ihr: »Frage, wo- 
10 nach Du zu fragen wünschest, so will ich es Dir bestimmt 
und zuverlässig (aacpälsia) ohne Gleichnis {nagaßolr^ offen- 
baren.« 

CAP. 89. Es geschah nun, als Maria diese Worte den 
Erlöser (owtrß) hatte sagen hören, freute sie sich in großer 

15 Freude und jubelte sehr und sprach zu Jesus: »Mein Herr, 
um wie viel Größe ist denn der zweite Helfer (ftaQamatrjg) 
größer als der erste Helfer (TtaQaatäx^g), und um wie viel 
Entfernung ist er von ihm entfernt, oder (r;) vielmehr wie 
vielmal mehr leuchtet er als jener?« 

20 Es antwortete Jesus und sprach zu Maria inmitten der 
Jünger (ficed-rjrai): »Wahrlich, wahrlich (a/Arjv, a^v), ich sage 
euch: Der zweite Helfer (iraQaoräztjg) ist vom ersten Helfer 
{ita^aarÜTtig) in großer, unermeßlicher Entfernung in bezug 
auf die Höhe nach oben und die Tiefe (ßäd-og) nach unten 

25 und die Länge und die Breite entfernt. Denn {ydq) er ist 
von ihm sehr entfernt in großer, unermeßlicher Entfernung 
durch die Engel (Hyyeloi) und Erzengel (&Qxd*/yeh)t) und durch 
die Götter nnd alle Unsichtbaren (äüoctzoi), und er ist sehr 
bedeutend größer als jener in einem unberechenbaren Maße 
201 1 durch die Engel (tiyyeloi) und Erzengel (&QxdyysXoi) und 
durch die Götter und alle Unsichtbaren {äoqaToCj, und er 
leuchtet mehr als jener in einem ganz unermeßlichen Maße, 
ohne daß Maß ist dem Lichte, in dem er sich befindet, und 
20« ohne daß | Maß ihm ist durch die Engel (ayye.~f.oi) und Erz- 

35 engel (äoxäyyeXoi) und durch die Götter und alle Unsichtbaren 
(äoQctToi), wie (xaxd-) ich es euch bereits ein ander Mal ge- 
sagt habe. Ebenso (6/iolcag) auch der dritte und vierte und 
fünfte Helfer (itaqaazäxrig), indem einer größer ist als der 
andere unendlich viele Male, und er leuchtet mehr als jener 



Cap. 88—90. 



149 



und ist von ihm entfernt in einer großen, unermeßlichen Ent- 
fernung durch die Engel (äyyeloi) und Erzengel (&Qxdyye\oi) 
und die Götter und alle Unsichtbaren (dÖQctToi), wie (xard-) 
ich es euch ein ander Mal bereits gesagt habe. Und ich 
werde euch auch den Typus (timos) eines jeden bei ihrer 5 
Darstellung sagen.« 

CAP. 90. Es geschah nun, als Jesus diese Worte seinen 
Jungern (fia^zal) zu sagen beendet hatte, da trat wiederum 
Maria Magdalena vor, fuhr fort und sprach zu Jesus: >Mein 
Herr, in welchem Typus (rvTtog) werden denn die, welche 10 
das Mysterium (fivortfQiov) des Lichtes empfangen haben, in- 
mitten des letzten Helfers (rtaQaaidrtjs) sein?« 

Es antwortete aber (ö£) Jesus und sprach zu Maria in- 
mitten der Jünger (}ia&r]zai): sDie, welche die Mysterien 
(fivaxYjQia) des Lichtes empfangen haben, wenn sie kommen 15 
»us | dem Körper (oGifia) der Materie (pki]) der Archonten202 
(äQXovtsg), so wird ein jeder gemäß (xatd) dem Mysterium 
(uvatiiQiov), das er empfangen hat, in seiner Ordnung (Vogts) 
sein : die, welche die höheren Mysterien {(.ivaxrjQia) empfangen 
haben, werden in der höheren Ordnung {-cd^ig) bleiben; die 20 
dagegen, welche die niederen Mysterien (f.ivoTr l Qia) empfangen 
haben, werden in den niederen Ordnungen (Tߧf«g) sein, mit 
einem Worte {ana^clcbs), \ bis zu welchem Orte (zorcog) ein 204 
jeder Mysterien^ (/.ivoxr^ia) empfangen hat, <dort> wird er in 
seiner Ordnung (tü!-iq) in dem Erbe (x).i]Qovofäa) des Lichtes 25 
bleiben. Deswegen nun habe ich zu euch einst gesagt: >Wo 
euer Herz ist , dort wird euer Schatz sein< , d. h. bis zu 
welchem Orte ein jeder Mysterien (fivair.Qia) empfangen hat, 
dort wird er sein.« 

Es geschah, als Jesus diese Worte seinen Jüngern 30 
(witTjzul) zu sagen beendet hatte, da trat Johannes vor und 
brach zu Jesus: »Mein Herr und mein Erlöser (aiarfjQ), be- 
fiehl (xüeveiv) auch mir, daß ich vor Dil- rede, und zürne mir 
nicht, wenn ich nach allem bestimmt und zuverlässig (dacpd- 

frage; denn Du, mein Herr, hast mir in einem Ver-35 
sprechen versprochen, uns alles, wonach ich Dich fragen 
w erde, zu offenbaren. Jetzt nun, mein Herr, verbirg uns 

26 Matth. 6, 21. Luk. 12, 34. 



150 



Pistis Sophia. 



überhaupt nichts in der Sache, nach der wir Dich fragen 
werden.« 

Es antwortete aber (de) Jesus in großem Erbarmen und 
sprach zu Johannes: »Auch Dir, Du seliger (naxd^iog) 
5 Johannes und Du Geliebter, befehle (xeleveiv) ich, das Wort 
zu sagen, das Dir gefällt, und ich werde es Dir von An- 
gesicht zu Angesicht ohne Gleichnis (itaQaßoXfi) 1 offenbaren 

203 und Dil- | alles sagen, wonach Du bestimmt und zuverlässig 
(aotpälua) fragen wirst.« 

10 Es antwortete Johannes und sprach zu Jesus: »Mein 
Herr, wird denn ein jeder an dem Orte (rönog) bleiben, bis 
zu dem er Mysterien (fivorrjQia) empfangen hat, und hat er 
205 keine Macht (Novolet), in | andere Ordnungen (zd^eeg), die ober- 
halb von ihm, zu gehen, noch (odöe) hat er Macht (sl-ovoia), 

15 zu den Ordnungen (ral-eig), die unterhalb von ihm, zu gehen?.; 
CAP. 91. Es antwortete Jesus und sprach zu Johannes: 
»Schön fürwahr (■xalüg fievroiye) fragt ihr nach allem be- 
stimmt und zuverlässig (dacpäleid), aber (&\Xd) jetzt nun. 
Johannes, höre, damit ich mit Dir rede. Ein jeder, der 

20 Mysterien ((ivm^gia) des Lichtes empfangen hat, wird an dem 
Orte (röttog) bleiben, bis zu dem ein jeder Mysterien (ftvotifcta) 
empfangen hat, und nicht hat er die Macht (l^ovala), in die 
Höhe zu gehen zu den Ordnungen (zd^eig), die oberhalb von 
ihm, so daß (wate) der, welcher Mysterien (/.ivaz^Qia) im ersten 

25 Gebote empfangen hat, die Macht (Jgowxfa) hat, zu den 
Ordnungen (tüt-eig), die unterhalb von ihm, zu gehen, d. i. zu 
allen Ordnungen (td^etg) des dritten Raumes (jil>Qi]^a), aber 
(Selka) nicht hat er die Macht (l^ovaia), in die Höhe zu den 
Ordnungen (rd!-eig), die oberhalb von ihm, zu gehen. Und 

30 wer die Mysterien (ßvotfaia) des ersten Mysteriums (ßv<nr> 
qiov) empfangen wird, welches ist das 24ste Mysterium 
(livoTijQiov) von außen und das Haupt (xeyaAiJ) des ersten 
Raumes (x^QW")) der außerhalb, der hat die Macht (i^ovaia), 
zu allen Ordnungen (zd&ig), die außerhalb von ihm, zu gehen. 

35 aber (aiXd) nicht hat er die Macht (ij-ovoia), zu den Örtern 
(fÖTtoi), die oberhalb von ihm, zu gehen oder (jj) sie zu durch- 
wandern. Und von denen, welche Mysterien ((ivorrfiia) »" 
den Ordnungen (irfgwg) der 24 Mysterien Qivazfaia) empfangen 

204 haben, | wird ein jeder zu dem Orte (xöizog) gehen, in welchem 



Cap. 90. 91. 



151 



er Mysterien (pvazijQia) empfangen hat, und er wird die 
Macht fäovoia) haben, alle Ordnungen (vd§eig) und die Räume 
(X CÜ QW CCTCC )' die außerhalb von ihm, zu durchwandern, aber 
(&Mä) nicht hat er die Macht (k^ovola), zu den Ordnungen 
(td§eig), die oberhalb von ihm, zu gehen, oder (jf) sie zu 5 
durchwandern. | Und wer Mysterien {fxvazriQia) in den Ord-206 
nungen (zd&ig) des ersten Mysteriums (pvozrjQiov) , das im 
dritten Räume (ywQrj/m), empfangen hat, der hat die Macht 
(e^ovaia), zu allen Ordnungen (zdl-sig), die unterhalb von ihm, 
zu gehen und sie alle zu durchwandern, aber (aild) nicht io 
dagegen hat er die Macht (egovoia), zu den Örtern (tojvoi), 
die oberhalb von ihm, zu gehen oder (if) sie zu durchwandern. 
Und wer Mysterien (fivozfaia) in dem ersten zginvevfiazog 
empfangen, der über die 24 Mysterien (ßuozfßia) insgesamt 
herrscht (&q%uv), diese, die über den Raum (x<t>eVf ia ) desiö 
ersten Mysteriums (pvorrjQiov) herrschen (Hqxuv), deren Ort 
(TÖTtog) ich euch bei der Darlegung des Alls sagen werde, — 
wer nun (ovv) das Mysterium (nvcmfeiov) jenes zqmvBvy.cnog 
empfangen wird, der hat die Macht (kl-ovota), zu allen Ord- 
nungen (i<x!-eig), die unterhalb von ihm, hinabzugehen, aber 20 
(illd) nicht hat er die Macht (i^ovala), in die Höhe zu den 
Ordnungen (zdgeig), die oberhalb von ihm, zu gehen, d. h. zu 
allen Ordnungen (zd&ig) des Raumes (xcÖQrjfia) des Unaus- 
sprechlichen. Und wer das Mysterium {ßivovtfQföv) des zweiten 
VQiTtvevfiazog empfangen hat, der hat die Macht {l^ovaia), zu 25 
allen Ordnungen (zd^eig) des ersten zqutvev^azog zu gehen | und 205 
sie alle zu durchwandern und alle ihre Ordnungen (zdj-eig), 
die in ihnen, aber (&)ld) nicht hat er die Macht (tt-ovola), zu 
den höheren Ordnungen (zdgeig) des dritten zqmvEvitazog zu 
gehen. Und wer das Mysterium (jivazriqiov) des | dritten zqi- 207 
nvevfiarog empfangen hat, der über die drei zqucvsC^azoi und 
die drei Räume (xcoq^iaza) des ersten Mysteriums (fivazr^cov) 
insgesamt herrscht (üqxsiv), <der hat die Macht, zu allen 
Ordnungen (zdj-eig), die unterhalb von ihm, zu gehen), aber 
{dlld) nicht hat er die Macht (ij-ovola), in die Höhe zu den 35 
Ordnungen (zdgeig), die oberhalb von ihm, zu gehen, d. h. zu 
den Ordnungen (zäl-etg) des Raumes (xcäpi^ta) des Unaus- 
stehlichen. Und wer das absolute (av&e'vzrjg) Mysterium 
KHvozrjQiov) des ersten Mysteriums (ßvaz^Qiov) des Unaussprech- 

L 



152 



Pistis Sophia. 



liehen empfangen hat, d. h. die zwölf Mysterien (pvmfaia) 
insgesamt des ersten Mysteriums (nvoirßiov), die über alle 
Räume (x^nara) des ersten Mysteriums (/.tvarr^wv) herrschen 
{äqxtiv), — wer nun {oiv) jenes Mysterium (^ivot^qiov) emp- 
5 fangen wird, der hat die Macht {l^ovaia), alle Ordnungen 
(tä$etg) der Räume {xuiQ^ara) der drei cQi7cvev[iaToi und die 
drei Räume (xiugr^ata) des ersten Mysteriums {nvaxr^iov) und 
alle ihre Ordnungen (td&ig) zu durchwandern, und er hat die 
Macht (et-ovoia), alle Ordnungen (rdg~ug) der Erbteile (xA?;po- 

10 vofüai) des Lichtes zu durchwandern, sie zu durchwandern 
von außen nach innen und von innen nach außen und von 
206 oben nach unten und von unten | nach oben und von der 
Höhe nach der Tiefe (ßd&og) und von der Tiefe (ßd&og) nach 
der Höhe und von der Länge nach der Breite und von der 

15 Breite nach der Länge, mit einem Worte (änafaclwg), er hat 
20« die Macht (el-ovoia), alle Örter (totzoi) der | Erbteile (xlr^o- 
vonlai) des Lichtes zu durchwandern, und er hat die Macht 
(et-ovoia), an dem Orte (tönog) zu bleiben, wo es ihm in dem 
Erbe (xlrjQovofiia) des Lichtreiches gefällt. Und wahrlich 

20 (&tiyv) ich sage euch: Jener Mensch wird bei der Auflösung 
der Welt (xöanog) König über alle Ordnungen (rd^eig) des 
Erbes {xlrjQovoixia) sein. Und wer das Mysterium (ftvai^Qiov) 
des Unaussprechlichen empfangen wird, jenes, welches ich 
bin, — jenes Mysterium (fxvcnrßiov) weiß, warum die Finsternis 

25 entstanden und warum das Licht entstanden ist. Und jenes 
Mysterium (/.ivairjQiov) weiß, warum die Finsternis der Finster- 
nisse entstanden und warum das Licht der Lichter entstanden 
ist. Und jenes Mysterium (ftvonfoiov) weiß, warum das Chaos 
ixäog) entstanden und warum der Lichtschatz (-&-r l aavQ6g) ent- 

30 standen ist. Und jenes Mysterium (^.vaxrjQiov) weiß, warum 
die Gerichte (xgioeig) entstanden und warum das Lichtland 
und der Ort (rörcog) der Erbteile {xh^ovo^äm) des Lichtes 
entstanden ist. Und jenes Mysterium (fivazr^iov) weiß, warum 
die Züchtigungen (xokdoeig) der Sünder entstanden und warum 

35 die Ruhe (dvanavaLg) des Lichtreiches entstanden ist. Und 
207jenes Mysterium (jjvn^Qiov) weiß, | warum die Sünder ent- 
standen und warum die Erbteile (xhjQovo^tat.) des Lichtes 
entstanden sind. Und jenes Mysterium (jivarrfiiov) weißi 
warum die Gottlosen (Staeßelg) entstanden und warum die 



Cap. 91. 1B3 

t-Jiiten (äya&ot) entstanden sind. | Und jenes Mysterium (pv- 209 
otrfiiov) weiß, warum die Züchtigangs-Gerichte (xQtoeig, xo- 
).äoeis) entstanden und warum alle Emanationen {TtQoßolai) 
des Lichtes entstanden sind. Und jenes Mysterium (/tvat^iov) 
weiß, warum die Sünde entstanden und warum die Taufen 5 
(ßctfiriofiuia) und die Mysterien {nvmnqgux) des Lichtes ent- 
standen sind. Und jenes Mysterium (/.wax^wv) weiß, warum 
das Feuer der Züchtigung (völaoig) entstanden und warum 
die Siegel {mpqaylöeg) des Lichtes entstanden sind, damit das 
Feuer ihnen nicht schade (ßlanveiv). Und jenes Mysterium 10 
{jxvatriQLov) weiß, warum der Zorn entstanden und warum der 
Friede {eiQ^vq) entstanden ist. Und jenes Mysterium (f*v- 
oiißiov) weiß, warum die Verleumdung entstanden und warum 
die Hymnen (ü'.uvot) des Lichtes entstanden sind. Und jenes 
Mysterium (nuoirßiov) weiß, warum die Gebete (TtQogevxai) 15 
des Lichtes entstanden sind. Und jenes Mysterium (ftvoTrjQiov) 
weiß, warum der Fluch entstanden und warum der Segen 
entstanden ist. Und jenes Mysterium (ßvar^iov) weiß, warum 
die Schlechtigkeit' (-itovr^üg) entstanden und warum die 
Schmeichelei (? Liebkosung ?) entstanden ist. Und jenes My-20 
sterium (ftva^giov) \ weiß, warum der Totschlag entstanden 208 
und warum die Lebendigmachung der Seelen (ifrvxai) entstanden 
ist. Und jenes Mysterium (ßvoTifeiov) weiß, warum der Ehe- 
bruch und die Hurerei (?coQveia) entstanden und | warum die 210 
Reinheit entstanden ist. Und jenes Mysterium (fivmi]Qiov)2b 
weiß, warum der Geschlechtsverkehr (avvovala) entstanden 
«nd warum die Enthaltsamkeit (eyxgdceta) entstanden ist. Und 
jenes Mysterium (hvozi)qiov) weiß, warum der Hochmut und die 
Prahlerei entstanden und warum die Demut und die Sanftmut 
entstanden ist. Und jenes Mysterium {uvmrßiov) weiß, warum 30 
das Weinen entstanden und warum das Lachen entstanden ist. 
Und jenes Mysterium (nvotfciov) weiß, warum die Verleumdung 
( y -ota).ahd) entstanden und warum die gute Nachrede ent- 
banden ist. Und jenes Mysterium (pvorfaiov) weiß, warum 
•j e r Gehorsam entstanden und warum die Geringschätzung 35 
e s Menschen entstanden ist. Und jenes Mysterium (nvarv^iov) 
^ ei ß, warum das Murren entstanden und warum die Unschuld 
^ d die Demut entstanden ist. Und jenes Mysterium (jiv- 
^qiov) W eiß, warum die Sünde entstanden und warum die 



154 Pistis Sophia. 

Reinheit entstanden ist. Und jenes Mysterium yvorfQiov) 
weiß, warum die Stärke entstanden und warum die Schwach- 
209heit entstanden ist. Und jenes Mysterium weiß, warum | die 
Bewegung {xivyoig) des Körpers {a&na) entstanden und warum 
5 ihr (plur.) Gutbefinden entstanden ist. Und jenes Mysterium 
(fivotijQtov) weiß, warum die Armut entstanden und warum 
der Reichtum entstanden ist. Und jenes Mysterium (^tmfetov) 
21 1 weiß, warum | die Freiheit der Welt (xofff<os) entstanden und 
warum die Knechtschaft entstanden ist. Und jenes Mysterium 
lO^ttrofetov) weiß, warum der Tod entstanden und warum das 
Leben entstanden ist.« 

CAP. 92. Es geschah nun, als Jesus diese Worte seinen 
Jüngern (uad-rfial) zu sagen beendet hatte, da freuten sie sich 
in großer Freude und jubelten, als sie Jesus diese Worte 
15 sagen hörten. 

Es fuhr Jesus wiederum in der Rede fort und sprach zu 
ihnen: Noch (In) weiter höret jetzt, meine Jünger ({la&tjiai), 
daß ich mit euch wegen der gesamten Erkenntnis des My- 
steriums (hvottiqiov) des Unaussprechlichen rede: Jenes My- 
sterium (iivazrßiov) des Unaussprechlichen weiß, warum die 
Unbarmherzigkeit entstanden und warum die Barmherzigkeit 
entstanden ist. Und jenes Mysterium (fivan]Qiov) weiß, warum 
das Verderben entstanden und warum das äsi bis ewig (ewige 
Sein) entstanden ist. Und jenes Mysterium (^(mfetov) weiß, 
25 warum die Reptilien entstanden sind und warum sie werden 
vernichtet werden. Und jenes Mysterium {(.ivat^iov) weiß, 
warum die wilden Tiere {frwa) entstehen werden (? entstanden 
210 sind) | und warum sie werden vernichtet werden. Und jenes 
Mysterium (pvovijQiov) weiß, warum das Vieh entstanden und 
30 warum die Vögel entstanden sind. Und jenes Mysteriuni 
(uvotwiov) weiß, warum die Berge entstanden und warum 
212 1 die in ihnen befindlichen Edelsteine entstanden sind. Und 
jenes Mysterium (iivtmfciov) weiß, warum die Materie (i'Ai?) 
des Goldes entstanden und warum die Materie (£At?) des Silbers 
35 entstanden ist. Und jenes Mysterium (ncair lS iov) weiß, warum 
die Materie (%) des Kupfers entstanden und warum die 
Materie (%) des Eisens und des Stahles entstanden ist. Und 
jenes Mysterium (ftvar^wv) weiß, warum die Materie (vir]) des 
Bleies entstanden ist. Und jenes Mysterium (,uvmjQiov) weib- 



Cap. 91—93. 



155 



warum die Materie (&'A»j) des Glases entstanden und warum 
die Materie (vhj) des Wachses (xrßivov) entstanden ist. Und 
jenes Mysterium Q.ivoTrßiov) weiß, warum die Pflanzen (ßozdvai), 
d. i. die Kräuter, entstanden und warum alle Materien {bleu) 
entstanden sind. Und jenes Mysterium (ixvar^Qtov) weiß. 5 
warum die Gewässer der Erde und alle in ihnen befindlichen 
Dinge entstanden und warum auch die Erde entstanden ist. 
Und jenes Mysterium {jivmfßiov) weiß, warum die Meere 
(&ä/.aaaat) | und die Gewässer entstanden und warum die 211 
Tiere (d-rjQla) in den Meeren (d-dlaoaca) entstanden sind. Und 10 
jenes Mysterium (ftvatfaiov) weiß, warum die Materie (vltj) 
der Welt (xdopog) entstanden und warum sie (sc. die Welt) 
gänzlich vernichtet werden wird.« 

CAP. 93. Es fuhr Jesus wiederum fort und sprach zu 
«einen Jüngern (fia&r^ai): »Noch (£») weiter, meine Jünger 15 
ma&iqial) und Genossen und | Brüder, möge ein jeder im Geiste 213 
mveSfia), der in ihm, nüchtern {vrjcpeiv) sein, und möget ihr 
vernehmen und erfassen (naxaka^ißdvuv) alle Worte, die ich 
euch sagen werde, denn von jetzt ab werde ich beginnen, mit 
euch in betreff aller Erkenntnisse des Unaussprechlichen zu 20 
reden: Jenes Mysterium {nvarfßtov) weiß, warum der Westen 
entstanden und warum der Osten entstanden ist. Und jenes 
Mysterium (pvozifeiov) weiß, warum der Süden entstanden und 
warum der Norden entstanden ist. 

Noch (hi) weiter, meine Jünger (itafrytal), höret und 25 
fahret fort nüchtern (vftfeiv) zu sein und höret die gesamte 
Erkenntnis des Mysteriums (fivanjQiov) des Unaussprechlichen: 
Jenes Mysterium (fivorrjQiov) weiß, warum die Dämonen (3at- 
Hoviu) entstanden sind und warum die Menschheit entstanden 
ist. Und jenes Mysterium (/.ivorrjQiov) weiß, warum die Hitze 30 
■(xcrfyta) entstanden und warum die angenehme Luft (&r,Q) ent- 
standen ist. Und jenes Mysterium (i-ivoTrßiov) weiß, warum 
die Sterne entstanden und warum die Wolken entstanden 
sind. | Und jenes Mysterium {jAvmtßtov) weiß, warum die Erde 212 
tief wurde (sich senkte) und warum das Wasser darüber kam. 35 
Und jenes Mysterium (/.tvat^Qiov) weiß, warum die Erde 
trocken wurde und das Regenwasser darüber kam. Und jenes 
Mysterium (fxvan)Qiov) weiß, warum die Hungersnot entstanden 
lud warum der Überfluß entstanden ist. Und jenes Mysterium 



15 ß Pisti8 Sophia. 

■zm^Qcov) weiß, warum | der Reif entstanden und warum der 
heilsame Tau entstanden ist. Und jenes Mysterium (^cm^ov) 
weiß, warum der Staub entstanden und warum die suße Ab- 
kühlung entstanden ist. Und jenes Mysterium 0™*« 
5 weiß, warum der Hagel U«tta£a) entstanden und warum der 
angenehme Schnee entstanden ist. Und jenes Mysterium 
weiß, warum der Westwind entstanden und warum der Ost- 
wind entstanden ist. Und jenes Mysterium ^vc^ov) weiß, 
warum das Feuer der Höhe entstanden und warum auch die 
10 Gewässer (Segen) entstanden sind Und jenes jMjte™* 
(uomretov) weiß, warum der Ostwind entstanden ist Und 
enes Mysterium (^qcov) weiß, warum der Südwind ent- 
standen und warum der Nordwind entstanden ist Und jenes 
Mysterium (^vcn^ov) weiß, warum die Sterne des Himmels 
213 und die | Scheiben (dfo«u) der Gestirne (<pumfk*s) entstanden 
sind und warum das Firmament (orB Q e^ta) mit all seinen 
Vorhängen hunarendofuaa) entstanden ist. Und jenes My- 
sterium (nvo^Qtov) weiß, warum die Archonten (ä 9X ovug) der 
Sphaeren (ocpal Q ca) entstanden und warum die Sphaera (ocpcuQa) 
20 mit all ihren Örtern (rirtot) entstanden ist. Und jenes My- 
sterium (puoTr lQl ov) weiß, warum die Archonten (4 W oros) der 
- Aeonen (<xlü>ve S ) entstanden und warum die Aeonen (a^ns) 
mit ihren Vorhängen (wwoörwdff^o) entstanden sind. Und 
Sisjenes Mysterium (uoa^cov) weiß, | warum die tyrannischen 
2öMoawot) Archonten (%om S ) der Aeonen (au»es) ents tanden 
und warum die Archonten (ftw»*«), ä* ßeue ^ 1 m 
l^avoüv) haben, entstanden sind. Und jenes Mysterium 
(uvmtQwv) weiß, warum die Liturgen ßsnov Q yoi) entstanden 
und warum die Dekane (öwtvot) entstanden sind Und jenes 
»Mysterium (^az^ov) weiß, warum die Engel (äyys^) en 
standen und warum die Erzengel (ä eX dyysXoc) entstanden ^ 
Und jenes Mysterium &««mfe«»>) weiß, warum die Herr 
entstanden und warum die Götter entstanden sind. Und jen 
Mysterium $MM weiß, warum die Eifersucht selbst^ 
35 der Höhe entstanden und warum die Eintracht selbst en 
standen ist. Und jenes Mysterium ^wov) weiß , waijj 
der Ha'ß entstanden und warum die Liebe entstanden ^ 
Und jenes Mysterium (^r lQ cov) weiß, warum die Uneinig 
entstanden und warum die Eintracht entstanden ist. 



Cap. 93. 



157 



jenes Mysterium (nvm^oiov) weiß, warum die Habsucht | ent- 214 
standen und warum die Entsagung (ä/toTayi}) von allem ent- 
standen und warum die Geldgier (xqw<*-) entstanden ist. 
Und jenes Mysterium (fivorrjQiov) weiß, warum die Eigenliebe 
(wörtl.: die Liebe des Bauches) entstanden und warum die 5 
Sattheit entstanden ist. Und jenes Mysterium {nvoTijqiov) weiß, 
warum die Gepaarten (ov£vyoi) entstanden und warum die Unge- 
paarten (xwQigovtvyot) entstanden sind. Und jenes M3'Sterium 
([ivOTr'iQinv) | weiß, warum die Gottlosigkeit entstanden und 216 
warum die Gottesfurcht entstanden ist. Und jenes Mysterium 10 
(fum-7jQiov) weiß, warum die Gestirne {fcoarf^eg) entstanden 
und warum die Funken (amv^sg) entstanden sind. Und 
jenes Mysterium {uvarr^iov) weiß, warum die Dreimalgewaltigen 
(iQtdwäueig) entstanden und warum die Unsichtbaren (StÖQazoi) 
entstanden sind. Und jenes Mysterium (fivcrfQiov) weiß, warum 15 
die Urväter (nQorräroqeg) entstanden und warum die Keinen 
(elhxQtveig) entstanden sind. Und jenes Mysterium (uvvnjQiov) 
weiß, warum der große Authades entstanden und warum seine 
Getreuen (rciavoi) entstanden sind. Und jenes Mysterium 
(pvoTTjoiov) weiß, warum der große Dreimalgewaltige 20 
vafug) entstanden und warum der große unsichtbare (äogatog) 
Urvater (/cgonärcoe) entstanden ist. Und jenes Mysterium 
(itvoTTjQtov) weiß, warum der dreizehnte Aeon (aiwv) entstanden 
und warum der Ort (rönog) | derer von der Mitte Uuaog) ent- 215 
standen ist. Und jenes Mysterium (uvgttiqiov) weiß, warum 26 
die Paralemptai (TtaQairßmTcu) der Mitte (/.tiaog) entstanden 
und warum die Lichtjungfranen (-Ttag&ivoi) entstanden sind. 
Und jenes Mysterium (fivorijQtov) weiß, warum die Diener 
(dtcc/.ovoi) der Mitte (,ueoog) entstanden und warum die Engel 
(«VreAot) der Mitte (fdaog) entstanden sind. Und jenes My-30 
sterium iunnrjqiov) weiß, j warum das Lichtland entstanden 217 
u »d warum der große Paralemptes (naqal^invrfi) des Lichtes 
entstanden ist. Und jenes Mysterium {nvatr^iov) weiß, warum 
"ie Wächter (<pvkaxeg) des Ortes (töitog) von der Rechten 
^standen und warum die Anführer (nQorjyovfievoi) von diesen 35 
e ntstanden sind. Und jenes Mysterium (fivat^Qiov) weiß, 
*avum das Tor (thUj?) des Lebens entstanden und warum 
^baotli, der Gute (äya&og), entstanden ist. Und jenes My- 
f er ium (itvovrjQiov) weiß, warum der Ort (xwros) von der 



158 



Pistis Sophia. 



Rechten entstanden und warum das Lichtland, d. i. der Licht- 
schatz (-9-rjaavgög), entstanden ist. Und jenes Mysterium (fiv- 
orrfgiov) weiß, warum die Emanationen (ngoßolai) des Lichtes 
entstanden und warum die zwölf Erlöser (acuT^Qeg) entstanden 
5 sind. Und jenes Mysterium (iwozriQiov) weiß, warum die drei 
Tore (7tvXat) des Lichtschatzes (-O-rjaavgög) entstanden und 

216 warum die neun Wächter (cpvlay.eg) entstanden sind. Und | 
jenes Mysterium (hvottiqiov) weiß, warum die Zwillingserlöser 
(-owzrßes) entstanden und warum die drei Amen (ä,mijV) ent- 

10 standen sind. Und jenes Mysterium (/.ivoti]qiov) weiß, warum 
die fünf Bäume entstanden und warum die sieben Amen (&nfy) 
entstanden sind. Und jenes Mysterium {^ivatriQiov) weiß, warum 
die Mischung (-/epao/ids), die nicht existiert, entstanden und 
warum sie gereinigt ist.« 
21S CAP. 94. | Es fuhr Jesus wiederum fort und sprach zu 
seinen Jüngern (/.la^rjTai): »Noch weiter (&«), meine Jünger 
(/xa&rjtal). seid nüchtern (vrj(p£iv), und ein jeder von euch führe 
die Kraft der Wahrnehmung (aiadyoig) des Lichtes vor sich 
her, auf daß ihr sicher vernehmet. Denn {yaq) von jetzt 

20 ab werde ich mit euch über den ganzen wahren (äkrj&sia) 
Ort (ttiiros) des Unaussprechlichen reden und über die Art, 
wie er ist.« 

Es geschah nun, als die Jünger (nccdrjTal) diese Worte 
Jesus hatten reden hören, zogen (bcxMvsiv) sie sich zurück 
25 und ließen gänzlich ab (sc. vom Zuhören). 

Da trat Maria Magdalena vor, stürzte sich hin vor die 
Füße Jesu, küßte sie und rief weinend aus: »Erbarme Dich 
meiner, mein Herr, denn meine Brüder haben gehört und ab- 
gelassen von den Worten, die Du ihnen sagst. Jetzt nun, 
30 mein Herr, in betreff der Erkenntnis aller dieser Dinge, die 
Du gesagt hast, daß sie sich in dem Mysterium (uuotrjQiov) \ 

217 des Unaussprechlichen befinden, — aber (&ilä) ich habe Dich 
zu mir sagen hören: >Von jetzt ab will ich beginnen (aQyead-ai), 
mit euch über die gesamte Erkenntnis des Mysteriums (nvarr,- 

3bgwv) des Unaussprechlichen zu reden< — dieses Wort nun 
(oiv), das Du sagst, bist Du denn noch nicht nahe gekommen, 
das Wort zu vollenden! Deswegen nun (oiv) haben meine 
Brüder gehört und haben abgelassen und aufgehört wahrzu- 
nehmen (aio&uveo&ai), in welcher Weise Du mit ihnen redest. 



Gap. 93—95. 



159 



Was die Worte, die Du ihnen sagst, anbetrifft, jetzt nun, 
mein Herr, wenn die Erkenntnis von all diesem sich in jenem 
Mysterium (uvorfoiov) befindet, wer ist der Mensch, der auf 
Erden (xöofiog), der die Fähigkeit hat, jenes Mysterium {uvcnr r 
qiov) mit all seinen Erkenntnissen | und den Typus (tvnog) all 219 
dieser Worte, die Du in betreff seiner gesagt hast, zu begreifen 
(voelv)?* 

CAP. 95. Es geschah nun, als Jesus diese Worte Maria 
hatte sagen hören, und erkannt, daß die Jünger (/.ladr^ai) ge- 
hört und angefangen (ÜQxeo&ai) hatten abzulassen, da er- 10 
mutigte er sie und sprach zu ihnen: Nicht seid mehr traurig 
(XvTtelod-cu), meine Jünger (nafhrjxai), in betreff des Mysteriums 
(pvorrjQtov) des Unaussprechlichen, indem ihr denkt, daß ihr 
es nicht begreifen (voelv) werdet, — wahrlich (ä/.irjv) ich sage 
euch: Euer ist jenes Mysterium (fivairjgiov) und das eines 15 
jeden, der auf euch hören wird, so daß sie dieser ganzen Welt 
(xöopog) und der ganzen in ihr befindlichen Materie (vlrj) ent- 
sagen (fotoräooeo&ai) und allen in ihnen befindlichen bösen 
(novrßoi) Gedanken entsagen {tmoTccoaeod-ai) und allen Sorgen 
dieses Aeons (cdwv) entsagen (&7tordooea9ai). Jetzt nun (oöv) 20 
sage ich euch : | Für einen jeden, der der ganzen Welt (xöa^tog) 218 
und allem in ihr Befindlichen entsagen (anordaaead-ai) und 
sich der Gottheit unterwerfen (vfcotäoaeo&ai) wird, ist jenes 
Mysterium (/.ivorrjoiov) leichter als alle Mysterien (/.tvorrjoia) 
des Lichtreiches, und es geziemt sich, es zu begreifen (voelv) 25 
mehr als sie alle, und es ist leichter als sie alle. Wer zu der 
Erkenntnis jenes Mysteriums (/.ivorrjotov) gelangen wird, ent- 
sagt (ä/cotdaasad-ai) dieser ganzen Welt (xöo/iog) und allen in 
ihr befindlichen Sorgen. 

Deswegen nun habe ich einst zu euch gesagt: >Alle, die 30 
mühselig und beladen sind (wörtl.: schwer sind unter ihrer 
Last), kommet her zu mir und ich will euch erquicken. | Denn 220 
(ytig) meine Last ist leicht und mein Joch ist sanft.< Jetzt 
n un, wer jenes Mysterium (ivorrjoiov) empfangen wird, der 
entsagt (aitotdaaeod-at) der ganzen Welt (xöo/.wg) und der 35 
Sorge der ganzen in ilir befindlichen Materie Deswegen 
Run (oiv), meine Jünger (na^rai), seid nicht traurig (i.v7telo3-ai), 

301. Matth. 11, 28. 30. 



160 



Pistis Sophia. 



indem ihr denkt, daß ihr jenes Mysterium (i.ivarrjgiov) nicht 
begreifen (voeiv) werdet. Wahrlich (&ur\v) ich sage euch: Jenes 
Mysterium (tivorijoiov) geziemt es sich eher zu begreifen (voeiv \ 
als alle Mysterien (nvGTrjQia), und wahrlich {ä/*rjv) ich sage 
5 euch: Jenes Mysterium (nvatqgiov) ist euer und das eines jeden, 
der der ganzen Welt (-/.öofiog) und der ganzen in ihr befind- 
lichen Materie (?%) entsagen (dftoTdooeo&cu) wird. Jetzt nun 
höret, meine Jünger (//a^rat) und meine Genossen und meine 
Brüder, damit ich euch zu der Erkenntnis des Mysteriums 

219 (uvtnrßiov) des Unaussprechlichen antreibe (ngoigirtBad-ai), | da- 
von ich mit euch rede, weil ich nämlich (ydg) dahin gelangt 
bin, die ganze Erkenntnis bei der Darlegung des Alls euch 
zu sagen, denn (ydg) die Darlegung des Alls ist seine Er- 
kenntnis. Aber (&Xld) jetzt nun höret, damit ich mit euch 

15 im Fortschritt (ngonoTt-rj) in betreff der Erkenntnis jenes 
Mysteriums (i.ivoxrßiov) rede: Jenes Mysterium (/xvcn^giov) 
weiß, weshalb sich die fünf Helfer (Tcagaardtac) abgemüht. 
(ay-vklsaif-ai.) haben und weshalb sie aus den Vaterlosen 
(artdrooeg) hervorgegangen (7tQoeQ%E&ai) sind. Und jenes 

20 Mysterium (fivarrjgiov) weiß, weshalb sich das große Licht 
der Lichter abgemüht (axvXlsaSai) hat und weshalb es aus 
den Vaterlosen (ärtdrogeg) hervorgegangen (ttgoe'gxeo&ai) ist. 
Und jenes Mysterium (/.ivozrfgiov) weiß, weshalb sich das erste 
221 Gebot abgemüht (oxvlXwSai) hat | und weshalb es sich in 

25 sieben Mysterien (^ivot^gia) zerteilt und weshalb es selbst 
das erste Gebot genannt und weshalb es aus den Vaterlosen 
(aTtdtoQsg) hervorgegangen (jtgoeg%eo&ai) ist. Und jenes 
Mysterium (fivozrjgiov) weiß, weshalb sich das große Licht der 
Lichteinschnitte (-xagayfiat) abgemüht (mvXXeo&ai) und wes- 

30 halb sie sich ohne Emanationen (TrgoßoXat) aufgestellt und 
weshalb sie aus den Vaterlosen (andtogeg) hervorgegangen 
(ngoegyea&ai) sind. Und jenes Mysterium (uvar^giov) weiß, 
weshalb sich das erste Mysterium (iivorrjgtov), d.h. das24ste 
Mysterium (fiuozrigiov) von außen, abgemüht (oxvXXso&ai) und 

35 weshalb es in sich nachahmte (?) die zwölf Mysterien (pvotrr 
gia) gemäß (xara) der Zahl der Anzahl (ägld-ftrjoig) der Un- 

220 faßbaren (dythgr^oi) \ und Unendlichen (äne'gavToi) und weshalb 
es aus den Vaterlosen (&ndxogsg) hervorgegangen (Ttgotgyeod-ai) 
ist. Und jenes Mysterium (iivarijgtov) weiß, weshalb sich die 



Cap. 95. jgj 

zwölf Unbeweglichen (äxivtpoi) abgemüht ((mvllead-ai) und 
weshalb sie sich mit all ihren Ordnungen («f|«g) aufgestellt 
haben und weshalb sie aus den Vaterlosen (indrogeg) her- 
vorgegangen (TtQoiQxea&ai) sind. Und jenes Mysterium 
(uvatrieiov) weiß, weshalb sich die Unerschütterlichen (dad- 5 
levtoi) abgemüht (oxvlleo&ai) und weshalb sie sich, in zwölf 
Ordnungen (nffetg) geteilt, aufgestellt haben und weshalb sie 
aus den Vaterlosen {drcdzogeg), die zu den Ordnungen (rdgetg) 
des Baumes (x<'<QW a ) des Unaussprechlichen gehören, hervor- 
gegangen faoiMea9ai) sind. | Und jenes Mysterium ( f watr r 222 
qiov) weiß, weshalb sich die Undenkbaren {dtwöijtoi), die zu 
dem zweiten Räume {xtigwa) des Unaussprechlichen gehören, 
abgemüht (axvl).ea»ai) und weshalb sie aus den Vaterlosen 
pndroQeg) hervorgegangen (7tgoeg X Eo&ai) sind. Und jenes 
.Mysterium (fivoTfaiov) weiß, weshalb sich die zwölf Unbe- 15 
zeichneten (iar^avroi) abgemüht (mvUea&ai) und weshalb sie 
sich hinter allen Ordnungen der ä/tümnoi (ti/rfmoi) 

aufgestellt haben, indem sie selbst unfaßbar (d X wgr]Toi) und 
unendlich [drcegavzoi) sind, und weshalb sie aus den Vater- 
losen (andioQtg) hervorgegangen (TtgoEgxwd-ai) sind. Und 20 
jenes Mysterium (ttvomfoiov) weiß, weshalb sich die äfivvavzoi 
Qdu^wtoi) abgemüht (mo&iAea&ai) haben, diese, welche sich 
nicht angezeigt (fir^veiv) noch (odöe) sich in die Öffentlichkeit 
gebracht haben gemäß (xazd) der Einrichtung (ohovofäa) 
des Einzigen, des Unaussprechlichen, und weshalb sie hervor- 25 
gegangen (ngoegxead-ai) sind j aus den Vaterlosen (ändrogeg). 221 
Und jenes Mysterium (pvoifaiov) weiß, weshalb sich die vnsg- 
ßa&o, abgemüht (a/.öiXsa&ai) und weshalb sie sich verteilt 
haben, seiend eine einzige Ordnung (zdgig), und weshalb sie 
a «s den Vaterlosen {&jtdzogEg) hervorgegangen {rtgotgxEo&ai) 30 
s>nd. Und jenes Mysterium (ftvoTi^wv) weiß, weshalb sich 
a »e zwölf Ordnungen (zd^ig) der Unaussprechlichen (dgg^roi) 
%emüht {oY.vD.EO&ai) und weshalb sie sich zerteilt haben, 
seiend drei Teile {/.tegiöeg), und weshalb sie aus den Vater- 
°sen (ÜTTdioQEg) hervorgegangen (Ttgoegxsoö-ai) sind. 35 

Und jenes Mysterium ißvazrigiov) weiß, weshalb sich alle 
»vergänglichen (acpd-ugioi), 1 seiend zwölf Örter {xditoi), abge-228 
fi ht (oxv/liod-ai) haben und weshalb sie sich, hintereinander " 
einer einzigen Ordnung (vdt-ig) ausgebreitet, niedergelassen 

[ Schmidt: Pistis Sophia. U 



162 



Pigtis Sophia. 



haben, und weshalb sie sich zerteilt und verschiedene Ord- 
nungen (vdi-eig) gebildet haben, indem sie selbst unfaßbar 
(&%d>Qr[ioi) und unendlich {aniqavtoi) sind, und weshalb sie 
aus den Vaterlosen (ättätogeg) hervorgegangen (nQoeQxeo&ai) 

5 sind. Und jenes Mysterium (iivorrßiov) weiß, weshalb sich 
die Unendlichen (ItniQavcoi) abgemäht (o-Avlteod-ai) haben 
und weshalb sie sich aufgestellt, seiend zwölf unendliche 
(&7iiQavToi) Käume (x^GW 01 ™), und sich niedergelassen haben, 
seiend drei Ordnungen (xd^ug) von Räumen (x ül QW a ' ia ) gemäß 

10 (xaict) der Einrichtung {oinovo^la) des Einzigen, des Unaus- 
sprechlichen, und weshalb sie aus den Vaterlosen (iitdtoqsg) 
hervorgegangen (ngoiQxea&ai) sind. Und jenes Mysterium 
{(ivairiQiov) weiß, weshalb sich die zwölf Unfaßbaren (äx^9V TOt ) 
abgemüht (oxvileo&cu) haben, welche zu den Ordnungen 
222 (rtfl-ctg) | des Einzigen, des Unaussprechlichen gehören, und 
weshalb sie ans den Vaterlosen (anäTOQsg) hervorgegangen 
(nqoiQxsad-ai) sind, bis daß sie gebracht wurden zu dem 
Räume (x^Qr^ta) des ersten Mysteriums (fivai^Qiov), welches 
ist der zweite Raum (zcip^jtta). Und jenes Mysterium (pvotrj- 

20 qiov) weiß, weshalb sich die 24 Myriaden Lobpreiser (vfivevtai) 
abgemüht (oxtäleo&ai) und weshalb sie sich ausgebreitet 
außerhalb des Vorhanges (xanaTthaafia) des ersten Mysteriums 
(ßimi^giov), welches ist das Zwillingsmysterium (-^votjjqiov) des 
Einzigen, des Unaussprechlichen, jenes, das hinein- und das 

25 hinausblickt, und weshalb sie aus den Vaterlosen (&näTOQec) 
hervorgegangen (TtqoiQxeaSai) sind. Und jenes Mysterium 
224 (pvatriQiov) weiß, weshalb | sich alle Unfaßbaren (i%d>^qtoi) ab- 
gemüht (axvlkea9ai) haben, die ich soeben genannt habe, die 
in den Örtern (rÖTtoi) des zweiten Raumes (x<>>QW a ) des Un- 

30 aussprechlichen sind, welches ist der Raum (x(!>Qrj[xa) des ersten 
Mysteriums (/.ivottiqiov), und weshalb jene Unfaßbaren (&X&' 
Qrjtoi) und jene Unendlichen (&7teQ<xvroi) aus den Vaterlosen 
(&7täxo(>£s) hervorgegangen (jtQoiqx^^ai) sind. Und jenes 
Mysterium ((ivar^cov) weiß, weshalb sich die 24 Mysterien 

35 (fivaxriqia) des ersten zginvEv/iatog abgemüht (oxvkleo&ai) haben 
und weshalb sie die 24 Räume {x^Q^ tt%a ) des ersten zqucv^' 
luttog genannt und weshalb sie aus dem zweiten TQinvevfiat 0 ^ 
hervorgegangen (7tQoeQx ea & al ) sind. Und jenes Mysteriös 
(nvorrjQiov) weiß, weshalb sich die 24 Mysterien {fivati\e ltt i 



dp. 95. 163 

des I zweiten zQirtvevfiarog abgemüht (oxvtäeo&ai) haben und 223 
weshalb sie aus dem dritten t^mvsvftcnog hervorgegangen 
( f ce<>£eX ead ' ai ) sind - Und J' enes Mysterium (tivozijQtov) weiß, 
weshalb sich die 24 Mysterien (jj.vmf#ia) des dritten zqinvev- 
ftarog, d. h. die 24 Räume (xwQjjfiaza) des dritten zqmvev- 5 
luctog, abgemüht {oxvlleo&ai) haben und weshalb sie aus den 
Vaterlosen (äTtdzoQeg) hervorgegangen (TtgoeQxw&cu) sind. Und 
jenes Mysterium (fivozrßiov) weiß, weshalb sich die fünf Bäume 
'des ersten zQutvEvpazos abgemüht (oxvlXeo&ai) und weshalb 
sie sich ausgebreitet haben, stehend hintereinander und ferner 10 
gebunden aneinander mit all ihren Ordnungen (rdl-eig), und 
weshalb sie aus den Vaterlosen (mcdzoQsg) hervorgegangen 
(jtQofy%eo&cti) sind. | Und jenes Mysterium (jwavqqiov) weiß, 226 
weshalb sich die fünf Bäume des zweiten rqiTtvevftazog abge- 
müht (oxvMea&ai) haben und weshalb sie aus den Vaterlosen 15 
(äadzoeeg) hervorgegangen (7CQoeQxea&ai) sind. Und jenes 
Mysterium ((ivorrfeiov) weiß, weshalb sich die fünf Bäume des 
dritten TQiTtvevuarog abgemüht (oxtäleo&ui) haben und weshalb 
sie aus den Vaterlosen (&ndzoQeg) hervorgegangen {7iQoiQ%£o9ai) 
sind. Und jenes Mysterium (nvaz^Qiov) weiß, weshalb sich 20 
die 7TQoax<!iQi]Tot des ersten TQinvEv^unog abgemüht (mn>X).eo&ai) 
haben und weshalb sie aus den Vaterlosen (cmdzoQeg) hervor- 
gegangen {TtQoiQxw&ai) sind. Und jenes Mysterium (/.ivozr^iov) 
weiß, weshalb sich die TtQoaxdiQrjzot des zweiten zQiTtvevfiazog 
abgemüht (axvklea&ai) haben und weshalb | sie aus den Vater- 224 
losen (dicvtoQtg) hervorgegangen (itQoe'Qxeo&cu) sind. Und 
jenes Mysterium (fjvozfawv) weiß, weshalb sich alle 7tQoa X (i>- 
e^ot des dritten zQijtvevfiazog abgemüht (oxvMeo&cu) haben 
«nd weshalb sie aus den Vaterlosen (&itdzoQeg) hervorgegangen 
\nQot ma $ ai } S i nd Und j enes Mysterium (pvotfaiov) weiß,30 
deshalb sich der erste TQifcvev/iazog von unten abgemüht 
wrthoöai) hat, diese (sc. zQinvevftazoi), welche zu den Ord- 
"flgen (rd^eie) des Einzigen, des Unaussprechlichen gehören, 
Weshalb er aus dem zweiten z^mvev^iazog hervorgegangen 
** 0e QXeo&ai) ist. Und jenes Mysterium {nvozrßiov) weiß, 35 
^shalb sich der dritte zQinvEvftazog, d. h. der erste zäumst. 
*tts°fl V0 ™ ° ben ' ' ab £ emüht (oxvMw&ai) hat, und weshalb er 226 
(»ott zwölften TtQozQinvevfiazog, der in dem letzten Orte 
n °s) der Vaterlosen {andzoQeg) ist, hervorgegangen {nqo- 



164 



Piatis Sophia. 



egxeo&ai) ist. Und jenes Mysterium (/ivorfgiov) weiß, weshalb 
alle Örter (rönoi), die in dem Ranme (xdiQi^ia) des Unaus- 
sprechlichen, und alle die in ihnen Befindlichen sich ausge- 
breitet haben und weshalb sie aus dem letzten Gliede tytfKps) 
ödes Unausspreclüichen hervorgegangen (rtQotQxead-ai) sind. 
Und jenes Mysterium (pvorrjoiov) kennt sich selbst, weshalb 
es sich abgemüht {ov.vlUo&ai) hat, um hervorzugehen (jiqosq- 
Xeo&ai) aus dem Unaussprechlichen, welcher ist der, welcher 
über sie alle herrscht (Sqxsiv) und welcher sie alle ausgebreitet 

225 hat gemäß (xoetd) | ihren Ordnungen (rdgetg). 

CAP. 96. Diese alle nun werde ich euch bei der Dar- 
legung des Alls sagen, mit einem Worte (anat-ajclCbg) alle 
die, welche ich euch gesagt habe: die, welche entstehen und 
welche kommen werden, die, welche emanieren (fcooßdlleiv) 

15 und welche hervorgehen (itQoiQxeo&ai), und die, welche außer- 
halb über sie sind, und die, welche in ihnen gewachsen sind, 
die, welche den Ort des ersten Mysteriums (jivorfiQiov) ein- 
nehmen (%wQelv) werden, und die, welche in dem Räume 
(xd)Qrjfia) des Unaussprechlichen befindlich sind, diese, welche 

20 ich euch sagen werde, daß ich sie euch offenbaren werde und 
sie euch sagen werde gemäß jedem Orte (xaza xöitov) und 
gemäß jeder Ordnung (xcna rd^cv) bei der Darlegung des 
Alls. Und ich werde euch offenbaren alle ihre Mysterien 
(/.ivozrjQia), die über sie alle herrschen (äoxetv), und ihre 

2öftQOTQi7tvevf.iaToi und ihre vjTEqTQiTtvEvjiazoi, welche über ihre 
Mysterien (fivozrfoia) und ihre Ordnungen (räl-etg) herrschen 

227 Jetzt nun (oh) | das Mysterium (hvoti}qiov) des Unaus- 
sprechlichen weiß, weshalb diese alle entstanden, von denen 

30 ich offen (nafärjoia) gesagt habe, und durch wen diese alle 
entstanden sind. Und es ist das Mysterium (pvozifeiov), das 
in diesen allen, und es ist ihrer aller Ausgang, und es ist 
ihrer aller Aufgang und es ist ihrer aller Aufstellung, und 
das Mysterium (ftvarrjQiov) des Unaussprechlichen ist das 

35 Mysterium (hvotijqiov), das in diesen allen, die ich euch gesagt 
habe und die ich euch bei der Darlegung des Alls sagen 
werde. Und es ist das Mysterium ((.ivan]qiov), das in diese* 1 
allen, und es ist das einzige Mysterium (f.iva%r l Qiov) des l 

226 aussprechlichen und die Erkenntnis von all diesen, | die i 0 " 1 




Cap. 95. 96. 



165 



euch gesagt, und die ich euch sagen werde, und die ich euch 
nicht gesagt habe; diese werde ich euch alle sagen bei der 
Darlegung des Alls und ihre gesamte Erkenntnis beieinander, 
weshalb sie entstanden sind. Es ist das einzige Wort des 
Unaussprechlichen. Und ich werde euch die Darlegung 5 
aller ihrer Mysterien (/.ivai^Qia) und die Typen (rvitot) eines 
jeden von ihnen und die Weise ihrer Vollendung in all ihren 
Formen (oxtfttaza) sagen. Und ich werde euch das Mysterium 
(ftvarrjQtov) des Einzigen, des Unaussprechlichen sagen und 
alle seine Typen {rvitoi) und alle seine Formen (ayr^iara) und 10 
seine ganze Einrichtung (ofaovo/xla), weshalb es aus dem 
letzten Gliede (/««'Aog) des Unaussprechlichen hervorgegangen 
(rtQO£Q%eGd-ai) ist. Denn jenes Mysterium {^ivot^qiov) ist ihrer 
aller Aufstellung, und jenes Mysterium i}ivatriQiov) des Unaus- 
sprechlichen | ist ferner ein einziges Wort, das auch existiert 228 
in der Sprache des Unaussprechlichen, und es ist die Ein- 
richtung {oiy.ovoj.iia) der Auflösung aller Worte, die ich euch 
gesagt habe. Und wer das einzige Wort jenes Mysteriums 
((ivoTi'jQiov) empfangen wird, das ich euch jetzt sagen werde, 
und alle seine Typen (tvmoi) und alle seine Formen (pxrjucna) 20 
und die Weise, sein Mysterium (nvozfaiov) zu vollenden, — 
weil ihr seid vollkommen (züsioi) und ganz vollkommen 
(navzüuoi) und ihr, die vollenden werden die ganze Er- 
kenntnis jenes Mysteriums (/xvazr^iov) und seiner ganzen Ein- 
richtung (oixovofiia), denn euch sind alle Mysterien (pvozrjQia) 25 
anvertraut, — höret nun jetzt, damit ich euch jenes Myste- 
rium (iwar^Qiov) sage, das heißt : Wer | nun das einzige Wort 227 
des Mysteriums (nvozrjQiov) , das ich euch gesagt habe, 
empfangen wird, wenn er aus dem Körper (oGt/xa) der Materie 
ißlif) der Archonten (aQxovreg) herauskommt, und wenn die 30 
iqivuioi naoalr^iitzcu, kommen und wenn ihn aus dem Körper 
(oöfta) der Materie (vhj) der Archonten (ÜQxovzeg) lösen die 
l Qti'aioi jiagaXiinjttat, d. b. die, welche alle aus dem Körper 
(<M5ua) herausgehenden Seelen (xpvxai) lösen, — wenn nun die 
fyivaioi 7taQa?.fjfimai die Seele (rf)vxr'j) lösen, die dieses einzige 35 
Mysterium (fivozfyiov) des Unaussprechlichen empfangen hat, 
^a-s ich euch jetzt soeben gesagt habe, so wird sie sofort, 
^enn sie aus dem Körper (a&jia) der Materie (iSlrj) gelöst 
wi rd, ein großer Lichtabfluß {-&n6qQota) inmitten jener 



1 



166 



Pistis Sophia. 



229 7taqalfiH7ttm werden, | und es werden sich die rtaQcdijixa;zcu vor 
dem Lichte jener Seele (ipvxrf) sehr fürchten, und es werden 
die rtaQalfjfiTtTai ermattet werden und hinfallen und über- 
haupt ablassen infolge der Furcht vor dem großen Lichte, 

5 das sie gesehen haben. Und die Seele (V0f>D> die das 
Mysterium (^tvoz^giov) des Unaussprechlichen empfängt, wird 
in die Höhe fliegen, seiend ein großer Lichtabfluß (-ä7tÖQQoia) i 
und nicht werden sie die Tcaqai^mai erfassen können und 
nicht wissen, wie beschaffen der "Weg ist, auf dem sie gehen 

10 wird. Denn sie wird ein großer Lichtabfluß und fliegt in die 
Höhe, und keine Kraft (övvafug) ist imstande, sie überhaupt 
228 festzuhalten tyazi%uv), noch (ovöe) | wird sie imstande sein, ihr 
überhaupt zu nahen, sondern (alld) sie durchwandert alle 
Örter (zditoi) der Archonten (äoxovzeg) und alle Örter (zönoi) 

15 der Emanationen (7tooßo)M) des Lichtes, und nicht gibt sie 
an irgendeinem Orte (zöitog) Antworten (drrorpdosig) , noch 
(ovöe) gibt sie Verteidigungen (&7to).oylai), noch (ovöe) gibt sie 
Geheimzeichen (ov^ßola), noch (ovöe) wird nämlich (ydo) 
irgendeine Kraft der Archonten (ä^oiies), noch irgendeine 

20 Kraft der Emanationen (nooßohxi) des Lichtes imstande sein, 
jener Seele (ipvx^) zu nahen, sondern (dlld) alle Örter (toVcm) 
der Archonten (ägxovzeg) und alle Örter (zönot) der Emana- 
tionen (TtQoßoXal) des Lichtes — ein jeder lobpreist (i/.ivev'ei.v) 
sie in ihren Örtern (zötzoi), indem sie sich fürchten vor dem 

25 Lichte des Abflusses (Smöggoia), das jene Seele (rpvxrj) um- 
hüllt, bis daß (i'wg) sie sie alle durchwandert und zu dem 
Orte (zonog) des Erbes (x).rjQovo/iia) des Mysteriums (fivaz^gtov) 
geht, welches sie empfangen hat, d. h. zum Mysterium (fivozrjoiov) 

230 des Einzigen, des Unaussprechlichen, und bis sie | mit seinen 
30 Gliedern (ß^hj) vereinigt ist. Wahrlich (&[irjv), ich sage euch : 

Sie wird an allen Örtern (zörtoi) sein in dem (kurzen) Zeit- 
abschnitt (Spanne), daß ein Mensch einen Pfeil abschießt- 
Jetzt nun wahrlich (&pfy), ich sage euch: Jeder Mensch, der 
jenes Mysterium (/.woz^qiov) des Unaussprechlichen empfangen 
35 und in allen seinen Typen (zv7toi) und allen seinen Forme 11 
(oxrjfiaza) vollenden wird, ist ein Mensch, befindlich in der 
"Welt (KÖOfiog), aber (&U.d) er überragt alle Engel (äyyeloi) 
und wird sie alle noch mehr überragen, ein Mensch ist er. 



befindlich auf der Welt (xöofiog), aber (älXd) er überrag 1 




Cap. 96. 167 

alle Erzengel (ÜQxdyyeXoi) und wird noch mehr überragen 1 229 
g je alle, — ein Mensch ist er, befindlich auf der Welt 
(xöofiog) , aber (dlXd) er überragt alle Tyrannen ' (zvqccvvoi) 
und wird sich über sie alle erheben, — ein Mensch 
ist er, befindlich auf der Welt (xöoftog), aber (dXXd) er überragt 5 
alle Herren und wird sich über sie alle erheben, — ein Mensch 
ist er, befindlich auf der Welt (xöaiiog), aber (&XXd) er über- 
ragt alle Götter und wird sich über sie alle erheben, — ein 
Mensch ist er, befindlich auf der Welt (xöafiog), aber (aXXd) 
er überragt alle Gestirne (cptoorijosg) und wird sich über sie 10 
alle erheben, — ein Mensch ist er, befindlich auf der Welt 
(xdo/xog), aber (äXXd) er überragt alle Reinen (e'dixoivelg) und 
wird sich über sie alle erheben, — ein Mensch ist er, befind- 
lich auf der Welt (xöafiog), aber (äXXd) er überragt alle Drei- 
malgewaltigen (rQiSwdfieig) und wird sich über sie alle er- 15 
heben, — ein Mensch ist er, befindlich auf der Welt (xöafiog), 
aber (&XXd) er überragt alle Urväter (7tQ07t&voQeg) und wird 
sich über sie alle erheben, — ein Mensch ist er, befindlich 
auf der Welt (xöafiog), aber (iXXd) er überragt alle Unsicht- 
baren (öcoqcctoi) und wird sich über sie alle erheben, — ein 20 
Mensch ist er, befindlich auf der Welt (xöafiog), aber (äXXd) 
er überragt den großen | unsichtbaren (döqazog) Urvater 231 
{rtQOTtäToiQ) und wird sich auch über ihn erheben, — ein Mensch 
ist er, befindlich auf der Welt (xöafiog), aber (aXXd) er über- 
ragt alle die von der Mitte (fieaog) und wird sich über sie 25 
alle erheben, — ein Mensch ist er, befindlich auf der Welt 
(xöauog), aber (äXXd) er überragt die Emanationen (rcQoßoXai) 
des Lichtschatzes (-9i}aavqög) und wird sich über sie alle 
erheben, — ein Mensch ist er, befindlich auf der Welt (xöa- 
(Mos), aber (&XXd) er überragt die Mischung (xeqaofiög) und 1 230 
wird sich über sie ganz erheben, — ein Mensch ist er, be- 
findlich auf der Welt (xöauog), aber (AXXd) er überragt den 
ganzen Ort (rönog) des Schatzes (Ö-Tjoavoög) und wird sich 
über ihn ganz erheben, — ein Mensch ist er, befindlich auf 
der Welt (xöauog), aber (AXXd) er wird mit mir in meinem 35 
Reiche herrschen, — ein Mensch Ist er, befindlich auf der 
Welt (xöafiog), aber (AXXd) er ist König in dem Lichte, — ein 
Mensch ist er, befindlich auf der Welt (xöafiog), aber (AXXd) 
ßicht ist er einer von der Welt (xöafiog). Und wahrlich (&u^v) 



168 



Pistis Sophia. 



ich sage euch: Jener Mensch bin ich und ich bin jener 
Mensch, und bei der Auflösung der Welt (xöopog), d. h. wann 
das All hinaufsteigt und wann insgesamt die Zahl (&Qi&fi6s) 
der vollkommenen (x&uoi) Seelen (rpvxat) hinaufsteigt, und 
5 wann ich König in der Mitte des letzten Helfers (naqaardTr^) 
bin, indem ich König über alle Emanationen (itqoßoiai) des 
Lichtes bin und König über die sieben Amen (&ptp>) und die 
fünf Bäume und die drei Amen (äfiyv) und die neun Wächter 
(rpvlaxeg), und indem ich König über das Kind des Kindes 

10 bin, welches sind die Zwillingserlöser (-ffo^peg), und indem 
ich König über die zwölf Erlöser (atütrjQeg) bin und über die 
232 ganze Zahl \ {ägiöftög) der vollkommenen (zileioi) Seelen 
(xfivy,ai), welche Mysterien (fivmfaut) im Lichte empfangen 
werden, — dann werden alle Menschen, die Mysterien 

\b{namriQia) in dem Unaussprechlichen empfangen werden, mit 
mir Mitkönige sein und zu meiner Rechten und zu meiner 
Linken in meinem Reiche sitzen. Und wahrlich (ä/iijv) ich 
sage euch: Jene Menschen sind ich und ich bin sie. Deswegen 
nun habe ich einst zu euch gesagt: »Ihr werdet sitzen auf 
231 euren | Thronen (3-QÖvot) zu meiner Rechten und zu meiner 
Linken in meinem Reiche und werdet mit mir herrschen.; 
Deswegen nun habe ich mich nicht gescheut noch (piöi) ge- 
schämt, euch »meine Brüder und meine Genossen« zu heißen, 
weil ihr Mitkönige mit mir in meinem Reiche sein werdet. 

25 Dieses nun sage ich zu euch, wissend, daß ich euch das 
Mysterium (fivtnrjQiov) des Unaussprechlichen geben werde, 
d. h. jenes Mysterium (/.ivarr^iov) bin ich und ich bin jenes 
Mysterium {/j.vo%i]qiov). Jetzt nun werdet nicht nur (ov pfoov) 
ihr mit mir herrschen, sondern alle Menschen, die das My- 

30 Stenum (jtvotrjQiov) des Unaussprechlichen empfangen werden, 
werden mit mir Mitkönige in meinem Reiche sein, und ich 
bin sie und sie sind ich, aber (&XXä) mein Thron (■»qövog) 
wird sie überrragen, weil ihr auf der Welt (xöofiog) vor 
(Ttaqä) allen Menschen Leiden erdulden werdet, bis daß (eug) 

36 ihr alle Worte, die ich zu euch sagen werde, verkündiget 
(yitjQvaae.iv), — aber (&)M) exire Throne (&qovoi) werden dem 
meinigen angeheftet sein in meinem Reiche. Deswegen habe 
ich einst zu euch gesagt: »Wo ich sein werde, da werden 
19 Vgl. Matth. 19, 28; Luk. 22, 30.- 38 Vgl. Joh. 12, 26. 




Cap. 96. 97. 



169 



mit mir auch meine zwölf Diener (öiäxovot) sein.« Aber 
(&Md) | Maria Magdalena und Johannes, der Jungfräuliche 233 
\aaQ9evos), werden überragen alle meine Jünger ([la&rjtai), 
und alle Menschen, die Mysterien (/ivorrjQia) in dem Unaus- 
sprechlichen empfangen werden, werden zu meiner Rechten 5 
und zu meiner Linken sein, und ich bin sie und sie sind ich, 
und sie werden mit euch in allen Dingen gleich sein, nur 
vielmehr (äXXa Tthqv) werden eure Throne (■d-gövot) den ihrigen 
überragen und mein eigner Thron (ÖQÖvog) | wird den eurigen 232 
überragen. Und alle Menschen, die das Wort des Unaus-io 
sprechlichen finden werden, wahrlich (<i,u)?j')ich sage euch : Die 
Menschen, die jenes Wort kennen werden, werden die Er- 
kenntnis aller dieser Worte, die ich euch gesagt habe, kennen, 
die von der Tiefe (ßddog) und die von der Höhe, die von der 
Länge und die von der Breite, mit einem Wort (ä7ta£a7tXGig), 15 
sie werden die Erkenntnis aller dieser Worte kennen, die 
ich euch gesagt habe und die ich euch noch nicht gesagt 
habe, die ich euch gemäß jedem Orte (xata xönov) und gemäß 
jeder Ordnung (koto z6^lv) bei der Darlegung des Alls sagen 
werde. Und wahrlich (H/u/jv) ich sage euch: Sie werden wissen, 20 
in welcher Weise die Welt (xod.aog) eingesetzt ist, und sie 
werden wissen, in welchem Typus (ivrcog) alle die von der 
Höhe eingesetzt sind, und sie werden wissen, aus welchem 
Grunde das AU entstanden ist.« 

CAP. 97. Als nun dieses der Erlöser (aiorr^) gesagt 25 
hatte, da stürzte Maria Magdalena vor und sprach: >Mein 
Herr, ertrage mich | und zürne mir nicht, wenn ich nach allen 234 
Dingen bestimmt und zuverlässig (äacpükEia) frage. Jetzt 
nun, mein Herr, ist denn verschieden das Wort des Mysteriums 
{livoTijQiov) des Unaussprechlichen und verschieden das Wort 30 
der ganzen Erkenntnis?« 

Es antwortete der Erlöser (aonr^) und sprach: »Ja, ver- 
schieden ist das Mysterium (hvot^qcov) des Unaussprechlichen 
tod verschieden das Wort der ganzen Erkenntnis.« 

Es antwortete aber (<?/) wiederum Maria und sprach zum 36 
Erlöser («romjp): »Mein Herr, ertrage mich, wenn ich Dich 

8 Der Text maß verderbt sein, denn in Wahrheit müßte der Satz 
*anten : »nur ihre Throne werden den enrigen überragen nnd mein eigener 
Thron wird den ihrigen (nämlich den der Maria und des Johannes) überragen«. 



170 



Piatis Sophia. 



frage, und zürne mir nicht. Jetzt nun, mein Herr, außer 
wenn (ei (iiftt)vnr leben und die Erkenntnis des ganzen Wortes 
des Unaussprechlichen kennen, werden wir nicht imstande 
sein, das Lichtreich zu ererben (xl^govo/ielv)?* 

233 Es antwortete | aber (öt) der Erlöser (tnunfe) und sprach 
zu Maria: »Gewiß, denn (yÜQ) ein jeder, der das Mysterium 
(ftvorrjQiov) des Lichtreiches empfangen wird, wird gehen und 
ererben (xi.rjQovofieiv) bis zu dem Orte (rönog), bis zu welchem 
er Mysterien (fivozrigia) empfangen hat, aber (&XM) nicht 
10 wird er die Erkenntnis des Alls kennen, weshalb dieses alles 
entstanden ist, außer wenn (d fiifci) er das einzige Wort des 
Unaussprechlichen kennt, welches ist die Erkenntnis des Alls, 
und wiederum deutlich ((paveq&g): ich bin die Erkenntnis des 
Alls. Und ferner ist es unmöglich, das einzige Wort der 

15 Erkenntnis zu kennen, außer wenn (el ftfei) er erst das My- 
sterium (fivar^Qiov) des Unaussprechlichen empfängt; aber 
(&lXd) alle Menschen, die Mysterien (fivartjgia) in dem Lichte 
empfangen werden, — ein jeder wird gehen und ererben 
(xXrjQovoixelv) bis zum Orte (rönog), bis zu welchem er Myste- 

20rien (pvoirfQia) empfangen hat. Deswegen habe ich zu euch 
einst gesagt: >Wer einem Propheten (itgocptfiris) glaubt 
235 (moretiuv), | wird den Lohn eines Propheten (ttQoq>^vijg) emp- 
fangen, und wer einem Gerechten (ßixcuog) glaubt (mmeveiv), 
wird den Lohn eines Gerechten (öimiog) empfangene, d. h. 

25 zu dem Orte, bis zu welchem ein jeder Mysterien (ftvorfQia) 
empfangen hat, wird er gehen ; wer ein geringeres empfängt, 
wird das geringere Mysterium (/.ivot^qiov) ererben (xXt]Qovofielv), 
und wer ein höheres Mysterium (nvmr t Qiov) empfangen wird, 
wird die höheren Orter (xöitoi) ererben (n).t]Qovofislv). Und 

30 ein jeder wird an seinem Orte (törtog) im Lichte meines 
Reiches bleiben, und ein jeder wird die Macht (l^ovaia) über 
die Ordnungen (™*§etg) haben, die unterhalb von ihm, aber 
(aXkd) nicht wird er die Macht (el-ovola) haben, zu den Ord- 
nungen (zdl-eig), die oberhalb von ihm, zu gehen, sondern 

35 (&M.6) er wird an dem Orte (rörtog) des Erbes (xXrjQovopia) des 
234 Lichtes | meines Reiches bleiben, befindlich in einem großen, 
für die Götter und alle Unsichtbaren (äögaroi) unermeßlichen 
Lichte, und er wird in großer Freude und großem Jubel sein- 
21 Vgl. Matth. 10, 41. 



Cap. 97. 



171 



Jetzt nun aber höret, damit ich mit euch in betreff der 
Herrlichkeit derer rede, die das Mysterium (jivorfQiov) des 
ersten Mysteriums ((ivorrjQiov) empfangen werden. Wer nun 
(piv) das Mysterium {/.ivot^qiov) jenes ersten Mysteriums 
(jivtnrßtov) empfangen wird, und es wird an der Zeit sein, 5 
wo er ans dem Körper (aapa) der Materie (Skrj) der Archonten 
(Hex ovt£ s) herauskommen wird, so werden die eqivaloc Ttaqa- 
irjfiTtioQeg kommen und die Seele (V t '%»D jenes Menschen 
aus dem Körper (owfia) führen. Und jene Seele wird ein 
großer Lichtabfluß in den Händen der iqivaloi naQaXr^mxoqEg 10 
werden, und jene itaqaXf^itxai werden sich vor dem Licht 
jener Seele (ifivxrf) fürchten, und jene Seele {ipvyr'i) wird nach 
oben gehen und alle Orter (töttoi) der Archonten (&QX 0Vte s) 
und alle Örter (iwrot) der Emanationen (Ttgoßolal) des Lichtes 
durchwandern, und | nicht wird sie geben Antworten {aitorpä- 236 
aeig) noch (ovöe) Verteidigungen (arcoloytcti) noch Geheimzeichen 
(avfißola) an irgend einem Orte {xöitog) des Lichtes noch 
(oiös) an irgend einem Orte (rortag) der Archonten (aqyovieg), 
sondern (&lld) sie wird alle Örter (rortot) durchwandern und 
sie alle überschreiten, so daß sie geht und über alle Örter 20 
(tötioi) des ersten Erlösers (aiozr^) herrscht. In gleicher 
Weise (pfiolag) auch, wer das zweite Mysterium (hvot^qiov) 
des ersten Mysteriums {[ivtm'iqiov) und das dritte und vierte 
empfangen wird, bis daß (ecog) er das zwölfte Mysterium 
(jivorrßiov) des ersten Mysteriums (/xvorrjQiov) empfangen wird, 25 
wenn es an der Zeit sein wird, | wo er aus dem Körper (aa/za) 235 
der Materie (vXrj) der Archonten (äQxoweg) herauskommen wird, 
so werden kommen die eqivaloi Tragal^umogeg und führen die 
Seele (tpvx^) jenes Menschen aus dem Körper (ertfyta) der 
Materie (vhrj). Und jene Seelen (rpvxai) werden ein großer 30 
Lichtabfluß in den Händen der Iqtvaloi ■Ttaqah'nj.moQeg) werden, 
und jene naqa).\]\iit%ai werden sich vor dem Lichte jener 
Seele (Vujpf) fürchten und ermattet werden und auf ihr Antlitz 
fallen. Und jene Seelen (ifjvxai) werden sofort nach oben 
fliegen und alle Orter (%6jtoi) der Archonten (äqxovzeg) und 36 
alle Örter (tötcoi) der Emanationen (nqoßokai) des Lichtes 
fiberschreiten, und nicht werden sie Antworten {änocpaaEig) 
noch (ovöi) Verteidigungen (äTtokoyiai) noch (ovöi) Geheim- 
zeichen (avußola) an irgendeinem Orte (rönog) geben, sondern 



172 



Pistis Sophia. 



{aXla) sie werden alle Örter (rÖTtoi) durchwandern und sie 
alle überschreiten und über alle Örter (rönoi) der zwölf Er- 
löser (oanijQEg) herrschen, so daß (äaze) die, welche das zweite 
Mysterium (fivorrjQiov) des ersten Mysteriums (/j-vorrjotov) emp- 
237 fangen, j über alle Örter (rönoi) des zweiten Erlösers (oanfß) 
in den Erbteilen (xXr^ovofdai) des Lichtes herrschen werden. 
In gleicher Weise (öuoiwg) auch die, welche das dritte My- 
sterium {nvotrjQiov) des ersten Mysteriums (fivoryoiov) und das 
vierte und fünfte und sechste bis (ewg) zum zwölften empfangen, 

10 — ein jeder wird herrschen über alle Örter (rönoi) des Erlösers 
(ffamjp), bis zu dem er das Mysterium (hvot^qiov) empfangen hat. 
Und wer das zwölfte Mysterium (fivci^Qiov) (? die zwölf My- 
sterien) beieinander des ersten Mysteriums (pvorrjoiov) empfangen 
wird, d. h. das absolute (aid-ivrr t g) Mysterium (uvorrjoiov), über 
236 welches ich mit euch rede, | und wer nun (oiv) jene zwölf 
Mysterien (^ivar^Qia), die zum ersten Mysterium (fivotrjoiov) 
gehören, empfangen wird, der wird, wenn er ans der Welt 
(xöo/iog) herausgeht, alle Örter (rönoi) der Archonten (äg^ovreg) 
und alle Örter (rönoi) des Lichtes durchwandern, indem er 

20 ein großer Lichtabfluß (-änöggoia) ist, und er wird ferner über 
alle Örter {tötcoi) der zwölf Erlöser (aanfjQeg) herrschen, aber 
(&XM) nicht werden sie gleich sein können mit denen, die das 
einzige Mysterium (itvorfßiav) des Unaussprechlichen empfangen, 
sondern (&).Xä), wer jene Mysterien (jivarfßia) empfangen wird, 

25 wird in jenen Ordnungen (tapsig) bleiben, weil sie erhabener 
sind, und wird in den Ordnungen (rassig) der zwölf Erlöser 
(ounijQes) bleiben.« 

CAP. 98. Es geschah, als Jesus diese Worte seinen 
Jüngern (^ia-9-rjrai) zu sagen beendet hatte, da trat Maria 

30 Magdalena vor, küßte die Füße Jesu und sprach: »Mein Herr, 
ertrage mich und zürne mir nicht, wenn ich Dich frage, 
sondern (&XX&) erbarme Dich unser, mein Herr, und offenbare 
£38 uns alle Dinge, nach denen wir fragen werden, j Jetzt nun, 
mein Herr, wie {jtCbg) besitzt das erste Mysterium (pvorTjoiov) 

35 zwölf Mysterien (fivorr^ia), der Unaussprechliche besitzt ein 
einziges Mysterium (/ivorfaiov)?* 

Es antwortete Jesus und sprach zu ihr: »Ein einziges 
Mysterium (jtvorfßiov) besitzt er freilich (pirtoiye), aber (aXXä) 
jenes Mysterium (fivozrjoiov) macht drei Mysterien (/ttxmfc* 0 ) 



Cap. 97. 98. 



173 



aus, obwohl es das einzige Mysterium (uvorfQiov) ist, aber 
(äXXd) verschieden ist der Typus (zvnog) eines jeden von ihnen. 
Und ferner macht es fünf Mysterien (nvarrr^ui) aus, obwohl 
es ein einziges ist, aber (dXld) verschieden ist der Typus 
(zvnog) eines jeden, so daß (äais) diese fünf Mysterien (/xv- 5 
<n*IQia) gleich sind miteinander in dem Mysterium ((.ivozrjpiov) 
| des Reiches in den Erbteilen (y.Xrjqovofäai) des Lichtes, aber 237 
(&).Xd) verschieden ist der Typus (zvnog) eines jeden von ihnen. 
Und ihr Reich ist erhabener und höher als das ganze Reich 
der zwölf Mysterien (/.worrjoia) beieinander des ersten My-io 
Stenums (nvazrjpiov), aber (&XXd) nicht sind sie gleich in dem 
Reiche <mit dem einzigen Mysterium (uvozrjpiov)) des ersten 
Mysteriums (fivozjjotov) in dem Lichtreiche. 

In gleicher Weise (öuoiojg) sind auch die drei Mysterien 
(fivoTr,Qut) nicht gleich in dem Lichtreiche, sondern (&XXd) ver- 15 
schieden ist der Typus (zvnog) eines jeden von ihnen. Und 
*ie selbst sind auch nicht gleich in dem Reiche mit dem ein- 
zigen Mysterium (ftvorrfoiov) des ersten Mysteriums (nvozrjoiov) 
in dem Lichtreiche, und verschieden ist auch der Typus (zvnog) 
eines jeden von ihnen dreien, und der Typus (zvnog) der Form 20 
{a%i\fia) | eines jeden von ihnen ist voneinander verschieden. 239 
Das erste (sc. Mysterium des ersten Mysteriums) nämlich (iiiv), 
wenn du sein Mysterium (^ivoz^oiov) beieinander vollendest 
und stehst und es vollendest schön (xaXüg) in all seinen Formen 
j(ffX»f("«T«), so kommst du sofort aus deinem Körper (oöjfia),2b 
wirst ein großer Lichtabfluß und durchwanderst alle Örter 
(zönot) der Archonten (crp/oweg) und alle Örter (zonoi) des 
Lichtes, indem alle in Furcht vor dem Lichte jener Seele (\pv%rj) 
sind, bis daß (iiog) sie zu dem Orte (zönog) ihres Reiches 
kommt. Das zweite Mysterium (/xvozrjQiov) dagegen des ersten 30 
Mysteriums (/.wozrjoiov), | wenn du sein Mysterium (/jvoz^q «>v)238 
schön (v.akG>g) in all seinen Formen (oxrjfiara) vollendest, — 
der Mensch nun, welcher sein Mysterium (.uwmfatoe) vollenden 
wird, wenn er jenes Mysterium (^ivozriqiov) über dem Haupte 
irgendeines Menschen sagt, der aus dem Körper (aüfia) her- 35 
ausgeht, und er es in seine beiden Ohren sagt, wenn nämlich 
(/<&•) der Mensch, welcher aus dem Körper (oü/.ia) herausgeht, 
Mysterien (fivozijpta) zum zweiten Male empfangen hat und 
des Wortes der Wahrheit (aXföeia) teilhaftig (fiezoxog) ist, — 



174 



Pistis Sophia. 



wahrlich (äfirjv) ich sage euch: Jener Mensch, wenn er aus 
dem Körper (o&fta) der Materie herausgeht, so wird 

seine Seele (i/jvxfi) ein großer Lichtabfluß (■&7iöqqoici) werden 
und alle Örter (%6noC\ durchwandern, bis daß (eag) sie zu dem 
5 Reiche jenes Mysteriums (nvmr^iov) kommt. Wenn aber (de) 
jener Mensch keine Mysterien (ixvar^Qiä) empfangen hat und 
nicht der Worte der Wahrheit (uh'ftEia) teilhaftig (phoxog) 
ist, — wenn der, welcher jenes Mysterium (/^var^oiov) voll- 
240 endet, jenes Mysterium (fivar^Qiov) | über dem Haupte des 

10 Menschen sagt, der aus dem Körper (ac&jua) herausgeht, der 
keine Mysterien (jxvcn^Qia) des Lichtes empfangen hat und an 
den Worten der Wahrheit (&Xrj&eia) nicht teilhat (■xoiviovslv), 
— wahrlich (äfi^v) ich sage euch : Jener Mensch, wenn er aus 
dem Körper (aß)/.ia) herausgeht, wird an keinem Orte (rÖTtog) 

15 der Archonten {a^ovieg) gerichtet (xqiveiv) werden noch (ovöe*) 
wird er an irgendeinem Orte (rönog) gestraft werden (xokdteiv) 
können, noch (oddi) wird das Feuer ihn berühren infolge des 
großen Mysteriums (nvoTr]Qt.ov) des Unaussprechlichen, das mit 
ihm ist. Und man wird eilends sich beeilen (a7toud&&iv) und 

20 ihn einander übergeben und ihn geleiten von Ort zu Ort (xa%ä 
239töjcov) und | von Ordnung zu Ordnung (xaiü rä^iv), bis daß 
(twg) man ihn vor die Lichtjungfrau (-nuQ&evog) bringt, indem 
alle Örter {rönoi) in Furcht sind vor dem Mysterium (jim> 
orriQiov) und dem Zeichen des Eeiches des Unaussprechlichen, 

25 das mit ihm ist. Und wenn man ihn vor die Lichtjungfrau 
(•jiaQihivog) bringt, so wird die Lichtjungfrau (-mxQd-evog) das 
Zeichen des Mysteriums (fivar^Qiov) des Reiches des Unaus- 
sprechlichen, das mit ihm ist, sehen; es wundert sich die 
Lichtjungfrau (-TtaQ-9-svog) und prüft (doM/xdCeiv) ihn, aber 

30 nicht läßt sie ihn zu dem Lichte bringen, bis daß er die ge- 
samte Lebensweise (Ttoforsia) des Lichtes jenes Mysteriums 
{p.vovrßiov) vollendet, d. h. die Enthaltsamkeiten (ayvelai) der 
(? und die) Entsagung (&7toxayrj) der Welt (-xöo^og), und der 
gesamten in ihr befindlichen Materie (vlri). Die Lichtjungfrau 

35 (-nctQd-evog) besiegelt (acpqayL^uv) ihn mit einem höheren Siegel 
(otpQayig), welches dieses ist, und läßt ihn hinabstoßen in jedem 
Monat, an dem er aus dem Körper {aCbfxa) der Materie (pty) 

37 Hier müßte die Form des Siegels angegeben sein, wie beim Codes 
Brucianus. 



Cap. 98. 



175 



gekommen ist, in einen Körper (aw/xa), der gerecht (öixaiog) 
werden und die wahre (älrj&eia) Gottheit und die höheren 
Mysterien {nvavrßia) finden wird, | so daß er sie ererbt (xkijQO- 241 
vofiüv) und das ewige Licht ererbt (xXriQovofieiv), welches ist 
das Geschenk (öiuged) des zweiten Mysteriums (pvotfßiov) des 5 
ersten Mysteriums (ftvarr^wv) des Unaussprechlichen. 

Das dritte Mysterium (fivazrjQiov) jenes Unaussprechlichen 
dagegen, — der Mensch nämlich (fiev), welcher jenes Mysterium 
(ßvmtfQiov) vollenden wird, wird nicht nur (ov fiövov), wenn er 
aus dem Körper (ow^ta) herauskommt, das Reich des Mysteriums IQ 
(flvotriQiov) ererben (xlr^ovofielv), sondern (illd), wenn er das 
Mysterium {nvoTrßiov) vollbringt und es mit | all seinen Formen 240 
(oxi'juaTa) vollendet, d. h., wenn er jenes Mysterium (ixuac^Qtov) 
ausführt und es schön (xcdüg) vollendet und jenes Mysterium 
{pvorrjQiov) über einem Menschen anruft (övopd&iv), der aus 15 
dem Körper (a&fta) herausgeht, der jenes Mysterium (ftvavqQiov) 
gekannt hat — mag er gezögert oder (tf) vielmehr nicht ge- 
zögert haben — dieser, welcher sich in den harten Strafen 
(xokdoeig) der Archonten (&qxovtsq) und in ihren harten Ge- 
richten (xp/aag) und ihren mannigfaltigen Feuern befindet, 20 
— wahrlich (&(ttfv) ich sage euch : Sie werden den Menschen, 
welcher aus dem Körper (oß[ia) herausgekommen ist, wenn 
man dieses Mysterium (nvo%<qQiov) seinetwegen anruft (dvofid^eiv), 
sich eilends {ia%v) beeilen {onovdd^eiv) hinüber zu bringen und 
Ihn einander zu übergeben, bis (i'wg) sie ihn vor die Licht- 26 
jungfrau (-naq&evog) bringen. Und die Lichtjungfrau {-naq- 
&tvog) wird ihn mit einem höheren Siegel (acpQayig), welches 
dieses ist, besiegeln (afpqayü^eiv) und in jedem Monat wird sie 
ihn in den gerechten (öUaiog) Körper (awfia) hinabstoßen 
lassen, der die wahre (äkrj&eia) Gottheit und das höhere My- 30 
sterium luvcnrjqiov) finden wird, so daß er das Lichtreich ererbt 
{x).i]Qovo/Aelv). Dies nun (ovv) ist das Geschenk (öw^ed) des 
dritten Mysteriums (jävut^qiov) des Unaussprechlichen. 

Jetzt nun ein jeder, welcher von den fünf Mysterien (ftv- 
vrfqia) des Unaussprechlichen empfangen wird, — wenn er 36 
I aus dem Körper (aw/ia) herauskommt und bis zum Orte (tönog) 242 
Jenes Mysteriums (fivonjQiov) ererbt (xlrjQovoneiv), so ist das 
Reich jener fünf Mysterien (pvorfaiä) höher als das Reich der 
zwölf Mysterien (f.ivotfjQia) des ersten Mysteriums (itvarfaiov), 



176 



Pistis Sophia. 



und es (sc. das Mysterium) ist höher als alle Mysterien (fit- 
241 arriQia), | die unterhalb von ihnen, aber (&XXd) jene fünf My- 
sterien (fivmr,Qta) des Unaussprechlichen sind miteinander in 
ihrem Reiche gleich, aber (&XXd) nicht sind sie gleich mit den 
5 drei Mysterien (/.worrjota) des Unaussprechlichen. Wer da- 
gegen von den drei Mysterien (fivarriQia) des Unaussprech- 
lichen empfängt, der wird, wenn er aus dem Körper (ow^a) 
herauskommt, bis zum Reiche jenes Mysteriums (fivavrjQiov) 
ererben (xXrjoovoneiv). Und jene drei Mysterien (/ivoT^gia) 
10 sind miteinander in dem Reiche gleich, und sie sind höher 
und erhabener als die fünf Mysterien (uvorfgia) des Unaus- 
sprechlichen in dem Reiche, aber (dXXd) nicht sind sie gleich 
mit dem einzigen Mysterium (nvavr^tov) des Unaussprechlichen. 
Wer dagegen das einzige Mysterium (^ivavi'jQtov) des Unaus- 
sprechlichen empfängt, der wird den Ort (tokos) des ganzen 
Reiches ererben (xX^govo^ielv), wie (xazd-) ich euch bereits 
seine ganze Herrlichkeit ein andermal gesagt habe. 

Und ein jeder, welcher das Mysterium (nvatrjQiov), das in 
dem Räume (y&oi]iia) des Alls des Unaussprechlichen, emp- 
20 fangen wird und auch alle Mysterien (iivoTtjota), die in den 
Gliedern (fteXrf) des Unaussprechlichen vereinigt sind, über 
die ich noch nicht mit euch gesprochen habe und über ihre 
Ausbreitung und die Art ihrer Aufstellung und den Typus 
(zvrtog) eines jeden, wie er ist, und weshalb er der Unaus- 
25sprechliche genaunt ist oder (t}) weshalb er ausgebreitet mit 
H43&U seinen Gliedern (f.äXrj) stand, | und wie viel Glieder (jisXn) 
in ihm sich befinden und alle seine Einrichtungen (ohovofilat), 
242 1 welche ich euch jetzt nicht sagen werde, sondern (äXXd), 
wenn ich im Begriff bin, euch die Darlegung des Alls <zu 
30 sagen), werde ich euch alles einzeln (xard-) sagen, nämlich 
(ydo) seine Ausbreitungen und seine Beschreibung, wie er ist, 
und die Anhäufung (? das Ebenmaß ?) aller seiner Glieder 
(ixeXrfj, die zu der Einrichtung (olxovoi.ua) des Einzigen, des 
wahren (aXtf&eta), unnahbaren Gottes gehören. Der Ort (rörtog) 
35 nun, bis zu welchem ein jeder Mysterien (ftvoir'jQia) in dem 
Räume (%mqt](.ia) des Unaussprechlichen empfangen wird, — 
bis zu dem Orte (xÖTtoq) wird er ererben (y.Xi]Qovo^eiv), bis zu 
welchem er empfangen hat. Und die von dem ganzen Orte 
(Tönos) des Raumes (xdigr^ia) des Unaussprechlichen geben 



Cnp. 98. 99. 



177 



Keine Antworten (dnocpdoug) an jedem Orte (xatit xöitov), noch 
(oiöe) geben sie Verteidigungen (dnoloylat), noch (oiöi) geben sie 
Geheimzeichen (aüiißo'ka), denn (ydo) ohne Geheimzeichen (-ffv/x- 
ßola) sind sie, und sie haben keine 7taqaX^m%oQeg, sondern 
(&XXd) sie durchwandern alle Örter (töttoi), bis daß sie zu dem 5 
Orte (xönog) des Reiches des Mysteriums (fivozfaiov), das sie 
empfangen haben, kommen. 

In gleicher Weise (öpolwg) haben auch die, welche My- 
sterien (iivmfyia) in dem zweiten Eaume (xuor^«) empfangen 
werden, keine Antworten (dnocfdaeig) noch (oiöe) Verteidi-io 
gungen (dnoloytai), denn (ydo) ohne Geheimzeichen (-av^ißoXa) 
sind sie in jener Welt (x6o f wg), (welches) ist der Raum ( x d>- 
pj^a) des ersten Mysteriums (ßvarrjoiov) des ersten Mysteriums 
(fivar^gcov). 

Und die von dem dritten Räume (xcog^a), der außerhalb, 15 
welches ist der dritte Raum (x^9W a ) von außen, — ein jeder 
Ort (to'ttoc xönog) in jenem Räume (xÜQrjfia) hat | seine nagu- 244 
If^mrat | und seine Antworten (imoydoug) und seine Ver-243 
teidigungen (dnoloyLai) und seine Geheimzeichen (avfißoXa), 
welche ich euch einst sagen werde, wann ich euch jenes My- 20 
sterium ((ivatfgiov) sagen werde, d. h. wenn ich euch die 
Ausbreitung des Alls gesagt haben werde. Indessen (itXrpi) 
bei der Auflösung des Alls, d. h. wenn die Zahl (äoi&itög) 
der vollkommenen (tüeiot) Seelen (if/vxai) vollendet und das 
Mysterium (fivozijoiov), (um dessentwillen) das All überhaupt 25 
entstanden, vollendet ist, werde ich 1000 Jahre gemäß (natd) 
den Jahren des Lichtes zubringen, indem ich König bin über 
alle Emanationen (itooßoXaL) des Lichtes und über die ganze 
Zahl (&gi»fi6g) der vollkommenen (riXeioi) Seelen (xpvxai), die 
alle Mysterien ([ivorfoia) empfangen haben.« 30 

CAP. 99. Es geschah, als Jesus diese Worte seinen 
Jüngern (pad-rjiai) zu sagen beendet hatte, da trat Maria 
Magdalena vor und sprach: »Mein Herr, wieviel Jahre von 
den Jahren der Welt (xöo/iog) sind ein Jahr des Lichtes?« 

Es antwortete Jesus und sprach zu Maria: »Ein Tag3ö 
des Lichtes ist 1000 Jahre in der Welt (xöo^og), so daß (&are) 
365000 Jahre der Welt (y.6o t uog) ein einziges Jahr des Lichtes 
sind. Ich werde nun (oöv) 1000 Jahre des Lichtes zubringen, 
indem ich König inmitten des letzten Helfers (jragaorohyg) 

Schmidt: Pistis Sophia. 12 



178 



Pistis Sophia. 



bin, und indem ich König über alle Emanationen (nqoßoXai) 
des Lichtes und über die ganze Zahl (äQt&/*6g) der voll- 
kommenen (v&eioi) Seelen (xpvy_oü) bin, welche die Mysterien 
((ivoTriQid) des Lichtes empfangen haben. Und ihr, meine 
24ä Jünger (tiafrriral), und ein jeder, der) das Mysterium [pvovtßiov) 

244 des Unaussprechlichen empfangen wird, werdet | bleiben mit 
mir zu meiner Rechten und zu meiner Linken, indem ihr mit 
mir in meinem Reiche Könige seid. Und die, welche die drei 
Mysterien (fivairjQia) [von den fünf Mysterien {^ivarr^ia)"] jenes 

10 Unaussprechlichen empfangen werden, werden mit euch Mit- 
könige in dem Lichtreiche sein, und nicht werden sie gleich 
sein mit euch und mit denen, welche das Mysterium (ttvarrfeiov) 
des Unaussprechlichen empfangen, sie werden vielmehr hinter 
euch bleiben, indem sie Könige sind. Und die, welche die 

15 fünf Mysterien (ßvatrjQia) des Unaussprechlichen empfangen, 
werden selbst hinter den drei Mysterien {num-tßia) bleiben, 
indem sie selbst Könige sind. Und ferner die, welche das 
zwölfte Mysterium (tiv<nr#iov) des ersten Mysteriums (fu- 
axrfiiov) empfangen, werden selbst wieder hinter den fünf 

20 Mysterien (fivar^Qia) des Unaussprechlichen bleiben, indem sie 
Könige sind gemäß (x«to) der Ordnung (rä&s) eines jeden 
von ihnen. Und alle, welche von den Mysterien (/.ivozrjQia) 
in allen Örtern (tötioi) des Raumes (xÜQrjua) des Unaussprech- 
lichen empfangen, werden selbst Könige sein und hinter denen 

25 bleiben, welche selbst das Mysterium (^ivati\qiov) des ersten 
Mysteriums (pvoTrßiov) empfangen, indem sie ausgebreitet sind 
gemäß (yuxiä) dem Glänze eines jeden von ihnen, so daß (&ott) 
die, welche die höheren Mysterien (fivotrjQia) empfangen, in 
den höheren Örtern (zönoi) bleiben werden, die, welche die 

30 niederen Mysterien (nvoirßia) empfangen, in den niederen 
Örtern {tönoi) bleiben werden, indem sie Könige in dem 
Lichte meines Reiches sind. Diese allein sind das Erbteil 
(xXftQog) des Reiches des ersten Raumes (x^QW 0 ) des Unaus- 
sprechlichen. 

245 | Die dagegen, welche alle Mysterien (fitair^ia) des zweite» 
Raumes (xwp^a), d. h. des Raumes (xoigrifiaj des ersten Mj'- 

248 steriums (livorqQiov) empfangen, werden selbst | wiederum i° 
dem Lichte meines Reiches bleiben, ausgebreitet gemäß 
dem Glänze eines jeden von ihnen, indem ein jeder von ihnen 



Cap. 99. 179 

,lem Mysterium (ftvoifaiov) sich befindet, bis zn dem er 
..mpfangen hat. Und die, welche die höheren Mysterien (fiv- 
„fPfiia) empfangen, werden selbst in den oberen Örtern (töjiol) 
bleiben, und die, welche die niederen Mysterien {^vatrjQia) 
empfangen, werden in den niederen Örtern {zonoi) in dem 5 
Richte meines Reiches bleiben. Dies ist das Erbteil {rdfjgog) 
des zweiten Königs für die, welche das Mysterium {^ivoztjQiov) 
des zweiten Raumes {x^o^ia) des ersten Mysteriums {/xvozr^iov) 
empfangen. 

Die hingegen, welche die Mysterien {^vazfjqia) des zweiten 10 
Raumes (x«^«), d. h. des ersten Raumes {xäoypa) von außen, 
empfangen, jene selbst wiederum werden hinter dem zweiten 
König bleiben, ausgebreitet in dem Lichte meines Reiches 
gemäß (xßT«) dem Glänze eines jeden von ihnen, indem ein 
jeder an dem Orte {zönog), bis zu dem er Mysterien {(ivozijoia) 15 
empfangen hat, bleiben wird, so daß (äaze) die, welche die 
höheren Mysterien (/xvotrßia) empfangen, in den höheren 
Örtern {zönoi) bleiben werden und die, welche die niederen 
Mysterien {{tvozijpia) empfangen, in den niederen Örtern (xwrot) 
bleiben werden. 20 

Dies sind die drei Erbteile {xlfjQoi) des Lichtreiches. Die 
Mysterien {uvazi'jqia) dieser drei Erbteile (y.lr^oi) des Lichtes 
sind sehr zahlreich; [ihr werdet sie in den beiden großen 
Büchern des Jeü finden,] aber (&lld) ich werde euch geben 
und euch sagen die großen Mysterien {fivarqqia) | jedes Erb- 246 
teiles (x/.i^os), diese, welche höher als jeder Ort {tokos) sind, 
d- h. die Häupter (xecpakaC) gemäß {y^zd) jedem Orte {zöitog) 
md gemäß (xazä) jeder Ordnung (zd&g), welche | das ganze 247 
Menschengeschlecht (-yhog) in die höheren Örter (tÖTtoi) gemäß 
(xara) dem Räume (xci^a) des Erbes {ydrjQovof.Ua) führen 30 
Werden. Die übrigen niederen Mysterien (^ixmfeta) nun {oh) 
"abt ihr nicht nötig (-XQela), sondern {&IM) ihr werdet sie in 
de n beiden Büchern des Jeü finden, die Henoch geschrieben 
,la t, während ich mit ihm aus dem Baume der Erkenntnis 
jj n d aus dem Baume des Lebens in dem Paradiese {nagd-to 
ztoog) des Adam sprach. Jetzt nun {oh), wenn ich euch die 
Sanze Ausbreitung auseinandergesetzt haben werde, werde 

§ 1 St ' " in dem M y ster i um " w °hl besser „in dem Orte". — 23 Dieser 
^ tz stört den Zusammenhang. 

12* 



180 



Pistü Sophia. 



ich euch geben und euch sagen die großen Mysterien (pvoxrjQia) 
der drei Erbteile (xAjfco*) meines Reiches, d. h. die Häupter 
(xe(pa).at) der Mysterien (pvortjeia), die ich euch geben und 
euch sagen werde in all ihren Formen (o%i][iara) und all ihren 
5 Typen (xvnoi) und ihren Zahlzeichen (tpfjcpoi) und den Siegeln 
(oypaylöeg) des letzten Raumes (xwprjpa), d. h. des ersten 
Raumes (xt!>Qrj/ut) von außen. Und ich werde euch die Ant- 
worten (&7to(pdoeig) und die Verteidigungen (irtoloyiai) und 
die Geheimzeichen (ovpßola) jenes Raumes (x&QW 01 ) sa ?en. 

10 Der zweite Raum (xwprma) dagegen, der innerhalb, besitzt 
keine Antworten (ärtocpdoeig) noch (ovöe) Verteidigungen (&no- 
koylai) noch (ovöe) Geheimzeichen (ov/.ißola) noch (ovöe) Zahl- 
zeichen (ipfjqioi) noch (ovöi) Siegel (oypayiöeg), sondern (&l),d) 
er besitzt nur Typen (ttjtzol) und Formen (oxijfiaT«).«. 

16 GAP. 100. Als dieses alles der Erlöser (ourfg) seinen 

247 Jüngern Quadrjxal) zu sagen beendet hatte, | da trat Andreas 
vor und sprach: »Mein Herr, zürne mir nicht, sondern (&)M) 
habe Mitleid mit mir und offenbare mir das Mysterium (pv- 
arrjQiov) des Wortes, nach dem ich Dich fragen werde, denn 

248 es ist bei mir schwer gewesen | und nicht habe ich es begriffen 
(voeiv).« 

Es antwortete der Erlöser (ooirrjo) und sprach zu ihm: 
»Frage nach dem, wonach du zu fragen wünschst, so will ich 
es dir von Angesicht zu Angesicht ohne Gleichnis (irapaßolrj) 
25 offenbaren.« 

Andreas aber (de) entgegnete und sprach: »Mein Herr, 
ich bin erstaunt und wundere mich (&avpd£ecv) sehr, wie 
(jcGtg) die Menschen, die in der Welt (xöauog), die in dem 
Körper (owfia) dieser Materie (vh]), wenn sie aus dieser Welt 

3Q(x6ofiog) herausgehen, diese Firmamente (axeped)f.iara) und all 
diese Archonten (äpxovxeg) und alle Herren und alle Götter 
und all diese großen Unsichtbaren (äooaxoi) und alle die von 
dem Orte (xönog) der Mitte (pioog) und die von dem ganzen 
Orte (torrog) der Rechten und alle die Großen von den Ema- 

35 nationen (itpoßolal) des Lichtes durchwandern und in sie all e 
hineingehen und das Lichtreich ererben (xlrjpovopelv) werden- 
Diese Sache nun (oh), mein Herr, ist schwierig bei mir." 

Als nun Andreas dieses gesagt hatte, da regte sich de» 
Geist (Ttvevpa) des Erlösers (awiife) in ihm, er rief aus « nd 



Cap. 99. 100. 



181 



, ra ch: »Bis (*' w s) wie lange soll ich euch ertragen? Bis 
t$a>S) wie lange soll ich es mit euch aushalten (ävexeo&ai)? 
j^bt ihr denn noch jetzt (äxfi^v) nicht begriffen (voelv) und 
seid unwissend? Erkennet ihr denn nicht und begreifet (voelv) 
nic ] 1 t, daß ihr und alle Engel (ay/eloi) und alle Erzengel 5 
(&o%äyyeloi) und die Götter und die Herren und alle Archonten 
lioyovxeg) und alle großen Unsichtbaren (o\6qa%oi) | und alle 248 
die von der Mitte (fuaog) und die vom ganzen Orte (%6nog) 
der Rechten und alle Großen von den Emanationen (rrgoßoXaC) \ 240 
des Lichtes und ihr ganzer Glanz, daß ihr alle miteinander 10 
a us ein und demselben Teige und derselben Materie (pfaj) und 
demselben Stoffe (ovaia) seid, und daß ihr alle aus derselben 
Mischung (xeoaa^wg) seid ? Und auf Befehl (yJXevaig) des ersten 
Mysteriums (j.wa%^Qiov) wurde die Mischung (x£oao/.c6g) ge- 
zwungen (avccyxäCeiv), bis daß (etug) alle Großen von den Erna- 16 
nationen (rcQoßoXai) des Lichtes und ihr ganzer Glanz sich 
reinigten, und bis daß sie sich von der Mischung (xeQaoiiög) 
reinigten. Und nicht haben sie sich von selbst aus gereinigt, 
sondern (äXXd) sie haben sich mit Zwang (ävdyxi-j) gemäß (xcaä) 
der Einrichtung (oiy.ovo/ua) des Einzigen, des Unaussprech- 20 
liehen gereinigt. Und sie haben überhaupt nicht gelitten und 
haben sich in den Örtern (%6-rcoi) nicht verändert (fieTaßäXXea&ac) 
noch (ovöe) überhaupt sich abgemüht (axvXXea&ai) noch (ouöi) 
sich in verschiedenartige Körper (adifxata) umgegossen (/.tetay- 
y%eo&ai) noch (ovöe) sind sie in irgendwelcher Bedrängnis 25 
(9-Uipig) gewesen. Besonders (fiüXiata) ihr nun seid die Hefe 
(Bodensatz) des Schatzes (d-tjoavQÖg), und ihr seid die Hefe 
des Ortes (%6-rcog) der Rechten, und ihr seid die Hefe des 
Ortes (tönog) derer der Mitte (fteoog), und ihr seid die Hefe 
aller Unsichtbaren (aöoazoi) und aller Archonten (ÜQxovceg), 30 
ffiit einem Worte (&7ta%a7tXG>g), ihr seid die Hefe von allen 
diesen. Und ihr seid in großen Leiden und großen Bedräng- 
nissen (Itltijjeig) bei den Umgießungen (/.terayyianol) in ver- 
Sc hiedenartige Körper (aw/utza) | der Welt (xdopog) gewesen. 249 
^nd nach all diesen Leiden durch euch selbst habt ihr ge-35 
Wetteifert (äywviuod-ai) und gekämpft, indem ihr der ganzen 
Welt (xoo^ot;) und der in ihr befindlichen Materie (vXij) entsagt 

,„ 1 Vgl. Matth. 17, 17. Mark. 11, 19. Lnk. 9, 41. — 3 Vgl. Matth. 15, 
16. 17 



182 



Pistis Sophia. 



(artOTdooeod-cu) habt, und habt nicht nachgelassen zu suchen I 

250 bis daß (sag) ihr alle Mysterien (pvmfaia) | des Lichtreiches 1 
fändet, welche euch gereinigt und euch zu reinem (eiXtxpivty ] 
sehr gereinigtem Lichte gemacht haben, und ihr seid g e .' ] 

öreinigtes Licht geworden. Deswegen nun habe ich einst 2tt ] 
euch gesagt: .Suchet, auf daß ihr findet.< Ich habe nun (oi v \ 1 
zu euch gesagt: Ihr sollt nach den Mysterien Qivorf(>ia) d es ] 
Lichtes suchen, welche den Körper (ow/xa) der Materie (vXifj I 
reinigen und ihn zu reinem (eifoxQivrjg), sehr gereinigtem Lichte 1 

10 machen. Wahrlich (&(nfr) ich sage euch: Wegen des Menschen- 1 
geschlechtes {-yevog), weil es materiell (vXuög) ist, habe ich 
mich abgemüht (oxvXXeo&ai) und alle Mysterien (nvmrfqia) des 
Lichtes ihnen (sc. den Menschen) gebracht, damit ich sie 
reinige, denn sie sind die Hefe der ganzen Materie (wir;) von 

15 ihrer Materie (vfaf), sonst würde keine Seele (ipv%rj) von dem 1 
gesamten Menschengeschlecht (-yevog) gerettet werden, und ' 
nicht würden sie das Lichtreich ererben* (xlrßovoneiv) können, 
wenn ich nicht ihnen die reinigenden Mysterien (fivorrjout) j 
gebracht hätte. Denn (ydq) die Emanationen (TtqoßoXctl) des , 

20 Lichtes bedürfen (-xoela) der Mysterien (/.wortfeid) nicht, denn! 
(ydo) sie sind gereinigt, sondern (&XXd) das Menschengeschlecht ] 
(-yivog) ist es, das ihrer bedarf (-XQeia), weil sie alle materielle 
(vXixol) Hefen sind. Deswegen nun habe ich zu euch einst 
250 gesagt: >Die Gesunden bedürfen (-xgeia) | des Arztes nicht, ] 

25 sondern (&XXd) die Kranken (-/.czög-)<, d. h. die von dem Lichte 
bedürfen (-xgeia) der Mysterien (iivozrjQia) nicht, denn sie \ 
sind gereinigte Lichter, sondern (&XXd) das Menschengeschlecht 
{-yevog) ist es, das ihrer bedarf (-xgeia), denn sie (sc. Menschen) 
sind materielle (bXixoC) Hefen. 

251 Deswegen nun verkündet (xtjQvooeiv) dem | ganzen Menschen- 
geschlechte (-yivog): Nicht lasset nach zu suchen Tag " n(1 
Nacht, bis daß (ewg) ihr die reinigenden Mysterien '(pvfferjQ"*) 
findet, und saget dem Menschengeschlecht (-yevog): Entsage* 
(&7toTdaoea&tti) der ganzen Welt (wo/xog) und der ganzen u 1 

35 ihr befindlichen Materie (vXtj). Denn wer in der Welt (xöofios) 
kauft und verkauft und wer ißt und trinkt von ihrer Materie 
{vXtj) und wer in all ihren Sorgen und all ihren Beziehungen 
(dfiiXiai) lebt, der sammelt sich zu seiner übrigen Materie ( L 'W> 
6 Matth. 7, 7. Luk. II, 9. — 24 Matth. 9, 12. Mark. 2, 17. Luk. &. 81 ' I 



Cap. 100. 



183 



oC Ii andere Materien (lixti) hinzu, weil diese ganze Welt 
tojofiog) und alles das in ihr Befindliche und all ihre Be- 
gehungen (bfiiUai) materielle (vXr/.oi) Hefen sind, und man 
^ r d einen jeden wegen seiner Reinheit danach befragen, 
peswegen nun (oiv) habe ich zu euch einst gesagt : >Entsaget 5 
ifatordooeod-ai) der ganzen Welt (xoopoe) und der ganzen in 
ihr befindlichen Materie (vXrj), damit ihr euch nicht andere 
jlaterie (j'M) zu eurer übrigen in euch befindlichen Materie 
) hinzusammelt«. Deswegen nun (oh) verkündet (-/.r^vaasiv) 
dem ganzen Menschengeschlechte (-yhog): Entsaget (irnox&a- 10 
aso&ai) der ganzen Welt (xöouog) und all ihren Beziehungen 
(ofuMai), | damit ihr euch nicht andere Materie (vlrj) zu eurer 251 
übrigen in euch befindlichen Materie (vXrj) hinzusammelt, und 
saget ihnen : Nicht lasset nach zu suchen Tag und Nacht, und 
nicht stellet euch wieder her (? ävaxT&o&ai?), bis daß ihr die 15 
reinigenden Mysterien (uvavqQia) findet, die euch reinigen und 
euch zu reinem (elli-/.oivr l g) Lichte machen werden, | so daß ihr 252 
nach oben gehen und das Licht meines Reiches ererben (xLj- 
Qovofielv) werdet. 

Jetzt nun, du Andreas und alle deine Brüder, deine Mit- 20 
jünger (-/.lafrr^ai), um eurer Entsagungen (anoxayai) und all 
eurer Leiden willen, die ihr an jedem Orte (xara rönov) er- 
duldet habt, und um eurer Verwandlungen ({.teraßolal) an 
jedem Orte (xara %6nov) und eurer Umgießungen (fierayyia/wi) 
in verschiedenartige Körper (a^fiata) und um all eurer Be-25 
drängnisse (OliifiEig) willen, und Dach all diesem habt ihr die 
reinigenden Mysterien (uvorrjoia) empfangen und seid reines 
piiwrijs), sehr gereinigtes Licht geworden; deswegen nun 
werdet ihr nach oben gehen und in alle Örter (tottoi) aller 
großen Emanationen (nqoßolaL) des Lichtes eindringen und 30 
Könige in dem Lichtreiche ewiglich sein. 

[Dies ist die Antwort (&7t6(paoig) auf die Worte, nach 
•Jenen ihr fragt. Jetzt nun, Andreas, bist du noch (hc) in 
P n glauben (-tiittoTog) und Unwissenheit?] Aber (ä).Xd) wenn 
lQl ' aus dem Körper (aüfia) herausgeht und nach oben geht 35 
Uö d zu dem Orte ( zÖTtog) der Archonten (ItQxovreg) gelangt, so 
Verden alle Archonten (aQ%omeg) vor euch von Scham ergriffen 

32 ff. Die eingeklammerten Worte unterbrechen den Zusammenhang 
^ müssen m. E. nach Z. 11 der nächsten Seite folgen. 



184 



Pistis Sophia. 



werden, weil ihr die Hefe ihrer Materie (Uly) se id und g e . 
252reinigteres Licht als sie alle geworden seid. Und | wenn ih^ 
zum Orte (jönog) der großen Unsichtbaren (äÖQazoi.) und zum 
Orte (zönos) derer von der Mitte (neoog) und derer von der 
5 Rechten und zu den Örtern (rörtoi) aller großen Emanationen 
(nqoßoi.al) des Lichtes gelangt, so werdet ihr bei ihnen allen 
geehrt werden, weil ihr die Hefe ihrer Materie (ßty) seid und 
253 gereinigteres Licht als sie alle geworden seid, und | alle Örter 
(tötcoi) werden einen Hymnus vor euch her anstimmen (vu. 

lOveveiv), bis das (sag) ihr zu dem Orte (zönog) des Reiches 
geht. <Dies ist die Antwort (anörpuaig) auf die Worte, nach 
denen ihr fragt. Jetzt nun, Andreas, bist du noch (fet) in 
Unglauben (-ammog) und Unwissenheit?)« 

Als nun der Erlöser (oazife) dieses sagte, wußte Andreas 

15 deutlich (tpavsQäg), nicht nur (ov pövov) er, sondern (äk).d) alle 
Jünger (f/a^Tat) wußten genau, daß sie das Lichtreich ererben 
(xhjQovopelv) würden. Sie stürzten alle zugleich vor Jesu 
Füßen nieder, riefen aus, weinten und baten (nagaxakelv) den 
Erlöser (aarqq), indem sie sagten: »Herr, vergib die Sünde 

20 der Unwissenheit unserni Bruder.« 

Es antwortete der Erlöser (oanjg) und sprach: »Ich ver- 
gebe und werde vergeben; deswegen nun hat mich das erste 
Mysterium (pvoTrßiov) geschickt, damit ich einem jeden die 
Sünden vergebe.« 

25 [Ein Teil (jiigog) von den Büchern (zevx'i) des 
Erlösers (oarrjg).] 



CAP. 101. Und die, welche würdig sind der Mysterien 
(nvoTrßia), welche in dem Unaussprechlichen wohnen (xaTowe&b 

25 Der Titel ist fälschlicherweise an den Schluii von p. a!.y' geraten; 
er muß stehen am Ende von p. oly\ Dann scheint zwischen dem E ö(ie 
von p. aly* und Anfang von p. a).y b kein größerer Text ausgefallen zu sei"- 
Es ist ja auch oben S. 183 Z. 32 der Satz : „Dies ist die Antwort auf die Wort* 
etc. etc." an eine falsche Stelle geraten. Demgemäß bildet das St'" 
p. aXy b — p. aXS h (incl.) nicht wie früher von mir angenommen, den Sa 
eines verlorengegangenen Buches. 



Cap. 100. 101. 185 

welches sind die. welche nicht hervorgegangen (KQoeQxeo&ai) 
ijid; I diese existieren vor dem ersten Mysterium (ßvotrjQiov), 234 
und gemäß (xatd) einer Vergleichung und Gleichnis (iaog) des 
^ or tes, damit ihr es begreift (voeiv), so daß (&ars) sie sind 
^ie Glieder (n&rj) des Unaussprechlichen, Und ein jedes 5 
existiert gemäß (xcnd) dem Werte (iifirj) seines Glanzes; das 
Haupt gemäß (xcaä) dem Werte (viiirj) des Hauptes und das 
Auge gemäß (xaid) dem Werte (vifitf) | der Augen und das 25$ 
Ohr gemäß (zara) dem Werte (zt/urj) der Ohren und die übrigen 
Glieder (f»%), so daß (äoie) die Sache offenbar ist: es sindio 
eine Menge Glieder (t-i^rj), aber (&KM) ein einziger Leib (aüfia). 
Dieses zwar (ßtv) sagte ich in einem Beispiel (naqddeiy^a) 
und Gleichnis (iaog) und Vergleichung, aber (äÄAa) nicht in 
einer wahrhaftigen (&h\&ua) Gestalt (noQ<pi)), noch (ows) habe 
ich in Wahrheit das Wort offenbart, sondern (äkld) das My- 15 
sterium (,uvoti]qiov) des Unaussprechlichen. Und alle Glieder 
fpifoj), die in ihm, gemäß (xctTd) dem Worte, mit dem ich ver- 
glichen habe, d. h. jene, die das Mysterium (pvcrtrjQiov) des 
Unaussprechlichen bewohnen (xarocxelv), und die, welche in 
ihm wohnen (xaroixeiv), und auch die drei Räume (xoiQr^aia), 20 
die nach ihnen gemäß (xatd) den Mysterien (ixvorrjQia), diesen 
allen in Wahrheit (dl^d-eia) und Wahrhaftigkeit bin ich ihr 
Schatz, außer dem es keinen andern Schatz gibt, der nicht 
seines Gleichen (löiov) auf Erden (xdo^og) hat, aber {&lld) es 
gibt noch (£rt) Worte und Mysterien (/uvonfeta) und Örter25 
(ronoi). Jetzt nun ein Seliger (/.laxdQiog) ist der, welcher (die 
Worte) der Mysterien (nvoTqQta) (des ersten Raumes (xwpT^ta)), 
der von außen, gefunden hat, und ein Gott ist der, welcher 
diese Worte der Mysterien (fivarr^ia) des zweiten Raumes 
bi^Qrjixa), der in der Mitte, gefunden hat, und ein Erlöser 30 
{"ioti'iq) und ein Unfaßbarer (ixd^rog) ist der, welcher | die 255 
Worte der Mysterien (/.tvarr^ca) [und die Worte] des dritten 
Raumes {xd)Qt]/.ia), der innerhalb, gefunden hat, und er ist vor- 
züglicher als das All und denen gleich, die in jenem dritten 
^ume (xd)Qi]ua) sich befinden. Weil er das Mysterium (j*v-3b 
aTl ;Qiov) t in welchem sie sich befinden und in dem sie stehen, 
empfangen hat, deswegen nun ist er ihnen gleich. Wer 254 
. a &egen die Worte der Mysterien (nv<nr#ia) gefunden hat, die 
le h euch gemäß (xara) einer Vergleichung beschrieben habe, 



186 



Pistis Sophia. 



daß sie die Glieder (uttij) des Unaussprechlichen sind, ^ 
wahrlich (ifrfv), ich sage euch: der, welcher die Worte jener 
Mysterien (nvorißia) in göttlicher Wahrheit gefunden hat 
jener Mensch ist der Erste in Wahrheit (&tfd-eta) und ihm 
5 (dem Unaussprechlichen, resp. Ersten) gleich [denn] wegen 
jener Worte und Mysterien (nvorrjQia), und das All selbst 
stand, fest wegen jenes Ersten. Deswegen ist der, welcher 
die Worte jener Mysterien (nvarr^ia) gefunden hat, dem Ersten 
gleich. Denn (ydq) die Gnosis (yvüoig) der Erkenntnis des 
10 Unaussprechlichen ist es, in der ich heute mit euch geredet habe. 

<Ein Teil (fiegog) von den Büchern (tevxrj) des 
Erlösers (oiozrjo).') 



266 CAP. 102. | Es fuhr Jesus wiederum in der Kede fort 
und sprach zu seinen Jüngern (/xa&r^crt) : »Wenn ich zum 
15 Lichte gegangen sein werde, so verkündet (ynßvooeiv) der 
ganzen Welt (xöafiog) und saget ihnen (sc. den Bewohnern): 
Nicht lasset nach zu suchen Tag und Nacht und nicht stellet 
euch wieder her (? dvaxräad-ai?), bis daß (ewg) ihr die Mysterien 
(ßvorrjQia) des Lichtreiches findet, die euch reinigen und euch 
20 zu reinem (elXixQivtfg) Lichte machen und euch zum Licht- 
reiche führen werden. Saget ihnen : Entsaget (änoTdaaead-ac) 
der ganzen Welt (nöa/tog) und der ganzen in ihr befindlichen 
Materie (vlrj) und all ihren Sorgen und all ihren Sünden, mit 
255 einem Worte {a7tag~a7ilc>g), all ihren | Beziehungen (Updlad 
25 die in ihr, damit ihr der Mysterien (ftvtnfyux) des Lichtes 
würdig seid und vor allen Strafen (xokdaeig), die in den Ge- 
richten (xQiaeig), gerettet werdet. Saget ihnen: Entsaget 
(ärtozdooeo&ai) dem Murmeln, damit ihr der Mysterien (/' t- 
tnrjQia) des Lichtes würdig seid und vor dem Feuer des Hunds- 
30gesichts gerettet werdet. Saget ihnen: Entsaget (ärtordo- 
oeo&ai) der Anhörung (?), (damit ihr der Mysterien (/jvorrßi«) 
des Lichtes würdig seid) und vor den Gerichten (xQloetg) & e3 
Hundsgesichts gerettet werdet. Saget ihnen : Entsaget (&*"" 
räaaea&ai) der Streitsucht, damit ihr der Mysterien (ßvanje 1 ") 
35 des Lichtes würdig seid und vor den Strafen (xoldaag) ^ 
Ariel gerettet werdet. Saget ihnen: Entsaget (&notdooeo$<* l > 



Cap. 101. 102. 



187 



igt falschen Verleumdung, damit ihr der Mysterien (pvovfiQta) 
äeS Lichtes würdig seid und vor den Feuerströmen des Hunds- 
gesichts gerettet werdet. Saget ihnen: Entsaget (dnorda- 
gEoSai) dem falschen Zeugnisse, damit ihr der Mysterien 
UtvatriQia) des Lichtes würdig seid, auf daß ihr entgehet und 5 
vo r den Feuerströmen | des Hundsgesichts gerettet werdet. 257 
Saget ihnen : Entsaget {ditotdaatad-ai) dem Hochmut und der 
Prahlerei, damit ihr der Mysterien (jivarijQia) des Lichtes würdig 
seid und vor den Feuergruben des Ariel gerettet werdet. Saget 
ihnen : Entsaget (&7tozäooec!&ai) der Eigenliebe (wörtl. : Liebe 10 
seines Bauches), damit ihr der Mysterien Qivaz^Qia) des Lichtes 
würdig seid und vor den Gerichten (xQiaeis) der Amente gerettet 
werdet. Saget ihnen: Entsaget (äfcordaaea^ai) der Geschwätzig- 
keit, damit ihr der Mysterien (nvotifeia) des Lichtes würdig 
seid und vor den Feuern der Amente gerettet werdet. Saget 16 
ihnen : | Entsaget (dnozdooeo&ai) den bösen Lastern, damit ihr der 256 
Mysterien {ixvoxijQia) des Lichtes würdig seid und vor den 
Strafen (xoldoug), die in der Amente, gerettet werdet. Saget 
ihnen: Entsaget (&ito%dooeo9-ai) der Habgier, damit ihr der 
Mysterien {ixvonqQia) des Lichtes würdig seid und vor den 20 
Feuerströmen des Hundsgesichts gerettet werdet. Saget ihnen : 
Entsaget (anoTÜooeod-ai) der Weltliebe (x6a/.wg-), damit ihr der 
Mysterien (fiuoT^gia) des Lichtes würdig seid und vor den 
Pech- und Feuerkleidern des Hundsgesichts gerettet werdet. 
Saget ihnen: Entsaget {ditozdaaeaS-ai) der Räuberei, damit 26 
ihr der Mysterien (ftvan]Qta) des Lichtes würdig seid und vor 
den Feuerströmen des Ariel gerettet werdet. Saget ihnen: 
Entsaget {ditoxdootod-ai) den bösen Reden, damit ihr der 
Mysterien (nvoirßia) des Lichtes würdig seid und vor den 
Strafen (xoMoeig) der Feuerströme gerettet werdet. Saget 30 
ihnen: Entsaget (dnordaaeaS-aC) der Schlechtigkeit (-TcovrjQÖs), 
damit ihr | der Mysterien {^vaxrjQia) des Lichtes würdig seid 258 
und vor den Feuermeeren (-d-dlaaaai) des Ariel gerettet werdet. 
Saget ihnen: Entsaget (äjtoTdaoea&at) der Unbarmherzigkeit, 
damit ihr der Mysterien {fwarrjQia) des Lichtes würdig seid und 35 
v °r den Gerichten (xQiaeig) der Drachengesichter (ÖQdxovzeg-) 
gerettet werdet. Saget ihnen: Entsaget (&7toTdooeo&ac) dem 
^°rne, damit ihr der Mysterien (pvotrjQta) des Lichtes würdig 
Se id und vor den Feuerströmen der Drachengesichter (öqd- 



188 



Pistis Sophia. 



xovieg-) gerettet werdet. Saget ihnen : Entsaget (änordaaea^ai) 
dem Fluchen, damit ihr der Mysterien (pvatifeia) des Lichtes 
würdig seid und vor den Feuermeeren (-d-dlaaaai) der Drachen- 

257 gesichter (ÖQÖxovreg-) gerettet werdet. | Saget ihnen : Entsaget 
o(&TcoTdcoo£o9(ii) dem Diebstahl, damit ihr der Mysterien (pJ 

orrjQue) des Lichtes würdig seid nnd vor den brodelnden 
Meeren (&dlaooai) der Drachengesichter (ögdvMvzeg-) gerettet 
werdet. Saget ihnen: Entsaget (aTtotdaasr^ai) der Habsucht 
damit ihr der Mysterien (nvorriQia) des Lichtes würdig seid 

10 und vor Jaldabaoth gerettet werdet. Saget ihnen: Entsaget 
(äTtordooeaihca) der Verleumdung {y.axalaXid), damit ihr der 
Mysterien (jivoztfQta) des Lichtes würdig seid und vor den 
Feuerströmen des Löwengesichtes gerettet werdet. Saget 
ihnen : Entsaget (ditotdooEoSai) dem Kampfe und dem Streite, 

15 damit ihr der Mysterien (ftvoTrjQia) des Lichtes würdig seid 
und vor den siedenden Strömen des Jaldabaoth gerettet werdet. 
Saget ihnen: Entsaget (itTcordooeoitai) der Unwissenheit, da- 
mit ihr der Mysterien d-ivonfeta) des Lichtes würdig seid 
und vor den Liturgen (leiiovgyoc) des Jaldabaoth und den 

20 Feuermeeren {-&dlaaaai) gerettet werdet. Saget ihnen : Ent- 
saget (&7roxäootot>-ai) der Bosheit (-■/.cc/.oC-Qyog), damit ihr der 
Mysterien (/tvoztfQia) des Lichtes würdig seid und vor allen 
Dämonen (dcuixövia) des Jaldabaoth und all seinen Strafen 
269 (xoldoetg) gerettet werdet. Saget | ihnen: Entsaget (dnocda- 

2basa&ai) der Raserei (&7t6vota), damit ihr der Mysterien (pv- 
oTrjQia) des Lichtes würdig seid und vor den siedenden Pech- 
meeren (-9-äkaaoai) des Jaldabaoth gerettet werdet. Saget 
ihnen: Entsaget (ßmotdooeo&ai) dem Ehebruch, damit ihr der 
Mysterien (pvoiriQia) des Lichtreiches würdig seid und vor 

30 den Schwefel- und Pechmeeren (-d-dlaoaui) des Löwengesichtes 
gerettet werdet. Saget ihnen: Entsaget (drcotdaaeo^ai) dem 
Morden, damit ihr der Mysterien (ftvozrjQta) des Lichtes würdig 
seid und vor dem Archon {aqxiov) mit dem Krokodilsgesicht 

258 gerettet werdet — , dieser, welcher in der Kälte, | ist die 
35 erste Kammer {xapuiov) der äußeren Finsternis. Saget ihneß 

Entsaget (ßtnordaaea&ai) der Unbarmherzigkeit und Ru cn " 
losigkeit (-äoeßrjg), damit ihr der Mysterien (fiva^ia) deS 
Lichtes würdig seid und vor den Archonten {&q%ovieg) de 
äußeren Finsternis gerettet werdet. Saget ihnen: Ents»g e 



Cap. 102. 



189 



ß n o%üocieo&ai) der Gottlosigkeit, damit ihr der Mysterien 
favottjeia) des Lichtes würdig seid und vor dem Heulen und 
dem Zähneknirschen gerettet werdet. Saget ihnen: Entsaget 
ßrfOTttooeodcci) der Zauberei (q>aqiiaxeiai), damit ihr der 
jjysterien (ßvoTrßia) des Lichtes würdig seid und vor der 5 
großen Kälte und dem Hagel (%dXa^ai) der äußeren Finster- 
nis gerettet werdet. Saget ihnen: Entsaget (äftordooeo&ai) 
der Lästerung, damit ihr der Mysterien (juwmfcta) des Lichtes 
würdig seid und vor dem großen Drachen (ÖQÖy.ajv) der äußeren 
Finsternis gerettet werdet. Saget ihnen: Entsaget (äftozda- 10 
otod-ai) den Irrlehren (tcXüvj]-), damit ihr der Mysterien (fiv- 
ovi'igia) des Lichtes würdig seid und vor allen Strafen {wldasig) 
des großen Drachens (öqdvMv) der äußeren Finsternis gerettet 
werdet. Saget denen, welche Irrlehren (itXdvt]-) lehren, und 
einem jeden, welcher von ihnen unterrichtet wird: | Wehe euch, 260 
denn wenn ihr nicht Buße tut (^navoeiv) und euren Irrtum 
(rt'l.ävii) aufgebt, werdet ihr in die Strafen (xo).daeig) des 
großen Drachens (ÖQdxojv) und der äußeren Finsternis, die 
sehr schlimm ist, eingehen und niemals werdet ihr zur Welt 
(xöo/tos) geschleudert werden, sondern (&Xkd) bis ans Ende 20 
existenzlos werden. | Saget denen, welche die wahre (äXrj-d-eia) 259 
Lehre des ersten Mysteriums (/.ivatr'jQiov) aufgeben werden: 
Wehe euch, denn eure Strafe (xoXaoig) ist schlimm im Ver- 
gleich (itttQä) zu allen Menschen. Denn (ydg) ihr werdet in 
der großen Kälte, dem Eise (xQvataklog) und dem Hagel 25 
(y.dka£a) inmitten des Drachens (dqdxutv) und der äußeren 
Finsternis bleiben, und niemals werdet ihr von dieser Stunde 
ab zur Welt (xdopog) geschleudert werden, sondern (äkkd) 
werdet zugrunde gehen an jenem Orte und bei der Auflösung 
des Alls verzehrt (ävakiaxso&ai) und ewig existenzlos werden. 30 

Saget vielmehr den Menschen der Welt (xöopog): Seid 
schweigsam, damit ihr die Mysterien (ftvarr^ia) des Lichtes 
empfanget und nach oben in das Lichtreich eingehet. Saget 
ihnen: Seid menschenfreundlich (wörtl.: Menschen liebend), 
damit ihr der Mysterien (nvat^gia) würdig seid und nach oben 35 
111 das Lichtreich eingehet. Saget ihnen: Seid sanftmütig, 
damit ihr die Mysterien (j/ixrofeia) des Lichtes empfanget und 
"ach oben in das Lichtreich eingehet. Saget ihnen: Seid 

2 Vgl. Matth. 8, 12; 13, 42. 50 ; 22, 13; 24, 51; 25, 30; Luit. 13, 28. 



190 



Pistis Sophia. 



friedfertig («tgj?v«to/), damit ihr die Mysterien (tivorrjQia) * 
Lichtes empfanget und nach oben in das Lichtreich eingehet 
Saget ihnen: Seid barmherzig, damit ihr die Mysterien (u v . 
VßUnrfßia) des Lichtes empfanget und nach oben in das | Licht- 
5 reich eingehet. Saget ihnen: Gebet Almosen, damit ihr <u e 
Mysterien (/.ivaii']Qia) des Lichtes empfanget und nach oben in 
das Lichtreich eingehet. Saget ihnen : Wartet auf (dianoniv) 
den Armen und den Kranken und den Bedrückten, damit ihr 

260 die Mysterien {tivmfßia) | des Lichtes empfanget und nach 
10 oben in das Lichtreich eingehet. Saget ihnen: Seid gott- 
liebend, damit ihr die Mysterien (jtvovfaia) des Lichtes emp- 
fanget und nach oben in das Lichtreich eingehet. Saget 
ihnen : Seid gerecht (öi-xaioc), damit ihr die Mysterien favovrjQtai 
(des Lichtes) empfanget und nach oben in das Lichtreich 

15 eingehet. Saget ihnen: Seid gut (&ya&ol), damit ihr die My- 
sterien (nvotrjQia) (des Lichtes) empfanget und nach oben in 
das Lichtreich eingehet. Saget ihnen ; Entsaget (änozdaaead-ai) 
dem All, damit ihr die Mysterien (juwmfpta) des Lichtes emp- 
fanget und nach oben in das Lichtreich eingehet. 

20 Dies sind alle Grenzen (oqoi) der Wege für die, welche 
der Mysterien (uvar^ta) des Lichtes würdig sind. Solchen 
nun (oh), welche in dieser Entsagung (&7toTayrj) entsagt (tuto- 
zäooeo&ai) haben, gebet die Mysterien ((tvorrjoia) des Lichtes 
und nicht verberget sie ihnen überhaupt, selbst wenn (*&») 

25 sie Sünder sind und sie in allen Sünden und allen Missetaten 
(&vofäai) der Welt {x6a/iog), die ich euch alle gesagt habe, 
sich befunden haben, wenn sie umkehren und Buße tun (pst» 
voeIv) uud in dem Gehorsam (wwraxeyjf) sind. Ich sage euch 
jetzt: Gebet ihnen die Mysterien (jivm'qQia) des Licbtreicb.es 

30 und verberget sie ihnen überhaupt nicht, denn {y&o) wegen 
der Sündhaftigkeit habe ich die Mysterien (nvovtßid) in die 
Welt (xoojios) gebracht, damit ich all ihre Sünden, die sie von 
Anfang an begangen haben, vergebe. Deswegen nun habe 
262 ich zu euch einst gesagt: | »Ich bin nicht gekommen, die Ge- 

261 rechten (öUacoc) zu rufen«. Jetzt | nun habe ich die Mysterien 
(pvorrjoia) gebracht, damit die Sünden einem jeden vergeben 
und sie in das Lichtreich aufgenommen würden. Denn (y^ 
die Mysterien (nvovrßia), sie sind das Geschenk {öwqw) de 

34 Matth. 9, 13. Mark. 2, 17. Luk. 5, 32. 



Cap. 102. 103. iqi 

ersten Mysteriums (lu oir^iov), damit es auswische die Sünden 
ufl d Missetaten (ävo/.uai) aller Sünder.« 

CAP. 103. Es geschah nun, als Jesus diese Worte seinen 
Jüngern (ua^xal) zu sagen beendet hatte, da trat Maria vor 
0D d sprach zum Erlöser (owzfa): »Mein Herr, wird denn ein 5 
gerechter (öixaiog) Mensch, der in aller Gerechtigkeit (-öixaiog) 
vollendet ist, und jener Mensch, der überhaupt keine Sünde 
kat, wird ein solcher in den Strafen (xo).äoeig) und Gerichten 
(xgloug) gepeinigt (ßaoavi^eiy) werden, oder nicht? Oder (lj) 
•wird vielmehr jener Mensch in das Himmelreich gebracht io 
werden, oder nicht?« 

Es erwiderte aber (d£) der Erlöser (awiijo) und sprach 
zu Maria: »Ein gerechter (öixaiog) Mensch, der in aller Ge- 
rechtigkeit (-öixaiog) vollendet ist und niemals irgendwelche 
Sünde begangen hat, und ein solcher, der niemals irgendwelche 15 
Mysterien (nvorr^ia) des Lichtes empfangen hat, wenn die 
Zeit vorhanden, wann er aus dem Körper (aCb^a) herausgeht, 
so kommen sofort die aaoaXtjfimai. des einen von den großen 
Dreimalgewaltigen (xqiövväiiug), — diese, unter welchen ein 
Großer vorhanden ist, — rauben (&Qna%uv) die Seele (tyvxifiw 
jenes Menschen aus den Händen der ioivaioi naoaXf^imai 
und verbringen drei Tage, indem sie mit ihr in allen Krea- 
turen | der Welt (xöouog) kreisen. Nach drei Tagen führen sie 263 
sie hinab zum Chaos (xäog), um sie iu alle Strafen (xo)uioeig) 
der Gerichte (xoiaeig) zu führen und zu allen Gerichten (xgioeig)2b 
zu senden. Und die Feuer des | Chaos (xäog) belästigen (Ivo- 262 

sie nicht sehr, sondern (äXXd) belästigen (b>o%X&v) sie 
teilweise (ix /xfyovg) auf (nqög) kurze Zeit. Und mit Eifer 
(orcoudi}) eilends erbarmen sie sich ihrer, führen sie aus dem 
Chaos (xäog) herauf und führen sie auf den Weg der Mitte 30 
durch die Unbarmherzigen; in gleicher Weise (ö^oimg) nehmen 
Sl e sie wiederum aus allen Strafen (xoXäoetg) aller jener Ar- 
Konten (ÜQxovreg), und nicht strafen (xoXä&tv) sie (sc. die 
^honten) sie in ihren harten Gerichten (xgioetg), sondern 
W*ä) das Feuer ihrer Örter (%önoi) belästigt (ivoyXüv) sie 36 
^üweise (ix f.tioovg). Und wenn sie zu dem Orte (%6nog) des 
ac hthanabas, des Unbarmherzigen, gebracht wird, so vermag 
sie freilich (phnoiyt) in seinen bösen Gerichten (xqlaeig) 
l( *t zu strafen (xo).äCeiv), aber (äXXd) er hält sie kurze Zeit 



192 



Pistis Sophia. 



fest (xatexecv), indem das Fener seiner Strafen (xoldasig) sie 
teilweise (Ix nsgovg) belästigt (evo%Xelv). Und wiederum eilends 
erbarmen sie sich ihrer und führen sie aus jenen ihren Örtern 
(TÖTtoi) hinauf, und nicht bringen sie sie in die Aeonen (aiüveg), 
5 damit nicht die Archonten (äQxovreg) der Aeonen (aiüveg) sie 
raubend (oreQeoiiiwg) wegtragen, sondern (älXd) bringen sie 
auf den Weg des Lichtes der Sonne und bringen sie vor 
die Lichtjnngfrau {-nctQ&ivog). Sie prüft (doxifiä&iv) sie und 
findet, daß sie rein von Sünden, und nicht läßt sie sie zum 

10 Lichte bringen, weil das Zeichen des Reiches des Mysteriums 
(ixvorriQiov) nicht mit ihr ist, sondern (&kXd) sie besiegelt 
2(>4(oq>Qayil;Eiv) sie mit einem höheren Siegel (acpgayig), | und läßt 
263 sie in den Körper (ffw/ta) | in die Aeonen (aiüveg) der Ge- 
rechtigkeit (dixaioovvij) herabstoßen, — dieser (sc. Körper), der 

15 gut (&ya96g) sein wird, die Zeichen der Mysterien ({ivorrjQid) 
des Lichtes finden und das Lichtreich ewiglich ererben (xfoj- 
qovofxslv) wird. Wenn er hingegen ein- oder (ij) zwei- oder 
(ij) dreimal sündigt, so wird er wiederum in die Welt (xöofiog) 
zurückgeworfen werden gemäß (xatd) dem Typus (tvaog) der 

20 Sünden, die er begangen hat, deren Typus (xvnog) ich euch 
sagen werde, wenn ich euch die Darlegung des Alls gesagt 
haben werde. Aber (&Ud) wahrlich, wahrlich (fytijv, &im]v), 
ich sage euch: Selbst wenn (xäv) ein gerechter (ötxaiog) 
Mensch überhaupt keine Sünden begangen hat, so kann er 

25 unmöglich in das Lichtreich gebracht werden, weil das Zeichen 
des Reiches der Mysterien (nvovrßia) nicht mit ihm ist, mit 
einem Worte (äfca^aftlüg), es ist unmöglich, Seelen (ifivxai) 
zu dem Lichte zu bringen ohne die Mysterien (/xvcr^ia) des 
Lichtreiches.« 

30 CAP. 104. Es geschah nun, als Jesus diese Worte seinen 
Jüngern (tiadrycal) zu sagen beendet hatte, da trat Johannes 
vor und sprach: »Mein Herr, gesetzt ein sündiger und frevel- 
hafter (Ttaqdvonog) Mensch ist vollendet in allen Missetaten 
(avo,ulai), und er hat um des Himmelreiches willen von all 

35 diesen abgelassen und der ganzen Welt (xoVog) und der 
ganzen in ihr befindlichen Materie entsagt (anotdaaead-ai), 
und wir geben ihm von Anfang (&qx>J) an die Mysterien (/'"- 
anjQia) des Lichtes, die im ersten Räume (x<l>QW a ) von allßen 
sind, und wenn er die Mysterien (.uwmfeta) empfängt, nach 



Cap. 103. 104. lg3 

■ «iner kleineu Weile wiederum, wenu er umkehrt und Über- 
tretung begeht (rtaeaßalvetv), und danach wiederum wenn er 
umkehrt und von allen Sünden abläßt und umkehrt'und | der 264 
ganzen Welt (,ö 0/i o S ) | und der ganzen in ihr beCüchen 
Materie « entsagt (ärroräaoeo^ , so daß er ^ ^ t 
kommt und m großer Reue (^dyoia) sich befindet, und wenn 
WH • wahrhat^g (al^g) in Wahrheit wig daß w n 

Gott sehnt, sodaß wir ihm das zweite Mysterium (.u^W) 
des ersten Raumes (^ a ), der außerhalb, geben. Ebenso 
(oticus) wenn er von neuem umkehrt und Übertretung begehtio 
(naoa^uv) und sich wiederum in den Sünden der Welt 
(*oouo, } befandet, und wiederum wenn er danach umkehrt und 
von den Sunden der Welt («fo^ abläßt und wiederum der 

uZl r; ( T1 ?, Qd d6r ganzen in ihr befindlichen 
™ße p , (*»■*■■*•) und er wiederum in 15 

gioßei Reue (^«m«) sich be fi nde t und wir bestimmt es 
wissen, < daß,, er nicht heuchelt (inoxolveoVai), so daß wir 
umkehren und ihm die Mysterien (^oca) des Anfangs 

befinde! Eb^f T RaUme ™ außeQ 

befinden . Ebenso (^o^ s ) wenn er wiederum umkehrt und 2, 

und gt und sich in jedem Typus («fco*) (sc. der Sünden) be- 
findet wünschest Du, daß wir ihm bis zu (fcri siebenmal 
vergeben und ihm die Mysterien ( w>ta) , die in dem ersten 
Kaume (-„a) von innen (?von außen) sind, bis zu (&*?) 
■ebenmal geben, oder nicht?;. ^ S % 

Es antwortete wiederum der Erlöser (canw) und sprach 25 
» Johanne. : .Nicht nur ( 0 ^ 0 W) vergebet V 
«ebenmal, sondern (dürf) wahrlich ich sage euch: Ver- 

f" 0- ' dle Mysterien Oiwrofe«*) von Anfangen) an die ümn 
dem erste n Räume ( ÄH von außen 11%^ ™ 
* nnt ,hr die Seele jenes Bruders, und er ererbt 

JfT^ das I^htreich. Deswegen nun (pty, als ihr 
**h ernst fragtet, | indem ihr sagtet: ( .Wenn unser Bruder?« 5 
««gen uns sündigt, wünschest Du, daß wir ihm bis zu sieben- sf 
fflal vergeben?« - antwortete ich und sprach zu euch i m 
'wcnnisse (TtaoaßoXj), indem ich sagte: -Nicht nur (od uövov) 
m zu siebenmal, sondern (älkd) bis zu siebenmal siebenzi»- 
34 f. Matth. 18, 21. 22. Lnk. 17, 4. 
»ohmidt: Pistls SopUia. 13 



194 Pistis Sophia. 

mal.« Jetzt nun vergebet ihm vielmals und gebet ihm jedes- 
mal (xaTtt-) die Mysterien (jt&mfeta), die in dem ersten Räume 
(xioQua) sind, der außerhalb; vielleicht gewinnt ihr die Seele 
{ipvxtf) jenes Bruders, und er ererbt (xhjQOvofielv) das Licht- 
ö reich. Wahrlich, wahrlich (äfifr, äprjv) ich sage euch: Wer 
eine einzige Seele (tf^xn) am Leben erhalten und erretten 
wird, der wird außer (xuqis) der Ehre, die er in dem Licht- 
reiche besitzt, noch andere Ehre empfangen für die Seele 
(ifivxfy die er errettet hat, so daß (äms) der, welcher viele 
10 Seelen (ipvxal) erretten wird, außer (x^s) der Ehre, die er 
in dem Lichte besitzt, viele andere Ehren empfangen wird 
für die Seelen (tpvxai), die er errettet hat.« 

CAP. 105. Als dieses nun der Erlöser (oomfe) gesagt 
hatte, stürzte Johannes vor und sprach: »Mein Herr, ertrage 
15 mich, wenn ich Dich frage, denn (yäo) von jetzt ab will ich 
beginnen (%£a#«t), Dich wegen aller Dinge zu befragen in 
betreff der Art, wie wir der Menschheit verkündigen (jcij^w- 
oeiv) sollen. Wenn ich nun (oh) jenem Bruder ein Mysterium 
(ixvavi'iQiov) aus den Mysterien (nvatrßia) des Anfangs 
20 gebe, die sich in dem ersten Baume (x^Qr^ia) von außen be- 
finden, und wenn ich ihm viele Mysterien (pvozrjQia) gebe 
2 1£und er das | des Himmelreiches Würdige nicht tut, | wünschest 
267 Du, daß wir ihn hindurchgehen lassen zu den Mysterien 
(livovfjQia) des zweiten Raumes (xdiQr^ia)? Vielleicht gewinnen 
25 wir die Seele (tpvxq) jenes Bruders, und er kehrt um, tut 
Buße (necavoelv) und ererbt (idijQovopeZv) das Lichtreich. 
Wünschest Du, daß wir ihn hindurchgehen lassen zu den 
Mysterien (livarfaut), die im zweiten Räume fat&pi^a) sind, 
oder nicht?« 

30 Es erwiderte aber ißt) der Erlöser (aarofe) und sprach 
zu Johannes: »Wenn es ein Bruder ist, der nicht heuchelt 
(vitoxQivea&ai), sondern (&Ud) sich in Wahrheit (ttt^io) nach 
Gott sehnt, und wenn ihr ihm vielmals die Mysterien (p* 
azrßia) des Anfangs (%»?) gegeben habt und dieser wegen 

35 des Zwanges {ävdyxr}) der Elemente (atoixeia) der Heimarmen 6 
(eliuxQLdyrj) nicht das der Mysterien (pvotfaia) des Lieh - 
reiches Würdige getan hat, so vergebet ihm, laßt ihn bin* 
durchgehen und gebt ihm das erste Mysterium (jivoxrtQ 10 ** 
das im zweiten Räume (xÜQW tt )\ vielleicht gewinnt ihr 



Cap. 104. 105. 19ö 

Seele (tyvX'i) jenes Bruders. Und wenn er nicht das der 

Hysterien (fivn^Qia) des Lichtes Würdige getan hat und er 
iie Übertretung {iraqdßamg) und allerhand Sünden begangen 
j, a t und danach wiederum umgekehrt ist, und er ist in großer 
Keue (peidvoia) gewesen und hat der ganzen Welt (xöanog) 5 
entsagt (änozäooeod-ai) und von allen Sünden der Welt (xöopog) 
abgelassen, und ihr wißt bestimmt, daß er nicht heuchelte 
(vjtoxQlveo&ai), sondern (äMd) in Wahrheit (aXföeia) sich 
nach Gott sehnt, so wendet euch von neuem, vergebet ihm, 
lasset ihn hindurchgehen und gebet ihm das zweite Mysterium 10 
(ftvazrjQiov) in dem zweiten | Räume (x^QVh 0 ) des ersten Myste-267 
riums (uvozi'iqwv); vielleicht gewinnt ihr die Seele (ifwxtf) 
jenes Bruders und er ererbt (xkrßovofieiv) das Lichtreich. — 
Und wiederum, wenn er nicht getan hat das der Mysterien 
(fivovfjQia) Würdige, sondern (&lXd) in der Übertretung (ixaqd- 15 
ßaoig) und | allerhand Sünden gewesen ist, und danach wiederum 268 
ist er umgekehrt und in großer Reue (/.tetdvota) gewesen und 
hat der ganzen Welt (xöopog) und der ganzen in ihr befind- 
lichen Materie (vlrj) entsagt (aTrordooeo&ai) und von den 
Sünden der Welt (xöo^og) abgelassen, so daß ihr wahrhaftig 20 
(&ty&a>g) wißt, daß er nicht heuchelte (vTtoxqlvea^m), sondern 
(Attd) sich nach Gott wahrhaftig sehnt, so wendet euch von 
neuem, vergebet ihm und nehmet von ihm seine Reue (/.tevd- 
»ot«) entgegen, weil mitleidig und barmherzig das erste 
Mysterium (pvafaiov) ist; lasset auch jenen Menschen hin- 25 
durchgehen und gebet ihm die drei Mysterien (pvonfeia) bei- 
e wander, die in dem zweiten Räume (xdgijtta) des ersten 
%steriums (uvon'jQiov). — Wenn jener Mensch Übertretung 
J^geht {TtaQctßaheiv) und in allerhand Sünden ist, so sollt ihr 
1 ^ 3a von diesem Augenblick an nicht vergeben noch (odöe)30 
Von ihm seine Reuen (nerdvouti) entgegennehmen, sondern 
(ÄU<i) er möge unter euch wie (<&g) ein Anstoß (oxdvöaXov) 
^d wie (wg) ein Übertreter (TtaQaßthrjg) sein. Denn (ydq) 
Wahrlich (a^v), ich sage euch: Jene drei Mysterien (itvotifeia) 
Verden ihm Zeugen sein für seine letzte Reue (fierdvoia), und 35 
!! le ht besitzt er Reue (fierdvoia) von diesem Augenblick an. 

enn ( yt s e ) wa hrlich (ärfv), ich sage euch: Jenes Menschen 
^le {xpvxij) wird nicht | in die obere Welt (xöoftog) zurück- 268 

Wor fen von diesem Augenblick an, sondern (aXXd) wird in 

13* 



196 



Pistis Sophia. 



den Wohnungen des Drachens (öqöxwv) der äußeren Finster- 
nis sein. Denn {ydq) in betreif der Seelen (ipv%ai) derartig e - 
Menschen habe ich zu euch einst im Gleichnisse {nagaßo).^ 
gesprochen, indem ich sagte: >Wenn dein Bruder wider Diel, 
200 sündigt, so überführe ihn zwischen dir \ allein und ihm ; wenn 
er auf dich hört, so wirst du deinen Bruder gewinnen ; wenn 
er nicht auf dich hört, so nimm mit dir noch einen andern. 
Wenn er nicht auf dich und den andern hört, so führe ihn 
zur Gemeinde (£xxi.r]oia); wenn er auf die andern nicht hört 

10 so sei er vor euch wie (wg) ein Übertreter (Tcagaßdr^g) und 
wie (t&e) ein Anstoß (axdvöalovy, d. h. wenn er im ersten 
Mysterium (ftvar^Qiov) nicht brauchbar ist, so gebt ihm das 
zweite, und wenn er im zweiten nicht brauchbar ist, so gebt 
ihm die drei (sc. Mysterien) beieinander versammelt, welche 

15 sind die Gemeinde (hadyaki), und wenn er im dritten My- 
sterium (/.ivoTrjQiov) nicht brauchbar ist, so sei er vor euch 
wie (ojg) ein Anstoß (axdvöalov) und wie (6g) ein Übertreter 
(TtctQaßdxiqq). Und das Wort, das ich zu euch einst gesagt 
habe: >damit durch zwei bis drei Zeugen jedes Wort fest- 

20 gestellt werde«, es ist dieses: Jene drei Mysterien (jxvoi (qio) 
werden Zeugnis ablegen für seine letzte Reue (fisrdvoia). Und! 
269 wahrlich (<fy«/v) | ich sage euch: Wenn jener Mensch Reue 
empfindet (ftezavoelv), so kann kein Mysterium (jivowjQiov) ihm 
seine Sünden vergeben, noch (ovös) kann seine Rene {und- 

25 voia) von ihm angenommen, noch (ovde) er überhaupt durch 
irgend ein Mysterium (fivarrjQLov) erhört werden, wenn nicht 
(et (tijti) durch das erste Mysterium (pvoTtjQiov) des ersten 
Mysteriums (fivcm'iQiov) und durch die Mysterien (/.nwi'Qia) 
des Unaussprechlichen. Diese allein sind es, die die Reu e 

30 (uezdvoia) jenes Menschen von ihm annehmen und seine Sünden 
270 vergeben werden, weil nämlich (ydg) mitleidig | und barm* 
herzig sind jene Mysterien (nvorrjQta) und vergebend zu jede»! 
Zeit.« 

CAP. 106. Als dieses nun der Erlöser (atozr^) ges*& 
35 hatte, fuhr Johannes wiederum fort und sprach zum B rlö ^ rf 
(owrife): »Mein Herr, gesetzt ein sehr sündhafter Bruder. & 
der ganzen Welt (xöopog) und der ganzen in ihr befindlich 

4 Vgl. Matth. 18, 15-17. Luk. 17, 3. — 19 Vgl. Matth. 18, l6 ' I 



Cap. 105. 106. 



197 



Materie (vlrj) und all ihren Sünden nnd all ihren Sorgen ent- 
, a gt (anotäaaead-ai) hat, und wir prüfen (öoxiud&iv) ihn und 
w i°.sen, daß er nicht in Hinterlist und Heuchelei (vjtmgtaig) 
igt sondern (älld) daß er sich in Aufrichtigkeit und Wahr- 
heit (alr/d-eia) (nach Gott) sehnt, und wir wissen, daß er der 5 
Mysterien (/.ivaT^gca) des zweiten Raumes (xiugrjfia) oder (ff) 
des dritten würdig geworden ist, mit einem Worte (&ra£), 
wünschest Du, daß wir ihm von den Mysterien (pvoTrigta) des 
zweiten Baumes (xoigr^a) oder (rj) des dritten geben, bevor 
er überhaupt Mysterien (/.ivar^gia) der Erbteile (xlrjgoroidai) 10 
des Lichtes empfangen hat? Wünschest Du, daß wir ihm 
geben, oder nicht?« 

Es erwiderte aber (öi) der Erlöser (owrfß) und sprach 
zu Johannes inmitten der Jünger (ixa-d^al): »Wenn ihr be- 
stimmt wisset, daß jener Mensch | der ganzen Welt (xo'o^og) 270 
und all ihren Sorgen und all ihren Beziehungen (oful(at) und 
all ihren Sünden entsagt (uTtordaaeadai) hat, und wenn ihr 
in Wahrheit (alföeia) wisset, daß er sich nicht in Hinterlist 
befindet, noch (ovöe) daß er sich in Heuchelei (vnöxgiaig) be- 
fand, noch (ovöe) daß er vorwitzig (ftegiegyog) war, um von 20 
den Mysterien (/.worfgia) zu wissen, wie beschaffen sie sind, 
| sondern {alte) daß er sich in Wahrheit (alfjd-ua) nach Gott 271 
sehnt, einem solchen verberget sie nicht, sondern (alte) gebet 
ihm von den Mysterien (/AvoTrjgia) des zweiten und dritten 
Baumes (xügr^a) und prüfet (doxifid&iv) selbst, welches My-25 
Stenums (^van'jgiov) er würdig ist, und wessen er würdig ist, 
das gebet ihm und verberget ihm nicht, denn (sonst) seid ihr, 
wenn ihr ihm verberget, eines großen Gerichtes (y.gl/xa) schuldig. 
Wenn ihr ihm einmal von dem zweiten Baume (yßgr^a) oder 
p) von dem dritten gebet, und er wiederum umkehrt und 30 
sündigt, so sollt ihr wiederum das zweite Mal bis zum (mg) 
Ritten Male fortfahren. Wenn er ferner sündigt, so sollt ihr 
Dl cht fortfahren, ihm zu geben, denn jene drei Mysterien 
Wvoii.gut) werden ihm Zeugen für seine letzte Beue (fietd- 
° la ) sein — und wahrlich (afirjv) ich sage euch: Wer jenem 35 
enschen von neuem Mysterien (fivazrjgta) von dem zweiten 
•ttaume (xdigr^ta) oder (?,') von dem dritten geben wird, ist eines 
Stoßen Gerichtes (xglfia) schuldig — sondern (älld) möge er 
0r euch wie (ö>g) ein Übertreter (fiagaßdrijg) und wie (&s) 



198 



Pistis Sophia. 



ein Anstoß (oxdvöcdov) sein. Und wahrlich (&uf t v) ich sage 
ench: Die Seele (ipvxrj) jenes Menschen kann nicht in die 

271 Welt (xöofiog) | von diesem Augenblick an zurückgeworfen 
werden, sondern (d)ld) sein Wohnsitz ist inmitten des Eachens 

ödes Drachens (öqüxwv) der äußeren Finsternis, des Ortes des 
Heulens und Zähneklapperns. Und bei der Auflösung der 
Welt (■xöa/.wg) wird seine Seele (t/w/rj) zugrunde gehen und 
aufgezehrt (dmUaxsa&ai) werden von der gewaltigen Kälte 
und dem sehr gewaltigen Feuer, und sie wird ewiglich 
10 existenzlos werden. Aber {6316) wenn er noch (tri) wiederum 

272 umkehrt | und der ganzen Welt (y.öopog) und all ihren Sorgen 
und all ihren Sünden entsagt (6noT6oGEO&ai) und er in großer 
Lebensweise (noliTda) und großer Reue (/.lerdvota) ist, so kann 
kein Mysterium (nvotf[Qiov) von ihm seine Reue (^isxdvoia) au- 
fnehmen noch (o'vve) kann es ihn erhören, um sich seiner zu 

erbarmen, und von ihm seine Reue (/.terdvoia) annehmen und 
seine Sünden vergeben, wenn nicht (et /.nfa) das Mysterium 
(uvaziiQiov) des ersten Mysteriums (nvar^tov) und da» Myste- 
rium (f.iv<JTrjQLov) des Unaussprechlichen; diese allein sind es, 

20 welche die Reue (/xerdvoia) jenes Menschen von ihm annehmen 
und seine Sünden vergeben werden, weil nämlich (yäg) mit- 
leidig und barmherzig sind jene Mysterien (/.ivorfgia) und 
Sünden vergebend zu jeder Zeit.« 

CAP. 107. Als dieses aber (Se) der Erlöser (awrife) ge- 

25 sagt hatte, fuhr Johannes wiederum fort und sprach: »Mein 
Herr, ertrage (avexeo&äi) mich, wenn ich Dich frage, und 
zürne mir nicht, denn (ydq) ich frage nach allen Dingen 
sicher und zuverlässig (6ocp6ltia) um der Weise willen, wie 
wir den Menschen der Welt (xöafiog) verkündigen (xt}(njooeiv) 

30 sollen.« 

Es erwiderte aber (de) der Erlöser (owi^) und sprach 
zu Johannes: »Frage nach allen Dingen, nach welchen du 
trägst, so werde ich sie dir von Angesicht zu Angesicht 
272 offenbaren | offen (rcaqqifjaUt) ohne Gleichnis (Ttagaßah)) oder 
35 (/;) bestimmt.« 

Es erwiderte aber (öi) Johannes und sprach: »Mein Herr, 
wenn wir gehen und verkündigen {/.r^voaeiv) und kommen in 



0 Vgl. Matth. 8, 12 etc. 



Cap. 106. 107. 



199 



«ine Stadt (nökig) oder (f]) ein Dorf (xihfirj), und wenn vor 
uns die Menschen jener Stadt (nölig) herauskommen, ohne 
daß wir erkennen, wer sie sind, und wenn sie, in großer 
Hinterlist und großer Heuchelei (vtvöxqiois) befindlich, uns 
hei sich aufnehmen und in ihr Haus führen, | indem sie die 273 
Mysterien QxvatriQia) des Lichtreiches zu versuchen (neiQd&iv) 
wünschen, und wenn sie mit uns in Unterwürfigkeit (vnoTayrj) 
heucheln (vjtoxqivea&ai), und wir meinen, daß sie sich nach 
•Gott sehnen, und wir geben ihnen die Mysterien (/ivox-feia) 
des Lichtreiches, und wenn wir danach wissen, daß sie nicht 10 
das des Mysteriums (jivozrjQiov) Würdige getan haben, und 
wir wissen, daß sie mit uns geheuchelt (vTtoxQLveod-ai) haben 
und gegen uns hinterlistig gewesen sind und daß sie auch 
die Mysterien (nvo-irßia) an jedem Orte (xa%h tönov) zum 
.Spotte (nagddeiyfia) gemacht haben, indem sie uns und auch 15 
unsere Mysterien (fivoufQia) erprobten (öoxi/id&iv?), — was ist 
■denn die Sache, die derartigen (Menschen) geschehen wird?c 
Es erwiderte aber (de) der Erlöser (ow-rife) und sprach 
•zu Johannes: »Wenn ihr in eine Stadt (mölis) oder (!}) ein 
Dorf (xcö/tjj) kommt, wo ihr in das Haus hineingehet und sie 20 
euch bei sich aufnehmen, so gebet ihnen ein Mysterium (ftu- 
•tnijyiov). Wenn sie würdig sind, so werdet ihr ihre Seelen 
hfn>xa£) gewinnen, und sie werden das Lichtreich ererben 
■(xXijQovofiEiv), aber (dlld) wenn sie nicht würdig, sondern (ähld) 
hinterlistig gegen euch sind, und wenn sie auch die Mysterien 25 
{nvmrßLa) zum Spott (ttctQdöeiyfta) machen, indem sie euch 
und auch die Mysterien (/.ivarr^ta) erproben (öoxi[td£stv?), so 
'rufet an | das erste Mysterium (fivazijQiov) des ersten Myste-273 
riums (nvcraj^iov), das sich eines jeden erbarmt, und saget: 
»Auch du Mysterium (fivatij^iov) , das wir diesen gottlosen 30 
•(Heeßels) und frevelhaften (TtaQdvofioi) Seelen (i/jv/ui) gegeben 
haben, welche nicht das deines Mysteriums (/xvot^qwv) Würdige 
•getan, sondern (cclld) uns zum Spott (rtaQddeiyfta) gemacht 
haben, wende das Mysterium (pvorr'iQiov) zu uns zurück und 
anache sie fremd (uIIötqioi) dem Mysterium (nvartfgiov) deines 35 
[Seiches ewiglich <. Und schüttelt den Staub von euren Füßen 274 
an einem Zeugnis für sie, indem ihr zu ihnen sagt: »Eure 

19 Vgl. Matth. 10, 11. — 36 Vgl. Mark. 6, 11; Luk. 9, 5; 10, 11; 
Matth. 10 ? 14. 



200 



Pistis Sophia. 



Seelen (xpv%ai) mögen wie der Staub eures Hauses sein<. 
Und wahrlich (ä/ttfv) ich sage euch: In jener Stunde werden 
zu euch alle Mysterien (fworrjeia), die ihr ihnen gegeben habt, 
zurückkehren, und alle Worte und alle Mysterien (ßtvQnjffia) 
5 des Ortes (rönog), bis zu dem sie Formen (ff^r/^ara) empfangen 
haben, werden von ihnen genommen werden. In betreff der- 
artiger Menschen nun (oiv) habe ich einst zu euch im Gleich- 
nisse (rcaqaßoXri) gesprochen, indem ich sagte: >Wo ihr in ein 
Hans hineingehen und aufgenommen werdet, so saget ihnen. 

10 Friede (eig^vrj) sei euch. Und wenn sie würdig sind, so komme 
euer Friede (eiQijvrj) über sie, und wenn sie nicht würdig sind, 
so kehre euer Friede (eiQijvrj) zu euch zurück«, d. h. wenn 
jene Menschen das der Mysterien (/tvartjQia) Würdige tun und 
sich in Wahrheit nach Gott sehnen, so gebet ihnen die My- 

15 sterien (fivanjgta) des Lichtreiches, aber (&IM) wenn sie mit 
euch heucheln (vitoxQiveo&ai) und hinterlistig gegen euch sind, 
274 ohne daß ihr es gewußt habt, | und wenn ihr ihnen die My- 
sterien (iivomjQta) des Lichtreiches gebet, und sie wiederum 
danach die Mysterien (fivovijQia) zum Spott (jcagdösiy^ta) 

20 machen und sie machen auch das Erproben (doxi(id£eiv?) von 
euch und auch von den Mysterien (jtvoTrjQia), so vollziehet das 
erste Mysterium (/ivatfjQiov) des ersten Mysteriums (ftvanjQiov) 
und es wird zu euch alle Mysterien (fuvTTjQia) zurückwenden, 
die ihr ihnen gegeben habt, und es wird sie fremd (ccXIötqioi) 

25 den Mysterien (ftvarr^ia) des Lichtes ewiglich machen. Und 
27,5 derartige (Menschen) | werden nicht zur Welt (xöo/iog) von 
diesem Augenblick an zurückgeworfen werden, sondern (&)M) 
wahrlich (&firjv) ich sage euch : Ihr Wohnort ist inmitten des 
Rachens des Drachens (öqü>uov) der äußeren Finsternis. Wenn 

30 sie aber (64) noch (Ire) in einer Zeit der Reue (/.iszdvoia) der 
ganzen Welt (xöoi.tog) und der ganzen in ihr befindlichen 
Materie (ß).rf) und allen Sünden der Welt (xöo(iog) entsagen 
(äTtotäaaea&ai) und sie in dem ganzen Gehorsam (wtorayri) der 
Mysterien (ßwmfjQut) des Lichtes sich befinden, so kann sie 

35 kein Mysterium (jivmr^iov) erhören noch (ovre) ihre Sünden 
vergeben, wenn nicht (ei /.lijTi) dieses einzige Mysterium 0*°'- 
orrjQtov) des Unaussprechlichen, das sich eines jeden erbarm 
und die Sünden einem jeden vergibt.« 

8 Vgl. Matth. 10, 12. 13; Mark. 6, 10; Lnk. 9, 4. 5; 10, 5. 6. 



CAP. 108. Es geschah, als Jesus diese Worte seinen 
Jüngern ((ict&rjrai) zu sagen beendet hatte, da betete Maria 
die Füße Jesu an und küßte sie. Maria sprach: »Mein Herr, 
ertrage (ävtyeodai) mich, wenn ich Dich frage, und zürne mir 
nicht. < 5 

Es antwortete der Erlöser {awr-qQ) und sprach zu Maria: 
»Frage, wonach du zu fragen wünschest, so will ich es offen- 
baren | dir offen (rtaQQrjaia).« 275 

Es antwortete aber (&Q Maria und sprach: »Mein Herr, 
gesetzt ein guter (iyad-ög) und vortrefflicher Bruder, den wir 10 
mit allen Mysterien (pvarrj(>ia) des Lichtes angefüllt (rtlrßovv) 
haben, und jener Bruder hat einen Bruder oder Ver- 
wandten (avyyevijs), mit einem Worte (äna^aTtlag), er hat 
überhaupt einen Menschen, und dieser ist ein Sünder und ein 
Gottloser (äaeßr/g) oder (fj) vielmehr er ist kein Sünder, und 15 
ein solcher ist aus dem Körper (oö>/«a) gegangen, und das Herz 
des guten (äyad-ög) Bruders ist betrübt und traurig (Xvnelo-d-ai) 276 
über ihn, daß er sich in Gerichten (xoloeig) und Strafen (xo- 
. Masig) befindet, — jetzt nun, mein Herr, was sollen wir tun, 

bis daß wir ihn aus den Strafen (xokäasig) und den gewaltigen 20 
l Gerichten (-xoioeig) versetzen?« 

Es antwortete aber (de) der Erlöser (owtijß) und sprach 
E zu Maria: »In betreff dieses Wortes nun (oöv) habe ich zu 
t euch ein andermal gesprochen, aber (&lld) höret nun (oh), 
I damit ich es von neuem sage, auf daß ihr in allen Mysterien 26 
Bt/<fffT>;gfc) vollendet sein werdet und >die Vollendeten in aller 
I Fülle {nh';Qioua)< genannt werdet. Jetzt nun, alle Menschen, 
\. Sünder oder (ff) vielmehr die keine Sünder sind, nicht nur 
wkov ixovov) wenn ihr wünschet, daß sie aus den Gerichten 
I (xß/of/,'1 und gewaltigen Strafen (xoläaetg) genommen, sondern 30 
l (UM) daß sie in einen gerechten {div.aiog) Körper (aw/ia) ver- 
I setzt werden, der die Mysterien (ftvonfaut) der Gottheit finden 
I wird, daß er nach oben geht und das Lichtreich ererbt (x).r r 
I (jovouelv), so vollziehet das dritte Mysterium (fivmrjoiov) des 
t Unaussprechlichen | und sprechet: > Traget die Seele (i/'f/*?) 276 
I des und des Menschen, den wir in unserm Herzen denken, 
[ traget ihn aus allen Strafen (nokdaeig) der Archonten (äp/ovres) 
I und beeilt euch (aitovöaCeiv) eilends ihn vor die Lichtjung- 
| frau {-naqd-evog) zu führen, und in jedem Monat möge ihn die 



202 



Pistis Sophia. 



Lichtjungfrau (-ftaqd-ivog) mit einem höheren Siegel (oq>Qayty 
besiegeln (arpQayi^eiv), und in jedem Monat möge die Licht- 
jungfrau (-TtccQ&evog) ihn in einen Körper (aw/io) stoßen, der 
gerecht (ötxaiog) und gut (&yad-6g) werden wird, so daß er 
5 nach oben geht und das Lichtreich ererbt (xlr^ovofielvy. Wenn 
ihr aber (de) dieses sprechet, wahrlich («/«}>') ich sage euch: 
Es beeilen sich (o7tovöd£eiv) alle, die in allen Ordnungen 
277(Täl-eig) | der Gerichte (xyloeig) der Archonten (ÜQxovzeg) dienen 
(vrtovQyelv), und übergeben jene Seele (t/wjp}) einander, bis daß 

10 sie sie vor die Lichtjungfrau (-naQ&ivog) führen. Und die 
Lichtjungfrau (-naqd-ivog) besiegelt (otpQayi^eiv) sie mit den 
Zeichen des Reiches des Unaussprechlichen und übergibt sie 
ihren naqah'jUTtroQeg, und die Tcaqakf^nxai stoßen sie in einen 
Körper (oCo/ia), der gerecht (öixaiog) werden und die Mysterien 

15 (uvatriQiu) des Lichtes finden wird, so daß er gut (&ya&6g) 
wird und nach oben geht und das Lichtreich ererbt (xXr t oo- 
vofiüv). — Siehe, dies ist es, nach dem ihr mich fragt.« 

CAP. 109. Es antwortete Maria und sprach: »Jetzt nun, 
mein Herr, hast Du denn nicht Mysterien (jivortßux) in die 
277 Welt (xöauog) gebracht, damit nicht der | Mensch stürbe durch 
den Tod, der ihm von den Archonten (ÜQxovteg) der Heimar- 
mene (Ei^aQuivrj) bestimmt ist, daß, wenn einem bestimmt ist, 
durch das Schwert zu sterben oder (ff) durch die Gewässer 
zu sterben oder (ff) durch Peinigungen (ßdaavoi) und Torturen 

2b(ßaoavtopo£) und Mißhandlungen {Vßgeig), die in den Gesetzen 
(rojuot), oder (ff) durch einen andern bösen Tod, — hast Du 
denn nicht Mysterien {uvat^Qia) in die Welt (xöafiog) gebracht, 
damit nicht der Mensch an ihnen durch die Archonten (#e- 
%ovTsg) der Heimarmene (elfiagfievif) stürbe, sondern (&U.d) 

30 damit er durch einen plötzlichen Tod stürbe, auf daß er keine 
Leiden durch solche Todesarten erdulde? Denn [ydq) wie 
vielmehr zahlreich sind die, welche uns um Deinetwillen ver- 
folgen, und zahlreich die, welche uns um Deines Namens willen 
verfolgen (öulmeiv), damit, wenn sie uns peinigen {ßaaavit,uv), 

35 wir das Mysterium (ixvaTijQcov) sprechen und sofort aus dem 
Körper (a&na) gehen, ohne irgend welche Leiden erduldet zu 
haben.« 

Es antwortete der Erlöser (ffui^) und sprach' zu all 
seinen Jüngern {ua&rjTcci) -. »In betreff dieses Wortes, nachdem 



Cap. 108—110. 



203 



tjtf mich fragt, habe ich zu euch ein andermal gesprochen, 
aber (<*M<*) höret wiederum, damit ich es euch von neuem 
•guge: Nicht nur (ov /.tövov) ihr, sondern (&17.6) jeder Mensch, 
j er das erste Mysterium (jivavqqiov) | des ersten Mysteriums 278 
^ivfftrjQiov) des Unaussprechlichen vollenden wird, wer nun 5 

jenes Mysterium (j.ivarr l Qiov) vollziehen und es in all 
geinen Formen (ay^fiaza) und all seinen Typen (viitot) und 
seinen Stellungen vollenden wird, indem er es zwar (jxlv) voll- 
zieht, wird er nicht aus dem Körper (aä^ta) kommen, sondern 
[illa], nachdem er jenes Mysterium (nvovqQLov) und seine 10 
formen (oyjuara) | und all seine Typen (tvjtoi) vollendet hat, 278 
danach nun zu jeder Zeit, wo er jenes Mysterium (fivorrjQiov) 
anrufen (övo/.iüuiv) wird, wird er sich retten vor alledem, 
was ihm von den Archonten (aQyovreg) der Heimarmene 
(elftctQusvr,) bestimmt ist. Und in jener Stunde wird er aus 15 
dem Körper ,(oß>[ia) der Materie (vlrj) der Archonten (äqyovxeg) 
herauskommen, und seine Seele (ipvyrj) wird ein großer Licht- 
abfluß {-&rcÖQQoia) werden, so daß sie nach oben fliegt und 
alle Orter (ronoi) der Archonten (ägxovTeg) und alle Orter 
(töjtoi) des Lichtes durchwandert, bis daß (Mag) sie zu dem 20 
Orte (rörtog) ihres Reiches gelangt.. "Weder (ollve) gibt sie 
Antworten (äjroydoeig) noch (ovre) Apologien (iutokoylai) an 
irgend einem Orte (x6nog), denn (yÜQ) sie ist ohne Geheim- 
zeichen (-av(ißo).a).« 

CAP. 110. Als nun Jesus dieses gesagt hatte, fuhr Maria 25 
fort, stürzte sich vor die Füße Jesu, küßte sie und sprach: 
»Mein Herr, noch (eh) werde ich Dich fragen. Offenbare (es) 
uns und verbirg (es) uns nicht.« 

Es antwortete Jesus und sprach zu Maria: »Fraget, 
wonach ihr fraget, so will ich (es) euch offen (naQQrjaia) ohne 30 
Gleichnis (itaQaßoh}) offenbaren.« 

Es antwortete Maria und sprach: »Mein Herr, hast Du 
denn nicht Mysterien (fivan]Qia) in die Welt (xoojuog) gebracht 
"Di der Armut und des Reichtums willen, und um der Schwach- 
heit und der Stärke willen, und | um der airqaug (? -/.ivqaeig) und 379 

35 Das griechische Wort oivqote muß verderbt sein, S. 201, Z. 22 steht 
""'<■""*•. Nach dem Zusammenhange und den paarweisen Antithesen muß 
an »Krankheiten« gedacht werden, nach der Parallele o. S. 154, Z. 4 ist 
Wahrscheinlich xivnan zu lesen. 



i 



204 



Pistis Sophia. 



der gesunden Körper (mb/tma) willen, mit einem Worte {ana^ 
anlag), um alles Derartige willen, damit, wenn wir zu den 
Örtern (vöitoi) des Landes (x</>$>«) gehen und sie uns nicht 
glauben (itiOTeveiv) und sie auf unsere Worte nicht hören 
5 und wir ein derartiges Mysterium (fivarrjQiov) an jenen Örtern 
(zöjtoi) vollziehen, sie wahrhaftig (ält]&wg) in Wahrheit wissen 

279 daß wir | die Worte <des Gottes) des Alls verkündigen (xij.' 
Qvooeiv).« 

Es antwortete der Erlöser (ocot^q) und sprach zu Maria 

10 inmitten der Jünger ((ia9-t]Ta[): »Was dieses Mysterium (^t| 
<m'}Qiov) anbetrifft, nach dem ihr mich fragt, so habe ich es 
euch ein andermal gegeben, aber (äUd) ich will es wieder- 
holen und euch das Wort sagen: Jetzt nun (oh), Maria, nicht 
nur (ov fiövov) ihr, sondern (aXXd) jeder Mensch, der das My- 

15 steriuin (^vot^qiov) der Totenauferweckung vollenden wird, 
— dieses, welches heilt (-d-eoccTteveiv) die Dämonen (öaiuövia) 
und alle Schmerzen und alle Krankheiten und die Blinden 
und die Lahmen und die Krüppel und die Stummen und die 
Tauben (xwgpot), das ich euch einst gegeben habe, — wer 

20 ein Mysterium (fivoTfßiov) empfangen und es vollenden wird, 
danach nun, wenn er um alle Dinge bittet (akslv), um 
Armut und Eeichtum, um Schwachheit und Stärke, um olvwaig 
(? xlvijotg) und gesunden Körper (oüua), und um alle Hei- 
lungen (d-egarcelat) des Körpers (oGi/ia) und um das Toten- 

25 auferwecken und um zu heilen (d-egarcevEtv) die Lahmen 
und die Blinden und die Tauben (xwqioC) und die Stummen 
und alle Krankheiten und alle Schmerzen, mit einem Worte 
(ana^ctTtlCbg), wer jenes Mysterium (fivatr,Qiov) vollenden und 
um alle Dinge bitten (afoetv) wird, die ich gesagt habe, so 

30 werden sie ihm eilends (ortovörj) geschehen.« 

280 | Als nun dieses der Erlöser (aaizrfo) gesagt hatte, da traten 
die Jünger (/.ladytat) vor, riefen alle zusammen aus und 

, sprachen: »0 Erlöser (oun-qg), Du hast uns gar sehr leiden- 
schaftlich erregt gemacht wegen der Großtaten, die Du uu ^ 
35 sagst, und weil Du unsere Seelen (V»jjor/) getragen hast, un 

280 sie haben verlangt, aus uns herauszugehen hin | zu Dir, denn 
(ydo) wir stammen von Dir ab. Jetzt nun wegen dieser Gro - 
taten, die Du zu uns sagst, sind unsere Seelen (ipvyaL) leide ^ 
schaftlich erregt geworden und haben gar sehr gedraug 




Cap. 110. 111. 



205 



/&Mß Elv )> indem sie aus uns nach oben zum Orte (rönog) 
Deines Keiches herauszugehen wünschten.« 

CAP. 111. Als dieses nun die Jünger (^a&rjial) gesagt 
hatten, fuhr wiederum der Erlöser (ffwrife) fort und sprach zu 
geinen Jüngern (ua&Tpai): »Wenn ihr gehet in Städte (ndXsig) 6 
oder ('/) Eeiche oder (rj) Länder (xüqcu), so verkündiget (x»j- 
giaaetv) ihnen zuerst, indem ihr saget: »Forschet alle Zeit 
u nd lasset nicht ab, bis daß (sag) ihr die Mysterien (fwortjQia) 
des Lichtes findet, die euch in das Lichtreich führen werden«. 
Saget .ihnen: > Hütet euch vor den Irrlehren (jrAdvij-). Denn 10 
es werden viele kommen in meinem Namen und sagen: Ich 
bin es, obwohl ich es nicht bin, und werden viele verführen 
(7tlaväv)<. Jetzt nun allen Menschen, die zu euch kommen 
und an euch glauben (motevstv) und auf eure Worte hören 
und das der Mysterien (fivaTrjQia) des Lichtes Würdige tun, 15 
gebet die Mysterien (.urorifc*«) des Lichtes und verberget sie 
ihnen nicht. Und wer der höheren Mysterien (/AvairjQia) 
würdig ist, gebet sie ihm, und wer der niederen Mysterien 
(fivoTijQia) würdig ist, gebet sie ihm und | nicht verberget je- 281 
mandem etwas. Das Mysterium (jivoixiqlov) dagegen der 20 
Totenauferweckung und der Krankenheilung (-dsQcmsvsiv) 
gebet niemandem noch (ovöe) unterrichtet in ihm, denn jenes 
Mysterium (uvot^oiov) ist das der Archonten (&q%ovrsg) (gehört 
den Archonten), es und all seine Anrufungen (ovo^iaaLai). Des- 
wegen nun (oh) gebet es j niemandem noch (ovös) unterrichtet 281 
in ihm, bis daß (sag) ihr den Glauben (rtLoTig) in der ganzen 
Welt (xöatiog) befestigt, damit, wenn ihr in Städte (nolsig) 
oder (i\) in Länder (%üQai) kommt, und sie euch nicht bei sich 
aufnehmen und euch nicht glauben (motsveiv) und auf eure 
Worte nicht hören, ihr an jenen Örtern (t67toi) Tote auferweckt 30 
und die Lahmen und die Blinden und mannigfaltige Krank- 
heiten an jenen Örtern (wtoi) heilt (&SQ<x7tsvsiv); und durch 
*Hes Derartige werden sie an euch glauben (niarsvscv), daß 
''t den Gott des Alls verkündigt (y-rj^vaaeiv), und werden allen 
Worten von euch glauben (7tiarsvsiv). Deswegen nun (oöv)% 
habe ich euch jenes Mysterium (nvarr^iov) gegeben, bis daß 
( £tu s) ihr den Glauben (rc(ang) in der ganzen Welt (xöopog) 
Gefestigt.« 

10 Vgl. Matth. 24, 4. 5. 




206 Pistis Sophia. 

Als nun dieses der Erlöser (m»nfo) gesagt hatte, fuhr er 
wiederum in der Rede fort und sprach zu Maria: > Jetzt nun 
(ovv) höre, Maria, in betreff des Wortes, nach welchem du 
mich gefragt hast: >Wer zwingt (ävayxd&iv) den Menschen 
5 bis daß (eug) er sündigt ?< — 

Jetzt nun <höre>: Wird das Kind geboren, so ist die 
Kraft schwach in ihm, und die Seele (#vyrf) ist schwach i n 
ihm und auch das ivtl^ov Ttvev/ia ist schwach in ihm, mit 
282 einem Worte (aTtafrizXüg), | die drei beieinander sind schwach 
10 ohne daß irgend einer von ihnen irgend etwas wahrnimmt 
(ala&dvsa&at), sei es (ehe) Gutes, sei es (e'he) Böses, infolge 
der Last der Vergessenheit, die sehr schwer ist. Und ferner 
ist auch der Körper (otyia) schwach, und das Kind ißt von 
den Nahrungsmitteln (*Qvg>a£) der Welt (xcfopog) der Ärchonten 
iö(%oras), und die Kraft zieht an sich den Teil (ftegog) der 
282 Kraft, die | in den Nahrungsmitteln (*qwpal), und die Seele 
(yjvxrj) zieht an sich den Teil (jiiQoe) der Seele (ywjpj), die in 
den Nahrungsmitteln (zQvyat), und das ävr^ov Ttvevfia zieht 
an sich den Teil (negog) der Schlechtigkeit (mnUa), die in den 
20 Nahrungsmitteln (iQvfpal) und seinen (sc. des &vx. ttv.) Be- 
gierden (bfi&vptai). Und der Körper dagegen zieht 
an sich die Materie (%), die nicht wahrnimmt {aiodäveo&ai), 
die in den Nahrungsmitteln fai^at). Das Verhängnis (poipt) 
dagegen nimmt nichts von den Nahrungsmitteln favpai) an, 
25 weil es (sc. Verhängnis) nicht mit ihnen vermischt ist, sondern 
(äUä) in der Beschaffenheit, in der es in die Welt (xöafiog) 
kommt, geht es wiederum heraus. Und bei (xatd) kleinem 
werden die Kraft und die Seele (ifjv X v) und das ävtl/upot 
jiveüfia groß, und ein jeder von ihnen nimmt wahr {aioM- 
30 veoSvi) gemäß (wwrf) seiner Natur (<pvaig): die Kraft nämlich 
(ftiv) nimmt wahr (aioMvsod-ai), um nach dem Lichte der 
Höhe zu verlangen ; die Seele \*ln>%® dagegen nimmt wahr 
(aiod-äveo&ai), um zu verlangen nach dem Orte {rönog) der 
Gerechtigkeit (äixaioavyif), der gemischt ist, welches ist der 
35 Ort {tönog) der Mischung (avyxQaoig) ; das äni^iov nveßm 
dagegen verlangt nach allen Bosheiten (xaxlat) und Begierden 

i Diese Frage hat vorher die Maria gar nicht an Jeans gerichtet; « 9 
muß etwas im Texte ausgefallen sein. Dieselbe Frage stellt aber Mari» 
s. n. S. 245, Z. 17. 



Cup. 111. 207 

ifai&vtttei-) und allen Sünden; der Körper (o&pa) dagegen 
„inimt {aia&dveo&ai) nichts wahr, wenn er nicht (et fiijzi) 
£,. !V ft aus der Materie (6'Ai;) aufnimmt. Und sofort nehmen 
( a io9äno9ai) die drei wahr, ein jeder gemäß (xatd) seiner 
Uatur (rpvoi-s). Und | die eoivaloi (itagalri^imoQeg) weisen die 283 
Liturgen (IsixovQyoL) an, sie zu begleiten (äxoXov&eiv) und 
geugen zu sein aller Sünden, die sie begehen, wegen der Art 
und Weise, wie sie sie in den Gerichten (xotoeig) bestrafen 
(xoldteiv) wollen. Und nach diesem merkt auf (inivoeiv) das 
^vi/fu/«ov 7tvsCfia | und nimmt wahr (ala&dvsa&ai) alle Sünden 283 
nnd das Böse, was ihm die Archonten (agxovtEg) der großen 
Heimarmene (ehiaQi.uvrj) für die Seele (xpvx>j) befohlen haben, 
und es (sc. das &v%. itvevfia) macht sie der Seele {xpvtfj). Und 
die innere Kraft bewegt die Seele (#v%jJ), nach dem Orte 
(toitog) des Lichtes und der ganzen Gottheit zu verlangen, 15 
und das ävTt/ii/wv itveCf.ia beugt die Seele (ifwxt}) und zwingt 
(hayxdteir) sie, alle seine Missetaten (ävofäai) und alle seine 
Leidenschaften (rcdih-j) und alle seine Sünden beständig zu 
tun, und es ist fortwährend beigegeben der Seele (ipvy.ij) und 
ist ihr feindlich, indem es sie all dieses Böse und all diese 20 
Sünden tun läßt. Und es stachelt die sqlvcüoi Xeizovgyoi an, 
daß sie ihr in allen Sünden Zeugen sind, die es sie tun lassen 
wird. Ferner (e«) auch wenn sie sich in der Nacht (oder) 
am Tage ausruhen will, bewegt es sie in Träumen oder (if) 
iu Begierden (em&vfilai) der Welt (xöa^iog) und läßt sie nach 25 
allen Dingen der Welt (xdo//og) begehren (mid-v/teiv), mit 
einem Worte (aTca^anXüg), es treibt sie an zu allen Dingen, 
Welche die Archonten (liq^oviEg) ihm befohlen haben, und es 
Wird feindlich der Seele {ipv%tf), indem es sie tun läßt, was 
l hr nicht gefällt. Jetzt ] nun (oh), Maria, dies ist in der Tat£&r 
der Feind der Seele (rpvyri) und dies zwingt (&vayxd£eiv) sie, 
bis daß (ewg) sie alle Sünden tut. Jetzt nun (oiv), wenn j 
die Zeit jenes Menschen vollendet ist, so kommt zuerst das 284 
Verhängnis (j-iolga) heraus und führt (äyeiv) den Menschen 
zn m Tode durch die Archonten (aoyovreg) und ihre Bande, mit 35 
denen sie durch die Heimarmene (slftagfiivr)) gebunden sind, 
pud danach kommen die iotvatoi nctqaXrinmoQEg und führen 
Jene Seele (ipvxtf) aus dem Körper (oäfia), und danach bringen 
le tQivcüoi rtaQakrjfiTCTOQEg drei Tage zu, indem sie mit jener 




208 



Pistis Sophia. 



Seele (V>i^t?) in allen Örte'-n (rörtoi) hernmkreisen und sie zn 
allen Aeonen (alwveg) der Welt (xöonog) schicken; es folg ea 
jener Seele (gtojpß das &vtl(upov Ttveüfxa und das Verhängnj s 
{ixoloa), und die Kraft kehrt zurück (avaxwoelv) zu der Licht, 
öjungfrau (-nao&ivog). Und nach drei Tagen führen die l ?t . 
valoL TcaQakrjuTtToesg jene Seele (ipvxtf) hinab zur Amente des 
Chaos (%<io$), und wenn sie sie zum Chaos (xdog) hinabführen 
so übergeben sie sie den Strafenden (xoAdfetv). Und die nuoa. 
Ifj/xmai kehren (ävaxaoeiv) in ihre Örter (xöftoi) zurück ge- 

10 maß (xcetä) der Verwaltung (ohovof.Ua) der Werke der Ar- 
chonten (&q%ovtss) in betreff des Herauskommens der Seelen 
(ipvyvl). Und das ani/uftov uveijfia wird zum 7taQahißm^ s 
der Seele (i/wp?), indem es ihr beigegeben ist und sie über- 
führt gemäß (zßTß) der Bestrafung Uöiaoig) wegen der Sünden 

15 die es sie hat begehen lassen, und es befindet sich in großer 
Feindschaft gegen die Seele {rpttfi). Und wenn die Seele 
285{ipvyji) | die Strafen (xoldoeig) in dem Chaos (xdoi) vollendet 
285 hat gemäß (xard) den Sünden, | die sie begangen hat, so führt 
das avrtfufiov nveüfia sie aus dem Chaos (xdoi) heraus, indem 

20 es ihr beigegeben ist und sie an jedem Orte (xaxa totcov) 
überführt wegen der Sünden, die sie begangen hat, und es 
führt sie heraus auf den' Weg der Archonten (aQxovteg) der 
Mitte. Und wenn sie zu ihnen gelangt, so fragen sie (sc. die 
Archonten) sie nach den Mysterien (/uwmfeta) des Verhänge 

2önisses (noiQa), und wenn sie sie (sc. die Mysterien) nicht ge- 
funden, so suchen sie (sc. die Archonten) ihr (plur.) Verhängnis 
(HoiQci). Und jene Archonten (äoxovzeg) bestrafen (xoXdZeiv) 
jene Seele (t//^') gemäß (xard) den Sünden, deren sie würdig 
ist, — den Typus (zwtog) ihrer Strafen (xokdaeig) werde ich 

30 euch bei der Darlegung des Alls sagen. Wenn nun {oh) die 
Zeit der Strafen (y.oldoeig) jener Seele (xpu%tf) in den Gerichte» 
(xoioeig) der Archonten (aqxovrtg) der Mitte vollendet sein 
wird, so führt das äwipiftov Ttvevfia die Seele (ipvxrj) allS 
allen Örtern (to/toi) der Archonten (äoxovreg) der Mitte hinauf 

35 und bringt sie vor das Licht der Sonne gemäß (xatd) dem 
Befehle (yJlevaig) des ersten Menschen Jeü und bringt sie vor 
die Bichterin (xoirfg), die Lichtjungfrau (-nao^ivog). Sie 
prüft (doxiudtuv) jene Seele (ipvxv) und findet, daß sie eine 
sündige Seele ($vtfft ist, und sie stößt ihre Lichtkraft in sie 



Cap. 111. 112. 



209 



|,inein wegeu ihrer (sc. der Seele) Aufrichtung und wegen 
jles Körpers (aw/ia) und der Gemeinschaft (xoivwvia) der Wahr- 
nehmung (aioihjois), deren Typus (twcog) ich euch bei der 
parlegung des Alls sagen werde. Und die Lichtjungfrau 
(.!tao&evog) besiegelt ((HpQaylteiv) jene Seele (ipvxrj) und über- 5 
gibt sie einem ihrer naqaXf^mxat | und läßt sie in einen 286 
Körper (oü^ia), der | würdig der Sünden, die sie begangen hat,2S6 
stoßen. Und wahrlich {ä^v) ich sage euch: Nicht wird sie 
jene Seele (tpvxrj) aus den Verwandlungen (fieraßokai) des 
Körpers (owfid) entlassen, bevor sie nicht ihren letzten Kreis- 10 
lauf (xvxkog) gemäß (xazd) ihrer Würdigkeit gegeben hat. Von 
all diesen nun werde ich euch ihren Typus {xvTtog) sagen und 
den Typus (TÜnog) der Körper (aibixana), in welche sie ge- 
stoßen werden gemäß (xazä) den Sünden einer jeden Seele 
mvxv)- Dieses werde ich euch alles sagen, wenn ich euch 15 
die Darlegung des Alls gesagt haben werde.« 

CAP. 112. Es fuhr wiederum Jesus in der Rede fort 
und sprach: »Wenn es dagegen eine Seele (</wjpj) ist, die 
nicht auf das &vii/xt i uov nvev/xa in all seinen Werken gehört 
,1iat, und diese ist gut (äya96g) geworden und hat die My-20 
Steden (/.ivcnijQta) des Lichtes empfangen, die in dem zweiten 
Räume (x^Qr^ia) oder (r>) die in dem dritten Räume (x^y/wc), 
die innerhalb sind, so folgt, wenn die Zeit <des Heraus- 
kommens/ jener Seele (VwJ) aus dem Körper (aG>fut) voll- 
endet ist, das äviiftifiov Ttveüßa jener Seele (i/Jvxrf), es und das 25 
Verhängnis (jioiqa), und es folgt ihr auf dem Wege, auf dem 
sie nach oben gehen wird, und bevor sie sich nach oben ent- 
fernt, sagt sie das Mysterium (jxvaxijoiov) der Auflösung der 
Siegel (pepQaylöeg) und aller Banden des ävTifii/xov nvev/Mx, mit 
Welchen die Archonten (ÜQxovreg) es (sc. &vx. nv.) an die 30 
Seele (V-'Z'D gebunden haben, und wenn man es sagt, so lösen 
sich die Bande des ävrifiifiov nvev/xa und es hört auf, in jene 
Seele (i{rv%rj) zu kommen, und entläßt die Seele (tfjvxfy gemäß 
\*ax£) den Befehlen (Ivxolai), die | ihm die Archonten (&QXovxeg) 287 
der großen Heimarmene (tl/ucQf^vTj) befohlen haben, indem sie 35 
2 u ihm sagen: > Nicht entlasse | diese Seele (ipvxrj), wenn (et 287 
trfti) sie nicht dir das Mysterium (/.woxr^wv) der Auflösung 
ällev Siegel {oyqayldeg), mit welchen wir dich an die Seele 
v/'fjcij) gebunden haben, sagt.« — Wenn nun (oh) die Seele 

Schmidt: Pistia Sophia. 14 




210 Pistis Sophia. 

(tyvxv) das Mysterium (/xvtnrjQiov) der Auflösung der Siegel 
(afQayiöeg) und aller Banden des ävrifiinov Ttvevua gesagt 
haben wird, und wenn es aufhört in die Seele (ifwxij) 2tl 
kommen und aufhört an sie gebunden zu sein, so sagt sie i n 
5 jenem Augenblick ein Mysterium (/.ivarr^iov) und entläßt das 
Verhängnis (nolga) zu ihrem Orte {rönog) hin zu den Ar- 
chonten {&Q%ov%sg), die auf dem Wege der Mitte. Und sie 
sagt das Mysterium (fivozrjQiov) und entläßt (aitolvetv) das 
avtiftifiov Ttvevua hin zu den Archonten (ägxoyteg) der Heimar- 
io mene(«,uaef<6"?) zu dem Orte (töitog), in welcliem es an sie 
gebunden ist. Und in jenem Augenblick wird sie ein großer 
Lichtabfluß (-anöggota), gar sehr leuchtend, und die egtmioi 
TtagaXifrTnogeg, die sie aus dem Körper (aö^a) geführt haben, 
fürchten sich vor dem Lichte jener Seele (i/wxrj) und fallen 
15 auf ihr Antlitz. Und in jenem Augenblick wird jene Seele 
(V V XV) ein g roßer Lichtabfluß {-artöggoia) und wird ganz 
Lichtflügel und durchwandert alle Örter (töjtoi) der Archonten 
(ägxorteg) und alle Ordnungen (lässig) des Lichtes, bis daß 
(ewg) sie zu dem Orte (tÖTtog) ihres Reiches, bis zu dem sie 
20 Mysterien (fivoiriQia) empfangen hat, gelangt. — "Wenn es da- 
gegen eine Seele (*/>i>x»j) ist, die Mysterien (fwar^gia) im ersten 
Räume (jca^/ta), der außerhalb, empfangen hat, und wenn sie, 
288 nachdem sie | die Mysterien {^varrigia) empfangen hat, sie 
vollendet und umkehrt und von neuem Sünde tut nach der 
288 Vollendung der Mysterien (jivorrjgta), und wenn | die Zeit des 
Herauskommens jener Seele (xf/vxrj) vollendet ist, so kommen 
die egivaloi Tcaqalfmnxai und führen jene Seele (ipvxtf) aUS 
dem Körper (aäifia). Und das Verhängnis (poiga) und das 
imlunutv Ttvevua folgen jener Seele weil das änl/u^ 

WTtvevfia an sie mit den Siegeln (opgayiöeg) und den Banden 
der Archonten (ägxoneg) gebunden ist, es folgt jener Seel 
(ipvxq), die auf den Wegen mit dem önnlfiifiov Ttvevua wände) ^ 
sie sagt das Mysterium (fivat^giov) der Auflösung aller Band» 
und aller Siegel {acpgaylSeg), mit denen die Archonten W 
äöxovteg) das avt^afiov nvevfia an die Seele {ipvxri) g« DUU * 
haben. Und wenn die Seele (ifivzft das Mysterium (/" (TT '^' t 
der Auflösung der Siegel (atpgaylöeg) sagt, so lösen sich »o 
die Banden der Siegel {oygaylöeg) , die in dem ä,ctf ''' äi0 
Ttvevua an die Seele (tf»>M gebunden sind. Und wem 



Cap. 112. 



211 



oeele (Wl) das Mysterium (nvmr]qiov) der Auflösung der 
gjegel (ofpQayiöeg) sagt, so löst sich sofort das &vzl/iifiov 
^eS/ia und hört auf, der Seele (ipvxr'j) beigegeben zu sein. 
0nd in J eDem Augenblick sagt die Seele (ipvxrfi ein Mysterium 
uv atrietov) und hält fest (y.atixeiv) das avxifU[iov 7tveDfia und 5 
iäS Verhängnis (uoiga) und entläßt sie (plur.), die ihr folgen, 
aber (illd) nicht ist eines von ihnen in ihrer (plur.? sc. der 
geele) Gewalt (ei-ovoia), J sondern (<iAAa) sie ist in ihrer (plur.) 289 
Gewalt (tt-ovoia). Und in jenem Augenblick kommen die 
xaga/.rjfirtTOQes jener Seele (i/"-'X<D mit den Mysterien (/<i><mfcta), 10 
welche sie empfangen hat, und rauben {agnd'Ceiv) jene Seele 
(i^'Xl') aus ^en Händen der tQivaloi naqaXf^mai, und die 
jtagalf^miai keinen (ß^a/w^ei)') zu den Werken der Archonten 
{&q%ow£s) behufs (sTpo'g) | Verwaltung (ohovouLa) des Heraus- 2S9 
fährens der Seelen (ipv%al) zui'ück. Und die nagakrj^i/crailb 
dagegen jener Seele (</''7','), die zu dem Lichte gehören, werden 
Lichtflügel für jene Seele (ipvx>j) und werden Lichtkleider 
-iräuftara) für sie und führen sie nicht in das Chaos (xaot), 
weil es nicht erlaubt ist (ovx k'Sean), Seelen (ipvxai), welche 
Mysterien (ßvatrjQia) empfangen haben, in das Chaos [y.äoi) zu 20 
führen, sondern (a)J.ä) sie führen sie auf den Weg der Ar- 
chonten (äoyovTtq) der Mitte. Und wenn sie zu den Archonten 
ifaiovxtg) der Mitte gelangt, so kommen der Seele (ipvxrj) jene 
Archonten (äf/yorzeg) entgegen, indem sie in großer Furcht 
wd gewaltigem Feuer und verschiedenen Gesichtern sind, mit 25 
einem Wort (ujtu'iurrlwg), indem sie in großer, unermeßlicher 
Furcht sind. Und in jenem Augenblick sagt die Seele {ipvxrj) 

Mysterium [uvaii^iov] ihrer (sc. der Archonten) Apologie 
^noloyin). Und sie fürchten sich sehr und fallen auf ihr 
Antlitz, indem sie vor dem Mysterium (^varr^iov), das sie 30 
^ sa g't hat, und vor ihrer Apologie (änoloyia) in Furcht sind. 
ü Hd jene Seele (V'< : X'[) entläßt (annlveiv) ihnen \ ihr Verhängnis 290 
W'C«), hidem sie zu ihnen sagt : >Xehmet hin euer Verhängnis 
!'ot() U) i xicht werde ich kommen zu euren Örtern (röstoi) 
00 diesem Augenblick an; ich bin fremd (&U.6tqio$) euch auf 35 
HB geworden, indem ich zu dem Orte (ronos) meines Erbes 
"""«) gehen werde.< Wenn aber (ßl) dieses die Seele 

" ) gesagt haben wird, so fliegen die naqal^nTCxai des 
ptes mit ihr nach oben und führen sie in die Aeonen 

14* 



212 



Pistis Sophia. 



(alüveg) der Heimarmene (ei/xaQuevrj), indem sie jedem Ort 
(rönog) seine Apologie (aitoloyla) und seine Siegel (a^qayi^ \ 
gibt, die ich euch bei der Darlegung der Mysterien (ftvor,;^ 
sagen werde. Und sie gibt den Archonten (ägxovTes) ' da j 

290 änlfiiftov jtveüfia und sagt zu ihnen | das Mysterium (fivozro l0v \ 
der Banden, mit denen es (das dvt. tcv.) an sie gebunden i s t 
und sagt zu ihnen: >Da habt ihr euer aviifufiov 7tvevfia\ Nj c jJ 
werde ich kommen zu eurem Orte (tokos) von diesem Augen, 
blick an; ich bin euch fremd (&U.6tqioq) geworden auf ewig< 

10 Und sie gibt einem jeden sein Siegel (acpqaylg) und seine 
Apologie (anoXoyta). Wenn aber (ö£) die Seele (ipvxrj) dieses 
gesagt haben wird, so fliegen die naqaXf^mai des Lichte» 

291 mit ihr nach oben und führen sie | aus den Aeonen (alüveg) 
der Heimarmene (etfutQfi&Ki}) und führen sie hinauf in alle 

15 Aeonen (alüveg), indem sie jedem Orte (tötzos) seine Apologie 
(äitoloyla) gibt und die Apologie (uTtoXoyia) allen Ürteru 
(tÖTtoi) und die Siegel (opQayldeg) den Tyrannen (roqavvoi) des 
Königs, des Adamas; und sie gibt die Apologie (aitoloyla) 
allen Archonten (ÜQ%ovreg) von allen Örtern (töttoi) der Linken, 

20 deren sämtliche Apologien (iitoloylai) und Siegel (o-ypayldeg) 
ich euch einst sagen werde, wann ich euch die Darlegung der 
Mysterien (fivat^ia) sagen werde. — Und ferner fuhren jene 
Ttaqat.fmnxai jene Seele (ipvxv) zu der Lichtjungfrau (-naoSivog), 
und jene Seele (ifwxti) gibt der Lichtjungfrau (-rtaod-hog) die 

2ö Siegel (acpqaylöeq) und den Ruhm der Hymnen (v^vot). Und 
die Lichtjungfrau (-itag&evog) und die sieben andern Lieht- 
jungfrauen (-itapd-evoi) prüfen (doxtfidCeiv) sämtlich jene Seele 
{ypvytfl und finden sämtlich ihre Zeichen an ihr und ihre 
Siegel (acppaylöeg) und ihre Taufen (ßaitzlopaza) und ihre 

292 Salbe (xolapa). Und die Lichtjungfrau (-itapd-evog) \ besiegelt 
291 (arppaylZeiv) jene Seele (ipvxij) ! und die itaqal^uitzai des Lichtes 

taufen (ßaitzlXeiv) jene Seele (V^Z'j) und geben ihr die geistige 
Salbe (zqUifta nvevpatixov), und eine jede der Licbtjungfra |ien 
(-itap&evoi) besiegelt (o(ppayl£eiv) sie mit ihren Siegeln (0(pQ ' 
'AbylSeg). Und ferner übergeben die itapalf^itzat des Licht 
sie dem großen Sabaoth, dem Guten (aya&ög), der an den 
Tore (nvfaj) des Lebens im Orte (zöitog) derer von der Ree» 
ist, der ■> Vater« genannt wird, und jene Seele (ipcxv) gibt .i^ 
den Ruhm seiner Hymnen (Sftvoi) und seine Siegel (ocfQW 



Cap. 112. 113. 213 

uD d seine Apologien (iaolaylm), und Sabaoth, der Große und 
tf ute (fy a M& besiegelt (otpQayi&v) sie mit seinen Siegeln 
, ß 0afcöeg). Lud die Seele (i//^) gibt ihre Kenntnis (Wriun) 
ond den Kuhn» der Hymnen (ilcivoc) und die Siegel (oyoarfdes) 
dem ganzen Orte (rwrog) derer von der Rechten; es besiegeln 5 
fttpfay^"") sie alle mit ihren Siegeln (ocpQaytdeg), und Melchi- 
gedek, der große naoabj/t^g des Lichtes, der in dem Orte 
Ipfytog) derer von der Rechten, besiegelt (arpQayi^tv) jene 
Seele (ipv X t]), und die nagaltjumogeg des Melchisedek besiegeln 
(*pg«yl&v) jene Seele und führen sie zum Lichtschatze (-^- io 
ccuoos). Und sie gibt den Ruhm und die Ehre (upty und 
das Lob der Hymnen (V/ivot) und alle Siegel (oipQayideg) allen 
Örtern («fe«w) des Lichtes. Und alle die vom Orte (tötvo S ) 
fles Lichtschatzes (-dTjoavQÖg) besiegeln {ocpQayi&v) sie mit 
ihren Siegeln (orpqayideg), und sie geht zu dem Orte fafaod 15 
des Erbes (xkrjQovofiia).* 

CAP. 113. | Als nun dieses der Erlöser (mmf ; ) zu seinen 292 
Jüngern (ßad-r^ai) | gesagt hatte, sprach er zu innen: »ße-293 
greift (voslv) ihr, in welcher Weise ich mit euch rede ?« 

Es stürzte wiederum Maria vor und sprach: »Ja, mein 20 
Herr, ich begreife (voslv), in welcher Weise Du mit mir redest 
und ich werde sie alle (sc. Worte) erfassen (xazcAattßdveiv). 
Jetzt nun, was diese Worte anbetrifft, die Du sagst, so hat 
mein Verstand (voCg) vier Gedanken (vor^aza) in mir hervor- 
gebracht und mein Lichtmensch hat (mich) geführt (Öyeiv) und 25 
gejubelt und ist in mir aufgewallt, indem er aus mir heraus- 
zukommen und in Dich hineinzugehen wünschte. Jetzt nun 
°H mein Herr, höre, auf daß ich Dir die vier Gedanken 
("»'„«er«) sage, die in mir entstanden sind. Der erste Gedanke 
\*»itta) nämlich (iuv), der in mir entstanden ist, in betreff des 30 
Wortes, das Du gesagt hast: > Jetzt nun gibt die Seele (t/,^,-) 
ie Apologie (cmoloyia) und das Siegel (acpQayig) allen Archonten 
WJPZows), die in den Ortern ( TO V«u) des Königs, des Adamas, 
: H und gibt die Apologie (inoloyla) und die Ehre (%t/eQ 
n <i den i;„hm aller ihrer Siegel (acpQayiöeg) und die Hymnen 35 
w'»'ot) den Ortern (röicoi) des Lichtes«, in betreff dieses Wortes 
ß 11 (oiv) hast Du zu uns einst gesprochen, >als man Dir den 
I enar brachte und Du sähest, daß er aus Silber und Kupfer 
37 ff. Vgl. Matth. 22, 21 f. Mark. 12, 15 f. Luk. 20, 24 f. 



214 



Piatis Sophia. 



war, fragtest Du: Wessen ist dieses Bild (dxtäv)? Sie sprach^, 
das des Kaisers. Als Du aber (ö£) sähest, daß er aus SilbJ 
und Kupfer gemischt, sagtest Du: Gebet also (oh) das d e 
Kaisers dem Kaiser und das des Gottes dem Gotte< — d. n 
5 wenn die Seele (ipvxij) Mysterien ((ivozrjQia) empfängt, so gjhj. 
sie die Apologie (ärtoloyla) allen Archonten (&qyo\nz$) UQ( j 
294 dem (?von dem) Orte (xönog) | des Königs, des Adamas, u n j 
293 es gibt die Seele (tyotfi) | die Ehre (Ti/irj) und den Ruhm al] ea 
denen vom Orte (tötcoq) des Lichtes. Und das Wort: , er 

10 (sc. der Denar) hat geglänzt, als Du gesehen hast, daß er auJ 
Silber und Kupfer bestehe <, es ist der Typus (mnog) davon 
daß in ihr (sc. Seele) die Kraft des Lichtes ist, welches ist 
das geläuterte Silber, und daß in ihr das ävttftifiov nvtvu a 
ist, welches ist das materielle (vhxov) Kupfer. Siehe, dies ist 

15 mein Herr, der erste Gedanke (vör^a). 

Der zweite Gedanke (vörjfia) dagegen, den Du uns jetzt 
soeben in betreif der Seele (ipvxrj), die Mysterien (la-ax^m) 
empfangen hat, gesagt hast: >Wenn sie kommt zum Orte 
(tÖTtos) der Archonten (äqxovTeg) des Weges der Mitte, so 

20 kommen sie heraus vor ihr in sehr großer Furcht, und die 
Seele (%f)vx^) gibt ihnen das Mysterium (nvoTrjpiov) der Furcht 
und sie fürchten sich vor ihr, und sie gibt das Verhängnis 
(fiolqa) an seinen Ort (xönog), und sie gibt das iwifufiov 
nvsDfia an seinen Ort (tdrcog), und sie gibt die Apologie (Svto- 

2bloyia) und die Siegel (ocpoayldeg) einem jeden der Archonten 
(äoxovieg), der auf den Wegen (der Mitte), und sie gibt die 
Ehre (n/iq) und den Ruhm und das Lob der Siegel (ocpoctylSeg) 
und der Hymnen (flftvot) all denen vom Orte (ronog) des 
Lichtes,< — in betreff dieses Wortes, mein Herr, hast Du 

30 durch den Mund unseres Bruders Paulus einst gesprochen:! 
»Gebet den Zoll (rüog), dem der Zoll (zelog) gebühret und 
gebet die Furcht, dem die Furcht gebühret, gebet die Steuer 
((pögog), dem die Steuer (tpöqog) gebühret, gebet die Ehre 
(wtfti/f), dem die Ehre (Tt,ur/) gebühret und gebet das Lob, dem I j 

294 Aas Lob gebühret, und nicht schuldet etwas einem andern«» I 

295 d. h. mein Herr, die Seele (xpvxrj), welche Mysterien (fuo-f'lQ 1 " 
empfangen hat, gibt die Apologie (aito).oyia) allen Ö ; rter ? 
(tökoi). Dies ist, mein Herr, der zweite Gedanke (völP '' 

SIL Vgl. fiöm. 13, 7. 



Cap. 113. 



215 



Der dritte Gedanke (vötyua) dagegen in betreff des Wortes, 
das Du zn uns einst gesagt hast: >Das &vtL[ii^ov nvtv\ia ist 
feindlich der Seele (yvx^), indem es sie alle Sünden und alle 
Leidenschaften (ftäS-tj) tun läßt, und es überführt sie in den 
Strafen (xoläasig) in betreff aller Sünden, die es sie hat be- 5 
gehen lassen, mit einem Worte {&7ta$cmlwg), es ist der Seele 
(ipvyr'i) in jeder Art feindliche, — in betreff dieses Wortes nun 
(oj5v) hast Da zu uns einst gesagt: >Die Feinde des Menschen 
sind seine Hausbewohnern, d. h. die Hausbewohner der Seele 
(xpv%ri) sind das ävri^a^ov jtvevfia und das Verhängnis (fiolQa), io 
welche der Seele (ijjvxrj) alle Zeit feindlich sind, indem sie sie 
alle Sünden und alle Missetaten (ävo/xiai) begehen lassen. 
Siehe, dies ist, mein Herr, der dritte Gedanke (wi?,ua). 

Der vierte Gedanke (w/^a) dagegen in betreff des Wortes, 
das Du gesagt hast: »Wenn die Seele (i/w/j}) aus dem Körper 15 
(aüfia) herausgeht und auf dem Wege wandelt mit dem 
äwhu : uov itv£v(.ta, und wenn sie das Mysterium {^vavqqiov) 
der Auflösung aller Banden und der Siegel (acpqaylösg), die 
an dem ävci/Mfiov itveB^ia gebunden sind, nicht gefunden hat, 
so daß es (das &vt. Ttveüfia) aufhört, ihr beigegeben zu sein, 20 
wenn sie nun (oiv) es nicht gefunden hat, so führt das &vxi- 
fiifiov nvevfia die Seele (i/"'X>?) zu der Lichtjungfrau (-itctqd-evog), 
der Richterin (xj>m;g). Und die Richterin (x^tnj'g), die Licht- 
jungfrau {-TtaQ&hoq), prüft (doxi/.iä^eiv) die Seele (ipvxtf) und 
findet, | daß sie gesündigt hat, und da sie auch nicht die 296 
| Mysterien (iivmrßia) des Lichtes bei ihr gefunden hat, so 295 
übergibt sie sie einem ihrer 7taQaXfj(ijtzai t und ihr naqa- 
X^Tctrjg führt sie und stößt sie in den Körper (owßa), und 
Dicht kommt sie aus den Verwandlungen (iiuaßolal) des 
Körpers (ocoua), bevor sie den letzten Kreisumlauf (xöydog)m 
gegeben hat,< — in betreff dieses Wortes nun (ovv) hast Du 
zu uns einst gesagt: >Sei ausgesöhnt mit deinem Feinde, 
solange (oaov) du auf dem Wege mit ihm bist, damit nicht 
\tript<o$) dein Feind dich dem Richter (xgir^g) übergebe und 
äer Richter (xptz%) dich dem Diener (vtajQhtjg) übergebe und 35 
der Diener (ymjefrrjg) dich in das Gefängnis werfe, und nicht 
Mrst Du aus jenem Orte (xonog) herauskommen, bevor du 
den letzten Pfennig (Ismov) gegeben hast,< — wegen dieses 

Vgl. S Matth. 10, 36. — 32 f. Vgl. Matth. 5, 25. 26. 




216 



Pistis Sophia. 



ist offenkundig ((pavEQüg) das Wort: Jede Seele (ipvxn), di 6 
aus dem Körper (oa^a) kommt und auf dem Wege mit dein 
ävtifiinov Ttvev^a wandelt und nicht das Mysterium (juv0njp< o »\ 
der Auflösung aller Siegel (aqiQaylöeg) und aller Banden findet 
5 so daß sie sich vom änl/ufiov nveC^a, das an sie gebunden 
ist, loslöst, jene Seele (V">X>D> die nicht Mysterien (nvotr : Q la \ 
des Lichtes gefunden und nicht die Mysterien (fiimr^ia) der 
Loslösung vom faMclftipov ftveßfia, das an sie gebunden ist, ge- 
funden hat, wenn sie nun (oiv) es nicht gefunden, so führt 

10 das avrlfufiov Ttvevua jene Seele (rpvxfi) zu der Lichtjungfrau 
(-jtaQ&svos) und die Lichtjungfrau (-itaQ-9-evog) und jene Richterin 
297 (xpiTjJg) übergibt jene Seele (ipvx^) | einem ihrer ftaQalfj t u/tTai 
und ihr Tcagal^umrig stößt sie in die Sphaera (ocpaZQa) der 
296 Aeonen (aiaveg), | und nicht kommt sie aus den Verwandlungen 

ib((ieraßo).ai) des Körpers (off>na), bevor sie nicht den letzten 
Kreisumlauf (xvxkog), der ihr bestimmt ist, gegeben hat. — 
Dies nun (odv), mein Herr, ist der vierte Gedanke (vörjfia).* 
CAP. 114. Es geschah nun, als Jesus diese Worte Maria 
hatte sagen hören, sprach er: »Vortrefflich (eiys), Du allselige 

20 (rtctv/iaxdQiog) Maria, Du Pneumatische (7tvevnaTiY.ri) ! Dies sind 
die Auflösungen der Worte, die ich gesagt habe.« 

Es antwortete Maria und sprach: »Mein Herr, noch (hi) 
(mehr) frage ich Dich. Weil ich nämlich (y&Q) von jetzt ab 
beginnen will, Dich nach allen Dingen sicher zu fragen, des- 

25 wegen nun (oiv), mein Herr, habe Geduld mit uns und offenbare 
uns alle Dinge, nach denen wir Dich fragen werden, um der 
Weise willen, wie meine Brüder dem ganzen Menschenge- 
schlecht (-yivog) verkündigen (xrjQvooeiv) sollen.« 

Als sie aber (de) dieses dem Erlöser (oamjQ) gesagt hatte, 

30 da antwortete der Erlöser (aonr^) und sprach zu ihr, indem 
er in großem Erbarmen gegen sie war: »Wahrlich, wahrlich 
(afiijv, &(irjv) ich sage euch: Nicht nur (ov ftövov) werde ich 
euch alle Dinge, nach denen ihr fragen werdet, euch offen- 
baren, sondern {AXkä) von jetzt ab werde ich euch auch andere 

35 (Dinge) offenbaren, nach denen zu fragen ihr nicht gedacht 
(voeiv) habt, die nicht in das Herz der Menschen gestiegen 
sind, und die auch alle die Götter, die unter den Menschen, 



36 Vgl. L Kor. 2, 9. 



Cap. 113—115. 



217 



nic l,t kennen. Jetzt nun (ovv) Du, Maria, frage, nach dem 
pu frägst, so werde ich es Dir von Angesicht zu Angesicht 
ohne Gleichnis (rtapaßol-rj) offenbaren.« 

CAP. 115. Es antwortete aber (de) Maria und sprach: 
„jlein Herr, in welchem Typus (zvnog) vergeben denn | die 298 
Taufen (ßartzlofiazd) die Sünden? Ich hörte Dich sagen: | »Die 397 
Iqivaloi XmovoyoL folgen (to.oXovd-t.lv) der Seele (xpvyri), indem 
sie ihr Zeugen sind für alle Sünden, die sie begeht, damit sie 
sie in den Gerichten (xplotig) überführen. < Jetzt nun (oiv), 
,jiein Herr, wischen die Mysterien (uvoir)ptä) der Taufen 10 
(ßaniionaxa) die Sünden aus, die in den Händen der epivatoi 
XttrovqyoL sind, daß sie nämlich diiv) ihrer vergessen? Jetzt 
nun (oh), mein Herr, sage uns den Typus (zvnog), wie sie 
Sünden vergeben, aber (äXXd) wir wünschen es bestimmt zu 
wissen.« 15 

Es antwortete aber (de) der Erlöser (ocurijo) und sprach 
zu Maria: »Vortrefflich (xaXwg ntv) hast du gesprochen. Die 
Liturgen (leitovpyoi) in der Tat (/.levroiye), sie sind es, die 
alle Sünden bezeugen, aber (äXXd) sie bleiben in den Gerichten 
(xoioeig), indem sie die Seelen (ipvyaC) erfassen und alle Seelen 20 
(li'vyat) der Sünder überführen, die keine Mysterien (/.ivorr^ta) 
empfangen haben, und sie halten (-acn£%tiv) sie im Chaos (%doi) 
fest, indem sie sie bestrafen (xoXd&iv). Und nicht sind jene 
egivaioi (leitovqyoi) imstande, das Chaos (ydoi) zu durch- 
schreiten, um zu gelangen zu den Ordnungen (zd&ig), die 25 
oberhalb des Chaos (ydoi), und die Seelen (ipvyaC), welche ans 
jenen Örtern (zöttoi) herauskommen, zu überführen. Jetzt nun 
ist es nicht erlaubt (ovx e'^eozi), die Seelen (ifwxal), die Mysterien 
(<no T r t nia) empfangen haben, zu vergewaltigen (ßid^eiv) und 
in das Chaos (ydoi) zu führen, damit die epivaloi XtizovpyoiSO 
sie überführen, sondern (aXXä) die epivaloi XeizovpyoL über- 
führen die | Seelen (ipvyal) der Sünder und halten fest diese, 299 
die keine Mysterien (fivozrjpia) empfangen haben, die sie aus 
I dem Chaos (ydoi) führen. Die Seelen (ipvyal) dagegen, die 298 
pWysterien ([ivorrjota) empfangen haben, zu überführen, haben 35 
Sle keine Macht, weil sie nicht aus ihren Örtern {zönoi) heraus- 
kommen, und auch, wenn sie herauskommen, sind sie nicht 
jUstande sich zu ihnen zu stellen (ihnen beigesellen), doch 
toXiiv) s i e können sie auch nicht in jenes Chaos (ydoi) führen. 



218 



Pistis Sophia. 



Höret ferner, damit ich euch das Wort in Walirhej* 
(ii).rjd-eia) sage, in welchem Typus {tvnog) das Mysterium 
{nvatrjqwv) der Taufe {ßämioua) Sünden vergibt: Jetzt nuil 
(oiv), wenn die Seelen {ipv%al) sündigen, da sie noch (eu) auf 
öder Welt (xöa/.cog) sind, so kommen freilich (pivtoiyt) ^ 
sqivcüoi luTovqyol und werden Zeugen aller Sünden, die dj e 
Seele {ipvxr}) begeht, damit ((tfyttos) sie ja nicht aus den Örtew 
(z67ioi) des Chaos {%&oi) herauskommen, auf daß sie sie in <j eil 
Gerichten (xgioeig), die außerhalb des Chaos {%doi), überführen 

10 [auf daß sie sie übeiführen]. Und das &vri(iiftov nvBvßa wird 
Zeuge aller Sünden, die die Seele {rpvxi) begehen wird, damit 
es sie in den Gerichten (-/.glaeig), die außerhalb des Chaos (%&oi) 
überführe, nicht nur (ov fxövov), daß es Zeuge von ihnen wird 
sondern (äkXä) — alle Sünden der Seelen (ipvyai) — es siegelt 

15 (ocpgayiCeiv) die Sünden und befestigt sie an die Seele (ifnjtffc 
damit alle Archonten (üqzovte$) von den Gerichten (xgiostä 
der Sünder sie erkennen, daß sie eine sündige Seele (if/vxfy 
ist, und damit sie die Zahl der Sünden, die sie begangen hat, 
an den Siegeln (acpgaylösg) wissen, welche das &vTifiif.iov nvev/ui 

20 an sie befestigt hat, auf daß sie gestraft (xoMCeiv) wird 
300 gemäß (xard) | der Zahl der Sünden, die sie begangen hat 
Also machen sie es «mit allen sündigen Seelen (ipv%a£). 

Jetzt nun, wer die Mysterien (nvorfQta) der Taufen 
299{ßa7itia(A.axa) empfangen wird, | so wird das Mysterium (/*"- 

25 axrgiov) jener zu einem großen, sehr gewaltigen, weisen Feuer, 
und es verbrennt die Sünden und geht in die Seele (ipvxfy im 
Verborgenen ein und verzehrt alle Sünden, die das iniuifto* 
itvevua an sie befestigt hat. Und wenn es alle Sünden zu 
reinigen (xa^agiCecv) beendet hat, die das &vrl^tuov TtvevfM 

30 an sie befestigt hat, so geht es in den Körper (otyia) im Ver- 
borgenen ein und verfolgt (öu&xsiv) alle Verfolger (öicoxrpß*) 
im Verborgenen und trennt sie nach der Seite des Teiles 
(fiegog) des Körpers (aa/ia). Denn (ydg) es verfolgt (öiüiW) 
das ivrlfiifiov 7TVEBfia und das Verhängnis (nolga) und * ren ^ 

35 sie von der Kraft und von der Seele (V">X»D nn d legt sie » 
die Seite des Körpers (aäua), so daß (äcne) es das äniuip* 
nvevfta und das Verhängnis (fiolga) und den Körper (<»<'." ^ 
zu einem Teile (ßegog) trennt, die Seele (i/n>xn) dagegen «" 
die Kraft zu einem andern Teile (ptQog) trennt. Das Myst erl 



Cap. 115. 116. 



219 



(fam^iov) der Taufe (ßdmutpa) dagegen bleibt in der Mitte 
von den beiden, indem es sie beständig von einander trennt, 
auf daß es sie rein macht und sie reinigt (xatfaq%eiv), damit 
sie nicht von der Materie (vlrj) befleckt werden. — Jetzt nun 
(oh), Maria, dies ist die Art, wie die Mysterien (jamfout) 5 
der Taufen (ßamlo^una) Sünden und alle Missetaten (ävo^iai) 
vergeben.« 

CAP. 116. Als nun dieses | der Erlöser (ootvrß) gesagt 301 
hatte, sprach er zu seinen Jüngern (fiad^rai): »Begreift (voelv) 
ihr, in welcher Weise ich mit euch rede?« 10 

Da stürzte Maria hervor und sprach: »Ja, mein Herr, in 
Wahrheit forsche ich genau (&xQißd£eiv) nach allen Worten, 
die Du sagst. In betreff des Wortes nun (aöv) der Vergebung 
der Sünden hast Du einst zu uns im Gleichnis (TtaQaßolrj) ge- 
sprochen, indem Du sagtest: >Ich bin gekommen, Feuer anfis 
die Erde zu werfen, und | was wünsche ich, daß es brennet. wo 
und wiederum hast Du deutlich (<paveQ&g) es unterschieden, 
indem Du sagtest: >Ich habe eine Taufe (ßdrcTiopa), in ihr 
zu taufen {ßami^etv), und wie werde ich es ertragen (avexea&at), 
bis daß sie vollendet! Denket ihr, ich sei gekommen Frieden 20 
ißtyWj) auf die Erde zu werfen ? Nein, sondern {&U.d) Spaltung 
bin ich gekommen zu werfen. Denn {ydq) von jetzt ab werden 
fünf in einem Hause sein, drei werden gegen zwei und zwei 
gegen drei gespalten sein« — , dies, mein Herr, ist das Wort, 
das Du deutlich ((pavs^ae) gesagt hast. Das Wort nämlich -25 
(ßiv), das Du gesagt hast: >Ich bin gekommen, Feuer auf die 
Erde zu werfen, und was wünsche ich, daß es brenne« ist 
dieses, mein Herr: Du hast die Mysterien (jmmfaw) der 
Taufen (ßamia^aia) in die Welt (xöofiog) gebracht, und was 
gefällt es Dir, daß sie alle Sünden der Seele (i/^') verzehren 30 
und sie (sc. Seelen) reinigen (xa&aQl£ea>)\ Und danach wiederum 
hast Du es deutlich ((pavegüg) unterschieden, indem Dn sagtest: 
»Ich habe eine Taufe (ßdrcriafia), in ihr zu taufen (ßanxi^stv), 
ond | wie werde ich es ertragen (dyixsa&ai). bis daß (Swg)3ö2 
&e vollendet !< d. h.: Du wirst nicht in der Welt (xoo/ioq)3ö 
bleiben, bis daß (mg) die Taufen (ßamiattara) vollendet werden 
und die vollkommenen (cdleioi) Seelen (ipvxai) reinigen (xad-a- 

\ 15 Liik. 12, 49. — 16 Luk. 12, 49. — 18 f. Luk. 12, 50-52. — 26 Luk 
?2, 49 - 33 Luk. 12, 50. 

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220 



Pistis Sophia. 



qI&iv). Und ferner das Wort, das Da zu nns einst gesagt 
hast: >Denket ihr, ich sei gekommen, Frieden (el$Tjvrj) auf die 
3« Erde zu werfen? Nein, sondern (&k)A) Spaltung | bin ich ge- 
kommen zu werfen, denn (yap) von jetzt ab werden fünf in 
5 einem Hause sein, drei werden gegen zwei und zwei gegen 
drei gespalten sein<, d. h.: Du hast das Mysterium (ftvar^iov) 
der Taufen {ßanilonaxa) in die Welt {xöanog) gebracht, indem 
es eine Spaltung in den Körpern (adinata) der Welt (x<foy<og) 
bewirkt hat, weil es das ävtificfiov nvEü/xa und den Körper 

lO(ow/ta) und das Verhängnis (fioiga) zu einem Teile {fiegog) 
getrennt, die Seele dagegen und die Kraft zu einem 

andern Teile (ueqos) getrennt hat, d.h.: > Drei werden gegen 
zwei und zwei gegen drei gespalten sein«.« 

Als dieses aber (öi) Maria gesagt hatte, sprach der Er- 

15 löser (atütrjQ) -. »Vortrefflich (etye), Du pneumatische (7tvBvf.iaTiv.ri) 
und lichtreine (-eiXixQtvrjg) Maria ! Dies ist die Auflösung des 
Wortes.« 

CAP. 117. Es antwortete wiederum Maria und sprach: 
»Mein Herr, ich werde noch (en) fortfahren, Dich zu fragen. 
20 Jetzt nun, mein Herr, ertrage (&v£xead-ai) mich, indem ich 
Dich frage. Siehe deutlich (TtaQQrpia) haben wir den Typus 
(xvTtoq) erkannt, in welchem die Taufen (ßaittiaficaa) Sünden 
vergeben, jetzt dagegen das Mysterium (nvarrjQiov) dieser drei 
Räume (zc^uora) und die Mysterien (/.ivarr^ia) dieses ersten 
25 Mysteriums (/tuan^tov) und die Mysterien (/.warr^ia) des Un- 
aussprechlichen in welchem Typus (rvttog) vergeben sie? Ver- 
303 geben sie in dem Typus (ivTtog) | der Taufen (ßarcria/Aara), 
oder nicht?« 

Es antwortete wiederum der Erlöser (pu>%r\o) und sprach : 
30 »Nein, sondern (alld) alle Mysterien (/uvair^ia) der drei Räume 
(xcüQrjftara) vergeben der Seele (iftoxtf) <in> allen Örtern (rö/coi) 
302 der | Archonten {&q%ovtes) alle Sünden, die die Seele (ipv%r]) von 
Anfang an begangen hat; sie vergeben sie ihr, und ferner 
vergeben sie die Sünden, die sie danach begehen wird bis 
35 («Dg) zu der Zeit, bis zu welcher jedes der Mysterien (<<"- 
OTrjQta) kräftig sein wird, — die Zeit, bis zu welcher jedes der 
Mysterien ((.ivoxrßta) kräftig sein wird, werde ich euch bei 
der Darlegung des Alls sagen. Und ferner das Mysterium 
'lt. Lnk. 12, St 52. — 12 Luk. 12, 52. 



Cap. 116-118. 



221 



UvvoiriQiov) des ersten Mysteriums (hvottjqwv) und die Mysterien 
hivot^Qia) des Unaussprechlichen vergehen der Seele (yvxy) 
in allen Örtern (zortoi) der Archonten (äoxovreg) alle Sünden 
un d alle Missetaten (&vofdai), die die Seele (Vi>x»D hegangen 
n at, und (nicht nur) sie vergehen ihr sie alle, sondern (&lhx) f 
sie rechnen ihr keine Sünde von dieser Stunde bis («wg) in 
alle Ewigkeit an wegen des Geschenkes (dmqed) jenes großen 
Mysteriums (pvinfyiov) und seines ungeheuer großen Glanzes.* 

CAP. 118. Als nun dieses der Erlöser (aun^g) gesagt 
hatte, sprach er zu seinen Jüngern (iiadrjzäl) : »Begreift (voelv) 10 
ihr, in welcher Weise ich mit euch spreche?« 

Es antwortete wiederum Maria und sprach: »Ja mein 
Herr, ich habe bereits alle Worte, die Du sagst, an mich 
gerissen (aoTtä&iv). Jetzt nun (o h), mein Herr, was das Wort 
anbetrifft, das Du sagst: | Alle Mysterien (fivorfaia) der drei 304 
Räume (xa^ara) vergeben Sünden und bedecken ihre (sc. der 
Seelen) Missetaten (toofilai), — | so hat nun (oh) einst über 303 
dieses Wort David, der Prophet (tvqo^t^s), prophezeit (itqo- 
iprpeveiv), indem er sagte: > Selig sind die, deren Sünden ver- 
geben und deren Missetaten (&vo(ilai) bedecket sind'.. [Er 20 
hat nun (oh) über dieses Wort einst prophezeit (tcqo^ijzbvsiv).] 
Und das Wort, das Du gesagt hast: Das Mysterium (pvozrjeiov) 
des ersten Mysteriums (pvorfQiov) und das Mysterium (fivot^Qiov) 
des Unaussprechlichen vergeben allen Menschen, die jene 
Mysterien (fivoz^Qia) empfangen werden, nicht nur (ov (iövov)2b 
die Sünden, die sie von Anfang an begangen haben, sondern 
(iklä) rechnen sie ihnen auch nicht an von dieser Stunde bis 
in Ewigkeit, — in betreff dieses Wortes hat David einst 
prophezeit (ngocpijveveiv), indem er sagte: > Selig diejenigen, 
welchen der Herrgott Sünden nicht anrechnen wird<, d. h.30 
nicht werden Sünden von dieser Stunde angerechnet denen, 
welche die Mysterien (nvm^Qia) des ersten Mysteriums (fiv- 
fn^Qwv) empfangen und welche die Mysterien (^tvat^ca) des 
Unaussprechlichen empfangen haben.« 

Er sprach: »Vortrefflich (ehe), Du pneumatische (jcvEvfta-sö 
ftxij) und lichtreine (s'dixQivfe) Maria! Dies ist die Auflösung 
des Wortes.« 

1» Paal. 31, 1. - 29 Psol. 31, 2. 




222 



Pistis Sophia. 



Es fahr wiederum Maria fort und sprach: »Mein Herr 
wenn der Mensch Mysterien (ixvorrßia) aus den Mysterien 

305 {ßvatriQia) | des ersten Mysteriums (^vaxr'iQiov) empfängt und 
wiederum umkehrt und sündigt und Übertretung begeht (naq tt . 

bßalvEiv), und wenn er danach wiederum umkehrt und bereut 
(nvtavoElv) und in jedem von seinem Mysterium (ßvoTfeiov) 
betet (7tQooEvx£o&ctL), wird ihm vergeben werden, oder nicht ?<t 
Es antwortete der Erlöser (awrife) und sprach zu Maria: 
»Wahrlich, wahrlich (äfiijv, ä/xrjv) ich sage euch: Einem jeden, 

10 der die Mysterien (fivaxrjQia) des ersten Mysteriums (ßvarr^iov) 
empfangen wird, wenn er wiederum umkehrt und 12 mal Über- 
tretung begeht (riaQaßaiveiv) und wiederum 12 mal Reue 
empfindet (jiezavoelv), indem er in dem Mysterium (^varr^tov) 
304 des ersten Mysteriums (^.vazr^iov) betet (nQooevxeo&ai), | wird 

15 vergeben werden. Und wenn er nach den 12 Malen wiederum 
Übertretung begeht (ttagaßaiveiv) und umkehrt und Über- 
tretung begeht (Tcaqaßaivsiv), so wird ihm auf ewig nicht ver- 
geben werden, damit er sich zu jedem von seinem Mysterium 
(fivarr]Qiov) wende, und nicht hat dieser Reue (/.lerdvoict), wenn 

20 er nicht (ei. prjzi) die Mysterien (j.wan]Qia) des Unaussprech- 
lichen empfängt, die zu jeder Zeit Erbarmen haben und zu 
jeder Zeit vergeben.« 

CAP. 119. Es fuhr wiederum Maria fort und sprach: 
»Mein Herr, wenn aber (de) hingegen die, welche die Mysterien 

25 (j.ivoTi)Qia) des ersten Mysteriums (fwoTrjQiov) empfangen haben, 
umkehren und Übertretung begehen (Ttagaßaiveiv), und wenn 
sie aus dem Körper (aa^a) kommen, bevor sie Reue empfunden 
(neiavoeiv) haben, werden sie das Reich ererben (yilr^ovoutiv), 
oder nicht, weil sie ja das Geschenk (dwpect) des ersten My- 

•30steriums (fivat^Qiov) empfangen haben?« 

Es antwortete der Erlöser (owrifc) und sprach zu Maria: 
»Wahrlich, wahrlich (äfirjv, äfirjv) ich sage euch: Jeder Mensch, 
der Mysterien (/.wazijQia) im ersten Mysterium (jivai^Qiov) 

306 empfangen hat, | indem er das erste und das zweite und das 
35 dritte Mal Übertretung begangen (nagaßalveiv) hat, und wenn 

dieser kommt aus dem Körper (aa^ia), bevor er Reue empfunden 
(jietavoelv) hat, dessen Gericht (xglaig) ist viel höher (schlimmer) 
als (nagd) alle Gerichte (xgioeig), denn (ydg) sein Wohnort ist 
inmitten des Rachens des Drachens (ÖQäxav) der äußere» 



Cap. 118. 119. 223 

yjnsternis, und am Ende von all diesem wird er zugrunde 
„elien in den Strafen (xoldostg) und auf ewig verzehrt {&vct- 
Ilff/.toO-at) werden, weil er das Geschenk (diogeä) des ersten 
jjysteriums (pvorfgiov) empfangen und nicht in ihm (sc. Ge- 
schenk) geblieben ist.« 5 

Es antwortete Maria und sprach: »Mein Herr, alle 
Renschen, die Mysterien (ixvatr^ia) des Mysteriums (fivazr^iov) 
des Unaussprechlichen empfangen werden, und sie haben Über- 
tretung begangen (rcagaßaiveiv) und haben in ihrem Glauben 
(itlous) aufgehört und wiederum | danach, da sie noch (eVt) am 305 
Leben, sind sie umgekehrt und haben Reue empfunden (neta- 
voelv), wie viel Male wird ihnen vergeben werden?« 

Es antwortete der Erlöser (aaniig) und sprach zu Maria : 
> Wahrlich, wahrlich («fy^v, ttyiip) ich sage euch: Jedem 
Menschen, der die Mysterien (/.ivazrjQia) des Unaussprechlichen 15 
empfingen wird, nicht nur (oti f.tövov\ wenn er einmal Über- 
tretung begangen {naQaßaiveiv) und wiederum umkehrt und 
Eeue empfindet (juTavoeZv), wird vergeben werden, sondern 
(ä'Üd) wenn er zu jeder Zeit Übertretung begeht (Ttagaßaivsiv) 
und wenn er, da er noch (ert) am Leben, umkehrt und Reue 20 
empfindet (lUTavoeiv), ohne daß er sich in Verstellung (vno- 
y.oimg) befindet, und wiederum wenn er umkehrt und Reue 
empfindet (fittavoeü') und in jedem von seinen Mysterien 
(fivazijQia) betet (7iooasvxea&ai), so wird ihm zu jeder Zeit 
vergeben werden, Aveil er von dem Geschenke (duged) der |25 
Mysterien (f.ivoTrjQia) des Unaussprechlichen empfangen hat, 307 
und ferner weil barmherzig jene Mysterien (nvarr^ta) sind 
und vergebend zu jeder Zeit.« 

Es antwortete wiederum Maria und sprach zu Jesus: 
*Mein Herr, diejenigen, welche die Mysterien {nvatrjQia) des 30 
Unaussprechlichen empfangen haben, und sie sind wiederum 
^gekehrt, haben Übertretung begangen (Ttagaßalveiv) und 
haben in ihrem Glauben {vtLotig) aufgehört und sind ferner 
a °s dem Körper (aw/.ia) gekommen, bevor sie Reue empfunden 
Iwetavoeiv) haben, was wird derartigen (Menschen) geschehen?« 35 

Es antwortete aber (de) der Erlöser (aoizrjg) und sprach 
u Maria: Wahrlich, wahrlich («fy^v, ä/.ir t v) ich sage euch: 
^ e Menschen, die von den Mysterien {nvarijQia) des Unaus- 
stehlichen empfangen werden, selig (fiaxägioi) sind freilich 



224 



Pistis Sophia. 



(pirtoiye) die Seelen (ipvxai), die von jenen Mysterien 
empfangen werden, aber (&Uä) wenn sie umkehren und Übe 
tretung begehen (nagaßaiveiv) und aus dem Körper (aw« 
kommen, bevor sie Eeue empfunden (fieTavosiv) haben, d 
5 Gericht (xQioig) jener Menschen ist schlimmer als alle Gerich 
(xqiaug), und sehr gewaltig ist es, selbst wenn (xAV) jen 

306 Seelen {\pv%ai) neue sind | und ihr erstes Mal es ist, zur W 
(xöafiog) zu kommen. Nicht werden sie zu den Verwandlunge 
{neraßolai) des Körpers (aw^a) von dieser Stunde an zurüc' 

10 kehren und nicht imstande sein, irgend etwas zu tun, sonde 
(äkkd) sie werden nach außen zu der äußeren Finsternis g 
worfen und verzehrt (ava'/Umeo&ai) und auf ewig existenzl 
werden.« 

CAP. 120. Als aber (de) dieses der Erlöser (owti'jq) g 

15 sagt hatte, sprach er zu seinen Jüngern {iiaifrpai): »Begre ; 
(voelv) ihr, in welcher Weise ich mit euch spreche?« 
308 Es antwortete | Maria und sprach: »Ich habe an mich 
gerissen (fy«<ff«o") die Worte, die du gesagt hast. Jetzt mm, 
mein Herr, dies ist das Wort, das Du gesagt hast: »Die, 

20 welche die Mysterien (iimmfout) des Unaussprechlichen emp- 
fangen werden, — selig (fiay.dQioi) sind freilich (pfyroiye) jene 
Seelen (ipvxal), aber (&XM), wenn sie umkehren, Übertretung 
begehen {itaqaßaivuv) und in ihrem Glauben (nUmg) aufhören 
und wenn sie aus dem Körper (o&ixa) herausgehen, ohne daß 

25 sie ßeue empfunden ((teravoeiv) haben, so taugen sie nicht 
mehr von dieser Stunde an, zu den Verwandlungen (jietaßoXm 
des Körpers (aüiua) zurückzukehren, noch (ovöi) zu irgend 
etwas, sondern (äkld) sie werden nach außen in die äußere 
Finsternis geworfen, sie werden verzehrt (ava'Aloxsoöai) an 

30 jenem Orte (rönog) und auf ewig existenzlos werden«, — & 
betreif (dieses) Wortes hast Du zu uns einst gesagt, indem 
Du sprachst: >Gut ist das Salz; wenn das Salz taub wird, 
womit soll man es salzen? Es taugt nicht zum Mist (xoicgio) 
noch (oiäe) zur Erde, sondern (&XX6) man wirft es hinaus«, 

35 — d. h. selig (uaxäQioi) sind alle Seelen {ipvxai), die von den 

307 Mysterien (ßvorrjQia) | des Unaussprechlichen empfangen werden» 
aber (äAM), wenn sie einmal Übertretung begehen {naQaßai^ 111 '' 
taugen sie nicht zum Körper (ow,u«) von dieser Stunde » n 

32 Vgl. Luk. 14, 34. 35 u. Par. 



Cap. 119. 120. 225 

zurückzukehren noch (oööe) zn irgend etwas, sondern (älld) 
sie werden in die äußere Finsternis geworfen und an jenem 
Orte (ronog) verzehrt (ävalloxeo&ai) werden * 

Als sie aber W dieses zum Erlöser («pfe) gesagt hatte, 
sprach er: >\ortreflhch (eiye), Du pneumatische («re^axoerf) 5 
und reine (e'äix Ql vfe) Maria! Dies ist die Auflösung des 
Portes.« 

Es fuhr wiederum Maria fort | und sprach: »Mein Herr 309 
alle Menschen, die die Mysterien (pvonfeta) des ersten My- 
steriums (fivorfQtov) und die Mysterien fcuomfet«) des Unaus-io 
spreehlichen empfangen haben, diese, welche nicht Über- 
tretung begangen (nagaßaivetv) haben, sondern (äUd) deren 
Glaube {Ttlcms) in den Mysterien (/tvorfota) aufrichtig ohne 
Verstellung (vtz6xqio is ) war, diese nun haben wiederum durch 
den Zwang (ävdy* v ) der Heimarmene (sluag^) gesündigt 15 
und sind wiederum umgekehrt, haben Eeue empfunden 
(juravoszv) und wiederum in jedem von ihren Mysterien 
bivovwia) gebetet (ff f o%„to), w i e vielmal wird ihnen 
vergeben werden?* 

Es antwortete aber (<W) der Erlöser (oomfe) und sprach ao 
zu Maria inmitten seiner Jünger (^wi): »Wahrlich, wahr- 
ücu {& m v, ärfv) ich sage euch: Alle Menschen, die die 
Mysterien {pwnfyux) des Unaussprechlichen empfangen werden 
und auch die Mysterien Guwwfei«) des ersten Mysteriums 
Vtvc*r, 9 iov), diese sündigen durch den Zwang (dvdy^) der 25 ' 
Heimarmene (tipaQ^) jedesmal, und wenn sie, da sie noch 
i*u) am Leben, umkehren und ßeue empfinden (futavoeiv) und 
«> jedem von ihren Mysterien fruwnfe«) bleiben, so wird 
inen zu jeder Zeit vergeben werden, weil jene Mysterien 
woorfeut) barmherzig sind und vergebend alle Zeit. Deswegen 30 
•w»n (ovv) habe ich zu euch einst gesagt: Jene Mysterien 
WvoT Waj W erden ihnen nicht nur (od rfvov) ihre | Sünden, die so« 
e von Anfang an begangen haben, vergeben, und (sondern) 
e rechnen sie ihnen von dieser Stunde nicht an, von denen 
» zu euch gesagt habe, daß sie zu jeder Zeit Reue (fiszd-Bö 
dj a ) annehmen, und sie werden auch die Sünden vergeben 

klJ ie - Von ,ieuem be S ehen " Wenn dagegen die, welche 
* [ erien (fuorfoia) von | dem Mysterium (nvorrjQtov) des Un-310 

s l Vgl. 0. S. 221, 22 f. 
■Aofamidt: Piatis Sophia. 15 



226 Futis Sophia. 

aussprechlichen und den Mysterien (nvm^ia) des ersten 
Mysteriums (pvorfgiov) empfangen haben, umkehren und 
sündigen und aus dem Körper (aw/m) kommen, ohne daß S i e 
Reue empfunden (hetuvoeiv) haben, so werden sie selbst wi e 
5 jene werden, welche Übertretung begangen {itctQaßahuv) und 
nicht Reue empfunden (jietavosiv) haben ; auch ist ihr Wohn- 
ort inmitten des Rachens des Drachens (ögdxwv) der äußeren 
Finsternis, und sie werden verzehrt (ävaUomoÖui) und auf 
ewig existenzlos werden, — deswegen sage ich euch: Alle 
10 Menschen, die die Mysterien (pvovrßia) empfangen werden, 
wenn sie wüßten die Zeit, wann sie aus dem Körper (aa f i a ) 
herauskommen werden, würden sich lenken (hüten) und nicht 
sündigen, damit sie das Lichtreich auf ewig ererben (x*jj e o- 
vofielv).* 

15 CAP. 121. Als nun dieses der Erlöser (awrife) zu seinen 
Jüngern (tia&rjia{) gesagt hatte, sprach er zu ihnen : »Begreift 
(voslv) ihr nun, in welcher Weise ich mit euch spreche ?< 

Es antwortete Maria und sprach: »Ja, mein Herr, mit 
Genauigkeit (äxgißeia) habe ich genau geforscht (&xQißd&a>) 
20 nach allen Worten, die Du sagst. In betreff dieses Wortes 
nun {oiv) hast Du zu uns einst gesagt: »Wenn der Hausherr 
wüßte, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb käme, zu 
durchwühlen das Haus, würde er wachen und ließe nicht den 
Menschen sein Haus durch wühlen <.« 
25 Als nun Maria dieses gesagt hatte, sprach der Erlöser 
(ottwife): »Vortrefflich (rfye), Du pneumatische {ttveofani^) 
Maria! Dies ist das Wort.« 
30» Es fuhr | wiederum der Erlöser (otunfe) fort und sprach zu 
' seinen Jüngern (na&rpat): »Jetzt nun verkündet (xjje*5ew«g 
30 allen Menschen, welche Mysterien (nvatrjQia) im Liehe 
empfangen werden, und saget ihnen, indem ihr sprecht : Hu 
311 euch | und sündigt nicht, damit (pijwore) ihr nicht Böses a 
Böses häuft und ans dem Körper (awfia) herausgeht, ojj 
Reue empfanden (neravoeiv) zu haben, und dem Lichtrei 
35 auf ewig fremd (akloxQioi) werdet.« ^ 
Als dieses der Erlöser (ffwnfe) gesagt hatte, antwor e 
Maria und sprach: »Mein Herr, viel (groß) ist die Barmbek * 

21 Vgl. Matth. 24, 43; Luk. 12, 39. 



Cap. 120—122. 227 

ke it dieser Mysterien (/ivorifoia), die Sünden vergeben zu 
jeder Zeit.« 

Es antwortete der Erlöser (ourcfß) und sprach zu Maria 
inmitten der Jünger (fiadipai): »Wenn ein König heute, der 
ein Mensch der Welt (xöopog) ist, ein Geschenk (öu^ed) den 5 
Renschen seinesgleichen gibt und auch den Mördern ((povelg) 
und den Päderasten und die übrigen sehr schweren Sünden, 
die des Todes würdig sind, vergibt, — wenn es aber (öe) ihm^ 1 
der ein Mensch der Welt (xöofios) ist, geziemt, dieses getan 
zu haben, um wie viel mehr (ftdXioza) nun haben der ünaus- 10 
sprechliche und das erste Mysterium (^vaxr^iov), die Herren 
über das All sind, die Macht (ej-ovoia), in allen Dingen zu 
bandeln, wie es ihnen gefällt, daß sie einem jeden, der 
Mysterien (jxvorfoia) empfangen hat, vergeben! Oder (ij) wenn 
dagegen ein König heute einen Soldaten mit einem Königs- 15 
gewande (-evdipa) bekleidet und ihn in andere Gegenden (tötcoi) 
schickt, und er Morde und schwere Sünden, die des Todes 
würdig sind, begeht, so wird man sie ihm nicht anrechnen, 
und nicht ist man imstande, ihm etwas Böses zu tun, weil er 
mit dem Königsgewand (-'evöv/ta) bekleidet ist, — um wie viel 20 
mehr (fidhara) nun die, welche die Mysterien {fivat^Qia) der 
Gewänder (höv^ara) des Unaussprechlichen und die des ersten 
Mysteriums (pvotfaiov) tragen (tpoQelv), welche Herren sind 
Siber | alle die von der Höhe und alle die von der Tiefe (ßd&og) !« 3io 

CAP. 122. Darauf sah Jesus eine Frau, die gekommen, 25 
im Keue zu empfinden (fieravoeiv); | er hatte sie dreimal ge-312 
tauft (ßaitruuv), und nicht hatte sie das der Taufen (ßantla- 
poro) Würdige getan. Und der Erlöser (aanrife) wollte' Petrus 
Ersuchen (neiod&iv), um zu sehen, ob er barmherzig und 
Vergebend wäre, wie (xard-) er ihnen befohlen hatte. Er30 
sprach hin zu Petrus: »Siehe, dreimal habe ich diese Seele 
W v Xn) getauft (ßamituv) und bei diesem dritten Male hat 
si e nicht das der Mysterien {nvarrjoia) des Lichtes Würdige 
getan. Warum nun macht sie auch den Körper (owfia) unnütz? 
e tzt nun (oh), Petrus, vollziehe das Mysterium (fivoTijoiov) 35 
fle s Lichtes, das die Seelen (rpvxai) von den Erbteilen (xXtjqovo- 
i*' 01 ) des Lichtes abschneidet; vollziehe jenes Mysterium 
[ £ l ' a rfQior), auf daß es die Seele (ipoxrj) dieser Frau von den 
•Steilen (idrjeovoplai) des Lichtes abschneide.* 

15* 



228 Platia Sophia. 

Als nun dieses der Erlöser (awtijo) gesagt hatte, versuchte 
(neiQd&iv) er (den Petrus), um zu sehen, ob er barmherzig 
und vergebend wäre. 

Als nun dieses der Erlöser (oiinrjq) gesagt hatte, sprach 
5 Petrus : »Mein Herr, laß sie noch dieses Mal, daß wir ihr di e 
höheren Mysterien {jivarqqut) geben, und wenn sie tauglich 
ist, so hast Du sie gelassen und sie hat das Lichtreich ererbt 
(xlrßovoftelv), wenn sie aber (ö£) nicht tauglich ist, so hast 
Du sie von dem Lichtreich abgeschnitten.* 
10 Als nun dieses Petrus gesagt hatte, erkannte der Erlöser 
(atatrjf)), daß Petrus barmherzig, wie er, und vergebend wäre. 

Als nun dieses alles geschehen war, sprach der Erlöser 
(auin'iQ) zu seinen Jüngern (fiaih]TaC) : »Habt ihr alle diese | 
Worte begriffen (voelv) und den Typus (vvitog) | dieser Frau?c 

16 Es antwortete Maria und sprach: »Mein Herr, ich habe 
die Mysterien ((ivorrjoia) der Dinge, die dieser Frau zuteil 
geworden sind, begriffen (voelv). In betreff der Dinge nun (ofo), 
die ihr zuteil geworden, hast Du zu uns einst im Gleichnis 
(Ttagußoltf) gesprochen, indem Du sagtest: >Es besaß ein Mann 

20 einen Feigenbaum in seinem Weinberge; er kam aber (<5f), 
um seine Frucht (v-aq-rtäq) zu suchen, und nicht fand er irgend- 
eine an ihm. Er sprach zu dem Weingärtner: Siehe, drei 
Jahre komme ich und suche Frucht (y.<xqtc6s) an diesem Feigen- 
baum, und nicht habe ich irgendwelchen Gewinn von ihm- 

25 Haue ihn nun ab, warum macht er auch den Boden unnütz? 
Er aber (de) antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr, ge- 
dulde dich um ihn noch dieses Jahr, bis daß ich ringsum ihn 
grabe und ihm Dünger gebe; wenn er aber (de) im anderen 
Jahr (Früchte) hervorbringt, so hast du ihn gelassen, wenn 

30 du aber (ä£) nicht findest irgendwelche (Frucht), so hast du 
ihn abgehauen«. — Siehe, mein Herr, dies ist die Auflösung 
des Wortes.« 

Es antwortete der Erlöser (omrjo) und sprach zu Maria^ 
»Vortrefflich (eöye), Du Pneumatische (Ttvevficnixfyl Dies is 
35 das Wort.« 

CAP. 123. Es fuhr wiederum Maria fort und sprach * 
Erlöser (ffwrrfc): »Mein Herr, ein Mensch, der Mysterien (f 



19 ff. Vgl. Luk. 13, 6-9. 



Cap. 122. 123. 



229 



atfßia) empfangen und nicht das der Mysterien (/ivotfaia) 
w ürdige getan hat, sondern {&l).ä) er ist umgekehrt und hat 
gesündigt, danacli hat er wiederum Reue empfunden (neiavoeiv) 
un d ist in großer Reue (uezdvota) gewesen — ist es nun {oh) 
meinen Brüdern erlaubt (e^eati), ihm das Mysterium (^varrjQiov) 5 
zll erneuern, das er empfangen hat, oder {i}) | vielmehr ihm 314 
ein Mysterium (fivair^iov) aus den niederen Mysterien (ßva%^qux) 
zu geben, — ist es nun (ovv) erlaubt (eS-eou), oder nicht?« 

Es antwortete aber (<$«') der Erlöser {aw%rjo) und sprach 
zu Maria: »Wahrlich, wahrlich (äftrjv, ä^v) ich sage euch: 10 
Weder (ovös) | das Mysterium (ftvair^giov), das er empfangend 
hat, noch (ovöf) das niedere erhört ihn, um seine Sünden zu 
vergeben, sondern (ä'/2ü) die Mysterien {itvoTrjoia), die höher 
sind als die, welche er empfangen hat, sind es, die ihn er- 
hören und seine Sünden vergeben. Jetzt nun {oh), Maria. 15 
mögen Deine Brüder ihm das Mysterium (ßvozijoiov) geben, 
das höher ist als das, welches er empfangen hat, und sie 
sollen seine Reue {usrdvoia) von ihm annehmen und seine 
Sünden vergeben, — jenes nämlich (jxh), weil er es noch 
einmal empfangen hat, und die anderen, weil er sie nach 20 
oben überschritten hat; dieses nämlich (fih) erhört ihn nicht, 
um seine Sünden zu vergeben, sondern {&IX&) das Mysterium 
(hvottiqiov), das höher ist als das, was er empfangen hat, ist 
es, das seine Sünden vergibt. Aber {&U.&) wenn er dagegen 
die drei Mysterien {uvorrjoia) in den beiden Räumen 
luna) oder (/;) in dem dritten (sc. Räume) von innen empfangen, 
und dieser ist umgekehrt und hat Übertretung begangen 
{rrctfjctßaivstv), so erhört ihn kein Mysterium {pvoxfßiov), um 
ihm in seiner Reue {fiezävoia) zu helfen, weder {oiöi) die 
höheren noch {ovöe) die niederen, wenn nicht {ei ufa) das 30 
Mysterium {pvorrjoiov) des ersten Mysteriums {/.ivoxr^cov) und 
die Mysterien (pverifeia) des Unaussprechlichen, — sie sind 
e s, die ihn erhören und von ihm seine Reue (/.isrävoia) an- 
phmen.« 

[ Es antwortete Maria und sprach: »Mein Herr, ein Mensch, 35 
der Mysterien (/ivonjQia) bis zu zwei oder (/;) drei | in dem 315 
Reiten oder dritten Räume (xdioyna) empfangen hat, und 
dieser hat nicht Übertretung begangen {rtagaßaiveiv), sondern 
i&ttd) befindet sich noch (foi) in seinem Glauben {niatig) | auf- :ns 



230 



Pistia Sophia. 



richtig und ohne Verstellung (vttöxQung), (was wird diesem 
geschehen) ?« 

Es antwortete aber (di) der Erlöser (aioTtjg) und sprach 
zu Maria: »Jeder Mensch, der in dem zweiten und im dritten 
öKaume (x^Qtjfta) Mysterien (pvorfgia) empfangen und nicM 
Übertretung begangen hat (nagaßalvEiv), sondern (ä).Xd) S i c j, 
noch (hi) in seinem Glauben (niatig) ohne Verstellung (h n ^ 
y-oimg) befindet, derartigen ist es erlaubt (e|eewt), Mysterien 
(fivoTijQia) in dem Kaume (xdig^a), der ihm gefällt, zu 
10 empfangen vom ersten bis zum (ewg) letzten, weil sie nicht 
Übertretung begangen (nagaßaivsiv) haben.« 

CAP. 124. Es fuhr wiederum Maria fort und sprach: 
»Mein Herr, ein Mensch, der die Gottheit erkannt und von 
den Mysterien (nvozyeia) des Lichtes empfangen hat und 
15 umgekehrt ist und Übertretung begangen (rtagaßaivsiv) u n j 
gottlos gehandelt (ivofteiv) und nicht umgekehrt ist, um Rene 
zu empfinden (peiavoeiv), — und ein Mensch dagegen, der die 
Gottheit nicht gefunden noch (oidi) sie erkannt hat, und jener 
Mensch ist ein Sünder und auch ein Gottloser und 
20 sie sind beide aus dem Körper (awfxa) gekommen, wer von 
ihnen wird mehr Leiden in den Gerichten (xgioEig) empfangen?« j 

Es antwortete wiederum der Erlöser (awr^g) und sprach 
zu Maria,: »Wahrlich, wabrlich fyirjv) ich sage Dir: Der 

Mensch, der die Gottheit erkannt und die Mysterien (ftvoTrßta) 
25 des Lichtes empfangen und gesündigt hat, ohne daß er um- 
gekehrt ist, um Reue zu empfinden (iieravos.lv), er wird Leiden 
empfangen in den Strafen (noXdosig) der Gerichte (xgioEig) in 
316 großen Leiden und | Gerichten (xgloeig) sehr vielmal mehr im 
Vergleich zu (nagd) dem gottlosen («ac/fy's) und frevelhaften 
30 (Ttagävoftog) Menschen, der die Gottheit nicht erkannt hat. 
> Jetzt nun, wer Ohren hat zu hören, der höre«'.« 

Als dieses nun der Erlöser (awtijg) gesagt hatte, stürzte | 
314 Maria vor und sprach: »Mein Herr, mein Lichtmensch hat 
Ohren, und ich habe das ganze Wort, das Du gesagt li» st > 
35 begriffen (voslv). In betreff dieses Wortes nun (oiv) hast D° 
zu uns im Gleichnis (nagaßoh]) gesprochen : >Der Knecht, der 
den Willen seines Herrn wußte und nicht bereitete und nicht 



31 Vgl. Mark. 4, 9 u. Parall. — 36 ff. Vgl. Iaik. 12, 47. 48. 



Cap. 123—125. 



231 



(pvöii den Willen seines Herrn tat, wird große Schläge 
empfangen; wer aber (ö£) nicht wußte nnd nicht tat, wird 
geringerer (Schläge) würdig sein. Denn von einem jeden, dem 
mehr anvertraut ist, wird mehr gefordert, und wem viel über- 
geben, von dem wird viel verlangt werden <, — d. h. mein 5 
Herr, wer die Gottheit erkannt und die Mysterien (ftvairjQia) 
des Lichtes gefunden und Übertretung begangen (naqaßaivsiv) 
hat, der wird in einem viel größeren Gerichte (vgloig) gestraft 
(xolä&iv) als der, welcher die Gottheit nicht erkannt hat. — 
Dies ist, mein Herr, die Auflösung des Wortes.c 10 

CAP. 125. Es fuhr wiederum Maria fort und sprach 
zum Erlöser (erwrr;e): »Mein Herr, wenn der Glaube {niouq) 
und die Mysterien (/.ivaT^ia) sich offenbart haben werden, 
jetzt nun (ovv), wenn Seelen (tyvxai) in vielen Kreisumläufen 
(wxXoi) in die Welt (xöauog) kommen und verabsäumen (fye- 15 
*.slv), Mysterien (nvarr^ia) zu empfangen, indem sie hoffen, 
daß, wenn sie bei einem anderen Kreislauf {nvxkog) in die 
Welt (xöopog) kommen, sie sie empfangen werden, werden sie 
lso nicht (ovxoßv) in Gefahr sein, | daß sie nicht erreichen, 317 
ie Mysterien ((.ivarfgia) zu empfangen?« 20 

Es antwortete der Erlöser (aunr^) und sprach zu seinen 
Jüngern (naxhjzal): »Verkündet (xTjQvaaeiv) der ganzen Welt 
xoa^oe) und saget den Menschen: Ringet danach, auf daß 
ihr die Mysterien (nvazr,Qia) des Lichtes in dieser bedrängten 
Zeit empfanget und in das Lichtreich hineingehet. | Nicht 315 
"Iget einen Tag zum andern oder (if) einen Kreisumlauf 
xwlog) zum andern und hoffet, daß ihr erreichet, die Mysterien 
'j.ivo'ir.Qia) zu empfangen, wenn ihr in die Welt (xöofiog) in 
inem andern Kreisumlauf (xvxlog) kommt. Und diese wissen 
nicht, wann die Zahl (äQi9-ft6g) der vollkommenen (tikeioi) 30 
Seelen (ifivxai) vorhanden sein wird, denn {y6q), wenn die 
Zahl (t&Qi&p6g) der vollkommenen (tUslol) Seelen (ipvxai) vor- 
handen sein wird, werde ich nunmehr die Tore (rtvlai) des 
Lichtes verschließen, und niemand wird von dieser Stunde an 
hineingehen noch (ovöi) wird jemand danach herausgehen, 35 
weil die Zahl (dgt&fiög) der vollkommenen (relsioi) Seelen 
(4>vxai) vollendet und das Mj-sterium (iivoxfßiov) des ersten 
Mysteriums (jxvoifiQiov) vollendet ist, um dessentwillen das 
AU entstanden ist, d. h. ich bin jenes Mysterium (iivvu'iqiov). 



232 



Pistis Sophia. 



Und von dieser Stunde an wird niemand zum Lichte hinein- 
gehen und niemand wird herausgehen können. Denn bei der 
Vollendung der Zeit der Zahl {&Qtd-^i6s) der vollkommenen, 
(tüeioi) Seelen (ifjvxal), bevor ich Feuer an die Welt (x6o/.io s y 
5 gelegt habe, auf daß es die Aeonen (aiäveg) und die Vor- 
hänge iy.axa.ni%6.o^axa) und die Firmamente (oreoeti/xaTa) und 
die ganze Erde und auch alle Materien (llai), die auf ihr r 

318 reinige, existiert noch Qu) | die Menschheit. In jener Zeit 
nun (oh) wird sich noch mehr der Glaube (nio~us) offenbaren 

10 und die Mysterien (^vav^Qia) in jenen Tagen, und viele Seelen 
(xfjvxal) werden vermittelst der Kreisumläufe (xwdot) der Ver- 
wandlungen ineiaßolai) des Körpers (aüna) kommen, und in- 
dem sie in die Welt (xdo/ios) kommen, sind einige von ihnen 
in dieser jetzigen Zeit, die mich gehört haben, wie ich lehrte |, 
316 die werden bei der Vollendung der Zahl (ägid-fiög) der voll- 
kommenen (riUioi) Seelen (rpv%ctC) die Mysterien (nvanjgta) 
des Lichtes finden und sie empfangen und an die Tore 
(nvlai) des Lichtes kommen und finden, daß die Zahl (&qi&- 
fiös) der vollkommenen (züewi) Seelen (rpv%al) vollendet ist, 

20 welches ist die Vollendung des ersten Mysteriums (^ivavqqmv) 
und die Erkenntnis des Alls. Und sie werden finden, daß 
ich die Tore (itvlai) des Lichtes verschlossen habe, und 
es unmöglich ist, daß jemand hineingehe oder (¥,) daß 
jemand hinausgehe von dieser Stunde an. Jene Seelen 

2b(ipvx<xi) nun (oh) werden an die Tore (nvlai) des Lichtes 
klopfen, indem sie sagen: 0 Herr, öffne uns! Ich werde 
antworten und ihnen sagen: Ich kenne euch nicht, woher 
ihr seid. Und sie werden mir sagen: Wir haben von 
Deinen Mysterien (pvoTrjQia) empfangen und Deine ganze 

30 Lehre vollendet, und Du hast uns auf den Straßen (nlarelai) 
gelehrt. Und ich werde antworten und ihnen sagen: Ich 
kenne euch nicht, wer ihr seid, die ihr Täter der Unge- 
rechtigkeit (&vopia) und des Bösen bis (ewg) jetzt seid, des- 

319 wegen gehet in die äußere Finsternis. Und | von jener 
35 Stunde werden sie in die äußere Finsternis gehen, dort, wo 

Heulen und Zähneklappern ist. — Deswegen nun {oh) ver- 
kündet (*>]Qvooeiv) der ganzen Welt (yM 1 °s) und saget ihnen : 
25 ff. Vgl. Matth. 25, 11. 12; 7, 22. 23; 8, 12; 22, 13 u. Parall. Lok. 
13, 24 ff. 



Cap. 125. 126. 



233 



Ringet danach, der ganzen Welt (xdo^og) und der ganzen in 
jhr befindlichen Materie (vkr;) zu entsagen (&7toräooeo&ai), 
auf daß ihr die Mysterien (nvanr^ia) des Lichtes empfanget, 
bevor die Zahl (ägid-fiög) der vollkommenen (xiluoL) Seelen 
(xpv%ai) vollendet ist, damit man euch nicht vor der Tür | des 317 
Lichttores {-nvXrj) stehen läßt und euch zu der äußeren 
Finsternis führt. Jetzt nun (oiv), >wer Ohren hat zu hören, 
der höre«.« 

Als nun dieses der Erlöser (awTifc) gesagt hatte, stürzte 
wiederum Maria vor und sprach: »Mein Herr, nicht nur (ovio 
fiövov) mein Lichtmensch hat Ohren, sondern (illd) es hat 
meine Seele (i/wx??) gehört und begriffen (voslv) alle Worte, 
die Du sagst. Jetzt nun (oiv), mein Herr, in betreff der Worte, 
die Du gesagt hast: Verkündet (y.rjovooecv) den Menschen der 
Welt (xdff^og) und saget ihnen : Ringet danach, die Mysterien 15 
((ivoirjQia) des Lichtes in dieser bedrängten Zeit zu empfangen, 
damit ihr das Lichtreich ererbt (xlj]Qo*o/xelv) ****.« 

CAP. 126. Es fuhr wiederum Maria fort und sprach zu 
Jesus: »In welchem Typus (Tvnog) ist die äußere Finsternis 
oder (rj) vielmehr wieviel Straförter (xö?.aoig-) sind in ihr?« 20 

Es antwortete aber (öt) Jesus und sprach zu Maria: 
>Die äußere Finsternis ist ein großer Drache (ögäxwv), dessen 
Schwanz in seinem Munde, indem sie (sc. die Finsternis) 
außerhalb der ganzen Welt (xöo/.iog) ist und die ganze Welt 
fatoo^og) umgibt. Und es sind viele Gerichtsörter (xQlaig-röjiot) 25 
innerhalb von ihr; es sind zwölf gewaltige | Strafkammern 320 
(xoXdaeig-Ta^iela), und ein Archon (8q%iüv) ist in jeder Kammer 
(tafiuiov), und das Gesicht der Archonten (Hoxovrsg) ist von- 
einander verschieden. Der erste Archon (üqzwv) aber (dt), 
der sich in der ersten Kammer (ra/utElov) befindet, hat ein 30 
Krokodilsgesicht, dessen Schwanz in seinem Munde, und alles 
Eis kommt aus dem Rachen des Drachen (öodxcov) und aller 
Staub und | alle Kälte und alle verschiedenen Krankheiten, 818 
— dieser, der mit seinem authentischen (aid-Eviixög) Namen 
seinem Orte (tönog) >Enchthonin< genannt wird. Und der 35 
1 Vgl. Mark. 4, 9 u. Parall. 

17 Hier ist eine grüliere Lücke, in der die Stelle Luk. 13, 24 ff. iu 
Parallele gestellt war. Darauf folgte die Antwort Jesu mit der Lob- 
preisung der Maria. 



234 



Piatis Sophia. 



Archon (üqxwv), der sich in der zweiten Kammer (tafi(ei 0v \ 
befindet, ein Katzengesicht ist sein authentisches (mtöemxös) 
Gesicht, — dieser, der in seinem Orte (töitog) >Charachar» 
genannt wird. Und der Archon {aqyon), der sich in der 

6 dritten Kammer (zanielov) befindet, ein Hundsgesicht ist sein 
authentisches {atd-6rcr t g) Gesicht, dieser, der in seinem Orte 
{■tönog) »Archarochf genannt wird. Und der Archon {&qxwv\ 
der sich in der vierten Kammer (zaftuiov) befindet, ein 
Schlangengesicht ist sein authentisches (avd-ewrjg) Gesicht 

10 dieser, der in seinem Orte (zörcog) >Achröchar< genannt wird. 
Und der Archon (&q%o}v), der sich in der fünften Kammer 
(Ta/.uslov) befindet, ein schwarzes Stiergesicht ist sein authen- 
tisches (av&evTixög) Gesicht, dieser, der in seinem Orte (rönog) 
>Marchur< genannt wird. Und der Archon (&qxo>v), der sich 

16 in der sechsten Kammer (zatueTov) befindet, ein Bergschwein- 
gesicht (Wildschweingesicht) ist sein authentisches (av&ivzrß) 
Gesicht, dieser, der in seinem Orte (tonog) >Lamchamöi-i ge- 
nannt wird. Und der Archon (üqxiov) der siebenten Kammer 
321 (rafueiov), | ein Bärengesicht (aq-nzog-) ist sein authentisches 

20 (av9evti]s) Gesicht, dieser, der in seinem Orte (vönog) mit 
seinem authentischen {av9svti-/.6g) Namen >Luchar< genannt 
wird. Und der Archon (ttqywv) der achten Kammer (%aiueiov\ 
ein Geiergesicht ist sein authentisches {av^evnqg) Gesicht, 
dessen Name in seinem Orte (vöftog) >Laraöch< genannt wird. 

25'Und der Archon (Üf>%a>v) der neunten Kammer (rafiieiov), 
— ein Basiliskengesicht ist sein authentisches (ai&htrjs) 
Gesicht, dessen Name in seinem Orte (zörtog) >ArcheOch« 
genannt wird. Und in der zehnten Kammer (va/ueiov) sind 
eine Menge Archonten {aqyovtEg), und ein jeder von ihnen 

30 hat sieben Drachenköpfe {öqä-Mov-) in seinem authentischen 
(aö&EVTrjg) Gesicht, und der, welcher über sie alle, wird m 
319 ihrem Orte (rönog) mit seinem Namen | >Xarmaröch< genannt 
Und in der elften Kammer (tafuetov) befinden sich eine Menge 
Archonten (ä$xov™g), und ein jeder von ihnen hat sieben 

35 Köpfe mit Katzengesicht in seinem authentischen (a69f^> 
Gesicht, und der Große, der über sie, wird in seinem Ort 
{tönog) >Röchar< genannt. Und in der zwölften Kamme 
{vxiutHov) befindet sich eine sehr große Menge Arcbont 
(äQxovrsg), und ein jeder hat sieben Köpfe mit Hundsgesic 



Cap. 126. 127. 235 

in seinem authentischen (ai&frnjs) Gesicht, und der Große, 
der über sie, wird in seinem Orte {r6no s ) >ChremaÖr< genannt. 

Diese Archonten (S Q xoneg) nun dieser zwölf Kammern 
( m ueia) befinden sich innerhalb des Drachens (öqüxm) der 
äußeren Finsternis, und ein jeder | von ihnen hat einen 322 
Namen stundenweise (-xtwd), und ein jeder von ihnen wechselt 
sein Gesicht stundenweise (-xard), und ferner eine jede von 
diesen zwölf Kammern (zafiieZa) hat ein nach oben geöfFnetes 
Tor, so daß (flow) der Drache (ÖQdxwv) der äußeren Finsternis 
zwölf finstere Kammern {tabula) hat, indem eine jede Kammer 10 
(tanutav) ein nach oben geöffnetes Tor besitzt. Und ein Engel 
(ayyeloe) der Höhe bewacht jedes der Tore der Kammern 
{Tabula), die Jeu, der erste Mensch, der Aufseher (intoxottog) 
des Lichtes, der Gesandte (nQEaßiv^g) des ersten Gebotes, 
eingesetzt hat als Wächter des Drachens (ÖQdxwv), damit er 15 
und alle Archonten (%oms) seiner Kammern (rapuza), die 
in ihm, sich nicht auflehnen {faaxtety).* 

CAP. 127. Als nun dieses der Erlöser (oomfe) gesagt 
hatte, antwortete Maria Magdalena und sprach: »Mein Herr, 
werden also (oöxoüv) die Seelen (ifn>xal), die zu jenem Orte 20 
pötiog) geführt werden, durch diese 12 Tore der Kammern 
(ra/xisla) geführt, | eine jede dem Gerichte falmg) entsprechend 320 
(x«rd), dessen sie würdig ist?« 

Es antwortete der Erlöser (oumfo) und sprach zu Maria: 
»Nicht wird irgendeine Seele (ipvxij) in den Drachen (fydxiw)28 
durch diese Tore geführt, sondern (&Ud) die Seele (ipvxtf) der 
Lästerer und derer, welche in Irrlehre [rtlävi]-) sich befinden, 
und von allen, die in den Irrlehren (nlärca-) lehren, und der 
Päderasten und die (sc. Seele) von den befleckten und gott- 
losen (äoeßetg) Menschen und von allen Atheisten und den 30 
Mördern (cpovsie) und Ehebrechern und Giftmischern ((pagpa- 
N), alle derartigen Seelen {ipvxal) nun (odv), wenn sie, da 
sie noch (eti) am Leben, keine Keue empfinden (fuzavoeiv), 
sondern (dA/.d) | beständig in ihrer Sünde verbleiben, und 323 
auch alle Seelen (ipvxai), die draußen zurückgeblieben sind, 35 
d- h. die, welche ihre Zahl von Kreisumläufen (xtbdot), die 
ihnen in der Sphära {acpalga) bestimmt, empfangen haben, 
ohne daß sie Reue empfunden (/.teravoelv) haben, sondern 
(&ttd) bei ihrem letzten Kreisumlauf (xv-Aog) werden jene 



236 



Pistis Sophia. 



Seelen {ipv%aCj, sie und alle Seelen (tfwxai), die ich soeben 
gesagt habe, aus dem Rachen des Schwanzes des Drachens 
{ÖQdxwv) in die Kammern (taniela) der äußeren Finsternis 
geführt, und wenn die Seelen (ipvxai) in die äußere Finsternis 
5 in den Rachen seines Schwanzes geführt sein werden, wendet 
er seinen Schwanz in seinen eigenen Mund und schließt sie 
ein. Also werden die Seelen (ipvxai) in die äußere Finsternis 
geführt werden. Und der Drache (ÖQdxwv) der äußeren 
Finsternis hat zwölf authentische (aitevreig) Namen, die. an 
10 seinen Toren, einen Namen entsprechend (xazd) jedem der 
Tore der Kammern (za^uela), und diese zwölf Namen sind 
voneinander verschieden, aber (&IM) es sind die zwölf in- 
einander, so daß (fions), wer einen von den Namen sagen 
SSiwird, alle Namen sagt. | Diese nun werde ich euch bei der 
15 Darlegung des Alls sagen. So nun ist beschaffen die äußere 
Finsternis, d. h. der Drache (ßgaxom).* 

Als nun dieses der Erlöser (aamfe) gesagt hatte, ant- 
324wortete Maria und sprach | zum Erlöser (aumfe): »Sind denn 
die Strafen (vokdoetg) jenes Drachens (öqdxwv) viel schreck- 
licher im Vergleich zu {naqd) allen Strafen (xoMaeig) der 
Gerichte (xpi'aetg)?« 

Es antwortete der Erlöser (oiot^q) und sprach zu Maria: 
»Nicht nur (ov pövov) sind sie schmerzhafter im Vergleich zu 
(Ttagd) allen Strafen (xoMoeig) der Gerichte (xglaeig), sondern 
2b{&Ud) alle Seelen (V»z«0» die an jenen Ort ixönog) geführt, 
werden zugrunde gehen in der gewaltigen Kälte und dem 
Hagel (xdXa£ai) und dem sehr gewaltigen Feuer, diese, die 
sich an jenem Orte (röaog) befinden, — aber i&lld) auch bei 
der Auflösung der Welt [xöo/xog), d. h. bei dem Aufstieg des 
30 Alls werden jene Seelen [ipvxal) durch die gewaltige Kälte 
und das sehr gewaltige Feuer verzehrt (dvaUa-Atad-ai) und 
ewiglich existenzlos werden.« 

Es antwortete Maria und sprach: »Wehe den Seelen 
(xpvxai) der Sünder! Jetzt nun (oöv), mein Herr, ist das 
35 Feuer, das an dem Orte (zönog) der Menschheit, heißer, oder 
ist das Feuer, das in der Amente, heißer?« 

Es antwortete der Erlöser (owwfe) und sprach zu Maria: 
»Wahrlich (&irfv) ich sage dir: Das Feuer, das in der Amente, 
ist neunmal heißer als das Feuer, das in der Menschheit, un 



Cap. 127. 128. 



237 



das Feuer, das in den Strafen {v.oldoug) des großen Chaos 
(%dog), ist neunmal gewaltiger als das in der Amente, und 
das Feuer, das in den Gerichten (glasig) der Archonten (äg- 
%ovtet;), die auf dem Wege der Mitte, ist | neunmal gewaltiger 32? 
als das Feuer der Strafen (xoldaeig), das in dem großen Chaos 5 
{%dog), und das Feuer, | das in dem Drachen (ßq<hunv) der 325 
äußeren Finsternis, und alle Gerichte (xQioeig), die in ihm, sie 
sind siebenzigmal gewaltiger als das Feuer, das in allen 
Strafen (xoldoeig) und in den Gerichten (nglaeig) der Archonten 
(&q%ov%es) t diese, welche auf dem Wege der Mitte.« 10 

CAP. 128. Als aber (öd) der Erlöser (oot^q) dieses zu 
Maria gesagt hatte, schlug sie an ihre Brust, rief aus und 
weinte, sie und alle Jünger (nadTjraC) zugleich, und sprach: 
»Wehe den Sündern, denn sehr zahlreich sind ihre Gerichte 
(xQloeig)]* 

Es trat Maria vor, fiel nieder zu den Füßen Jesu, betete 
sie an und sprach: >Mein Herr, ertrage (&viyi£o#ai) mich, wenn 
ich Dich frage, und nicht zürne mir, daß ich Dich oftmals 
belästige {ho%Ulv); von jetzt ab nämlich (yd?) will ich be- 
ginnen (äex£ö#cu), Dich bestimmt zu fragen in betreff aller 20 
Dinge.« 

Es antwortete der Erlöser (cwnfe) und sprach zu Maria: 
»Frage nach allen Dingen, nach denen du zu fragen wünschest, 
so will ich sie dir offenbaren, offen (naQQ^aia) ohne Gleichnis 
(izaQaßoA.if).< 25 

Es antwortete Maria und sprach: »Mein Herr, wenn ein 
guter (iya&ög) Mensch alle Mysterien {iivorfgux) vollendet hat 
und er hat einen Verwandten (ovyyev^g), mit einem Worte 
{ciTta^artXfbg), er hat einen Menschen, und jener Mensch ist 
ein Gottloser (daeß-jg), der alle Sünden begangen hat, die der 30 
äußeren Finsternis würdig sind, und er hat keine Eeue emp- 
funden (fieravoelv), oder (ff) vielmehr er hat seine Zahl Um- 
kreise (xvyIoi) in den Verwandlungen {jxETaßoXai) des Körpers 
(aü/xa) vollendet, und jener Mensch hat nichts Nützliches 
getan, und er ist aus dem Körper (aü/xa) herausgegangen, 36 
und wir haben von ihm sicher (doyalag) gewußt, | daß er ge- 323 
sündigt hat | und würdig der äußeren Finsternis ist, was 326 
sollen wir mit ihm tun, bis daß wir ihn erretten vor den 
Strafen (Y.oldaeig) des Drachens (ögdxwv) der äußeren Finsternis, 

L 



238 



PistiB Sophia. 



und daß er in einen gerechten (öixaiog) Körper (oa>na) versetzt 
werde, der die Mysterien (pvorfQiä) des Lichtreiches finden 
wird, auf daß er gut (äya&ög) werde und nach oben gehe und 
das Lichtreich ererbe (xlrßovontiv)?* 
5 Es antwortete der Erlöser {awr-qq) und sprach zu Maria: 
»Wenn ein Sünder würdig ist der äußeren Finsternis oder 
($) vielmehr er hat gesündigt entsprechend (xard) den Strafen 
(xoXdoeig) der übrigen Strafen (xoXdaeig), und dieser hat keine 
Reue empfunden (neravoelv), oder (jj) vielmehr ein sündiger 

10 Mensch hat vollendet seine Zahl Umkreise (xvxXot) in den 
Verwandlungen {furaßoXai) des Körpers (aü/Mt), und dieser 
hat keine Reue empfunden (ueiavoslv), — wenn nun (oöv) jene 
Menschen, von welchen ich gesagt habe, aus dem Körper 
(aü/.ia) kommen und zu der äußeren Finsternis geführt werden, 

15 jetzt nun, wenn ihr wünscht, sie aus den Strafen (xoXdaug) 
der äußeren Finsternis und allen Gerichten (xQiaeig) zu ver- 
setzen und sie zu versetzen in einen gerechten (ßxatos) Körper 
(owfia), der die Mysterien (ftvorrfgia) des Lichtes finden wird, 
daß er nach oben gehe und das Lichtreich ererbe (xXrjQovonsiv), 

20 so vollbringet dieses einzige Mysterium {jxvtmqQiov) des Unaus- 
sprechlichen, das zu jeder Zeit Sünden vergibt, und wenn ihr 
das Mysterium (fivarijQiov) zu vollbringen beendet habt, so 
saget: 'Die Seele (ifwxq) des und des Menschen, an die ich 
in meinem Herzen (bei mir) denke, wenn sie ist in dem Orte 

2b{r6itog) der Strafen (xoXdasig) der Kammern (tafuela) der 
äußeren Finsternis, oder (f/) vielmehr wenn sie ist in den 
übrigen Strafen (xoXdaeig) der Kammern (va/xieia) der äußeren 
327 Finsternis und in den übrigen | Strafen (xoXdaeig) der Drachen 
324 ißqdxovzeg), | so soll sie aus ihnen allen versetzt werden, und 

30 wenn sie vollendet ihre Zahl Umkreise (xvxXoi) in den Ver- 
wandlungen (fieiaßohxi), so soll sie geführt werden vor die 
Lichtjungfrau (■■7taj)&4vog), und die Lichtjungfrau (-nagd-evog) 
soll sie besiegeln (ocpqaylCuv) mit dem Siegel (apQaytg) des 
Unaussprechlichen und sie hinabstoßen in jedem Monat in 

35 einen gerechten (öixaiog) Körper (oäfia), der die Mysterien 
(j.ivac^Qta) des Lichtes finden wird, so daß sie gut (aya&ög) 
werde, nach oben gehe und das Lichtreich ererbe (xXtiQovofiüv)- 
Und feiner, wenn sie die Umkreise (xvxXoi) der Verwandlungen 
(fteraßolal) vollendet hat, so soll jene Seele (V"%»ö geführt 



Cap. 128. 



239 



werden vor die sieben Lichtjungfrauen (-TcaQ&evoi), die über 
,jje Taufe (ßdrcTiai-ia) (gesetzt sind), und sie sollen sie (sc. die 
Taufe) auf jene Seele (ipvxy) legen und sie besiegeln (oyQayt&iv) 
m it dem Zeichen des Reiches des Unaussprechlichen und sie 
z u den Ordnungen (t«S«s) des Lichtes führen f — dies werdet 5 
ihr sagen, wenn ihr das Mysterium (ftvarfgiov) vollendet. 
Wahrlich (äfirjv) ich sage euch : Die Seele (ipvxrj), für die ihr 
beten (eiixeo&cu) werdet, wenn sie nämlich (ß&) in dem 
Drachen {öq&y.cdv) der äußeren Finsternis sich befindet, so 
wird er seinen Schwanz aus seinem Munde ziehen und jenelO 
Seele (ipuxr'j) loslassen, und femer, wenn sie in allen Ortern 
iföitoi) der Gerichte {xqLaug) der Archonten (üqx ovte s) sich 
befindet, wahrlich (äftijv) ich sage euch : Es werden sie eilends 
.(pttovdtj) die rcaqo.lf t [intaL des Melchisedek rauben {6.qnd^uv\ 
sei es (eire) wenn der Drache (ÖQdxwv) sie losläßt, oder (//')16 
wenn sie in den Gerichten (xgcaecg) der Archonten (ügxovreg) 
sich befindet, mit einem Worte (analanlüg), es werden sie 
rauben {aqjid^Eiv) die 7raga).i]fi7ttoQag des Melchisedek | aus 32 
| allen Ortern (tötcoi), in welchen sie ist, und werden sie führen 3Z 
zum Orte (tönog) der Mitte (fieaog) vor die Lichtj ungfrau 20 
(■naoü-evog), und die Lichtjungfrau (-nctqd-hog) prüft (öoxiud&iv) 
sie und sieht das Zeichen des Reiches des Unaussprechlichen 
befindlich an jener Seele (ipvxrj). Und wenn sie noch nicht 
ihre Zahl Umkreise (xvxloi) in der Verwandlung der Seele 
(ipiZ'i) oder (//') in (der Verwandlung des) Körpers ((rtfyut)2ö 
vollendet hat, besiegelt (acpgayi^eiv) sie die Lichtjungfrau 
[•7ca(>&evog) mit einem vorzüglichen Siegel {aq>qayig) und beeilt 
sich (anovöäteiv), sie in jedem Monat in einen gerechten 
wUctiog) Körper (aw,ua) hinabstoßen zu lassen, der die 
Mysterien (jAvairiftta) des Lichtes finden und der gut (dyad-ög) 30 
Werden und nach oben in das Lichtreich gehen wird. Und 
weun jene Seele {tpvxH) ihre Zahl Umkreise (xv-zloi) empfangen 
hat, so prüft (öoxii.id£eiv) sie die Lichtjungfrau (-jraq&hog) und 
läßt sie nicht bestrafen (xold&iv), weil sie ihre Zahl Umkreise 
pttJxAot) empfangen hat, sondern (dXld) sie übergibt sie den 35 
sieben Lichtjungfrauen {-Ttaq&evoi), und die sieben Licht- 
Jungfrauen {-naqd-svoi) prüfen (doxi^d^siv) jene Seele {ipvxrj) 
und taufen (ßanrc^siv) sie mit ihren Taufen (ßaTtzia^iaja) und 
Sehen ihr die geistige (nvevpauxdv) Salbe (xQio/-ict) und führen 



240 Pistis Sophia. 



^1 



sie zu dem Lichtschatze (-xhjaavQog) und legen sie in die 
letzte Ordnung (xdl-ig) des Lichtes bis (Mag) zum Aufstieg 
aller vollkommenen (riXuoi) Seelen (ipv%al). Und wenn sie 
sich rüsten, die Vorhänge (xaTa7iexdanaxa) des Ortes (rörcog) 
öderer von der Rechten wegzuziehen, so säubern sie von 
neuem jene Seele (i/" ; X>?) nn ^ reinigen (ytad-agi^siv) sie und 
legen sie in die Ordnungen (tdl-eig) des ersten Erlösers 
329 (ffWTr;^), der im | Lichtschatze (-d-rjoavQÖg).* 
326 CAP. 129. | Es geschah nun, als der Erlöser (oot^q) diese 

10 Worte seinen Jüngern (ßad-rjzal) zu sagen beendet hatte, da 
antwortete Maria und sprach zu Jesus: »Mein Herr, ich habe 
Dich sagen hören: Wer empfangen wird von den Mysterien 
(/tvorrjQia) des Unaussprechlichen, oder (fy wer empfangen 
wird von den Mysterien (^vavrjQia) des ersten Mysteriums 

\.b{ixvaxrjQiov), die werden Lichtstrahlen und Lichtabflüsse 
(■äjcÖQQoiai) und durchwandern alle Örter (xÖTtot), bis (Mag) 
sie zu dem Orte (rörcog) ihres Erbteils (ulrjQovofxla) gelangen.« 

Es antwortete der Erlöser (aar^g) und sprach zu Maria: 
»Wenn sie das Mysterium (fivozrjQiov) empfangen, da sie noch 

20 (hi) am Leben, und wenn sie aus dem Körper (aä(.ia) gehen, 
so werden sie Lichtstrahlen und Lichtabflüsse (-drvÖQQoiai) 
und durchwandern alle Örter (töttoi), bis (Mag) sie zu dem 
Orte (löitog) ihres Erbteils (yO.rjQovofäa) gelangen, aber (&lld) 
wenn sie Sünder sind und aus dem Körper (aapa) gekommen 

25 sind, bevor sie Reue empfunden (uezavoelv) haben, und wenn 
ihr für sie das Mysterium (fivarr^iov) des Unaussprechlichen 
vollbringt, damit sie ans allen Strafen (xoidoeig) versetzt und 
in einen gerechten (öixaiog) Körper (ofyia) gestoßen werden, 
der gut (äyad-ög) werden wird und das Lichtreich ererbt 

SO(xhjQovofisiv) oder (%) vielmehr der in die letzte Ordnung 
(vdgig) des Lichtes gebracht wird, so sind sie nicht imstande, 
die Örter (xörcoi) zu durchwandern, weil sie nicht das Myste- 
rium ([ivonjQiov) vollbringen, sondern (äkld) die jictQulr^iW* 1 
des Melchisedek folgen ihnen und führen sie vor die Licht" 
330jungfrau (-naqd-evog). Und vielmals | beeilen (anovSd^eiv) sich 
die Liturgen (Xsixovgyoi) der Richter (xqit<x£) der Archonten 



(aq%ortsg), jene Seelen (ipv%aL) zn nehmen und einander zl * 
übergeben, bis (Mag) sie sie vor die Lichtjungfrau (-nae^vos) 
führen.« 



( 



Cap. 128-130. 



241 



CAP. 130. | Es fuhr Maria fort und sprach zum Erlöser 337 
(owirß): »Mein Herr, wenn ein Mensch die Mysterien (pum^ia) 
des Lichtes empfangen hat, die in dem ersten Räume (xw^a), 
der außerhalb, und als die Zeit der Mysterien (/ivatr^ia) voll- 
endet war, bis zu welcher sie reichen (wörtl.: stark sind), und 5 
wenn jener Mensch fortfährt von neuem zu empfangen My- 
sterien (pvarriQia) von den Mysterien (/xvarr lS ia), die innerhalb 
der Mysterien ^ivaTr^ia), die er bereits empfangen hat, und 
ferner jener Mensch ist auch lässig (äfieXetv) gewesen, indem 
er nicht gebetet (nQosevxead-ai) hat in dem Gebete (jtQogevyj^ io 
das wegnimmt die Schlechtigkeit (-/.axla) der Nahrungsmittel 
(iQocpal), die er ißt und trinkt, und durch die Schlechtigkeit 
(zax/«) der Nahrungsmittel {rgocpat) ist er gebunden an die 
Axe (S^wv) der fleimarmene (eifiaQuevrj) der Archonten (äq- 
xovzeg) und durch den Zwang (ävdyxtj) der Elemente (oToixela) 15 
hat er von neuem gesündigt nach der Vollendung der Zeit, 
bis zu welcher das Mysterium (nvonfeiov) reicht, weil er lässig 
(äfiekelv) gewesen ist und nicht gebetet (itqogEvxea&ai) hat 
in dem Gebete (itQogevxrj), das die Schlechtigkeit (/.endo) der 
Seelen (ipv%a£) wegnimmt und sie reinigt (xa&aQt&iv), und 20 
jener Mensch ist aus dem Körper (aw/<ß) gekommen, bevor er 
von neuem Reue empfunden (uezavoeZv) und von neuem My- 
sterien {(ivaxriQia) empfangen hat von den Mysterien (fivat^ia), 
die innerhalb der Mysterien (nvoTrjQia), die er bereits emp- 
fangen hat, — diese, welche von neuem die Reue (ßsidvoia) 25 
annehmen und die Sünden vergeben, — und als er | kam 331 
heraus aus dem Körper (ocüfia), wußten wir bestimmt, daß 
man ihn getragen hat in die Mitte des Drachens (ÖQdxwv) 
der äußeren Finsternis wegen der Sünden, die er begangen, 
und daß jener Mensch keinen Helfer (ßorftög) auf der Welt 30 
(xöofios) noch (ovöi) einen Mitleidigen hat, daß er das My- 
sterium (ftv(m]Qwv) des Unaussprechlichen vollziehe, bis daß 
(seug) er versetzt | aus der Mitte des Drachens (öqöxwv) der 328 
äußeren Finsternis und in das Lichtreich geführt werde. 
Jetzt nun (oiv), mein Herr, was wird ihm geschehen, bis daß 35 
er sich vor den Strafen (xoldaeig) des Drachens (öqdxwv) der 
äußeren Finsternis rette? Keineswegs, o Herr, verlaß ihn, 
Weil er Leiden in den Verfolgungen (önoy/ioi) und in der 
ganzen Gottheit, in der er sich befindet, erduldet hat. Jetzt 

Schmidt: Pistis Sophia. 16 



242 



Piatis Sophia. 



nun (oiv), o Erlöser (awzijp), habe Erbarmen mit mir, dag 
nicht (jifaiog) einer von unseren Verwandten {avyysvelg) sich 
in einem derartigen Typus (tvjtog) befinde, und habe Er- 
barmen mit allen Seelen (ipvxal), die in diesem Typus (xtnog) 
5 sich befinden werden; denn Du bist der Schlüssel, der die 
Tür des Alls öffnet und der die Tür des Alls schließt, und 
Dein Mysterium (/ivarrjQiov) erfaßt sie alle. Wohlan, o Herr 
habe Erbarmen mit derartigen Seelen (t/w/ort)! Dehn sie 
haben Deine Mysterien (jtvorrjQia) während eines einzigen 

10 Tages angerufen (6vo/id£eiv) und an sie wahrhaftig geglaubt 
(marevEiv) und befanden sich nicht in Verstellung (vrcöxQiaig). 
Wohlan, o Herr, gib ihnen ein Geschenk (öcoged) in Deiner 
Güte (-&yad-6g) und gib ihnen Ruhe in Deiner Barmherzigkeit!» 
Als nun dieses Maria gesagt hatte, pries der Erlöser 
332 (otoiTjg) sie gar sehr glückselig (fimtagl^siv) wegen der Worte |, 
die sie sagte, und es war in großer Barmherzigkeit der Er- 
löser (oütTrjf)) und sprach zu Maria: »Allen Menschen, die in 
diesem Typus (rvrtog), den du gesagt hast, sich befinden 
werden, während sie noch (IVt) am Leben, gebet das Mysterium 

20 (nvorrjQiov) eines der zwölf Namen von den Kammern {tabula) 
des Drachens (ögdxav) der äußeren Finsternis, diese, welche 
ich euch geben werde, wenn ich beendet habe euch darzulegen 
das All von innen bis außen und von außen bis innen. Und 
329 alle Menschen, die finden werden ( das Mysterium (pvozrjgiov) 

25 eines der zwölf Namen jenes Drachens (ögdKcov) der äußeren 
Finsternis, und alle Menschen, auch wenn (x&V) sie sehr große 
Sünder sind, und sie Mysterien (ßvarfgia) des Lichtes zuerst 
empfangen, danach Übertretung begangen (jragaßalveiv), oder 
(f|) vielmehr sie haben überhaupt kein Mysterium (ftvartfgio*) 

30 vollzogen, diese, wenn sie ihre Umkreise (xwdot) in den Ver- 
wandlungen (peiaßoXai) vollendet haben, und wenn derartig© 
(Menschen) aus dem Körper (aS>fiä) herausgehen, ohne daß sie 
von neuem Reue empfunden (petavoeiv) haben, und wenn sie 
geführt in die Strafen (xoXdoeig), die in der Mitte des Drachen» 

3b(ägdxujv) der äußeren Finsternis, und verbleiben in den Um- 
kreisen (xwdot) und verbleiben in den Strafen (xoldoecg) u* 
der Mitte des Drachens (ögdxiav), und diese, wenn sie kennen 
das Mysterium (pvotrigiov) eines von den zwölf Namen der 
Engel (äyyeloi), während sie am Leben und sich auf der Welt 



Cap. 130. 



243 



(xo'öjuos) befinden, und wenn sie sagen einen von ihren Namen, 
während sie inmitten der Strafen (y.oXdaeig) des Drachens 
(ÖQdrAtov) sind, so gerät zu der Stunde, wo sie ihn (sc. Namen) 
sagen werden, der ganze Drache (ßQ&wav) in Bewegung (oakevetv) 
und wird gar sehr erschüttert, und die Kammer (zafueiov), in 5 
der die Seelen {ipv%al) | jener Menschen sind, es öffnet sich 333 
ihre Tür nach oben, und der Archon {&Q%<av) der Kammer 
(tafiuiov), in dem jene Menschen sich befinden, stößt die Seelen 
(xpvxai) jener Menschen aus der Mitte des Drachens (öqüxwv) 
der äußeren Finsternis, weil sie das Mysterium (ßvtnrjQiov) 10 
des Namens des Drachens (ögdxuv) gefunden haben. Und 
wenn der Archon (üqxm) die Seelen (ipv%ai) herausstößt, be- 
eilen sich (<movöd£eiv) sofort die Engel (äyyekoi) des Jeu, des 
ersten Menschen, welche die Kammern (raftieia) jenes Ortes 
ewachen, und rauben (ägnä^eiv) jene Seele (if/vxy), bis daß 15 
e sie führen vor Jeü, den ersten | Menschen, den Gesandten .330 
(TtQeoßewrjg) des ersten Gebotes. Und Jeü, der erste Mensch, 
sieht die Seelen (ipv%at) und prüft (doxifid^eiv) sie; er findet, 
daß sie ihre Umkreise (xvxloi) vollendet haben, und daß es 
nicht erlaubt (ovx e&oTi) ist, sie von neuem in die Welt 20 
(xdffjuog) zu bringen, denn es ist nicht erlaubt (ovx el-emi), alle 
Seelen (xpvyal), die in die äußere Finsternis gestoßen werden, 
von neuem in die Welt (xoo/tog) zu bringen. Es behalten sie 
bei sich die Ttagakrj^iTtnai des Jeü, wenn sie noch nicht ihre 
/Zahl Umkreise (xvxAot) in den Verwandlungen (fieiaßoXai) des 25 
Körpers (aw^ta) vollendet haben, bis daß sie das Mysterium 
(jivoTrjQiov) des Unaussprechlichen für sie vollziehen und sie 
in einen guten (äya&ög) Körper (aü/ia) versetzen, der die 
Mysterien ([ivmrjQia) des Lichtes finden und das Lichtreich 
ererben {vXrßovonüv) wird. Wenn aber {di) Jeü sie prüft 30 
(doKtfiä^eiv) und findet, daß sie ihre Umkreise (xmdoi) vollendet 
haben und daß es nicht erlaubt (o£x e^eait) ist, sie von neuem 
zur Welt (xdff^og) zu wenden, und daß auch das Zeichen des 
Unaussprechlichen | nicht bei ihnen sich befindet, so erbarmt 334 
sich ihrer Jeü und führt sie vor die sieben Lichtjungfrauen 35 
(-TiaQ&ivoi). Sie taufen (ßarCTt&tv) sie mit ihren Taufen {ßanTla- 
Haxa), aber (dlXd) nicht geben sie ihnen die geistige (icvev/ta- 
fixöv) Salbe (xqlaixa), und sie fuhren sie zu dem Lichtschatze 
(•&r l aavQÖg), aber (&Xld) nicht stellen sie sie in die Ordnungen 

16» 



244 



Piatia Sophia. 



(rd!-eig) des Erbteils (xlr^ovofUa), weil kein Zeichen noch (ot-dq 
ein Siegel (ofpQctyig) des Unaussprechlichen bei ihnen ist, aber 
(älM) sie retten (sie) vor allen Strafen (xoXdoetg), aber (älXd) 
sie stellen sie in das Licht des Schatzes (xhrjoavQÖg) besonders 
5 für sich allein bis zu (l'wg) dem Aufstieg des Alls, und zu der 
Zeit, wo man die Vorhänge (xaTmcEzäa/.iaTa) des Lichtschatzes 
331 (-d-rjoavQÖg) wegziehen wird, | säubern sie von neuem jene Seelen 
(xfii'Xai) und reinigen (xa^-agi^eiv) sie gar sehr und geben ihnen 
von neuem Mysterien (livavriQia) und stellen sie in die letzte 
10 Ordnung (vd&g), die im Schatze (^rjaavQÖg), und es werden 
gerettet jene Seelen (ipvxai) vor allen Strafen (y.oläoug) der 
Gerichte (xQiaeig).€ 

Als aber (öe) dieses der Erlöser (ourvqQ) gesagt hatte, 
sprach er zu seinen Jüngern (ua&iqtai): »Habt ihr begriffen 
lb{voelv), in welcher Weise ich mit euch rede?« 

Es antwortete wiederum Maria und sprach: »Mein Herr, 
das ist das Wort, das Du zu uns einst im Gleichnis (iraqa- 
ßo).rj) gesagt hast, indem Du sagtest: > Machet euch einen 
Freund aus dem Mammon (/.ictftcüv&g) der Ungerechtigkeit (Hör/la), 
835 damit, wenn ihr zurückbleibt, er euch aufnimmt in | die ewigen 
Hütten (oxrjval)^ Wer nun (oiv) ist der Mammon (na^iwväg) 
der Ungerechtigkeit (idaila), wenn nicht (ei firjzi) der Drache 
(ÖQäxtov) der äußeren Finsternis? Dies ist das Wort: Wer 
das Mysterium divaxrßiov) eines der Namen des Drachens 
25 (ÖQäv.wv) der äußeren Finsternis begreifen (voflv) wird, wenn 
er zurückbleibt in der äußeren Finsternis, oder (i]) wenn er 
die Umkreise (xfr/loi) der Verwandlungen (fivTaßolai) vollendet 
nnd den Namen des Drachens (öqüxwv) sagt, so wird er ge* 
rettet werden und aus der Finsternis heraufgehen und in den 
30 Lichtschatz (-d-rjoavQÖg) aufgenommen werden. Dies ist das 
Wort, mein Herr.« 

Es antwortete wiederum der Erlöser (a«mje) und spr* 0 ^ 
zu Maria: »Vortrefflich (eö'/e), du Pneumatische (jtvevuauy-^) 
und Reine (slhuQiv^e) ! Dies ist die Auflösung des Wortes.« 
35 CAP. 131. Es fuhi- wiederum fort Maria und sprach: 
»Mein Herr, kommt der Drache (öqö-miv) der äußeren Finsternis 
.3.3?! in diese Welt (xda.uot,-), oder kommt er nicht?« 

18 Vgl. Luk. 16, 9. 



Cap. 130. 131. 



245 



Es antwortete der Erlöser (oünfß) und sprach zu Maria : 
,Wenn (Brav) das Licht der Sonne außerhalb (sc. der Welt) 
jst (wenn die Sonne noch nicht aufgegangen ist), bedeckt sie 
(sc. Sonne) die Finsternis des Drachens (ögäxiov), wenn aber 
(de) die Sonne unterhalb der Welt (xöopog) ist, so bleibt die 5 
Finsternis des Drachens (ÖQdxcov) als Vorhang (Verhüllung) 
der Sonne, und die Luft der Finsternis kommt in die Welt 
(xöofiog) in Gestalt eines Rauches (xtmvog) in der Nacht, 
d. h. wenn die Sonne ihre Strahlen (Hxziveg) an sich zieht, 
,80 ist nämlich (yäq) die Welt (xdopog) nicht imstande, dieio 
Finsternis des Drachens (öqöxiüv) in ihrer wahren (al-qd-Eia) 
Gestalt (poQcprj) zu ertragen, sonst würde sie aufgelöst und 
zugleich zugrunde gehen.« 

Als dieses der Erlöser (awrife) gesagt hatte, fuhr Maria 
wiederum fort und sprach zum Erlöser (awzrjg): »Mein Herr, 15 
noch (eii) frage ich Dich und | nicht verbirg mir. Jetzt nun, 336 
mein Herr, wer zwingt (ävayxd&iv) denn den Menschen, bis 
daß (ewg) er sündige?« 

Es antwortete der Erlöser (owzrjQ) und sprach zu Maria : 
»Die Archonten (agxovzEg) der Heimarmene (sif.iaeu4vrj) sind 20 
es, die den Menschen zwingen (ävayxäCeiv), bis daß (e'wg) er 
sündige.« 

Es antwortete Maria und sprach zum Erlöser (a«mje): 
»Mein Herr, kommen etwa (/«"/«) die Archonten (aQxovzsg) 
'hinab zur Welt (xöofiog) und zwingen (avayxd&iv) den Menschen, 25 
bis daß (ewg) er sündige?« 

Es antwortete der Erlöser (awTjj'p) und sprach zu Maria: 
»Sie kommen nicht in dieser Weise hinab in die Welt (xo'ojuog), 
sondern (alld) die Archonten (aQxovzsg) der Heimarmene (ei^uq- 
fiivrj), wenn eine alte (a^xeüog) Seele (ipvxrj) im Begriff ist, 30 
durch sie hinabzukommen, so geben die Archonten (&Qxovzeg) 
jener großen Heiniarmene (el^uQ^iivri), die (plur.) in den | Örtern :iS3 
(töicoc) des Hauptes (xapaAiJ) der Aeonen (ai&veg), welches ist 
jener Ort (roVrog), der genannt wird »der Ort (zörcog) des 
Reiches des Adamas<, und jener Ort ist es, der im Angesichte 35 
der Lichtjungfrau (■itctQ&e'vog), — so geben die Archonten 
l&QXovzsg) des Ortes (zönog) jenes Hauptes (xEcpalfj) der alten 

17 Vgl. dieselbe Frage o. S. 206, Z. 4. 



246 



Pistis Sophia. 



(&QXaiog) Seele (i/wxj?) einen Vergessenheits-Becher aus dem 
Samen (artsQ^a) der Schlechtigkeit (-/axte), angefüllt mit allen 
verschiedenen Begierden (ejtc^v/.Uai) und aller Vergessenheit. 
Und sofort, wo jene Seele (ipvxft aus dem Becher trinken 
5 wird, vergißt sie alle Örter (iwroi), zu denen sie gegangen 

337 ist, | und alle Strafen (xoXdoeig), in denen sie gewandelt. 
Und jener Becher des Vergessenheitswassers wird £örper 
(o{b/.ia) außerhalb der Seele (ipvxrj), und er wird gleichend 
der Seele (i/wx'j) in allen Formen und ihr ähnlich (ö/iotovv\ 

10 dieses welches genannt wird das ävTifiifiov itvev^ia. Wenn 
es dagegen eine neue Seele (ipvxtf) ist, die man genommen 
hat aus dem Schweiße der Archonten (agxovreg) und aus den 
Tränen ihrer Augen oder (Jj) vielmehr aus dem Hauche ihres 
Mundes, mit einem Worte {arca^aTtlag), wenn sie eine von 

15 den neuen Seelen (tpvxai) oder (ff) eine von derartigen Seelen 
(xjjvxai) ist, — wenn es eine aus dem Schweiße ist, so tragen 
die fünf großen Archonten (ä(>x 0VT£ G) der großen Heimarmene 
(dfiaQfihri) den Schweiß aller Archonten (ägxovreg) ihrer Aeonen 
(at&veg), kneten ihn miteinander zugleich, teilen ihn und machen 

20 ihn zur Seele (ipvxv)- Oder (fy vielmehr wenn sie (sc. die Seele) 
Hefe des Gereinigten des Lichtes ist, so trägt sie (s. die Hefe) 
534Melchisedek von den Archonten (&qx ovt£ s); \ es kneten die fünf 
großen Archonten (ägxovr(g) der großen Heimarmene (sliiag- 
(rfvrf) die Hefe miteinander, teilen faeglCeiv) sie und machen 

25 sie zu verschiedenen Seelen {ipv%ai), damit ein jeder der Ar- 
chonten {aqxovTsg) der Aeonen (ai&veg), ein jeder von ihnen 
lege seinen Teil (j-ägog) in die Seele (V^X 1 ?); deswegen nun 
(oiv) mischen sie es miteinander, damit sie alle von der Seele 
W' t 'X ? ?) nehmen. Und die fünf großen Archonten (tiQX ons $> 

30 wenn sie sie teilen (ueglteiv) und sie zu Seelen (xftvxal) machen, 

338 bringen sie aus dem Schweiße der | Archonten (apxovrag). Wenn 
sie (sc. Seele) aber (<$«) eine aus der Hefe des Gereinigten des 
Lichtes ist, so trägt sie (sc. die Hefe) Melchisedek, der große 
TCttqalr^iTctrig des Lichtes, von den Archonten (ägxovTeg), oder 

86flf) vielmehr wenn sie (sc. die Seelen) aus den Tränen ihrer 
Augen oder (ij) aus dem Hauche ihres Mundes, mit einem 
Worte (artct$a7tlüg) aus derartigen Seelen i$v%«(), wenn die 
fünf Archonten (&>xovres) sie teilen (fisQ^eiv) und sie zu ver- 
schiedenen Seelen (tpvxaf) machen, oder (i/) vielmehr wenn sie 



Cap. 131. 



247 



«ine alte (&Qxaiog) Seele {ipvxn) ist, so mischt der Archon 
(üqxojv) selbst, der in den Häuptern (xsrpaXaC) der Aeonen 
(afaveg) sich befindet, den Becher der Vergessenheit mit dem 
Samen (oniQpa) der Schlechtigkeit (xaxi«), und er mischt ihn 
mit einer jeden von den neuen Seelen (ipvxaC) zu der Zeit, 5 
wo er sich in dem Orte (zonog) des Hauptes (xeq>uh$) befindet. 
Und jener Becher der Vergessenheit wird zum änlpiftov nvevfxa 
für jene Seele (ifjvxtf) und bleibt außerhalb der Seele (xfwxv), 
indem er Kleid (höv/xa) für sie ist und ihr in jeder Weise 
gleicht, seiend Behälter (Hülle) als Kleid (hövfia) außerhalb 10 
von ihr. Und die fünf großen Archonten (eQxovreg) der großen 
Heimarmene (elpaofievri) der Aeonen (ai&veg) und der Archon 
(iiQ%(av) der Sonnenscheibe (-ölaxog) und der Archon (aqxoiv) \S3S 
der Mondscheibe (-d/ov.og) blasen mitten hinein in jene Seele 
A^XV), nnd es kommt heraus aus ihnen ein Teil (ne^og) aus 15 
meiner Kraft, die der letzte Helfer (jtaoaardTTis) in die Mischung 
(xegaottög) gestoßen hat, und der Teil (n^oog) jener Kraft bleibt 
innerhalb der Seele (i/^X 1 /) I > aufgelöst und existierend auf 339 
{? durch) seiner eigenen Macht (i^ovola) zufolge (ftoög) der 
Anordnung (olxovof.ua), zu der er eingesetzt ist, der Seele 20 
(iftvxrj) Wahrnehmung (aiod^aig) zu geben, auf daß sie nach 
den Werken des Lichtes der Höhe alle Zeit suche. Und 
jene Kraft ähnelt (ö/.ioiovv) der Art der Seele (V">pJ) in jeder 
Gestalt und gleicht ihr; nicht kann sie sein außerhalb der 
Seele (i/wx ? ;)> sondern (ak'kä) sie bleibt innerhalb von ihr, wie 25 
(xßztt-) ich es ihr von Anfang befohlen habe, als ich sie in 
das erste Gebot stoßen wollte, ich habe ihr befohlen zu 
bleiben außerhalb von den Seelen (xpvxai) zufolge (nqög) der 
Anordnung (ohovofiia) des ersten Mysteriums (/ivorfaiov). 
Daher (äoze) werde ich all diese Worte zu euch bei der 30 
Darlegung (des Alls) in betreff der Kraft und auch in betreff 
der Seele (ipvxtf) sagen, in welchem Typus (tvnog) sie ge- 
schaffen sind, oder (if) welcher Archon (8qxi»v) sie schafft, 
oder (fj) welches die verschiedene Art der Seele (ipvxif) ist. 
Daher (ßare) werde ich euch bei der Darlegung des Alls 35 
sagen, wie viele die Seele {rpvxrj) schaffen. Und ich werde 
euch sagen den Namen aller derer, die die Seele (V^jc?) 
schaffen, und ich werde euch den Typus (%vnog) sagen, wie 
das ävti/xifiov nveüfia und auch das Verhängnis QxoiQce) ge- 



248 



Pistäa Sophia. 



schaffen worden sind, nnd ich werde euch den Namen der 
Seele (yvxfy sagen, bevor sie geläutert ist, und ferner ihren 
Namen, wenn sie geläutert und rein (sllixemig) geworden 
536 ist. Und ich werde euch den Namen des ivt^ufiov \ tzveh^ 
5 sagen, und ich werde euch den Namen des Verhängnisses 
(l-iolQa) sagen, und ich werde euch den Namen aller Banden 
sagen, mit welchen die Archonten (äQxovrsg) das' <*m',<u« 0l , 

340 jrveß,ua | an die Seele (yvx^l) binden, und ich werde euch 
sagen den Namen aller Dekane (öe-/.avoi), welche die Seele 

10 (yvxij) in den Körpern (oü/icnct) der Seele (yx 1 ?) in der Welt 
(xöoftog) schaffen. Und ich werde euch sagen, in welcher 
Weise die Seelen (yvxat) geschaffen sind, und ich werde euch 
sagen den Typus (rvjtog) einer jeden von den Seelen (yvxui), 
und ich werde euch den Typus (rvjtog) von den Seelen (yvxal) 

15 der Menschen sagen und derer von den Vögeln und derer 
von den Tieren (&i]Qla) und derer von den Eeptilien, und ich 
werde euch den Typus (xvjiog) aller Seelen (yvx<*£) sagen und 
derer von allen Archonten (&qx° v ™s), um sie verkündigen der 
Welt (xo'a/tog), damit ihr in aller Erkenntnis vollendet sein 

20 werdet. Dieses alles werde ich euch sagen bei der Darlegung 
des Alls, und nach diesem allem werde ich euch sagen, wes- 
wegen dieses alles geschehen ist. 

Höret nun (otv), daß ich mit euch in betreff der Seele 
(wxv) rede, wie (xatd-) ich gesagt habe: Die fünf großen 

25 Archonten (aQxovreg) der großen Heimarmene (eifiaQfiivtj) der 
Aeonen (alwvsg) und die Archonten (ägxovTeg) der Sonnen- 
scheibe (-öiaxog) und die Archonten (ctQxovzeg) der Mondscheibe 
(-öimog) blasen in jene Seele (ifivxrj), und es kommt aus ihnen 
ein Teil (nfyog) von meiner Kraft, wie (xarrf-) ich es soeben 

30 gesagt habe, und der Teil (n^Qog) jener Kraft bleibt innerhalb 
337der Seele (yvx^), damit die Seele (yvxv) stehen kann. | Und 

341 sie legen | das &v%Lni(iov Twevfta außerhalb der Seele (yvxfyi 
indem es sie bewacht und ihr zugeteilt ist, und die Archonten 
(agxovTsg) binden es an die Seele (yvxfl) mit ihren Siegeln 

36 (ocpQayZÖEg) und ihren Banden und siegeln (aqiQayiLeiv) es an 
sie, damit es sie zu jeder Zeit zwinge (&vayxd£eiv), daß sie 
ihre Leidenschaften (itd&rj) und alle ihre Missetaten (avofäai) 
beständig tue, auf daß sie ihnen zu jeder Zeit diene und zu 
jeder Zeit unter ihrer Botmäßigkeit (vnotayri) in den Verwand- 



r 



Cap. 131. 132. 



249 



Jungen (fietaßokai) des Körpers (oü/ia) bleibe, und sie siegeln 
(ocpQayitEiv) es (sc. das &vx. itv.) an sie, damit sie in allen 
Sünden und allen Begierden (ijtidvfdai) der Welt (xdopog) 
sich befinde. Deswegen nun (oh) habe ich in dieser Weise 
die Mysterien (pvoTi]Qict) in die Welt (xöofiog) gebracht, welche & 
alle Bande des &vrl^i/xov itveüfia und alle Siegel (acpQaylöeg) 
auflösen, die an die Seele (ipvxfi) gebunden sind, — diese, 
welche die Seele (ipvtfi) frei (lUvfeoog) machen und sie von 
ihren Eltern, den Archonten (ä'^oweg), befreien und sie zum 
reinen (eiXtxQivjjg) Licht machen und sie hinaufführen in dasio 
Reich ihres Vaters, des ersten Ausganges, des ersten Mysteriums 
(fivoTi'jQiov), ewiglich. Deswegen nun (oh) habe ich zu euch 
einst gesagt: >Wer nicht Vater und Mutter verläßt und kommt 
und mir nachfolgen wird, ist meiner nicht würdig.« Ich habe 
nun (oiv) in jener Zeit gesagt: >Ihr sollt eure Eltern, die 15 
Archonten (ägxovtsg), verlassen, damit ich euch zu Söhnen des 
ersten Mysteriums (jivorr,Qiov) ewiglich mache | <.« 338 
CAP. 132. Als | aber (di) dieses der Erlöser (aümfe)342 
gesagt hatte, stürzte Salome hervor und sprach: »Mein Herr, 
wenn unsere Eltern die Archonten (aQ%ovtsg) sind, wie (itäg) 20 
steht denn im Gesetze (vöfxog) des Moses geschrieben: »Wer 
seinen Vater und seine Mutter verlassen wird, soll des Todes 
sterben.' Hat also nicht (ohovv) das Gesetz (vöfiog) darüber 
geredet?« 

Als aber (ö&) Salome dieses gesagt hatte, sprudelte die2& 
Lichtkraft, die in Maria Magdalena, in ihr auf, und sie sprach 
zum Erlöser (oanfß): »Mein Herr, befiehl (xslsveiv) mir, daß 
ich mit meiner Schwester Salome rede und ihr die Auflösung 
des Wortes, das sie gesagt hat, sage.« 

Es geschah nun, als der Erlöser (oojt^q) diese Worte 30 
Maria sagen hörte, pries (/.iccxagiZeiv) er sie gar sehr glück- 
selig. Es antwortete der Erlöser (oioTrjo) und sprach zu Maria : 
»Ich befehle (xeXeveiv) dir, Maria, daß du die Auflösung des 
Wortes, das Salome gesagt hat, sagst.« 

Als aber (di) dieses der Erlöser (eömfc) gesagt hatte, 36 
stürzte Maria hin zu Salome, begrüßte (aonäLeo&ai) sie und 

13 Vgl. Matth. 10, 37. Ltik. 14, 26. — 21 Vgl. Esod. 21, 17. Matth. 
15, 4. Mark. 7, 10. * 




250 



Pistia Sophia. 



sprach zu ihr: »Meine Schwester Salome, was das Wort an- 
betrifft, das du gesagt hast: Es steht im Gesetze (vöfiog) des 
Moses geschrieben: >Wer seinen Vater und seine Mutter ver- 
lassen wird, soll des Todes sterben« , jetzt nun (oiv), meine 
5 Schwester Salome, das Gesetz (vopog) hat dieses nicht gesagt 
in betreff der Seele {y>v%rj), noch [ovve) in betreff des Körpers 
{o(b(ia), noch (obre) in betreff des ävrlpifjov itveviia} denn iydq) 

343 diese alle sind Söhne | der Archonten (ixQ%ovTeg) und sind aus 
ihnen, sondern (&XXd) das Gesetz (vöfiog) hat dieses gesagt 

10 in betreff der Kraft, die aus dem Erlöser (owt^q) herausge- 
339 kommen ist, diese, welche | Lichtmensch innerhalb von 
uns heute ist. Das Gesetz (v6j.iog) hat ferner gesagt: »Ein 
jeder, welcher außerhalb des Erlösers (panrß) und all seiner 
Mysterien (tivorf/Qta), seiner Eltern, bleiben wird, der soll 
15 nicht nur (ov pövov) des Todes sterben, sondern {&X\d) im 
Verderben zugrunde gehen <.« 

Als nun Maria dieses gesagt hatte, stürzte Salome hin 
zur Maria und begrüßte (äortd&od-ai) sie von neuem. Es 
sprach Salome: »Der Erlöser (aam^) hat die Kraft, mich ver- 
ständig (vosQÖg) zu machen wie dich selbst.« 

Es geschah, als der Erlöser (aanjd) die W orte der Maria 
gehört hatte, pries (fia-Kagc^eiv) er sie gar sehr glückselig. 
Es antwortete der Erlöser (aonriq) und sprach zu Maria in- 
mitten der Jünger (na&rpai): »Höre nun, Maria, wer es ist, 
2ö der den Menschen zwingt (dvayxdteiv), bis daß (eug) er sündigt. 
Jetzt nun siegeln (o(pQay%eiv) die Archonten (&Qxovtee) das 
ävrifufiov Tivev^ia in die Seele (y-'JC'})> damit es sie nicht er- 
schüttert (aaXeveiv) zu jeder Stunde, indem es sie alle Sünden 
und alle Missetaten (dvo^iiai) tnn läßt. Und sie befehlen ferner 
30 dem änipi/j.ov TivsC/xa, indem sie ihm sagen: >Wenn die Seele 
(y> v xv) ans dem Körper (aw/xa) kommt, _ so erschüttere (oaleveiv) 
sie nicht, indem du ihr zuerteilt bist und sie überführst in 
allen Örtern (tönoi) der Gerichte (xqIosiq) gemäß (jeanf) jedem 
Orte (tönog) in betreff aller Sünden, welche du sie hast begehen 
35 lassen, damit sie in allen Örtern (tötcoi) der Gerichte (xoiaeig) 
gestraft (xola%eiv) werde, auf daß sie nicht imstande sei, nach 

344 oben zu dem Lichte zu gehen | und versetzt zu werden in die 



3 Vgl. Exod. 21, 17. 



Cap. 132. 



251 



Verwandlungen (fisTaßolat) des Körpers (aa^ia)< — mit einem 
Worte (uTta^anXüs), sie befehlen dem ävzi^ifiov tcvev/ia: > Er- 
schüttere (oaleveiv) sie überhaupt nicht zu irgendeiner Stunde, 
wenn (et <ujjit) sie nicht Mysterien (y.vazijQia) sagt und alle 
"iegel (a<pQaylöeg) und alle Bande auflöst, mit welchen wir 5 
; ch | an sie gebunden haben, und wenn sie die Mysterien*» 
■voTijQia) sagt und alle Siegel (orpQaylöeg) und alle Bande auf- 
öst und die Apologie (änoloyLa) des Ortes (rörtog), und wenn 
sie kommt, so laß sie herausgehen, da sie gehörte zu denen 
des Lichtes der Höhe und uns und dir fremd (äXXÖTQiog) ge-io 
worden ist, und nicht wirst du sie von dieser Stunde an er- 
fassen können. Wenn sie dagegen nicht sagt die Mysterien 
(fivotf.Qia) der Auflösung deiner Bande und deiner Siegel 
(acpQayideg) und der Apologien (änoloytai) des Ortes (%6nog), 
so erfasse sie und laß sie nicht heraus; du sollst sie in den 15 
Strafen (y.o'/.äasig) und allen Örtern (rörcoi) der Gerichte (-/.glasig) 
in betreff aller Sünden überführen, die du sie hast begehen 
lassen. Und nach diesem führe sie (die Seelen) vor die Licht- 
jungfrau (-TcaQ&evog), welche sie in den Umkreis (w'-J.og) noch 
einmal schickt.< Die Archonten (ÜQxorteg) der großen Hei- 20 
marmene (si/.iaQ/.tsvr]) der Aeonen (alüveg) übergeben diese dem 
avrifufMiv rcvevfia, und die Archonten (aQ^oweg) rufen die 
Liturgen (leitovQyoi) ihrer Aeonen (alüveg), an Zahl 365, und 
geben ihnen die Seele (yux»j) und das &v%lßijxov itvsvjxa, die 
aneinander gebunden sind; das ävrifii^ov 7tvevf.ia ist das 25 
Äußere der Seele (y>v%rj) und die Mischung (ulyi-iu) der Kraft 
ist das Innere der Seele (yvxtf), indem sie ist innerhalb Ton 
ihnen beiden, damit sie imstande sind zu stehen, denn | die 345 
Kraft ist .es, welche die beiden aufrichtet. Und die Archonten 
{&QXoneg) befehlen den Liturgen (XeirovQyol), indem sie ihnen 30 
sagen: >Dies ist der Typus (rvnog), welchen ihr legen sollt 
in den Körper (o&ixa) der Materie (pXtj) der Welt (xöoi.wg).( 
Sie sagen ihnen nämlich (ßev): > Leget die Mischung (,uly/.ta) 
der Kraft, das Innere der Seele (w})> innerhalb von ihnen 
allen, damit | sie imstande sind zu stehen, denn sie ist ihre*iz 
Aufrichtung, und nach der Seele (ipvy>rf) leget das ävzlfiifiov 
nvt-v f ta.< Also befehlen sie ihren Liturgen (/.ecvovQyol), daß 
sie es niederlegen in die Körper (otyiaza) des Antitypus 
{bnirvitog) , und nach dieser Form bringen die Liturgen 



252 piBtis Sophia. 

(leitovqyol) der Archonten (aq^ovreg) die Kraft und die Seele 
('/"OT) und das & VTi W l ov rtvevfia, bringen die drei hinab zur 
AVeit (xdff/uoe) und gießen <sie> aus in die Welt (xöonog) der 
Archonten (&Q%ovTeg) der Mitte. Die Archonten (ägxovteg) der 
5 Mitte betrachten das äviifii^ov jtvev^ia, und auch das Ver- 
hängnis (polQa), dessen Name /xolqa ist, leitet (&yeiv) den 
Menschen, bis daß es ihn töten läßt durch den ihm bestimmten 
Tod, welches (sc. Verhängnis) die Archonten (Sgxorceg) der' 
großen Heimarmene (eifiaQ^]) gebunden haben an die Seele 
\0{ipv%ii). Und die Liturgen (XeivovQyoi) der Sphära (arpalga) 
binden die Seele (yujpf) und die Kraft ^ das &vri hW<>v 
nvevua und das Verhängnis (polQa), teilen sie alle und machen 
sie zu zwei Teilen (/isQrj) und suchen nach dem Mann und 
auch nach der Frau in der Welt (noofiog), welchen sie Zeichen 
346 gegeben haben, damit sie sie schicken | in sie hinein, und sie 
geben einen Teil (ptgog) dem Manne und einen Teil (fieqog) 
der Frau in einer Nahrung (TQocprf) der Welt (xdaftog) oder (f;) 
in einem Hauche der Luft (<hfe) oder (fl im Wasser oder (f 
in einem Gegenstand (eldog), den sie trinken. Dieses alles 
20 werde ich euch sagen und die Art einer jeden Seele (yrvtfj) 
und den Typus (vvjtog), wie sie hineingehen in die Körper 
(atünaxa), sei es (««) der Menschen, sei es (ehe) der Vögel, 
342 sei es (ehe) des Viehes, sei es (ehe) der Tiere | sei es 

(ehe) der Reptilien, sei es (ehe) aller Arten (e%), die in der 
25 Welt (Y-öopog). Ich werde euch ihren Typus (tüttos) sagen, 
in welchem Typus («frrog) sie in die Menschen hineingehen; 
ich werde es euch bei der Darlegung des Alls sagen. Jetzt 
nun, wenn die Liturgen (leixovqyoi) der Archonten (aQ%ov%eg) 
den einen Teil (pe'Qog) in die Frau stoßen und den anderen 
30 Teil (/tiqog) in den Mann in der Gestalt, die ich euch gesagt 
habe, so zwingen (avayxd^eiv) sie, auch wenn (xäv) sie von- 
einander in sehr großer Entfernung sind, die Liturgen (Ultovq- 
yol) im Verborgenen, daß sie miteinander übereinstimmen 
(av(x(pcoveiv) in einer Übereinstimmung (öv^cpiovia) der Welt 
85(x<f<j/ios). Und das inl/upo» aveßfut, das in dem Manne, kommt 
zu dem Teüe (ßegog), der deponiert ist in der Welt (xöopog} 
in der Materie (Shj) seines Körpers («jö.u«), trägt ihn und 
stößt ihn hinab in den Mutterleib fowfa«) der Frau <in den 
Teil (fUQos)), der in dem Samen (oniQpa) der Schlechtigkei 



Cap. 132. 



253 



fotaxla) deponiert ist. Und in jener Stunde gehen die 365 
Liturgen (XsizovQyof) der Archonten (aQxowes) in ihren Leib 
und nehmen Wohnung in ihm. Die Liturgen (XenovQyol) führen 
die beiden Teile (j^Qi)) zueinander und ferner halten an 
(yuntyeiv) die Liturgen (XeiwvQyol) | das Blut aller Nahrung 347 
(TQcxprf) der Frau, welche sie essen wird, und das, was sie 
trinken wird, halten (wttyeiv) sie an in dem Leibe der Frau 
bis zu (ewg) 40 Tagen, und nach 40 Tagen kneten sie das 
Blut der Kraft von der Nahrung {xqoqxxC) und kneten es schön 
(xaAög) in dem Mutterleibe fonfaa) der Frau. Nach 40 Tagen 10 
verbringen sie 30 andere Tage, indem sie seine Glieder (pily) 
in dem Bilde (ehcbv) des Körpers (owpa) des Menschen bauen, 
ein jeder baut ein Glied {fteXog), — ich werde euch | die Dekane 343 
(öexavol), welche ihn (sc. den Körper) bauen werden, sagen, 
ich werde sie euch bei der Darlegung des Alls sagen. Wenn 15 
nun (oüv) nach diesem die Liturgen (XutovQyoi) den ganzen 
Körper (aüfia) und all seine Glieder ifiiXrf) in 70 Tagen 
vollendet haben werden, nach diesem rufen (xaXelv) die Liturgen 
(luxovQyoL) in den Körper (awua), den sie gebaut haben, zuerst 
nämlich (fiev) rufen (xaXelv) sie das avzL^if.iov aveO^a, danach 20 
rufen (xaUlv) sie die Seele {wxfy innerhalb von ihnen, und 
danach rufen (xaXelv) sie die Mischung iidyna) der Kraft in 
die Seele (ywxrf), und das Verhängnis (fxolQa) legen sie außer- 
halb von ihnen allen, da sie nicht mit ihnen vermischt ist, 
indem sie sie begleitet (axoXov&eiv) und ihnen folgt. Und25 
nach diesem siegeln (acpqayl^uv) sie die Liturgen (XeiTovgyol) 
aneinander mit allen Siegeln (cufQayldeg), welche ihnen die 
Archonten (äqxovrsg) gegeben haben, und siegeln (oyQayiCeiv) 
den Tag, an welchem sie in dem Leibe der Frau Wohnung 
genommen haben, sie siegeln (acpqayLtEiv) ihn in die linke 30 
Hand j des Gebildes {nXiaua), und sie siegeln (oyQayi&iv) den 348 
Tag, an welchem sie den Körper (owfia) vollendet haben, in 
die rechte Hand, und sie siegeln (oepgaylteiv) den Tag, an 
welchem die Archonten {ixQxovzeg) ihn ihnen übergeben haben, 
in die Mitte des Schädels (y^avcov) des Körpers (mö/ta) des 35 
Gebildes (rrkda/xa), und sie siegeln {ocpQayltuv) den Tag, an 
welchem die Seele (ipvxfy aus den Archonten (&q%ovtss) heraus- 
gekommen ist, sie siegeln (ofpQaytueiv) ihn in den (linken?) 
Schädel (y.qaviov) des Gebildes (rcXdofta), und sie siegeln 



254 



Pistis Sophia. 



(oyqaylteiv) den Tag, an welchem sie die Glieder (fielt]) ge _ 
knetet und zu einer Seele (yvxrj) getrennt haben, sie siegeln 
444(oq>qayL&iv) | ihn in den rechten Schädel (xqaviov) des Gebildes 
(nldana), und den Tag, an welchem sie das Hvrifuftov 7cv«c^ a 
5 an sie (sc. Seele) gebunden haben, siegeln (oyqayfceiv) sie an 
den Hinterkopf des Gebildes (nläa^a), und den Tag, an welchem 
die Archonten (äqxoneg) die Kraft in den Körper (oü/acc) ge- 
blasen haben, siegeln (oepqaylteiv) sie an das Gehirn (hyxtyuXog) 
das in der Mitte des Kopfes des Gebildes (fckdafia), und an 
10 das Herz (Innere) des Gebildes (nldoua), und die Zahl der 
Jahre, welche die Seele Ifyuxij) in dem Körper (aüfia) zubringen 
wird, siegeln (aqyqayl^uv) sie an die Stirn, die an dem Ge- 
bilde (jiMofia). Demnach (&ote) siegeln (aqiqayl^eiv) sie alle 
diese Siegel (atpqaylöeg) an das Gebilde (itldafia). Alle diese 
15 Siegel (ocpqayldeg), ich werde ihren Namen euch bei der Dar- 
legung des Alls sagen und nach der Darlegung des Alls werde 
ich euch sagen, weswegen dies alles geschehen ist, und wenn 
ihr begreifen (voelv) könnt: Ich bin jenes Mysterium (fivoTrjqiov). 
Jetzt nun (oh) vollenden die Liturgen (luiovqyoL) den ganzen 
20 Menschen, und von all diesen Siegeln (ocpqayldeg), mit denen 
349 sie den Körper (ocbfia) gesiegelt (ayqayiCeiv) haben, | führen 
die Liturgen (leiiovqyol) das ganze Eigentümliche (iötov) und 
bringen sie allen kqivaloi Archonten (aq%ovxeg), die über alle 
Strafen (xoXdoetg) der Gerichte (xqioeig), und diese übergeben 
25 sie ihren 7taqaXiju7tTai, daß sie ihre Seelen (yv%al) aus den 
Körpern (ocbfiara) führen, — diese übergeben ihnen das Eigen- 
tümliche (töiov) der Siegel (oyqayzöeg), damit sie die Zeit 
wissen, wann sie die Seelen (y>v%al) aus den Körpern (o&nata) 
führen sollen, [und damit sie die Zeit wissen, wann sie die 
30 Seelen (yv%al) aus den Körpern (ad>/.iara) führen sollen], und 
345 damit sie die Zeit wissen, | wann sie den Körper (aüfia) gebären 
sollen, damit sie ihre Liturgen (XeirovqyoL) schicken, daß sie 
hinzutreten und die Seele (yv%ri) begleiten (&%oXov9-elv) und 
Zeugen werden aller Sünden, die sie begehen wird, sie (sc. die 
35Litnrgen) und das ävrcftifiov nvev^a, in betreff' der Art und 
Weise, wie man sie (sc. die Seele) strafen (xoMCetv) wird in dem 
Gerichte (xqloig). Und wenn die Liturgen (Xenovqyol) das Eigen- 
tümliche ('iöiov) der Siegel (oqiqaylSeg) den kqivaloi Archonten 
(äqxovteg) gegeben haben, ziehen sie sich zurück (ava%ioqelv) 



Cap. 132. 133. 



255 



zu der Verwaltung (oixovoftia) ihrer Geschäfte, die ihnen durch 
die Archonten (ägzoweg) der großen Heiraarmene (eifictq^ivri) 
bestimmt ist. Und wenn die Zahl der Monate der Geburt 
des Kindes vollendet ist, wird das Kind geboren ; klein ist in 
ihm die Mischung (/dy/ta) der Kraft und klein ist in ihm die 5 
Seele (ywxrj) und klein ist in ihm das ävtlfiipov (itveBpei), das 
Verhängnis (fioigct) dagegen ist groß, da sie nicht in den 
Körper (aü)/.ta) zu ihrer (plur.) Verwaltung {ohovof.Ua) gemischt 
ist, sondern (&\Xü) die Seele (\pv%q) | und den Körper (trö,««) 350 
und das hvxLnifiov Ttvevfia bis zu (?wg) der Zeit begleitet 10 
(&xolov9eiv), wo die Seele (yvxrj) aus dem Körper (oü/.ia) 
herauskommen wird, wegen des Typus (rvrcog) des Todes, in 
welchem sie ihn töten wird, entsprechend (wrrä) dem ihm 
durch die Archonten (äqxovTeg) der großen Heiraarmene (el/iao- 
fifarj) bestimmten Tode; soll er entweder (ehe) sterben durch 15 
ein Tier (xf-rjolov), so führt (liyeiv) das Verhängnis (noloa) das 
Tier (ihjoiov) gegen ihn, bis daß es ihn tötet, oder (f;) soll er 
sterben durch eine Schlange oder (rj) soll er fallen in eine 
Grube bei einem Unglücksfall, oder (rf) soll er sich selbst 
aufhängen oder (r/) soll er sterben im Wasser oder (i/) durch 20 
derartige (Todesarten) oder (rf) durch einen anderen Tod, der 
schlimmer oder (rj) besser ist als dieser, mit einem Wort 
(a7ta%aitlG>s), das Verhängnis (ßolga) ist es, das | seinen Toä&üi 
hin zu ihm zwingt (avayxü^eiv). Dies ist das Geschäft des 
Verhängnisses (fioioa), und nicht hat es ein anderes Geschäft 25 
außer diesem, und das Verhängnis (fioioa) begleitet (äxolov- 
&slv) jenen Menschen bis zum Tage seines Todes.« 

CAP. 133. Es antwortete Maria und sprach: »Wird denn 
allen Menschen, die auf der Welt (xöoftog), alles, was ihnen 
durch die Heimarmene (eiuaQ(.ievrj) bestimmt ist, sei es (ehe) 30 
Gutes (äya96v), sei es (ehe) Böses, sei es (ehe) Sünde, sei es 
(ehe) Tod, sei es (ehe) Leben, mit einem Worte (antt^anlas), 
wird alles, was ihnen durch die Archonten (aoxovres) der 
Heimarmene (eiftaQfisvtj) bestimmt ist, an sie kommen (ihnen 
zustoßen) müssen?« 35 

Es entgegnete der Erlöser (ownfe) und sprach zu Maria : 
»Wahrlich (ä/i^v) ich sage euch: Alles, was einem jeden durch 
die Heimarmene (elfictonevrj) bestimmt ist, sei es (ehe) alles 
Gutes (aya&ov), sei es (ehe) alle Sünde, mit einem Worte 



256 



Pistis Sophia. 



(&na§ctjzlG>g), alles, was ihnen bestimmt ist, kommt an sie. 
351 Deswegen nun habe ich gebracht | den Schlüssel der Mysterien 
((ivorfQia) des Himmelreiches, sonst (if) würde keiu Fleisch 
(o6q%) auf der Welt (wopog) gerettet werden, denn (yäq) ohne 
6 Mysterien (nvaxrßia) wird niemand in das Lichtreich eingehen, 
sei es (ehe) ein Gerechter (öUatog), sei es (ehe) ein Sünder. 
Deswegen nun (otiv) also habe ich die Schlüssel der Mysterien 
(pvotfiQta) in die Welt (xdo/tog) gebracht, damit ich löse die 
Sünder, die an mich glauben (mmeveiv) und auf mich hören 

10 werden, auf daß ich sie löse aus den Banden und den Siegeln 
(oyqayldeg) der Aeonen (aiwveg) der Archonten (äqxovteg), und 
sie binde an die Siegel (oyqayldeg) und die Kleider (evövßaia) 
und die Ordnungen (rägeig) des Lichtes, auf daß der, welchen 
ich lösen werde auf der Welt (xöaftog) aus den Banden und 

15 den Siegeln (opqayiöeg) der Aeonen (aiwveg) der Archonten 
347 (aqxovreg), | in der Höhe von den Banden und den Siegeln 
(oyqayldeg) der Aeonen (aiwveg) der Archonten (äqxovteg) ge- 
löst sein wird, und auf daß der, welchen ich auf der Welt 
(y.6ofiog) in die Siegel (orpqayldeg) und die Kleider (evSOßara) 

20 und die Ordnungen (xä^eig) des Lichtes binden werde, in dem 
Lichtlande in die Ordnungen (xä^ecg) der Erbteile (xlrjqovofiiai) 
des Lichtes gebunden sein wird. Um der Sünder willen nun 
(oöv) habe ich mich diesmal abgemüht (axvkha&ai) und habe 
ihnen die Mysterien (fivoztfqia) gebracht, damit ich sie von 

25 den Aeonen (aiwveg) der Archonten (aqxoweg) löse und sie in 
die Erbteile (xXrjQovofdai) des Lichtes binde, nicht nur (ov ftövov) 
die Sünder, sondern (&llä) auch die Gerechten (öinaioi), auf 
daß ich ihnen die Mysterien (itvoztfQia) gebe, und sie in das 
Licht aufgenommen werden, denn (yäq) ohne Mysterien (,««- 
852 orrjQia) können sie nicht | in das Licht aufgenommen werden. 
Deswegen nun (o6v) habe ich es nicht verborgen, sondern (äU-ä) 
es deutlich (qiaveqwg) ausgerufen, und nicht habe ich die 
Sünder getrennt, sondern (ällä) ich habe es ausgerufen und 
allen Menschen gesagt, Sündern und Gerechten (öixaioi), indem 

35 ich sprach: > Suchet, auf daß ihr findet, klopfet an, auf daß 
euch geöffnet werde, denn (yäq) ein jeder, der in Wahrheit 
(ähj&eia) sucht, wird finden, nnd wer anklopft, dem wird ge* 
öffnet werden.* Denn (yäq) ich habe allen Menschen gesagt: 
35 Vgl. Matth. 7, 7. 8. Luk. 11, 9. 10. 



Cap. 133. 134. 



257 



>Sie sollen suchen die Mysterien (nvmr^ut) des Lichtreiches, 
welche sie reinigen und sie rein (elkixQiveig) machen und sie 
in das Licht führen werden.' Deswegen nun hat Johannes 
der Täufer (ßct7tnoTrjg) über mich prophezeit (nqocpriteveiv), 
indem er sprach : >Ich zwar (^liv) habe euch getauft (ßamlteiv) 5 
jnit Wasser zur Buße (fieravoia) \ zur Vergebung eurer Sünden ; 348 
der nach mir kommt, ist stärker als ich ; dessen Wurfschaufel 
in seiner Hand ist, und er wird seine Tenne reinigen, die 
Spreu zwar (nev) wird er verbrennen mit unverlöschlichem 
Feuer, seinen Weizen aber (de) wird er in seine Scheuer 10 
föno&qTtrj) sammeln (ovvdyetv)< . Die in Johannes befindliche 
Kraft hat über mich prophezeit (jtQOfijieveiv), indem sie 
wußte, daß ich die Mysterien (/«.wi^ta) in die Welt (xöopog) 
bringen und die Sünden der Sünder, die an mich glauben 
(fttottveiv) und auf mich hören werden, reinigen (xa&aqi^etv) 15 
und sie zum reinen (ettocptvijs) Lichte machen und in das 
Licht fähren würde.« 

CAP. 134. Als nun dieses Jesus gesagt hatte, antwortete 
Maria und sprach: »Mein Herr, wenn die Menschen gehen, 
daß sie suchen, und sie treffen auf Irrlehren (nXdvr r ), | woher 353 
denn sollen sie wissen, ob sie dir angehören oder nicht?« 

Es antwortete der Erlöser (aiorrß) und sprach zu Maria : 
»Ich habe euch einst gesagt: »Werdet wie die klugen Geld- 
wechsler (TQccite&zai), das Gute nehmet, das Schlechte werfet 
weg«! Jetzt nun saget allen Menschen, die die Gottheit 25 
suchen wollen: >Wenn Nordwind kommt, so wißt ihr, daß 
[Kälte entstehen wird, wenn Südwind kommt, so wißt ihr, 
daß Hitze (zaßwa) und Glut entstehen wird« — jetzt nun 
saget ihnen: >Wenn ihr das Antlitz des Himmels und der 
Erde aus den Winden erkannt habt, so wisset ihr genau, 30 
wenn nun- jetzt einige zu euch kommen und euch eine Gott- 
heit verkündigen (xrjQvooei v), | ob ihre Worte übereingestimmt 34.9 
(av/xipwvelv) und gepaßt (a^/xö^eiv) haben zu all euren Worten, 
die ich euch durch zwei bis drei Zeugnisse (/.laQtvQlai) gesagt 
habe, und ob sie übereingestimmt (avficpiavsiv) haben mit der 35 
Aufstellung der Luft (<%) und der Himmel und der Umkreise 

5 Vgl. Matth. 3, 11. 12. Lnk. 3, 16. 17. — 23 Vgl. Resch: Agrapha 
S. 116. - 26 Vgl. Matth. 16, 3.-34 Vgl. Matth. 18, 16. 2 Kor. 13, 1. 
1 Tim. 5, 19. Hebr. 10, 28. 

Schmidt: Pistis Sophia. 17 



258 



Pistie Sophia. 



(xvx/.oi) und der Sterne (SuneQeg) und der Leuchten (ytuarr^eg) 
und der ganzen Erde nnd alles dessen, was auf ihr, und auch 
aller Gewässer und alles dessen, was in ihnen<, — saget 
ihnen : >Die zu euch kommen werden, und ihre Worte passen 
b(&Qfi6^eiv) und stimmen überein (av^ignovelv) mit der ganzen 
Erkenntnis dessen, was ich euch gesagt habe, die nehmet auf 
als zu uns gehörige Dieses ist, was ihr den Menschen, wenn 
ihr ihnen verkündigt (xrjQvoaecv), sagen werdet, damit sie sich 
354 vor den Irrlehren (ickdvrj-) hüten. | Jetzt nun (ot5v) wegen der 

10 Sünder habe ich mich abgemüht (m.v/.XEod-at) und bin in die 
Welt (xo'ffjuog) gekommen, damit ich sie errette, denn selbst 
für die Gerechten (dixcuoi), die niemals etwas Böses getan 
und die überhaupt nicht gesündigt haben, ist es notwendig, 
daß sie die Mysterien (fiv<nrjgca) finden, die in den Büchern 

15 des Jeu, die ich Henoch im Paradiese {nagädeiaog) habe 
schreiben lassen, indem ich mit ihm aus dem Baume der Er- 
kenntnis und aus dem Baume des Lebens redete, und ich 
ließ ihn sie auf den Felsen {Tttrqä) Ararad niederlegen und 
stellte den Archon (%wv) Kalapatauroth, der über das 

20 Siebengestirn, auf dessen Haupt der Fuß des Jeü, und der 
alle Aeonen (ataveg) und Heimarmenen (elfiaQfievai) umgibt, 
jenen Archon (Sgxwv) stellte ich auf als Wächter über die 
Bücher des Jeü wegen der Sintflut (naraxkvafiög), und damit 
330 keiner von den Archonten {aqxovxBg) | auf sie neidisch ((p&oveiv) 

25 sei und sie verderbe, — diese, welche ich euch geben werde, 
wenn ich euch die Darlegung des Alls gesagt haben werde.« 

Als nun dieses der Erlöser (awrifc) gesagt hatte, ant- 
wortete Maria und sprach: »Mein Herr, wer denn nun ist der 
Mensch der auf der Welt (näa/xog), welcher überhaupt nicht 

30 gesündigt hat, welcher frei ist von Missetaten (ävofilai)? Denn 
(yrfp) wenn er von einer (Missetat) frei ist, wird er von einer 
andern nicht frei sein können, damit er die Mysterien (/tv 
mfjQia), die in den Büchern des Jeü, finde. Denn (ydQ) ich 
sage : Nicht wird ein Mensch auf der Welt (xöonog) frei sein 

35 können von Sünden; denn (ydq) wenn er von einer (Sünde) 
frei ist, wird er von einer andern nicht frei sein können.« 

Es antwortete der Erlöser (atüTtfe) und sprach zu Maria: 
»Ich sage euch: >Man wird finden einen unter Tausend und 
38 Über einen ähnlichen Ausspruch des BasUides vgl. Epiph. h. 24, &• 



Cap. 134. 135. 259 

zwei unter Zehntausend wegen der Vollendung | des Myste- 355 
riums (/tvat^Qtov) des ersten Mysteriums ^to»).. Dieses 
werde ich euch sagen, wenn ich euch das All dargelegt 
haben werde. Deswegen nun habe ich mich abgemüht (mv).- 
Xeo&ai) und habe die Mysterien (/ivortjQia) in die Welt (xrfopos) 5 
gebracht, weil alle unter der Sünde sind und alle des Ge- 
schenkes (öwged) der Mysterien (/tvozrßia) ermangeln.« 

CAP. 135. Es antwortete Maria und sprach zum Erlöser 
{aum'jQ): *Mein Herr, bevor Du zum Orte (rönog) der Archonten 
(%ovt£ S ) gekommen und bevor Du hinab zur Welt (xoVog) 10 
gekommen bist, ist keine Seele (yjv X i]) in das Licht einge- 
gangen?« 

\ Es antwortete der Erlöser (oiütrjQ) und sprach zu Maria: 
»Wahrlich, wahrlich tyfy) ich sage euch: Bevor ich in 

die Welt (xöofiog) gekommen bin, ist keine Seele (yvyfy in 15 
das Licht eingegangen, und jetzt nun, als ich gekommen, 
habe ich die Tore (nvXat) des Lichtes geöffnet und habe die 
Wege, die zum Lichte führen, geöffnet. Und jetzt nun möge 
der, welcher das der Mysterien (/zvar^ia) Würdige tun wird, 
die Mysterien (pvoxfjQia) empfangen | und in das Licht eingehen.« 361 

Es fuhr fort Maria und sprach: »Mein Herr, aber (aUd) 
ich habe gehört, daß die Propheten (itqotpfpai) in das Licht 
eingegangen sind.« 

Es fuhr fort der Erlöser (ffwrifc) und sprach zu Maria: 
»Wahrlich, wahrlich (a/x^v, &/rfv) ich sage dir: Kein Prophet 25 
(Tteofprjrrig) ist in das Licht eingegangen, sondern (&Xld) die 
Archonten (a Q %ovTeg) der Aeonen (alwveg) haben mit ihnen aus 
den Aeonen (aiüveg) geredet und ihnen das Mysterium (f*vorrjQiov) 
der Aeonen (aiüveg) gegeben, und als ich zu dem Orte (xönog) 
der Aeonen (aiüveg) gekommen bin, habe ich Elias gewendet 30 
und ihn in den Leib (aüfia) Johannes' des Täufers (ßamuntjs) 
geschickt; die übrigen aber (bi) habe ich in gerechte (ölxaia) 
Leiber (aüfiara) gewendet, welche die Mysterien (/iva^gia) \ 
des Lichtes finden, zur Höhe gehen und das Lichtreich er- 356 
erben (xXrjQovofieiv) werden. Abraham dagegen und Isaak und 36 
Jakob habe ich all ihre Sünden und ihre Missetaten (avoplai) 
vergeben und habe ihnen die Mysterien (pvarrßia) des Lichtes 
in den Aeonen (aiüveg) gegeben, und sie an den Ort (xönog) 
des Jabraoth und aller Archonten (ä^oneg), die Buße getan 

17* 



260 Pistia Sophia. 

(Lmavoeiv) haben, gestellt. Und wann ich zur Höhe gehe und 
im Begriffe bin zum Lichte zu gehen, werde ich ihre Seelen 
{xpviai) mit mir zum Lichte tragen, aber (MM) wahrlich 
(irfv) ich sage dir, Maria: Nicht werden sie zum Lichte 

5 gehen, bevor ich deine Seele ( V v X y) und die aller deiner 
Brüder zum Lichte getragen habe. Die übrigen Patriarchen 
(naxQuiuai) aber (öi) und Gerechten (ÖUaioi.) von der Zeit 
Adams an bis (mg) jetzt, welche in den Aeonen (acaveg) und 
allen /Ordnungen («f£e*s)> der Archonten (ä<?jcovr€g), habe ich, 

10 als ich zum Orte (rdttog) der Aeonen (alaveg) kam, durch die 
Lichtjungfrau (-TtaQtevog) in Leiber (oä/tata), die alle gerecht 
352[ÖUata) werden, wenden lassen, | diese, welche alle Mysterien 
(fivocwia) des Lichtes finden, hineingehen und das Lichtreich 
ererben (■tlrßovof.ulv) werden.« 

15 Es antwortete Maria und sprach: »Selig (fiaxdQioi) sind 
wir vor (jtaqd) allen Menschen (wegen) dieser Herrlichkeiten, 
die Du uns offenbart hast.« 

Es antwortete der Erlöser (owtw) und sprach zu Maria 
und allen Jüngern (iux&r[taL): »Ich werde euch noch (Sxi) 

20 offenbaren alle Herrlichkeiten der Höhe vom Innern der 
357 Inneren bis (ewg) zum Äußern der Äußeren, | damit ihr voll- 
endet seid in aller Erkenntnis und aller Fülle («Aifeoyia) und 
in der Höhe der Höhen und den Tiefen (^) der Tiefen 

(/W*?)- € , , , 

25 Es fuhr fort Maria und sprach zum Erlöser (oaww): 

»Mein Herr, siehe, wir haben offen (ita^aia), genau und 

deutlich (favsQüg) erkannt, daß Du die Schlüssel der Mysterien 

(fivotiiQia) des Lichtreiches gebracht hast, welche die Sünden 

den Seelen (yv%a£) vergeben und sie reinigen (xa&aQ&iv) und 

30 sie zum reinen («ttwe^iwjs) Lichte machen und in das Licht 

führen.« 

Teil (fitQos) der Bücher (*«i5xij) des Erlösers 



CAP. 136. | Es geschah nun, als unser Herr Jesus ge-,353 
kreuzigt (azavgovv) und von den Toten am dritten Tage auf- 
erstanden war, da versammelten sich um ihn seine Jünger 
(ßa^rjtaC), baten ihn und sprachen: »Unser Herr, erbarme 
Dich unser, denn wir haben Vater und Mutter und die ganze 5 
Welt (xöa/zog) verlassen und sind Dir gefolgt.« 

Damals (z6ze) stand Jesus mit seinen Jüngern (/ia&f]zai) 
an dem Wasser des Ozeans (wxeavög) und rief (imxatöo&at) 
dieses Gebet (ngooev/ri), indem er sprach: »Erhöre mich, mein 
Vater, Du Vater aller Vaterschaft, Du unendliches (anigavzog) 10 
Licht: aerjioveo' law aco'i' co'ia' yiivcofteg' ßegvonp' vojyiizeg' 
Cayovgrj' nayovgrj' vefifioftacoft' vexpio[ia<ü'&' ixaga%ayßa' <&coßag- 
gaßav &agva%a%av Cogoxoftoga' ieov oaßaco&.t 

Während Jesus aber (de) dieses sprach, | befanden sich 358 
Thomas, Andreas, Jakobus und Simon, der Kananiter (Kava-10 
vtzrjg), im Westen, mit ihren Gesichtern nach Osten gekehrt, 
Philippus aber (<5e) und Bartholomäus befanden sich im Süden, 
(mit ihren Gesichtern) nach Norden gekehrt, die übrigen 
Jünger (ßa&rjzai) und Jüngerinnen (jiafrrjzgiai) aber (de) standen 
rückwärts von Jesus. Jesus aber (66) stand bei dem Opfer- 20 
altar (&voiaozrjgtov). 

Und es rief Jesus aus, indem er sich zu den vier Ecken 
der Welt (xöa/xog) wandte und indem seine Jünger (/la&rjzai) alle 
mit leinenen Gewändern bekleidet waren, und sprach: natu- 
iaco. law Dies ist seine Auslegung (egprjVEla): Jota, das All 25 
ist herausgegangen, — Alpha, es wird sich wieder zurück- 

2 Vgl. Synoptiker, Act., 1 Kor. 15, 4.-5 Vgl. Matth. 10, 37; 19, 
27. 29. Mark. 10, 28 sq. Luk. 14, 26; 18, 28 sq. — 15 Vgl. Matth. 10. 4^ 
Mark. 3, 18. 



262 pistis Sophia. 

wenden, — Omega, es wird die Vollendung aller Vollendungen 
stattfinden.« 

Als dieses aber (ös) Jesus gesagt hatte, sprach er: ua<pd a - 
354 i iay&a- fiovvarjg' fiavvar\g- egftavovtig- eg/iavovrjg' d. h. Du 
6 Vater aller Vaterschaft der Unendlichkeiten (anegavxa), erhöre 
mich um meiner Jünger (/m^roi) willen, die ich vor Dich 
geführt habe, damit sie an alle Worte Deiner Wahrheit (dA^- 
&ua) glauben {moxeteiv), und gewähre alles, worum ich Dich 
anrufen werde, denn ich kenne den Namen des Vaters des 
10 Lichtschatzes (- {hjoavqdg). « 

Wiederum (ndhv) rief aus Jesus, d. i. Aberamenthö, indem 
er den Namen des Vaters des Lichtschatzes {-^aavgdg) sagte, 
und sprach: »Mögen alle Mysterien (ßvaxijgia.) der Archonten 
(ägxovtsg) und die Gewalten {^ovaim) und die Engel (äyyefoi) 
359 und die Erzengel (agydyyeloi) und alle Kräfte und | alle Dinge 
des unsichtbaren {dögaxog) Gottes Agrammachamarei und die 
Barbelo, der Blutegel (ßd6U.a), sich auf eine Seite begeben 
(wörtl.: sich nähern) und sich nach rechts hin abtrennen.« 
In jener Stunde aber (<3<Q gingen alle Himmel nach 
20 Westen und alle Aeonen {aicöveg) und dieSphära {acpcüga) und 
ihre Archonten (ägxovxeg) und all ihre Kräfte (öwd/ieig) flohen 
sämtlich nach Westen nach links von der Sonnenscheibe 
(-dfoxos) und der Mondscheibe {-dfoxog). Die Sonnenscheibe 
\-Uaxoq) aber (de) war ein großer Drache (ögdxcov), dessen 
25 Schwanz innerhalb seines Mundes und der zu sieben Kräften 
(W/tete) der Linken hinaufstieg (reichte) und den vier Kräfte 
(öwäfteis) in Gestalt von weißen Pferden zogen. Die Basis 
(ßdaig) des Mondes aber (<5e) hatte den Typus (xtinog) eines 
Schiffes, das ein männlicher Drache (ögdxow) und ein weib- 
30 lieber Drache (ögdxov) steuerten und an dem zwei weiße 
355 Stiere zogen; die Figur eines | Knaben befindet sich -an dem 
Hinterteil des Mondes, indem er die Drachen {ögdy.ovxeg) lenkt, 
welche das Licht der Archonten (ägxovxeg) von ihnen rauben, 
und an seinem Vorderteil ist ein Katzengesicht. Und die 
35 ganze Welt (xöo^og) und die Berge und die Meere (ftttaooatj 
flohen sämtlich nach Westen nach links. Und Jesus und 
seine Jünger (paftjraf) blieben mitten in einem luftigen 
(äiQtvog) Orte (ro'jro,-) auf den Wegen des Weges der Mitte, 
der unterhalb der Sphära {oyalga) liegt, und sie kamen zu 



Cap. 136. 



263 



der ersten Ordnung (rdf ig) des Weges der Mitte. Jesus aber 
(64) stand in der Luft (ärjg) seines (sc. des Weges der Mitte) 
Ortes (xönog) mit seinen Jüngern (fia&rjxaf). 

Es sprachen die Jünger (fta&TjxaC) Jesu zu ihm: »Wer 
ist dieser Ort (xönog), | in welchem wir uns befinden ?« Jesus 360 
sprach: »Dies sind die Örter (xonoi) des Weges der Mitte. 
Denn (yäg) es geschah, als die Archonten (ägxovxeg) des Adamas 
sich auflehnten (axaxxelv) und fortwährend den Geschlechts- 
verkehr (ovvovola) trieben, indem sie Archonten (ägxovxeg) 
und Erzengel (ägxäyyeXoi) und Engel (äyyeloi) und Liturgenio 
(Xeixovgyol) und Dekane (dexavol) erzeugten, da kam heraus 
von rechts Jeü, der Vater meines Vaters, und band sie in 
eine Heimarmene-Sphära (elnagfihrj-ocpaiga). Es existieren 
nämlich (yäg) zwölf Aeonen (alüveg); über sechs herrscht 
{ÜQZeiv) Sabaoth, der Adamas, und sein Bruder Jabraoth 15 
herrscht (ägxeiv) über die andern sechs. Damals (tote) nun 
glaubte (moxeveiv) Jabraoth an die Mysterien (/.ivoxrjQia) des 
Lichtes mit seinen Archonten (ägxovxeg) und war tätig in den 
Mysterien (fivoxrigia) des Lichtes und ließ ab von dem My- 
sterium (pvoxrjgiov) des Geschlechtsverkehrs (ovvovola). Sabaoth 20 
aber (de), der Adamas, verharrte in der Ausübung des Ge- 
schlechtsverkehres (owovo(a), und seine Archonten (ägxovxeg). 
Und als Jeü, der Vater meines Vaters, sah, daß Jabraoth 
glaubte (maxeveiv), trug er ihn und alle Archonten (ägxovxeg), 
die mit ihm geglaubt (moxeveiv) hatten, nahm ihn zu sich 25 
aus der Sphäre {acpalQa) und führte ihn in eine gereinigte 
Luft (avfe) im Angesichte | des Lichtes der Sonne zwischen S5G 
den Örtern (xönoi) derer von der Mitte (neoog) und zwischen 
den Örtern (xonoi) des unsichtbaren (äÖQaxog) Gottes. Er 
stellte ihn dort auf mit den Archonten (ägxovxeg), die an ihn 30 
geglaubt (moxetieiv) hatten. Und er trug Sabaoth, den Adamas, 
und seine Archonten (ägxovxeg), die nicht in den Mysterien 
(ßvoxrjgia) des Lichtes tätig, sondern (äUd) fortwährend in 
den Mysterien (/.ivoxrjgia) des Geschlechtsverkehres (ovvovola) 
tätig gewesen, und band sie hinein in die Sphära (ocpcüga). 36 
Er band 1800 Archonten (ägxovxeg) in jeden Aeon (aid>v) und 
stellte 360 | über sie, und fünf andere große Archonten (äg-Ul 
%ovxeg) stellte er als Herrscher (ägxeiv) über die 360 und über 
alle gebundenen Archonten (ägxovxeg), die in der ganzen Welt 



264 Pistis Sophia. 

(xöo/ios) der Menschheit mit diesen Namen genannt werden: 
der erste wird Kronos genannt, der zweite Ares, der dritte 
Hermes, der vierte Aphrodite, der fünfte Zeus«. 

CAP. 137. Jesus fuhr fort und sprach: »Höret ferner, 
5 auf daß ich euch ihr Mysterium (fivorrjeiov) sage. Es geschah 
nun, als Jeü sie also gebunden hatte, zog er eine Kraft 
(Mva/ug) aus dem großen Unsichtbaren (äogazog) und band 
sie an den, der Kronos genannt wird. Und er zog eine andere 
Kraft aus ■iyavxa%ovv/,a:Cvxov%E(üx, der einer von den drei drei- 
10 malgewaltigen (rQiövvafttg) Göttern ist, und band sie an Ares. 
Und er zog eine Kraft (Wwyits) aus ßaivxcocowx, der auch 
einer von den drei dreimalgewaltigen (tQtd'övafug) Göttern ist, 
und band sie an Hermes. Wiederum (müiv) zog er eine 
Kraft (Mva/us) aus der Pistis Sophia, der Tochter der Bar- 
löbelos, und band sie an Aphrodite. Und ferner bemerkte er, 
357 daß sie eines Steuers bedürften (-^et'a), | um die Welt (xöa/xog) 
und die Aeonen (alüve?) der Sphära (ocpalQa) zu lenken, auf 
daß sie dieselbe (sc. die Welt) in ihrer Bosheit (novr/gla) nicht 
zugrunde richteten; er ging in die Mitte (/liaog), zog eine 
20 Kraft (&vva/ug) aus dem kleinen Sabaoth dem Guten (äya&og), 
dem von der Mitte {fieaog), und band sie an Zeus, weil er 
ein guter {aya&ög) ist, damit er sie (plur.) in seiner Güte 
(-äya&og) lenke. Und er stellte den Umlauf seiner Ordnung 
362(tdfig) also fest, | daß er 13 Monate in jedem Aeon (al6v) 
25 stützend (orriQl&iv) zubrächte, damit er alle Archonten (äß- 
xovreg), über die er kommt, von der Schlechtigkeit (xaxla) 
ihrer Bosheit (novrjQla) befreie. Und er gab ihm zwei Aeonen 
(cdüveg), die im Angesichte der (sc. Aeonen) des Hermes^ sind, 
zum Wohnort. Ich habe euch zum ersten Male die Namen 
30 dieser fünf großen Archonten (&Q%ovteg) gesagt, mit denen die 
Menschen der Erde (xooftog) sie zu benennen pflegen. Ver- 
nehmet nun jetzt, daß ich euch auch ihre unvergänglichen 
(ä(p&aQxoi) Namen sage, welches sind: Orimüth entspricht 
Kronos, Munichunaphör entspricht Ares, Tarpe- 
35tannph entspricht Hermes, Chösi entspricht Aphrodite, 
Chönbal entspricht Zeus; dies sind ihre unvergänglichen 
(äcp&agToi) Namen.« 



14 Im Ms. „Pistis, der Sophia". 



Cap. 136-138. 



265 



CAP. 138. Als aber (di) dieses die Jünger ((taftr/zal) 
gehört hatten, fielen sie nieder, beteten Jesus an und sprachen: 
»Selig sind wir vor {naqd) allen Menschen, weil Dn uns diese 
großen Wunder offenbart hast.« Sie fuhren fort, baten ihn 
und sprachen: »Wir bitten Dich, offenbare uns: Was sind 5 
denn diese Wege?« Und es näherte sich ihm Maria, fiel 
nieder, betete seine Füße an und küßte seine Hände und 
sprach: »Wohlan, mein Herr, offenbare uns: | Welches ist der 358 
Nutzen (xQeta) der Wege der Mitte? Denn (ydg) wir haben 
von Dir gehört, daß sie über große Strafen (xoMoeig) gesetzt 10 
sind. Wie nun, unser Herr, werden wir entkommen (i^aiQEtv) 
oder {rj) ihnen entfliehen, oder (jj) in welcher Weise ergreifen 
sie die Seelen {y>v%ai), oder % j wie lange Zeit bringen sie 368 
(sc. die Seelen) in ihren Strafen (xoMaeig) zu? Habe Mitleid 
mit uns, unser Herr, unser Erlöser (acoz^g), damit nicht dieiö 
naQcdrj/xmai der Gerichte {xqiaeig) der Wege der Mitte unsere 
Seelen (yv%ai) tragen und damit sie uns in ihren bösen 
Strafen [xoldaeig) richten (xqiveiv), auf daß wir selbst das 
Licht Deines Vaters ererben (y.hjQovo/ielv) und nicht elend 
werden und Deiner entbehren (getrennt von Dil- sind).« 20 

Als dies nun Maria weinend sagte, antwortete Jesus in 
großem Mitleid und sprach zu ihnen: »Wahrhaftig (ßJrj&ws), 
meine Brüder und meine Geliebten, die Vater und Mutter um 
meines Namens willen verlassen haben, ich werde euch alle 
Mysterien (/.ivoxrjQia) und alle Erkenntnisse geben. Ich werde 25 
euch das Mysterium (nvozrjgiov) der zwölf Aeonen (aiüivEs) der 
Archonten (ägxovzeg) und ihre Siegel (o<pQaylöss) und ihre 
Zahlen (yiijcpoi) und die Art ihrer Anrufung (s7iixaMo'9ai) ) um 
zu ihren Örtern (zonoi) zu gelangen, geben. Und ich werde 
euch ferner das Mysterium (f.ivaztjeiov) des dreizehnten Aeons 30 
(aid)v) geben und die Art der Anrufung (imxaMa'&ai), um zu 
ihren Örtern {xönoi) zu gelangen, und ich werde euch ihre 
Zahlen (yf)<poi) und ihre Siegel (oyQayideg) geben. Und ich 
werde euch das Mysterium [nvazriQiov) der Taufe (ßdnxto/iä) 
derer von der Mitte (fiEoog) geben und die Art der Anrufung 35 
(Inixakeiodai), um zu ihren Örtern (zdnoi) zu gelangen, und 
ihre Zahlen (yfjyoi) und ihre Siegel (otpQaylöes) werde ich 
euch verkündigen. Und ich werde euch die Taufe (ßdnziafia) 
23 Vgl. Matth. 19, 29; Mark. 10, 29. 



266 



Pistis Sophia. 



derer von der Rechten, unseres Ortes (to'ttoj), geben und seine 
Zahlen (yjfjtpoi) und seine Siegel (a<pQayldeg) und die Art der 
359 Anrufung (inixcdeiotiai), | um dorthin zu gelangen. Und ich 
werde euch das große Mysterium ([ivorfgiov) des Lichtschatzes 

364 (-#»70«^?) geben und | die Art der Anrufung {imxaMo&ai), 
um dorthin zu gelangen. Ich werde euch alle Mysterien (/iv- 
orfQia) und alle Erkenntnisse geben, damit ihr ^Kinder der 
Fülle (nXtjQcofia). vollendet in allen Erkenntnissen und allen 
Mysterien (nvorrjQia)<, genannt werdet. Selig (fiaxägtoi) seid 

10 ihr vor (nagä) allen Menschen, die auf Erden, denn die Kinder 
des Lichtes sind zu eurer Zeit gekommen.« 

CAP. 139. Es fuhi- Jesus in der Rede fort und sprach: »Es 
geschah nun danach, da kam der Vater meines Vaters, d. h. Jeu, 
und nahm andere 360 Archonten {aQxovreg) von den Archonten 

lö{äQxovreg) des Adamas, die nicht an das Mysterium (fivorrjQiov) 
des Lichtes geglaubt (mateveiv) hatten, und band sie in diese 
luftigen (äsQivoi) Örter (tötcoc), in denen wir uns jetzt be- 
finden, unterhalb der Sphära {acpcüqa). Er setzte (xa&iardvm) 
andere fünf große Archonten (äQypvxeq) über sie, d. h. diese, 

20 welche sich auf dem Wege der Mitte befinden. Der erste 
Archon {ägyav) des Weges der Mitte wird die Paraplex 
genannt, ein Archon (ägyrnv) mit Frauengestalt (-(WQ<prj), 
dessen Haar bis hinab auf seine Füße reicht, unter dessen 
Gewalt (igovoia) 25 Erzdämonen (ägzidcufiöna) stehen, die 

25 über eine Menge anderer Dämonen (Öat,u6via) herrschen (<%ec). 
Und jene Dämonen (daifiovia) sind es, die in die Menschen 
hineingehen und sie zum Zürnen und Fluchen und Verleumden 
(xaraXatetv) verleiten, und sie sind es, die die Seelen {xpv%d) 
raubend (azegeolpox;) davontragen und sie durch ihren dunklen 

30 Rauch und ihre bösen (novrjQoi) Strafen (xoMobi?) schicken.« 

365 Es sprach Maria | : »Nicht werde ich ablassen (ifyxaxüv), 
360 Dich zu fragen. | Zürne mir nicht, wenn ich nach allen Dingen 

frage.« Jesus sprach: »Frage, was du willst.« Es sprach 
Maria: »Mein Herr, offenbare uns, in welcher Weise sie die 
35 Seelen {yv%m) raubend (ategeal/icog) davontragen, damit auch 
meine Brüder es begreifen (voeiv).* 

Es sprach Jesus, d. i. Aberamenthö: »Da ja (§7ieiörj) der 
Vater meines Vaters, d. i. Jeu, er ist der Fürsorger {ngovorttoj) 
aller Archonten (ägycneg), Götter und Kräfte (övväfieig), die 



Cap. 138. 139. 267 

aus der Materie (v?.rj) des Lichtes des Schatzes (d^aavgög) 
entstanden sind, und Zorokothora Melchisedek, er ist der Ge- 
sandte (TCQeoßevTijs) aller Lichter, die in den Archonten (äg- 
finnes) gereinigt werden, indem er sie in den Lichtschatz 
(-{hjoavQÖc;) führt, — diese beiden allein sind die großen 5 
Lichter, indem ihre Ordnung ixd^iq) die ist, daß sie zu den 
Archonten (Sqxovtbs) hinabgehen und sie reinigen, und daß 
Zorokothora Melchisedek das Gereinigte der Lichter, die sie 
in den Archonten (öo^ovrec) gereinigt haben, wegträgt und 
sie zu dem Lichtschatz (-&t]aavgöi;) führt, wenn die Zahlio 
(y%>oc) und die Zeit ihrer Ordnung (tdft?) kommt, daß sie 
zu den Archonten (ägyovre;) hinabgehen und sie bedrücken 
und bedrängen (dilßeiv), indem sie das Gereinigte von den 
Archonten (ägxovreg) wegtragen. Sofort aber (de), wann sie 
von der Bedrückung und Bedrängnis (dllßeiv) ablassen und 15 
zu den Ortern (Vo'jrot) des Lichtschatzes {-d^aavgöq) zurück- 
weichen (ävaxojgelv) werden, geschieht es, daß, wenn sie zu den 
Örtern (tifeiot) der Mitte (ftdaog) gelangen, Zorokothora Melchi- ^ 
sedek die Lichter trägt und | sie in | das Tor {ntilrj) derer von jßg 
der Mitte (jiiaoo) führt und sie zum Lichtschatze (■•drjaavg'öi;) 20 
führt. Und Jeü selbst zieht sich zurück (ävaxcogelv) zu den 
Örtern (rönoi) derer von der Rechten bis zu der Zeit der 
Zahl (yjfjyoo), daß sie herauskommen. Es lehnen sich (axax- 
xelv) nun die Archonten (ägxovxsg) sofort durch den Zorn 
ihrer Bosheit (ntmjQia) auf, indem sie zu den Lichtern hinauf- 25 
gehen, weil sie (sc. Jeü und Melchisedek) zu jener Zeit 
nicht bei ihnen sind, und sie tragen die Seelen (yvxai), die 
sie raubend (axegeal/jiws) entreißen können, und verzehren 
[avaliaxsiv) sie durch ihren dunklen Rauch und ihr böses 
(novrjQÖi) Feuer. Dann (xöxe) nun trägt diese Gewalt (i&vola), 30 
mit Namen Paraplex, nebst den Dämonen (dai/iovta), die 
unter ihr stehen, die Seelen (tpvxal) der Jähzornigen, der 
Flucher und der Verleumder (naxalcdelv) und schickt sie 
durch den dunklen Rauch und richtet sie durch ihr böses 
{novriQÖ*;) Feuer zugrunde, so daß sie beginnen (ägxsa&ai)Zb 
vernichtet und aufgelöst zu werden. Sie (sc. die Seelen) ver- 
bringen 133 Jahre und 9 Monate in den Strafen (xoXdaei;) 
ihrer Örter {rönoi), indem sie (sc. Paraplex) sie in dem Feuer 
ihrer Bosheit (novrjgia) foltert (ßaoaviCetv). Es geschieht nun 



268 Pistis Sophia. 

nach all diesen Zeiten, wenn die Sphära (pqxüQa) sich dreht 
und der kleine Sabaoth-Zeus zu dem ersten der Aeonen 
{atöves) der Sphära (mpoüga) kommt, der auf Erden (xöa/io Q ) 
der Widder (*e«fc) genannt wird, und die Bubastis, d. i. 
5 die Aphrodite, wenn sie zu dem siebenten Hause {olxog) 
der Sphära (o<pal e a), d. i. zur Wage ($vy6s), kommt, dann 
ziehen sich beiseite die Vorhänge {xazaneräoiiaxa), die sich 
zwischen denen von der Linken und denen von der Rechten 
befinden, und es blickt von der Höhe aus denen von der 
367 Rechten der große | Sabaoth, der Gute (äyadds), und die 
ganze Welt [möo/ms) und die gesamte Sphära (oyaiQa) (gerat 
362 in Unruhe), bevor er geblickt hat, und er blickt herab | auf 
die Orter («foiot) der Paraplex, so daß ihre Orter (ronoi) 
aufgelöst werden und zugrunde gehen. Und alle Seelen 
\b{yv%ai), die sich in ihren Strafen (xoMoeig) befinden, werden 
getragen und in die Sphära (a<pal e a) von neuem zurück- 
geworfen, weil sie in den Strafen (xoMaetg) der Paraplex 
zugrunde gerichtet sind.« 

CAP. 140. Er fuhr in der Rede fort und sprach: »Die 
20 zweite Ordnung wird Ariüth, die Aethioperin, genannt, 

die ein weiblicher Archon {&q%ojv), der ganz schwarz, unter 
dem 14 andere Dämonen {öat/ioveg) stehen, die über eine 
Menge anderer Dämonen {öaifioveg) herrschen {aQ%eiv). Und 
jene Dämonen (dat/wes), die unter Ariüth, der Aethioperin, 
25 stehen, sie sind es, die in die streitsüchtigen Menschen hinein- 
gehen, bis sie die Kriege (nöh/xoi) erregen, und Morde ent- 
stehen, und sie verhärten ihr Herz zum Zorn, auf daß Morde 
entstehen. Und die Seelen (ywjtaO, welche diese Gewalt 
(ifrvola) raubend {ozE e eal/uo?) davontragen wird, verbringen 
30113 Jahre in ihren Örtern {rönoi), indem sie sie durch ihren 
dunklen Rauch und ihr böses (jwwfgxfc) Feuer foltert (ßaoa- 
vt&iv), so daß sie der Vernichtung nahekommen. Und danach, 
wenn die Sphära {aqmga) sich dreht und der kleine Sabaoth, 
der Gute (äya&6g), der auf Erden (xöo^og) Zeus genannt wird, 
35 kommt, wenn er zu dem vierten Aeon (aicbv) der Sphaia 
{oydiQa), d. h. zum Krebse (xaqxlvog), kommt, und die Bubasus, 
die auf Erden (xöa^og) Aphrodite genannt wird, zum zehnten 
368 Aeon (aia>v) der Sphära {acpalga), der | Steinbock (oiyoxe e a>S) 
genannt wird, kommt, dann (wfw) ziehen sich beiseite o 



Cap. 139. 140. 



269 



Vorhänge (xavaTierdafiaxa), die sich zwischen denen von der 
Linken und denen von der Rechten befinden, | und es blickt «63 
zur Rechten Jeü heraus, so daß die ganze Welt (xdaftog) in 
Unruhe gerät und sich bewegt mit allen Aeonen (almveg) der 
Sphära (o<pcüQa), und er (sc. Jeu) blickt auf die Wohnörter 5 
der Ariüth, der Aethioperin, und ihre Örter (rönoi) werden 
aufgelöst und gehen zugrunde, und alle Seelen (yvyal), die 
sich in ihren Strafen (xoXdaeig) befinden, werden getragen 
und von neuem in die Sphära (o<pcüga) zurückgeworfen, weil 
sie durch ihren dunklen Rauch und ihr böses (novrjgdi;) Feuer io 
zugrunde gerichtet sind.« 

Er fuhr fort und sprach: »Die dritte Ordnung (rd&c) 
wird die dreigesichtige Hekate genannt; es sind aber (de) 
27 andere Dämonen (daiftdvta) unter ihrer Gewalt (igovoia), 
indem sie sind es, die in die Mensehen hineingehen und sie 15 
zu falschen Schwüren und Lügen und zum Begehreu dessen, 
was ihnen nicht gehört, verleiten. Die Seelen (y>v%al) nun, 
welche die Hekate raubend (aregsa(/xwg) davonträgt, übergibt 
sie ihren Dämonen (daifidvia), welche unter ihr stehen, damit 
sie sie durch ihren (sc. der Hekate) dunklen Rauch und ihr böses 20 
(novrjQÖs) Feuer foltern (ßaoav(Ceiv), indem sie (sc. die Seelen) 
durch die Dämonen (daifjövia) sehr gequält (flMßeiv) werden. 
Und sie verbringen 105 Jahre und 6 Monate, indem sie sie 
in ihren bösen Strafen (xoldaeig) strafen (xoM&iv); sie be- 
ginnen (ägxeo&ai) aber (de) aufgelöst und vernichtet zu 25 
werden. Und danach, wenn die Sphära (oyalga) sich dreht, 
und der kleine Sabaoth, der Gute (aya&ög), der von der 
Mitte (utoog), welcher auf Erden (xoofiog) Zeus genannt wird, 
kommt, und er zu dem achten | Aeon (aid>v) der Sphära 369 
(acpdiga), der Skorpion (axognlog) genannt wird, kommt, und 30 
wenn die Bubastis, die Aphrodite genannt wird, kommt und 
zum zweiten Aeon (ata»') der Sphära (acpalga), welcher Stier 
(ravgog) genannt wird, kommt, so ziehen sich beiseite die 
Vorhänge (xarcarerda/tata), die sich zwischen denen von der 
Linken und denen von der Rechten befinden, und es blickt 36 
Zorokothora Melchisedek aus der Höhe, \ und die Welt (xrfo/Ms) 
und die Berge bewegen sich und die Archonten (ägxovreg) 
geraten in Unruhe, und er blickt auf alle Örter {xönoi) der 
Hekate, so daß ihre Örter (wfewu) aufgelöst und vernichtet 



270 



Pistis Sophia. 



werden, und alle Seelen (ipvxat), die sich in ihren Strafen 
(xoMoeig) befinden, werden getragen und in die Sphära (o<pcüga.) 
von neuem zurückgeworfen, weil sie in dem Feuer ihrer 
Strafen (xoMoeig) aufgelöst sind.«: 
5 Er fuhr fort und sprach: »Die vierte Ordnung (rdft s ) 
wird Parhedrön Typhön genannt, der ein gewaltiger 
Archon {oq%wv), unter dessen Gewalt (el-ovola) sich 32 Dämonen 
{daifxövia) befinden, indem sie sind es, die in die Menschen 
hineingehen und sie zu Begierde (iniöv/ielv), Hurerei (nooveveiv), 

10 Ehebruch und zu stetigem Ausüben des Geschlechtsverkehres 
(awovoia) verleiten. Die Seelen (yjv%a() nun, welche dieser 
Aeon (cucbv) raubend (oieoeoifMog) davontragen wird, verbringen 
138 Jahre in seinen Örtern (rdnoi), indem seine Dämonen 
(daif/övia) sie durch seinen dunklen Rauch und sein böses 

15 (novrjgog) Feuer foltern (ßaoavlteiv), so daß sie anfangen 
(äoxto&ai) aufgezehrt (avaHaxeodai) und vernichtet zu werden. 
Es geschieht nun, wenn die Sphära (oyaloa) sich dreht und 
370 der kleine Sabaoth, | der Gute (äya&ög), der von der Mitte 
(ixeoog), welcher Zeus genannt wird, kommt, wenn er zu dem 

20 neunten Aeon (aid>v) der Sphära (ocpalga), der Bogenschütze 
(zogÖTrjg) genannt wird, kommt und wenn die Bubastis, die 
auf Erden (xöofiog) Aphrodite genannt wird, kommt und sie 
365 zu dem dritten Aeon (alxäv) der Sphära (a<pcüga), der | Zwilling 
(öldvjiog) genannt wird, kommt, dann ziehen sich beiseite die 

25 Vorhänge (xarcmezdofiara), die sich zwischen denen von der 
Linken und denen von der Rechten befinden, und es blickt 
Zarazaz heraus, den die Archonten (äQ%ovteg) mit dem Namen 
eines gewaltigen Archonten (ägxcov) in ihren Örtern (ronoi) 
>Maskelli< nennen, und er blickt auf die Wohnörter des 

30 Parhedrön Typhön, so daß seine Örter (ronoi) aufgelöst und 
vernichtet werden, und alle Seelen (ipvxat), die sich in seinen 
Strafen (xoldoeig) befinden, werden getragen und von neuem 
in die Sphära (ocpalga) zurückgeworfen, weil sie durch seinen 
dunklen Rauch und sein böses inovqgög) Feuer vermindert sind.« 

35 Wiederum (nd2.iv) fuhr er in der Rede fort und sprach 
zu seinen Jüngern (ßw&rjral): »Die fünfte Ordnung (rdt-ig), 
deren Archon (äQx<x>v) Jachthanabas genannt wird, ist 
ein gewaltiger Archon (&qx<»v), unter dem eine Menge anderer 
Dämonen (öaifiövia) sich befinden. Sie sind es, die in die 



Cap. 140. 141. 



271 



Menschen hineingehen und bewirken, daß sie auf die Person 
sehen, indem sie den Gerechten (öfacuoi) Unrecht zufügen 
(äöixeiv), und auf die Sünder Kücksicht nehmen, indem sie 
Geschenke (ömga) für ein gerechtes Urteil annehmen und es 
(sc. das Urteil) verderben und der Armen und Bedürftigen 6 
vergessen, indem sie (sc. die Dämonen) die Vergessenheit in 
ihrer Seele (yvxai) vermehren und die Sorge für das, was | 
keinen Nutzen bringt, auf daß sie ihres Lebens nicht ge-371 
denken, damit sie, wenn sie aus dem Körper (oä>jj,a) kommen, 
raubend (aregeolfioig) davongetragen werden. Die Seelen (yw^at) io 
nun, welche dieser Archon (äg%wv) raubend (ozegeolfxcog) davon- 
tragen wird, befinden sich in seinen Strafen (y.oXdoEtg) 150 Jahre 
und 8 Monate, und er verzehrt (ävaMoxeiv) sie durch seinen 
dunklen Rauch und sein böses (novrjgög) Feuer, indem sie durch 
die Flamme seines Feuers sehr gequält werden ($Mßeo&ai). Und 15 
wenn die Sphära (oyaTga) sich dreht, und | der kleine Sabaoth, 366 
der Gute (äya&ög), der auf Erden (xöo/jog) Zeus genannt wird, 
kommt, und er zum elften Aeon (al<bv) der Sphära (aipaiga), 
der Wassermann (vög^xöog) genannt wird, kommt, und wenn 
die Bubastis zu dem fünften Aeon (<u6v) der Sphära (aqsaiga), 20 
der Löwe (tecov) genannt wird, kommt, dann ziehen sich die 
Vorhänge (naranerda/iara), die sich zwischen denen von der 
Linken und denen von der Rechten befinden, beiseite, und 
es blickt aus der Höhe der große Jaö, der Gute (äya§6g), 
der von der Mitte (fisaog), herab auf die Örter (xönoi) des 25 
Jachthanabas, so daß seine Örter (xdnoi) aufgelöst und ver- 
nichtet werden, und alle Seelen (ipvxat), die sich in seinen 
Strafen (xoldaeig) befinden, werden davongetragen und von 
neuem in die Sphära (ocpaTga) zurückgeworfen, weil sie durch 
seine Strafen (xoMoeig) zugrunde gerichtet sind. Dies nun 30 
sind die Verrichtungen (ngdi-etg) der Wege der Mitte, nach 
denen ihr mich gefragt habt.« 

CAP. 141. Als aber (de) dieses die Jünger (fxa&rjzai) 
gehört hatten, fielen sie nieder, beteten ihn an und sprachen : 
»Hilf (ßorj&eiv) uns, unser Herr, und habe Mitleid mit uns, 35 
damit wir vor diesen bösen Strafen (xoXdaetg), die den Sündern 
bereitet sind, bewahrt werden. Wehe | ihnen, wehe ihnen, 372 
den Menschenkindern, denn sie tappen wie Blinde in der 
Finsternis herum und sehen nicht. Habe Mitleid mit uns, 



272 



Pistis Sophia. 



o Herr, in dieser großen Blindheit, in der wir uns befinden, 
und habe Mitleid mit dem ganzen Menschengeschlecht (-yivog), 
denn man hat ihren Seelen {yv%ai) nachgestellt wie die Löwen 
nach Beute, indem man sie (sc. die Beute) als Nahrung {xQocpri) 

5 ihrer (sc. der Archonten) Strafen (xoldaen;) durch die in ihnen 
(sc. den Menschen) befindliche Vergessenheit und Unwissenheit 
bereitete. Habe nun Mitleid mit uns, unser Herr, unser Er- 
367löser (ocorfQ), | habe Erbarmen mit uns und rette uns in dieser 
großen Bestürzung.« ' 

10 Es sprach Jesus zu seinen Jüngern (ßa&rjrai): »Habt 
Mut, fürchtet euch nicht, denn ihr seid selig (paxdQioi), weil 
ich euch zu Herren über alle diese machen und sie euch alle 
Untertan (vTcoTdaoeodat) machen werde. Gedenket, daß ich 
bereits zu euch, bevor ich gekreuzigt (oxavQovv) wurde, gesagt 

15 habe: >Ich werde euch die Schlüssel des Himmelreiches geben». 
Jetzt nun sage ich euch: Ich werde sie euch geben.« 

Als nun Jesus dieses gesagt hatte, stimmte er einen Lob- 
gesang (vftveveiv) in dem großen Namen an. Es verbargen 
sich die Örter (tothm) des Weges der Mitte, und Jesus und 

20 seine Jünger (ixa'&rßat) blieben in einer Luft (ärjg) von sehr 
starkem Lichte. 

Es sprach Jesus zu seinen Jüngern (fiafhfzai): »Tretet 
her zu mir!« Und sie traten zu ihm heran. Er wandte sich 
zu den vier Ecken der Welt {ma/w?), sagte den großen Namen 

25 über ihrem Haupte, segnete sie und blies in ihre Augen hinein. 
Es sprach Jesus zu ihnen: »Blicket hinauf und sehet, was 
ihr sehet (oder: was sehet ihr?)« Und sie hoben ihre Augen 
373 auf und sahen ein | großes, sehr gewaltiges Licht, das kein 
Erdbewohner beschreiben kann. 

30 Er sprach von neuem zu ihnen: »Blicket weg aus dem 
Lichte und sehet, was ihr sehet (oder: was sehet ihr?).« Sie 
sprachen: »Wir sehen Feuer und Wasser und Wein und Blut.« 

Es sprach Jesus, d. i. Aberamenthö, zu seinen Jüngern 
(tia&rpai): »Wahrlich (äft^v) ich sage euch: Ich habe nichts 

35 in die Welt (yJafiog), als ich kam, gebracht, außer diesem 
.56« Feuer und diesem Wasser und diesem | Wein und diesem Blut. 
Ich habe das Wasser und das Feuer aus dem Orte (wfowc) 
16 Vgl. Matth. 16, 19. — 27 Vgl. Joh. 20, 22. 



Cap. 141. 



273 



des Lichtes der Lichter des Lichtschatzes (-&r]aavo6g) gebracht, 
und ich habe den Wein und das Blut aus dem" Orte (zönog) 
der ßarbelos gebracht. Und nach einer kleinen Weile hat 
mein Vater mir den heiligen Geist (wsS/m) in Gestalt (xvnog) 
einer Taube geschickt. Das Feuer aber (de) und das Wasser 5 
und der Wein sind entstanden zur Eeinigung (tea&aQlCav) 
aller Sünden der Welt (xöofiog) Das Blut dagegen ward mir 
zum Zeichen wegen des menschlichen Körpers (oüfia), den 
ich in dem Orte (xönog) der Barbelos, der großen Kraft 
(Mva/ug) des unsichtbaren (aögaxog) Gottes, empfangen habe.io 
Der Geist (nvev/ta) dagegen geht allen Seelen (ipvxm) 
voran und führt sie zu dem Orte (xönog) des Lichtes. Des- 
wegen habe ich euch gesagt: >Ich bin gekommen, Feuer auf 
die Erde zu werfen c, d. h. ich bin gekommen, die Sünden der 
ganzen Welt (xo'o/ws) mit Feuer zu reinigen (xa&aQ%eiv).l5 
Und deswegen habe ich zu der Samariterin (Sa/iageixig) 
gesagt: »Wenn du die Gabe (öcoQed) Gottes kenntest, und 
wer es ist, der zu dir sagt: gib mir zu trinken, so würdest 
du ihn bitten (atrar), und er würde dir | lebendiges Wasser 374 
geben, und es würde in dir ein Quell (mjyrj) <von Wasser) 20 
werden, das sprudelt zum ewigen Lebern. Und deswegen 
nahm ich auch einen Becher Weins, segnete ihn und gab ihn 
euch und sprach: iDies ist das Blut des Bundes (dia&farj), 
das | für euch zur Vergebung eurer Sünden vergossen werden 369 
wird.< Und deswegen hat man auch die Lanze {My%rj) in 25 
meine Seite gestoßen, und es kam Wasser und Blut heraus. 
Dies aber (öd) sind die Mysterien (ftvoxrjQid) des Lichtes, 
welche Sünden vergeben, d. h. die Anrufungen (ovopaoCai) und 
die Namen des Lichtes. < 

Es geschah nun danach, daß Jesus befahl (xeUfocv) ■ 30 
»Mögen alle Kräfte (övvdpetg) der Linken zu ihren Örtern 
(xönoi) gehen.« Und Jesus mit seinen Jüngern (/ia&rjxal) blieb 
auf dem Berge von Galiläa. Es fuhren die Jünger (jta&rjxat) 
fort und baten ihn: »Bis wie lange hast Du unsere Sünden, 
die wir begangen haben, und unsere Missetaten (ävo/ilai)d5 

4 Vgl. Matth. 3, 16. Lnk. 3, 22. Joh. 1, 32. — 13 Vgl. Luk. 12, 49. 
— 17 Vgl. Joh. 4, 10. 14. — 22 Vgl. Matth. 26, 27 u. Parall. — 25 Vgl] 
Joh. 19, 34. — 33 Vgl. Matth. 28, 16. 

Schmidt: Pistls Sophia. 18 



274 



Piatis Sophia. 



nicht vergeben lassen und hast uns des Reiches Deines Vaters 
würdig gemacht?« 

Jesus aber (de) sprach zu ihnen: »Wahrlich (äfirfv) ich 
sage euch: Nicht nur (oti fidvov) werde ich eure Sünden 
5 reinigen (xadaglfeiv), sondern (ätta) ich werde euch auch des 
Reiches meines Vaters würdig machen; und ich werde euch 
das Mysterium (/.warijgtov) der Sündenvergebung auf Erden 
geben, damit dem, welchem ihr auf Erden vergeben werdet, 
im Himmel vergeben wird, und der, welchen ihr auf Erden 
10 binden werdet, im Himmel gebunden sein wird. Ich werde 
euch das Mysterium (fAvorfgiov) des Himmelreiches geben, 
damit ihr selbst sie (sc. die Myst.) an den Menschen vollzieht.« 

375 CAP. 142. Jesus | aber (&?) sprach zu ihnen: »Bringet 
mir Feuer und Weinzweige.« Sie brachten sie ihm; er legte 

15 das Opfer (ngooyogd) auf und stellte zwei Weinkrüge (-äyyeia) 
hin, einen zur Rechten und den anderen zur Linken des 
370 \ Opfers (ngoocpogd). Er stellte das Opfer (ngooyogd) vor sie 
hin und stellte einen Becher Wassers bei dem Weinkrug, 
der zur Rechten, und stellte einen Becher Weins bei dem 

20 Weinkrug, der zur Linken, und legte Brote nach der Anzahl 
der Jünger (fia&rjzai) mitten zwischen die Becher und stellte 
einen Becher Wassers hinter die Brote. Es stand Jesus vor 
dem Opfer (ngoocpogd), und er stellte die Jünger (ßadtjtcU) 
hinter sich, alle bekleidet mit leinenen Gewändern, und in 

25 ihren Händen war die Zahl (ipfjcpog) des Namens des Vaters 
des Lichtschatzes (-^oavgog), und er rief also, indem er sagte : 
»Erhöre mich, Vater, Du Vater aller Vaterschaft, Du unend- 
liches (dnegavxog) Licht taar iovco' i'aco' acut - tot'a 1 yitvco'deg' 
ftegcoytiv ojyjf&eg' ve<p&oficuo'&' vecpioftaco'd" /j.agaxa%&cr pag/ia- 

2üga%&a' ir]ava fieva/mv aflaVrß des Himmels (rov ovgavov). 
iagai Amen, Amen (d/.tfv, ä/i^vf oovßaißdi- cmnacm' Amen, 
Amen (äftift, dft?jv)- öegaagai hapahu (>hinten<) Amen, Amen 
{ä/rfv, äfi^v)' oagoagoagTov Amen, Amen (ä/itfv, ä/irfv)' xovxia/jiv 
fucü' Amen, Amen (d/nfv, ä/itjvy tat - tat - xovanr Amen, Amen, 

35 Amen (d/.tijv, äfirjv, ä/irfv)' ftaiv /tage fiagitj' /taget' Amen, Amen, 
Amen (ä/rfv, äfitfv, ä/srjv). Erhöre mich, Vater, Du Vater aller 
Vaterschaft. Ich rufe (enixale'io&ai) euch selbst an, ihr Sünden- 

376 yergeber, ihr Reiniger (xa&agi&iv) der Missetaten (ävofilcu). | Ver- 

8 Vgl. Matth. 16, 19; 18, 18. Joh. 20, 23. 



Cap. 141. 142. 275 

gebet die Sünden der Seelen (y>v X ai) dieser Jünger (jwdvftat), 
die mir gefolgt sind, und reiniget (pcadaglfav) ihre Missetaten 
(dvo/äat) und machet sie würdig, zu dem Eeich meines Vaters, 
des Vaters des Lichtschatzes (-§r j aav e 6g) > gerechnet zu werden, 
denn sie sind mir gefolgt und haben meine Gebote (ivroM) 5 
gehalten. Jetzt | nun, Vater, Du Vater aller Vaterschaft, mögen 371 
die Sündenvergeber kommen, deren Namen diese sind: oicpiQey- 
vixiev frvet- ßsQiuov ao X aß Q i xnQ - sv&oqc va vdi (>erbarme 
dich meiner <)• öieioßaX/ir]Qi X - /.isvvmog- X igie- evraig- /wv&iovq- 
ojiovq- nev X riQ- oova X ovg- /mviovoq- ioo X oßoQ&a. Erhöret mich, 10 
indem ich euch anrufe (imxaP^Ta&at), vergebet die Sünden 
dieser Seelen (yv X ai) und tilget ihre Missetaten (ävo,utai) aus; 
mögen sie würdig sein, zu dem Eeich meines Vaters, des 
Vaters des Lichtschatzes (-d^aavqög), gerechnet zu werden, 
denn ich kenne Leine großen Kräfte (övvd/.ietg) und rufe 15 
(imxahto&ai) sie an: avrjQ- ßeß e o>- cr&QOvc rj ovqey rj mve 
aovcpev y.nzovaoxQeojq}- /j,avcovßr /.ivevwq- oovmw X to X exem<p- X o> x e 
exewcp- [iEß(ü X - avTificp- Vergib die Sünden dieser Seelen {xpvyät), 
tilge aus ihre Missetaten (ävo/x(ai), die sie wissentlich und 
unwissentlich begangen, die sie in Hurerei {noQveia) und Ehe- 20 
brach bis (sag) zum heutigen Tage begangen haben, vergib 
sie ihnen und mache sie würdig, zu dem Eeich meines Vaters 
gerechnet zu werden, auf daß sie würdig sind, von diesem 
Opfer (nqoacpoQd) zu empfangen, mein heiliger Vater. Wenn 
Du nun, mein Vater, mich erhört und die Sünden dieser Seelen 25 
(ipv X ai) vergeben | und ihre Missetaten {ävofdai) getilget und 377 
sie würdig gemacht hast, zu Deinem Eeiche gerechnet zu 
werden, so mögest Du mir ein Zeichen in diesem Opfer (nqoa- 
(pogd) geben.« Und es geschah das Zeichen, das Jesus gesagt 
(erbeten) hatte. 3q 

Sprach Jesus hin zu seinen Jüngern (/iwdrjrcd): »Freuet 
euch und jubelt, denn | eure Sünden sind vergeben und eure 378 
Missetaten (ävo/ilai) ausgetilgt, und ihr seid zu dem Eeiche 
meines Vaters gerechnet.« Als er aber (&) dieses gesagt hatte, 
freuten sich die Jünger (/xa^zal) in großer Freude. 36 

Es sprach Jesus zu ihnen: »Dies ist die Art und Weise 
und dies ist das Mysterium (pvo-nfetov), das ihr an den Menschen 
vollziehen sollt, die an euch glauben (mazevsiv) werden in 
denen kein Falsch ist, und die auf euch in allen guten Worten 

18* 



276 



Pistis Sophia. 



hören. Und ihre Sünden und ihre Missetaten (ävo/uai) werden 
bis zu dem Tage ausgetilgt werden, wo ihr an ihnen dieses 
Mysterium (fivoxrjgiov) vollzogen habt. Aber (äUd) verberget 
dieses Mysterium (fivoxtfQiov) und gebet es nicht allen Menschen, 
5 außer (et /«}«) demjenigen, der alle Dinge tun wird, die ich 
euch in meinen Geboten (ivxoXaC) gesagt habe. Dies nun (o$v) 
ist das wahre (äXrf&eia) Mysterium (fivoxrjoiov) der Taufe 
(ßdmiafia) für die, deren Sünden vergeben und deren Misse- 
taten (ävofdai) bedecket werden. Dies ist die Taufe (ßdn- 
lOxio/ta) des ersten Opfers (ngoa(pogd), die den Weg zu dem 
wahren (äXrjdeia) Orte (xÖTtog) und dem Orte (xdnog) des 
Lichtes weist.« 

CAP. 143. Darauf sprachen seine Jünger (fia^xai) zu 
ihm: »Rabbi, offenbare uns das Mysterium (/wozrjQiov) des 
15 Lichtes Deines Vaters, da (ineidi']) wir Dich sagen hörten : Es gibt 
noch eine Feuertaufe {-ßdnxiofia), und es gibt noch eine Taufe 
(ßdnxia,ua) des heiligen Geistes (nvsv/ia) des Lichtes, und es 
378 gibt | eine geistige (Tivev/mxiy.ov) Salbung, welche die Seelen 
(yivxal) zu dem Lichtschatz (■■&r]oavg6g) führen. Sage uns nun 
20 ihr Mysterium (pvaxrigiov), auf daß wir selbst das Reich 
Deines Vaters ererben (aXrjgovofmv).* 

Es sprach Jesus zu ihnen: »Es gibt kein Mysterium 
(pvoxrjQiov), das vorzüglicher ist, als diese Mysterien (/waxrjQia), 
nach welchen ihr fragt, indem es eure Seele {yv%iq) zu dem 
26 Licht der Lichter, zu den Örtern (xönoi) der Wahrheit (äXrj-&eia) 
373 und der Güte {dya&ög), zum Orte {xönog) des Heiligen | aller 
Heiligen führen wird, zu dem Orte (xöuog), in dem es weder 
Frau noch (otide) Mann gibt, noch (ovdii gibt es Gestalten 
(fwgqicu) an jenem Orte {xönog ), sondern (äXXd) ein beständiges, 
30unbeschreibbares Licht. Nichts Vorzüglicheres gibt es nun 
als diese Mysterien (/.ivoxrjgia), nach welchen ihr fragt, wenn 
nicht (ei n^xi) das Mysterium (/tvoxrjgtov) der sieben Stimmen 
(<pcoval) und ihrer 49 Kräfte (dvvd/ieig) und ihrer Zahlen 
(yjfjcpot); und es gibt keinen Namen, der vorzüglicher ist, als 
35 sie alle, der Name, in dem alle Namen und alle Lichter und 
alle Kräfte (dvvä/teu;) sich befinden. Wer nun jenen Namen 
kennt, wenn er aus dem Körper (acä/ia) der Materie (ßXrj) 
kommt, so kann kein Feuer noch (ovöe) Finsternis noch (ovde) 
Gewalt (eiovoia) noch (ovdi) Archon (ägxcov) der Heimarmene- 



Cap. 142-144. 



277 



Sphära (ei/MiQfitvri, aqsatga) noch (ovde) Enge] (äyyeXog) noch 
(oödi) Erzengel (dg%dyyelog) noch (ovde) Kraft (Mva^us) die 
Seele (ywj$), die jenen Namen kennt, festhalten (xaxe%eiv), 
sondern (äUd) wenn sie aus der Welt (y.6o/iog) kommt und 
jenen Namen zu dem Feuer sagt, so verlöscht es und die 6 
Finsternis weicht zurück (ävaxcogetv). Und wenn sie ihn 
(sc. Namen) zu den Dämonen (öai/wvia) | und den naga).fjnnTai^l% 
der äußeren Finsternis und ihren Arclionten (äg%ovreg) und 
ihren Gewalten (ifyvoiai) und ihren Kräften (övvdfiei?) sagt, 
so werden sie alle zugrunde gehen und ihre Flamme wirdio 
brennen, und sie weiden ausrufen: >Heilig, heilig bist Du, 
Du Heiliger aller Heiligen.» Und wenn sie jenen Namen zu 
den nagaJ.fjfmrai der bösen Gerichte (xgloeig) und ihren Ge- 
walten (e^ovotai) und all ihren Kräften und auch der Barbelo 
und dem unsichtbaren (aögarog) Gotte und den drei dreimal- 15 
gewaltigen (xgMvafug) Göttern sagt, sofort, wenn sie diesen 
Namen in jenen Örtern (xdnoi) sagen werden, so werden sie 
alle aufeinander lallen, aufgelöst und vernichtet werden und 
ausrufen: | 0 Licht aller Lichter, das sich in den unend-S?-* 
liehen (änegavxoi) Lichtern befindet, gedenke unser selbst und 20 
reinige uns.< 

Als aber (de) Jesus diese Worte zu sagen beendet hatte, 
riefen alle seine Jünger (/iw&?)xal) aus, weinten mit lauter 
Stimme, indem sie sprachen: *********** 

****** Lücke von 8 Blättern ****** 2 5 

CAP. 144 (und führen sie heraus zu den Feuer- 
flüssen und Feuermeeren (-Mlaoocu)/ und strafen (vi/udq&v) 
sie (sc. die Seele) darin andere 6 Monate und 8 Tage. Danach 
führen sie sie hinauf auf den Weg der Mitte, und ein jeder 
der Archonten (äg%ovxeg) des Weges der Mitte, straft (xold- 30 
Cetr) sie in seinen Strafen (xoXdoeig) andere 6 Monate und 
8 Tage. Danach führen sie sie zu der Lichtjungfrau (-nag- 

25 Der Text beginnt mitten in der Beschreibung der Strafen eines 
Fluchers. Unmittelbar vorher muß, wie auB der Aufzühlung S. 266, Z. 32 
hervorgeht, die Bestrafung eines Jähzornigen behandelt sein. 



278 



Pistis Sophia. 



•devog), die die Guten (äya&oi) und die Schlechten (novrjQoi) 
richtet (xq{vbiv), daß sie sie richtet (xgiveiv). Und wenn die 
Sphära (acpaTga) sich dreht, übergibt sie sie ihren TiaQcdfjfuiTcu, 
daß sie sie in die Aeonen (aicöves) der Sphära (ocpaTga) stoßen. 
5 Und die Liturgen (XeiTovgyoC) der Sphära (ofaiQa) führen sie 
heraus zu einem Wasser, das unterhalb der Sphära {acpaTga), 

380 und es wird | ein siedendes Feuer und frißt gegen sie, bis 
daß es sie gänzlich reinigt (xa&aQi^eiv). Und es kommt 
Jaluham, der 7iaQa).rj/mTr]i; des Sabaoth, des Adamas, der den 

10 Seelen {y>v%ai) den Becher der Vergessenheit reicht, und er 
bringt einen Becher, gefüllt mit dem Wasser der Vergessen- 
heit, reicht ihn der Seele (yivxrj), und sie trinkt ihn und ver- 
gißt alle Orte und alle Örter (xönoi), zu welchen sie gegangen 
war. Und sie stoßen sie hinab in einen Körper (oä>/j.a), welcher 

löseine Zeit zubringen wird, indem er beständig in seinem 
Herzen betrübt ist. Dies ist die Strafe (y.6"/.aaig) des Fluchers.« 
375 | Es fuhr Maria fort und sprach: >Mein Herr, der Mensch, 
welcher beständig verleumdet {xatalaleiv), wird wohin ge- 
langen, wenn er aus dem Körper (ocö/ta) kommt, oder (ij) was 

20 ist seine Strafe («o'Aaöts)?« 

Bs sprach Jesus: »Ein Mensch, der beständig verleumdet 
(y.axa).aj.elv), wenn seine Zeit durch die Sphära (a<päiQa) voll- 
endet ist, daß er aus dem Körper {acö/m) kommt, so kommen 
hinter ihm Abiüt und Chamiön, die 7iaQaXfj/.mrai des Ariel, 

25 führen seine Seele {yvytf) aus dem Körper (ocöpa) und ver- 
bringen drei Tage, indem sie mit ihr umhergehen und sie 
über die Geschöpfe der Welt (xoafiog) belehren. Danach 
fähren sie sie hinab zur Amente vor Ariel, und er straft 
(xoMfeiv) sie in seinen Strafen (xoMoeio) 11 Monate und 

30 21 Tage. Danach führen sie sie zum Chaos (-/dos) vor Jalda- 
baoth und seine 49 Dämonen (öcu,u6via), und ein jeder von 
seinen Dämonen {daifiövia) fällt über sie her andere 11 Monate 
und 21 Tage, indem sie sie mit feurigen Peitschen (/.idonyeg) 

381 geißeln ((pgayeUovv). Danach | führen sie sie in Feuerflüsse 
35 und siedende Feuermeere (-ddlaoocii) und strafen (rificoeslv) 

sie darin andere 11 Monate und 21 Tage. Und danach 
trageu sie sie auf den Weg der Mitte, und ein jeder von 
den Archonten {aQ%ovxei) auf dem Wege der Mitte straft 
{xol6£,ew) sie mit seinen Strafen {xoXdaecg) andere 11 Monate 



Cap. 144. 145. 



279 



und 21 Tage. Danach tragen sie sie zu der Lichtjungfrau 
(■Tiag'&evog), die die Gerechten (ö(y.aioi) und die Sünder richtet 
(xQiveiv), daß sie sie richtet (xgiveiv). Und wenn die Sphära 
{otpdiQct) sich dreht, übergibt sie sie ihren nuga?.ijfmtcu, daß 
sie sie in die Aeonen (aiwreg) der Sphära (aq>alga) stoßen. 5 
| Und die Liturgen ßeiwvgyol) der Sphära (atpcüga) führen sie 376 
zu einem Wasser, das unterhalb der Sphära (o<pcüga), und es 
wird ein siedendes Feuer und frißt gegen sie, bis es sie 
gänzlich reinigt (xa&aglCecv). Und es bringt Jaluham, der 
naQaXrj/Murrjs des Sabaoth, des Adamas, den Becher der Ver-lO 
gessenheit, und er reicht ihn der Seele (y>vxrj), und sie trinkt 
ihn und vergißt alle Orte und alle Dinge und alle Örter 
{zötioi), zn welchen sie gegangen war. Und sie geben sie in 
einen Körper (aüfia) hinein, der seine Zeit zubringen wird, 
indem er bedrängt ist. Das ist das Gericht (xgloig) des Ver- 15 
lenmders (xaralaleiv).* 

CAP. 145. Es sprach Maria: »Wehe, wehe den Sündern!« 

Es antwortete Salome und sprach: »Mein Herr Jesus, 
ein Mörder, der niemals gesündigt hat, außer Morden, was 
ist seine Strafe (xökaoig), wenn er aus dem Körper (oä>/ia) 20 
kommt?« 

Es antwortete Jesus und sprach: »Ein Mörder, der | 
niemals gesündigt hat, außer Morden, wenn seine Zeit durch 382 
die Sphära (<?<palga) vollendet ist, daß er aus dem Körper 
(oä>/.ia) kommt, so kommen die nagalfii.i7ixaL des Jaldabaoth25 
und führen seine Seele {ipv%rj) ans dem Körper {a&fia) und 
binden sie mit ihren Füßen an einen großen Dämon (dalftcov) 
mit Pferdegesicht, und er verbringt drei Tage, indem er mit 
ihr in der Welt (xöa/iog) umherkreist. Danach führen sie sie 
zu den Orten der Kälte und des Schnees (xuäv), und sie 30 
strafen (zi/iwgelv) sie dort 3 Jahre und 6 Monate. Danach 
führen sie sie hinab zum Chaos (xaog) vor Jaldabaoth und 
seine 49 Dämonen (öai/.iövia), \ und jeder von seinen Dämonen 377 
(dai/.iövia) peitscht (jiaouyovv) sie andere 3 Jahre und 6 Monate. 
Danach führen sie sie zum Chaos (xäog) vor Persephone und 35 
strafen (ri/xcogstv) sie mit ihren Strafen (xoXdaeig) andere 
3 Jahre und 6 Monate. Danach tragen sie sie auf den Weg 
der Mitte, und jeder der Archonten (ägxovreg) des Weges 
der Mitte straft (u/.icogelv) sie mit den Strafen (xo).dasig) 



280 



Pistis Sophia. 



seiner Örter (xönoi) andere 3 Jahre und 6 Monate. Danach 
führen sie sie zur Lichtjungfrau (-nagdevos), die die Ge- 
rechten (dlxaioi) und die Sünder richtet (xgiveiv), daß sie sie 
richtet (xgiveiv). Und wenn die Sphära (ocpaiga) sich dreht, 
5 befiehlt (xeXeveiv) sie, daß sie in die äußere Finsternis ge- 
stoßen werde bis zu der Zeit, wann die Finsternis der Mitte 
aufgehoben werden wird; sie wird vernichtet und aufgelöst. 
Dies ist die Strafe (xölaaig) des Mörders.« 

CAP. 146. Es sprach Petrus: »Mein Herr, mögen die 

383 Frauen | zu fragen aufhören, damit auch Wir fragen.« 

Es sprach Jesus zu Maria und den Frauen: »Lasset 
euren männlichen Brüdern die Gelegenheit, daß auch sie 
fragen.« 

Es antwortete Petrus und sprach: »Mein Herr, ein Räuber 

15 und Dieb, dessen Sünde diese beständig ist, was ist seine 
Strafe (xöXaaig), wenn er aus dem Körper (oä>/.ia) kommt?« 

Es sprach Jesus: »Wenn die Zeit eines solchen durch 
die Sphära (ocpaiga) vollendet ist, so kommen nach ihm die 
nagalfif.imai des Adonis und führen seine Seele (ywxtf) aus 

20 dem Körper (a&pa), und sie verbringen drei Tage, indem sie 
mit ihr umherkreisen und sie über die Geschöpfe der Welt 
(xoo/ios) belehren. Danach führen sie sie hinab zur Amente 
378 vor Ariel, und er straft (rificogetv) sie | mit seinen Strafen 
(xoidaeig) 3 Monate, 8 Tage und 2 Stunden. Danach führen 

25 sie sie zum Chaos (xdog) vor Jaldabaoth und seine 49 Dämonen 
(öaifiövia), und ein jeder von seinen Dämonen (dai/iovia) straft 
(ufuogeiv) sie andere 3 Monate, 8 Tage und 2 Stunden. Danach 
führen sie sie auf den Weg der Mitte, und jeder der Archonten 
(ägyovTec;) des Weges der Mitte straft (zificogeTv) sie durch 

30 seinen dunklen Rauch und sein böses (novtjgog) Feuer andere 
3 Monate, 8 Tage und 2 Stunden. Danach führen sie sie 
hinauf zu der Lichtjungfrau (-nagftevo*;), die die Gerechten 
(dlxaioi) und die Sünder richtet (xgiveiv), daß sie sie richtet 
(xgiveiv). Und wenn die Sphära (ayaiga) sich dreht, über- 

35 gibt sie sie ihren nagal.fi/j7izai, daß sie sie stoßen in die 
Aeonen (aiwveg) der Sphära (ayalga), und sie (sc. die Liturgen 
der Sph.) führen sie heraus zu einem Wasser, das unterhalb 

384 der Sphära (oyalga), | und es wird ein siedendes Feuer und 
frißt nach ihr, bis es sie gänzlich reinigt (xa&agi&iv): Danach 



Cap. 145. 146. 



281 



kommt Jaluham, der nagaXtf/rnzr]; des Sabaoth, des Adamas, 
bringt den Becher der Vergessenheit und reicht ihn der 
Seele (yroxfl), und sie trinkt ihn und vergißt alle Dinge 
und alle Orter (zönoi), zu welchen sie gegangen war. 
Und sie stoßen sie in einen lahmen und krummen und 5 
blinden Körper (ocö/ta). Dies ist die Strafe (xöXaaig) des 
Diebes.« 

Es antwortete Andreas und sprach: »Ein hochmütiger 
und frecher (Schmäher) Mensch, was wird ihm geschehen, 
wenn er aus dem Körper (oä/ia) kommt?« 10 

Es sprach Jesus: »Wenn die Zeit eines solchen durch 
die Sphära (o<palga) vollendet ist, so kommen nach ihm die 
nagaXrjixnzai des Ariel und führen seine Seele {ipv%ri) (aus 
dem Körper) | und verbringen drei Tage, indem sie in der 379 
Welt (mofiog) (mit ihr) umherwandeln und sie (sc. Seele) 15 
über die Geschöpfe der Welt (xöafiog) belehren. Danach 
führen sie sie hinab zur Amente vor Ariel, und er straft 
(xifKogelv) sie mit seinen Strafen (xoXdoeig) 20 Monate. Danach 
führen sie sie zum Chaos (xdog) vor Jaldabaoth und seine 
49 Dämonen (dai/idvia), und er und seine Dämonen (öcu/jtfvia) 20 
jeder einzelne (wörtl.: gemäß (xazd) einem jeden) straft 
(zificogetv) sie andere 20 Monate. Danach tragen sie sie auf 
den Weg der Mitte, und ein jeder der Archonten (ägxovzeg) 
des Weges der Mitte straft (xoM£eiv) sie andere 20 Monate. 
Und danach führen sie sie zu der Lichtjungfrau {-nagMvog), 25 
daß sie sie richtet (xgiveiv). Und wenn die Sphära (atpalga) 
sich dreht, übergibt sie sie ihren nagcdrj/jjtzcu, daß sie sie 
stoßen in die Aeonen (aiüveg) der Sphära {otpaiga). Und die 
Liturgen (Xeizovgyot) der Sphära {ocpalga) | führen sie zu 385 
einem Wasser, das unterhalb der Sphära {otpcüga), und es 30 
wird ein siedendes Feuer und frißt an ihr, bis es sie reinigt 
(xa&agKeiv). Und es kommt Jaluham, der naga}.ijfmz7]g des 
Sabaoth, des Adamas, und bringt den Becher mit dem Wasser 
der Vergessenheit und reicht ihn der Seele (yvxrj), und sie 
trinkt ihn und vergißt alle Dinge und alle Örter (zönoi), zu 35 
denen sie gegangen war. Und sie stoßen sie hinab in einen 
lahmen (xaxpög) und häßlichen Körper {d&na), so daß alle 
ihn beständig verachten. Dies ist die Strafe (xöXaaig) des 
hochmütigen und frechen Menschen.« 



282 



Piatia Sophia. 



Es sprach Thomas: »Ein beständiger Lästerer, was ist 
dessen Strafe (x6laoi<;)?t 

380 Es sprach Jesus: | »Wenn die Zeit eines solchen durch 
die Sphära {ocpaiQa) vollendet ist, so kommen hinter ihm die 

DTtaQaXrjfmxai des Jaldabaoth und binden ihn mit seiner Zunge 
an einen großen Dämon (dal/Aav) mit Pferdegesicht, und sie 
verbringen drei Tage, indem sie mit ihm umherwandeln in 
der Welt (ko'ö/<os), und strafen (n/mgelv) ihn. Danach führen 
sie ihn zu dem Orte der Kälte und des Schnees {%t*l)v) und 

10 strafen (u/.icoqeiv) ihn dort 11 Jahre. Danach führen sie ihn 
zum Chaos (xdog) hinab vor Jaldabaoth und seine 49 Dämonen 
(öai/idvia), und ein jeder von seinen Dämonen (öai/xöna) straft 
(ti/icoqsiv) ihn andere 11 Jahre. Danach führen sie ihn zu 
der äußeren Finsternis bis zu dem Tage, wo der große 
386Archon (ägxcov) mit dem Drachengesicht (-ÖQdxwv), | der die 
Finsternis umgibt, gerichtet (xQiveodai) wird. Und jene Seele 
(w v XV) zugrunde gehen und wird verzehrt (avaUaxea'&ai) 
und aufgelöst. Dies ist das Gericht (xqiois) des Lästerers.« 
CAP. 147. Es sprach Bartholomäus : »Ein Päderast, was 

20 ist dessen Strafe (n/Mogla)?* 

Jesus sprach: »Das Maß des Päderasten und des Menschen, 
mit dem man schläft, ist dasselbe wie das des Lästerers. 
Wenn nun die Zeit durch die Sphära (otpcüQa) vollendet ist, 
so kommen hinter ihrer Seele {yvxv) ^ & naQalij^mrai des 

25 Jaldabaoth, und er mit seinen 49 Dämonen {datfiövia) straft 
(zifuoQeZv) sie 11' Jahre. Danach führen sie sie zu den Feuer- 
flüssen und siedenden Pechmeeren (--&älaaaai), die voll sind 

381 von Dämonen (datfioveg) mit Schweinegesichtern. | Sie fressen 
an ihnen und quälen (?) sie in den Feuerflüssen andere 11 Jahre. 

30 Danach tragen sie sie zu der äußeren Finsternis bis zum Tage 
des Gerichts, wo die große Finsternis gerichtet (xQiveo-&ai) 
wird, und wo sie werden aufgelöst und vernichtete 

Es sprach Thomas: »Wir haben vernommen, daß es einige 
(Leute) auf Erden gibt, die den männlichen Samen {aniqua) 
35 und das weibliche Menstrualblut nehmen und es in ein Linsen- 
387gericht tun und es essen, | indem sie sprechen: »Wir glauben 

34 f. Vgl. Cod. Brucianus T. u. IL, Bd. VIII, H. 1 u. 2, S. 566 ff. u. 
Epiph. h. 26 (Gnostiker). 



Cap. 146. 147. 



283 



(mozeijeiv) an Esau und Jakob«. Geziemt sich denn (äga) 
dies, oder nicht ?< 

Jesus zürnte der Welt (xoa,uog) in jener Stunde und sprach 
zu Thomas: »Wahrlich (äfitfv) ich sage: diese Sünde ist größer 
als alle Sünden und Missetaten (ävo/xim). Solche Menschen 5 
werden sofort zu der äußeren Finsternis gebracht und nicht 
(ovöe) von neuem in die Sphära (acpaiga) zurückgeworfen, 
sondern (allä) sie werden aufgezehrt (ävaMoxeoßcu) und in 
der äußeren Finsternis vernichtet werden, an einem Orte, wo 
weder Erbarmen noch (otidd) Licht ist, sondern (alld) Heulen 10 
und Zähneklappern. Und alle Seelen (yw^at), welche zu 
der äußeren Finsternis gebracht werden, werden nicht von 
neuem zurückgeworfen, sondern (dU.ä) vernichtet und aufgelöst 
werden.« 

Es antwortete Johannes: »Ein Mensch, der keine Sünde 15 
begangen hat, sondern (älla) beständig Gutes (ayadov) getan, 
aber (de) Deine Mysterien (/xvorrjgia) nicht gefunden hat, um 
die Archonten (äQ%ovxeg) zu durchschreiten, was wird ihm 
geschehen, wenn er aus dem Körper (acö/xa) kommt?« 

Jesus sprach: »Wenn die Zeit eines solchen Menschen 20 
durch die Sphära (acpalga) vollendet ist, so kommen die naga- 
Xrj/Anzai | des Bainchöööch, der einer von den dreimalgewaltigen 382 
(tQi&öva/Ms) Göttern ist, hinter seiner Seele (yvxrj) und führen 
seine Seele (yvxrj) in Freude und Jubel und verbringen drei 
Tage, indem sie mit ihr umherkreisen und sie über die Ge-25 
schöpfe der Welt (xo'a/to?) in Freude und Jubel belehren. 
Danach führen sie sie hinab zur Amente und belehren sie 
über die in der Amente vorhandenen Züchtigungsörter (xoXa- 
ozrjgia); sie werden sie aber (d£) nicht damit strafen (ti/j.cüqeiv), 
sondern (a)ld) sie nur über sie belehren, und der Rauch von 30 
der Flamme der Strafen (xoläaeig) | ergreift sie nur ein wenig. 388 
Darauf tragen sie sie hinauf auf den Weg der Mitte und be- 
lehren sie über die Strafen (xoMaeig) der Wege der Mitte, 
indem der Rauch von der Flamme sie ein wenig ergreift. 
Danach führen sie sie zu der Lichtjungfrau (-naQ&Evog), und 35 
sie richtet (xqlveiv) sie und legt sie nieder bei dem kleinen 
Sabaoth, dem Guten (ayadöq), dem von der Mitte (/.teoög), bis 
daß die Sphära (oyaiQa) sich dreht und Zeus und Aphrodite 

10 Vgl. Matth. 8, 12 etc. 



284 



Pistis Sophia. 



im Angesichte der Lichtjungfrau (-nag^vos) kommen und 
Eronos und Ares hinter ihr kommen. Dann (tore) nimmt sie 
jene gerechte (öfcaiog) Seele (yiv%tf) und übergibt sie ihren 
nagcdij/xTcxai, daß sie sie stoßen in die Aeonen (almveq) der 
öSphära {pcpdÄQa); und die Liturgen (ieaovgyol) der Sphära 
(o<pdiQa) führen sie heraus zu einem Wasser, das unterhalb 
der Sphära (cnpaiQa), und es entsteht ein siedendes Feuer und 
frißt an ihr, bis es sie gänzlich reinigt (xa&aglCeiv). Und es 
kommt Jaluham, der naQatyfmTrji; des Sabaoth, des Adamas, 

10 der den Becher der Vergessenheit den Seelen iyvyat) gibt, 
und bringt das Wasser der Vergessenheit und reicht es der 
383 Seele (ip v X^)> I ( unö sie trink* es> und vergißt alle Dinge und 
alle Örter (rcfrtoj), zu denen sie gegangen war. Danach kommt 
ein ni^xtktffiitttis des kleinen Sabaoth, des Guten (aya&ög), 

15 des von der Mitte (fdaog), er selbst bringt einen Becher, an- 
gefüllt mit Gedanken (votf/tara) und Weisheit, und Nüchtern- 
heit (vrjytg) befindet sich in ihm, und reicht ihn der Seele 
(w v Xn)- Und sie stoßen sie in einen Körper (oä/xa), der nicht 
schlafen noch (ovöi) vergessen kann wegen des Bechers der 

20 Nüchternheit [vfjipis), der ihr gereicht ist, sondern (d/Uef) | 
389 er wird ihr Herz beständig anstacheln, nach den Mysterien 
{/ivovrjQia) des Lichtes zu verlangen, bis sie sie findet durch 
die Bestimmung der Lichtjungfrau (-naQ&evos) und das ewige 
Licht ererbt (xh]QovofieXv).i 

25 CAP. 148. Es sprach Maria: >Ein Mensch, der alle 
Sünden und alle Missetaten (avofdai) begangen und nicht die 
Mysterien (jivotriQid) des Lichtes gefunden hat, wird er die 
Strafe (xolaaig) für sie alle auf einmal empfangen?« 

Es sprach Jesus: >Ja, er wird sie empfangen; wenn er 
30 drei Sünden begangen hat, wird er die Strafe (xölaoig) für 
drei empfangen.« 

Es sprach Johannes: »Ein Mensch, der alle Sünden und 
alle Missetaten (ävo/.dm) begangen, zuletzt aber (de) die 
Mysterien (iivaxriQia) des Lichtes gefunden hat, ist es möglich 
35 für ihn, gerettet zu werden?» 

Es sprach Jesus: »Ein solcher, welcher alle Sünden und 
alle Missetaten (avofiiai) begangen hat, und er findet die 
Mysterien (/.worfoia) des Lichtes, vollzieht und erfüllt sie und 



Cap. 147. 148. 



285 



läßt nicht ab, noch {oide) tut er Sünde, der wird den Licht- 
schatz (-örioavQog) ererben (xXtjQovofisiv).* 

Es sprach Jesus zu seinen Jüngern (/m&rjral): »Wenn die 
Sphära (acpaTga) sich dreht, und Kronos und Ares hinter die 
Lichtjungfrau (-Ttag&hog) kommen und Zeus und Aphrodite 5 
im Angesichte | der Jungfrau {naoMvog) kommen, indem sie in .384 
ihren eigenen Aeonen (alcoveg) sich befinden, so ziehen sich 
die Vorhänge (xaroMErdaßctta) der Jungfrau (naQ&hos) beiseite, 
und sie gerät in Freude in jener Stunde, da sie diese beiden 
Lichtsterue vor sich sieht. Und alle Seelen {y>v%ai), die sie 10 
in jener Stunde in die Bahn (xvxlog) der Aeonen (aicoveg) der 
Sphära (o<peüga) stoßen wird, damit sie | zur Welt (xöofios) 390 
kommen, werden gerecht (dlxaioi) und gut (äya&oC) und finden 
diesesmal die Mysterien (fivarrjQia) des Lichtes; sie schickt 
sie von neuem, daß sie die Mysterien (ßvatTjQia) des Lichtes 15 
finden. Wenn hingegen Ares und Kronos im Angesichte der 
Jungfrau (hoq'&6voq) kommen und Zeus und Aphrodite hinter 
ihr, so daß sie sie nicht sieht, so werden alle Seelen {ipv%aC), 
die sie in jener Stunde in die Geschöpfe der Sphära (acpaiga) 
stoßen wird, schlecht (piovriQo'l) und jähzornig und finden die 20 
Mysterien (/.ivotfQia) des Lichtes nicht.« 

Als nun Jesus dieses zu seinen Jüngern [ixa-&r]tai) inmitten 
der Amente sagte, schrien die Jünger (fia^rm) und weinten : 
»Wehe, wehe den Sündern, auf denen die Sorglosigkeit (ä/xihia) 
und die Vergessenheit der Archonten (äg^onrej) ruht, bis sie 25 
aus dem Körper (ocöfia) kommen und zu diesen Strafen (xoMoeig) 
geführt werden. Erbarme Dich unser, erbarme Dich unser, 
Sohn des Heiligen, und habe Mitleid mit uns, damit wir vor 
diesen Strafen (xoXdoeig) und diesen Gerichten (xqIoeu;), die 
den Sündern bereitet sind, gerettet werden; denn auch wir 30 
haben gesündigt, unser Herr und unser Licht!« 



286 



Pistis Sophia. 



[Späterer Nachtrag] 

385 1 der (?) Gerechte (ölxaux;). Sie zogen aus zu dreien nach den vier 
Himmelsrichtungen (-xMfiaza) und predigten das Evangelium 
(eiayydkov) vom Reiche in der ganzen Welt, indem Christus 
5 mit ihnen wirkte (Ivegyeiv) durch das Wort der Bekräftigung 
und die Zeichen, die sie begleiteten, und die Wunder. Und 
also hat man erkannt das Reich Gottes auf der ganzen Erde 
und in der ganzen Welt (yJa/wg) Israels zum Zeugnis für 
alle Völker (e&vrj), die vorhanden vom (Sonnen)-aufgang bis 
10 zum (Sonnen)untergang. 

>>>>>>>>>>>>>> 
2 Zeilen ausradiert. 

>>>>>>>>>>>>>> 

1 Der Text steht auf dem letzten Blatte der Hds. und füllt die erste 
Kolumne des Kecto. Das Ganze ist von späterer Hand hinzugefügt u. z. 
von einem Leser, der das letzte leere Blatt nicht unbenutzt lassen wollte. 
Da der Text aber mitten im Satze beginnt, so scheint er das Fehlende an 
anderer Stelle niedergeschrieben zu haben. Dies weist auf den Buchdeckel 
am Anfang, denn es fällt auf, daß der erste Quaternio auf S. 12 aufhört 
also nur 6 statt 8 Blätter umfaßt. Der Inhalt erinnert an den unechten 
Markusschluß | 2 Der Text beginnt mitten im Satze, deshalb die Be- 
ziehung des Adjektivs nicht ersichtlich 1 11 Die zwei Zeilen der Subscriptio 
sind von einem Späteren wieder ausradiert und nicht mehr zu entziffern. 



Register. 



I. Stellenregister. 

1. Altes Testament. 

2. Neues Testament. 

3. Außerkauonische Schriften. 

II. Namen- und Sachregister. 

» 

I 



I 



L Stellenregister. 



1. Altes Testament. 



Exodus 

21,17 249,21; 250,3 

Deuteronomium 

19,15 52,30 

Psalmen 

7,1—7 128,10ff 

7.12—17 130,15 fl 

24,1—22 60,1—61,14 

29,1—3 119,31 ff 

29,10.11 120,16 ff 

30,1—18 64,33-66,8 

31,1 221,19 

31,2 221,29 

34,1—28 69,34-71,36 

39,1-3 123,1 ff 

50,1—4 82,23 ff 

51,1—9 75,82—76,20 

68,1—36 38,6-40,25 

69,1-5 45,10 ff 

70,1—13 42,28-43,20 

81,1 57,12 

84,10 : 90,27 ; 91,14.23; 92,16.26.29; 

94,19; 95,6 

84,10.11 . . . 88,9; 89,16; 94,10 



Psalmen 



84,11: 



: 88,31; 90,29.33; 91.34; 92,2. 

31; 93,3; 95,19.26 

87,2—19 53,14-54,19 

90,1—16 .... 104,33—105,29 

90.1 105,33 

90.2 106,2 

90,2.3 106,7 

90.4 106,15.22 

90.5 106.26.31.35 

90.6 107,4.9.16 

90.7 107,26 

90.8 108,17 

90.8.9 108,1 

90.9.10 108,28 

90,11.12 108,36 

90,13.14 108,10 

101,1-21 48,8—49,16 

102,1-5 121,16 ff 

106,1—21 .... 133,22—134,29 

108,1—27 79,26-81,11 

119,1—7 74,8ff 

129,1-8 55,29—56,7 

Jesaias 

19,3.12 19,28 

19,12 19.38: 20,3.5 



2. Neues Testament. 



Matthiius 

3,11 . 9,2 

3,11.12 257,5 

3,13 91.17; 92,25.28 

3,16 . 1,12; 89,23 ; 95,33; 273,4 

5,3.7 . . 44,37 

5,12 . 6,15; 7,28.32; 10,36; 11,8 
5,25.26 . ... 215,32 f 

6,21 149,26 

7,7 182,6 

7,7-8 135 2O; 256,35 

7,21 . 43,36 

Schmidt: Piatis Sophia. 



Matthäus 

7,22.23 232,25 

8,12: 189,2; 198,6; 232,25; 283,10 

9,12 182,24 

9,13 190,34 

10,4 261,15 

10,11 199,19 

10,12.13 200,8 

10,14 199,36 

10,36 215,8 

10,37 249,13 ; 261,5 

10,41 170,21 

19 



290 Matthäus Pistis 



Sophia Judas 



Matthäus 

11,10 9,1 

11,14 9,27 

11,28.30 159,30 f 

13,39 140,11 

13,42.50 189,2 

14,27 5,37 

15,4 249,21 

15,16.17 181,3 

16,3 267,26 

16,19 . . . 43,33 : 272,16 ; 274,10 

17,10 9,17 

17,11.12 9,21 

1717 181,1 

18,15-17 196,4 f 

18,16 . . . 52,30: 196,19 ; 257,34 

18,18 43,33; 274,10 

18,21.22 193,34 

19,12 47,31 

19,27.29 261,5 

19.28 168,19 

19.29 265,23 

19.30 146,15 

20,16 72,13; 146,15 

22,13 189,2; 232,25 

22,21 f 213,37 f 

24,4.5 205,10 

24,16 47,31 

24,43 226,21 

24,51 189.2 

25,11.12 232,25 

25,30 189,2 

26,27 273,21 

26,29 43,36; 56,22 

28,16 273,32 

28,18 6,25; 11,16 

Markus 

1,2 9,1 

2,17 182,24; 190,34 

3,18 261,15 

4,9 : 18,35 ; 20,11 ; 37,33 ; 51,21; 52, 
16.22; 110,28; 146,2.19; 230, 
31; 233,7 

6.10 200,8 

6.11 . - 199,86 

6,60 5,37 

7,10 249,21 

10,28f 261,5 

1029 266,23 

10,31 72,13; 146,15 

11.9 182,6 

11,19 181,1 

12,15 f 213,37 f 

Lukas 

1 8,33 

1,26 fi 92,34 



Lukas 

l,39ff 92,18 

1,48 40,33 ; 87,6 

2 9,33 

3,16.17 257,5 

3,22 273,4 

5,31 182,24 

b,32 190,34 

7,27 9,1 

9,4.5 200,8 

9,5 199,36 

9,41 181,1 

10,5.6 200,8 

10,11 199,36 

11,9 182,6 

11,9.10 135,20 ; 256,35 

12,34 149,26 

12,39 . 226,21 

12,47.48 230,36 ff 

12,49 .... 219,15.26; 273,13 

12,50 219,33 

12,50-52 219,18 f 

12,51.52 220,2 f 

12.52 . 220,12 

13,6-9 228,1» ff 

13,24 ff 232,25 ff 

13,28 189,2 

13,30 72,13; 146,15 

14,26 249,13 ; 261,5 

14,34.35 224,32 

16,9 244,18 

17,3 196,4 

17,4 193,34 

18.28 f 261,5 

20,24 f 213,37 f 

22,28-30 66,22 f 

22,30 . . . .56,22; 57,6; 168,19 

Johannes 

1,20 9,16 

1,32 273,4 

410.14 273,17 

12,26 168,38 

15!l9 8,14 

16,16.28 14,13 

17,5 14,16 

1714.16 • «-14 

19 34 273,25 

20 22 2,2,27 

20/23 274,10 

Acta Apostolorum 

22,9 14,36 

Judas 

6 17,34 



Römer 



Stellen regia ter 



Börner 

13,7 214,31 

I. Korinther 

2,8 8,27 

2,9 216,36 

15,4 261,2 

II. Korinther 

13-1 267,34 



1,17 
10,28 

6,19 



21,6 . 
22,13 



Agrafa 
Kolosser 



Hebräer 
I. Timotheus 
Apok. Johannig 



3. Anßerfeanoiiische Schriften. 



Oden Salomos 

l(=19),l-4 . . . 86,31-87,2 

5,1—9 84,19-85,6 

6,7—17 97,36—98,20 

22,1—11 .... 115,24-116,14 



291 

. 12,26 
257,34 
257,34 



87,11 
87,11 



Oden Salomos 

25,1-9 111,85 

Agrafa 

257,23 



n. Namen- und Sachregister. 



Aberamenthö (= Jesus) 262, 11; 266, 

37; 272, 83. 
Abiüt, Paralemptes des Ariel 278, 24 ; 

fuhrt die Seele des Verleumders 

ans dem Körper 278, 25 f. — s. n. 

Ariel. 

Abkühlung (sttße) 156, 3. 

Abraham, erhält die Mysterien des 
Lichtes und Vergebung aller 
Sünden nnd wird an den Ort des 
Jabraoth versetzt 259, 35 f. 

Achröchar, Archon mit Schlangen- 
gesicht in der vierten Strafkammer 
der äußeren Finsternis 234, 7 f. 

Achtfignr der Heimarmene s. Hei- 
mann ene. 

Adam, sein Paradies 179, 35, be- 
findet sich in den Aeonen der 
Archonten und wird durch die 
Lichtjungfrau in einen gerechten 
Körper versetzt 260, 8f. 

Adamas, Sabaoth, der große Tyrann 
(resp. Archon), Feind der Pistis 
Sophia 17, 21; 27,8; 123,23; 125, 
16; 127,31; 128, 31 etc. - blickt 
aus den 12 Aeonen 101, 38; 102, 6; 
126, 16 — herrecht über die Hei- 



marmene n. Sphära 18, 2, über 
6 Aeonen 263, 16, daher der König 
213, 33; 214, 7 wird von Jeü in 
die Sphära gebunden 263, 31 f., 
übt ständig Geschlechtsverkehr 
263, 34 — Archonten d. Ad. s. 
Archonten — Emanation (Kraft) 
des Ad. znr Bekämpfung der Pist. 
Soph. 102 8; 103, 3. 18; 106, 12: 
107, 12 ; 114, 17 etc. - Paralemptes 
d. Ad. s. u. Jaluham — Reich d. 
Ad. 245, 35 — Tyrannen d. Ad. 
s. n. Tyrannen. 

Adonis, seine Paralemptai führen 
die Seele des Ränbers u. Diebes 
.. aus dem Körper 280, 19 f. 

Ägypten 19, 28: = Archonten aus 
der Materie 20, 3. 

Aeon, Ende dieses Aeons s. u. Ende 
— Sorgen dieses Aeons 159, 19. 

Aeonen pass. — Bahnen d. Aeon 
23, 16; 25 17 — Mysterium der 
Aeonen haben die Propheten emD- 
fangen 259, 28. ™ 

Aeon, der dreizehnte (= Ort d Ge- 
rechtigkeit 36, 31; 69, 18; 75, 5; 
78, 28; 206, 33) 13, 25; 30, h u. ö.; 

19* 



292 Aeon Pistis 



Sophia Archonten 



31, 34 etc. — seine Archonten 
72, 6 — seine Emanationen s. u. 
Unsichtbare — sein Mysterium 31, 
22 — seine Mysterien d. Zauberei 
21, 6 — das Tor d. Höhe in ihm 
125, 2 — seine Vorhänge 30, 8. 9 

— (früherer) Wohnort d.Pist. Soph. 
30, 16. 29; 32, 28; 33, 6; 69, 22; 
75, 12 etc. — seine Zahlen u. Siegel 
265, 33. 

Aeon, der zwölfte 33, 7. 11; 107, 1 
u. ö. : 130, 37 — seine Archonten 
und Götter 72, 6 — seine Unsicht- 
baren 72, 5. 

Aeonen, die zwölf 16, 13; 17, 14 
etc. — ihre Archonten s. u. Ar- 
chonten — ihre Bahnen 25, 17 

— ihre Dekane s. u. Dekane — 
ihre Litnrgen s. n. Liturgen — 
ihr Mysterium 265, 26 — ihre 
Zahlen u. Siegel 265, 27 — ihre 
Vorhänge 16, 10. 15 — ihre Tore 
16, 14 u. ö. 

Aethiopin s. n. Arittth. 

Agrammachamarei, Name d. unsicht- 
baren Gottes 262, 16. 

All, das 3, 9; 7, 10; 12, 1 etc. — 
Auflösung d. Alls 144, 14; 177, 23; 
189, 29 — Aufstieg d. Alls 140, 

12. 20; 236, 29; 244, 5 — Er- 
kenntnis d. Alls 170, 10. 13 — 
Fülle d. Alls 11, 18 - Gott d. 
Alls 204, 7 ; 205, 34 — Haupt d. 
Alls 1, 18; 3, 9 — Herr d. Alls 
14, 34; 15, 17; 29, 8 — Mysterium 
d. Alls 11, 18 — Tür d. Alls 
242, 6. 

Almosen 190, 5. 
Alpha 261, 26. 

Amen, die drei (im Lichtschatz) 2. 22 ; 

13, 13; 142, 12. 25; 144, 22; 145, 6; 

168, 9; 168, 8. 
Amen, die sieben (im Lichtschatz) 

2, 25; 13, 12; 142, 11; 158, 11. 
Araente 278, 28; 280, 22; 281, 17; 

283, 27; 285, 23 — ihre Feuer, 

Gerichte u. Strafen 187, 12. 15. 18; 

236, 36. 38; 237, 2. 

A/itivaiTOf ? [äu^iwrot) 161, 17. 21. 

Andreas (Apostel) 55, 25; 56,8; 79, 
21; 122, 36: 123, 11. 13; 180, 16. 
26 ; 181, 1 f. (über seinen Unglauben 
der Herr erzürnt); 183, 20. 33; 
184, 14; 261, 15; 281, 8. 

Anführer, die f auf (= die fünf Helfer) 

13, 5; 157, 35; s. auch u. Helfer — 
die beiden großen Auf. 142, 39; 
stammen aus dem reinen Lichte 



des dritten und vierten Baumes 

des Lichtschatzes 143, 8. 
Anführer d. Mitte s. u. Jaö. 
Anführer d. Adamas s. u. Adamas. 
Anhörung (?) 186, 31. 
anrufen (emy.tdeto&ai) bei den Aeonen 

17, 34. 37; 19, 7; 20, 35 ; 21, 7. 

38 etc. 

anrufen (övo/iä&iv) , die Mysterien 
175. 15. 23; 203, 13; 242, 10. 

Anrufung (övoftaoia) 205, 24; 273, 28. 

ivtlftifiov npev/ia (im Körper des 
Menschen) 46, 13; 206, 8 u. ö.; 
208, 3; 210, 9 etc.; nimmt alle 
Sünden des Menschen wahr 207, 
10 ; zwingt die Seele zum Sündigen 

207, 16 ; 250, 27; führt die Seele 

208, 33; 215, 22 — ist das Äußere 
d. Seele 251, 26 — Bande d. ävr. 
m>, an der Seele 209, 32 ; 210, 2. 
30; 212, 5; 215, 18; 216, 4; 247, 

39 : 248, 7 ; 251, 24 — Siegel d. 
&>n. Ttv. 209, 29. 38; 210, 1 n. ö.; 
215, 18; 216, 4; 249, 6 ; 250, 26; 
251, 7. 13. 

Antitypus 251, 38. 

Antworten (änof&oets) der Seele beim 
Aufstieg 166, 16; 171, 15. 37; 177, 
1. 10. 18; 180, 8. 11; 203 22. 

Aphrodite, der vierte von den fünf 
großen Archonten (Planeten) der 
Sphära und Herrscher über 360 
Archonten 264, 3. 15; 268, 5. 37: 
269, 31; 270, 22; 283, 38 ; 285, 6. 
17 — unvergänglicher Name: Chösi 
264, 35 — s. u. Bubastis. 

Apologie (Verteidigung) der Seele 
beim Aufstieg 166, 17; 171, 16. 
38; 177, 2. 10. 18; 180, 8. 11; 
203, 22; 212, 2 u. ö.; 213, 1 u. ö.; 
214, 24. 37; 251, 8. 14. 

Ararad, Felsen 258, 18. 

Archaröch. Archon mit Hundegesicht 
in der dritten Strafkammer der 
äußeren Finsternis 234, 4 f. 

Archeöch, Archon mit Basilisken- 
gesicht in d. neunten Strafkammer 
der äußeren Finsternis 234, 25 f. 

Archonten, s. n. „dreizehnt. Aeon", 
„zwölfter Aeon", „Authades", 
„Chaos", „äußere Finsternis", 
„Heimarmene". 

Archonten des Adamas (Verfolger 
d. Pist. Soph.) 123, 26; 124, 5; 
126, 18. 33; 128, 32; 135, 4; 214, 6, 
lehnen sich gegen d. Licht auf u. 
treiben Mysterien des Geschlechts- 
verkehrs zur Erzeugung von Ar- 



Archonten Namen- und 



Sachregister Bande 293 



chonten, Erzengeln etc., deshalb 
von Jen in eine Heimarmene- 
Spbära gebunden, in jeden Aeon 
1800 Archonten 263. 7 ff. — ihre 
Apologie 213, 32 — ihre Bosheiten 
8. u. Bosheit — ihr Siegel 213, 32 

— 8. auch u. „Anführer" u. „Ty- 
rannen". 

Archonten (der 12 Aeonen) 8, 27. 30; 
16, 22; 19, 35 etc. — ihre Bahnen 
22, 13. 32 ; 23, 11 ; 27, 16. 39 etc. — 
ihre Bande s. n. Bande — ihre 
Dekane s. n. Dekane — ihr fleisch 
28, 27 — ihr Gereinigtes d. Lichtes 
24, 34; 31, 39; 47, 11 — Hauch 
ihres Mundes s. u. Hauch — ihre 
Hefe die Apostel 181, 30; 184, 1 — 
ihre Kraft 19, 3. 34; 166, 19 — 
ihre Kreise 24, 39 ; 26, 37 ; 28, 3 — 
ihr Lauf 24, 27; 27, 39; 28, 1. 12 
ihre Liturgen 10, 12; 25, 7 — ihre 
Materie 23, 33; 25, 6; 26, 15. 20. 
31 etc. — ihre Mysterien s. u. 
„Zauberei" u. „Geschlechtsver- 
kehr" — ihre Perioden 28, 8. 13. 
24 — ihr Schweiß s. u. Schweili — 
ihre Seelen 9, 4; 10, 13; 248, 18 — 
ihr Siegel 24, 23 ; 210, 34 ; 248, 34 ; 
256, 10 u. ö. — Tränen ihrer Augen 
s. u. Tränen — ihre Zeiten 28, 8. 
20 — „Eltern" d. Menschen 249, 15. 

Archonten d. Sphära 8, 24;. .15, 11; 
19, 5 etc. — Bande ihrer Örter u. 
Ordnungen 15, 19 — ihre Fessel 

23, 8 — Gereinigtes ihres Lichtes 

24, 36; 28, 7 — ihre Zauberei s. 
u. Zauberei. 

Archonten des Weges der Mitte 
(strafen die Seeleu) 191, 34; 208, 
27. 32; 210, 6; 211, 21; 252, 4; 
277, 30; 278, 38; 280, 29; 281. 23 

— ihre Apologie 211, 28 — ihr 
Feuer 191, 35; 211, 25; 237, 3. 8 

— ihre Gerichte 191,34; 208, 31; 
237, 9 ; 239, 12. 16 — (verschiedene) 
Gesichter 211, 25. 

Archonten, die Beue empfunden haben 
144, 29. 35; 146, 11; 259, 39 — 
s. auch u. Jabraoth. 

Ares, der zweite von den fünf großen 
Archonten (Planeten) der Sphära, 
herrscht über 360 Archonten 264, 
2. 10; 284, 2 ; 285, 4. 16 — sein 
unvergänglicher Name: Munichu- 
naphör 264, 34. 

Ariel (in d. Amente) straft die sündigen 
Seelen 186, 36; 278, 28; 280, *3; 
281, 17 — seine Feuergruben 187, 



9 — seine Feuermeere u. Ströme 
187, 27. 33 — seine Paralemptai 
278, 24; 281, 13. 

Ariftth, die Aethiopin (weiblicher 
schwarzer Archon), die zweite Ord- 
nung des Weges der Mitte 268, 20; 
269, 6 — ihre 14 Dämonen gehen 
in die streitsüchtigen Menschen 
268, 22 f. — mit ihrem dunklen 
Bauch und büsen Feuer foltern sie 
die Seelen 268, 31 ; 269, 10 — s. 
u. Mitte. 

Armut 164, 6; 203, 34 ; 204, 22. 

Art {eVSoc) 136, 29; 137, 12. 

Atheist 235, 30. 

auferstehen (Jesu von den Toten) 
1, 2; 261, 2 (am dritten Tage). 

Auflösung, s. u. All. 

Aufseher des Lichtes 18, 9; 24, 24. 
28; 143, 3. 14; 235, 13 — s. auch 
u. Jeü. 

Aufstieg s. u. All. 

aufwallen (vom Geiste im Menschen) 
42, 16; 51, 22. 35- 213, 26. 

Anserwählte die Inhaber d. Mysterien 
28, 18. 23. 

Auslegung (Erklärung, co/ir/veia) 93, 
16 u. ö. ; 261, 25. 

Außere d. Äußeren 7, 26; 11, 7. 27; 
56, 13; 73, 10; 139, 23; 260, 21. 

Authades, der dritte von den drei 
Dreimalgewaltigen im 13. Aeon, 
Feind der Pist. Soph. 30, 18; 31, 
33; 32, 26. 36; 36, 18; 67, 19; 76, 
34. 35 etc. — Archonten d. Aiith. 
124, 1; 125, 6 — Emanationen d. 
Auth. s. u. Emanationen — seine 
Fallstricke 73, 31 — seine Kraft 
8. u. Löwen gesiebt — seine Materie 
32, 11 ; 77, 33 ; 78, 16 — sein Name 
78, 12 — seiu Zorn über d. Pist. 
Soph. 34, 35 — sein Ungehorsam 
wegen des gereinigten Lichtes 31, 
35 f.; 34, 36. 

Bahn 3, 27 (von d. Sonne) — Bahn 
d. Aeonen 25, 17; 27, 16 — B. d. 
Archonten s. u. Archonten — B. d. 
Heimarmene s. u. Heiniarmene — 
B. d. Sphära s. u. Sphära. 

BainchöSöch, einer d. drei Dreimal- 
gewaltigen 264, 11 — seine Para- 
lemptai 191, 18; 283, 21. 

Bande (Fessel) — B. d. Archonten 
14, 31; 15, 19; 16, 3; 207, 35 — 
B. d. dvrt/i. 711: 8. u. dvrifi. Ttp. — 

B. d. Chaos 110, 27 — B. d.Emauat. 



294 Barbelo Pistis 



Sophia Drache 



d. Adamas 114, 16; 117, 2 — B. d. 
Finsternis 69, 4; 109, 32; 111, 8; 
113, 33. 

Barbelo (resp. Barbelos) im 13. Aeon, 
ihre erste Kraft in Maria als ma- 
terieller Körper Jesu eingegangen 
10, 3; 86, 18; 90, 15; 95, 16. 24; 
273, 9 — B. der Blutegel 262, 17 

— die große Kraft d. unsichtbaren 
Gottes 273, 9 — die großen Emanat. 
d. Barbelo (= Unsichtbare) 34, 32 

— Materie d. B. 95, 2. 5. 16 — 
ihre Tochter die Pist. Soph. 264, 14. 

Bärengesicht s. u. Luchnr. 
Bartholomäus (Apostel) 261, 17; 282, 
19. 

Basilisk, eine Emanation d. Authades 
mit 7 Köpfen 101, 27; 102, 13; 
104, 15. 18; 109, 17; 114, 18; 117, 8 

— Basiliskengesicht s. u. Aroheöch. 
Bäume, die fünf im Lichtschatze 2, 

24: 13, 13; 142, 26; 144, 21; 145, 
7; 158, 11; 168, 8 — ihre Emana- 
tionen 140, 24 — ihre Erlöser 141, 
24 f. 

Becher s. u. Vergessenheit. 
Befrager (der Archonten) 19, 15 ; 21, 

37; 22, 3. 
Begierde (der Welt) 206, 20. 36; 

207, 25; 246, 3 ; 249, 3 ; 270, 9. 
Beischlaf s. u. Geschlechtsverkehr. 
Berg8chwein(gesicht) 234, 15. 
besiegeln (auch versiegeln resp. 

siegeln = aypayifeti') 124, 2. 5; 

146, 1. 36; 174, 35 etc. 
Bild (des Menschen) 253, 12. 
Blei 154, 39. 

Blindheit (der Menschen) 272, 1. 
Blut (im Mutterleibe) 253, 5. 9 — 

Blut in Jesu aus dem Orte d. 

Barbelo 273, 2. 7 — Blut aus der 

Seite Jesu 273, 26 — Blut (beim 

Sakrament) 272, 32. 36. 
Bogenschütze, der 9. Aeon der Sphära 

270, 20. 

Bosheit 188, 21 ; 206, 36, s. auch u. 
Schlechtigkeit - — Bosh. d. Ar- 
chonten 264, 18; 267, 25. 39. 

Brot (bei dem Opfer) 274, 20. 22. 

Bubastis 268, 4. 36; 269, 31; 270, 
21; 271, 20, s. auch u. Aphrodite. 

Buch — Bücher d. Erlösers 184, 25; 
260, 32 — die beiden Bücher des 
Jeü 179, 24. 33; 258, 14. 23 — 
zweites Buch d. Pist. Soph. 94, 1. 

Chaos 32, 15 • 33, 12 u. ö. etc. — 
Ameute d. Ch. 208, 6 — Archonten 



d. Ch. 50, 6; 131, 1 — Bande d. 
Ch. 132, 11 — Feuer d. Ch. 191, 
26 — Finsternis d. Ch. 33, 38; 35, 
13 u. ö.; 99, 1; 132, 10. 24, s. auch 
u. Finsternis — Riegel d. Ch. 132, 
30 — Strafen im Ch. 208, 17; 237, 
1. 5 — Tore d. Ch. 132, 36. 

Charachar, Archon in der 2. Straf- 
kammer der äußeren Finsternis mit 
Katzengesicht 234, lf. 

Charmön, Paralemptes d. Ariel, führt 
die Seele des Verleumders aus dem 
Körper 278, 24 f. 

Chönbal s. u. Zeus. 

Chösi s. u. Aphrodite. 

Chremaör, Archon in der 12. Straf- 
kammer der äußeren Finsternis mit 
7köptigem Hnndsgesicht, herrscht 
über viele Archonten mit gleichem 
Gesicht 234, 37 f. 

Christus 286, 4 (wirkt in den Aposteln). 

Dämon (Dämonen) 46, 11; 56, 16; 
79, 9 (in d. Luft); 165, 28 ; 266, 
26 (in d. Menschen) etc. — Däm. 
mit Pferdegesicht 279, 27; 282, 6 
— Däm. mit Schweinegesicht 282, 
28 — Dämonskraft (od. Emanation) 
d. Adamas 102, 10; 103, 18; 107, 
12 ; 126, 18 — Däm. d. Jaldabaoth 
188, 23, s. u. Jaldabaoth — Däm. 
d. äußeren Finsternis 277, 7 — 
Dämouenheilung 204, 16. 

David, Prophet, in ihm die Licht- 
kraft Jesu 38, 4; 42, 26 ; 46, 7; 
48, 6 etc. 

Dekane (innerhalb d. Aeonen) 2, 9; 
46, 16 (in d. Luft); 56, 17; 156, 
29; 253, 13 (bauen den Menschen 
in der Mutter) - Dek. d. Archonten 
10, 11; 22, 1 (ihre Befragung); 
263, 11. 

Demut 153, 29. 38. 

Dieb, seine Strafen 280, 17 f. 

Diebstahl 188, 5. 

Diener (didy.ovoi), die 12 (in d. Mitte) 
10, 9; 143, 34; 167, 28. 

Dienst {Siaxopia Jesu) 6, 12. 30; 7,2; 
14, 8; 23, 1; 26, 39. 

Drache d. äußeren Finsternis 189, 
13. 18; 235, 4. 25; 236, 2 u. ö.; 
237, 6; 239, 9. 15; 241, 28. 36; 
242, 37 — umgibt die Finsternis 
282, 15 — seine Archonten 235, 
16 — sein Feuer 237, 6 — seine 
Finsternis 245, 4. 11 — seine Ge- 
richte u. Strafen 189, 12. 17; 236, 
19; 237, 7. 39; 238, 28; 241, 36; 



Drache Namen- und Sachregister fyivaioi 295 



242, 34; 243, 2 — seine 12 Namen 
236, 9 ; 244, 24; Mysterium seines 
Namens 242, 19; 243, 10; 244, 24 

— Rachen d. Drach. 198, 4; 200, 
29 ; 222, 39; 226, 7 — sein Schwanz 
im Munde 233, 23; 236, 2; 239, 
10 — hat 12 finstere Kammern 
und Tore 235, 10; 236, 10. 

Drache (= Diskus der Sonne) mit 
Schwanz im Munde 262, 23 f. — 
ein männlicher u. weibl. Drache 
steuern das Mondschiff 262, 29. 

Drachengesicht Emanation d. Autha- 
des 101, 28; 102, 13; 104, 16; 
109, 19. 

Dreiecke s. u. Heimarmene. 

Dreimalgewaltige, die drei (großen) 
Dreimalgew. im 13. Aeon 1, 27; 
13, 22; 16, 27. 37; 77, 30; 157, 
13; 167, 14; 277, 15 — d. große 
dreimalgew. Gott 137, 10; 157, 20 

— die beiden großen Dreimalgew. 
30, 34 (ihre Archonten) — s. auch 
u. Authades, Bainchöööch und 

l\f>aTna%ovv/jüvypv%em%. 

Edelstein 154, 32. 

Ehebrecher 235, 31. 

Ehebruch 153, 23; 188, 28 : 270, 10: 
275, 20. 

Eifersucht 156, 34. 

Eigenliebe 157, 4; 187, 10. 

Einer Alleiniger s. u. Unaussprech- 
licher. 

Einflüsse (änoTeZeofiaTa d. Archonten) 

18, 4 n. ö\; 19. 21. 23; 21, 24 u. ö.; 

22, 27; 27, 25. 
Einsammlung d. Lichtes 143, 19 — 

Eins. d. vollkommenen Seelen s. n. 

Seelen. 

Einschnitte, die fünf yjtoayfiai (im 
Lichtschatz) 1, 22; 2, 33; 13, 2; 
160, 29. 

Eintracht 156, 35. 39. 

Eis (ans dem Bachen d. Drachens) 
189, 25; 233, 32. 

Eisen 154, 37. 

Elemente {oroiyeia) der Heimarmene, 
ihr Zwang auf die Menschen 194, 
35; 225. 15. 25; 241, 15. 

Elias (Prophet), im Leibe Johannes' 
des Täufers 259, 30; seine Seele 
in den Mutterleib d. Elisabeth ge- 
schickt 9, 6. 14. 

Elisabeth (Mutter Johannes' d. Täu- 
fers), in ihr eine Kraft d. kleinen Jaö 
8, 33 f. ; 9, 11 ; 92, 22 — Begegnung 
mit Maria, der Mutter Jesu 92, 17. 



Emanationen des Authades (zur Ver- 
folgung u. Bedrängnis d. Pist. 
Soph.) 32, 13; 33, 14. 25 ; 34, 12 
etc. — Eman. mit ßasiliskengesicht 
s. n. Basilisk — Eman. mit Drachen- 
gesicht s. u. Drache — Eman. mit 
Löwengesicht s. u. Löwengesicht. 

Emanationen d. Lichtes (Licht- 
schatzes) 2, 13; 13, 9; 90, 26; 140. 
3. 17; 153, 3 etc. 

Emanationen, die 24 Em. d. unsicht- 
baren Gottes 2, 3; 30, 36. 39 ; 31, 
7; 75, 15, s. u. Unsichtbare. 

emanieren (itooßäi.letv) 31, 2. 37; 
32, 10 etc. 

Enchthonin, der erste Archon in d. 
ersten Kammer d. äußeren Finster- 
nis mitKrokodilsgesicht, aus seinem 
Bachen kommen Eis, Kälte u. alle 
verschiedenen Krankheiten 233, 
29 f. 

Ende dieses Aeons (ovtneXeia) 140, 
11. 20; 144, 13. 16. 

Engel (d. Aeonen) 2, 9; 4, 35; 13, 
28; 14, 26 etc. — Engel, die 
Übertretung begangen, haben die 
Mysterien d. Zauberei den Men- 
schen gebracht 17, 34; 19, 8; 20, 
33 — Eug. d. Höhe als Wächter 
d. Tore d. äuß. Finstern. 235, 11 f. 

— Eng. d. Lichtes s. u. Jeü. 

Enthaltsamkeit {eyxpdreca, äyveia) 

153, 27 ; 174, 32 — s. auch u. Ent- 
sagung. 

entsagen (dnoxdaoeo&ui) der Welt 
u. seiner Materie, seinen Sorgen 
n. Sünden 159, 17 u. ö.; 181, 37; 
182, 33; 183, 5. 10; 186, 21 u. ö.; 
187, 3ii.ö.: 188, Inj,; 189, 3 
u. 8. etc. 

Entsagung (äircnayij) 157, 2; 174, 
33; 183, 21; 190, 22. 

Erbteile (Erbe) {xlr,govo(iia) &. Licht- 
reiches 139, 3 ; 140, 25; 141, 3 u. ö. ; 
142, 10 u. ö.; 145, 24. 38; 146, 
10 etc. — Mysterien d. Erbt. 58, 
27; 197, 10 - Ort d. Erbt, (im 
Lichtschatz) 58, 27; 59, 1; 66, 15; 
147, 3 — Ordnungen d. Erbt. 152, 
9. 2t; 244, 1; 256, 21. 

Erdbeben 4, 26; 5, 3. 

Erde pass. — Antlitz d. Erde 257, 80. 

ererben (x).iiporo/ieii>) das Lichtreich 

_ 58, 35; 89, 3; 90, 13 etc. 

tpiraToi äp%oi'Tes 264, 23. 38, sind 
den Strafen d. Gerichts vorgesetzt 

— ihre Paralemptai 254, 25. 



296 epivaioi Pistia Sophia Gerechtigkeit 



tQivatoi Xeirovpyoi (begleiten die Seele 
u. sind Zeugen für ihre Sünden) 
207, 6. 21; 217, 11 u. ö.; 218, 6. 

ipivalot TTagaAijfiTtTcu resp. irap«- 

l^ftnropes (führen die Seelen ans 
d. Körper) 165, 31 n. ö.; 166, 1 
n. ö.; 171, 10 n. ö.; 191, 18 ete. 

Erkenntnis (Gnosis) d. Unaussprechl. 
186, 9 — alle (gesamte) Erk. 56, 
12; 139, 25 ; 248, 19 etc. — Banm 
d. Erk. 179, 34; 258, 16. 

Erlüser (omrfy = Jesus) 3, 21 ; 5, 5; 
18, 25 etc. — Bücher d. Erl. s. u. 
Buch. 

Erlöser, die zwölf (im Lichtschatz) 
2, 16; 13, 10; 140, 21; 142, 17 n.ö.; 

144, 23; 145, 6; 168, 11 ; 172, 21 

ans ihnen die zwölf Kräfte für die 
zwölf Jünger 7, 36; 8, 12; 10, 8. 

Erzdämonen, 25 Erzd. auf d. Wege 
d. Mitte 266, 24. 

Erzengel (in d. Aeonen) 2, 8; 4, 35; 
13, 27; 16, 22 etc. 

Esau — spielt bei lasciven Gnostikem 
eine Bolle 283, 1. 

Eselsgesicht s. n. Typhon. 

Ewigkeit (AeC) 154, 23. 



Feuer (im Chaos) 28, 26; 174, 17; 
198, 9; 236, 31 ; 277, 5 — siedendes 
F. (unterhalb d. Sphfixa) 278, 7; 
279, 8 ; 280, 38; 281, 31; 284, 7 — 
weises F. 56, 28 ; 57, 8; 218, 25 — 
F. d. Höhe 156, 9 — F. d. Züchti- 
gung 153, 8 — Feuerflüsse 277, 
26; 278, 34; 282, 26. 29 — Feuer- 
meere 277, 27; 278, 35. 

Feuertaufe 276, 16. 

Finsternis s. u. Chaos. 

Finsternis, die äußere (äußerste), in 
ihr die gottlosen Seelen vernichtet 
224, 11. 29 ; 225, 2 ; 232, 34; 233, 
6. 22 f. (ihre Beschreibung); 236, 
3 n. ö. etc. — Archon(ten) d. äuß. 
Finst. 77, 24; 148, 3, 188, 38; 
277, 8 — Dämonen d. äuß. F. 
277, 7 — Gewalten u. Kräfte d. 
änß. F. 277, 9 — Kammern d. 
äuß. F. s. ix. Kammern — Para- 
lemptai d. äuß. F. 148, 5; 277, 7 
— Strafen u. Gerichte d. äuß. F. 
238, 15 — die äuG. F. identisch 
mit dem Drachen s. n. Drache. 

Firmament(e) = aTepeai/iara (unter- 
halb d. Sphära) 13, 33; 15, 6; 180, 
30; 232, 6 - ihre Archouten 14, 
25 — ihre Siegel, Gewalten 14, 



25. 26 — ihre Tore 14, 20. 23 — 

ihre Vorhänge 156 17. 
Fleisch (cdpl) pass. — Fl. d. Archonten 

28, 27. 
Fluch 153, 17. 

fluchen 188, 2; 266, 27; 267, 33 — 
Strafe d. Fluchers 277, 26 ff. 

Form(en) = axtf/iara d. Mysterien 
165, 8 u. ö.; 173, 20 u. ö.; 175, 
12; 180, 14; 200, 5. 

Freiheit 154, 8. 

Friede 153, 12. 

friedfertig 190, 1. 

Fülle (Vollendung = nlrjocofia) 3, 10. 

22; 6, 26; 11, 21; 40, 32. 33 etc. 

— Kinder d. F. 266, 7 — F. d. 

Alls 11, 18. 
Funken (auch Lichtfunken, a7tiv9ijoe; 

in d. Aeonen) 16, 24; 29, 13; 157. 



Gabriel, Engel d. Aeonen 8, 26 — 
Helfer d. Pist. Soph. 96, 9; 99, 4. 
22. 28; 102, 33. 35; 104, 8; 109, 4 

— Jesus in Gestalt d. Gabr. 8, 25. 
29; 10, 1. 

Galiläa, Jesus mit seinen Jüngern 
auf einem Berge von Gal. 273, 33. 

Gattung {yivos) 143, 21. 

Gebot, das erste (im Lichtschatz) 
1, 5 u. ö.; 2, 34; 10, 25; 13, 2 
(= Verkündiger); 18, 7; 32, 25; 
145, 23; 247, 27 — in sieben My- 
sterien zerteilt u. aus den Vater- 
losen hervorgegangen 160, 24f.; 
150, 24. 

Gedanke (*•%««) 42, 21. 24 ; 44, 28; 

45, 3 etc. 
Geheimzeichen (oifißola) 166, 18; 

171, 16. 38; 177, 3 u. ö.; 180, 9. 

12; 203, 23. 
Gehorsam 153, 35. 
Geiergesicht s. u. Laraöch. 
Geist htveBpa) 43,31; 44,27 ; 61,21 

— Heilig. G. in Gestalt d. Taube 
273, 4 — Taufe d. heilig. G. 276, 
16 — Geist Jesu 37, 36; 61, 21; 
64, 28 etc. — G. in d. Jüngern 
42, 15; 51, 22. 35; 53, 6; 59, 29 etc. 

Geldgier 157, 3. 

Gepaarter (uv&yoi d. Pist. Soph.) 
30, 38; 33, 2; 35, 38 ; 46, 19; 51, 
14; 64, 1; 68, 9; 157, 7 (die Ge- 
paarten). 

Gerechtigkeit (Sixaiootivrfi — Aeonen 
d. Gerecht. 192, 13— Ort d. Gerecht, 
s. u. dreizehnter Aeon. 



Gerichte Namen- und 



Sachregister Helfer 297 



Gerichte (xpiosis d. Archonten) 147, 
83.39; 162,31; 153, 2 etc. — Ge- 
walten, Kräfte, Paralemptai d. Ger. 
277, 7 f. — Strafen (mUous) d. 
Ger. 186, 26; 191, 34; 230, 27 etc. 

— Tag d. Ger. 282, 30. 

Geringschätzung d. Menschen 153,35. 

Gesandter — Ges. d. Unaussprech- 
lichen 13, 4 — Ges. d. ersten Ge- 
botes 235, 14; 243, 16, s. u Jeü — 
Ges. aller Lichter 267, 2, s. o. 
Melchisedek. 

Geschenk (d. Mysterien) 175, 5. 32; 

190, 39; 221, 7; 223, 8 etc. 
Geschlechtsverkehr 153, 27; 270, 10 

— ihre Ausübung bei d. Archonten 
d. Ad. 263. 8. 21 — Mysterien d. 
Geschl. 263, 20. 34. 

Geschöpf 8. u. Welt. 

Geschwätzigkeit 187, 13. 

Gestirne (ywrifc«) 2, 6; 16, 25; 29, 

14; 156, 15; 157, 11; 258, 1. 
Gesundheit 204,- 1. 23. 
Gewalten (egovoiat in d. Aeonen) 2, 8 ; 

14, 25; 16, 23; 28, 39 etc. 
Gewand s. u. Kleid. 
Gewässer 155, 6. 9. 
Gezeugten (yetv^rot) 2, 6. 
Giftmischer 235, 31. 
Glas 155, t 

Gleichnis {Ttaoaßolfi 6, 21; 19, 26; 

66, 21 etc. 
Glied(er) 114, 34; 118, 5 — Glied, d. 

Unausspr. s. u. Unaussprechlicher. 
Gold 154, 34. 

Gott, der unnahbare (aus ihm d. 

Lichtschatz emaniert) 176, 34 — 

s. auch n. Vater Jesu. 
Gott, der unsichtbare (im 13. Aeon), 

auch „d. große unsichtbare Gott" 

oder „d. große Unsichtbare" resp. 

.der große Urvater" genannt 1, 26; 

13, 20; 16, 33; 137, 9; 157, 21; 

167, 22 ; 264, 7 ; 273, 10 (die Barbelo 

seine große Kraft); 277, 15 — seine 

24 Emanationen s. u. Emanationen 

resp. Unsichtbare. 
Götter (in d. Aeonen) 16, 23; 56, 15; 

72, 6. 17; 148, 31. 35 etc. 
Gottesfurcht 157, 10. 
Gottlosigkeit 157, 9; 189, 1. 
Grenze, letzte (= letztes Mysterium 

von innen) 12, 12. 16. 
Gutbefinden 154, 5. 

Habsucht (Habgier) 157, 1; 187, 19. 
Hagel 156, 5 — H. d. äußeren 
Finsternis 189, 6. 25; 236, 27. 



Haß 156, 37. 

Hauch d. Mundes (d. Archonten) 25, 
2; 26, 10; 246, 13. 36 (Menschen- 
seelen daraus). 

Hefe (Bodensatz d. Materie) 26, 15. 
31 ; 27 33; 28, 7. 15 - Die Jünger 
sind H. der Materie d. Schatzes, 
der Rechten, der Mitte, der Un- 
sichtbaren 181, 26 f.; 184, 7 — H. 
d. Gereinigten d. Lichtes 246, 21 
u. ö. — materielle H. (daraus 
Menschenseelen) 25, 23: 182 22- 
183, 3. ' 

Heiliger aller Heiligen 277 12 — 
sein Ort 276, 26 — Sohn d. H 
(= Jesus) 285, 28. 

Heilung von Krankheiten 204, 17. 
24; 205, 31 - Myster. d. Kranken- 
heilnng 205, 21. 

Heimarmene (= zweite Sphära) 13 
30; 15, 27 n. ö. ; 18, 1. 16; 19, 5 etc. 

— ihre Achtfigur 21, 25. 28; 22, 
20; 27, 21. 27 — ihre Aeonen 211, 
39; 212, 13 — ihre Apologie 212, 2 

— ihre Siegel 212, 2 — ihre Ar- 
chonten 16, 33; 241, 14 — ihre 
Axe 241, 14 — ihre Bahn (Lauf) 

21, 29f. ; 22, 13. 32; 27, 17 u. ö. 
28, 4 — ihre Dreiecke 21, 25. 28; 

22, 20; 27, 19. 26; 80, 1. 3 — ihre 

Einflüsse (änoreXiofiara) 18, 4 U. ö • 
19, 21. 23; 21, 36; 22, 27; 27, 25 

— ihre Elemente s. u. Elemente — 
ihre Hänser 15, 29; 16, 4 — ihre 
Ordnungen 16,3 — ihre Stellung 
22, 6 27; 26. 17 — ihre Tore 15, 
26. 28 — ihre Vierecke 21, 25. 28- 
22, 14. 19; 27, 20; 29, 39. 

Heimarmene, große — ihre Archonten 
207,11; 209, 34; 251. 20; 252, 8; 
265. 2. i4 — ihre fünf großen Ar- 
chonten (die fünf Planeten) 246, 
17. 23- 247, 11; 263, 37 (herrschen 
über 360 Archonten) — ihre Li- 
turgen (366 an Zahl) 251, 23 n. ö. 

Hekate (mit drei Gesichtern), dritte 
Ordnung des Weges d. Mitte 269, 
12 f. — unter ihr 27 Dämonen, die 
die Menschen zu falschen Schwuren, 
Lügen etc. verleiten u die Seelen 
foltern 269, 14 f. — ihr böses Feuer 
269, 21 — ihr dunkler Kauch 269 
20 — ihre Strafen 269, 24. 

Helfer, d. letzte (im Lichtschatzl 10 
19. 29; 143, 16; 146, 35; 147 1 
n. ö.;149, 12; 168, 5; 177, 39; 247, 
16 — d. kleine Helfer 147, 8. 



298 Helfer Pistis 



Sophia Jaldabaoth 



Helfer, die fünfzehn (Diener d. sieben 

Lichtjungfrauen) 144, 4. 
Helfer, die fünf (im Lichtschatz) 

I 23; 2, 28; 10, 28; 148, 22 ff. 
(ihre unendliche Entfernung von- 
einander); 160, 17 (sind aus den 
Vaterlosen hervorgegangen). 

Henoch, der Verfasser der beiden 
Bücher Jeu, mit dem Jesus im 
Paradiese geredet hat 179, 33; 
258, 15. 

Hermes, der dritte von den fünf 
großen Ärchonten (Planeten) d. 
Sphära 264, 3. 13. 28 — sein un- 
vergänglicher Name: Tarpetanüph 
264, 34. 

Herren (i. d. Aeonen) 2, 8; 16, 23; 
28, 38 ; 56, 16; 156, 32; 180, 31; 
181, 6. 

Heuchelei (Verstellung) 197, 3. 19; 

199, 4 etc. 
heucheln 193, 17; 194, 31; 195, 7. 

21; 199, 8. 12; 200, 16. 
Heulen (n. Zähneklappern in d. 

äußeren Finsternis) 189, 2; 198, 6; 

232, 36; 283, 10. 
Himmel 4, 11 n. ö\; 5, 27; 13, 31; 

17, 18 etc. — ihre Aeonen 4, 25 

— ihre Kräfte 4, 23. 31 —..ihre 
Ordnungen 4, 26 — ihre Örter 
4, 25 — ihre Sterne 156, 14. 

Himmelreich 18, 33; 20, 12; 191, 10; 
194, 22 — Mysterium d. H. 274, 

II — Schlüssel (d. Mysterien) d. 
H. 256, 2. 7 ; 272, 15. 

Hinterlist 197, 3. 18: 199, 4 u. b". 
Hitze 155, 30. 

Hochmut 153, 28; 187, 7; 281, 8 — 
die Strafe eines Hochmütigen 281, 
11 ff. 

Höhe, die (s. auch u. Himmel) 6, 22 ; 
81, 31 ; 32, 38 etc. — ihre Ärchonten 
8, 9: 64, 3 — Engel d. H. 235, 11 

— Erbe d. fl. 23, 28 — Erkenntnis 
d. H. 135, 32 — Feuer d. H. 156, 9 

— Herrlichkeiten d. H. 260, 20 — 
Höhe d. Höhen 33, 4; 73, 22; 260, 
23 — Kräfte d. H. 4, 36 — Licht 
d. H. 31, 24: 43, 37; 58, 33; 68, 
36 etc. — Mysterien d. H. 90, 19 ; 
91, 26; 92, 4; 95, 13; 133, 11 — 
Ort d. H. (== 13. Aeon) 30, 29 ; 
31, 27; 49, 35; 55. 8; 81, 22; 94, 
21 ; 146, 18 — Bäume d. H. 95, 
28 — Tor d. H. 125, 2 — Un- 
sichtbare d. H. 121, 2 u. ö., s. u. 
Unsichtbare. 



Hundsgesicht (Archon in d. Amente) 

— sein Feuer (Feuerströme) 186, 
29; 187, 2 u. ö. — seine Gerichte 
186, 32 — seine Pech- u. Fener- 
kleider 187, 24 — s. u. Archaröch. 

Hungersnot 155, 38. 
Hurerei (Unzucht) 153, 24; 270, 9; 
276, 20. 

Hymnus 212, 25; 213, 4. 35; 214, 28 

— H. d. Lichtes 163, 14. 

Innere, der I. d. Inneren 4, 37: 7, 
26. 27; 11, 6. 27; 14, 35; 15, 1. 
23; 16, 6; 29, 10. 26; 56, 12; 73, 
9; 139, 22; 260, 20. 

Irrlehren 189, 11; 205, 10; 235, 27; 
257, 20; 268, 9. 

Irrlehrer 189, 14; 235, 28. 

Isaak, empfängt m den Aeonen nach 
Vergebung der Sünden die My- 
sterien d. Lichtes u. wird an d. 
Ort d. Jabraoth versetzt 259, 35 f. 

Israel, die ganze Welt Isr. 286, 8. 

Jabraoth, Binder d. Adaoias, herrscht 
Uber 6 Aeonen u. glaubt an die 
Mysterien d. Lichtes 263, 15 f., des- 
halb von Jeü in eine gereinigte 
Luft zwischen den Ortern der Mitte 
u. d. unsichtbaren Gottes (d. 13. 
Aeons) versetzt 263, 22 f. — Är- 
chonten (d. 6 Aeonen) 96, 17; 259, 
39. 

Jachthanabas, die fünfte Ordnung d. 
Weges d. Mitte 270, 36 f., d. Un- 
barmherzige 191, 37 — seine Dä- 
monen verleiten die Menschen uur 
Beugung des Rechtes 270, 39 f. — 
sein böses Feuer u. Gericht 191, 
38 f. ; 271, 14 — sein dunkler Bauch 
271, 14. 

Jahr d. Lichtes 177, 34 — ein J. d. 

L. = 365000 Jahre d. Welt 177, 37. 
jähzornig 267, 32; 285, 20. 
Jakob, von Jesus an den Ort d. 

Jabraoth versetzt 269, 36 — spielt 

bei lasciven Gnostikern eine Bolle 

283, 1. 

Jaknbus (Apostel) 69, 28; 72, 1. 2; 
104, 29; 128, 6. 25; 261, 15. 

Jaldabaoth, Archon im Chaos mit 
Lüweugesicht 33, 20; 188, 10; 278, 
30; 279, 32; 280, 25; 281, 19; 282, 
11 — seine 49 Dämonen 188, 23; 
278, 31; 279, 33 ; 280, 25; 281, 20; 
282, 11. 25 — seine Feuerströme 
188, 13 n. ö. — seine Litnrgen 
188, 19 — seine Paralemptai 279, 



Jaluham Namen- und 



Sachregister Kleid 299 



26; 282, 5. 24 — seine Pech- u. 
Schwefel raeere 188, 26. 30. 

•Jaluham , Paralemptes d. Sabaoth 
Adamas, reicht den Seelen den 
Becher d. Vergessenheit 278, 9 f.; 
279, 9; 281, 1. 32; 284, 9. 

Jaö, der große, der Gute, d. von d. 
Mitte = d. große Anführer, von 
d. Archonteu d. Aeonen „der große 
Jaö" genannt 143, 30; 271, 24 — 
seine 12 Diener, von denen die 
12 Jünger Gestalt u. Kraft emp- 
fangen haben 10, 9; 143,34; 157, 
28. 

Jaö, der kleine, der Gute, der von 
d. Mitte — eine Kraft von ihm in 
Johannes dem Täufer 8, 85; 9, 12. 

Jesaias (Prophet! 19, 25. 33; 20, 4. 

Jesus pass. — J. der Barmherzige 
u. Mildherzige 5, 34; 6, 15; 18, 29 

— sein Dienst s. u. Dienst — seine 
Gebote (Befehle) 275,5; 276, 6 — 
sein Geist s. n. Geist — sein Kleid 
(Lichtkleid) 6, 32; 7, 4 u. ö.; 10, 
38; 11, 15 u. ö. etc. — sein ma- 
terieller Körper 9, 34; 20, 9; 86, 
23; 89, 11; 90, 16 n. ö. ; 93, 2; 
95, 6; 273, 8 — seine Mysterien 
72, 9; 135, 10; 232, 29; 242, 7. 9; 
250, 14; 283, 17 - sein Reich 139, 
33; 140, 26. 33; 142, 24. 26; 167, 
36; 168, 17 u. ö.; 170, 31. 36; 178, 
8 u. ö.; 179, 13; 180, 2; 183, 18; 
205, 2 — seine Taufe s. u. Tanfe 

— sein Vater s. u. Vater — J. ver- 
bringt 11 resp. 12 Jahre mit den 
Jüngern nach der Auferstehung 
1, 3. 

Jeü (im Orte der Rechten). Aufseher 
d. Lichtes (s. u. Aufseher), Ge- 
sandter d. ersten Gebotes (s. u. 
Gesandter), der erste Mensch 208, 
36; 235, 13; 243, 14. 16. 17; Engel 
d. Lichtes 67, 8. 11; 69, 20; der 
Vater von Jesu Vater (d. i. von 
Sabaoth dem Guten 143, 13) 2'i3, 
12. 23; 266, 13. 38 — Fürsorger 
aller Archonten, Götter u. Kräfte 
266, 38 — J. hat die Stellung der 
Aeonen, Heimarmene u. Sphitra 
festgesetzt 18, 9; 22, 6; 24, 24. 27 

— J. wird beim Aufstieg des Alls 
König im ersten Erlöser d. ersten 
Stimme d. Lichtschatzes 142, 28 f. 

— J. ist aus dem gereinigten 
Lichte d. ersten Baumes hervor- 
gegangen 143, 3f. — Bein Amt 
besteht in d. Einsammlung d. 



Lichtes ans den Aeonen d. Ar- 
chonten 143, 19; 267, 6 f. — J. hat 
je einen Engel für jede d. 12 Kam- 
mern als Wächter d. Drachens ein- 
gesetzt 235, 11 f.; 243, 13 — J. 
prüft die Seelen 243, 17. 30 — 
J. hat die Archonten d. Adamas 
in die Heimarmene -Sphära ge- 
bunden 263, 12. 31 f.; 266, 13 f. 
und hat den Jabraoth aus der 
Sphära in eine gereinigte Luft 
geführt 263, 23 f. - J. blickt auf 
die Wohnörter der Ariüth 269, 5- 
— seine Paralemptai 243, 24. 

Johannes (Apostel) 47, 33; 48, 1. 4: 
94, 2 u. ö.; 149, 31: 160, 4 n. ö.; 
192, 31; 193,27; 194,14.31; 196, 
35; 197, 14; 198, 25 u. ö.; 199, 19; 
283, 15 ; 284, 32 — Joh. ™ g &b>oi 
49, 21 ; 169, 2 (im Reiche Jesu), 
Geliebter od. geliebter Bruder 95. 
37; 150, 5. 

Johannes, d. Täufer 8, 33; 9, 3 u. ö.: 
Jes. empfängt von ihm die Taufe 
91, 16; 92, 18 tt ö.; 257, 3. 11; 
Elias im Leibe d. Joh. 259, 31. 

Joseph (Vater Jesu) 89, 23 u. ö. 

Jota 261, 26. 

Jünger Jesu pass. 

Jüngerinnen 261, 19. 

Kalapatauroth, Archou über d. Sieben- 
gestirn, umgibt alle Archonten u. 
Heimarmenen u. ist Wächter über 
die Bücher Jeü 258, 19 f. 

Kälte (in d. äußeren Finsternis) 188, 
34; 189, 6. 25; 198, 8; 233. 33; 236, 
26. 30 — Ort d. Kälte 279, 30; 
282, 9. 

Kammern, zwölf in der äußere» 
Finsternis 188, 35 ; 233, 26 u. ö.; 
236, 3; 238, 26. 27; 243, 5 — Ar- 
chonten jeder Kammer s. bei d. 
einzelnen Namen — Tore d. Kam- 
mern 235, 9 u. ö.; 236, 11; 243, 
7 — Mysterien d. 12 Namen 242, 
20 u. 6. 

Katzengesicht am Vorderteil d. Mond- 
schiffes 262, 34, 8. auch u. Cha- 
rachar. 

Kind — Kinder d. Lichtes 91, 32; 
266, 10. 

Kind d. Kindes (= Zwillingserlöser 
im Lichtschatze) 142, 14; 168, 9. 

Kleid (Gewand) pass. — leinene 
Kleider (Gewänder) 261, 24; 274, 
24 — Lichtkleid 211, 17, 8. auch 
u. Jesus. 



300 Knabe Piatis 



Sophia Lichtland 



Knabe, Figur am Hinterteil d. Mond- 
schiffes 262, 31. 

Knechtschaft 154, 9. 

Körper (d. Menschen) pass. — ma- 
terieller K. 9, 34; 46, 14; 50, 7 — 
K. d. Tierwelt 262, 22 f. 

Kraft (Kräfte) pass. — s. auch bei 
d. einzelnen Aeonen. 

Krankenheihrag — Mysterium d. 
Kr. 204, 17. 24; 205, 21. 

Kräuter 155, 4. 

Krebs, vierter Aeon d. Sphära 268, 36. 
Kreis (Kreiaumlauf) — Kreise d. 

Archonten 24, 39; 25, 27; 26, 8. 

37; 28, 3 — Kr. d. Seelen 209, 10; 

215, 30; 216, 16; 231, 14 u. ö.; 

232, 11 ; 235, 36. 39 — s. auch n. 

Verwandlungen, 
kreisen 191, 23; 208, 1. 
Krokodilsgesicht s. u. Enchthonin. 
Kronos, d. erste von d. fünf großen 

Archonten (Planeten) d. Sphära 

264, 2. 8 ; 284, 2; 285, 4. 16 — 

sein unvergänglicher Name: Ori- 

mfith 264, 33. 
Kupfer 154, 36. 

Lachen 153, 31. 

Lamchamör, Archon d. 6ten Kammer 
d. äuli. Finsternis mit Bergschwein- 
gesicht 234, 16. 

Laraöch, Archon d. 8ten Kammer 
d. äuli. Finsternis mit Geiergesicht 
234, 22 f. 

Lästerer 235, 27 — seine Strafe 

282, lf. 
Lästerung 189, 8. 

Leben 114, 38; 154, 11 — Baum d. 

L. 179, 35; 258, 17 — Tor d. L. 

157, 37; 212, 37 (im Orte d. 

Rechten). 
Lebendigmachung (d. Seelen) 153, 22. 
Lebensweise {noknein) 174, 31; 198, 

13. 

Leib s. u. Körper. 

Leidenschaft ferfÄ?) 207, 18; 215, 4; 
248, 37. 

Leuchten s. u. Gestirne. 

Licht pass. — beständiges, unbe- 
schreibliches L. 276, 29 — ewiges 
L. 284, 24 — gereinigtes (reines) 
L. 113, 20; 114 33; 115, 7; 118, 
4 etc. — unendliches L. (= Vater 
aller Vaterschaft) 261, 10; 274, 27; 
276, 6 - wahres L. 34, 20 ; 62, 12 — 
L. d. Lichter 3, 31 • 33, 4. 31 ; 36, 
6 etc. — Aufseher d. L. s. u. Jeü 
— Einsammlung d. L. 143, 19 — 



Emanationen d. L. s. u. Lichtschatz 

— Erbteile d. L. s. u. Erbteile — 
Gebete d. L. 153, 15 — Geist d. 
L. (Liuhtgeist) 50, 18; 91, 25: 119, 
20 — Hymnus d. L. 122, 8. 26; 
153, 14 — Jahr d. L. s. u. Jahr — 
Kinder d. L. s. u. Kind — My- 
sterium d. L. s. n. Mysterium — 
Namen u. Anrufungen d. L. 273, 
29 — Ordnungen d. L. 210, 18; 
239, 6 ; 240, 2. 30 ; 266, 13.20 — 
Paralemptor d. L. s. u. Melchisedek 

— Paralemptores d. L. 142, 30- 

211, 38; 212, 12 u. ö. — Siegel 
d. L. 153, 9; 256, 12. 19 — Tag 
d. L. (= 1000 Jahre d. Welt) 177, 
35 — Tore d. L. 37, 8; 231, 33; 
232, 17 u. ö.; 233, 6 ; 259, 17 — 
Verstand d. L. 136, 29. 

Licht, das große 1, 23: 2, 31; 10, 27 

— Vorhang d. gr. L. 142, 29. 
Lichtabfluß (änöftoia) 87, 35; 96, 8 

0. ö.; 97, 21 u. ö.; 98, 24. 34 etc. 

— Licht d. L. 105, 36; 106, 17; 
107, 29. 

Lichtbewohner 37, 35; 52, 19; 110, 
32; 146, 5. 

Lichteinschnitte s. u. Einschnitte. 

Lichtflugel 210, 17; 211, 17. 

Lichtfunke s. u. Funke. 

Lichtgeist s. u. Licht. 

Licht jungf ran, die „Richtenn" der 
Seelen im Orte d. Mitte 9, 8; 86, 
20 (Maria hat Ähnlichkeit von d. L. 
empfangen); 143, 29. 34; 174, 26 
u. ö.; 175, 26; 192, 8; 202, 1 n. ö.; 
208, 4 etc. — Taufe d. L. 212, 29 

— Lichtkraft d. L. 208, 39 — 
Paralemptai d. L. 9, 9; 202, 13; 
209, 6 ; 215, 27; 216, 12; 278, 3; 
279, 4 ; 281, 27; 284, 4 — ihre 
Siegel 212, 25. 29 — ihre Vorhänge 
285, 8. 

Lichtjungfrauen, die sieben 157,27; 

212, 26. 33; 239, 1 (sind über die 
Taufe gesetzt). 36 ; 243, 35 — ihre 
15 Helfer s. u. Helfer — ihre Salbe 
s. u. Salbe — ihre Siegel 212, 29. 
34 — ihre Taufen 212, 29; 239, 
2. 38; 243, 36 — ihre Zeichen 
212 28 

Lichtkraft 3, 28; 25, 19; 46, 15; 57, 
4 etc. 

Lichtkranz 85, 18 u. ö.; 103, 25. 29. 

Lichtland (= Lichtachatz) 138, 32; 
139, 6u. ö.; 140, 2 u. ö.; 152, 31; 
157. 31: 158, 1; 256, 21 — Ema- 
nation d. L. 131, 13. 



Lichtmensch Namen- nnd 



Sachregister Meer 301 



Lichtmensch 213, 25; 233, 11 ; 250, 11. 
Lichtreich 49, 22; 140, 7; 146, 17 etc. 

— ererben d. L. s. n. ererben — 
Erbe d. L. s. n. Erbteile — drei 
Erbteile d. L. 179, 21 u. 8. — 
Könige im L. 178, 11; 183, 31 — 
Mysterien d. L. 76, 28 ; 95, 29; 
159, 24; 182, 2; 186, 25 etc. — 
s. auch n. Lichtschatz. 

Lichtschatz (= Ort d. Emanationen 
139, 36; 140, 3. 17) 1, 24 ; 23, 30; 
25, 6 etc. — Emanationen d. L. 
g. u. Emanationen — Mysterium 
d. L. 266, 4 — (drei) Tore d. L. 
2, 19; 13. 16 — Vater d. L. 262, 
9. 12; 274, 26; 276, 4. 14 — sein 
Name 262, 9. 12 ; 274, 25 — Vor- 
hang d. L. 30, 31; 244, 6; dessen 
Licht 31, 18. 24; 32, 38 — (neun) 
Wächter d. L. 2, 18; 13, 15; 142, 
16 u. ö.; 144, 23; 158, 7; 168 8 

— s. auch u. „Schatz" u. „Licnt- 
land". 

Lichtsterne (die beiden L. = Zeus 
u. Aphrodite) 285, 10. 

Lichtstrahlen (Strahlen) 4, 5; 5, 16 
u. b\; 240, 15. 21; 245, 9. 

Lichtwahrnehmung s. u. Wahrneh- 
mung. 

Liebe 166, 37. 

Linke, die 268, 8; 269, 2. 35; 270, 
26; 271, 23 — ihre Kräfte 262, 
25; 273, 31 — ihre Orter 95, 4. 23 

— ihre Archonten 212, 19 — ihre 
Apologien u. Siegel 212, 20. 

Linsengericht 282, 35. 

Litnrgen 56, 18; 156, 28; 207, 6 — 
8. auch bei den einzelnen Aeonen. 

Löwe, fünfter Aeon d. Sphära 271, 21. 

Löwengesicht — Kraft mit Löwen- 
gesicht, von Anthades zur Ver- 
folgung d. Pist. Sophia emaniert 
32, 10 u. ö.; 33, 12 u. ö.; 34, 22; 
35, 21 etc. — Emanationen von 
ihr 74, 36; 77, 1. 

Löwengesicht s. u. Jaldabaoth. 

Luchar, Archon d. 7. Kammer d. 
äuß. Finsternis mit Bärengesicht 
234, 18 f. 

Luft 46, 17; 79. 10; 155, 31; 257, 
36; 263, 2 — Hauch d. L. 252, 18 

— gereinigte Luft 263, 26. 
luftig 262, 37; 266, 17. 
lügen 269, 16. 

Marchür, Archon in d. 5. Kammer 
d. äuß. Finsternis mit schwarzem 
Stiergesicht 234, 11 f. 



Maria Magdalena resp. Maria 18, 25. 
32 (ihr Verstand ist mehr als alle 
Jünger auf d. Himmelreich ge- 
richtet); 20, 16 (selig vor allen 
Weibern); 21, 13; 23, 39f. (die 
Schöne in ihrer Rede u. die Selige 
vgl. 24, 15); 31, 5; 37, 34 ; 40, 
31 f. (die Selige, die Fülle, die in 
allen Geschlechtern selig gepriesen 
wird); 52, 17 f.; 57, lf • 66, 20f.; 
72, 12; 88, 4; 89, 2 (die Selige, 
die das ganze Lichtreich ererben 
wird); 91, 7; 92, 10 (Erbin d. 
Lichtreiches); 119, 14 f.; 121, 12; 
135, 17 f.; 136, 5. 15; 139, 14. 28; 
140, 9; 146, 4 f. 28 (die Pneuma- 
tische u. Reine); 148, 13; 149, 9t ; 
158, 26; 169, 2 (höherer Raug im 
Himmelreich). 26. 35; 172, 29; 177, 
32; 191, 4; 201, 2. 9; 202, 18; 203, 
25.32; 206, 2 ; 213, 20 ff.; 216,20 
(die Allselige u. Pneumatische). 22 ; 
217, 4; 219, 11 f.; 220, 15 (die 
Pneumatische u. Lichtreine vgl. 
221, 35; 225, 5 ; 226, 26; 228,34; 
242, 15 ; 244, 33 ; 249, 31; 250, 22). 
18; 221, 12; 222, 1. 23; 223, 6. 29; 
224, 17; 226, 8 ; 226, 18. 37 ; 228, 
15. 36; 229, 35 ; 230, 12. 33 ; 231, 
11; 233, 10. 18 ; 235, 19 ; 236, 18. 
33; 237, 16. 26; 240, 11; 241, 1; 
244, 16. 35 ; 245, 14. 23 ; 249, 26. 
36; 255, 28; 257, 19; 258, 28; 259, 
8. 21 ; 260, 15. 25 ; 265, 6 ; 266, 31 ; 
278, 17; 279, 17; 280, 11; 284, 25. 

Maria (Mutter Jesu) 9, 33; 86, 18. 
27; 87, 3f. (wird selig gepriesen 
wegen der Einkehr Jesu); 89, 4. 
14 f.; 91, 5: 92, 2. 12; 93, 5. 

Martha 44, 31. 36 ; 45, 1 u. ö.; 82, 
18. 34, 120, 13 u. ö.; 130, 3 u. ö. 

Maskelli s. u. Zarazaz. 

Materie (ifXij) pass. 

materiell (iktxös) pass. — mat. Aeonen 
47, 7. 9 — mat. Emanationen 
(Kräfte) s. u. Emauat. d. Authades 
— mat. Finsternis 114, 31 — mat. 
Hefe s. u. Hefe — mat. Körper 
46, 14 ; 50, 7 ; mat. Körper Jesu s. 
u. Jesus — mat. Menschenge- 
schlecht 182, 11 — mat. Seele 
28, 25. 

Matthäus (ist einer der Schreiber d. 
Reden Jesu 52, 5 u. ö.) 64, 28; 66 
10; 115, 12 u. ö.; 118, 30. 

Meer 155, 8; 262, 35 — Tiere darin 
155, 10. 



302 



Melchisedek Pistis Sophia Mysterium 



Melchisedek (im Orte d. Eechten) 
mit Beinamen „Zorokothora" 261, 
13; 267, 2 u. ö.; 269 36 — d. 
große Paralcmptor d. Lichtes 24, 
29; 25, 4; 26, 3. 13; 78, 1; 142. 
37; 157, 32 - Melch. u. Jeu, die 
beiden großen Lichter 267, 5 — 
d. Lichtreiniger 25, 22; d. Ge- 
sandte aller Lichter 267, 2, bringt 
das Gereinigte des Lichtes d. Ar- 
chonten zum Lichtschatz 24, 29 f.; 
26, 3 f.; 246, 33 ; 267, 8 — seine 
Paralemptai 25, 21; 213, 9; 239, 
14. 18; 240, 33 — seine Zahl 24, 
29; 26, 2; 267, 10. 

Mensch, der vollkommene 93, 15. 

Menschen, die pass. 

menschenfreundlich 189, 34. 

Menschengeschlecht 7, 23; 19, 6; 47, 
18. 19; 90, 10 u. ü. etc. 

Menschenkinder 271, 38. 

Menschenwelt (Welt d. Menschheit) 
8, 31; 9, 32; 25, 30; 26 33 etc. 

Menschheit 72, 16; 155, 29; 194, 17; 
232, 8 — Erde d. M. 17, 5; 131, 
17 — Ort d. M. 236, 35. 39 — 
Seelen d. M. 145, 14. 

Menstrualblut (verzehren beim Abend- 
mahl) 282, 35. 

Michael (in d. Aeonen) 96, 9 u. ö.; 
99, 4 u. ö.; 102, 33. 35; 104, 8; 
109, 5. 

Mischung (x£(>«<///d h - = Welt d. Ver- 
derbens) 10, 19 n. 0.; 56, 25; 
158, 13; 167, 30; 181, 17; 247, 16 

— Auflösung d. M. 56, 25; 57, 3 

— Ort d. M. 206, 35. 
Missetaten (ävo/tia*) 190, 25; 191, 2; 

192, 33 etc. 
Mitte (die von d. M. resp. Ort d. M.) 
13, 19; 138, 26. 28; 144, 25. 36 ; 
157, 24; 167, 25; 180, 33; 184, 4; 
239, 20; 263, 28; 267, 18 — ihre 
Diener s. u. Diener — ihre Engel 
144, 7; 157, 29 — ihre Siegel 144, 
39; 265, 37 — ihr Mysterium d. 
Taufe 265, 34 — ihr Tor 267, 19 

— ihre Zahlen 265, 37 — ihre 
Paralemptai 157, 26 — s. auch u. 
Jaö u. Lichtjungfrau. 

Mitte (= d. Weg d. Mitte unterhalb 
d. Sphära) 191, 30; 263, 1; 277, 
29; 278, 87; 279, 37; 280, 28 ; 281, 
23; 283, 32 — Archonten d. Weg. 
d. M. s. u. Archonten — Ordnungen I 
d. Weg. d. M. s. u. Paraplex, | 
Ariuth, Hekate, Parhedrön Typhöu, 1 
Jachthanabas — luftiger Ort262, 37. 



Mond — Mondscheibe 262 ( 23 — 
Archon(ten) d. Mondscheibe 247, 
12; 248, 27 — Gestalt eines Schiffes, 
von einem männl. o. weibl. Drachen 
gesteuert u. von 2 weißen Stieren 
gezogen 262, 28 f. — Paralemptores 
d. M. 25, 15. 

Mörder 227, 6; 235, 31; 279, 19. 22 f. 
(seine Strafe). 

Moses 52, 29 — Gesetz d. M. 250, 
2 u. ö. 

Munichunaphor s. u. Ares. 
Murren 153, 37. 

Mysterien, die 24, befindlich im 

2. Baume d. ersten Myst. 1, 9; 

3, 33; 6, 34; 7, 17; 150, 38; 151, 
14 — s. im folgenden. 

Mysterium, das erste pass. — es 
existiert von Anfang (im Unaus- 
sprechlichen) 7, 9; 12, 8; 87, 17 — 
um seinetwillen d. All entstanden 
7, 10; 12, 1; 177, 25; 231, 38 — 
der gesamte Ausgang u. Aufgang 
12, 2, Herr über d. All 227, 11. 23 
— sein Mysterium (Mysterien) s. 
u. Mysterium — seine Vollendung 
14, 9; 87, 17; 232, 20; 259, 1. 

Mysterium, das erste, das hinein- 
blickt (= Vater Jesu) 94. 21 ; 95, 
9; 96, 10; 101, 2; 102, 32; 103, 37. 

Mysterium, das erste, das herans- 
blickt (= Jesus) 94, 26; 95, 27. 36; 
96, 1 ; 97, 28 etc. 

Mysterium, das erste (von außen u. 
unten gerechnet) 1, 6 f.; 150, 31 ;• 
160, 33 = 24. Myst. (von innen 
gerechnet) 1, 15; 3, 32; 6, 33; 
7, 16; 150, 31; 160, 33 = letztes 
Myst. (von innen gerechnet) 1, 14; 
3, 32; 6, 33; 7, 15 etc. — befindet 
sich innerhalb d. Vorhanges d. 
1. Gebotes 1, 7 — Jesus aus ihm 
herausgegangen beim Abstieg zur 
Welt 1, 13; 3, 6 — umgibt das 
1. Gebot, die 5 Abschnitte, das 
große Licht, die fünf Helfer u. d. 
ganzen Lichtschatz 1, 22; 3, 11 — 
Haupt d. 1. Baumes außerhalb 
150, 32. 

Mysterinm (Mysterien) d. Unaus- 
sprechlichen 152, 22 u. ö. etc. — 
seine Formen u. Typen 165, 10; 
166, 35 — einziges Myst d. 
Unausspr. 164, 38; 172, 23. 36. 
37; 176, 13 = 3 Mysterien von 
verschiedenem Typus 172, 39; 178, 
14; 176, 5 u. ö.; 178, 8 = 5 My- 



Mysterium Namen- und 



Sachregister Pistis Sophia 303 



starten 173, 3; 175, 34. 38: 176, 
2. 11; 178, 15. 19. 
MyBterium (Mysterien) d. ersten 
Mysteriums 150. 30; 171, 2. 4; 

178, 25; 198, 17 etc. — zwölf Myst. 
d. 1. Myst. (= absolutes Myst. 
151, 38; 172, 13) 172, 16.35; 173, 
10; 176, 39 — 1. Myst. d. 1. Myst. 
14Ö, 32; 142, 35; 143, 28; 144, 1 ; 
196, 27- 199, 28; 200, 22; 203, 4; 
dessen Formen, Typen, Stellungen 
203, 7. 11 — 2. Myst. d. 1. Myst. 
140, 36; 171, 22; 172, 3 — 3. Myst. 
d. 1. Myst. 141, 2; 171, 23; 172. 7 
— 4. Myst. d. 1. Myst. 141, 7: 
171, 23; 172, 9 — 5. Myst. d. 

I. Myst. 141, 12; 172, 9 — 6. Myat. 
d. 1. Myst. 141, 17; 172, 9 — 

7. Myst. d. 1. Myst. 141, 21 — 

8. Myst. d. 1. Myst. 141, 26 — 

9. Myst. d. 1. Myst. 141, 31 — 
10. Myst. d. 1. Myst. 141, 37 — 

II. Myst. d. 1. Myst. 142, 3 — 
12. Myst d. 1. Myst. 142,8; 171, 
24; 172, 9; 178, 18. 

Mysterium (Mysterien) d. Lichtes 41, 
5 u. ü.; 47, 10 u. ö.; 55, 6. 15; 
56, 11 etc. — höhere Myst. 149, 
19; 170, 28; 175, 2; 178, 28; 179, 
17; 205, 17 ; 229, 13 — niedere 
Myst. 149, 21; 170, 26; 178, 30; 

179, 18. 31 (in d. beiden Büchern 
Jet» vorhanden); 205, 18; 229, 7. 

Machrede, gute 153, 33. 

Nahrungsmittel 206, 14 u. ü. ; 252, 17. 

Name 8. bei d. einzelnen Worten — 
Myst. d. Namens 13, 29. 31; 29, 
4. 19; 30, 26 ; 50, 32 ; 68, 29. 38; 
62, 38; 79, 2. 

Name, der große 272, 18. 24. 

Nativitätssteller 19, 15. 29; 21, 14. 18. 

Norden 155, 24; 261, 18. 

Nordwind 156, 13. 

nüchtern sein (vr,fBtv) 37, 36; 59, 
25. 28; 64, 29; 69, 26. 29; 129, 
38; 130, 4; 155, 17. 26; 158, 17. 

Nüchternheit (Becher d. N.) 284, 16. 
19. 

Ölberg 3, 17; 6, 30; 7, 6; 10, 35; 

125, 36; 126, 2 u. ö.; 127, 14. 
Omega 262, 1. 

Opfer (Ttpoofopd) 274, 15 n. ö. ; 276, 
24. 28 — Taufe d. ersten 0. 276, 9. 

Opferaltar 261, 20. 

Ordnung [rdeie) b. bei d. einzelnen 
Worten. 



Orim.ftth s. u. Kronos. 

Ort (Orter) s. bei d. einzelnen Aeonen. 

Osten 155, 22; 261, 16. 

Ostwind 166, 7. 11. 

Ozean (Jesus am Wasser d. Oz.) 261, 8. 



Päderast 227 7; 235, 29; 282, 19 f. 
(seine Strafe). 

Paradies 179, 35; 258, 15. 

Paralemptai (Paralemptores) s. bei 
d. einzelnen Aeonen. 

Paraplex, d. erste Archon d. Weges 
d. Mitte mit Frauengestalt 266, 
21 f. ; 267, 31 ; 268, 13 — ihre 25 Erz- 
dämonen nebst anderen Dämonen 
verleiten die Menschen zum Zürnen. 
Fluchen u. Verleumden 266, 24 f.: 
267, 31 f. — ihr böses Feuer 267; 
30. 38 — ihr dunkler Rauch 266, 
30; 267, 29 — ihre Strafen 266, 
30; 267, 37; 268, 15. 17. 

Parhedrön Typhön s. Typhön. 

Patriarchen 260, 6 (werden von Jesus 
in gerechte Leiber gesenkt, um d. 
Lichtreich zu ererben). 

Paulus 214, 30 (als Bruder bezeichnet) . 

Pechmeere, siedende 282, 27. 

peitschen (d. Seelen im Chaos) 279, 
34. 

Peitschen, feurige 278, 33. 

Persephone (im Chaos) 279, 36 — 
ihre Strafen 279, 36. 

Petrus 42, 10. 21; 74, 5; 97, 32; 
119, 17 (haßt d. weibliche Ge- 
schlecht); 227, 28 u. ö.; 228, 2 u. ö. 
(er ist barmherzig u. vergebend); 
280, 9. 14. 

Pfand d. 1. Myst. (= Jesus in Maria) 
87, 7 u. ö. 

Pferdegesicht s. n. Dämon. 

Philippus (ist einer der Schreiber d. 
Reden Jesu) 22, 34; 23, 6; 51, 
26f , 52, 5f.; 53,9; 54,25f.; 133, 
16; 261, 17. 

Pistis Sophia (Tochter d. Barbelo 
264, 14), früherer Wohnort d. 
13. Aeon s. n. 13. Aeou — ihr 
Gepaarter s. u. Gepaarter — ihr 
Hymnus (Lobpreis) 37, 30; 49, 36; 
111, 1. 4 etc. — ihre Kraft (Licht- 
kraft) 32, 32; 33, 16, 24 etc. — 
ihre Reuen: erste R. 33, 31 f.; 
zweite R. 41 1 f.; dritte R. 44, 7 f. ; 
vierte R. 45, 35 f.; fünfte R. 49, 
34 f.; sechste R. 54, 35 f.; siebente 
R. 57, 32 f.; achte R. 62, 33 f.; 
neunte R. 66, 34 f.: zehnte R. 73, 



304 pneumatisch Pistis Sophia Salome 



25 f.; elfte B. 76, lf.; zwölfte B. 

77, 11 f.; dreizehnte K. 81, 28 f. 
pneumatisch 43,31: 61,22: 146 28- 

216, 20; 220,15 ; 221, 35; 225, sj 

226, 26; 228, 34; 244, 33! 
Prahlerei 153, 29; 187, 8. 

npoaxiöffTjToi s. U. ■tpimei/iaToi, 

Prophet 9, 6. 13; 19, 25. 33; 38, 4 etc. 
nfOTgmvBifuxtot 164,25; d. 12. npn- 

xpinvevfiatos im letzten Orte d. 

Vaterlosen 163, 38. 



Kabbi (von Jesus) 6, 11. 
Käserei 188, 25. 

Räuber (Dieb) 280, 14 f. (seine Strafe). 
Räuberei 187, 25. 

Raum (Räume) — drei Räume 185, 
20; ihre Mysterien 220, 23. 30 — 
drei Räume d. 1. Mysteriums 137, 
18: 151, 32; 152, 3. 

1) R. des Unaussprechlichen 
(= 1. Raum d. Unausspr. 178. 33 
= dritter R. (innerhalb) 178, 23; 
185, 32; 197, 24. 30; 209, 22; 229, 
26; 230, 4) 12, 32; 137, 20; 151, 
23. 37; 161, 9: 164, 2. 19; 176, 19. 
36. 39; 178, 23 — besitzt keine 
Antworten, Verteidigungen, Ge- 
heimzeichen, Paralemptores 177,1 f. 

— seine Mysterien 12, 31 ; 176, 18: 
178, 22; 185, 32; 229, 26. 

2) zweiter R. d. Unaussprech- 
lichen (= 1. Raum d. 1. Myst. 
162, 18. 30; 177, 12; 178, 36) 162, 
19. 29; 177, 9; 178, 35: 180, 10; 
194, 24. 28 — hat keine Antworten, 
Verteidigungen, Siegel, sondern 
nur Typen u. Formen 177, 10f.; 
180, 10 f. — seine Mysterien 177, 
8; 178, 35. 

3) zweiter Raum d. 1. Myst. 
(= letzter R. von außen 180, 6 
= erster R. von außen 150, 32; 
192, 38; 193, 9 u. ö.; 194, 20; 210, 
22; 241, 3 = dritter R. außerhalb 

150, 27; 151, 8; 177, 16) 1, 10; 
3, 34; 6, 35; 194, 24. 39; 195, 11; 
197, 24. 29; 209, 21 — hat Ant- 
worten, Verteidigungen, Geheim- 
zeichen, Zahlzeichen, Siegel, For- 
men, Typen, Paralemptai 177, 17 f. ; 
180, 4 f. — seine (drei) Mysterien 

151, 6; 192, 37; 193, 18 n. ö\; 194, 
23 u. ö.; 195, 26. 34; 196, 14. 20 

— das f. Myst. 194, 38; 196, 11; 
das 2. Myst. 193, 8: 195, 10; 196, 
13; das 3. Myst. 196, 15. 



Rechte, die (= Ort derer von d. 
Rechten) 10, 7; 13, 18; 20, 8; 95, 

21 etc. — ihre Siegel 213, 4; 266, 2 
— ihre Taufe 265, 38 — ihre Vor- 
hänge 143, 6; 210, 4; Vorhänge 
zwischen d. Recht, u. d. Link. 
268, 7; 269, 1. 34; 270, 25; 271, 

22 — ihre Wächter 142, 28. 36; 
157, 34 — ihre Zahlen 266, 2. 

Rede, böse 187, 28. 

Regen 155, 37; 156, 10. 

Reich d. Lichtes s. u. Lichtreich — 

R. Jesu s. u. Jesus — R. d. Vaters 

s. u. Vater. 
Reichtum 154, 7; 203, 34; 204, 22. 
Reif 156, 1. 

rein UihxgivTjs) — reines Licht s. u. 
Licht. 

Reinen, die 157, 16; 167, 12. 
Reinheit 153, 25; 154, 1. 
Reptilien 56, 19; 154, 25 — ihre 

Seelen 248, 16; 252, 24. 
Reue (fieiäpoia) pass. s. auch u. Pist. 

Soph. — Rene empfinden {/tBiapoetv) 

pass. 

Richterin s. Lichtjnugfrau. 

Riegel (d. Chaos) 132, 30. 

Böchar, oberster Archon in d. 11. 
Kammer d. äuß. Finst., hat 7 Köpfe 
mit Katzengesicht 234, 33 f. 

Ruhe d. Lichtreiches 152, 35. 



SaBaoth, der große, d. Gute, befind- 
lich im Orte d. Rechten 10, 6; 
20, 7; 94, 17. 24: 142, 31; 157, 
38; 212 36 (am Tor d. Lebens im 
Orte d. Rechten); 268, 10 — seine 
Apologien 213, 1 — Ruhm seiner 
Hymnen 212,39 - seine Siegel 212, 
39 ; 213, 2 — seine Kraft (Lichtkraft) 
in Jesu 10, 5; 20, 7; 91, 20. 29. 
35; 92 19; 93, 1; 94, 24; 96, 10. 
20, daher „Vater Jesu" genannt 
143, 13; 212, 38. 

Sabaoth, der kleine, d. Gute, auch 
-Zeus" auf Erden genannt (268, 2; 
269, 28; 270, 19; 271, 17), befind- 
lich im Orte d. Mitte 95, 1 ; 264, 
20; 269, 27; 270, 18; 271, 16; 283, 
37 — sein Paralemptes bringt d. 
Seele einen Becher mit Weisheit 
u. Nüchternheit 284, 14 f. 

Sabaoth Adamas s. Adamas. 

Salbe, die geistige 144, 39 ; 212,30. 
33; 239, 39; 243, 37; 276, 18. 

Salome 75, 29; 76, 26; 84, 14; 85, 8; 
249, 19 u. ö.; 250, 1. 17 ; 279, 18. 



Salomo Namen- und Sachregister Sündenvergeber 305 



Salomo 84, 17; 86, 29: 97, 34; 98, 

22. 27; 100, 31; 111, 6 (Sohn 
Davids); 115, 23 — seine Oden 
84, 19 ff.; 86, 31 ff ; 97, 36 ff.; 111, 
8 ff.; 115, 24ff. 

Samariterin 273, 16. 

Same 104, 23; 114, 21; 117, 6. 11 
— männlicher Same beim gnost. 
Abendmahl 282, 34 — S. d. Schlech- 
tigkeit 246, 2; 247, 4; 252, 39. 

Sanftmut 153, 29. 

sanftmütig 189, 36. 

Sattheit 157, 6. 

Schatz pass. s. u. Lichtschatz. 

Schlange 101, 25: 255, 18— Schlangen- 
gesicht 102, 12; 104, 14; 109, 17; 
117, 8 — Schlange mit 7 Köpfen 
115, 32; 117, 4. 8. 

Schlechtigkeit 153, 19; 187, 31 — 
Same d. Schi. s. u. Same. 

Schlüssel (= Jesus, der d. Tür d. 
Alls öffnet 242 ; 5) — Schi. d. My- 
sterien (d. Himmelreiches) 256, 
2. 7; 260, 27; 272. 15. 

Schnee 156, 6 — Ort d. Sehn. 279, 
30; 282, 9. 

Schriftart (derer von der Höhe) 11, 
36. 

Schwachheit 154, 2; 203, 34; 204, 22. 

Schweinsgesicht s. u. Dämon. 

Schweiß d. Archonten zur Bereitung 
von Seelen 25, 3; 26, 11; 46, 22; 
246, 12. 

schwören, falsch 269, 16. 

Seelen pass. — Seelen d. Menschen 
gehen aus d. Archonten hervor 
8, 16 ; 9 4 ; 10, 13. 16 (in d. Jüngern 
keine Seel. d. Arch,); 23, 34 — 
alte S. 245, 30; 246, 1; 247, 1 — 
neue S. 246, 11 u. ö. — voll- 
kommene S. 219, 37 — Zahl d. S. 

23, 27; 26, 25 — Zahl (d. Ein- 
sammlung) d. vollk. S. 28, 9. 21; 
56, 24 ; 66, 11; 144, 27 u. ö.; 168, 
12; 177, 23; 231, 32. 36 : 232, 3 u. ö! 

Segen 153, 17. 
Siegel pass. 

siegeln (versiegeln, besiegeln) pass. 
Silber 154, 34. 

Simon, d. Kananiter (Jünger) 261, 15. 
Sintflut 258, 23. 

Skorpion, achter Aeon d. Sphära 269, 
29. 

Sohn — Söhne d. Archonten (Seele 
u. Körper d. Menschen) 250, 8 — 
Söhne d. 1. Myst. 249, 16 — Söhne 
Gottes 93, 12. 

Schmtat: Pistis Sophia. 



Sonne 3, 27; 7, 8; 11, 30; 138, 36; 
245, 2 — Licht d. S. 3, 30; 137, 
2 f.; 139, 6; 140, 18; 192, 7; 208, 
35; 245, 2; 263. 27 .— Paralem- 
ptores d. S. 25, 14. 20 — Sonnen- 
scheibe 218, 26 (ihre Archonten); 
262, 23 f. (sie ist ein großer Drache 
mit Schwanz im Munde u. bis zu 
7 Kräften d. Linken reichend, ge- 
zogen von 4 Kräften in Gestalt 
von weißen Pferden). 

Sophia s. u. Pistis Sophia. 

Sphära (= die 1. Sphilra) pass. — 
Achtfigur d. Sph. s. u. Heimarmene 
— Aeonen d. Sph. 9, 6; 263, 36; 
264, 17; 269, 4; 278, 4; 279, 5; 
281, 28; 285, 11 — Archonten d. 
Sph. s. u. Archonten — Bahnen 
d. Sph. 21, 34; 22, 13 u. ö.; 23, 
19 u. ö ; 27, 16 TL ö.; 285, 11 — 
Dreiecke, Vierecke s. n. Heimar- 
mene — Einflüsse s. u. Heimar- 
mene — Häuser (Wohnungen) d. 
Sph. 2, 10; 15, 9 — Litnrgen 
(Diener) d. Sph. 25, 10; 252, 10; 
278, 5; 279, 6; 280, 36 ; 281, 29; 
284, 6 — Stellungen d. Sph. 22, 
23. 27; 25, 29 — Tor(e) d. Sph. 
15, 6. 8. 

Sphära (die zweite) s. u. Heimarmene. 
Sputer, beschleunigt die Kreise der 

Aeonen-Bahnen 24, 38. 
Stärke 154, 2; 203, 35; 204, 22. 
Staub 156, 3; 233, 33. 
Steinbock, zehnter Aeon d. Sphära 

268, 38. 

Sterne (d. Himmels) 155, 33 : 156, 14 ; 
258, 1 — s. auch u. Gestirne. 

Stier, zweiter Aeon d. Sph. 269, 32. 

Stier, zwei weiße St. am Mondschiff 
262, 30 — Stiergesicht s. u. Marchür. 

Stimmen, die sieben (im Lichtschatz) 
2, 26; 13, 12; 140, 31 f. - ihre 
49 Kräfte 276, 33 — ihr Mysterium 
276, 32 — ihre Zahlen 276, 33. 

Strafen (s. auch u. Züchtigung) d. 
Seelen bei d. Archonten u. in d. 
Unterwelt 175, 18; 186, 26 etc. — 
Strafen d. Fluchers, Verleumders 
etc. s. bei den einzelnen Worten. 

Strahlen s. u. Lichtstrahlen. 

Streit(sucht) 186, 34; 188, 14; 268, 

Süden 155, 23 : 261, 17. 
Südwind 156, 12. 

Sünde (vergeben) pass. — schwere S. 
227, 7. 17. 

Sündenvergeber (Reiniger d. Misse- 

20 



306 Sündenvergebung Pistis Sophia Unaussprechliche 

taten) 274, 37 ; 275, 7 - ihre Namen 
275, 7. 

Sündenvergebung — Wasser d. 8 

9, 2 — Myst. d. S. 274, 7. 
Sünder 152, 34 (ihre Züchtigungen) • 

190, 25; 191, 2; 201, 14 n. 

Tarpetanüph 264, 34 b, u. Hermes, 
lau lo6, 2. 

Taube (auf Jesus) 1, 12; 95, 33; 

273, 5 (heilig. Geist).' 
Taufe(n) (zur Vergebung d. Sünden) 

82 4; 153, 5; 217, 6; 219, 36 

220 22. 27; 227, 27 - T. d. 7 

Lichtjuugfrauen s. u. Lichtiungfr. 

— Taufe Jesu 91, 17; 92, 28 — 
Mysterium d. T. 217, 10; 218, 3 23- 
219, 1. 28.36; 220, 6 - s. auch u! 
„Feuer-, Wassertaufe" u. „Geist". 

taufen pnss. 

Thomas (einer der Schreiber d. Eeden 
Jesu) 52, 5. 24. 31; 59, 27; 61, 

^/l'J 1 ' 875 118 ' 36;261 - 15 ; 

Thron 93, 23; 168, 20 u. ö.; 169, 8. 9. 
Tiere (wilde) 56, 19; 154, 27; 252, 
23; 255, 16 — ihre Seeleu 248 14 
Tod 154, 10; 202, 30 (plötzlicher T.) 

— T. durch die Archonten d. Hei- 
^ marmene bestimmt 202, 21 : 252, 8. 

Tor s. bei d. einzelnen Aeonen. 
Totenauferweckaug 204,24; 205 30 

— Mysterium d. T. (von d. Ar- 
chonten 204, 15; 205, 21. 

Totschlag 153, 21, s. auch u. Mord. 

Tränen (T. von d. Materie d. Augen 
46, 23); bei d. Archonten zur Be- 
reitung v. Seelen 25, 2; 26, 11: 
246, 13. 35. 

Traum 207, 24. 

rpi7Mv/,aroi, die drei 151, 31 ; 163, 
32 (gehören zu d. Ordnungen d. 
Unaussprechl.) — ihre Säume 
152, 6 — das Myst. d. ersten 
tatm. von unten 151, 13. 18; 163, 
31 f. (aus d. zweiten Toatv. hervor- 
gegangen); seine fünf Bäume, aus 
d. Vaterlosen hervorgegangen 163, 
8 f.; seine 24 Mysterien (= 24 
Räume) 151, 14; 162, 34 f. (aus d. 
2. Tjxrr»'. hervorgegangen) — seine 
npoazr»?iiTot 163, 21 (aus d. Vater- 
losen hervorgeg.) — der zweite 
row. 162, 37; 163, 34: seine fünf 
Baume (aus d. Vaterlosen her- 
vo >"?eg.) 163, 14; seine (24) My- 
sterien (aus d. dritten rptm: her- 
vorgeg.) 151, 24; 162, 39; seine 



7tgoaxd>pi]Toi (aus d. Vaterlosen 
hervorgeg.) 163, 24 — der dritte 
rpinv. (= d. erste romv. von oben) 
163, 2. 36 f. (aus d. 12. ^ot ? ,w.), 
herrscht über d. drei rpj.Tr." u. d! 
drei Räume d. ersten Myst. 151, 
30f. ; seine fünf Bäume (aus d. 
Vaterlosen hervorgeg.) 163, 17; 
seine 24 Myst. (= 24 Räume) 163, 

4 f. j seine npoaymprrtot (ans d. 

Vaterlosen hervorgeg.) 163, 27 f. 
Tybi (Monatsname) 3, 25 - 4 21 34 
Typhim (Parhedrön), vierte Ordnung 
& -Weges d. Mitte 270, 5 f. — seine 
öi Dämonen verleiten die Menschen 
zu Begierde, Hurerei, Ehebruch 
u ; Ausüben d. Geschlechtsverkehrs 
270, 7 f. — sein dunkler Rauch u. 
böses Pener 270, 14. 
Typus pass. 
Tyrann s. u. Adamas. 
Tyrannen (in d. Aeonen) 16, 24; 17, 
23; 27, 8 u. ö.; 29, 15. 29; 56 26. 
29; 57,6; 156, 24; 167,3; 212,17 
— s. n. Adamas. 

Überfluß 155, 39. 

Übertretung 55, 18; 57, 18; 58, 11 
U.U.: 59, 14 etc. — Engel, die 
Übertretung begangen, haben den 
Menschen die Zauberei gebracht 
17, 34; 19, 8; 20, 33. 
Umgießungen (fierayytofwl) 181, 24. 

33; 183, 24. 
Umkreise s. Kreise. 
Unaussprechliche, der (= der Einzige 
161, 25; 163, 33; 165, 9; 166, 29; 
176, 33; 181, 20) 6,24; 12.9 14 
5. 10; 56, 13; 139, 23; 164, 8 — 
seine Einrichtung (olxovoaia) 161, 
24; 162, 10; 165, 11. 24; 176, 27. 
38; 181, 20 — seine Erkenntnis 
155, 27; 160, 9; 186, 9 — Ge- 
sandter d. Un. s. u. Gesandter — 
Glieder d. Un. 166, 30; 176, 21. 26. 
32; 185, 5. 16; 186, 1; letztes 
Glied 164, 4; 165, 12 - Myste- 
rium d. Un. 155, 27: 165, 14; 
166, 28; 185, 15. 18; sein einziges 
165, 27; 172, 23. 36. 37 (= drei 
Myst. 172, 39; 176, 5 n. ö. nnd 
fünf Myst. 173, 3; 176, 11): 176, 
13. 14 — Raum d. Un. s. u. Raum 
— Reich d. Un. (Zeichen) 174, 24. 
27; 202, 12; 239, 4. 22; 244, 1 — 
Siegel d. Un. 238, 33 - 244, 2 — 
Zwillingsmysterium 162,23 — Ord- 
nungen d. Un. (24 Ordn.) 161, 32. 



Unbarmherzigkeit Namen- und Sachregister Wage 



307 



Unbarmherzigkeit 154, 21 ; 187, 34 ; 
188, 36. 

Unbeweglichen, die zwölf, aus den 
Vaterlosen hervorgeg 161, 1. 

Unbezeichneten, die zwölf, aus den 
Vaterlosen hervorgeg. 161, 16 f. 

Undenkbaren, die (gehören zum 2. 
Räume d. Uuausspr. n. sind aus den 
Vaterlosen hervorgeg.) 161, 11 f. 

Uneinigkeit 156, 38. 

Unendliche, der — sein Name 93, lOf. 

Unendlichen, die 160, 37 (aus -den 
Vaterlosen hervorgeg.). 

Unerschütterlichen, die, in 12 Ord- 
nungen aufgestellt n. aus d. Vater- 
losen hervorgeg. 161, 5 f. 

UnfaUbare, der große (= 24stes Myst. 
von innen) 126, 4 f. 

Unfaßbaren, die zwölf, ans d. Vater- 
losen hervorgeg. 160, 36; 162. 13 
(gehören zu d. Ordnungen d. Un- 
ausspr.). 27 (befinden sich in d. 
Örtern d. 2. Raumes d. Unansspr.). 

Ungepaarten, die (innerhalb d. Aeonen) 
2, 7; 16, 25; 29, 3; 157, 7. 

Ungezeugten, die (innerhalb d. 
Aeouen) 2, 4; 29, 11. 

Unsichtbare, der große 2, 3; 13, 20. 

Unsichtbaren, die 24 im 13. Aeon 
(= die Emanationen d. großen Un- 
sichtbaren resp. d. Barbelo 2, 3; 
34, 32) 2, 1; 10, 20: 13, 24 ; 34, 
32; 68, 8. 24; 72,5. 15 etc. 

Unsterbliche, der — sein Name 93, 
13f. 

Unterwürfigkeit (Gehorsam Inorayri) 
190, 28; 199, 8; 200, 83; 248, 39. 

Unvergänglichen, die (bilden 12 Orter 
in einer einzigen Ordnung u. sind 
aus deu Vaterlosen hervorgeg.) 
161, 37 f. 

Unwissenheit (Sünden in Unw.) 58, 
12 ; 184, 20 ; 188, 17 ; 272, 6 ; 275, 20. 

Urvater s. u. Gott, der unsichtbare. 

Urväter (x(>oxäio<>ei), die (innerhalb 
d. Aeouen) 16, 26; 29, 11; 157, 
16; 167, 17. 

Vater (aus dem Jesus emaniert) 123, 
36- 124,8: 261, 10 : 266,13; 273,4; 

274, 27. 36; 275, 6. 24 (heiliger 
Vater). 25, s. auch u... „erstes Myst." 
u. „Jeü" — seine Orter 43, 34 — 
sein Reich 44, 1;66, 22; 274, 1.6; 

275, 3 n. ö. 

"Vater aller Vaterschaft (im Gebet 
Jesn) 261, 10; 262, 5; 274, 27. 
36; 275, 6. 



Vaterlosen, die (gehören zu d. Ord- 
nungen d. Raumes d. Unaussprech- 
lichen, aus ihnen zahlreiche Aeonen 
d. Lichtschatzes hervorgegangen) 
160, 18 u. ß.; 161, 3 u. ö.; 162, 4 
u. ö.; 163, 7 u. ö. 

Vaterschaft s. n. Vater. 

Verderben 154, 23. 

verfolgen (um d. Namens willen) 
202, 32. 34. 

Verfolgung 8, 9; 241, 38. 

Vergessenheit 272, 6; 285, 25 (V. d. 
Archonten) — Becher d. V. 246, 
1 u. ö.; 247, Su.ö.; 278, 10 u. ö.; 
279, 10; 281, 2. 33; 284, 10, s. u. 
Jaluham — Last d. V. 206, 12. 

Verhängnis (poipa im Menschen) 206, 
23; 207, 34 ; 208, 3 u. ö.; 209, 26; 
210, 6. 28: 211, 6 u. ö.: 214, 22; 

215, 10; 218, 34.37; 220, 10; 247, 
39; 248, 5 ; 252, 6; 253, 23; 255, 
7 n. ö. 

Verkündiger = 1. Gebot 13, 1. 
verleumden 266, 27 : 278, 18. 21 — 

Strafe d. Verleumders 267, 33; 

278, 21 ff. 
Verleumdung 153, 13. 32; 187, 1: 

188, 11. 

Verstand (roOs) 18, 32; 55, 20; 63, 
28; 110, 32; 119, 9. 14; 122, 32; 
135, 29; 213, 24. 

verständig 61, 22; 73, 13; 89, 7; 
119, 9. 15; 250, 20. 

Verteidigungen (ÄTrokoyicu) 166, 17; 
171, 16. 38; 177, 2 u. ö.; 180, 8. 
11, s. auch u. Apologie. 

Verwandlungen (neraßoXai d. Kör- 
pers) 183, 23; 209, 9 ; 215, 29; 

216, 14; 224, 8. 26 ; 232, 12; 249, 
1 ; 251, 1 — Umkreise in d. Ver- 
wandt. 237, 33; 238, 10 n. ö. : 239, 
24 u. ö.; 242, 30; 243, 19. 25. 31; 
244, 27; 251, 19. 

Vieh 56, 19; 154, 29; 252, 23 (Seelen). 

Vierecke s. n. Heimarmene. 

Vögel 154, 30 — Seelen d. V. 248, 

15; 252, 22. 
Vollendung 8, 22 etc. — V. aller 

Vollendungen 1,20; 3, 8; 11, 22; 

20, 18; 262, 1. 
Vollkommener 56, 20. 29; 165, 22 — 

vollkommene Seelen s. n. Seelen. 
Vorhang (Vorhäuge) pass. 

Wachs 165, 2. 

Wächter s. bei d. einzelnen Aeonen. 
Wage, siebenter Aeon d. Sphära 
268, 6. 

20* 



308 Wahrheit Pistis Sophia Zwillingserlöser 



Wahrheit — Anfang d. W. 6, 19; 

7, 24. 30; 11, 5 — Ort d. W. = 
wahrer Ort 6, 23; 276, 25 — Voll- 
endung d. W. 6, 19; 7, 25. 30; 
11, 6 — Weg d. W. (predigen) 
92, 24. 

wahrnehmen (alo&draaO-ac) 158, 38; 

206, 10 u. 8.; 207, 2 n. ö. 
Wahrnehmung 97, 19; 100, 15; 135, 

30; 158, 18; 209, 2 : 247, 21. 
Wasser 155, 35 — W. im Sakrament 

272, 32. 36; 273, 5. 26 (ans d. 
Seite Jesu) — W. d. Sündenver- 
gebung 9, 2 — Becher Wassers 
(beim Sakrament) 274, 18. 22. 

Wassermann, elfter Aeon d. Sphära 
271, 19. 

Wein (beim Sakrament) 272, 32. 36; 

273, 2. 6. 22 (Becher Weins). 
Weinen 153, 31. 

Weinkrug 274, 15 u. ö. 
Weinzweige (beim Sakrament) 274, 14. 
Welt pass. — d. Welt entsagen 159, 

16. 35: 160, 6; 174, 33; 181, 37; 

182, 34: 183, 6 etc. — W. retten 

8, 5; 11, 7. 10; 23, 13 — Aeonen 
d. W. 208, 2 — Archonten d. W. 
8, 7 — Auflösung d. W. 152, 20; 
168, 2; 198. 6; 236, 29 — Be- 
gierden d. W. 207, 25 ; 249, 3 — 
Beziehungen (Hfullat) d. W. 183, 
2 u. ö.; 186, 24; 197, 16 — Ecken 
(vier) d. W. 261, 22; 272, 24 — 
Geschöpfe (Kreaturen) d. W. 191, 
22; 278. 27; 280, 21; 281, 16; 283, 
25 — Jahre d. W. 177, 34 f. — 
Körper d. W. 220, 8 — Leiden d. 
W. 8, 8 — Materie d. W. 155, 11; 
159, 17. 36: 160, 7; 174, 34 etc. — 
Sorgen d. W. 159, 29; 186, 23; 
197. 1. 16; 198, 11 — Sünden d. 
W. 190, 26: 193, 11 ; 195, 6. 20 etc. 

Weltliebe 187, 22. 

wenden — die Bahn (d. Sphära) 

wenden 18, 3 u. ö.; 19, 6 u. ö.; 

21, 26 n. ö. ; 22, 21 u. ö. ; 23, 17 u. ö. 



Westen 155, 21 — nach W. gehen 

(fliehen) 262, 22 u. ö. 
Widder, erster Aeon d. Sphära 268, 4. 
Wildschwein(gesicht) s. Bergschwein. 
Wolken 155, 33. 

Wort — Wort d. Wahrheit 173, 39; 
174, 7. 

Wunder(taten) 131, 16; 132, 5 u. ö.; 
134, 2. 29; 135, 8. 



Vnijtßad'oi, bilden eine einzige Ord- 
nung und sind auB den Vaterlosen, 
hervorgegangen 161, 27 f. 

ijtepTpiTti'ev/HtToi 164, 25. 



| Zahl (Zahlzeichen) 180, 5. 12; 265, 

28 u. ö.; 266, 2 ; 274, 25 ; 276, 33. 
Zarazaz (= Maskelli) im Orte d. 

Mitte 270, 27 f. 
Zarmaröch, Herrscher d. Archonten 

in d. 10. Kammer d. äuß. Finstern. 

234, 28 f. 

Zauberei 17, 36 ; 189, 4 — Mysterium 
d. Z. d. Archonten 19, 11: 20, 36: 
21, 5. 

Zeichen 275, 38. 39. 

Zeit - die drei Zeiten 124, 13. 15 ; : 
125, 5. 

Zeugnis, falsch 187, 4. 

Zeus, s. u. Sabaoth, d. kleine, 
i Zeus, der fünfte von d. großen Ar- 
chonten (Planeten) d. Sphära 264, 
3 u. ö.; 283, 38 ; 285, 5. 17 — 
sein unvergänglicher Name : Chön- 
bal 264, 36. 

Zorn 153, 11: 187, 38 ; 266, 27; 268, 
27. 

Zorokothora s. u. Melchisedek. 
Züchtigungen 152, 34; 153, 2 — 

Züchtigungsörter 283, 28. 
Zwillinge, dritter Aeon d. Sphära 

270, 23. 

Zwillingserlöser (= Kind d. Kindes) 
2, 20; 13, 14; 142, 23. 26; 144, 82; 
145, 5; 158, 8; 168, 10. 



G. Pätz'sche Bnchdr. Lipport & Co. G. m. b. H., Naumbnrg a. d. S. 



12. Mrz 1956 

ii Mihi 

"1. JUNI W 

20. Feb. 1961 
-5, Juni 1961 
17. Juli «W 

| 9.Aug.tSB 

t6. Feb. 19b4 



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